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Katrin

Ruhe

Italien: Interview mit Eduard

Italien – Land, Stadt, Haus

Wie kommt das eigentlich, dass wir alle Jahre Uraub im gleichen Land, in der gleichen Stadt im gleichen Haus machen? Italien ist wundervoll aber eigentlich überall schön, das kleine Dorf in den Bergen von Umbrien unspektakulär, muss irgendwie am diesem Haus liegen, dachten wir uns. Es lag also nah, für das Interview zum Fokusthema Italien unseren Vermieter Eduard einmal auszufragen, wie er eigentlich zu seinem Haus gekommen ist. Eduard lebt in Berlin und hat mehrere Ferienhäuser in Italien, die er ganzjährig vermietet. „Unser“ Ferienhaus war sein erstes Projekt in Itlaien.

Das Anwesen=Weingut hat zwei Häuser, eines liegt oberhalb, das andere etwas tiefer. Hier sitzen wir auf der Terrasse des unteren Hauses mit einem wundervollen Blick ins Tal.

Eduard, eigentlich wissen wir nicht so genau, wie du auf die Idee gekommen bist, dieses Grundstück hier zu kaufen. Was war es denn eigentlich vorher?

Ursprünglich war es ein Landgut, die hatten damals recht wenig Wein, obwohl sie hier eine Weinpresse hatten. Überwiegend war es Landwirtschaft, Kühe, Schweine, Kleinviech. Es gab ja hier Großgrundbesitz. Der (Besitzer) hatte einen Palazzo in Foligno. Das waren damals diese Strukturen. Die Leute wohnten hier, mussten arbeiten und dafür bekamen sie dann die Wohnmöglichkeit. Das war damals in Italien überall so, in der Toskana und auch hier in Umbrien.

Hast du ne Ahnung, wie alt das Haus ist?

Na, schon ein paar hundert Jahre, also die Ursprünge. Es wurde dann, wie es so üblich war, immer mehr erweitert. Am Anfang war es der Turm und ein Nebengebäude. Der Turm war auch als Wehrturm ausgelegt. Richtig mit Schießscharten. Hier zogen immer wieder Räuberbanden durch das Tal und klauten den Leuten alles, was sie hatten, nahmen die Mädchen mit. Es war damals nicht ganz ungefährlich. Die Leute mussten sich also verstecken, bzw. verbarrikadieren, weil das hier ein strategischer Punkt ist. Von der Adria Richtung Süden, Richtung Rom, hatten das Tal eine besondere Bedeutung. Hier sind die Söldnerheere und alles vorbeizogen. Und im zweiten Weltkrieg waren die Deutschen hier. Die hatten im Garten eine Flackstellung und haben dann von hier auf die amerikanischen Flugzeuge geschossen.

Bist du denn herumgefahren auf der Suche nach einem Haus und hast es dann hier gefunden?

Nein, das war totaler Zufall. Ich war überhaupt nicht auf der Suche, sondern damals das erste Mal überhaupt in Italien. Ich habe mit einer Gruppe eine Radtour in der Toskana gemacht. Und in dieser Gruppe war eine Frau, die suchte ein geeignetes Objekt für ein Frauenprojekt hier in Italien. Und hatte mit einem Makler eine Besichtigungsfahrt abgesprochen. Ich hatte noch eine Woche Zeit und hab dann gesagt: Okay, ich komm’ noch eine Woche mit, dann sehe ich was von der Gegend, von Umbrien. Toskana hatte ich ja gesehen. Aber ich hatte null Ahnung von Italien, weder Sprache noch sonstwas.

Und so kamen wir hierher. Für das Projekt wäre es von der Größe her sehr schön gewesen, ihr war es aber zu abgelegen, weil die meisten Frauen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen würden. Sie hat dann einen Palazzo gekauft und ausgebaut.

Und ich hatte als Kind schon immer von einem Turm geträumt.

Ach ja?

Ja eigentlich war es erst nur der Turm, der mich angemacht hat. Und deswegen habe ich alles andere erstmal überhaupt nicht gesehen. Die Ruine und was für ein Riesenvolumen das war. Der Turm, der stand wie ne Eins. Kein Riss, nix. Dach noch drauf und hundert Tauben drin, die hatten ihn zu einem Taubenturm umfunktioniert. Es flatterte nur so da drin. Wahnsinn. Für mich war der Turm wichtig.

Natürlich spielte auch das Drumherum, die Landschaft eine große Rolle. Die Leute. Ich hatte die schon in der Toscana als so freundlich erlebt. Und hier auch. Man war überall willkommen und das hat mich begeistert. Wenn du hier hochgekommen bist, kamen die Leute raus, fragten was du brauchst, und dann bekamst du gleich ein Glas Wasser oder einen Kaffee angeboten.

Meine Freundin dachte, ich wäre jetzt total ausgeflippt, zumal ich gerade in Nordhessen eine alte Schule gekauft hatte. (lacht) Na ja, die musste ich ja auch noch restaurieren.

Und wem gehörte das damals?

Einem Berliner Boxer, der hatte es gekauft.

Als Ferienhaus?

Ne, der wollte mit seiner Freundin hier so Eigenanbau betreiben und davon leben. Der wollte aus dem Steinboden etwas herausholen. Paar Hühner, paar Karnickel und sowas. Na ja, jedenfalls haben sie es dann wieder verkauft.

Na, das war dann eigentlich die Geburt des Objekts. Hier im unteren Teil waren zwei Räume bewohnbar mit einem Kamin und so. Na und dann, peau a peau, haben wir das mit viel Arbeit ausgebaut. Und das war am Anfang auch mit den Kids reines Abenteuer. Wir haben mal eine Seilbahn über die Nera gebaut, um Steine darüber zu transportieren. Ich bin natürlich sofort in die Dornen geknallt. Wir haben das Seil mit dem Auto gespannt und dann sind wir angefahren und … na ja solche verrückten Sachen eben. Die haben alle gesagt, der Eduardo ist ein bisschen verrückt.

Wasser war da und ein Kamin und wir haben dann ein Bad gebaut, so dass man in der Kernzelle hier unten wohnen konnte. Der Rest hat dann Jahre gedauert. Den oberen Teil habe ich machen lassen, als ich wieder etwas Geld hatte. Das hat sich über ich weiß nicht wie viele Jahre erstreckt. Vor allem für die Kinder (seine zwei Söhne) war es ja toll. Zwei, drei Familien sind oft mitgekommen, als es dann alles fertig war. Wir waren jeden Sommer drei, vier Wochen hier.

Und Cultura? (Das Ferienhausunternehmen, das Eduard aufgebaut hat). Ist die Idee durch dieses Haus geboren?

Ja, hat damit zu tun gehabt. Als es dann nämlich fertig war, da kam mir die Idee, einfach eine Agentur zu gründen. Wir hatten viele Freunde und alle kamen, aber keiner wollte was bezahlen. Dann haben wir gesagt: Das macht eine Agentur, ihr müsst euch an die Agentur wenden.

Wir erinnern uns an den sehr schönen Katalog mit den Zeichnungen.  Darin waren ja viele Objekte. Hast du dann rumgefragt in der Gegend, wer noch mitmacht?

Ja, ich habe das mit einem Makler zusammen gemacht, der mir dieses Haus verkauft hat. Der hatte eine deutsche Frau und eine Eisdiele in (Berlin-)Kreuzberg und der ist dann wieder zurück nach Italien gegangen und hat hier gemakelt. Er war also für die Aufnahme der Objekte verantwortlich und ich für die Vermarktung und Vermietung in Deutschland. Wir haben das gemeinsam gemacht und auch viele Verkäufe vermittelt. Heute ist das schwieriger. Es gibt viel weniger, was noch zum Verkauf steht. Damals waren die Objekte erschwinglicher und die Auflagen waren auch nicht so streng wie heute. Mit dem Alleinwerkeln ist es schwieriger geworden. Man braucht alle Bescheinigungen, bevor man die habilitá bekommt, also die Bewohnbarkeitsbescheinigung.

Aber es ist auch nicht mehr so der Run darauf. Die jungen Leute wollen heute lieber um die Welt reisen und sich nicht mit so einem Objekt festlegen. Da hat schon eine gewaltige Veränderung stattgefunden

War das damals auch schon so erdbebengefährdet? Also der Turm hat ja mal Schäden abbekommen bei dem schweren Erdbeben. War das 97/98?

Ja. 1997, da war ich in Visso. Da hatten wir erhebliche Schäden in Visso. Manche Häuser sind total eingestürzt, die übrigens „erdbebensicher“ restauriert waren. Das kam noch dazu. Hier hatte ich nicht so viele Schäden. Es gab im unteren Teil einige Risse im Innenbereich, was ich dann mit einer Restaurierung verbunden habe. Die Raumhöhen waren sehr niedrig. Durch die Türen bist du kaum durchgekommen, da musste man sich immer bücken. Hier sind also überall auch neue Balken drin.

Aber es war doch ein kräftiges Beben damals, das war schon gewaltig. Ich hatte hier Gäste drin und denen fiel von oben die halbe Decke auf den Kopf. Na ja, zumindest ein paar Steine, da, in dem Schlafraum. Aber die waren sowas von cool, die sind dann einfach rüber in den anderen Schlafraum. Da ist nichts oder kaum was passiert.

Und dann oben, da war ein Musiker, der hatte sich hier für eine längere Zeit einquartiert. Wollte so ein bisschen Abstand kriegen und hier arbeiten. Und der hat Panik gekriegt. Er ist nach dem ersten Beben geblieben und hat den ganzen Tag im Garten gearbeitet, weil es natürlich immer gescheppert hat. Die Fenster klirrten, das merkt man dann schon. Das sind die ganzen Nachbeben, in 24 Stunden über hunder Beben. Mal ein bisschen stärker, mal weniger, aber es bebte eigentlich permanent in den Tagen danach. Und dann kam noch einmal ein sehr kräftiges Beben und er sagte, der Turm hätte einen Meter ausgeschlagen. Er saß im Garten. Bei diesem Ausschlag sind oben die Steine über den Fenstern wie aus Katapulten weggeflogen. Da ist er dann gleich abgehauen, der hatte genug vom Beben und Klirren.

