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Ruhe

Ruhe

Ruhe: Immer mit der …

Oasen der Ruhe, Räume der Stille, Meditation, Duftkerzen, Räucherstäbchen. Liegen im Shavasana. Das ist Ruhe und …

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

Ruhe ist aber auch, heißt es, die erste Bürgerpflicht. Und zwar, weil der König eine Bataille verloren hat. Preußens Armee aus Leibeigenen und Söldnern war gegen Napoleons Truppen schlecht aufgestellt. Man nennt es in Preußen gern in der Sprach des Gegners französisch elegant »Bataille«. Was man da 1806 bei Jena und Auerstedt gegen die Revolutionsfranzosen verloren hat – im deutschen Klartext war es eine Schlacht. Ein Schlachten. Friedrich Wilhelm macht sich vom Acker. Königin Luise auch. Fast 50.000 Soldaten gehen nirgendwo mehr hin. Mit ihnen geht das alte Preußen unter. Die Bevölkerung soll ruhig bleiben. Was ihr nicht schwerfällt, sie hängt nicht besonders an dem antiquerten Regime, das da gerade weggefegt wurde.

Warum fällt mir ausgerechnet dieser Satz, diese Geschichte ein, wenn ich über das Thema Ruhe nachdenke. Vielleicht, weil Preußen hier in Potsdam so nah ist. Und weil es hier gerade im Stadtbild zwischen allen Schlössern, Schlossattrappen, Gärten, Weinbergen, Parks und Sichtachsen in aller Ruhe zu einer unglaublich kitschigen Verklärung Preußens kommt. Ruhe als Pflicht, wer kann sich sowas ausdenken? Ruhe eine preußische Tugend?

Bräuchten wir nicht mehr Aufstand, Widerstand, Randale?

Aber auch dazu gehört Ruhe. Es ist, ich kann da aus Erfahrung sprechen, nie gut, sich hinwegtragen zu lassen, von Aufregung, von Arbeit, von Ehrgeiz, vom eigenen Gebrüll, auch nicht von dem unbedingten Willen, etwas Großartiges, etwas Notwendiges, etwas Gerechtes zu machen. Wenn wir nicht selbst zur Ruhe kommen, sondern auf irgendeinem falschen Weg in die falsche Richtung rennen, ist es oft unser Körper, der uns dann zur Ruhe bringt, Ruhe einfordert, Ruhe erwartet und erzwingt. Kleiner Schnupfen, ne Grippe, die uns flachlegt, wenn es harmlos verläuft. Wenn wir dann immer noch nicht aufmerksam sind, kann es auch schon mal ein kleiner Unfall sein, ein Gipsbein, ein Armbruch,  you name it. Und ein Armbruch ist kein Armbruch, ist kein Armbruch, ist kein …, sondern ein Wake-up call, etwas ruhiger zu werden, etwas Tempo rauszunehmen, mal zu relaxen und mal zu checken, ob überhaupt die Peilung stimmt.

Keep calm and expect to wait

Auf dem Flughafen in Kopenhagen, leuchtet mir, während ich an diesem Beitrag über Ruhe schreibe, dieses Schild entgegen. Keep calm and expect to wait. Where on Earth is Schengen.

Also gut. Wir erinnern uns. Seit Mitte der 80er Jahre gibt es den Versuch, stationäre Grenzkontrollen in Europa abzubauen. Seit Mitte der 90er Jahre ist er verwirklicht. Zwischen 22 europäischen Staaten gibt es beim Grenzübergang keine Personenkontrollen mehr. Was für junge Menschen mittlerweile ganz selbstverständlich ist, war eine der größten Errungenschaften der europäischen Integration. Als sich dann zwanzig Jahre später immer mehr Menschen nach Europa retten müssen, werden zwischen mehreren europäischen Staaten wieder Grenzkontrollen eingeführt, nicht nur zwischen Deutschland und Österreich, sondern auch in Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen. Ruhe und Angst vertragen sich nicht gut, dabei ist es umso wichtiger, ruhig zu bleiben, wenn die Angst kommt. Dass Menschen Angst haben, gehört zu ihrer Natur, Angst vor wilden Tieren, Angst vor Dingen und Menschen, die fremd sind oder einfach Angst, weil man beim freeclimben, vielleicht den nächsten Griff verpasst. Und genau dann, wo wir sie am meisten brauchen, ist sie am schwersten zu erreichten. Die Ruhe.

Wo Ruhe fehlt, ist immer Angst im Spiel

Denn wo Ruhe fehlt, ist oft, wenn nicht immer auch Angst im Spiel. Angst, zu spät zu kommen, etwas zu verpassen, nicht gut genug, schnell genug, effektiv genug zu sein. Und wir Menschen sind ängstliche Wesen. Ruhig  zu bleiben, wenn es am schwersten fällt, wenn mal eine schlechte Nachricht kommt, wenn es mal nicht so läuft. Besonnenheit, wenn die Aufregung am größten ist. Das ist die hohe Schule. Das Leben ist schnell zu Ende. Deswegen glauben wir oft, wenig Zeit zu haben, und vergessen dabei, dass Ruhe unsere Zeit unendlich ausdehnt. In Ruhe findet man unendlich viel Zeit zwischen den Sekunden.

Es ist keine dumme Floskel, aus der Ruhe ziehen wir die Kraft. In der Ruhe können wir uns erden, in alignment kommen, mit dem was wir wirklich machen wollen, was uns wirklich etwas bedeutet und wichtig ist.

In der Ruhe können wir passiv tagträumen oder aktiv visualisieren. Um Probleme zu lösen, auf neue, ich meine »Neue« Gedanken zu kommen, ist es für mich oft viel besser, nicht angestrengt nachzudenken, sondern in einen Zustand der mittleren Konzentration zu kommen. Etwa beim Zugfahren, wenn der Regen prasselt oder die Sonne über die hügelige Landschaft scheint. Das sind die Momente, in denen mir oft die besten Ideen kommen. Besser als beim bewussten Nachdenken. Wenn ich eigentlich nur so vor mich hinträume, aber aufmerksam genug bin, um zu bemerken, wenn eine Bild, eine Idee, ein Gedanke, ein Klang, eine Information in den Kopf trifft.

Ruhe ist Rhythmus.

Der Beat im Groove. Gott schuf die Erde, so sagt man, an sechs Tagen und ruhte dann am siebten. Wieso er sich für so einen schrägen siebener Takt entschiedenen hat, weiß der Teufel – oder Sting. Vielleicht hatte der liebe Gott den Walzer oder den vier/viertel Takt einfach noch nicht erfunden. Ein gutes Bild für den Rhythmus von Tun und Ruhen. Ein Rhythmus, den wir ja überall finden. Tag und Nacht. Schon als segelnder Junge hat mich fasziniert, wie das Wasser nach einem stürmischen Tag, am Abend oft so ruhig wurde. Thermik hin oder her. Für mich hatte es etwas Mystisches. Oder nehmen wird den Rhythmus der Jahreszeiten. Jetzt gerade, wo wir nach einem heißen Sommer und einem goldenen Herbst mit einer Tasse Ostfriesentee in den dunklen November gehen. Bevor der Dezember dann schon wieder festlich beleuchtet wird und eine geschäftige Powerbesinnlichkeit die Ruhe hinwegfegt, ist der November ein oft unterschätzter Monat der besonderen Ruhe.

