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Meditation

Ruhe

Ruhe: Immer mit der …

Oasen der Ruhe, Räume der Stille, Meditation, Duftkerzen, Räucherstäbchen. Liegen im Shavasana. Das ist Ruhe und …

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

Ruhe ist aber auch, heißt es, die erste Bürgerpflicht. Und zwar, weil der König eine Bataille verloren hat. Preußens Armee aus Leibeigenen und Söldnern war gegen Napoleons Truppen schlecht aufgestellt. Man nennt es in Preußen gern in der Sprach des Gegners französisch elegant »Bataille«. Was man da 1806 bei Jena und Auerstedt gegen die Revolutionsfranzosen verloren hat – im deutschen Klartext war es eine Schlacht. Ein Schlachten. Friedrich Wilhelm macht sich vom Acker. Königin Luise auch. Fast 50.000 Soldaten gehen nirgendwo mehr hin. Mit ihnen geht das alte Preußen unter. Die Bevölkerung soll ruhig bleiben. Was ihr nicht schwerfällt, sie hängt nicht besonders an dem antiquerten Regime, das da gerade weggefegt wurde.

Warum fällt mir ausgerechnet dieser Satz, diese Geschichte ein, wenn ich über das Thema Ruhe nachdenke. Vielleicht, weil Preußen hier in Potsdam so nah ist. Und weil es hier gerade im Stadtbild zwischen allen Schlössern, Schlossattrappen, Gärten, Weinbergen, Parks und Sichtachsen in aller Ruhe zu einer unglaublich kitschigen Verklärung Preußens kommt. Ruhe als Pflicht, wer kann sich sowas ausdenken? Ruhe eine preußische Tugend?

Bräuchten wir nicht mehr Aufstand, Widerstand, Randale?

Aber auch dazu gehört Ruhe. Es ist, ich kann da aus Erfahrung sprechen, nie gut, sich hinwegtragen zu lassen, von Aufregung, von Arbeit, von Ehrgeiz, vom eigenen Gebrüll, auch nicht von dem unbedingten Willen, etwas Großartiges, etwas Notwendiges, etwas Gerechtes zu machen. Wenn wir nicht selbst zur Ruhe kommen, sondern auf irgendeinem falschen Weg in die falsche Richtung rennen, ist es oft unser Körper, der uns dann zur Ruhe bringt, Ruhe einfordert, Ruhe erwartet und erzwingt. Kleiner Schnupfen, ne Grippe, die uns flachlegt, wenn es harmlos verläuft. Wenn wir dann immer noch nicht aufmerksam sind, kann es auch schon mal ein kleiner Unfall sein, ein Gipsbein, ein Armbruch,  you name it. Und ein Armbruch ist kein Armbruch, ist kein Armbruch, ist kein …, sondern ein Wake-up call, etwas ruhiger zu werden, etwas Tempo rauszunehmen, mal zu relaxen und mal zu checken, ob überhaupt die Peilung stimmt.

Keep calm and expect to wait

Auf dem Flughafen in Kopenhagen, leuchtet mir, während ich an diesem Beitrag über Ruhe schreibe, dieses Schild entgegen. Keep calm and expect to wait. Where on Earth is Schengen.

Also gut. Wir erinnern uns. Seit Mitte der 80er Jahre gibt es den Versuch, stationäre Grenzkontrollen in Europa abzubauen. Seit Mitte der 90er Jahre ist er verwirklicht. Zwischen 22 europäischen Staaten gibt es beim Grenzübergang keine Personenkontrollen mehr. Was für junge Menschen mittlerweile ganz selbstverständlich ist, war eine der größten Errungenschaften der europäischen Integration. Als sich dann zwanzig Jahre später immer mehr Menschen nach Europa retten müssen, werden zwischen mehreren europäischen Staaten wieder Grenzkontrollen eingeführt, nicht nur zwischen Deutschland und Österreich, sondern auch in Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen. Ruhe und Angst vertragen sich nicht gut, dabei ist es umso wichtiger, ruhig zu bleiben, wenn die Angst kommt. Dass Menschen Angst haben, gehört zu ihrer Natur, Angst vor wilden Tieren, Angst vor Dingen und Menschen, die fremd sind oder einfach Angst, weil man beim freeclimben, vielleicht den nächsten Griff verpasst. Und genau dann, wo wir sie am meisten brauchen, ist sie am schwersten zu erreichten. Die Ruhe.