Die Leute von unten kamen dann zwei Jahre später wieder zur gleichen Zeit im Oktober. Das waren Herbstfereien und wir hatten überall Vollbelegung. Die erzählten mir: „Ach, wir haben schon ein Erdbeben in San Francisco erlebt und einen Flugzeugaubsturz überlebt.“ Also, die waren sehr cool.

Aber dieses Haus hat ja hier schon was-weiß-ich-wie-viele Beben überstanden und der Turm hatauch entsprechend über einen Meter dicke Wände. Deswegen gehe ich davon aus, dass das Haus mich überlebt. Das Beben 1997 hatte eine Stärke von 6,4/6,5 mit dem Zentrum hier unmittelbar in der Nähe. Die letzten Beben (von 2016, darüber gibt es bei uns einen Blogeintrag) waren ja ein bisschen weiter entfernt, (ca. 20 km Luftlinie) da war es nicht ganz so schlimm. Da lag es dann bei 5 oder knapp bei 5, als es da in Norcia jetzt gebebt hat. Aber ich hoffe, dass es eben … (macht eine nachdenkliche Pause) … zumindest dieses schweren Beben hat das Haus ja überstanden. Ich war ja dann auch hier bei den Nachbeben, bei den doch starken Nachbeben, aber ich hatte eigentlich nie die Befürchtung, dass irgendwas passiert. Es hatte die ersten zwei schweren Beben überstanden.

Ging uns auch so. Ich habe mich gewundert. Ich dachte, ich würde panicken, aber das war nicht so. Das Beben von Amatrice war ja an Ambers Geburtstag und am nächsten Tag sind wir hergekommen. Da hat es noch einige Nachbeben gegeben. Aber die Leute hier haben schon Angst, oder?

Die Angst ist sehr, sehr stark. Vor allem auch die älteren Leute haben Angst, also immer wenn es gerüttelt hat, die waren schon ganz schön angekratzt, nervlich. Die haben dann immer im Wohnwagen geschlafen. Rosa hatte sich einen Wohnwagen besorgt. Sie sind tagsüber zwar im Haus gewesen, aber nachts sind sie dann in den Wohnwagen gegangen.

Ach, also deswegen stand der Wohnwagen da immer? Ich hab mich immer gefragt, ob die alten Leute wohl mit dem Wohnwagen verreisen würden.

Ne, ne überall standen hier ja Wohnwagen, auch oben. Die haben sich alle Wohnwagen gekauft, um in den Wohnwagen zu übernachten. Nachts war es ihnen eben zu riskant in den Häusern.

Zum Abschluss noch eine Frage zu den Trüffeln, die mich faszinieren. Ich hab in all den Jahren hier keinen einzigen Trüffel gefunden. Einer der Bauern kam hier mal vom Berg und hatte einen richtig dicken Trüffel in der Hand. Hier ist ja auch viel abgesperrt (Raccolta tartufo riservata) Werden hier viele Trüffel gefunden?

Ja, ja. Settimo hatte da oben ein abgesperrtes Gebiet und mit dem war ich ein paarmal Trüffel suchen und der hat auch richtig tolle große Trüffel gefunden auf seinem Gebiet. Und die Gebiete sind ja meistens von diesen Trüffelfirmen, die das dann verarbeiten und vermarkten. Die Leute, die da suchen, machen das in deren Auftrag.

Ich war auch oft unterwegs wandern und auch auf Trüffelsuche und man kann hier schon ganz gut erkennen wo Trüffel sind. Also zunächst müssen dort Eichen sein. Die pflanzen Eichen, die geimpft sind mit Trüffelsporen. Dann darf da keine Vegetation sein, nur  Minimalvegetation, keine Wiese. Also Steine um die Eiche herum, aber keine Vegetation. Und so kann man schon die Plätze eingrenzen. Und wenn man dann ausgebildete Trüffelhunde hat …

Die Wintertrüffel, die liegen tiefer, da wird es schwieriger. Die Sommertrüffel liegen teilweise fast direkt unter der Oberfläche. Deswegen haben die auch nicht so ein starkes Aroma wie die Wintertrüffel. Die gibt’s weniger, sind aber auch qualitativ besser.

Und wann findet man die?

Wintertrüffel im November, Dezember, Januar, so die drei Monate. Sommertrüffel, das geht jetzt bald los so: Ende Juni, Juli, August, September auch noch.

Wie tief liegen dann die Wintertrüffel?

Na, das kann schon auch mal so zwanzig Zentimeter sein.

Und die Sommertrüffel eben fast an der Oberfläche und in den letzten Jahren gab es auch immer recht viel und die waren dann auch günstig. Da haste dann dreizehn Euro für hundert Gramm gezahlt. Da kann man sich richtig satt essen. Das ist wirklich toll.

Ich mag sie ja am liebsten nur mit Ei oder Spaghetti, wenn man nicht zu viel Knoblauch ranmacht. Und dann roh drüberreiben. Also am liebsten roh und gerieben mit einer Käsereibe, wie Parmesan, gar nicht mit dem Hobel. Der Trüffel ist ja fest, erst wenn er zu lange gelagert ist, wird er weich, dann kann man ihn nicht mehr reiben. Also er muss richtig fest sein. Also der im Glas ist kein Vergleich zum frischen.

Danke, für das Gespräch, Eduard. Magst du heute gefüllten Pfannkuchen mit uns essen?

Ja gerne, mach’ ich heute mal eine Pause.

Und wir haben dann auch zusammen Pfannkuchen gegessen, wie ihr im Beitrag Italien: Food sehen könnt ;)

Roots

Zufall: Spiegelei und andere Einfälle

Allerlei Spiegelei

Manchmal frage ich mich: Wie sind die Menschen darauf gekommen, aus einem Ei ein Spiegelei zu machen? Ich meine, wann ist das passiert? Denn, Freunde, im Internet gibt es keine Antwort darauf. Da heißt es bei Wikipedia nur über Spiegelei:

 Bildung aus dem 18. Jahrhundert, möglicherweise nach dem spiegelnden Glanz der Dotter.

Okay, klar. Meine Frage ist aber: Wer hat das Ei zum ersten Mal in die Pfanne oder wo auch immer hingeschlagen? Wer kam auf diese geniale Idee, die für viele Millionen Menschen ein anständiges Frühstück ausmacht? Das Spiegelei gibt es schon sehr lange, nicht erst seit dem 18. Jahrhundert, wie Bilder mit Spiegeleiern aus dem 16. Jahrhundert zeigen. Also – wie ging das los?

Jäger und Sammler

Klar, ich denke, es war ein Zufall. Essen war ja in frühen Vorzeiten eine sehr einfache Angelegenheit: Da haben wir Beeren gesammelt und Mammuts gejagt. Und da Vögel noch viel älter als Mammuts und Menschen sind, haben wir vielleicht auch Eier „gesammelt“. Also aus Nestern geklaut. Und dann ist im tiefsten Afrika oder sonswo in einer heißen Gegend mal ein Ei auf einen heißen Stein gefallen. Platsch. Und dann kam – denn das Feuer war schon erfunden – eine Idee zur anderen. Was wäre … und dann könnte – und dann: Jep. Ab da war es dann ganz selbstverständlich: So kann man Eier zubereiten. Vielleicht konnten die Menschen damals noch gar nicht sprechen oder sie haben das Spiegel PLATSCH geannnt und das mit dem Spiegel(ei) kam später, als es Spiegel gab, aber so ging es los. Ich bin mir (fast) sicher.

Ich kann noch nicht mal ein …

… Spiegelei braten. Früher war das die kokette Ausrede von Männer, die andeuten sollte, dass sie wirklich noch nie eine Küche betreten haben. Da lächelt man heute vielleicht drüber, aber als Kind fand ich ein Spiegelei zu braten auch ziemlich mysteriös und schwierig. Schon ein Ei am Pfannenrand aufzuschlagen (und wer ist da draufgekommen?) war eine Kunst. Meine Mutter war Feministin, also hat sie mir Kochen nicht beigebracht. Das musste ich mir im Laufe der Zeit von anderen abgucken.  Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war, als eine Austauschschülerin aus Frankreich bei uns wohnte und an einem Tag für unsere Familie … kochen wollte. Wow. Mutig. Meine Mutter verlor fast die Nerven, weil dieses Mädchen (in allem) quälend langsam war und auch für ihre spezielle Mahlzeit sehr, sehr lange brauchte. Dabei war es ein ganz einfaches und ungemein geniales Gericht.

spiegeleiTomaten und Eier a la Austauschschülerin

Zutaten für 2: 2-4 Gemüsetomaten, 2 Knoblauchzehen, 4 Bioeier, etwas Öl, Pfeffer, Salz, Kräuter der Provence oder frischen Oregano oder andere Kräuter.

Zubereitung: Tomaten in dicke Scheiben schneiden, Knoblauch in dünne Scheiben schneiden, mittlere Pfanne, Öl erhitzen, Hälfte der Tomaten nebeneinanderlegen, so dass der Pfannenboden bedeckt ist und mit Hälfte des Knoblauchs anbraten. Eier darüberschlagen, würzen, stocken lassen. Auf Teller tun, warm stellen. Zweite Pfanne genauso machen, servieren. Baguette und Wein dazu. Bäm. Fertig.

Was ich so grandios an diesem Rezept finde, ist, dass man die Zutaten in der Regel im Kühlschrank hat. Also im Sommer mit ziemlicher Sicherheit, und wenn nicht, dann sind sie sehr einfach und schnell zu beschaffen, außerdem ist alles günstig. Nun sind ja Eier ziemlich in Verruf geraten und erinnern wir uns an den Anfang der Sache: Eier klauen. Und dann aus schlechtem Gewissen fallen lassen. Jaaa, jaaa! Das war schon von Anfang an nicht so ganz korrekt.

