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Haut: Under The Skin

Ich habe es vielleicht an der einen oder anderen Stelle bereits erwähnt, aber Jonathan Glazers ,Under The Skin‘ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Und da lasse ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen darüber zu schreiben. Vor allem nicht, wenn das Thema diesen Monat Haut ist. Denn auch wenn einem ,Under The Skin‘ manchmal wirklich unter die Haut geht, verbirgt sich dahinter noch sehr viel mehr.


Der Film beruht auf einem Roman von Michael Faber. Doch Jonathan Glazer beschreibt die Verbindung zum Buch als eine spirituelle. Denn das Buch ist eine Erzählung und auf den ersten Blick ist davon nicht viel im Film zu sehen.

Nun ja, zumindest nicht in dem fertigen Film. Denn anfänglich hatten die Autoren Glazer und Walter Campbell tatsächlich eine Version, die ziemlich nahe an der originalen Geschichte lag. Und sie war gut. Aber dennoch, mit diesem Drehbuch in der Hand wurde Jonathan klar, dass er etwas anderes schaffen wollte. In gewisser Hinsicht wurde eine direkte Buchverfilmung dem Buch selbst nicht gerecht. Also arbeiteten die beiden weiter. Drangen tiefer in die Materie ein, legten eine Schicht nach der anderen frei, um schließlich beim Kern der Geschichte anzukommen. Denn wenn man alles ablegt, ist es eine Geschichte über ein Alien, das auf die Erde kommt, erzählt aus der Perspektive des Aliens.

So beginnt der Film mit visuell anspruchsvollen Bildern. Unnatürlich und abnormal und nicht wirklich greifbar. Gepaart wird das mit rauen, puristischen Aufnahmen aus einem kleinen schottischen Vorort. Die inszenierte Pracht weicht dem kargen Alltag. Scarlett Johansson, die das Alien verkörpert, wirkt wirklich etwas fehl am Platz. Und der kräftige schottische Akzent macht es einem schwer, den Dialogen zu folgen. Fast als wäre man selber auf einem fremden Planeten gelandet.

Immer wieder zeigt uns Glazer Momente, die er Set-Pieces nennt. Situation, die eine emotionale Reaktion in uns hervorrufen. Die unter die Haut gehen. Momente, die so karg und einfach gefilmt sind, dass sie nahezu real wirken und teilweise auch sind. Ein Baby wird alleine am Strand zurückgelassen, Hooligans beschädigen ein Auto und Menschen gehen ihren ganz natürlich Geschäften nach. Dagegen schneidet Glazer die starre Miene des Aliens. Wir können nicht durch ihre Fassade blicken. Wir erkennen nicht, was sie fühlt, ob sie fühlt. Und durch ihren Blick scheint alles fremdartig, seltsam, verschoben. So schlüpfen wir in die Haut eines Aliens, das in die Haut eines Menschen geschlüpft ist.

Die Mission des Aliens wird nie gänzlich erklärt. Aber immer wieder zieht es Männer in ihren Bann und bringt sie in ein verlassenes Haus. Erregt legen die Männer ihre Klamotten ab. Machen sich nackt, machen sich frei. Nur um in einem schwarzen Loch zu versinken. Hilflos, ratlos, gefangen – hängen sie in der Luft, bis sie ausgesaugt werden und nur noch ihre leere Hülle übrig bleibt. Vom Alien keine Reaktion.

Doch ist da nicht mehr unter der glatten Fassade? Nicht ganz unüberlegt hat Glazer Scarlett Johansson für die Rolle besetzt. Eine Schauspielerin, die von der Masse hauptsächlich für ihren Sex-Appeal gefeiert wird. Denn nur wenige schauen genauer hin, um dahinter einen intelligenten, kreativen Menschen zu entdecken.

Und so ist es jenes Opfer, das nicht auf ihre Schönheit achtet, sondern viel mehr von ihrer Höflichkeit überrascht ist, das etwas in dem Alien auslöst. Erst ist es nur ein Gedanke. Doch nach und nach entwickelt sich etwas in der starren Kreatur. Die Opfer lassen sie nicht länger unberührt. Sie hat sich offen gemacht, lässt die Emotionen an sich heran.

Und sie muss feststellen: Unter der Haut der Menschen verbirgt sich mehr als nur Fleisch. Dort gibt es auch Liebe, Empathie und Hilfsbereitschaft. Sie läuft davon und vernachlässigt ihre Mission. Sie ist nicht mehr länger verschlossen. Und auch wir erkennen langsam die Schönheit der Realität. Wo man zuerst in den ästhetischen Bildern geschwelgt hat, reizen einen nun die unspektakulären Aufnahmen. Genau wie das Alien sympathisieren wir mehr und mehr mit den Menschen um sie herum. Sehen die selbstverständliche Freundlichkeit, die einem hier geboten wird. Als sie dann verloren von einem Mann aufgenommen wird, hat sie zum ersten mal die Ruhe, sich zu betrachtet. Sie betrachtet ihren Körper. Und sieht zum ersten Mal mehr als nur eine Hülle. Da liegt Schönheit in der Haut. Da verbirgt sich Schönheit unter der Haut.

Wenn man bedenkt, dass dies das erste Mal ist, dass Scarlet Johansson nackt vor der Kamera steht, wird einem deutlich, wie menschlich die Szene doch ist. Denn es geht nicht um Sex-Appeal und Erregung. Viel mehr geht es um Akzeptanz. Um wertloses Interesse. Und es benötigt den Blick eines Aliens, den Blick von außen, damit auch wir das erkennen.

Umso schmerzhafter ist es zu sehen, wie sie beim ersten Versuch Geschlechtsverkehr zu haben, feststellen muss, dass sie eben doch nur eine Hülle trägt. Dass unter der Haut nur ein harter, unnatürlicher Kern ist.

So wirkt ,Under The Skin‘ von außen wie ein normaler Film. Denn schließlich ist er genau das. Ein Film. Doch schaut man hinter die Fassade, erkennt man einen Film, der genau wie sein Hauptcharakter die Konventionen bricht. Nicht nur in der Erzählweise oder in der filmischen Herangehensweise, aber durch sie hindurch. Die langen Einstellungen, die versteckte Kamera, die realen Personen führen uns ganz langsam an etwas heran, das wir immer wieder vergessen: Was gerne hinter einer dicken Schicht Make-up und Special Effects versteckt wird. Das in den meisten Filmen gesucht, aber selten gefunden wird.

Die Schönheit der Natürlichkeit.

Die schmutzigste Aufnahme aus Schottland kann daher mit den stilisierten Animationen mithalten. Passanten auf der Straße können einer Hollywood-Schauspielerin das Wasser reichen. Und schräge Musik ist im richtigen Kontext eben nicht mehr schräg.

Alles was zählt ist Emotion. Je natürlicher desto schöner.

freunde: interview mit lenny
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Freunde: Interview mit Lenny

Filmfreundschaften, Seinfeld und eine unerwartete Jake-Gyllenhaal-Appreciation-Party. Ich habe mich mit Lenny über Freunde unterhalten.

Isabel: Was ist deine Lieblingsart, neue Freunde kennenzulernen?

Lenny: Ich mag’s eigentlich, am Set Leute kennenzulernen. Das kann aber relativ schnell auch nur beruflich bleiben. Viele von meinen Freunden hab ich übers Eck kennengelernt. Wir machen oft Filmprojekte zusammen, aber es ist nie durch einen Dreh ins echte Leben gekommen, sondern immer eher andersherum passiert. Das finde ich immer nett, wenn man Leute kennenlernt, weil einer jemanden mitbringt. Und dann merkt man ja auch immer relativ schnell, ob man gut zusammen klar kommt oder nicht.

Was würdest du sagen, ist für dich das Anzeichen, dass Potential für eine gute Freundschaft da ist?

In Gesprächen, wenn man merkt, man unterhält sich, ohne immer wieder neu ansetzen zu müssen oder immer wieder die Fäden zu verlieren. Wenn es einfach relativ automatisch von einem Gespräch ins nächste geht. Und man sich so immer weiter entwickelt. Das, finde ich, ist immer ein gutes Anzeichen.

Gibt es noch andere Sachen, die dir in einer Freundschaft wichtig sind?

Ich würde sagen, es ist auf jeden Fall wichtig, dass man Spaß hat. Das Humor dabei ist.
Man kann sich total intellektuell über Dinge auseinandersetzen, aber das bleibt teilweise auch sehr distanziert. Wenn man was hat, worüber man lachen kann, ist es sofort persönlicher.

Ich hab immer das Gefühl, wenn es zwei Situationen gibt, die unabhängig voneinander sind, in denen man sich kennenlernt, dann ist das gut. Das spricht wahrscheinlich auch erstmal gegen die „Filmfreundschaften“. Weil das ja, mehr oder weniger, eine einzige Situation ist, in der man sich kennenlernt. Das ist dann ein Kosmos, in dem man sich total gut versteht, aber man ist ja nie ausgebrochen. Denn je öfter man in verschiedenen Situationen mit Menschen zusammen ist, desto besser oder fester kann eine Freundschaft werden.

Stimmt, vor allem ist es ja am Set oft so, dass man total viele Situationen miteinander hat, aber eigentlich alle von derselben Art. Und dann ist es komisch, dass man sich sehr gut kennt, aber eben nur unter einem bestimmten Blickpunkt. Wenn man dagegen sehr schnell viele unterschiedliche Situationen miteinander erlebt, lernt man sich dadurch ganz anders kennen.