Liegen im Shavasana

Genau wie das Shavasana am Ende einer Yogapraxis eine oft unterschätzte Übung der Ruhe ist. Gerade durch das stille entspannte Liegen auf dem Rücken, zieht man den Nutzen aus den vorhergehenden Übungen. Der Körper und die Gliedmaßen liegen, der Atem atmet, der Geist lässt Gedanken und Gefühle kommen und gehen.

Eine wunderbare Art des Visualisierens, weil man es gerade nicht tut, sondern geschehen lässt, ohne es aktiv geschehen zu lassen.

Ganz ähnlich bei der Meditation, die ja vielleicht als die ruhigste Tätigkeit, als der ruhigste wache Zustand gilt, in dem man als Mensch sein kann. Dabei ist es ein durchaus aktiver Zustand. Ein Zustand, in dem man üben und lernen kann, seinen unruhigen Geist zu erkennen. Die Gedanken und Gefühle zu beobachten, wie sie kommen und gehen. Und dabei ruhig zu bleiben, ihnen nicht nachzuhängen, sie nicht zu verfolgen, aber sie auch nicht zu unterdrücken oder vor ihnen wegzulaufen.

Natürlich macht es keinen Sinn, den ganzen Tag zu meditieren, so wie es keinen Sinn macht, den ganzen Tag zu schlafen. Auf den Rhythmus kommt es an. Ruhe und Bewegung, Ruhe und Aufregung, Ruhe und Arbeit gehören untrennbar zusammen.

Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich durch die bewusste Integration von Ruhe in mein Leben, in Form von Yoga, Meditation, Spaziergängen, wesentlich effizienter in den aktiven Dingen bin.

Ruhe ist keine Bürgerpflicht, sondern ein Menschenrecht. Ein Menschenrecht, dass man sich selbst nehmen muss. In aller Ruhe.

 

Ruhe

Haut: Alles wird gut

Come close dear friend, come close and look me in the eye, see right into my soul and tell me what you see, can you calm the fire thats burning inside, can you touch my skin and help me breath?

Ich hatte immer eine Babypopohaut. Bei jedem Dreh haben sich die Maskenbildner dreimal darüber im Kreis gedreht, wie toll meine Haut war. Und ich habe als kleiner Wurzel auf Menschen  geschaut, die ihre Akne überschminkt haben, und gedacht:  »Ist doch total der Teufelskreis, sie überschminken es und dann wird die Haut noch schlechter und dann müssen sie noch mehr überschminken.« Kurz darauf kam der Teufelskreis zu mir und hat mich mit offenen Armen aufgenommen.

2010

In der letzten Drehwoche von Sommer in Orange hat meine Haut angefangen, unruhig zu werden. Das war 2010 und ich war zwölf Jahre alt. Mein Gott die Pubertät geht halt los und so verändert sich halt auch der Körper. Für mich war das aber der Anfang vom Ende. Ich bin Amber, ich habe eine Babypopohaut, ich bin Schauspielerin. Ich konnte es so wenig ertragen, dass ich mich verändere, dass ich nicht mehr ‚perfekt‘ bin. Das Wort ‚perfekt‘ benutze ich viel, wenn ich über mein jüngeres ‚Ich‘ rede. Denn das war meine Vorstellung von mir, von der Welt. Hautprobleme gehörten nicht dazu.

Ich wurde älter und meine Haut wurde schlechter. Bei jedem Dreh mit neuen Maskenbildnern konfrontiert zu sein, die jedes Mal aufs Neue so tun, als hätten sie noch nie ein vierzehnjähriges Mädchen mit Akne gesehen, hat nicht geholfen.

Ich habe aufgehört, Leuten in die Augen zu gucken. Nach dem Motto, wenn ich sie nicht sehe, sehen sie mich auch nicht. Ich habe mich so unendlich geschämt. Habe jedes How-to-get-clear-skin-Video auf YouTube gesehen, bin zu dubiosen Kosmetikern gelaufen und habe Stunden vor dem Spiegel verbracht.  Gleichzeitig habe ich andere Menschen um mich herum extrem bewundert, die offen mit ihren Hautproblemen umgegangen sind. Die nichts überschminkt haben, die einfach weiter gemacht haben wie bisher,  und die meistens nach ein paar Monaten wieder mit klarer Haut ankamen. Bei mir hat sich über die Zeit ein immer größeres Feuer im Bauch gebildet, immer mehr Scham und Unwohlsein.

Hey Amber, deine Hormone verändern sich, mach dir keinen Stress, lass die Finger von deiner Haut und spar dein Geld, statt es für überteuerte Kosmetika auszugeben. Alles wird gut. Du hast vielleicht eine genetische Veranlagung dafür, so what dafür hast du auch tolle Dinge vererbt bekommen. Und außerdem, die Haut ist ein Organ. Und wenn man will, kann es auch sehr mechanisch sein. Was tut Organen gut? Wasser. Es ist eigentlich immer Wasser. Wasser, Bewegung, Schwitzen, frische Luft. Und vor allen Dingen, kein Stress. 

 

2014

2014 war hart. Meine Haut war schlechter denn je, und ich war so unglücklich wie nie zuvor in meinem Leben. Wir müssen hier nicht lange nach der Huhn-oder-Ei-Frage suchen. Mir ging es psychisch schlecht und deswegen war meine Haut schlecht. So rum geht die Geschichte. Ich war monatelang krank, bin jeden Tag heulend aus der Schule gekommen und hab schon gar nicht mehr in den Spiegel geschaut. Es war, als ob mir jemand auf die Stirn »Mir geht es schlecht« geschrieben hat. Das einzige, das ich machen wollte, war, mich zu verstecken, aber du kannst dich nicht verstecken. Es steht dir literally ins Gesicht geschrieben. Und ich wurde bei jedem Foto, bei jedem Blick in den Spiegel daran erinnert, warum ich mich so beschissen fühlte.

Und dann kam der Tag, an dem ich in der Maske saß und die Maskenbildnerin kritisch in mein Gesicht geschaut hat und sagte: »Naja … wenigstens hast du schöne Wimpern.« Und genau in diesem Moment hat sich etwas in mir verändert. In meinem Bauch hat sich wieder das Feuer ausgebreitet. Aber nicht wegen Scham und Selbsthass, sondern ein ganz klarer rationaler Gedanke. »Du musst für dich kämpfen Amber, niemand sonst wird es tun.« Ich wurde wachgerüttelt. Und ja, am Anfang noch mit dem Gedanken: »Wie kannst du es wagen, mich so fertig zu machen, nur ich darf mich so fertig machen und glaub mir, ich mache mich fertig, aber du nicht, Fräulein.«

Der Anfang vom Ende

Das schöne am Tiefpunkt ist, dort ist das Leben ehrlich gesagt extrem einfach, du kannst nur bergauf.