Rein zufällig im Kühlschrank

Abgesehen von den Eiern – die Sache mit dem einfachen Kochen finde ich faszinierend. Es gab da mal eine Sendung im Fernsehen (dieser flimmernde Kasten, der früher immer in den Wohnzimmern stand), das war vermutlich der Anfang des Reality-TVs und ein Vorgriff auf etwas, was wir heute besser bei YouTube sehen können. Jedenfalls besuchte da ein Spitzenkoch irgendwelche prominenten Schauspieler und sollte in deren Küche mit dem kochen, was er im Kühlschrank vorfand. „Hallo, kommen Sie herein! “  „Gerne. Und dann schauen wir mal … was sie zufällig im Kühlschrank haben!“

Okay, keine Ahnung, ob das so zufällig war. Ganz offensichtlich wurden da viele Dinge plaziert, die erstens den Koch vor eine sehr schwierige Aufgabe stellen sollten und auf der anderen Seite irgendwie cool für den Gastgeber aussahen. Da war eine Schauspielerin, die hatte nur eine Flasche Champagner und ein paar Snacks im Kühlschrank. Sehr sexy. Das kann aber tatsächlich sein, denn wenn Schauspieler viel am Set sind, dann haben sie dort ein Catering. Manche gut beschäftigte Schauspieler hangeln sich so von Set zu Set. Und der Kühlschrank bleibt leer.

Der Koch hat daraufhin (und ich fand, er hat die Zufallsregel schon sehr großzügig ausgelegt), alles genommen, was im Kühlschrank lag und es mit den Sachen, die er sonst noch in der Küche gefunden hat, kombiniert und tatsächlich etwas kreiert, was ihm zufällig gerade eingefallen musste und essbar war. Ja, Jäger und Sammler, wir haben das wohl immer noch in uns.

Improvisiert kreiert

Was mir an dieser Sendung gefiel war, dass Leuten, die eigentlich überhaupt keine Fantasie oder den Nerv zum Kochen haben und logischerweise einen in der Regel sehr spärlich bestückten Kühlschrank, ein Kochwunder gezeigt wurde. „Mönsch, aus dem Zeug, was da im Kühlschrank vor sich hinrottet, kann man ja echt noch was machen!“ Gefällt mir auch, weil wir nicht so viel wegwerfen sollten und lieber hinsehen, was alles da ist. Einfach großartig, wie kreativ dieser Meisterkoch an seine Aufgabe heranging, auch wenn die Ausgangbedingungen äußerst schwierig waren.

Ein Gericht, das vielleicht aus einer ähnlichen „Notlage“ heraus entstanden ist, ist dieses:

Nudeln mit Wodka mit dem-was-zufällig-im-Kühlschrank-war

Zutaten für 4 Personen: Zwei Becher Sahne, 50 Gramm Butter, 2 TL Mehl oder Stärke zum Andicken, Salz, Pfeffer, kleiner Flachmann Wodka, 500 Gramm Spagetti.

Zubereitung: Butter in mittlerer Pfanne zerlassen, Sahne dazu, aufkochen, mit Mehl oder Stärke etwas andicken, Würzen, Wodka vorsichtig und langsam dazugeben, erneut aufkochen, auf kleiner Flamme warmhalten. Spagetti in leicht gesalzenem Wasser al dente kochen. Abgießen, zu der Soße geben, sanft verrühren. Der Alkohol verfliegt beim Kochen, der Wodkageschmack bleibt. Guten Appetit!

Sollte man die Zutaten nicht im Haus haben, kann man zumindest den Wodka auch an der Tankstelle bekommen …

Rezepte – kein Zufall

Ich sagte schon, dass ich als Kind keine Ahnung vom Kochen hatte. Ich hielt die Sache offengestanden für Magie. Wie sonst ließ sich erklären, dass aus staubigen, feuchten und krümeligen Zutaten auf einmal ein Kuchen entstehen konnte? Rezepte waren daher für mich daher Zaubersprüche, die man nur richtig genug befolgen musste, dann passierte – Magic!

Als älteste von vier Kindern habe ich dies auch mit viel Überzeugung meinen beiden Brüdern erklärt, als wir gemeinsam etwas kochen wollten, da unsere Eltern unterwegs waren. Ich war vielleicht acht oder neun, meine Brüder entsprechen 1 bis 3 Jahre jünger. Da wir die Sache nicht unbedingt an die große Glocke hängen wollten, entschieden wir uns für ein Rezept, für das man wenige Zutaten brauchte. Ich fand es in einem alten Dr. Oetker-Kochbuch. Apfel-Reis. Hört sich großartig an, oder? Zutaten: Reis, Wasser, Äpfel. Wir kochten streng nach Rezept, was eigentlich nur bedeutete, den Reis in Wasser zu kochen und die Äpfel reinzuschneiden. Doch es musste ja noch die Magie wirken, denn immerhin mischten wir hier Dinge mit Wasser unter Hitze zusammen!

Nun – sie wirkte nicht. Das Gericht war eine Enttäuschung. Es schmeckte – kein Zufall – nur nach Reis mit zerkochten Äpfeln, die Konsistenz war enttäuchend pampig. Mein Glaube an Rezepte hat damals einen sehr derben Knacks bekommen. Wo war die Magie?

Der magische Kuchen

Ich habe es aber doch noch gefunden, das Rezept, das einfach und magisch ist. Es wurde mir mündlich in einer kleinen Küche in Frankreich überliefert. Ich war zufällig da. Es ist ein Kuchenrezept, wird also gebacken. Bis heute glaube ich an die wundersame Kraft von Backöfen. Was oben auf dem Herd passiert ist mir eher unheimlich, wenn ich schreibe, lasse ich dauernd etwas anbrennen – Backöfen sind da viel gemütlicher und stressfreier, obwohl es hier auch schon Desaster gab, die einen weiteren Blogbeitrag füllen könnten. Zurück zu einem magischen Abend in einer Küche mit drei Französinnen, die mal eben einen Nachtisch für ein sowieso schon üppiges Mahl gezaubert haben, weil es ja ohne nicht perfekt wäre und Kuchen – immer geht.

Magischer Kuchen mit Obst, das zufällig da ist

Zutaten für den Teig: 200 Gramm Mehl, 200 Gramm Butter oder Margarine, ein Schnapssglas Wasser, eine Prise Salz.

Zubereitung: Alles zusammenwerfen, durchkneten, notfalls Mehl dazu, falls es klebt. Eine Springform oder Kuchenform damit auslegen und dann – rauflegen, was gerade zufällig im Obstkorb ist. Bevorzugt: Äpfel oder Birnen, die in feine Scheiben geschnitten und auf den Teig gefächert werden. Darüber etwas Zucker streuen oder Creme Fresh verteilen oder Ahornsirup oder Honig oder geröstete Mandeln. 20 Minuten in den Ofen bis alles schön braun ist. Dazu Kaffee oder Tee und ein französischer Schwarz-Weiß-Film. Voilà.

Vegan, wenn man Margarine statt Butter nimmt. Die Eier fehlen nicht im Teig, denn es ist eher eine zarte dünne Teigschicht, die das Obst trägt.

Zufall und Kreativität

Hätte es nicht irgendwann einmal Menschen gegeben, die beim Kochen ausprobiert und herumexperimentiert hätten, wären niemals neue Gerichte entstanden. Das finde ich großartig, daran sollte man sich viel öfter erinnern, statt das x-te Kochbuch zu kaufen, weil man an eine Magie glaubt, die man in den Rezepten nicht finden wird. Dafür muss man sich selber – dem Zufall überlassen, etwas ausprobieren. Oder fallen lassen.

Ups, I dropped the lemoncake heißt der Nachtisch eines Spitzenkochs, dem ein Missgeschick passierte und der seitdem seinen Zitronenkuchen genauso serviert, wie der aussah, als er ihm vom Teller gerutscht ist: In einem krümeligen Haufen.

Bon appétit!

fabrik
Radio

Potsdam #7 – Die Fabrik

Die Fabrik in Potsdam

Als geborene Berlinerin (die immer Berlinerin bleiben wird), aber seit zwanzig Jahren in Potsdam lebt, wächst mir die Stadt langsam ans Herz. Sie ist so kuschelig klein und trotzdem so sympathisch bemüht, eine Hauptstadt zu sein. Am besten lässt sich das an dem Umgang mit Kultur feststellen – Theater, Kunst, Musik. Nach der Wende waren viele Orte Neuland und in dieser Aufbruchsstimmng entstanden viele freie Kulturorte. So war das auch mit dem Waschhaus. Es begann 1992 mit der Besetzung der ehemaligen Garnisons-Waschanstalt und ersten Kunstaktionen. Über das Waschhaus muss ich demnächst noch mal bloggen, aber heute geht es um die fabrik, das internationale Zentrum für Tanz und Bewegungskunst. Heute ein Verein und auf dem Gelände der Schiffbauergasse (also dem Waschhausgelände) zuhause.

Tanzfabrik Berlin

In Berlin bin ich früher – vor der Wende – gerne in die Tanzfabrik gegangen, die man auch heute nicht mit der fabrik in Potsdam verwechseln sollte, obwohl beide Ähnliches machen. Als Zuschauerin bin ich gerne zu den grandiosen Tanzaufführungen der Berliner Tanzfabrik und als Hobby-Tänzerin zu den Kursen gegangen. Bilder - Tanzfabrik BerlinNope, ich war nicht gut, jedenfalls nicht im klassischen Sinn. Aber es gab Contact-Dance und Impro und lauter Tanzmöglichkeiten, für die man keine Ballettausbildung benötigte und bei denen es auch gar nicht darauf ankam, wie gut man Ballett konnte.

Genialerweise wohnte ich eine zeitlang sogar in der Fabriketage über der Tanzfabrik und musste nur noch eine Etage tiefer gehen, um die Tanzkurse zu besuchen. Sehr gut erinnere ich mich an den Licht-Stahlkranz im Tanzstudio. So einen wollte ich später auch in meiner Wohnung haben (und, ups, das ist noch nicht passiert!).

Tanztheater Bochum und Reinhild Hoffmann

Dido und Aeneas von Reinhild Hoffmann

Zu der Zeit wohnte Uwe in Bochum und ich bin oft zwischen Berlin und Potsdam hin- und hergependelt. Wir waren oft im Theater und oft im Tanztheater, denn Reinhild Hoffmann, die Pinoierin des Tanztheaters, hatte ein Engagement am Bochumer Schauspielhaus. Das war ungewöhnlich, die große Bühne für das kleine Tanztheater, doch Reinhild Hoffmann hat es einfach groß gemacht. Ich erinnere mich an die Stücke Fön und Machandl und an Hof – großartige Tanztheaterstücke mit Gruppen von Tänzern, Musik, Kostümen, Wechsel zwischen klassischem Tanz, Revue, Standardtanz und freiem Contemporary Dance. Was da auf der Bühne passierte, war wunderschön und gleichzeitig Anarchie der Form und Vorstellung. Sich wälzen neben herumtippeln, rollen und dann wieder Spitzentanz, zu zweit, zu dritt, in der Gruppe – allein. Genial.