Wo Ruhe fehlt, ist immer Angst im Spiel

Denn wo Ruhe fehlt, ist oft, wenn nicht immer auch Angst im Spiel. Angst, zu spät zu kommen, etwas zu verpassen, nicht gut genug, schnell genug, effektiv genug zu sein. Und wir Menschen sind ängstliche Wesen. Ruhig  zu bleiben, wenn es am schwersten fällt, wenn mal eine schlechte Nachricht kommt, wenn es mal nicht so läuft. Besonnenheit, wenn die Aufregung am größten ist. Das ist die hohe Schule. Das Leben ist schnell zu Ende. Deswegen glauben wir oft, wenig Zeit zu haben, und vergessen dabei, dass Ruhe unsere Zeit unendlich ausdehnt. In Ruhe findet man unendlich viel Zeit zwischen den Sekunden.

Es ist keine dumme Floskel, aus der Ruhe ziehen wir die Kraft. In der Ruhe können wir uns erden, in alignment kommen, mit dem was wir wirklich machen wollen, was uns wirklich etwas bedeutet und wichtig ist.

In der Ruhe können wir passiv tagträumen oder aktiv visualisieren. Um Probleme zu lösen, auf neue, ich meine »Neue« Gedanken zu kommen, ist es für mich oft viel besser, nicht angestrengt nachzudenken, sondern in einen Zustand der mittleren Konzentration zu kommen. Etwa beim Zugfahren, wenn der Regen prasselt oder die Sonne über die hügelige Landschaft scheint. Das sind die Momente, in denen mir oft die besten Ideen kommen. Besser als beim bewussten Nachdenken. Wenn ich eigentlich nur so vor mich hinträume, aber aufmerksam genug bin, um zu bemerken, wenn eine Bild, eine Idee, ein Gedanke, ein Klang, eine Information in den Kopf trifft.

Ruhe ist Rhythmus.

Der Beat im Groove. Gott schuf die Erde, so sagt man, an sechs Tagen und ruhte dann am siebten. Wieso er sich für so einen schrägen siebener Takt entschiedenen hat, weiß der Teufel – oder Sting. Vielleicht hatte der liebe Gott den Walzer oder den vier/viertel Takt einfach noch nicht erfunden. Ein gutes Bild für den Rhythmus von Tun und Ruhen. Ein Rhythmus, den wir ja überall finden. Tag und Nacht. Schon als segelnder Junge hat mich fasziniert, wie das Wasser nach einem stürmischen Tag, am Abend oft so ruhig wurde. Thermik hin oder her. Für mich hatte es etwas Mystisches. Oder nehmen wird den Rhythmus der Jahreszeiten. Jetzt gerade, wo wir nach einem heißen Sommer und einem goldenen Herbst mit einer Tasse Ostfriesentee in den dunklen November gehen. Bevor der Dezember dann schon wieder festlich beleuchtet wird und eine geschäftige Powerbesinnlichkeit die Ruhe hinwegfegt, ist der November ein oft unterschätzter Monat der besonderen Ruhe.

Liegen im Shavasana

Genau wie das Shavasana am Ende einer Yogapraxis eine oft unterschätzte Übung der Ruhe ist. Gerade durch das stille entspannte Liegen auf dem Rücken, zieht man den Nutzen aus den vorhergehenden Übungen. Der Körper und die Gliedmaßen liegen, der Atem atmet, der Geist lässt Gedanken und Gefühle kommen und gehen.

Eine wunderbare Art des Visualisierens, weil man es gerade nicht tut, sondern geschehen lässt, ohne es aktiv geschehen zu lassen.

Ganz ähnlich bei der Meditation, die ja vielleicht als die ruhigste Tätigkeit, als der ruhigste wache Zustand gilt, in dem man als Mensch sein kann. Dabei ist es ein durchaus aktiver Zustand. Ein Zustand, in dem man üben und lernen kann, seinen unruhigen Geist zu erkennen. Die Gedanken und Gefühle zu beobachten, wie sie kommen und gehen. Und dabei ruhig zu bleiben, ihnen nicht nachzuhängen, sie nicht zu verfolgen, aber sie auch nicht zu unterdrücken oder vor ihnen wegzulaufen.