Ich habe aufgehört, mich zu schminken und ich habe den Leuten wieder direkt in die Augen geschaut, am liebsten gleich durch, direkt in ihre Seele. Warum? Ich hatte nichts mehr zu verlieren. Und ich habe es als meine einzige Aufgabe gesehen, das Feuer in meinem Bauch aus meinem Körper auszuleiten. Physisch mit Bauchatmung und Yoga, mental mit Tagebuch schreiben und Menschen segnen, die mir wehgetan haben und spirituell mit Meditieren und Affimieren. Ich habe angefangen, mich zu fragen »Wie geht es dir?« statt »Wie sieht meine Haut aus?«

Und ja, meine Haut wurde besser. Sie ist nicht perfekt, aber ihr wisst ja, dass ich dieses Wort nicht mehr benutze. Und es gibt keinen Tag mehr, an dem ich mit dem Blick in den Spiegel gucke, wie ich es damals gemacht habe. Nie, nie nie wieder. Anfang des Jahres als wir die Themen für unsere Red Bug Home Monate gewählt haben, wusste ich, ich möchte, dass es einen »Haut« Monat gibt. Damit ich meinen grandiosen: How I-got-clear-skin-Blogbeitrag machen kann. Jetzt realisiere ich, dass ich Anfang des Jahres immer noch in meinem alten Denkmuster war. Denn jetzt sitze ich hier, es ist Oktober, ich bin mental an einem komplett anderem Ort. Mir geht es gut. Mir geht es besser denn je. Und deswegen ist es egal, ob ich klare Haut habe oder nicht. Aber wenn es dir schlecht geht, versuchst du jeden Grund zu finden, den es gibt, warum es dir schlecht gehen könnte. Ich kam wirklich an den Punkt, an dem ich dachte, und wenn ich bis zum Rest meines Lebens Hautprobleme haben werde … so what. Mir geht es gut.

Haut Haut

Heute

Manchmal habe ich noch Phantomschmerzen. Ich spüre, wie mich jemand anguckt und ich spüre die Akne förmlich brennen in meinem Gesicht. Wenn ich dann später in den Spiegel gucke, merke ich, dass ich gar keine Akne habe. Es ist noch nicht so lange her, dass ich jedes Mal zusammengezuckt bin, sobald jemand das Wort Pickel oder Akne gesagt hat. Ich schaue alte Fotos von mir an, und ich sehe, wie schlecht es mir ging. Wie ich nur dieses Foto nicht gelöscht habe, weil es das einzige war, auf dem meine Haut okay aussieht. Wie ich lächle, aber innerlich eine Welle an Panik in mir aufsteigt, weil ich fotografiert werde. Ich habe mit einem Freund darüber geredet, und er meinte dazu nur: »Mir ist noch nie aufgefallen, dass du Akne hattest, aber stimmt, du hast einem nie in die Augen geguckt, das war strange

Ich könnte sagen: trink Wasser und Grünen Tee, nimm diese oder jene Creme, lass die Finger von deiner Haut, benutz Sonnencreme, schmink dich gründlich ab. Schau, das hat mir geholfen. Und ja das alles spielt eine Rolle. Aber ich weiß, ich musste durch diesen Prozess gehen, um zu lernen, was ich gelernt habe. Ich musste es bis auf den Grund erforschen. Ich wollte den Quickfix, aber ich brauchte die Erfahrung.

I love you

Es gibt genug Menschen da draußen, die easypeasy durch die Pubertät sliden. Deren Welt nicht zusammenbricht, sobald sie einen Pickel haben. Ich kenne diese Menschen, ich bewundere dieses Menschen. Im Nachhinein kann ich sehen, dass es mit ganz normaler Pubertätsakne losgegangen ist, ich aber so überhaupt nicht damit klargekommen bin, dass es ein größeres Problem wurde. Ich will deswegen nicht alle Menschen mit Hautproblemen über einen Kamm scheren, für manche ist es nicht diese riesengroße Demutslektion. Aber für mich war es das.

Wenn du gerade in dem Mindspace bist. Ich liebe dich! Wirklich, das kommt vom ganzen Herzen. Ich weiß, wie es dir geht. Und ich werde nicht anfangen zu sagen, dass du überreagierst. Ich verstehe dich, ich liebe dich und ich schicke dir so viel Energie! Alles wird gut!

P.s. Die Fotos sind alle in den letzten zwei Monaten entstanden.

Ruhe

Italien: Interview mit Eduard

Italien – Land, Stadt, Haus

Wie kommt das eigentlich, dass wir alle Jahre Uraub im gleichen Land, in der gleichen Stadt im gleichen Haus machen? Italien ist wundervoll aber eigentlich überall schön, das kleine Dorf in den Bergen von Umbrien unspektakulär, muss irgendwie am diesem Haus liegen, dachten wir uns. Es lag also nah, für das Interview zum Fokusthema Italien unseren Vermieter Eduard einmal auszufragen, wie er eigentlich zu seinem Haus gekommen ist. Eduard lebt in Berlin und hat mehrere Ferienhäuser in Italien, die er ganzjährig vermietet. „Unser“ Ferienhaus war sein erstes Projekt in Itlaien.

Das Anwesen=Weingut hat zwei Häuser, eines liegt oberhalb, das andere etwas tiefer. Hier sitzen wir auf der Terrasse des unteren Hauses mit einem wundervollen Blick ins Tal.

Eduard, eigentlich wissen wir nicht so genau, wie du auf die Idee gekommen bist, dieses Grundstück hier zu kaufen. Was war es denn eigentlich vorher?

Ursprünglich war es ein Landgut, die hatten damals recht wenig Wein, obwohl sie hier eine Weinpresse hatten. Überwiegend war es Landwirtschaft, Kühe, Schweine, Kleinviech. Es gab ja hier Großgrundbesitz. Der (Besitzer) hatte einen Palazzo in Foligno. Das waren damals diese Strukturen. Die Leute wohnten hier, mussten arbeiten und dafür bekamen sie dann die Wohnmöglichkeit. Das war damals in Italien überall so, in der Toskana und auch hier in Umbrien.

Hast du ne Ahnung, wie alt das Haus ist?

Na, schon ein paar hundert Jahre, also die Ursprünge. Es wurde dann, wie es so üblich war, immer mehr erweitert. Am Anfang war es der Turm und ein Nebengebäude. Der Turm war auch als Wehrturm ausgelegt. Richtig mit Schießscharten. Hier zogen immer wieder Räuberbanden durch das Tal und klauten den Leuten alles, was sie hatten, nahmen die Mädchen mit. Es war damals nicht ganz ungefährlich. Die Leute mussten sich also verstecken, bzw. verbarrikadieren, weil das hier ein strategischer Punkt ist. Von der Adria Richtung Süden, Richtung Rom, hatten das Tal eine besondere Bedeutung. Hier sind die Söldnerheere und alles vorbeizogen. Und im zweiten Weltkrieg waren die Deutschen hier. Die hatten im Garten eine Flackstellung und haben dann von hier auf die amerikanischen Flugzeuge geschossen.

Bist du denn herumgefahren auf der Suche nach einem Haus und hast es dann hier gefunden?