Die Aufführungen haben mich so beeindruckt, dass ich später ganze Serien von Zeichnungen dazu gemalt habe. Einmal habe ich Reinhild Hoffmann zufällig getroffen und ihre gesagt, wie großartig ich ihr Tanztheater finde, was sie wohl – ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen – eher verstört hat. Sie ist ein herber und zurüchhaltender Charakter, etwas, was man ihren Stücken seltsamerweise überhaupt nicht anmerkt.

Tanzfabrik Potsdam
Foto: Stefan Gloede

fabrik Potsdam – Eingang: Nachtaufnahme vor Renovierung von Stefan Gloede

Als wir dann 1997 nach Potsdam kamen, war das Tanztheater schon da. Klein und unauffällig, aber rebellisch und gut. Ich erinnere mich an eine nur zu einem Drittel besetzte Aufführung. Isabel, die vielleicht 9 Jahre war, schlief schon halb auf meinem Schoss ein, da die Tanzstücke immer erst gegen  21 oder 22 Uhr begannen. Ein grandioses Stück und meine stille Frage: Wieso sind nicht mehr Leute da und sehen sich das an?

Jap, das blieb das Problem. Potsdam war gut in Boulevard und Klassischer Musik, aber der Rest – fand oft nicht wirklich die Wertschätzung.

Oxymoron

Es gibt noch mehr Tanz in Potsdam. Und zwar ganz nah, auch auf dem Waschhausgelände. Die Oxymoron Dance Company versteht sich

als als Kompetenzzentrum für Tanzkunst, dessen besonderes Merkmal die Entwicklung von Tanzarbeit und Tanzperformances aus soziokultureller Beschäftigung und der aktiven Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sowie jungen Künstlern ist. (Siehe Website)

What a sentence! Ich konnte die Oxymoron Company und die fabrik immer schlecht auseinanderhalten, denn irgendwann früher war alles mehr oder weniger eins gewesen. Tanz – im Waschhaus eben. Heute verstehen sie sich als unabhängige Organisationen, weshalb ich manchmal über das Gelände irre, um den richtigen Ansprechpartner für dieses oder jedes Tanzstück zu finden. Ganz vieles läuft auch in Cooperation, wie die Tanztage, die  jedes Jahr im Mai stattfinden oder Aufführungen und Workshops.

Die fabrik Potsdam

„Die fabrik Potsdam produziert das couragierteste Tanztheater der Republik.“ (DIE ZEIT, 28. Juli 2005)

Was 2005 gesagt wurde, trifft heute nicht mehr ganz so zu, finde ich, da sich vieles dann doch nach Berlin verlagert hat. Heute heißt Fabrik vor allem: Workshop, Tanzkurse, Tanztage, Konzerte und ein schönes Café, in der die jeweiligen Tanz-Artists in Residenz zu Mittag essen, wo man aber auch einen sehr guten Cappuccino bis nachmittags bekommt oder einen Wein vor und nach den Aufführungen. Ein schöner Ort. Und es gibt sie natürlich trotzdem noch, die oft sehr tollen Tanztheater-Aufführungen.

Für alle, die Tanztheater besser verstehen, wenn sie es sehen, habe ich eine kleine compilation auf You Tube herausgesucht. Etwas von Reinhild Hoffmann ist auch dabei:

Gruselhof
Radio

Potsdam #6 Der Gruselhof

Halloween & Gruselhof

Ich kenne Ulrike und Matthew Sweetwood jetzt zwanzig Jahre. Wow. Genauso lange wohnen wir in Potsdam und offenslichtlich sind unsere Leben auf magische Weise miteinander verbunden. Matthew ist Amerikaner und durch ihn habe ich zum ersten Mal Halloween kennengelernt. Halloween, eine Sache, die ich nur aus amerikanischen Serien kannte. Ein Joke. Nichts, was man feiern sollte. Schon gar nicht am Reformationstag. Aber – ihr wisst es alle – Halloween ist schon lange zu einem weiteren Stand im Supermarkt geworden, an dem man orangefarbene Werbeartikel und Kürbisse kaufen kann. Was am Anfang ganz schön nervig war und nur nach einer neuen Methode aussah, uns noch mehr Kram zu verkaufen, aber sich langsam in unsere Herzen geschlichen hat.

The Spirit of Halloween

Denn, hey, eigentlich kann man das Leben ja gar nicht genug feiern. Oder den Tod … Und die Kinder finden es auch klasse, dass man an Halloween verkleidet durch die Nachbarschaft ziehen und um Süßigkeiten bitten kann. Äh, stimmt, die werden eher eingefordert: Süßes, sonst gibt’s Saures. Wer an diesem Tag einen unangemeldeten Besuch bei Freunden macht, wird sich vielleicht wundern, dass Licht in der Wohnung ist, aber niemand aufmacht. Verdammt wir haben wieder vergessen, was Süßes zu kaufen. Die Süßigkeiten sind, alle, lass sie nicht rein. Ich weiß nicht, was Saueres bedeutet? Es gibt an diesem Tag viele Gründe, die Tür nicht zu öffnen.

Der Gruselkeller

Nun ist Matthew nicht nur Amerikaner, sondern auch Filmemacher und Künstler und Halloween für ihn eben nicht nur das Fest, an dem man Kürbisse aufschlitzt und den Nachbarn Süßigkeiten abpresst. Nein, er hat seine ganz eigene Vorstellung von Halloween. Grusel, Horror, Erschrecken. Morbides, Dunkles, Blutiges …

Sweetwoods und wir wohnten damals noch im selben Haus und in den 90ern war dieses Haus in großen Teilen unrenoviert. Besonders der Keller. Der war riesig, hatte mehrere ungenutzte Kellerverschläge und sehr viele Möglichkeiten, unschuldige Menschen – ganz ohne irgendwelche zusätzlichen Geräusche, Horrorgestalten oder von der Decke hängenenden Spinnweben – zu erschrecken. Für einen Halloween-Performance-Artist wie Matt war das natürlich eine exellente Bühne und Halloween der Tag der Aufführung. Amber war damals etwa drei und der Keller an Halloween – Nope! Ich sage nur: Komplette Finsternis, verhangende Decke, Sarg, lebende Tote, blutig Äxte, echte Mäuse, verstörender Sound und viele Akteure, die aus diversen Ecken gesprungen sind. ICH hatte Angst.

Der Gruselhof

Familie Sweetwood ging einige Jahre in die USA und mit ihnen verschwand der Gruselkeller. Manche erzählten Geschichten … aber das schien laaaaange her zu sein. Doch dann kehrten sie zurück, zogen in eines der schönen Häuser im Holländer Viertel in Potsdam und – bespielen seitdem den Innenhof an Halloween. Von der ersten groben Idee einer Gruselbahn/Geisterbahn, hat sich die Sache nun schon seit Jahren zu einer Story entwickelt, die jedes Jahr neu  inszeniert wird.
Immer geht es um diese seltsame Familie, deren Oberhaupt mit schwarzem Zylinder, einem alten Frack, langen strähnigen Haaren und einem großen Stock von Matt gespielt wird, der uns seine Geschichte erzählt.

Mal sind alle Familienmitglieder Ärzte und zersägen ihre Opfer, oder verrückt geworden und fallen Menschen an. Eine Kettensäge ist immer mit dabei und auch kleine enge Hofräume, die man besser nicht betritt, da jemand/etwas/ einen dort anfallen könnte. Ja, es wird immer besser und verrückter und Amber ist auch nicht mehr klein und lässt sich erschrecken, sondern war dieses Mal  selber Teil der crazy family.

Hereinspaziert

Schon letztes Jahr musste man anstehen, dieses Jahr war es dann überfüllt vor dem Eingang zum Gruselhof, den immer nur 6-7 Personen auf einmal erleben dürfen. Ab jetzt behaupte ich, ist es eine offizielle Attraktion von Potsdam. Kommt herbei! Bitte, lasst eure Kinder zu Hause, wenn sie unter sechs sind oder schon im Vorraum zu weinen anfangen, sobald das gebeugte Oberhaupt der Familie im, nur von flackernden Lichtern hinter Totenköpfen beleuchteten, Vorraum herumhumpelt und alle in sein schräges Heim einlädt.

Wie ist es denn so im Gruselhof? Äh, ich hatte sehr oft die Augen zu. Und habe nur den wummernden, knarzenden, kreischende Sound mitgekommen. Manchmal geblinzelt und den Rauch, das Geflacker der Lichter und die herumspringenden Gestalten gesehen. Und mich einmal (denn einmal passiert es immer) zu Tode erschrocken, als das Baby im Kinderbettchen auf einmal lebendig wurde. Und beim Wegstolpern bin ich dann gleich einem aufrechten Toten in die Arme gelaufen. Ja, das waren für mich die Highlights dieses Jahres: Die kreischende Mutter mit ihrem halbtoten Kind im Gitterbettchen und der Tote hinter der Wand. Hm, ich sollte vielleicht noch die kriechenden Gestalten (Wölfe?) am Ausgang im Nebel erwähnen. Albträume garantiert …

Wer vorbeikommt, sollte Süßes dabei haben und vielleicht in den nächsten Jahren mit einem Eintritt rechnen, denn diese Show ist – ja genau: Eine großartige Show.

Ich freu mich schon auf’s nächste Jahr.

Ach, ja, für alle, die sich fragen: Wieso überhaupt Halloween???

Halloween – Wo kommt das her?