Ja, wenn man sagt, man trifft sich mal abends auf ner Party, man geht mal frühstücken, man geht mal ins Kino, man macht so verschiedene Sachen, dann glaube ich, kommt man schneller an den Punkt, wo man sich wirklich gut versteht und auch merkt, dass die Beziehung, die man hat, unabhängig ist von dem, was man zusammen tut.

Gibt es trotzdem etwas, dass du besonders gern mit Freunden machst?

Ich rede gern mit Leuten. Das macht mir eigentlich am meisten Spaß. Und ich gucke sehr gerne Filme. Das heißt, ich gehe mit Freunden immer sehr gerne ins Kino, wenn das damit verbunden ist, dass man sich davor oder danach, im besten Fall beides, lange unterhält.

Das ist bei einem Film ganz cool: man hat schonmal einen Start. Man kann anfangen, sich über den Film zu unterhalten und wenn’s gut läuft, unterhält man sich vielleicht gar nicht über den Film, weil man einfach nur die Thematiken aufgreift und über die diskutiert, anstatt jetzt penibel irgendwelche Szenen zu analysieren. Das mache ich am liebsten. Egal in welcher Konstellation, zusammenzusitzen, und sich zu unterhalten.

Ist ja auch ein cooler Mix, weil man hat ein Erlebnis zusammen, ein Film ist ja im Grunde ein Erlebnis, und dann hat man nochmal die Möglichkeit, darüber zu reflektieren.

Ich glaube, es ist schon irgendwann wichtig, dass man Dinge zusammen tut. Irgendetwas gemeinsam unternimmt. Und das hat in unseren Fall, in meinem Fall, eigentlich immer irgendwas mit Film zu tun.

Aber man muss sich schon was ausdenken.  Früher als Kind hat man einfach egal was zusammen gemacht. Das fällt immer auf, wenn man sich Spielplätze anguckt, wo nichts ist und die Kinder finden trotzdem irgendwas, das sie spielen können.

Da ist man heute irgendwie ein bisschen eingeschränkter. Wobei, in unserem Fall eben das Filmemachen spielen ist. Da fängt man dann auch an, Dinge zu basteln und sich zu verkleiden und sonst was. Bloß dass das dann am Ende noch gefilmt wird, was eigentlich umso lustiger ist.

Stimmt, eigentlich sind da alle guten Spielaktivitäten verbunden. Und man kann von einer zu anderen nahtlos übergehen. So wie es ja bei Kindern auch ist, man hat ja meistens irgendein Spiel, das man spielt, so wie Mutter-Vater-Kind, und dafür sind dann ganz viele kleine Sachen wichtig, die man erstmal kreieren muss.

Absolut. Und als Kind spielt man halt Post oder sowas und man möchte eigentlich so richtig tief eintauchen, aber es gibt gar nicht so viel, was man noch machen kann, außer Stempel auf nen Papier drücken. Und da geht es  natürlich beim Filmemachen schon darum,  die Welt richtig aufgeladen und lebendig  zu machen.

Welche Eigenschaften interessieren dich besonders an Menschen?

Ich finde cool, wenn Leute einfach offen sind. Das ist für mich eigentlich die beste Eigenschaft. Es gibt natürlich viele Gründe für Verschlossenheit, wenn Leute zum Beispiel schüchtern sind. Oder arrogant. Aber wenn man so eine gute Prise von Naivität hat, bei der man sagt, „Erstmal gucken, wie es so ist“ und nicht schon voreingenommen ist, finde ich das angenehm.

Und wenn jemand bereit ist, die nächsten Schritte zu gehen. Wenn man sagt, man schreibt demjenigen jetzt einfach oder man fragt, „Hey wollen wir was zusammen machen“, anstatt das nicht zu machen, weil man lieber in seiner Komfortzone bleiben möchte.

Klar ein bisschen Mut ist ja schon dabei, erstmal offen zu sein für neue Erfahrungen, aber man muss eben auch mutig genug sein, den nächsten Schritt zu gehen und das Risiko einzugehen, dass es vielleicht nichts wird, obwohl man dachte, man könnte sich nicht nur oberflächlich gut verstehen.

Absolut.

Ich finde eine große Stärke von dir ist wirklich, dass du dir total gute Gemeinschaftsaktionen ausdenken kannst, so wie in Italien, als du die Idee mit Zombiecide hattest. Was würdest du außerdem sagen, sind deine größten Stärken als guter Freund?

Ich hab immer so das Gefühl, das Wichtigste ist für mich, das es eine Gruppendynamik gibt.
Dass der Grund, warum man zusammen ist, in jeder Konstellation, am meisten unterstützt wird.

Und dann versuche ich eigentlich immer, also auch unbewusst, die Position einzunehmen, die dem am besten hilft. Das ist dann manchmal eine Position, die so wirkt, als wäre man voll der Egozentriker, weil man so wirkt wie der Leader, aber das gibt dann der Gruppe die beste Dynamik. Und in anderen Fällen, hält man sich einfach zurück und guckt, dass im Hintergrund alles gut läuft und dass, wenn es jemandem mal nicht so gut geht, derjenige wieder integriert wird. So, dass am ehesten erstmal das Gruppenwohl im Vordergrund steht.

Gibt es jemanden, mit dem du gerne befreundet wärst?

Oh gute Frage. Also ich bin echt happy mit meinen Freunden. Eben auch weil ich verschiedene Freunde habe, die aber auch alle offen sind, und die man miteinander verweben kann. Und die gleichzeitig alle verschiedene Qualitäten haben.

Ansonsten denke ich, grundsätzlich, ist wahrscheinlich der beste Mensch, der auf diesem Planeten existiert, Jake Gyllenhaal. Mit dem wäre ich schon gerne befreundet. (Lacht.)

Warum?

Ich finde, er ist unglaublich offen und offenherzig.
Nahezu naiv, wenn man ihn in Situationen sieht, wo er sich beömmelt, wie ein Kind.
Und gleichzeitig hab ich das Gefühl, dass man sich mit ihm auch unglaublich gut einfach zu zweit hinsetzen und anständige Gespräche führen kann. Weil er davor keine Angst hat.

Ich hab das Gefühl, da spielt vielleicht Selbstbewusstsein auch eine große Rolle. Weil man das Gefühl hat, er kann den anderen total gut wahrnehmen und Kontakt zum anderen aufbauen. Und sich gut öffnen. Oft ist es ja so, dass keine richtige Verbindung zum andern entsteht, wenn man selber so in seinem eigenen Space ist und denkt, „Hnn das ist jetzt so und das kommt jetzt so.“

Ich glaub, er kann auch was. Und das ist lustig, weil man eigentlich natürlich denken müsste, das könnte jeder Schauspieler oder sollte jedenfalls jeder Schauspieler können. Das sehe ich bei ihm ganz besonders.

Dass er sich immer dem Purpose der Sache anpassen kann. Das heißt dann eben, wenn er in einem ernsthaften David Fincher Film mitspielt, dann schafft er es, dem gerecht zu werden. Und wenn er in einer Talkshow ist, mit Jimmy Fallon oder sonst wem, dann schafft er es, sich auf diese Situation einzulassen. Er ordnet sich, im guten Sinne, immer der Gesamtsituation unter. Und bereichert sie damit total. Das finde ich immer sehr cool.

Gibt es einen fiktionalen Freund, bei dem du sagst, das ist ein richtig guter Freund?

Ich finde es interessant, wenn Freundschaften selbstverständlich sind. Gut, das ist jetzt ein gefährliches Beispiel, aber ich finde, jemand wie Kramer ist ein angenehmer Freund. Natürlich ist es total dreist, wenn er einfach so in die Tür reinkommt, obwohl er gar nicht eingeladen ist. Aber was man halt nicht missverstehen darf, ist, dass das ein Commitment von seiner Seite aus ist, sich zu öffnen. Und das finde ich irgendwie angenehm; wenn es eigentlich außerhalb der Diskussion steht, ob man füreinander da ist.
Und dass man gerne was zusammen macht.

Wie gehst du damit um, wenn in einer Freundschaft Konflikte auftreten?

Ich finde wichtig, ehrlich drüber zu reden. Vor allem, weil ein Konflikt sich im Kopf immer krass aufbauscht, wenn man die Sache nicht anspricht. Das kann ja auch sein, das man es scherzhaft erwähnt und dann steht es erstmal im Raum. Das ist vielleicht nicht die geschickteste Variante, aber immerhin. Oder dass man es offiziell anspricht.

Hauptsache, man sagt etwas. Sonst trägt man es ewig mit sich rum und es wird immer größer im Kopf. Und auf einmal ist jede Kleinigkeit, die der andere macht, nervig oder ein „Riesenfehler“. Wobei der ja auch nur sein Ding macht. Ehrlich drüber reden. Klar, das Schlimmste, was passieren kann, ist natürlich, dass die Freundschaft auseinander bricht. Aber gleichzeitig, wenn das Problem größer ist, als die Freundschaft, dann sollte man sich vielleicht eher dem Problem widmen, als der Freundschaft.

Ich glaub man muss sich irgendwie offen machen. Dann kann man natürlich verletzt werden. Und wenn der Vibe nicht stimmt, kann einen das ganz schön runterziehen. Aber der Reward, den man kriegt,  wenn es gut läuft, ist einfach auf jeden Fall lohnenswert.

Danke Lenny!