Nein, das war totaler Zufall. Ich war überhaupt nicht auf der Suche, sondern damals das erste Mal überhaupt in Italien. Ich habe mit einer Gruppe eine Radtour in der Toskana gemacht. Und in dieser Gruppe war eine Frau, die suchte ein geeignetes Objekt für ein Frauenprojekt hier in Italien. Und hatte mit einem Makler eine Besichtigungsfahrt abgesprochen. Ich hatte noch eine Woche Zeit und hab dann gesagt: Okay, ich komm’ noch eine Woche mit, dann sehe ich was von der Gegend, von Umbrien. Toskana hatte ich ja gesehen. Aber ich hatte null Ahnung von Italien, weder Sprache noch sonstwas.

Und so kamen wir hierher. Für das Projekt wäre es von der Größe her sehr schön gewesen, ihr war es aber zu abgelegen, weil die meisten Frauen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen würden. Sie hat dann einen Palazzo gekauft und ausgebaut.

Und ich hatte als Kind schon immer von einem Turm geträumt.

Ach ja?

Ja eigentlich war es erst nur der Turm, der mich angemacht hat. Und deswegen habe ich alles andere erstmal überhaupt nicht gesehen. Die Ruine und was für ein Riesenvolumen das war. Der Turm, der stand wie ne Eins. Kein Riss, nix. Dach noch drauf und hundert Tauben drin, die hatten ihn zu einem Taubenturm umfunktioniert. Es flatterte nur so da drin. Wahnsinn. Für mich war der Turm wichtig.

Natürlich spielte auch das Drumherum, die Landschaft eine große Rolle. Die Leute. Ich hatte die schon in der Toscana als so freundlich erlebt. Und hier auch. Man war überall willkommen und das hat mich begeistert. Wenn du hier hochgekommen bist, kamen die Leute raus, fragten was du brauchst, und dann bekamst du gleich ein Glas Wasser oder einen Kaffee angeboten.

Meine Freundin dachte, ich wäre jetzt total ausgeflippt, zumal ich gerade in Nordhessen eine alte Schule gekauft hatte. (lacht) Na ja, die musste ich ja auch noch restaurieren.

Und wem gehörte das damals?

Einem Berliner Boxer, der hatte es gekauft.

Als Ferienhaus?

Ne, der wollte mit seiner Freundin hier so Eigenanbau betreiben und davon leben. Der wollte aus dem Steinboden etwas herausholen. Paar Hühner, paar Karnickel und sowas. Na ja, jedenfalls haben sie es dann wieder verkauft.

Na, das war dann eigentlich die Geburt des Objekts. Hier im unteren Teil waren zwei Räume bewohnbar mit einem Kamin und so. Na und dann, peau a peau, haben wir das mit viel Arbeit ausgebaut. Und das war am Anfang auch mit den Kids reines Abenteuer. Wir haben mal eine Seilbahn über die Nera gebaut, um Steine darüber zu transportieren. Ich bin natürlich sofort in die Dornen geknallt. Wir haben das Seil mit dem Auto gespannt und dann sind wir angefahren und … na ja solche verrückten Sachen eben. Die haben alle gesagt, der Eduardo ist ein bisschen verrückt.

Wasser war da und ein Kamin und wir haben dann ein Bad gebaut, so dass man in der Kernzelle hier unten wohnen konnte. Der Rest hat dann Jahre gedauert. Den oberen Teil habe ich machen lassen, als ich wieder etwas Geld hatte. Das hat sich über ich weiß nicht wie viele Jahre erstreckt. Vor allem für die Kinder (seine zwei Söhne) war es ja toll. Zwei, drei Familien sind oft mitgekommen, als es dann alles fertig war. Wir waren jeden Sommer drei, vier Wochen hier.

Und Cultura? (Das Ferienhausunternehmen, das Eduard aufgebaut hat). Ist die Idee durch dieses Haus geboren?

Ja, hat damit zu tun gehabt. Als es dann nämlich fertig war, da kam mir die Idee, einfach eine Agentur zu gründen. Wir hatten viele Freunde und alle kamen, aber keiner wollte was bezahlen. Dann haben wir gesagt: Das macht eine Agentur, ihr müsst euch an die Agentur wenden.

Wir erinnern uns an den sehr schönen Katalog mit den Zeichnungen.  Darin waren ja viele Objekte. Hast du dann rumgefragt in der Gegend, wer noch mitmacht?

Ja, ich habe das mit einem Makler zusammen gemacht, der mir dieses Haus verkauft hat. Der hatte eine deutsche Frau und eine Eisdiele in (Berlin-)Kreuzberg und der ist dann wieder zurück nach Italien gegangen und hat hier gemakelt. Er war also für die Aufnahme der Objekte verantwortlich und ich für die Vermarktung und Vermietung in Deutschland. Wir haben das gemeinsam gemacht und auch viele Verkäufe vermittelt. Heute ist das schwieriger. Es gibt viel weniger, was noch zum Verkauf steht. Damals waren die Objekte erschwinglicher und die Auflagen waren auch nicht so streng wie heute. Mit dem Alleinwerkeln ist es schwieriger geworden. Man braucht alle Bescheinigungen, bevor man die habilitá bekommt, also die Bewohnbarkeitsbescheinigung.

Aber es ist auch nicht mehr so der Run darauf. Die jungen Leute wollen heute lieber um die Welt reisen und sich nicht mit so einem Objekt festlegen. Da hat schon eine gewaltige Veränderung stattgefunden

War das damals auch schon so erdbebengefährdet? Also der Turm hat ja mal Schäden abbekommen bei dem schweren Erdbeben. War das 97/98?

Ja. 1997, da war ich in Visso. Da hatten wir erhebliche Schäden in Visso. Manche Häuser sind total eingestürzt, die übrigens „erdbebensicher“ restauriert waren. Das kam noch dazu. Hier hatte ich nicht so viele Schäden. Es gab im unteren Teil einige Risse im Innenbereich, was ich dann mit einer Restaurierung verbunden habe. Die Raumhöhen waren sehr niedrig. Durch die Türen bist du kaum durchgekommen, da musste man sich immer bücken. Hier sind also überall auch neue Balken drin.

Aber es war doch ein kräftiges Beben damals, das war schon gewaltig. Ich hatte hier Gäste drin und denen fiel von oben die halbe Decke auf den Kopf. Na ja, zumindest ein paar Steine, da, in dem Schlafraum. Aber die waren sowas von cool, die sind dann einfach rüber in den anderen Schlafraum. Da ist nichts oder kaum was passiert.

Und dann oben, da war ein Musiker, der hatte sich hier für eine längere Zeit einquartiert. Wollte so ein bisschen Abstand kriegen und hier arbeiten. Und der hat Panik gekriegt. Er ist nach dem ersten Beben geblieben und hat den ganzen Tag im Garten gearbeitet, weil es natürlich immer gescheppert hat. Die Fenster klirrten, das merkt man dann schon. Das sind die ganzen Nachbeben, in 24 Stunden über hunder Beben. Mal ein bisschen stärker, mal weniger, aber es bebte eigentlich permanent in den Tagen danach. Und dann kam noch einmal ein sehr kräftiges Beben und er sagte, der Turm hätte einen Meter ausgeschlagen. Er saß im Garten. Bei diesem Ausschlag sind oben die Steine über den Fenstern wie aus Katapulten weggeflogen. Da ist er dann gleich abgehauen, der hatte genug vom Beben und Klirren.