Der Brauch, Kürbisse zum Halloweenfest aufzustellen, stammt aus Irland. Dort lebte einer Sage nach der Bösewicht Jack Oldfield. Dieser fing durch eine List den Teufel ein und wollte ihn nur freilassen, wenn er Jack O fortan nicht mehr in die Quere kommen würde. Nach Jacks Tod kam er aufgrund seiner Taten nicht in den Himmel, aber auch in die Hölle durfte Jack natürlich nicht, da er den Teufel betrogen hatte. Doch der Teufel erbarmte sich und schenkte ihm eine Rübe und eine glühende Kohle, damit Jack durch das Dunkel wandern könne. Der Ursprung des beleuchteten Kürbisses war demnach eine beleuchtete Rübe, doch da in den USA Kürbisse in großen Mengen zur Verfügung standen, höhlte man stattdessen einen Kürbis aus. Dieser Kürbis war seither als Jack O’Lantern bekannt. Um böse Geister abzuschrecken, schnitt man Fratzen in Kürbisse, die vor dem Haus den Hof beleuchteten. (Wikipedia)

 

Nomadenland
Roots

Potsdam #5 Nomadenland

Nomadenland

Das mag ich an Potsam einfach. Diese Mischung aus Hippie-Alternativ-Kultur und royalem Auftritt. Die Spannbreite, obwohl sie auf den ersten Blick überhaupt nicht auffällt. Da fahren wir letztens mit dem Hund in die Felder und auf dem Rückweg durch den Volkspark Potsdam (ehemals BUGA) und dann stehen da drei Jurten in der letzten Abendsonne. Wir haben es entdeckt: das Nomadenland.

Zwei Schilder. Auf dem ersten werden Veranstaltungen angekündigt (Märchenstunde, Theater, Lesung) auf dem zweiten gibt es Getränke. Der Kombination von Capuccino und Kultur konnten wir noch nie widerstehen, also absteigen, mal sehen, was das hier ist.

Kultur to go

Auch so eine Sache, die ich an Potsdam mag. Die Bandbreite der alternativen Kulturorte und Veranstaltungen. In einer der drei Jurten wird geprobt, morgen ist Vorstellung. Also mal reingehen, sehen, was da passiert.

Drinnen treffe ich eine Bekannte. Noriko Seki, eine Choreografin und Tänzerin, unsere Töchter waren in der gleichen Klasse, so ist das hier in Potsdam. Sie hat am nächsten Tag Aufführung, davor im T-Werk in Potsdam und jetzt muss ein Soundcheck gemacht werden. Zwei Stühle, ein Hocker, das ist die Bühne. Den meisten Platz braucht der Musiker, sagt sie.

Wir fragen uns nach unseren Töchtern aus, life is good.

Ich staune, wie groß die Jurte im Innern ist. Und wie schön. Gemütlich.

Fast möchte man einziehen. Zumindest für eine Nacht und – das geht. Die Jurten werden vermietet, in der Nachbarjurte übernachtete eine Truppe Kinder, es wird Kindergeburtstag gefeiert. Man muss aber kein Kind sein, um hier zu übernachten. Nur mal so.

Leben in der Jurte

Ich zelte nicht gerne, früher hätte ich „hassen“ gesagt, aber die Jurte …  Da wird man an eine Vor-zeit erinnert, so haben wir Menschen mal angefangen, oder uns zumindest durchgeschlagen, und irgendwo auf der Erde wohnen Menschen immer noch so. Finde ich gut. Da mir ein Medium gesagt hat, dass ich in meinem früheren Leben eine Indianer-Schamanin war, nehme ich das mal als vertraut hin. Kann auch am Bier liegen und der Sonne, aber gerade ist das Leben – perfekt.

Less is more

Potsdam hat ein Talent im Improvisieren, der Tisch ist ein überdimensionales Brett und irgendwie sind alle Sitzgelegenheiten – etwas anders. Das macht den Charme aus und eigentlich kenne ich das eher aus Berlin. Potsdam wird also cool.

Da steht ein Grill, daher entscheiden wir uns für Bier, natürlich alles Bio, wir nehmen Potsdamer Stange und der Tag neigt sich golden seinem Ende zu. Ja, ich wollte noch arbeiten, aber carpe diem ist gerade mein Leitspruch geworden, also – relax. Und wiedermal einen guten Ort entdeckt.

 

Royal

Potsdam #4 Schloss Babelsberg

Achtung, diese Beitrag kann Nebenwirklungen haben. Zum Beispiel Neid und Eifersucht auslösen. Schloss Babelsberg – royaler Prunk, Präsentation eines königlichen Lifstyles, Festessen an langen Tafeln, der Blick aus riesigen Panoramafenstern in eine sorgsam gepflegte Gartenanlage. Luxus, Langeweile und anschließendes Lustwandeln im englischen Garten. Irgendwie dekadent. Aber – nun kommt die frohe Botschaft: Dieser Ort und dieses Leben ist nicht mehr so exklusiv wie vor 175 Jahren, sondern – offen für alle!

Schloss Babelsberg

Schloss BabelsbergAls wir 1997 nach Potsdam zogen, waren die meisten Orte, Gebäude und Straßen fast zehn Jahre nach Wiedervereinigung und Wende immer noch in einem stark zerfallenen Zustand. Ganz besonders die Schlösser, die teuer zu erhalten sind und nicht gerade in eine sozialistische Republik gepasst haben. Aber während Gebäude zerfallen, wuchern Gärten und so war der Park Babelsberg eigentlich nur noch großartiger geworden.

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Skeptischer Blick vm Babelsberg auf Potsdam.

Ich erinnere mich an ein Familienpicknick so um 2005 oben auf dem Babelsberg vor dem Schloss mit Blick zurück nach Potsdam über das Wasser. Wie man sehen kann, war das Schloss nicht gerade ein Schmuckstück, die Aussicht aber trotzdem grandios. Trotz der skeptischen Blicke, und leider erinnert sich niemand mehr, was da gerade beobachtet wurde.
Schloss BabelsbergDie Fotos habe
ich – ganz offensichtlich – auch nicht gemacht, um das Schloss zu portraitieren und wenn ihr mich in den Fotos vermisst – ich stand hinter der Kamera. Was man gut sieht: Das Schloss war ziemlich heruntergekommen und die Wiese davor – eben eine Wiese. Grandios zum picknicken. Granidos zum rumspielen.

Throwback 1833

Wie alles begann. Die adelige Augusta trifft auf den preußischen Prinzen Wilhem, heiratet ihn, und folgt ihm an den preußischen Hof. 1833 erhält das Paar den Babelsberg als Geschenk und einen Neubau genehmigt. Ein Berg – geschenkt. So war das damals. Und klar sind royale Geschenke groß und man kann meist nur etwas damit anfangen, wenn man viel Geld hat. Also wird ein Schloss auf dem Berg nach Plänen von Schinkel gebaut und Lenné macht den Park.

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Babelsberger Schloss um 1900

Als Wilhelms großer Bruder 1840 König wird, muss das Schlösschen gleich mal erweitert werden und Fürst Pückler (ja, der mit dem Eis), der sich über die Jahre an das Prinzenpaar Augusta und Wilhelm herangepirscht hat, darf endlich die  Gartenplanung übernehmen. Schinkel stirbt, sein Schüler Persius macht weiter, was vermutlich nicht so einfach war, da Augusta ständig Änderungswünsche hatte. Auch Persius stirbt noch vor Vollendung des Baus und Strack übernimmt. Das nur, um zu erklären, wieso das Schoss so seltsam zusammengestückelt wirkt. Da die Nachfolger von Wilhem I. an diesem Schloss aber kein größeres Interesse hatten, wurde nicht weiter um- und ausgebaut, es blieb so und – zerfiel.

Schlosslose Zeiten

1945 ging das Mobiliar nach Plünderungen verloren, in DDR-Zeiten wurde das Schloss ganz profan als Akademie, Filmhochschule und schließlich als Museum genutzt.

Ich bin nicht unbedingt ein Fan davon, alte Schlösser wieder aufzubauen, weder das Stadtschloss in Berlin, noch das Potsdamer Schloss, aber dieses Schloss war nicht gänzlich weg, sondern eigentlich noch da und ziemlich intakt. Da konnte man noch was machen. Das fand dann wohl auch der Bund, sowie die Länder Berlin und Brandenburg, die zwischen 2008-17 ein Sonderinvestitionsprogramm zur Rettung bedeutender Denkmäler in Berlin und Brandenburg auflegten, mit dem auch das Schloss Babelsberg – vorerst außen – renoviert wurde.

Fürst Pückler

Schloss babelsbergDer Abschluss der Außenrestaurationsarbeiten, die auch den Park betreffen, wird nun – im noch nicht renovierten Innenbereich – mit einer Ausstellung zu Fürst Pückler gefeiert, der mich irgendwie an den deutschen Schauspieler Tom Schilling erinnert. Also wenn mal jemand eine Verfilmung dieser ganzen Schlossära ins Auge fasst …

Ich habe die Ausstellung mit Steffi besucht, die einen Presseausweis hatte, ansonsten muss man 10 Euro Eintritt zahlen, die sich lohnen, da es eine gut gemachte, schöne und mulitmediale Ausstellung und besonders der Blick aus dem Schloss in den Park besser als Kino ist.
Den Blick auf das Schloss von der Wiese aus von 2005 habe ich versuchsweise mal nachgestellt. Denn, ja, so sieht das heute aus.Schloss Babelsberg

Aber selbst wer nicht die Ausstellung im Schloss besuchen kann, die nur noch bis Oktober geht, auch die Außenanlagen sind ziemlich beeindruckend.

Schloss Babelsberg

Hier nach links und ihr kommt zum Café Babel.

Weshalb ich aber empfehle, unbedingt noch bis Oktober das Schoss Babelsberg zu besuchen, ist das temporäre Café Babel gleich neben dem Schloss. Eigentlich nur zwei Reihen mit Bierbänken und schönen Schirmen, aber es gibt einen exellenten Kaffee und Kuchen und einen großartigen Service. Dazu Fürst Pücklereis und wenn man mehr Hunger hat eine Biobratwurst oder einen Garnelenspieß vom Grill und dazu frischen Weißwein. Alles komplett erschwinglich. Wir sind jedenfalls schon voll verliebt in diesen Sommerspot.
Und um euch noch ein wenig mehr anzufixen – ein kleines Video-Snippet oder auch eine Einladung nach Potsdam auf den Babelsberg -Prost!