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Freunde: Harry und Sally

Friendship is a deep relationship where you share your most intimate thoughts and feelings.-Rob Reiner

Wenn ich an Filme über Freundschaften denke, denke ich als aller erstes an Harry und Sally. Wir haben hier natürlich die große Frage: Können Männer und Frauen Freunde sein? Und weil wir im Jahre 2018 leben: Kann Freundschaft zwischen zwei Menschen mit der gleichen Sexualität und dem jeweils anziehendem Geschlecht funktionieren? Oder auch ruiniert Sex eine Freundschaft?

How it began:

Harry und Sally fahren nach dem College von Boston nach New York. Harry erklärt Sally das Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht möglich ist, weil der Sex immer dazwischen kommt. Deswegen verabschieden sie sich nach der Ankunft in New York für immer.

Rob Reiner und Nora Ephron treffen sich ca. 1984/85 zum ersten mal, und Rob pitcht Nora eine Idee für einen Film, die sie gar nicht mochte.

                         

Nach fünf Jahren treffen sich Harry und Sally zufällig am Flughafen, Sally datet einen enfernten Bekannten von Harry, sie sitzen im Flieger neben einander und Harry erzählt das er verlobt ist.  

Rob und Nora treffen sich nochmal und er pitched ihr diesmal die Idee, die den Grundstein für Harry und Sally werden sollte: ‚Zwei Leute treffen sich am Ende ihrer jeweils ersten großen Beziehung und entscheiden sich dafür niemals miteinander zu schlafen, weil es die Freundschaft ruinieren würde und dann schlafen sie miteinander und es ruiniert die Freundschaft.‘ Nach diesem Meeting steigt Nora Ephron ins Taxi und hat die komplette Struktur des Films im Kopf.

Nach weiteren fünf Jahren treffen sich Harry und Sally zufällig in einer Buchhandlung in New York. Beide frisch getrennt. Sie beide sind nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Sie werden Freunde. 

                      

Becoming Friends:

Ephron und Reiner interviewten sich gegenseitig, um mehr über das Denken des jeweils anderen Geschlechts herauszufinden.

Harry und Sally helfen sich wieder in die Dating Welt einzusteigen und versuchen sogar sich gegenseitig mit ihren jeweiligen Besten Freunden zu verkuppeln. Jesse und Marie realisieren aber ziemlich schnell das sie füreinander bestimmt sind und werden ein Paar. Eines Abends ruft Sally aufgelöst Harry an, weil ihr Ex-Freund heiraten wird. Er kommt vorbei um sie zu trösten und sie schlafen miteinander. 

Meg Ryan, deren erste große Rolle es war und das erste mal das sie nicht nur das „Girl“ spielt wie sie selber sagt, und Billy Crystal werden als Harry und Sally besetzt und bringen tolle Ideen zu dem Drehbuch dazu. Billy Crystal hatte den Einfall für den berühmten Satz: ‚I’ll have what she is having‘.

Machen wir an dieser Stelle mal einen kurzen Break. Was sehen wir? Wir haben einen Mann und eine Frau, offensichtlich befreundet. Wenn man sich Interviews mit Rob Reiner anschaut wird schnell klar wie sehr er Ephron geschätzt hat. Von Ephron gibt es weniger Interviews aber ich denke das die Freundschaft auf gegenseitiger Wertschätzung beruhte. Wir haben hier als ganz klar einen Fall von einer Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau. Ganz Platonisch.

 If two people meet each other and they don’t do it, its because something is missing and it’s hard to make up for that. – Nora Ephron

Harry und Sally wissen nicht wie sie mit der Situation umgehen sollen und leben sich auseinander. Sie haben einen Streit bei Maries und Jesses Hochzeit und ihre Freundschaft scheint beendet.

                    

When Friendship becomes love:

Rob Reiner lernt während der Dreharbeiten seine zukünftige Frau Michele Singer kennen. Daraufhin ändert er das ursprüngliche Ende des Films bei dem Harry und Sally nicht zusammen kommen sollen.

An Silvester realisiert Harry das er Sally liebt: ‚I came here tonight because when you realize you want to spend the rest of your life with somebody, you want the rest of your life to start as soon as possible.‘ ‚You see? That is just like you, Harry. You say things like that, and you make it impossible for me to hate you.‘

Am Ende hat Harry doch irgendwie Recht, Sex ruiniert eine Freundschaft. Aber nur aus dem Grund, weil ab dem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich aus Freundschaft Liebe wird. Das Männer und Frauen aber befreundet sein können, ohne das jemals der Sex dazwischen kommt beweisen uns Nora und Rob selbst.

                     

 

Mein absoluter Lieblingssatz aus dem Film ist übrigens:

‚Someone is staring at you in personal growth.‘ – Marie (Carrie Fisher)

Shoutout an alle großartigen Leute in meinem Leben die genau das machen.

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Freiheit: Interview mit Uwe

In diesem Monat beschäftigen wir uns mit Freiheit. Und wenn ich an Freiheit denke, denke ich schnell an die Bornstedter Felder. Man fährt ca. 10 Minuten mit dem Fahrrad und ist in einer anderen Welt. Als ich noch zu Hause gewohnt habe und noch nicht den Mut hatte, die Schule abzubrechen, waren diese Chappi Runden mit Papa in den Feldern das ultimative Freiheitsgefühl. Weg vom Trubel, zwischen den Feldern, ein Schotterweg unter den Rädern, ein weiter Blick und an besonders guten Tagen: Kaffee und Kuchen im Obstgarten. Deswegen war es dann doch sehr passend, dass Papa und ich dieses Interview bei einer Fahrradtor durch die Felder (wegen der Hitze ohne Chappi) geführt haben. Uwe Carow ein Denker und Könner. Und vor allen Dingen einer, der in der Freiheit zuhause ist.

Amber: Ich dachte wir fangen mal ganz vorne an, was hat Freiheit für dich als Kind bedeutet? Wie hat es sich ausgedrückt?

Uwe: Ich weiß noch, wenn ich zum Beispiel bei meiner Oma und Opa war, bei denen im großen Garten, dass man sich da frei bewegen konnte. Ja, das war schon ein freies Gefühl, obwohl ich das damals nicht als so ein Freiheitsgefühl empfunden hab. Später gab es zwar natürlich Einschränkungen durch Schule und solche Dinge, aber ansonsten waren wir viel draußen und konnten eigentlich machen, was wir wollten in den Feldern, radfahren und dann natürlich immer Fußballplatz. Da war dann das Ende der Freiheit, wenn die Sonne unterging, dann musste man nach Hause. Wenn man draußen war, war man nicht unter Aufsicht, das hat sich frei angefühlt. Es war eben ein sehr ländliches Aufwachsen mitten im Ruhrgebiet.

Hat es sich über die Zeit verändert, was Freiheit für dich bedeutet?

Ja, also für mich war Schule eine ziemliche Einschränkung. Ich weiß noch, dass ich, als ich endlich das Abitur hatte, auf meinem Bett lag und »I’m free«  von The Who aus der Tommy Oper gehört habe over and over again und ein unglaubliches Freiheitsgefühl hatte. Nie mehr Schule. Und dazu muss man sagen, dass es vielleicht sogar, wenn man es mit heute vergleicht, lockerer war. Zwar hatten wir auch samstags Schule, aber nie länger als bis kurz nach eins. Und ehrlich gesagt, bin ich im letzten Schuljahr nicht mehr oft zur Schule gegangen und hab viele Tage was anderes gemacht. Aber trotzdem war das eine unheimliche Einschränkung. Und die zweite Einschränkung, die es dann gab – das war schon während ich den Song gehört hab klar – dass die Bundeswehr auf mich wartet. Also das nächste Ding. Dabei hatte ich kein Problem damit, Deutschland zu verteidigen, auch kein Problem mit dem »Dienst an der Waffe«.

Ich war zunächst als sogenannter Kriegsdienstverweigerer anerkannt. (Damals musste man sich noch einer Gewissensprüfung unterziehen) Das wurde widerrufen und ich bin bei der nächst höheren Instanz durchgefallen. Und ich wusste: sie haben mich durchschaut, es geht nicht darum, dass mein Gewissen mir verbietet zu verteidigen, zu kämpfen, zu töten, sondern nur um meine persönliche Freiheit. Nach dreizehn Jahren Schule nicht tun und lassen zu können, was ich will, Befehlen zu gehorchen, die Einschränkung der Freiheit, das war das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte und deswegen wollte ich da nicht hin. Da hab ich mit 18 gewusst: Das kann ich nicht aushalten. Da geh ich nicht hin. Weder aus ideologischen noch aus sonst welchen Gründen, aber aus dem Grund der Freiheitseinschränkung.

Und wie bist du das umgangen?

Ich habe dann angefangen an der Kunstakademie zu studieren. Und hab‘ die Kriegsverweigerungsprozesse solange rausgezögert, bis ich im dritten Semester war. Denn dann konnte man erst sein Studium abschließen, bevor man eingezogen wurde. Also hatte ich erst mal Zeit gewonnen und hatte natürlich auch so ziemlich das freieste Studium, das man sich vorstellen kann, ohne Stundenplan. Das war für mich auch so eine super wichtige Sache. Und da hab ich dann das erste Mal verstanden, dass – ich war da ja erst neunzehn, also noch sehr jung – mit Freiheit auch eine gewisse Verantwortung kommt.