Die Leute von unten kamen dann zwei Jahre später wieder zur gleichen Zeit im Oktober. Das waren Herbstfereien und wir hatten überall Vollbelegung. Die erzählten mir: „Ach, wir haben schon ein Erdbeben in San Francisco erlebt und einen Flugzeugaubsturz überlebt.“ Also, die waren sehr cool.

Aber dieses Haus hat ja hier schon was-weiß-ich-wie-viele Beben überstanden und der Turm hatauch entsprechend über einen Meter dicke Wände. Deswegen gehe ich davon aus, dass das Haus mich überlebt. Das Beben 1997 hatte eine Stärke von 6,4/6,5 mit dem Zentrum hier unmittelbar in der Nähe. Die letzten Beben (von 2016, darüber gibt es bei uns einen Blogeintrag) waren ja ein bisschen weiter entfernt, (ca. 20 km Luftlinie) da war es nicht ganz so schlimm. Da lag es dann bei 5 oder knapp bei 5, als es da in Norcia jetzt gebebt hat. Aber ich hoffe, dass es eben … (macht eine nachdenkliche Pause) … zumindest dieses schweren Beben hat das Haus ja überstanden. Ich war ja dann auch hier bei den Nachbeben, bei den doch starken Nachbeben, aber ich hatte eigentlich nie die Befürchtung, dass irgendwas passiert. Es hatte die ersten zwei schweren Beben überstanden.

Ging uns auch so. Ich habe mich gewundert. Ich dachte, ich würde panicken, aber das war nicht so. Das Beben von Amatrice war ja an Ambers Geburtstag und am nächsten Tag sind wir hergekommen. Da hat es noch einige Nachbeben gegeben. Aber die Leute hier haben schon Angst, oder?

Die Angst ist sehr, sehr stark. Vor allem auch die älteren Leute haben Angst, also immer wenn es gerüttelt hat, die waren schon ganz schön angekratzt, nervlich. Die haben dann immer im Wohnwagen geschlafen. Rosa hatte sich einen Wohnwagen besorgt. Sie sind tagsüber zwar im Haus gewesen, aber nachts sind sie dann in den Wohnwagen gegangen.

Ach, also deswegen stand der Wohnwagen da immer? Ich hab mich immer gefragt, ob die alten Leute wohl mit dem Wohnwagen verreisen würden.

Ne, ne überall standen hier ja Wohnwagen, auch oben. Die haben sich alle Wohnwagen gekauft, um in den Wohnwagen zu übernachten. Nachts war es ihnen eben zu riskant in den Häusern.

Zum Abschluss noch eine Frage zu den Trüffeln, die mich faszinieren. Ich hab in all den Jahren hier keinen einzigen Trüffel gefunden. Einer der Bauern kam hier mal vom Berg und hatte einen richtig dicken Trüffel in der Hand. Hier ist ja auch viel abgesperrt (Raccolta tartufo riservata) Werden hier viele Trüffel gefunden?

Ja, ja. Settimo hatte da oben ein abgesperrtes Gebiet und mit dem war ich ein paarmal Trüffel suchen und der hat auch richtig tolle große Trüffel gefunden auf seinem Gebiet. Und die Gebiete sind ja meistens von diesen Trüffelfirmen, die das dann verarbeiten und vermarkten. Die Leute, die da suchen, machen das in deren Auftrag.

Ich war auch oft unterwegs wandern und auch auf Trüffelsuche und man kann hier schon ganz gut erkennen wo Trüffel sind. Also zunächst müssen dort Eichen sein. Die pflanzen Eichen, die geimpft sind mit Trüffelsporen. Dann darf da keine Vegetation sein, nur  Minimalvegetation, keine Wiese. Also Steine um die Eiche herum, aber keine Vegetation. Und so kann man schon die Plätze eingrenzen. Und wenn man dann ausgebildete Trüffelhunde hat …

Die Wintertrüffel, die liegen tiefer, da wird es schwieriger. Die Sommertrüffel liegen teilweise fast direkt unter der Oberfläche. Deswegen haben die auch nicht so ein starkes Aroma wie die Wintertrüffel. Die gibt’s weniger, sind aber auch qualitativ besser.

Und wann findet man die?

Wintertrüffel im November, Dezember, Januar, so die drei Monate. Sommertrüffel, das geht jetzt bald los so: Ende Juni, Juli, August, September auch noch.

Wie tief liegen dann die Wintertrüffel?

Na, das kann schon auch mal so zwanzig Zentimeter sein.

Und die Sommertrüffel eben fast an der Oberfläche und in den letzten Jahren gab es auch immer recht viel und die waren dann auch günstig. Da haste dann dreizehn Euro für hundert Gramm gezahlt. Da kann man sich richtig satt essen. Das ist wirklich toll.

Ich mag sie ja am liebsten nur mit Ei oder Spaghetti, wenn man nicht zu viel Knoblauch ranmacht. Und dann roh drüberreiben. Also am liebsten roh und gerieben mit einer Käsereibe, wie Parmesan, gar nicht mit dem Hobel. Der Trüffel ist ja fest, erst wenn er zu lange gelagert ist, wird er weich, dann kann man ihn nicht mehr reiben. Also er muss richtig fest sein. Also der im Glas ist kein Vergleich zum frischen.

Danke, für das Gespräch, Eduard. Magst du heute gefüllten Pfannkuchen mit uns essen?

Ja gerne, mach’ ich heute mal eine Pause.

Und wir haben dann auch zusammen Pfannkuchen gegessen, wie ihr im Beitrag Italien: Food sehen könnt ;)

Ruhe

Rise & Shine: Frühstück

Liebe Red-Bug-Fans,

heute gibt es den Food-Beitrag, und was wäre ein Rise & Shine Monat ohne ein paar Frühstücksrezepte.

Croissants und Kaffee, Haferbrei mit Obst, Pancakes oder großes Sonntagsfrühstück. Frühstück kommt in allen Formen und Größen und ich liebe sie alle!

Seit dem ich alleine wohne, habe ich angefangen, mit unterschiedlichen Morgenroutinen und eben auch unterschiedlichen Frühstücken zu experimentieren. Das Ding ist nur, dass sie alle so lecker sind, dass es einfach immer mehr werden. Was ich aber schon herausgefunden habe ist, dass ich, wenn ich alleine frühstücke, gerne nach dem Bowl-Prinzip esse. Und wie ihr gleich merken werdet, sind diese Rezepte simpel simpel simpel.


Ingwershots

Mit dem Frühstück bricht man ja bekanntlich das Fasten der Nacht. Break-fast. Der Körper hat seit, na sagen wir mal ca. acht Stunden nichts gegessen und hatte viel Zeit zu verdauen und entgiften. Um dann morgens alles wieder in Schwung zu bringen und auch den letzten Rest zu reinigen sind Ingwershots der absolute Oberhammer! Besonders gerne trinke ich sie, wenn ich mich etwas kränklich fühle oder gerade wieder gesund werde, um mein Immunsystem wieder fit zu bekommen.

Sie wirken entzündungshemmend.