Ach ja, und vielleicht sollte ich doch noch die Aussicht nachtragen, die wir schon damals von der Wiese vor dem Schloss Babelsberg aus hatten …
Aussicht2Und jetzt muss ich doch ganz ernsthaft mal nachforschen, was es damals so kritisch zu beobachten gab, denn auch ohne Schloss und Café ist diese Aussicht – damals wie heute – einfach großartig.

Roots

Taube auf dem Dach

Als sich vor ein paar Wochen eine Journalistin für eine Homestory beim mir meldete, war mein erster Gedanke: Erwähn die Tauben nicht, die gerade auf deinem Fensterbrett nisten, denn dann wird es in dem Artikel nur noch um die Tauben gehen. Erwähn die Tauben nicht!

Die Sache mit den Tauben

Die Tauben sind an einem Morgen gekommen. Gurrend saßen sie zu zweit auf dem Fensterbrett vor meinem Schreibzimmer. Eigentlich schreibe ich überall wo es gerade passt und wechsle die Stellen auch gerne mehrmals während eines Buchprojekts. Aber manchmal bleibe ich auch eine Weile an einer Stelle bis das Buch fertig ist. Stellen suchen und sich einnisten – das ist mir also sehr vertraut.

Das Männchen bietet Nistplätze an, die endgültige Auswahl erfolgt durch das Weibchen (Wikipedia)

Exakt so war es. Aber Tauben – Freunde! – ihr seid wirklich keine besonders talentierten Nestbauer. Ein paar kleine Stöckchen auf das Fensterbrett legen und bei jedem Flügelschlag wieder herunterwedeln?  Taube auf dem Dach Nicht so überzeugend. Also dachte ich mir, ich helfe mal ein bisschen nach und habe einen alten Strohkranz (von Weihnachten) ausgebuddelt und auf dem Fensterbrett angeleint. Ohne große Hoffnung, wenn ich ehrlich bin.  Auch wenn kurz darauf einige Stöckchen im Kranz lagen – sah jetzt noch nicht so nach ernsten Absichten aus.

Bauen und legen

Selbst als die Taube sich setzte, hielt ich das für einen vergeblichen Versuch. Ich meine, schaut euch das Nest an!

Doch dann flog die Taube mal weg und – zwischen den dürren Ästen lag ein kleines Ei. Ups. Ein Ei? Gleich mal gegoogelt. In der Regel sind es zwei Eier. Die Natur ist nicht immer regelmäßig, aber meine Taube schon. Das zweite Ei kam dann einfach ein paar Tage später.FullSizeRender-17

Ich muss zugeben, ich war ziemlich beeindruckt, wie vorhersehbar und reibungslos das alles geklappt hat. Ich schrieb gerade an einem Manuskript, rang mit dem letzten Akt und da lief alles so – einfach. Ein paar Stöckchen übereinander, Ei reingelegt? Mehr nicht? Ja. So einfach.

Brüten

Brutzeit bei Ringeltauben 16 bis 17 Tage. Okay, game on, dachte ich mir, wenn die Tauben schlüpfen, sollte mein Buch fertig sein. Ab da lebte ich mit einer brütenden Taube auf dem Fensterbrett. Hitze, Regen, Sturm. Nichts hält die Taube davon ab, im Nest auf ihren Eiern zu sitzen, das nur kurz zum Nahrung suchen verlassen wird. Hier brannte teilweise die Sonne auf mein Fensterbrett, doch die Taube blieb stur. Okay, ich auch. Schreiben! Ich schaffe das! Mein Buch wird fertig, wenn die Tauben schlüfen. Wenn sie überhaupt mal schlüpfen …

Schlüpfenlassen und füttern

Nein, ich dachte nicht, dass aus diesen zwei winzigen Eiern irgendetwas wird. Ehrlich. FullSizeRender 5Aber die Natur ist hartnäckig, eine Ringeltaube stur und Leben offenbar nicht so schnell zu zerstören. Und so schlüpften ganz pünktlich zwei kleine, extrem hässliche Taubenküken. Hielten sich erst ein paar Tage unter der Taubenmama auf, bis sie zu groß waren, um auf ihnen draufzusitzen. Und mein Buch – war nicht fertig. Okay, den ersten Battle hatte ich verloren.FullSizeRender-8 Die Küken geschlüpft, mein Buch nicht fertig. Damn.

Flügge werden

Aber ist ein fertiges Buch nicht eher mit Flüggewerden zu vergleichen? Ich meine: Fertig und ab in die Welt? Wie lange brauchen Tauben, um flügge zu werden? Erstmal groß werden, dachte ich mir. Erstmal Federn bekommen, das wird doch wohl eine Weile dauern. Ich bin vor. Googeln: Nestlingszeit 30 Tage – Ich bin sowas von vor!

Wobei ich nicht dachte, dass die wirklich so schnell groß werden …FullSizeRender-11

Und so eine genaue innere Uhr haben. Einmal Ei gelegt (ich vergleich das mal mit einer IDEE), läuft das Programm ab.

Bei dem Ei, das etwas später gelegt wurde, wohl auch leicht versetzt, denn Küken 2 (und nein, ich habe ihnen keine Namen gegeben …) war deutlich etwas zurück mit der Entwicklung. Erstaunlich für mich: Die Taubeneltern sind zu diesem Zeitpunkt eigentlich die meiste Zeit unterwegs. Zweimal am Tag zum Füttern kommen – reicht vollkommen.

Kann ich meine Schreibsessions vielleicht auch etwas reduzieren? Zumal diese aufgeplusterten Federbälle nicht danach aussahen, als ob sie in den nächsten MONATEN fliegen FullSizeRender-3würden – oder sich alleine ernähren könnten. Nun ja. Gefühlte Tage weniger saß Taubenküken 1 schon sehr ungeduldig auf dem Rand des Nestes und wollte offensichtlich ausziehen. Machte Druck. Vor allem mir.

Zeit zu fliegen

„Lass uns fliegen“ –  heißt ein Buch von mir. ich bin jetzt nicht so ein Fan des Titels, den ich nicht ausgesucht habe, aber jetzt schien er mir doch eine Art Erinnerung zu sein: 1. Du kannst Bücher schreiben, auch wenn dieses jetzt gerade – dauert. Und ganz anders wird, als du gedacht hast. 2. Okay, Taubenküken, wir machen dass zusammen. Ihr fliegt, ich beende mein Buch. Oder auch: Wartet auf mich!

Zwischenspiel

Mittlerweile war ich ein wenig besessen von dem Naturschauspiel vor meinem Fenster. Und natürlich ist es mir herausgerutscht, als die Jounalistin da war. Eine unbedachte Sekunde – Und, übrigens, auf meinem Fensterbrett nisten Tauben. Als wär das mein Verdienst. (Kommt Leute, der Strohkranz war schon eine geniale Idee, oder?) Als der Artikel kurz darauf herauskam – fette Überschrift: Taube auf dem Dach – war ich gar nicht mal erstaunt. FullSizeRender-5So ist das eben. Das war gerade mein Thema. Meine Obsession.

Und das Buch wurde fertig. Die Tauben waren es auch. Die Sache lief ganz unsentimental ab. Eines Morgens war es einfach eine Taube weniger im Nest. Taube 1 – gone with the wind. Taube 2 vielleicht etwas irritiert? Kommt die Mutter überhaupt noch? Taube auf dem DachJa, der Job wurde erledigt, bis Nummer 2 ein paar Tage später auch weg war. So einfach. Ich hab dann mal aufgeräumt und das Fensterbrett sauber gemacht. Meine Schreibunterlagen weggeräumt – Schreibpause.

Taube auf dem Dach

Natürlich wird die Taubensache irgendwann in ein Buch wandern. Logisch. Erstmal bin ich froh, dass das Buch geschrieben ist. Und während ich vorsichtig darüber nachdenke, was ich als nächstes schreiben werde … meine Unterlagen sortiere und meine Zettel auslege … liegen zwei neue Stöckchen auf meinem sauberen, leeren Fensterbrett. Freunde! Echt jetzt? Ich habe dann mal den nächsten Strohkranz geholt.

Mein nächstes Buchprojekt? 46 Tage? Ich versuch erst gar nicht, diesen Battle zu gewinnen.

Die Tauben bauen derweil ihr neues Nest.Taube auf dem Dach Ich finde übrigens, es sieht wesentlich solider aus. Auch besser gebaut. Und das werde ich dann wohl mitnehmen für mein nächstes Projekt: Ich will mich ständig weiterentwickeln. Besser werden.

Ja, mir ist die Taube auf dem Dach tatsächlich sehr viel lieber, als der Spatz in der Hand. Also alles gut.

Royal

Berlin #1 Die Pfaueninsel

Ausflug auf die Pfaueninsel

Wo geht man hin, wenn man als Familie einen Ausflug unternehmen will? Am Vatertag, um den Vater zu feiern, weil der  – glücklicherweise – kein Bedürfnis hat, sich mit Freunden zu betrinken oder grölend auf einem Fahrrad mit Flieder am Lenker durch die Gegend zu schaukeln. Amber schlägt die Pfaueninsel vor. Pfaueninsel
Eigentlich schon Berlin (22 km vom Stadtkern), aber gefühlt genauso gut Potsdam (5 km vom Stadtkern), locker mit dem Rad zu erreichen, und dazu noch genau die Natur, die wir als Städter vertragen: gepflegte, sortierte, geschönte, erhobene – kurz royale Natur.

Born in Berlin

Ich bin Berlinerin. In Berlin-Charlottenburg geboren, in Zehlendorf zur Schule gegangen, hier hatte ich meine Ateliers, habe an der FU studiert, meine ersten beiden Kinder geboren. Also wirklich Berlinerin. Dazu noch geborene Westberlinerin, was vermutlich nur der verstehen kann, der das auch erlebt hat: Eine Stadt ohne Umland. Ohne wirkliche Landschaft oder Land, auf das man fahren könnte.