Also wenn du niemanden hast, der dir sagt, um 10 Uhr ist das-und-das und du musst dann-und-dann deinen Schein machen oder eine Klausur zu dem-und-dem Thema schreiben, sondern du kannst eben ins Atelier gehen oder nicht, dann spürst du plötzlich eben auch eine Verantwortung für dich selbst.  Ja, das hab ich da zum ersten Mal gelernt und auch gelernt, dass es sozusagen die Kehrseite der Freiheitsmedaille ist, dass man selber Verantwortung übernehmen muss.

Du hast dir ein Leben kreiert, das in gesellschaftlichem Sinn sehr viel Freiheit hat, mit selbstgesetzten Arbeitszeiten und, und, und. War das zufällig oder ging es gar nicht anders?

Das ist wahrscheinlich nicht zufällig, aber erst jetzt im Rückblick wird deutlich, dass das ein wichtiges Thema für mich ist. Wenn man in dem Prozess drin ist … zum Beispiel mit der Bundeswehr, ist es erst mal so ein inneres Gefühl und keine theoretische Überlegung: »Oh das gibt mir mehr Freiheit.« Dann ging ich in eine eingemauerte Stadt nach West Berlin, aber hatte trotzdem ein Gefühl von Freiheit.

Und dann ging ich in ein besetztes Haus, und da konnte man komplett eigene Regeln aufstellen und ausprobieren, also auch Freiheit, natürlich auch wieder mit Verantwortung und mit Risiken. Bestimmte Sachen hatte man eben nicht. Im Rückblick habe ich mich im Zweifelsfall immer für den freieren Weg entschieden, ob das immer gut war (Schulterzucken) … aber ich hab das so gemacht.

Und wann fühlst du dich in deinem Alltag am freiesten?

Also ich glaube, es ist eher umgekehrt, ich spüre es eher, wenn die Freiheit eingeschränkt wird. Also zum Beispiel hab ich ein Problem damit, wenn mir jemand sagt, wann ich wo sein soll. Also nicht wenn ich mich mit jemanden verabrede, aber zum Beispiel bei Filmproduktionen war das so. Eine zeitlang war ich ja oft am Set und dem Drehplan und den Dispos unterworfen. Mir von jemanden sagen zu lassen, dass ich irgendwo körperlich anwesend sein muss, das ist schon schwierig.

Aber wird das nicht, wenn man Kinder hat immer mehr, mit Elternabenden und so?

Das ist wieder was anderes, ich habe komplett frei entschieden, dass ich Kinder haben wollte und da hab ich mich nie unfrei gefühlt. Katrin und ich mussten uns natürlich eine zeitlang, als ihr klein wart, immer absprechen, wer wann wo ist, weil immer einer da sein musste. Könnte man sagen, das ist die totale Unfreiheit. Aber das hab ich nicht so empfunden. Das war eine freie Entscheidung für eine Verantwortung, die wir gemeinsam getroffen haben. Freiheit hat sowieso sehr viel mit subjektivem Empfinden zu tun.

Was meinst du hält einen davon ab, frei zu leben?

Man ist natürlich nicht nur in seinem Körper geboren, sondern hat dann auch über die Jahre so ein psychisches Konzept oder Korsett oder psychische Verfassung ausgebildet. Und die ist dann teilweise auch durch Erziehung, durch die Erziehung zuhause, aber auch durch die gesellschaftliche Erziehung geprägt. Da entwickeln sich hartnäckige Glaubenssätze. »Wer A sagt muss auch B sagen.« »Was sollen die Nachbarn denken.«

Glaubenssätze, die man selber für sich hinterfragen muss, und vielleicht auch gucken, ob die überhaupt gut für einen sind. Das ist auch ein Akt der Befreiung. Glaubenssätze zu erkennen. Und dann zu gucken, sind die für mich sinnvoll. Und die Anstrengung auf sich zu nehmen, die zu ändern. Das ist nicht einfach, erfordert Kraft und auch einen gewissen Mut. Freiheit ist zunächst mal die Freiheit von Angst. Weil es da natürlich noch die volle Wucht der spießigen Gesellschaft gibt, gegen die man sich behaupten muss.

Was meinst du damit?

Spießer sind für mich Leute, die anderen Leuten die Freiheit wegnehmen wollen. Nicht zu verwechseln mit Menschen, die jeden Tag vollkommen regelmäßig ihr Ding machen, einer Arbeit nachgehen, whatever. Die machen einfach ihr Ding, lassen andere in Ruhe. Spießer dagegen sind für mich Leute, die an die Decke klopfen, und da muss man gegen halten. Ängstliche Menschen, »Besorgte Bürger«.

Würdest du sagen, dass für dich grundsätzlich das Motto gilt, je mehr Freiheit desto besser? 

Also ich glaube, vielleicht ist das sogar eine historische Entwicklungsstufe, die Stufe der individuellen Freiheit. Ich glaube nicht, dass individuelle Freiheit der Gipfel der Evolution ist, aber im Moment sind wir, glaube ich, in einer Phase, in der individuelle Freiheit eine wichtige Sache ist. Gesellschaftlich. In der Menschheitsbewusstseinsevolution ist individuelle Freiheit ein großes Thema und es ist wichtig, dass man das weiter vorantreibt. Du musst das dann halt irgendwie auch durchsetzten gegen die gesellschaftliche Gegenströmung, und die spürt man oft schon sehr stark. Diese ganzen Sprüche von das Leben ist kein Ponyhof, das ist schon so ein sehr ängstlicher Spruch. Der einen unfrei macht. Ich mein das Leben ist auch kein Hamsterrad.

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Freiheit: Easy Rider

Es gibt unzählige Filme, die auf irgendeine Weise das Thema Freiheit behandeln. Die beiden, die mir als erstes einfallen, haben viele Gemeinsamkeiten. Beide sind im Jahr 1969 erschienen, als der Krieg in Vietnam genauso eskalierte wie der Widerstand dagegen und die ersten Menschen auf dem Mond landeten. Beide sind Buddy Movies, beide Road Movies, mehr oder weniger. In beiden Filmen sind die Hauptprotagonisten kleine Kriminelle, im einen Fall hauptberuflich, im anderen eher amateurhaft. In beiden Filmen werden die Helden (bei Filmen aus dem Jahr 1969 ist die Spoilerverjährungsfrist abgelaufen) am Ende abgeschossen. Und genau wie Martin Luther King und Robert Kennedy, die im Produktionsjahr der Filme erschossen wurden, stehen Butch Cassidy und The Sundance Kid und Wyatt und Billy für Freiheit. Für Freiheit, die Angst macht. Es gibt vermutlich keine Filmszene, die das besser thematisiert als die berühmte Lagerfeuerszene in Easy Rider.

Morganza

  

Wyatt, Billy und George hatten ihre Motorräder vor einem Diner im Süden geparkt. Werden aber in der feindseligen Stimmung, die ihnen entgegenschlägt, nicht bedient und verschwinden wieder.

Für diese Szene hatte Dennis Hopper ein Cafe in Morganza, Louisiana, ausfindig gemacht und wie so oft während der Dreharbeiten, vermischten sich Spiel und Realität auf erschreckende Weise. Hopper wollte auf keinen Fall Komparsen von ansässigen Laientheatergruppen anheuern, sondern genau die Locals, die wirklich in dem Cafe saßen, als er es zum erstenmal betrat und wusste, dass er den richtigen Ort für diese Szene gefunden hatte. Paul Lewis, der production manager war entsetzt: We’re gonna get in so much trouble. We’re never gonna leave this town. They’re gonna kill us.

Und DOP László Kovács erinnert sich: When I saw the faces, they loved to hate, and it was kind of scary. The only thing that toned down the real hatred was: We are in a movie.

De facto war Louisiana zu der Zeit immer noch ein Staat mit Rassentrennung. Es gab im Cafe eine white section und eine non white section. Und offensichtlich war die non white section die coolere. Bessere Musik, klasse Jukebox, lockere Atmosphäre. Also amüsierten sich einige Crew-Mitglieder dort, tanzten mit den Leuten.

Das schürte – zum Nutzen der anschließenden Szene – die feindselige Stimmung noch mehr. Paul Lewis erinnert sich, dass der Sheriff, der nachher wirklich (as deputy) im Film zu sehen ist, droht, die Crew ins Jail zu werfen, wenn sie sich nicht von der non white section fernhält.

Dennis Hopper hält seine Local-Laienschauspieler an, wirklich alles rauszuhauen, was sie von Hippies wie ihnen halten, und es entsteht eine der – wie ich finde – bedrückendsten Szenen des Films.

»What the hell is this? Troublemakers?«

»You name it, I’ll throw rocks at them, sheriff.«

Campfire

                                               

Mir ist nicht wirklich klar, auf welche Zeit sich George (Jack Nicholson) bezieht, wenn er den Dialog beginnt mit: »You know this used to be a hell of o good country.« Wilder Westen? Bürgerkrieg? Kampf gegen die deutschen Nazis? Es heißt vermutlich nur, es gibt viel, worauf Amerika stolz sein kann.

Aber die Analyse ist umso deutlicher: Menschen haben Angst vor Freiheit. Und Angst macht gefährlich. George wird die Nacht nicht überleben.

Der Film hat überlebt. Für unter 400K Dollar produziert, hatte Easy Rider einen überwältigenden kommerziellen Erfolg und begründete in den USA eine neue Art, Filme zu machen. Vor 1969 gab es dort kaum unabhängige Filmemacher. Easy Rider, ein Film über die Freiheit, hat dem Filmemachen eine neue Freiheit gegeben.