Natürlich macht es keinen Sinn, den ganzen Tag zu meditieren, so wie es keinen Sinn macht, den ganzen Tag zu schlafen. Auf den Rhythmus kommt es an. Ruhe und Bewegung, Ruhe und Aufregung, Ruhe und Arbeit gehören untrennbar zusammen.

Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich durch die bewusste Integration von Ruhe in mein Leben, in Form von Yoga, Meditation, Spaziergängen, wesentlich effizienter in den aktiven Dingen bin.

Ruhe ist keine Bürgerpflicht, sondern ein Menschenrecht. Ein Menschenrecht, dass man sich selbst nehmen muss. In aller Ruhe.

 

Ruhe

Mönche

Schon vor Jahren, als ich mich mit Zengärten beschäftigt habe, hatte ich das Gefühl, Mönche oder eine Gruppe von Mönchen modellieren zu müssen. Woher kommt sowas? Ich hatte mich nie wirklich mit buddhistischen Mönchen befasst. Egal, es schießt einem in den Kopf. Was willst du damit ausdrücken? Wird sich dann schon zeigen.

Immer mal wieder habe ich also Anläufe genommen, aber ich habe das Thema auch immer wieder schnell fallengelassen. Ich bin nie bis zu dem Punkt vorgedrungen, bei dem ich wirklich angefangen hätte, Material in die Hand zu nehmen. Alles spielte sich im Kopf ab.

Irgendwann dann die Idee, die Gärten wieder aufzugreifen, die ich für die Evolution-Ausstellung im Kunstwerk gemacht hatte. Dort hatte ich von Zengärten inspirierte Skulpturen ausgestellt. Die meditative Wirkung haben sie vor allem durch Katrins Farbkreise.

Derartige Gärten schienen sehr gut geeignet, um mit Mönchen bevölkert zu werden. War mir dann aber doch zu nah an Tabletop Geländespielen. Die Idee Miniaturen aus Greenstuff zu machen, war dann aber da.

Ausstellung Evolution mit Katrin Bongard, 2004   Greenstuff Mönche

Und für ein Ausstellungsprojekt in Miniaturgaragen entstand dann die erste Mönchsprozession. Sie trugen alle Perlen in den Händen. Warum? Weil sie etwas auf ihrer Prozession tragen sollten. Und Perlen waren zur Hand. Kurz danach war ich überrascht, als ich ein Foto von Mönchen sah, auf dem alle ein glänzendes kugelförmiges Gebilde trugen. Bettelschalen.

Menschen sitzen am Straßenrand und füllen die Schalen mit Almosen. Ein wunderbarer Energieaustausch.

Dann las ich in einem Manuskript, das wir im Sommer bei Red Bug Books herausbringen werden, über die Vorstellung in irischen Mythologien, dass man einem Wesen die Seele aus der Brust ziehen kann. Dort trägt der personifizierte Tod die Seele wie eine kleine Lichtkugel auf der Hand und bring sie in Sicherheit. In den Tod, das ewige Leben.

Einer der Mönche  Mönche in LAOS

Egal was man nun sehen will, meine Mönchswesen tragen Energie vor sich her. Oder das ganze Universum.

Ist es Zufall, dass ich jetzt die Energie habe, endlich das Thema Mönche umzusetzen. Jetzt wo ein Red Bug Homie durch Südostasien travelt und mit mir Mönchsfotos auf ein geheimes Pinterestboard pinnt? Wohl kaum.

 

Ruhe

Meditation

Am allerbesten schlafe ich in einem frisch aufgeräumten Zimmer mit frischer (vorzugsweise weißer) Bettwäsche nach einem aktiven, erlebnisreichen Tag.

Geht, denk ich, jedem so.

Wenn also mein Umfeld sauber und mein Körper erschöpft ist.

Aber die Gedanken, die ich den Tag über hatte, die Eindrücke, sind immer noch verwurschtelt und unsortiert in meinem Kopf, als ob ich zwar meine Klamotten aufgehoben, aber sie nur in den Schrank gestopft hätte.

Also Meditation. Um nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere zu reinigen. Macht ja Sinn.

Und die erste Meditation nach monatelanger Pause war wie das erste Mal Laufen gehen, nach Monaten ohne Sport und Tonnen von italienischer Pasta.