über Trip Advisor

Raum im Schloss auf der Pfaueninsel

Wenn ich mich als Kind an Ausflüge mit der Familie erinnere, dann waren das meist Radtouren. Da wir im Außenbezirk der Stadt wohnten, endeten die dann sehr schnell an der Mauer, was mich nie gestört hat. Und dann gab es Ausflugsziele wie: Glienicker Schlosspark, Märchenwald, Schloss Charlottenburg und – Pfaueninsel. Alles noch im Westen der Stadt und wie mir gerade auffällt: Orte, die mein Weltbild vielleicht mehr geprägt haben, als ich bisher dachte. Orte, die es einem erzählen, dass das Leben auf jeden Fall nicht normal sein sollte, wenn man später mal groß und erwachsen ist. Nicht, wenn es Ballsäle mit großen Kronleuchtern gibt, Zimmerfluchten mit riesigen Bildern an den Wänden, Räume deren Parkett so wertvoll ist, dass es nur in Filzpantoffeln betreten werden darf und eine Insel, auf der Pfauen frei herumspazieren. Ja, so wollte ich leben. Royal. Irgendwie.

Kings are crazy

Wenn man heute Schlösser wieder aufbaut und das mit der Mentalität von Königen in Zusammenhang bringt, dann liegt man gründlich falsch. Jedenfalls was die preußischen Könige angeht. Die wollten nicht zurückschauen und das Alte bewahren. Dann hätte man auf der kleinen Insel, die heute die Pfaueninsel ist, die erste wendische Siedlung wieder aufgebaut. Nein, die preußischen Könige wollten Fortschritt und modernen Lifstyle. 1865 schenkte der Große Kurfürst die Insel dem Alchimisten und Glasmacher Johannes Kunckel. Kunckel sollte dort forschen, Alchemie betreiben, vielleicht versuchen, Gold herzustellen. Alles streng geheim. (Wer literarische gerne tiefer eintauchen möchte, Buchtipp: Die Pfaueninsel von Thomas Hettche.)

Der nächste König fand diese Forscherei dann überflüssig, entzog Kunkel die Unterstützung und die Insel, die 100 Jahre ungenutzt blieb.

Liebe, Sex und Modern life

Erst unter Friedrich Wilhelm II., dem Neffen und Nachfolger von Friedrich dem Großen, der für ewig Preußens Über-König bleiben wird, wurde die Insel endlich wieder genutzt. Schon als Kronprinz soll Friedrich-Wilhelm die Insel mit der 13-jährigen bürgerlichen Wilhelmine zu romantisch-erotischen Aufenthalten besucht haben. Im Alter von 15 Jahren wurde Wilhelmine schwanger; vier weitere Kinder folgten. Sie blieb seine Mätresse und wurde 1796 sogar Wilhelmine Gräfin von Lichtenau.

PfaueninselGemeinsam machte sich das Paar die Insel schön. Ein kleines Schoss, das Wilhelmine „modern“ und gewagt mit verschiedenen Stilen einrichtete.  Teuer, verrückt und bis heute vollständig erhalten. Als Kind hat mich besonders die Besichtigung des Schlosses fasziniert. Filzpantoffeln auf knarzendem Parkett, Räume, die man ehrfürchtig durchschlurfte. Ein Turmzimmer im Stil einer Bamushütte!

Damals und heute

In Berlin hat sich ziemlich viel seit meiner Kindheit geändert. Ich könnte auch sagen, fast alles, denn die Stadt ist nicht mehr geteilt und ich wohne nun in Brandenburg-Potsdam, einer Gegend, die ich als Kind und Jugendliche nur von Westberlin aus sehen konnte, rüber gehen war keien Option. Doch auf der Pfaueninsel ist – alles noch so wie früher. Klar, das liegt auch daran, dass die Insel unter Natur- und Denkmalschutz steht und sich hier nichts verändern darf, aber erstaunlich fand ich es trotzdem.

PfaueninselLogisch, die zum Teil mehrere hundert Jahre alten Eichen waren damals schon gigantisch und die Rasenflächen und Rosengärten sind auch noch da. Vielleicht haben sich die Pfauen am meisten verändert. Eine neue Generation, die man nicht zufällig mit Blicken erhascht, sondern die sich auf auf freigescharrten Plätzen nicht nur den Pfauenfrauen, sondern auch gerne den Besuchern präsentieren. Die Touristen zücken sofort ihre Fotoapperate, obwohl  Mr. Pfau noch nicht mal ein Rad schlägt. Echt mal! Als Familie im Filmbusiness bleibt man bei solchen Auftritten nicht stehen, man geht einfach-schnell-weiter.

Was geht?

Auf der Insel ist so ziemlich alles verboten. Auto und Rad fahren, Rauchen, Hunde, Campen, skaten.
Foto von Amber BongardAber es gibt eine Liegewiese, dort ist Picknicken erlaubt, die wir dann auch direkt ansteuerten. Ja, Redbugx sind eine Spezies, die oft und gerne isst. Teils vegan, aber trotzdem bunt. Geschirr bringen wir umweltfreundlich auch mit und Sekt und Gläser. Schließlich gibt es was zu feiern. Moderner Lifestyle.

Die Liegewiese ist locker mit Gruppen besetzt, eine koreanische Reisetruppe spielt ein Ballspiel, dessen Regeln uns bis zum Ende absolut unklar bleiben. Wir diskutieren, ob das Höschen des Volleyballers eine Badehose oder ein Faux Pas in der Öffentlichkeit ist, alles ganz entspannt.  Und was war noch mal mit den Pfauen?Foto: Amber Bongard

Irgendwie hat uns ein Pfau für seine Performance auserwählt (nun ja, wir sind Agenten) schreitet bis zu unserer Liegestelle und – wow – schlägt sein Rad.  Foto: Amber BongardYes, Sir.  Weswegen der eigentlich gekommen ist, wird kurz darauf klar, als er mal eben die Rinde einer Melone entdeckt und – urrgs – einfach so herunterschlingt. Während uns noch die Frage beschäftigt, ob er gleich tot umfällt, pickt er weiter und schlägt noch mal ein Rad. Danke, für die Aufmerksamkeit – und die Melonenschale. 

Show off

Pfaueninsel

Der Pfau und eine Schar von Touristen, die um unsere Picknickdecket tippeln, werden uns bis zum Spätnachmittag nicht mehr verlassen. Im Mittelpunkt zu stehen, macht auch Spaß. Der Pfau weiß das und wir auch. Ein sehr relaxter Tag.

Uwe macht dann noch mal ein Fotos für die Schauspielkartei, der Typ ist eindeutig sehr leicht zu vermitteln und sehr gut sieht er auch aus.

Um 19 Uhr muss man die Insel wieder verlassen haben, dann geht die letzte Fähre. Wir laufen barfuss zurück, ein Abstecher zum Schloss, das golden in der Sonne liegt. Dann bis zum Fährhaus, an dem man übersetzt, zurück aufs Festland. Etwas warten, gerade genug Zeit, um auf dem Handy den grandiosen Blogbeitrag von Uwe zu Luther und Himmelfahrt zu lesen und zu feiern.

Die Fähre ist fast so lang wie der Abstand zum Festland, aber die Fahrt gehört eindeutig dazu. Beim Übersetzen eine kleine Diskussion darüber, wie erschreckend perfekt der Tag war. Fast zu gut, um wahr zu sein. Ich sehe in den Himmel, an dem majestätisch ein Greifvogel kreist und mir wird auf einmal klar klar, das ich es habe, das royale Leben, das ich mir immer vorgestellt habe. Und dieser Pfau … die Insel ist einfach magic.

 

Radio

Nachrichten, Geschichten und eine 10 Millionen-Dollar-Lüge

Wenn ich schreibe, recherchiere ich viel, aber nie besonders wichtige Dinge. Wie bereitet man einen guten Expresso? Wie geht ein Kickflip? Wie behandelt man eine Depression. Etwa in diesem Spektrum bewegen sich meine Recherchen. Ich weiß, wie man „anständig“ recherchiert, das ist nicht das Problem. Ich brauche es nur nicht. Ich bin kein Journalist, niemand verlässt sich auf meine Informationen, ich schreibe nur Geschichten. So what.

Und dann ist letztens etwas passiert … Ich wollte eigentlich nur mal schnell nachsehen, ob man das Wort Brutkasten noch benutzt. Ich meine, das könnte so sein wie „Neger“, ein Wort, das in meiner alten Pippi-Langstrumpf-Ausgabe noch benutzt wird, aber eigentlich ein No go geworden ist. Ich habe also Brutkasten gegoogelt und bin auf die Brutkastenlüge gestoßen. Zufällig. Lüge, die so groß ist und so unglaublich ist, dass ich eigentlich nicht glauben kann, dass sie funktioniert hat.

20:15 Uhr

Ich bin kein Fan von Nachrichten. Noch nie gewesen. Ich bin mit ihnen großgeworden, 20:15 Uhr war Bürgerpflicht, da saß man vor dem Fernseher und hat etwas für seine politische Bildung getan. So habe ich es als Kind jedenfalls verstanden. Etwas, das man zu tun hat, wenn man ein interessierter und politisch engagierter Bürger ist. Sich informieren! Bei den Nachrichten hat man geschwiegen und mit sanftem Kopfnicken oder Stirnrunzeln seine Zu-oder Abneigung kundgegeben. Es war eine wichtige Sache. Kein Kinderkram. Doch ich habe mich gelangweilt.

Nachricht

Der Begriff Nachricht steht im 20. Jahrhundert im Plural = Nachrichten für politische Meldungen. Sie ist:  „… eine direkte, auf das Wesentliche konzentrierte und möglichst objektive Mitteilung über ein neues Ereignis, das für die Öffentlichkeit wichtig und/oder interessant ist.“ (Dietz Schwiesau und Josef Ohler)

Interessant finde ich: „möglichst objektive“ Mitteilung. Von Wahrheit ist hier nicht die Rede.

Gelangweilt oder nicht, ich bin als Kind aber immer davon ausgegangen, dass in Nachrichten die Wahrheit gesagt wird. Man sich zumindest darum bemüht. Wir alle, oder? Trotz Nationalsozialismus und Watergate, trotz allem. Als Jugendliche wurde ich etwas misstrauischer. Besonders als ich im besetzten Haus gewohnt habe: Hey, was sie dort erzählen, habe ich anders erlebt! Nun gut. Nachrichten sind nicht ganz objektiv. Vertraut habe ich ihnen trotzdem weiterhin.