Alle Abbildungen sind aus dem Making of Born to Be Wild by Nicholas F. Jones, 1995.

 

Freiheit Pizza
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Freiheit: Pizza

Meine Lieblingsart zu Kochen ist…gar nicht zu kochen. Sondern zu backen. Irgendwas an der Idee, etwas in den Ofen zu schieben und während man „kocht“, Zeit für etwas anderes zu haben, begeistert mich. Und der Klassiker unter leckeren und einfachen Dingen, die man in den Backofen schieben kann ist..natürlich. Pizza.

Ich liebe Pizza. Und am meisten liebe ich selbstgemachte Pizza. Weil jeder seine eigene Art hat, sie zu machen. Manche mögen den Teig weich und fluffig, andere knusprig, die eine mag ihre Pizza am liebsten einfach, die andere belegt sie mit allem, was ihr in die Finger kommt. Eigentlich ist eine Pizza wie ein leere Leinwand, die jeden zu einem anderen essbaren Kunstwerk inspiriert.

Außerdem ist sie einfach zuzubereiten, dass heißt man kann nebenbei Musik hören, ein Glas Wein trinken, tanzen und sich unterhalten. Und sobald sie bäckt, hat man diese Special Zeit, eine halbe Stunde mit der man anfangen kann, was man will. Und aus irgendeinem Grund, fühlt sich diese halbe Stunde für mich wie absolute Freiheit an. Eine Nicht-Zeit, ein geheimer Moment, eine Zeitentdeckung. Ein Zwischenmoment. 

freiheit pizza

Gerade wenn man sich abends zum Kochen trifft, finde ich es schön, wenn es viel Raum zum Zusammensitzen und sich Austauschen gibt. 

Mein superschneller Pizzateig geht so:

250 g Mehl (ich nehme meisten Dinkelvollkorn, was super funktioniert)
1 halben Würfel Frischhefe
137 ml lauwarmes Wasser (ich weiß seltsame Zahl, dabei kann man sich auch gut auf sein Gefühl verlassen, ist der Teig zu feucht, noch etwas Mehl, ist er zu trocken, einen Schluck Wasser)
1 Prise Salz
2 Esslöffel Olivenöl (oder ein großzügiger Schluck, wenn kein Löffel zur Hand ist, die Finger klebrig sind oder du deiner Intuition vertraust)

Das Mehl in eine große Schüssel häufen und in der Mitte eine kleine Kuhle machen. Die Hefe hinein bröseln. Die Prise Salz hinzugeben und dann langsam ein bisschen Wasser auf die Hefe gießen und sie mit einer Gabel verrühren, bis eine schaumige Paste entsteht. Dann vom Rand der Kuhle ein bisschen mehr Mehl einrühren und so nach und nach einen klebrigen Teig machen. Jetzt gebe ich meist das Olivenöl dazu. Wenn du den Eindruck hast, dass der Teig zu feucht zum Kneten ist, gib einfach noch ein bisschen Mehl dazu. Solange, bis du mit den Händen eine weiche Kugel formen kannst. Die knetest du jetzt ungefähr acht Minuten, während du, je nach Bedarf, ein bisschen Mehl oder Wasser hinzugeben kannst. Der Teig wird luftig, elastisch. Wenn du rund 8 Minuten leidenschaftlich geknetet hast, kannst du den Teig ausrollen.

freiheit pizza

Aus der oben genannten Menge kannst du ein Blech Pizza machen, oder auch zwei superknusprige runde Pizzen, oder natürlich ganz viele kleine. Whatever you like. Wir machen meist zwei annähernd runde (insgeheim damit jeder seine eigene Pizza hat).

Lukas macht die Tomatensoße. Sein Rezept geht so:

250 ml passierte Tomaten
2 Zehen Knoblauch
Olivenöl
Wein oder Balsamico-Essig
Kräuter

Knoblauch schälen und schneiden. Das Olivenöl in einem Topf erhitzen und den Knoblauch anbraten. Tomaten dazu. Mit Salz würzen und mit einem Schuss Wein oder Balsamico-Essig abschmecken. Wer mag kann natürlich auch noch Kräuter hinzufügen. Die Soße auf den ausgerollten Teig gießen und gut verteilen. Lukas mag keinen trockenen Rand, deswegen zieht bei uns die Soße dicht ans Ufer. Weil wir so gut wie immer vegan essen, kommt auf unsere Pizza meist kein Käse. Ich liebe Paprika Pizza, weil sie lecker süß und frisch ist. Dazu belege ich die Pizza dicht mit mitteldünn geschnittenen Paprikastreifen.

freiheit pizza

Lukas steht auf Gemüsepizza, dazu bereitet er Gemüse seiner Wahl, zum Beispiel Aubergine, Brokkoli und Pilze vor und belegt seine Pizza damit. Auch wenn es sich im ersten Moment seltsam anhört; Brokkoli auf Pizza schmeckt fantastisch! Gerade wenn man ihn roh drauf legt, behält er beim Backen seinen Biss und wird trotzdem gar.

Dann kommt das Ganze in den Ofen (bei 220 bis 250 Grad) und man hat Zeit, eine Filmauswahl zu treffen, sich zu unterhalten und/oder eine Runde Rainbow-Shithead zu spielen. Bei uns bleibt die Pizza solange im Ofen, bis der Teig knusprig und das Gemüse gar ist. Ungefähr eine halbe Stunde oder…acht Runden Shithead. Und dann…wird gegessen! 

freiheit pizza

Was ist dein Go-To-Freiheits-Gericht?

Radio

Freiheit: 27

AVICII

Vor fast drei Monaten ist der schwedische Musikproduzent Tim Bergling, besser bekannt als Avicii, gestorben. Kurz davor hatte ich die Dokumentation True Stories auf Netflix über ihn gesehen, die mir Katrin so sehr empfohlen hat. Auch wenn die genaue Todesursache nicht bekannt ist, sieht man in der Dokumentation deutlich die Schwierigkeiten und  Probleme, die Avicii auf seiner Karriere begleitet haben.
Angefangen hat er, wie man heute eben so anfängt, mit dem Musik machen. Alleine in seinem Zimmer vor einem Computer. Tag und Nacht hat er damit verbracht, Songs zu schreiben. Wenn man Aufnahmen aus dieser Zeit sieht, tut man sich schwer, diesen vollgeräumten Raum ein Zimmer zu nennen. Nur ein schmaler Platz ist für das Bett freigeräumt, der Rest vollkommenes Chaos. Doch das ist egal, denn Avicii sitzt eh nur vor seinem Computer, schaufelt sich somit einen Weg in die Freiheit. Keiner seiner Freunde zweifelt zu diesem Zeitpunkt daran, dass Tim ein erfolgreicher Produzent wird. Sie scherzen sogar darüber, dass wenn er erstmal erfolgreich genug ist, sie alle zusammen in ein Haus in Malibu ziehen.

Doch als der Erfolg dann tatsächlich kommt, ist es natürlich etwas anders als erwartet. Avicii hat das Geld und die Bekanntheit, mit seinen Freunden um die Welt zu fahren, aber da sind dann eben auch über 300 Shows, die gespielt werden müssen. Ein kleiner Preis für Freiheit denkt man sich, aber Aviciis Körper sagt etwas anderes. Zu viel Alkohol, zu viel Arbeit und nun ja, zu wenig Freiheit. Avicii wird mit einer Pankreatitis ins Krankenhaus eingeliefert. Er möchte sofort einige seiner Shows absagen, am liebsten gar nicht mehr vor Publikum auftreten. Und schon fällt die Fassade der Freiheit. Die Shows sind monatelang im Voraus geplant, sein Manager rät ihm dazu, weiterzumachen. Erdrückt durch diese Zwänge muss sich Avicii durchkämpfen. Er besteht darauf, aufzuhören und tut dies. Doch war es zu spät? Nach seinem Tod gibt seine Familie folgendes Statement aus: „Er hat wirklich gerungen mit dem Nachdenken über den Sinn, das Leben, das Glück. Jetzt hat er es nicht länger geschafft. Er wollte Frieden haben.“

JANIS

Mit nur 28 Jahren stirbt Tim Bergling. Damit ist er nur ein Jahr zu alt, um in den berühmten 27 Club einzutreten. Aber vergleichbar ist sein Schicksal trotzdem. Der 27 Club, eine eher weniger belegte Studie über berühmte Persönlichkeiten, Musiker, Schauspieler, die im Alter von 27 Jahren starben. Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jim Morrison starben alle Ende der 60er mit 27 Jahren. Aber auch Curt Cobain und Amy Winehouse gehören dem ,Club‘ an. Heath Ledger, der im Alter von 28 Jahren starb, kann, ähnlich wie Avicii wahrscheinlich dennoch dazu zählen. Man sagt sie haben zu schnell gelebt, zu viel erlebt. Ein ganzes Leben in 27 Jahren. Und vielleicht stimmt das auch. Doch es ist noch ein weiteres Problem erkennbar. Wenn man sich die Dokumentation Janis: Little Girl Blue anschaut, erkennt man hier ebenfalls einen Drang nach Freiheit, der schon als Kind aufblüht. Janis wollte raus, unabhängig sein, frei sein. Und frei war sie tatsächlich eine ganze Weile. Sie hat eine neue Welt für sich entdeckt, Menschen kennengelernt und Musik gemacht. Und dennoch fiel ihr irgendwann alles auf den Kopf. Sie hatte keinen Halt mehr, hat immer wieder versucht, sich zu fangen und ist schließlich daran kaputtgegangen. Denn mit der Freiheit kam auch eine Einsamkeit, die sie sich nie erträumt hatte. Nicht nur frei von Zwängen, war sie auch frei von jeglichem Bezug, schaffte es nicht, sich für die anderen zu drosseln.