Aber genauso wie ich nach ein zwei Wochen wieder in meinem normalen Laufrhythmus war, hat sich auch mein Geist schneller beruhigt.

Und dann kann ich so richtig gut schlafen.

Für den, der sie noch nicht kennt … checkt doch mal die App „Headspace“ aus.

Ich weiß kommt ein wenig unromantisch rüber eine App zum Meditieren aber sie funktioniert wirklich gut. Ist total liebevoll gemacht und supergut für „Anfänger“

Rausch

Augenkontakt

„Die Welt“ berichtet am 19.08. in der Rubrik Wissen über den Rausch nach zehn Minuten direktem Augenkontakt.  Dort wird ein Experiment beschrieben, das italienische Forscher durchgeführt haben.

Ähnlich wie in der Installation von Marina Abramovic „The Artist is present“ saßen sich Probanden zehn Minuten gegenüber und schauten sich in die Augen. Fast alle gaben an, dass sie sich danach in einer Art Trance befunden hätten. Viele sahen Grimassen, das Zeitgefühl ging verloren etc. Die Forscher sprechen von einer Dissoziation also dem Verlust des Bezugs zur Realität. Ok, das scheint jetzt nicht so wahnsinnig aufregend zu sein, denn vermutlich langweilt sich das Gehirn einfach, wenn es immer nur die gleichen Infos bekommt und legt dann selbst los mit einem eigenen Unterhaltungsprogramm.

Aber was ist damit?

Ich sitze bei einem -nennen wir es mal „esoterischem“ Kurs- einer mir völlig unbekannten Frau gegenüber. Ich erfahre, dass sie Postzustellerin ist und schätze sie auf Mitte/Ende vierzig. Sie ist relativ schlank und hat mittellange dunkle Haare.

augen

Wir sollen uns ähnlich wie in dem beschriebenen Experiment, von dem ich damals noch nichts wusste, gegenübersetzen und uns reglos in die Augen schauen, mit der Variante, dass wir vorher entscheiden sollen, wer wem aktiv in die Augen schaut und wer es sozusagen eher passiv zulässt. Danach soll gewechselt werden.

Also ich schaue meiner Postzustellerin in die Augen. Nichts. Fünf Minuten. Ich habe Schwierigkeiten zu fokussieren. Versuche mal in ihr linkes Auge, dann ins rechte Auge zu schauen. Nichts. Verliere eher immer wieder den Fokus. Zehn Minuten auf die gleiche Stelle zu starren, ist nicht so einfach. (Wenn es nicht gerade ein Bildschirm ist.) Meine Augen tränen. Ich pralle an ihren Augen ab. Dann habe ich das Gefühl, über ihre Augen schiebt sich eine Art undurchdringlicher kupferner Schirm, der mich noch mehr abprallen läßt. Zehn Minuten. Ok ich kann das nicht, ich gebe auf und … Bäng! In dem Moment – ohne Scheiß- werde ich –schloooaahhhng- harrypottermäßig in ihre Augen reingesaugt. Wuuuuusch. Ich sitze immer noch da regungslos und gleichzeitig geht auf/in ihrem Oberkörper die volle Luzi los. Ich sehe sie, nein nicht sie, sondern einen alten Kung Fu Kämpfer. Der winkt mich ran. Und legt dann voll los. Fliegt durch die Luft, shaolinmäßig. Boah jetzt nicht aufhören. Ist das abgefahren. Ich sitze regungslos in meinem Stuhl und schaue immer noch in ihre Augen. Sehe aber gleichzeitig den Alten in seinen schwarzen Kung Fu Klamotten durch die Luft fliegen und ihr Gesicht schein länger, schmaler zu werden, ihre Augen schlitzförmig. Ist da nicht sogar eine Art Ho Chi Min Bart? (für diejenigen, die sich noch erinnern.)

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Irgendwann -bämm -ich weiß nicht wie lange es gedauert hat- ist es zu Ende.

Abgefahren oder?

Aber jetzt kommt’s. Wie gesagt, ich habe die Frau zum ersten Mal in meinem Leben gesehen.

Sie praktiziert seit ihrem dreizehnten Lebensjahr Kung Fu, trägt eine schwarze Schärpe und trainiert immer noch.

Hallo?

Roots

Root Food Tortilla

Spanisches Essen in Umbrien in unserer alten Weinpresse, in der wir schon seit zig Jahren immer wieder so eine Art Urlaub machen.