Stärken das Immunsystem.

Unterstützen die Verdauung.

Entgiften den Körper

… und sie sind lecker!

Man braucht dafür einen Entsafter und alles andere ist super simpel. Ich mache meistens am Anfang der Woche gleich einen ganzen Vorrat und stelle ihn in einer Flasche in den Kühlschrank. Wer noch nicht sehr Cayennepfeffer erfahren ist: ACHTUNG der hat es in sich. Also ich würde eher mit weniger anfangen, ca. eine Messerspitze, und sich dann bei Bedarf langsam hocharbeiten. Weil der Magen ja noch leer ist, kann man richtig spüren, wie der Shot durch den Körper wandert.

 

-Ingwer waschen, in Stücke schneiden und entsaften

 

-Zitronen und Orangen auspressen.

 

-etwas Cayennepfeffer dazugeben und fertig ist :)


Hirsebrei mit Blaubeeren

Hirse ist superduper gesund und richtig lecker. Sie ist im Vergleich zu anderen Getreidearten glutenfrei, was auch wenn man keine Allergie hat, immer eine gute Idee ist. Manchmal, wenn ich lange Zeit viel Brot und Nudeln gegessen habe und mich wieder etwas frischer fühlen möchte, steige ich für eine Zeit auf Hirse um.

In der Zeit wo die Hirse köchelt, räume ich auf, mache den Abwasch vom Vortag, ein paar Sonnengrüße oder geh duschen. Wer morgens nicht so viel Zeit hat, kann die Hirse auch einfach über Nacht in der ‚Milch‘ einweichen lassen und dann morgens nur noch erhitzen.

Der Kurkuma macht die Hirse richtig strahlend Sonnengelb und das in Kombination mit dem Violett der Blaubeeren macht echt ne funky Mischung.

Ich mache all diese Rezepte nach Augenmaß, aber vielleicht als Orientierung:

3-4 EL Hirse zu 250ml ‚Milch‘

 

-Hirse mit der ‚Milch‘ in einem Topf kurz aufkochen und dann ca. 15 min köcheln lassen.

-zum Schluss etwas Kurkuma unterrühren. Die Blaubeeren drüber und vielleicht ein paar Walnüsse.

 


Milchreis mit Himbeeren

Uh yiss! Milchreis war schon als Kind mein absolutes Soulfood. Mit Ersatzmilch ist er auch völlig vegan, was die Sache natürlich umso besser macht. Wenn ich also morgens ganz viel Zeit habe, an einem Sonntag zum Beispiel, mache ich mir Milchreis mit Himbeeren und fühl mich wohl in meiner Haut.

 

-Milchreis ganz normal kochen mit ‚Milch‘ und dann Himbeeren und Zimt drüber.

-ich gebe in meinen Milchreis auch gerne beim Kochen noch etwas Ahornsirup oder Honig.

Fertig :)

   


Warmes Birnen Müsli

Fun Fact: bis vor ca. einem Monat habe ich Birnen gehasst. Aber mir hätte ja auch jemand sagen können, dass Birnen nicht nur diese weichen viel zu süßen Äpfel-möchtegern sind, sondern dass es sie auch in knackig und frisch und göttlich gibt. Holy Moly. Die haben selbst warm einen völlig anderen Geschmack.

-Birnen mit ganz, ganz bisschen Wasser im Topf andünsten, dann ‚Milch‘ und Müsli dazu und ein paar Minuten warm und weich werden lassen.

-ich mach dann gerne Sonnenblumenkerne und Walnüsse drüber. Leggerschmeggger!


Bircher-Chiasamen-Müsli

Wenn man einmal die Tatsache verkraftet hat, dass eine Packung Chiasamen gefühlt zwanzig Avocados kostet, erwartet einen das Tor zu endlosen Möglichkeiten.

Jetzt wo es wieder etwas wärmer wird, habe ich immer mehr Lust auf kalte Frühstücke. Wenn es richtig zackig gehen muss, lasse ich alles schon über Nacht einweichen. Sonst reichen auch die zehn Minuten im Kühlschrank.

-Chiasamen und das Birchermüsli mit der ‚Milch‘ verrühren und für ca. 10 Minuten abgedeckt in den Kühlschrank stellen.  Dann nach Belieben noch etwas mehr ‚Milch‘ dazugeben, falls es zu trocken geworden ist.

-dann Äpfel schneiden oder reiben, Nüsse und Kerne drüber, etwas Ahornsirup oder so und vielleicht ein paar Beeren. Also alles, worauf man Lust hat. Fertig!


So das sind meine momentanen Lieblingsfrühstücke. Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen inspirieren :)

Rise and Shine, Sunshine!

 

 

 

Morning routine
Ruhe

Rise & Shine: Morning Routine

Liebe Red Bug Fans,

Rise and Shine. Das ist unser Monatsthema für April. Wie angekündigt wollen wir hier jeden Monat ein Thema umkreisen. Immer freitags – mit Gedanken, Assoziationen, Rezepten, Interviews.

Rise and Shine

Frühling, Wärme, Sonnenschein. Rise and Shine. Zu welcher Jahreszeit passt das besser als zum Frühling. Und dieser Frühling hat es ja wirklich in sich. Lag lange in den Federn. Schneeflockenfedern bis in den April. Dickes Eis auf Teichen und Seen.

Aber jetzt steigt die Sonne wieder höher, scheint kräftiger, wärmt. Oder nein, sie scheint einfach nur so vor sich hin und die Erde dreht sich schrägstehend um sie herum, lässt im Jahreszeitenwechsel die Sonne von Norden nach Süden über ihre Oberfläche streichen. Frühlingsanfang.

In den Frühlingsanfang gehört natürlich auch, die für mich spektakulärste Rise-and-Shine-Story überhaupt. Am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern hier ja viele Menschen Ostern. Mit bunten Eier, Schokolade, Spaziergang. Aber dazu gehört natürlich auch Karfreitag. Da lässt sich einer ans Kreuz nageln, stirbt, wird in eine dunkle Grabkammer gelegt und … steht am Sonntagmorgen wieder auf. What? Egal, ob und wieviel man davon glaubt, die Geschichte ist phänomenal. Steh auf und geh. Und lass dein Licht leuchten.

Wie jede gute Geschichte bringt auch diese den Hauptprotagonisten an den absoluten Tiefpunkt, vollkommen gescheitert, ausweglos. Und dann kommt der Wendepunkt, jedesmal – und trotzdem immer wieder überraschend, unerwartet und manchmal fast unglaublich. Nach dem Wendepunkt dann der Erfolg, die Erlösung, der Triumph. Ohne den Tiefpunkt würde der Triumph gar nicht bemerkt. Was will ich damit sagen? Es ist unmöglich die ganze Zeit in Topform zu sein, immer zu scheinen, immer zu strahlen. Nein, es muss einen Rhythmus geben.