MORRISON/LEDGER

Auch Jim Morrison war kurz vor seinem Tod vor allem auf der Suche nach einem: Freiheit. Auf YouTube gibt es bewegende Aufnahmen von einem Roadtrip, den er mit einem Freund unternommen hat. Es war ein Ausflug ohne Ziel, nur die Freiheit wurde gesucht. Wenige Tage später starb Morrison in Paris. Ist ihm die Freiheit zu Kopf gestiegen? Oder wurde ihm bewusst, dass er sie nicht finden konnte? Morrison wollte Gedichte und Drehbücher schreiben. Kreativ sein. Doch in einer Welt, die Kreativität entweder überhaupt nicht wahrnimmt, oder sie auf ein unerreichbares Podest stellt, kann man sich leicht verlieren. Und wenn man sich die Freiheit dann erkämpft, steht man auf einmal da. So viele Möglichkeiten, so viel zu tun. Und keiner der einem beiseite steht. Auch Ledger war kurz vor seinem Tod in diverse Projekte verwickelt. Er hatte Pläne, hatte Ziele. Er wollte seine Freiheit nutzen und war gleichzeitig in ihr gefangen.

Es ist irgendwie kein Zufall, dass dieser Club nun mal aus Kreativen besteht. Menschen, die ihren Platz nicht so ganz gefunden haben in einem System. In einem System, das funktioniert. Und eigentlich ja auch gut ist. Schließlich leben wir in einer Demokratie, in der wir immerhin an Freiheit denken können. Avicii konnte seine Shows canceln. Er musste sehr dafür känpfen, aber schlussendlich hatte er die Freiheit das zu tun, was er wollte. Ja, schon die Redefreiheit, die sich in den Songtexten dieser Musiker ausdrückt, in ihren Interviews. Das sind alles Dinge, für die wir sehr dankbar sein können. Doch so sehr die Freiheit auch beschützt wird, so wenig wissen wir über sie.

KEN

Liest man nämlich Bücher von Sir Ken Robinson, hört sich seinen TED Talk an, oder beschäftigt sich im Allgemeinen mit dem Schulwesen, so wird einem eines doch recht schnell klar. Kreativität wird in der Schule nicht gefördert. Und damit meine ich nicht nur die Künste. Sondern grundsätzlich neue und kreative Lebenswege, die nicht in die Norm passen, kommen oft zu kurz. Was tun also die Musiker, Schauspieler, Regisseure, ja Künstler, die so wenig über ihr Talent gelernt habe. Sie brechen aus. Wie  wilde Tiere, die zu lange eingesperrt waren, sprengen sie alle Ketten und rennen los. Kopfüber in die Freiheit. Ohne Rücksicht auf bleibende Schäden. Und gehen daran zu Grunde. Nicht etwa, weil sie besser eingesperrt hätten bleiben sollen, sondern weil sie niemand auf die Unglaublichkeit der Freiheit vorbereitet hat. Sir Ken Robinson beklagt nicht nur den Mangel an Kreativität in Schulen. Er macht auch Vorschläge, wie man damit umzugehen könnte. Wie man den Wissensdurst in Kindern am Leben halten kann. Denn anstelle von klaren Regeln und engen Vorgaben, sollte man viel mehr darauf hören, was die Kinder wollen. Darauf eingehen. So lässt man ihnen Ihre Freiheit, und bringt ihnen damit ein neues Verständnis von Verantwortung bei.

Es ist also nicht so, dass Avicii und Co. ihre Freiheit nicht erreicht haben. Es ist auch nicht so, dass sie an genau dieser Freiheit zu Grunde gegangen sind. Es ist schlicht und einfach der Fakt, dass ihnen nie beigebracht wurde, wie man mit Freiheit umgeht. Dieser, ja, doch sehr erstrebenswerte Zustand, wird einem im heutigen Schulsystem nicht nahe gebracht. Einem Schulsystem, das noch immer in der Industrialisierung festhängt. Es gibt kein Leitsystem für Selbstverwirklichung. Niemand nimmt einen an der Hand, wenn man aus dem System ausbricht. Kein Wunder also, dass diejenigen, die diese Freiheit finden auf einmal hilflos sind. Alleine gelassen.

27

Es gäbe keinen 27 Club, wenn wir nicht von der Kunst begeistert wären. Keiner würde wissen, wer Jim Morrison ist, wenn uns Musik egal wäre. Aber das ist es nicht. Wir schauen auf zu diesen Menschen, ihrer Kreativität, ihrem Mut und wir bewundern den Trotz, mit dem sie ihr Leben auf ihre eigene Weise leben. Frei sein, so gut es geht. Wir sollten sie bewahren und beschützen. Und mit ihnen jedes Kind, das sich eben anders fühlt. Nicht wahrgenommen. Das frei sein will. Und anstatt die Fesseln enger zu zurren, damit sie ja nicht in ihren Tod rennen, sollten wir ihnen vielleicht einfach beibringen, wie man mit dieser Freiheit umgehen kann. Den Großteil unserer Geschichte haben wir Systeme aufgestellt, analysiert und verfeinert. Vielleicht ist es an der Zeit der Freiheit ihre Chance zu geben.

Radio

Italien: Call Me By Your Name

Wir fahren, seitdem ich drei bin, jedes Jahr (mit ein paar Ausnahmen) nach Italien. ‚Same procedure as last year‘, selbes Haus, selbe Hängematte, selbe Stimmung. Und das ist sehr wichtig, denn hier wird aufgetankt und Inspiration gesammelt. Im Januar/Februar ist die Italiensehnsucht meistens am allergrößten. Es ist ein halbes Jahr her, dass man in Italien war, und es wird nochmal genauso lange dauern bis man wieder da ist. Zum Glück kann man sich in der Zeit gut ablenken mit Oscar-Filme schauen. Und weil ich es dieses Jahr sehr gründlich machen wollte, habe ich natürlich auch den diesjährigen Spitzenreiter (und Gewinner der Herzen) ‚Call Me By Your Name‘ gesehen, ohne irgendetwas über den Film zu wissen.

Call Me By Your Name

Der Film, der zuerst ein erfolgreiches Buch war, handelt von Elio und Oliver. Elio, siebzehn Jahre alt, Sohn zweier Akademiker-Eltern, die den Sommer jedes Jahr in ihrem Haus in Italien verbringen. Und in jedem Jahr nehmen sie einen jungen Studenten bei sich auf. Diesmal ist es Oliver. Vierundzwanzig. Amerikanisch. Selbstbewusst.

Es ist eine Liebesgeschichte.

‚Call Me By Your Name‘ zählt ohne Zweifel zu den besten Filmen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Vielleicht war ich zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der richtigen Stimmung. Vielleicht hat alles zusammengepasst. Vielleicht hat aber auch der Film genau diese Stimmung erschaffen und sich so perfekt selbst in Szene gesetzt. So oder so hat mich der Film sehr berührt.

Nach dem Film haben Lukas und ich eine Viertelstunde lang nicht miteinander geredet. Sprachlos aus dem Kino gestolpert. Normalerweise ist diese Zeit der Raum fürs Analysieren, Austauschen, Abgleichen. Aber nach ‚Call Me By Your Name‘ wollte ich nicht analysieren. Ihn nicht kaputtreden. Denn ich habe ihn nicht mit meinem Kopf gesehen.

Nach dem zweiten Mal schauen, sehe ich den Film schon etwas nüchterner. Ein bisschen von der erstmaligen Magie ist verblasst. Und zu meiner eigenen Überraschung, ist es nicht unbedingt ein Film, der immer besser wird, je öfter man ihn schaut (Harry & Sally), aber nichtsdestotrotz ist er in meinen Augen nach wie vor ein Meisterwerk.

Der dritte Hauptdarsteller neben Elio und Oliver, ist definitiv der Sommer. Die Stille in der Mittagshitze, orangenes Laternenlicht in immer noch warmen Sommernächten, das Zirpen der Zikaden.

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Und als ich also im arschkalten Berlin das erste Mal ‚Call Me By Your Name‘ gesehen habe, wusste ich, dieser Film ist ein Italien-Select.

Select

Select ist ein Format, das Lukas in die Familie und in den Freundeskreis gebracht hat. Die Idee ist so simpel wie genial. Einer sucht einen Film aus, den er mit der Gruppe gucken möchte. Dabei ist es egal, ob er oder sie selbst den Film schon geschaut hat oder die Gruppe ihn schon kennt. Dazu organisiert derjenige eine kleine thematische Kleinigkeit. Das kann ein  passender Vorfilm wie ein Musikvideo sein, oder er kreiert das richtige Ambiente oder einen Snack.

Dadurch hat man zu einem das Problem aus der Welt geschafft, sich in einer Gruppe auf einen Film einigen zu müssen, und man erweitert seinen Horizont drastisch, weil man Filme sieht, die man sich selber niemals ausgesucht hätte.