Passt wunderbar. Ein heißer, kreativer Tag wird ruhig. Der Wein ist schon mal offen. Spielt einer Gitarre? Super.

RBH_SettinthetableII    RBH_Dog+Guitar

Jetzt für die Family and Friends ein gutes Essen kochen. Dazu Kartoffeln mit dem Trüffelhobel oder dem Messer in hauchdünne Scheiben schneiden. In reichlich Olivenöl eher frittieren als anbraten.  Das duftet. Während die Kartoffeln brutzeln, ist Zeit die Vorspeisen raus zu tragen, Oliven, umbrische Salami, was so da ist.

RBH_Jaws   RBH_Potatoes

Kartoffeln abtropfen lassen. Etwas salzen und lecker schon mal probieren. Nächste Lage, ab in die Pfanne. Schlückchen Wein trinken. Dann massenhaft Eier aufschlagen, wunderbare Farbe, schönes Bild. Isa macht Fotos.

RBH_Herbs+Eggs   RBH_Herbs

Wenn alle Kartoffeln durch sind, mit den Eiern, und gewürfelten, angedünsteten Tomaten, Kräutern und Gewürzen verrühren. Portionsweise in die geölte Pfanne und zu Tortillas backen.

RBH_TomatoesI   RBH_Yay!

Nach ein Paar Minuten mit dem Pfannendeckel oder einem großen Teller umdrehen. Klappt schon. Wenn es sehr viele sind, kann man die Tortillas im warmen Backofen warmhalten, schmecken aber auch wunderbar lauwarm.

Mangiare.

 

 

Ruhe

The Artist is present

Gerade erst „The Artist is Present“ gesehen.
Ein Film über eine Ausstellung von Performances von Marina Abramović. Die Ausstellung lief schon 2010 im MOMA. Ich muss zugeben, dass ich ihre Arbeit vollkommen aus den Augen verloren hatte. Das letzte, was ich von ihr wahrgenommen hatte, war die Arbeit auf der Chinesischen Mauer und die Trennung von Ulay Ende der 80er.

Der Film ist jetzt bei AMAZON Prime. Jep so kann’s gehen. Die Dinge kommen eben erst auf einen zu, wenn man das Level freigespielt hat. Gruß an Christel, die mir dabei geholfen hat.

Kernstück der Ausstellung ist eine ganz neue Arbeit, die in dieser Ausstellung entstanden ist. Eben „The Arist is Present“. Und das ist der Hammer. Die Arbeit sieht eigentlich so aus, wie einige frühere. Sie sitzt mehr oder weniger unbeweglich schweigend jemandem gegenüber. Manchmal mit einem Tisch zwischen sich und dem Gegenüber. Hier sitzt sie während der Öffnungszeiten für die Dauer der Ausstellung, also über drei Monate lang im Atrium des Moma für insgesamt 721 Stunden schweigend wechselnden Besuchern gegenüber und schaut ihnen in die Augen – oder lässt sich von ihnen in die Augen schauen.

Abram_04  Abram_03

Damit hat Abramović einen Großteil ihrer Performances aus den 70er und 80er Jahren hinter sich gelassen, bei denen der Fokus eher auf Genderproblemen liegt. Jetzt hat sie m.E. einen Riesenschritt darüber hinaus ins Transzendente gemacht. Sie sitzt immer noch schweigend und unbeweglich auf einem Stuhl jemanden gegenüber, wie sie damals Ulay gegenüber saß, aber jetzt ist es in meinen Augen etwas ganz anderes geworden. Es passiert etwas anderes. Sie sieht ins Innere der Menschen, in deren Seelen oder lässt sich in die Seele schauen. Mit allumfassendem Mitleid zieht sie die Menschen aus dem Alltag in eine höhere Sphäre. Obwohl die gesamte Performance vollkommen ästhetisch durchgestaltet ist, durchbricht sie die Künstlerin in der Ausführung der Performance die ästhetische Grenze. Das Kunstwerk bekommt eine spirituelle Dimension und greift direkt in die Wirklichkeit der Betrachter ein. Die Künstlerin erscheint als Hohepriesterin, aber als eine Hohepriesterin nach der Zeit der mythischen Religionen.  Zumindest die Performance transzendiert sich selbst.