Man muss ja nicht gleich sterben und wiederauferstehen. Aber sich ausruhen, auch mal down sein, traurig sein, müde. Erst wenn man sich auch mal hinlegt, ausruht, schläft kann man wieder aufstehen. Rise and Shine. Und genau, ursprünglich ist Rise and Shine ja ein Weckruf, der jemanden dazu bringen soll, aufzustehen, und zwar sofort. Manchmal kombiniert mit dem Wegziehen der Bettdecke. Auf deutsch wohl eher gleichzusetzen mit Raus aus den Federn. Schwingt da ein kleiner Vorwurf an den Langschläfer mit? Wieviel schöner klingt Rise and Shine.  Steh auf und strahle. Strahle, damit man dich in deiner ganzen Schönheit sehen kann, aber auch strahle, damit deine ganze Wärme auf deine Umgebung, über deine loved ones, deinen inner circle in die Welt hinaus strahlen kann.

Morning Routine

Mir hilft dabei eine Art Morning Routine, die immer mal wieder wechselt. Was gehört dazu? Für mich: Vielleicht überraschend, aber die Morning Routine, fängt schon vor dem Einschlafen an. Ich nehme mir kurz Zeit, mich auf den nächsten Tag zu freuen.

Einer meiner Lieblingsfilmzitate stammt aus Hitch: Begin each day as if it were on purpose. Früh aufwachen und … aufstehen. Dem Ruf der Natur folgen, ins Bad. Dann runter ins Wohnzimmer, kurz dem Hund zunicken, aber der schläft um diese Zeit noch und schlägt nur kurz müde mit dem Schwanz, ohne wirklich die Augen zu öffnen.

Meditation

Viertel Stunde, nicht länger als eine halbe. Manchmal ganz in Ruhe, meist mit Headspace und in letzter Zeit auch oft mit der angenehmen Stimme von Rakel Sosa. (THX an Amber, die mir eine Session bei Rakel geschenkt  … und Headspace entdeckt hat, als es noch wenige kannten.)

Morning Pages

Und dann Morning Pages. Was ist das denn? Den Begriff hat so weit ich weiß Julian Cameron geprägt. Ich kenne ihn jedenfalls aus ihrem Buch The Artist’s Way. (THX an Katrin, die mich darauf aufmerksam gemacht hat.)

Eigentlich ist es ganz einfach: Schreiben. Ich schreibe ein paar Seiten, stream of consciousness, einfach drauflos. Mit Hand, weil man da anders schreibt. Ich jedenfalls und weil es nicht darauf ankommt, dass jemand es lesen können muss. (Selbst ich kann meine Handschrift nur schwer bis gar nicht entziffern, aber wie gesagt, darauf kommt es auch nicht an).

Es ist für mich sehr aufschlussreich beim Schreiben zu bemerken, worüber ich schreibe. Vielleicht gibt es etwas, von dem ich glaube, das es mich sehr beschäftigt. Und ich nehme mit vor, es schreibend zu klären, schreibe dann über etwas ganz anderes, was mir entweder mehr auf der Seele liegt oder einfach nur mal erwähnt werden muss, um auf den Kern der Sache zu kommen. Es hat etwas sehr meditatives. Aha, da kommt ein Gedanke, ich schreibe ihn auf, nehme ihn wahr und lasse ihn gehen. Julian Cameron nennt es auch active meditation.

Aber Morning Pages lassen immer wieder Gedanken, Wünsche, Ängste an die Oberfläche, die ich mir nicht eingestehen möchte. Und sie erinnern immer wieder an wichtige Sachen, die ich gerne verdrängen würde, oder mittelmäßig gut verdrängt hatte.

Morning Pages sind wirklich ein gutes Tool, um Dinge aus einer eher unbewussten Schicht aufs Papier zu holen. Connecting to another source, wie ich es sonst nur vom Bildhauern kenne. Diese Seiten machen mir sehr deutlich klar, wo ich gerade stehe, was mich beschäftigt. Nicht, wenn ich sie nochmal lese (wie gesagt, das tue ich fast nie), sondern direkt beim Schreiben.

Jetzt könnte man denken, na warum denkst du dann nicht einfach nach, ohne zu schreiben, wenn es nicht zum Lesen gedacht ist? Einfach die Tätigkeit, die leichte Verlangsamung der Gedanken durch den Prozess des Schreibens, lässt einen Zustand entstehen, den ich durch hinsetzen und Nachdenken nicht so erreiche. Ich glaube sogar, dass es eine Rolle spielt, ob ich mit links oder rechts schreibe. (Ich bin Linkshänder und kann mit beiden Händen gleich schnell und gut und unleserlich schreiben)

Morning Pages sind eine Aufmerksamkeit, die ich mir selbst schenke. Bevor ich auf das iPhone schaue.

Das Glas Wasser

Und da ich immer wieder höre, dass man viel trinken soll, ist jetzt eine gute Gelegenheit ein großes Glas (warmes) Wasser zu trinken. Das Glas in beiden Händen, counting my blessings and hugging someone in my mind. Jemanden, der mir in dem Moment einfällt, und es fällt mir in dem Moment immer instantly jemand ein, der eine Umarmung gebrauchen kann. Und ich hoffe, bin mir fast sicher, dass der/diejenige es auch irgendwie spürt. Etwas Support, ein Trost, eine Aufmerksamkeit, eine Wärme. Ich spüre es auf jeden Fall.

Wenn Katrin dann herunterkommt und den Hund auf die Morgenrunde führt, mache ich Frühstück für uns. Der Tag kann beginnen, als wäre es mit Absicht.

Einsame Spitze. Joan Didion
Ruhe

Einsame Spitze. Joan Didion.

Einsame Spitze. Joan Didion.

Wenn du ein Künstler bist, egal welcher Art, dann ist es wahrscheinlich, dass du groß sein möchtest. Die Art von Größe, die einen mit quietschenden Sohlen im Museum umdrehen lässt, leise zurück tappen, hhhnn ein echter….und dann eine Weile lang lippenkauend vor deiner Arbeit stehen und sich ganz schmälern fühlen, zusammengedrängt unter dem Blick deiner gewaltigen Leistung, deines künstlerischen Ausdrucks. Und wenn man nachher beim Wein in der Kneipe sitzt und Pistazien knackt, dann redet man rotwangig von deiner Kunst. Haareraufend, augenfunkelnd, händeringend. Welche Größe. Oh, welche Größe.

Paare verlieben sich vor deinen Bildern, so stark ist ihre Anziehungskraft, man tanzt cheek to cheek zu deinen Songs, wiegt sich im Takt deiner Worte, nach zwanzig Jahren Ehe. Du bist der Ausdruck deines Metiers, die Definitions deines Genres. Du bist der Größte von allen.

Joan Didion ist, mit großer Wahrscheinlichkeit eine der bedeutendsten amerikanischen Journalistinnen. Ihre Beobachtungen haben den Zeitgeist einer Era geprägt, ihre Überlegungen sind tief in die Psyche einer Generation eingegraben. Neulich ist eine Dokumentation herausgekommen, die von ihrem Leben erzählt. Aber irgendwie auch von ihrem Nichtleben. Denn, wenn man „Die Mitte wird nicht halten“ sieht, dann wird einem klar, aus wie vielen kleinen Toden jedes Leben besteht. Unzählige ausgeschlagene Möglichkeiten. Ungegangene Schritte auf unberührtem Schnee, der nie gefallen ist.