So sitzen wir also in Italien, verteilt in Liegestühlen und Hängematten. Unserer Leinwand gespannt zwischen zwei Bäumen, im Hintergrund Umbriens grüne Berglandschaft, am Himmel der fast Vollmond. Dazu gibt es karamellisierte Pfirsiche mit süßer Sahne und Feigen. Und ja es hat alles gestimmt, wenn ich es selber mal so sagen darf.

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Die Schauspieler

Nach dem Film war ich unglaublich dankbar. Unglaublich dankbar, mich Schauspielerin nennen zu dürfen, und demnach, irgendwie, ein kleines bisschen näher an der Erschaffung dieses Film dran zu sein. Und ich bin eigentlich nie dankbar, Schauspielerin zu sein. Ohne Frage liebe ich den Beruf, ich genieße seine Vorzüge und lerne mit seinen Nachteilen umzugehen. Aber Dankbarkeit? Es ist für mich eher gegeben. Jeder hat einen Beruf und das ist halt meiner. Eine ganz neue Erfahrung also.

Trotzdem war ich nicht eifersüchtig, dass der Film ‚ohne mich‘ gemacht wurde. Denn wer hätte ihn spielen sollen außer den ausgewählten Schauspielern? Jeder kleinste Nebendarsteller wirkt so echt, so unausgewählt. Wer außer Timothée Chalamet hätte Elio spielen sollen? Wer schreibt ein Drehbuch mit der grünen Hoffnung, dass es schon irgendjemanden geben wird, der dies spielen kann? Und wer bekommt dann auch noch genau das, was er gesucht hat?

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Das Buch

Zu Italienurlauben gehört für mich lesen. „I can’t begin to tell you the number of books I’ve read here.“ (um es mit Elios Worten zu sagen). Deswegen habe ich mir vorher „das Buch zum Film“ besorgt. Das Buch, das mehr als ein Jahrzehnt vor dem Film erschienen ist. Das Buch, von dem man in den Buchhandlungen nur noch die Auflage zum Film bekommt. Vorne drauf das Filmcover und mit großen Bustaben: Now a Major Motion Picture from Sony Pictures Classics starring Armie Hammer and Timothée Chalamet. Hm. Was soll man da machen. Zum Glück hatte der Buchautor mehrere Cameos und das ganze schien Hand in Hand abzulaufen.

Im Nachhinein hätte ich das Buch gerne vor dem Film gelesen. Andrerseits hätte ich es niemals in die Hand genommen, wenn ich den Film nicht geschaut hätte. Vielleicht hätte ich sogar nur die ersten paar Kapitel gelesen. Ich weiß nicht, ob mir das Buch gefallen hat. Ist es genial, intelligent und durchdacht? Oder ist es ein flacher Erotikroman mit überraschendem Erfolg?

Zeitweise hat man das Gefühl, das Drehbuch zu dem Film zu lesen und dann wieder Passagen, die komplett anders sind.

Der größte Unterschied ist, glaub ich, Elios Charakter. Im Film beobachten wir Elio, wie er Oliver beobachtet. Im Buch stecken wir in Elios Kopf.

Eine Sache, die ich am Buch mag, und ich weiß nicht ob sie absichtlich so geschrieben oder Zufall ist: Man erfährt erst auf Seite 16, dass Elio ein Junge ist. Natürlich wusste ich es, da ich den Film schon geschaut hatte, und weil auf dem Cover ein Foto von Oliver und Elio ist. Aber sonst hätte man es nicht wissen können. Und ich frage mich, ob ich davon überrascht worden wäre, wenn ich es nicht gewusst hätte. Ob ich das Buch angefangen hätte mit der Annahme das „Ich“ ein Mädchen ist.

„Here,“ he ordered, pressing her flattend palm hard against my back. „Feel it? He should relax more,“ he said. „You should relax more,“ she repeated.

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Das Ende

Ich glaube es gibt kein schöneres Filmende als dieses. Und interessanterweise hat mich das Buchende genauso aus meinem Zweifel über das Buch herausgerissen. Obwohl die Enden total verschieden sind. Das Buch ist abgeschlossener, endgültiger, trauriger.

Der Film endet mit dem Gefühl von Herzschmerz, aber auch einem Hoffnungsschimmer, es ist noch nicht vorbei, sie sind noch jung, wer weiß was alles passieren kann. Jemanden zu hassen, hat mehr mit Lieber zu tun, als jemanden zu vergessen.

Der letzte Absatz des Buches hat mich wachgerüttelt.

Twenty Years was yesterday, and yesterday was just earlier this morning, and morning seemed light-years away.

„I’m like you,“ he said. „I remember everything.“

I stopped for a second. If you remember everything, I wanted to say, and if you really like me, then before you leave tomorrow, or when you’re just ready to shut the door of the taxi and have already said goodbye to everyone else and there’s not a thing left to say in this life, then, just this once, turn to me, even in jest, or as an afterthought, which would have meant everything to me when we were together, and, as you did back then, look me in the face, hold my gaze, and call me by your name.

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Zufall: Interview mit Lukas Horn
Radio

Zufall: Interview mit Lukas Horn

Lukas ist Schriftgestalter, Buchstabenvirtuose und Letteringliebhaber. Vielleicht hast du seine funky Fonts bereits auf dem ein oder anderen Red Bug Books Cover gesehen. Oder auf einem Buchumschlag in unserer Adventsaktion. Oder du kennst die handmade Font aus Lenny, Ambers und Lukas Sweetwoods Kurzfilm „Rechenzentrum“. In jedem Fall lohnt es sich, mit Lukas in die Welt der Buchstaben einzutauchen. Seine Arbeiten sind dynamisch, lebensfroh, und immer mit Liebe gemacht.

Außer wunderschönen Letterings und Filmtiteln, macht Lukas sich viele Gedanken. Besonders gern über Schrift und die Menschen, die sie machen. Mit „fragenziehen“ hat Lukas hat ein Interviewformat entwickelt, das mit dem Zufall spielt.

 

Was ist „fragenziehen“?

Fragenziehen ist meine Interviewreihe. Das Besondere ist, dass ich anstelle vorgefertigter Fragen nur einen Kartenstapel mit Wörtern habe. Vom Kartendeck zieht die Interviewte dann einzelne Begriffe, wie zB. ‚Liebe’, ‚Wut’ oder ‚Verantwortung’. Die Begriffe stehen in Beziehung zu einem, von mir festgelegten, Wort. Bei mir ist es ‚Schrift’. Daraus ergeben sich Pärchen, also ‚Schrift & Liebe’, ‚Schrift & Wut’ oder ‚Schrift & Verantwortung’. Die Interviewte sagt dann intuitiv, was ihr zu der Kombination einfällt.

Das Tolle daran ist der Zufall. Die Menschen ziehen ihre Karten selbst, sind quasi ‚selbst dafür verantwortlich‘ welche Wörter sie bekommen und ich habe auch keine Ahnung, was es für Karten sein werden, die gezogen werden. Es gibt immer wieder spannende Antworten. Und es ist schön zu sehen, wie emotional die Interviewten auf die einzelnen Wörter reagieren. Es gibt Begriffe, bei denen Geistesblitze herabregnen, es gibt hochinteressante persönliche Stories und es gibt auch Tabuthemen. Aber welche Wörter was auslösen, weiß ich nie. Das ist das Schöne.

Und was ich nicht einberechnet hatte – ein super Nebeneffekt – war, dass es meinen InterviewpartnerInnen total Spaß gemacht hat, die Karten zu ziehen. „Ach komm, eine nehm ich noch …“, „Ok, ich ziehe nochmal …“

Wie ist dir die Idee zu „fragenziehen“ gekommen?

Die TYPO Berlin stellt jedes Jahr ein Editorial Team zusammen, dass die Messe begleitet.
Meine Aufgabe war, ein bis zwei Blogbeiträge für den Blog der TYPO zu schreiben. Das Format war egal.
Mir war wichtig, dass es Spaß macht, dass ich eine kleine Feldstudie betreiben und vor allem, dass ich mit tollen Menschen reden kann (die Schriftszene ist überschaubar, aber es gibt einen Haufen Menschen, die sich leidenschaftlich ihrer Arbeit widmen – egal ob Lettering, Kalligrafie, Typografie, Type Design, Type Engineering usw.).

Ich hatte lustigerweise ein Kartendeck geschenkt bekommen. Die Vorderseiten der Karten waren weiß, ich denke für Zaubertricks. Es lag die ganze Zeit rum und ich wollte immer etwas Cooles damit machen. Als ich meine Interviewidee entwickelte, kamen mir wieder die Karten in die Hand. Es war das perfekte Medium für meine Idee. Manchmal passiert sowas einfach. Das nehme ich dann dankend als Geschenk an.

Was gefällt dir an der Idee besonders?

Wie schon gesagt, der Zufallsmoment ist das Schönste. Es ist für mich als Interviewer spannend, genauso für die InterviewpartnerInnen. Und ich denke, das merkt man auch als LeserIn der Interviews. Und es ist eine sehr kompakte Idee. Kleine Dinge, große Wirkung.

Was macht für dich ein gutes Interview aus?

Es muss ein Moment geteilt werden. Es gibt Menschen, die sich komplett auf die Situation einlassen und das spürt man. Das ist manchmal sogar wichtiger als das, was dann konkret gesagt wird.

Wen würdest du gerne einmal interviewen?