Die Geschichte

Am 10. Oktober 1990 gibt eine junge Frau aus Kuwait, die sich mit ihrem Vornamen „Nayirah“ vorstellte, vor einem informellen Menschenrechtskomitee des US-Kongresses unter Tränen eine Erklärung ab: Sie habe als kuwaitische Hilfskrankenschwester freiwillige Arbeit im Al-Adnan-Krankenhaus in Kuwait-Stadt geleistet. Sie wäre Zeugin geworden, wie irakischen Soldaten mit Gewehren in das Krankenhaus kamen, Säuglinge aus Brutkästen nahmen und die Kinder auf dem kalten Boden liegen ließen, wo sie starben.

Dies ist eine Lüge, die auf der ganzen Welt als Nachricht verbreitet wurde. Sie ist so groß, dass ich nicht verstehen kann, dass sie es in die Nachrichten geschafft hat. Sie ist so gigantisch groß, dass ich nicht verstehen kann, dass niemand mal nachgefragt hat. Aber noch ungeheuerlicher ist: Diese Lüge hatte einen Preis. Sie wurde für 10 Millionen US-Dollar in Auftrag geben.

Die Brutkastenlüge

Und zwar von der kuwaitischen Regierung (aus dem Exil). Sie beauftragte die amerikanische PR-Agentur Hill & Knowlton damit, in der amerikanischen Öffentlichkeit Werbung für ein militärisches Eingreifen der USA zu machen. Und zahlte dafür zehn Millionen US-Dollar. Eine der PR-Aktionen war die Brutkastengeschichte. Und sie funktionierte.

Sogar Amnesty International ließ sich täuschen und veröffentlicht am 19. Dezember 1990 einen 84-seitigen Bericht über Menschenrechtsverletzungen in Kuwait, der die Brutkastenlüge enthält.(Quelle).

Kein Wunder also, dass  der US-Senat am 12. Januar 1991 mit 52:47 Stimmen für eine Intervention im Zweiten Golfkrieg stimmte und das Repräsentantenhaus mit 250:183 Stimmen für den Krieg.

Was ist mit der Aussage vor der Menschenrechtskommission? Nun, das Mädchen aus Kuwait war die fünfzehnjährige Tochter des kuwaitischen Botschafters Saud Nasir as-Sabah. Ihr Vater saß während ihrer Aussage vor dem Kongress-Komitee als Zuhörer im Publikum. Ihr Bericht war frei erfunden.

Medien und Wahrheit

Die Wahrheit kam erst nach dem Krieg heraus. Man sagt, im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt. Aber niemand sagt, was für Auswirkungen eine Lüge auf den Krieg oder die Liebe hat. Oder dass man einen Krieg mit einer Lüge beginnen kann.

Ich sehe schon lange keine Nachrichten mehr, schon gar nicht im Fernsehen. Ich habe es auch jetzt nicht vor. Nicht, weil ich ihnen nicht oder nicht mehr vertraue, sondern einfach weil sie ich sie immer noch langweilig finde. Dass heißt aber nicht, dass ich nicht wissen will, was da draußen so los ist.

Was ich spannender als Nachrichten finde, sind Geschichten. Ob wahr oder erfunden. Denn Geschichten sind sehr viel mächtiger als Nachrichten. Die Medienagentur hat das genau gewusst. Sie hat keine Nachricht in die Welt geschickt, sondern eine emotionalle Story. Und für den Vortrag vor der Menschenrechtskommission eine sehr überzeugende Schauspielerin gefunden. Genau deshalb haben wir alle nicht mehr so genau hingesehen. (Und gerade wundert mich, dass dieses Geschichte noch nicht verfilmt worden ist.)

Ich bin dann mit einem sehr seltsamen Gefühl wieder an die Arbeit gegangen. Irgendetwas hat sich in mir verschoben. Ich glaube, dass ich auch als Geschichtenerzählerin eine Verantwortung habe, aber meist mache ich mir nicht so viele Gedanken darüber. Doch das ändert sich gerade. Und vielleicht mache ich aus genau diesem Gedanken mal eine Geschichte …

Ach ja, man sagt heute eigentlich nicht mehr Brutkasten, sondern Inkubator.

Radio

Dinglisch

Dinglisch

Well, English is not my language. So I have to apologize, if this blogentry is not quite correct or even fluent. It’s strange, I would never apologize in german. Not, because germans don’t apologize (well, we have a lot to apologize for). I’m just much more polite in English. Maybe German is a bit more straight forward. When someone mimics German it’s like a nazi is barking. Are we like this? I like the German language. And I can write much more better in German. But here is the thing: I want people to listen. To read our blog. And English is the most spoken language in the world. Followed by Chinese, Hindi, Spanish. German – is somewhere around position ten. Feels like we have to speak English. And it’s easier than Chinese, right?

Bi- and multilingual

There is a kid in Russia. She is four and speaks 7 languages. 6.6 million hits on YouTube. (Don’t klick on this link, it’s in Russia, you’ll understand nothing.)

I have some French cousins. They speak and write in French and German. But when I asked my cousin, if she could translate something – say a book – she said, she didn’t think, she is good enough in one of the languages. How could that even be possible? Uwe and I discussed the problem very often, when our kids were little. Do we have to start early with English? And meanwhile other parents started with Chinese …

Children raised in bilingual households often confront an array of emotional and intellectual problems that their monolingual playmates are spared. Drifting between two languages and cultures, they can feel like outsiders in both. (New York Times)

When Isabel and Lenny were about 6 and 4, I decided to teach them a bit of English every day with a native speaking voice from a tape and a picture book. One hour tops. Of course it was’nt a duty and totally up to them. Someday someone at school said to me, as though it were absolutely normal: „Isabel kann ja schon Englisch.“ Nope. She could hardly more than a few sentences. And some fancy words like hedgehock. But she and anyone else believed so. Later one she watched MTV, spoke a lot of English and „the lie“ became true. What is going one here?

Meine Sprache

Amerikaner und Briten gehen davon aus, dass du ihre Sprache sprichst. Natürlich! Franzosen auch, doch sie werden mit dieser Taktik vermutlich keinen Erfolg haben, auch wenn 200 Millionen mehr Menschen auf der Welt Französisch sprechen als Deutsch. Schweden gehen davon aus, dass niemand ihre Sprache spricht und sprechen Englisch meist so akzentfrei, dass man sich fragt, wie gut ihr Englischunterricht ist. Bis man herausfindet, dass ihr Fernsehprogramm auf Englisch ist und schwedische Untertiteln hat. Ich war für ein Filmprojekt mit Isabel in Schweden und habe natürlich Englisch geredet. Da wurde es mir zum ersten Mal richtig klar: Es geht nicht nur um die Kinder. Was ist mit meiner Arbeit als Agentin? Mein Englisch musste besser werden. Sehr viel besser. Denn was würde ich machen, wenn der Anruf aus Hollywood kam?

Learning by not doing

We started at the Volkshochschule in Potsdam with an English course. Uwe and I studied vocabulary and read english texts to each other. It was like the old days … in school. Most of the time superboring and very time consuming. We were looking for a shortcut and one was right in front of us: Films and books. When we started to watch movies in English and read books in English, we killed two birds with one stone. (Wir – mit unserem brutalen Deutsch – würden sagen: Zwei Fliegen mit einer Klappe. Nur mal so. )

Hollywood

Als der Anruf aus Hollywood kam, saß ich mit Amber und einem Fahrer in einem VW-Bus und fuhr vom Set in München ins Hotel. Lenny war bei Warhorse besetzt, Riesenaufregung in der Familie. Irgendwann kommt nach der Besetzung immer der Anruf von der Produktion – aber nie, wenn du ihn erwartest. Ich sitze also in diesem VW Bus und mein Handy klingelt.

„Katrin Bongard, Agentur Red Bug?“

„Hi, here is John from DreamWorks Pictures. I try to reach – äh –  how do you to pronounce Juwi?“

„Excuse me, please?“

„The name.“

„Catherine Bongard.“ (I pronounced my name in English)

„No, I mean: Juwi cäroff. How do I pronounce the forename?“

„Oh, you mean: Jui? It’s pronounced: Uffwwäh.“

Okay, that was cool! Someone was asking me to pronounce a german name correctly. Again – The English and the Americans are very polite.

Ich denke, also bin ich oder die Speer-Wurf-Theorie

Die amerikanischen Linguisten Edward Sapir (1884–1939) und Benjamin Lee Whorf (1897–1941) untersuchten die Grammatik nordamerikanischer Indianer und mutmaßten: Wenn Menschen grundverschieden sprechen, dann denken sie auch unterschiedlich.

Unsere Denkweise prägt die Art, wie wir sprechen, aber der Einfluss wirkt auch in der Gegenrichtung. Bringt man Menschen zum Beispiel neue Farbwörter bei, verändert dies ihre Fähigkeit, Farben zu unterscheiden. Lehrt man sie, auf eine neue Weise über Zeit zu sprechen, so beginnen sie, anders darüber zu denken. Man kann sich der Frage auch anhand von Menschen nähern, die zwei Sprachen fließend sprechen. Nachweislich ändern bilinguale Personen ihre Weltsicht je nachdem, welche Sprache sie gerade verwenden. (Lera Boroditsky in einem Artikel auf Spekturm.de )

Ich und Englisch

Mein englisches ICH ist anders. Ich würde ihm gerne die gesamte Öffentlichkeitsarbeit überlassen. Facebook, Mails, Anrufe entgegennehmen. Polite, smart, and always able to apologize. More relaxed and confident. (By the way, in French I’m a bitch.) I use more and more English words in my German language. In homöopathischen Dosen. It’s absolutly okay, if you are a young adult writer. Die Jugendsprache hat jedes Jahr mehr Anglizismen, so what?

Und was ist mit Deutsch? Verkommt die Sprache durch immer mehr englische Wörter? Ich weiß nicht. Ehrlich. Ich sehe voraus, dass Sprachtools und Apps und ? kommen werden, die jede der 7000 Sprachen auf der Erde beherrschen werden. Nur das Handy hinhalten – schon übersetzt.

I see that language tools and apps and? Which will dominate any of the 7,000 languages on Earth. Only the mobile phone hold – already translated. (Google Übersetzer)

Noch ist es nicht so weit. Obviously. Oder es kommt ganz anders …

When the snow falls wunderbar
And the children happy are,
When there´s Glatteis on the street
And we all a Glühwein need …