Erik Spiekermann. Auf der einen Seite ist er zu einer Ikone in der Design- & Typeszene geworden. Fast heilig für die einen. Er sticht heraus. Auf der anderen Seite ist er umstritten, weil er sich der Werbung hingegeben hat. Es gibt hitzige Diskussionen über ein paar seiner Projekte (Stichworte: FF Meta vs. Polo, Transit vs. Frutiger). Zum Teil zu Recht. Aber ich finde, er ist ein großartiger Typograf, Schriftgestalter und Kommunikationstalent. Jedes mal, wenn ich ihn sehe, muss ich an eine Zeit in Deutschland denken, in der die Werbung quasi neu erfunden wurde.

Und Funfact: in den 23 Fragenziehen-Interviews, die ich bis jetzt geführt habe, wurde sein Name am häufigsten erwähnt (Platz zwei: Luc(as) de Groot – mein Schriftprofessor & einer der wichtigsten lebenden Schriftgestalter, Platz drei: Bram de Does – war ein virtuoser und weit geschätzter Schriftgestalter aus den Niederlanden). Das zeigt, wie präsent sein Schaffen auch heute noch ist, obwohl er seine großen Coups eher vor Jahrzehnten geschmiedet hat.

Schrift und Zufall?

Ich glaube, Zufall ist die treibende Kraft, vielleicht das Lebenselixier der Schrift. Schrift kann sich nur durch Zufall weiterentwickeln. Durch neue Technologien, die plötzlich da sind und ausprobiert werden wollen, Experimente. Ungewöhnliche Formen, die beim Buchstabenentwurf entstehen, weil du mit dem Stift abgerutscht bist. Oder, dass eine Schrift genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort benutzt wird. Es geht in der Schrift scheinbar viel um Regeln und Know-how, aber eigentlich ist es immer wieder ein Stück neuer Kontinent, der aufgedeckt wird.

Danke, Lukas!

Wenn du mehr über das Malen von schönen Buchstaben wissen willst – Jeden vierten Donnerstag bloggt Lukas auf RED BUG CULTURE über Lettering. 

Special Edition Cover zu LOVING von Katrin Bongard.

Radio

Rise & Shine: Interview mit Amber

Nun, was soll ich sagen, ich kenne Amber jetzt schon ziemlich lange. Seit ihrer Geburt um genau zu sein.
Schon immer war sie ausgesprochen fröhlich. Ein richtiges Sonnenkind. Aber auch diszipliniert und zielstrebig. Mit fünf Jahren hat sie zusammen mit Isa und mir angefangen zu schauspielern, hat einige absolut beeindruckende Performances hingelegt und ihren ganz eigenen Weg durch diese seltsame Karriere gefunden. Trotz vieler Kinorollen und einiger Aufmerksamkeit, ist sie immer auf dem Teppich geblieben. Wortwörtlich, denn vor einigen Jahren hat sie Yoga für sich entdeckt. Mit einer ähnlichen Disziplin und Freude an der Aufgabe, hat sie im vergangenen Jahr eine Ausbildung zur Yogalehrerin absolviert und einen YouTube-Channel gestartet, auf dem sie andere Leute für den Sport und die Lebensweise von Yoga begeistert. Ganz entspannt, aber auch ein bisschen anders als normal, habe ich mich jetzt mit Amber unterhalten und ihr mal so, wie man das als Bruder normalerweise nicht tut, ein paar Fragen gestellt. Here we go!

Leonard: Ähnlich wie ich, bist du ja auch durch Isa ans Schauspielern gekommen. Was hat dich damals am Schauspielern so fasziniert, dass du weiter machen wolltest?

Amber: Als ich jünger war, ging es viel um das Drumherum. Man kannte ja sonst nur Familie, Schule, Freunde und dann auf einmal hatte man einen Einblick in die Arbeitswelt, in die Erwachsenenwelt.

Jetzt hast du ja letztes Jahr eine Ausbildung zur Yoga-Lehrering gemacht, unterrichtest mittlerweile auf YouTube. Wie hast du Yoga für dich entdeckt?

Vor ungefährt sieben Jahren habe ich mit Mama, als Mutter-Tochter-Aktion einen Yogakurs in Potsdam besucht. Aber erst als ich Yoga mit Adriene auf YouTube entdeckt habe, ist das Feuer entfacht. Das kam auch gerade in einer Phase, in der ich nicht besonders glücklich war, so dass Yoga etwas wurde, an dem ich mich festhalten konnte. Mittlerweile mache ich jeden Tag Yoga und es fühlt sich schon komisch an, wenn ich mal einen Tag auslasse.

Das hat ja sicherlich auch viel mit Disziplin zu tun. Spielt Routine für dich eine große Rolle?

Oh ja! Ich bin definitiv ein sehr routinierter Mensch. Das kann sehr angenehm sein, weil ich, sobald ich einen freien Tag habe, einfach wieder meine Routine habe und dann bin ich relaxed. Momentan versuche ich aber auch zu testen, was brauche ich wirklich und was ist einfach nur Routine. Ich möchte ein flexibler Mensch sein, der in jeder Lebenssituation sein Glück und seine innere Ruhe findet. 

Und wie bringst du das in Einklang mit Schauspielen was ja ein sehr unroutinierter Beruf ist?

Ich nehme zum Beispielen in jedes Hotelzimmer eine Lichterkette und ein Raumspray mit, das ich auch bei mir zu Hause benutze. Wenn ich weiß, ich brauch jeden Tag meinen Tee, frage ich mich, wie kann ich das mobil machen und dann nehme ich einfach einen kleinen Wasserkocher mit. Und das gute an Yoga ist ja, man kann es überall machen. Beim akuten Drehen, also am Set hat man ja eh viele Wartezeiten, man ist viel im Hotel. Da kann man überall seine Matte ausrollen oder auf dem Teppich ein bisschen Yoga machen. Beim Drehen trägt man ja jeden Tag fremde Klamotten, hat fremdes Make-Up und sagt fremde Sätze. Ich versuche mich da nicht jedes mal komplett zu verlieren. Da ist es gut, hin und wieder zu sich nach Hause, auch im Sinne von zurück in seinen eigenen Körper zu kommen. 

Und hilft dir da das Yoga?

Ja, ich denke schon. Man atmet anders, man steht anders in seinem Körper, man hat definitiv ein anderes Körpergefühl. Früher habe ich sehr intuitiv gespielt. Das hat den Vorteil, dass es dann sehr natürlich kommt. Wenn man es dann aber mal nicht spürt, oder die Intuition nicht da ist, kann man es nicht abrufen. Mittlerweile schaffe ich es da, mit Technik zu arbeiten. Neben dem körperlichen Yoga hilft mir aber auch das ganze Mindset, das ich in mein Leben integriert habe. Das Meditieren und alles was dazugehört.

Ja stimmt! Du hast ja letztes Jahr 365 Tage meditiert. Also ein ganzes Jahr lang jeden Tag. Wie war das so?

Na ja, ich habe die App Headspace gefunden und Papa ganz stolz davon berichtet. Und wie er so ist, hat er ganz schnell angefangen, die App super viel zu nutzen. Das hat mich motiviert. Außerdem hat die App so verschiedene Buttons, die man bekommt, wenn man drei Tage am Stück meditiert, dann zehn, dann fünfzig, na ja und irgendwann gibts den 365-Tage-Button. Ich erinnere mich noch, dass ich dachte, 365 Tage wäre schon ziemlich cool, aber das schaffe ich nie! Aber je mehr man drin ist und man dann schon den 180 Tage Button hat, desto mehr will man halt auch richtig durchziehen und hat so das Ziel voll vor Augen. 

Yoga hat ja auch viel mit Rise&Shine zu tun. Es gibt ja sogar den Sonnengruß. Inwiefern findest du diesen Aspekt im Yoga machen?

Also für mich verkörpert Yoga etwas, das eigentlich eher gar nichts mit Yoga zu tun hat. Es geht darum dieses innere Glück zu finden und jeden Tag zu schauen, wie geht es mir. Wenn man das mit Basketball hat oder mit Nähen, jeden Tag joggen geht oder beim Haarschneiden seinen Spark findet, dann ist das für mich im weitesten Sinne Yoga. Gleichzeitig hat Yoga natürlich unglaublich viele körperliche Vorteile. Die ganzen Twists, das Detoxen, das Durchatmen. Und dann würde ich sagen, einfach wirklich ruhig machen. Sich nicht überanstrengen, die Augen schließen und auch nicht zu sehr auf die Form achten. Wenn es sich gut anfühlt, dann ist es richtig. Das habe ich immer mehr herausgefunden. Nicht nach Außen zu schauen, sondern bei sich Innen zu gucken, wie es ist. 

Was bedeutet für dich Rise&Shine und hast du einen richtigen Rise&Shine Moment in deinem Leben?

Als Mama mir ihr neues Buch Premiere gewidmet hat, hat sie geschrieben: Rise and Shine Sunshine. Das hat mich sehr berührt und inzwischen ist Rise&Shine für mich eine Art Weckruf geworden. Es ist einfach die Erinnerung an mich selber, dass mein Leben klasse ist, und dass das auch mit einer Verantwortung kommt. Das sollte man ausleben! Oft finde ich mich in selbstzerstörerischen Gedanken wieder oder denke, das könnte alles viel besser sein. Aber dann guck ich mal wieder aus der Selbstzweifelwolke heraus und dort oben scheint die Sonne. Für mich ist der Begriff extrem wichtig geworden.  Ein Moment, in dem ich ausatme und mir sage, alles ist gut, das Leben ist klasse! Und diesen Moment versuche ich so täglich wie möglich zu haben.