Work

Joan Didion wirkt wie die Art von Mensch, die früh wissen, wer sie sind. Eine fast schon kantige Klarheit poltert einem entgegen, wenn man diese winzige Person auf einen Korbstuhl sitzen sieht, die Sonnenbrille vor die hellen Augen geschoben. Sie war schon immer eine, die geschrieben hat. Und egal was sie tut, er ist immer da, der Drang sich nach außen zu kehren, die inneren Fäden zu einem funkelnden Netz zu spinnen, mit dem man Wespen fangen kann. Sie nimmt ernst, was sie tut. Mit der aberwitzigen Weise, wie jeder Künstler ernst nimmt, was er tut.

Denn es sind nicht nur ihre Gedanken, die sie interessieren, es sind auch die Gedanken anderer. Die heimlichen, schizophrenen Fragen, die man sich stellt, wenn der Wecker noch nicht geklingelt hat und das Zwielicht die Schatten an der Tapete verschmieren lässt. Sie kann Dinge ausdrücken, die sonst niemand sagen kann. Sie kann dem Geist auf den Zahn fühlen, der ihre Zeit durchzieht.

Sie ist einzigartig. Das wäre sie auch, wenn niemand davon wüsste. Sie würde stur auf dem knarzenden Korbstuhl sitzen, mit den überschlagenen Beinen baumeln und dann durch die lichten Vorhänge ins kühle Arbeitszimmer tappen und sich an die ratternde Schreibmaschine setzen. Das Licht golden, wie in einem Whiskeyglas.

Man bewundert sie, man ist irritiert und verzaubert von ihrem zögernden Stirnrunzeln und ihren langsamen, gewählten Worten. Sie ist ein Geheimnis und ein General. Man kauert sich in ihren Schatten und wundert sich, wie es dort so kühl sein kann, wenn sie doch nur ein Vögelchen ist. Eine schmale, intellektuelle Gestalt, in beige Gewänder gehüllt.

Love

Das Leben kann gut kombinieren. Deswegen kombiniert es Didion mit einem Schelm. Einem jähzornigen Füße-auf-den-Tisch-Leger. Einem warmen, runden, lauten Mann. Die beiden sind das perfekte Paar. Sie korrigieren ihre Aufsätze, lesen sich ihre Artikel vor. Sie sind so gut wie jeden Tag zusammen, auch wenn eine schweigende Ruhe von den beiden ausgeht. Als würde sich das Geräusch so vieler Gedanken einfach neutralisieren und ein tonloses Vakuum die beiden Liebenden umschließen.

Sie wollen ein Baby. Sie kriegen keins. Und dann an einem Morgen knackt die Schale von Didions Herz zum zweiten Mal und sie weint im Badezimmer. Weil sie ein Baby haben. Ein blondes, rundes Baby. Im Haus am Meer wächst eine kleine resolute Gestalt zwischen den beiden übergroßen Eltern auf. Sie hat das selbe Lachen wie ihr Vater und die selben Augen wie die Mutter. Joan beschützt sie, auf ihre eigene knochige Art.

Wenn du ein Künstler bist, egal welcher Art, dann ist es wahrscheinlich, dass du Angst hast. Für immer allein zu sein. Abgeschnitten von der Welt der Menschen, die sich gegenseitig in die Rippen boxen und mit Spaghettisoße kleckern. Ein Geist zwischen lauter Lebenden. Eine Legende zwischen lauter Liebenden. Da ist eine stille Lücke zwischen ihr und den beiden. Ein kleiner Spalt zugiger Luft, über den niemand nachzudenken scheint. It’s lonely at the top. Art is home. Writing is relief.

Als in rascher Folge ihr Partner und ihre Tochter sterben, klafft der Spalt groß und weit und unübersehbar. Sie sind gegangen und Joan ist noch da. Ein knorriger Kirschblütenzweig. Blaue Adern unter der dünnen Haut. War sie zu sehr Künstlerin und zu wenig Mensch? Kann man ein Lebender sein, wenn man auch eine Legende sein will? Ist die Arbeit ihr zu Kopf gestiegen? Hat sie sie rausgejagt? Sind sie vom Rand gefallen?

Legend

Der Schmerz mahlt noch immer in der knochigen Brust. Die Hände ringen nach Worten, die greifen können was geschehen ist. Ich habe geliebt. War es ein Traum?

Die Medaille um den Hals wiegt schwer, man drückt ihr sanft die Schulter, schiebt sie mal hierhin und mal dorthin. Eine lebende Legende. Hush hush. Rockabye baby.

Und Didion macht das, was sie am besten kann. Sie schreibt.

Ruhe

Just don’t do it – Eine Ode ans Nichtstun

JUST DO IT

Just Do It. Das Motto einer Generation. Und wieso nicht? Es steht ja alles bereit. Man braucht nur die Hände auszustrecken und hat alle Mittel zur Verfügung.

Als ich nach Jericho gefahren bin, habe ich zum Beispiel ganz bewusst keine technischen Geräte mitgenommen. Ich wollte mich nicht ablenken lassen und am Ende nur Filme im Hotel gucken. Ich wollte rausgehen und Dinge sehen. Mit meinen eigenen Augen wahrnehmen. Das einzige, was ich also dabei hatte, war mein Handy. Und als mich nach vier Tagen doch der Drang nach kreativem Ausgleich überkam, habe ich einfach angefangen, kleine Filmchen mit dem Telefon zu drehen. In iMovie geschnitten, mit GarageBand die Musik gemacht, auf Instagram hochgeladen. Und klar, es geht. Also – ,Just do it‘?

SCHAUSPIELEN HEIßT WARTEN

Als Schauspieler sieht das etwas anders aus. Meist wird man als letztes ans Set geholt und als erstes zurück gebracht. Und was in der Zeit dazwischen passiert, ist nur zu einem wirklich kleinen Teil schauspielern. Während die Beleuchter leuchten und die Bühne baut wartet man als Schauspieler. Erst wenn alles eingerichtet, eingeleuchtet und verkabelt ist, kommt man zum spielen. Und da die meisten Szenen im deutschen Fernsehen eine Länge von maximal 2min haben, ist nach besagten zwei Minuten auch alles schon wieder vorbei. Dann heißt es erneut warten.

Somit habe ich mich recht früh daran gewöhnt, lange Zeit ,nichts‘ zu tun.
Und das ist enorm wichtig. Denn wenn man am Set nicht lernt abzuschalten, nervt man nicht nur die Teamkollegen, sondern verschwendet auch einen Haufen Energie, den man in späteren Szenen brauchen wird.

So schön ,Just Do It‘ also klingt, als Schauspieler tut man die meiste Zeit eigentlich gar nichts.

ÜBERWINDUNG

Natürlich ist mir bewusst, dass das Motto des „einfach-tuns“ einen dazu bringen soll, über den eigenen Schatten zu springen. Seine Grenzen zu erforschen und die Dinge nicht immer auf morgen zu verschieben. Und da bin ich auch voll im Einklang.
Als Kreativschaffender übt die ,Just Do It‘-Haltung allerdings auch einen Druck aus. Denn während ich sowieso die Tendenz habe, mir meine Pausen mit eigenen Projekten zu füllen, hämmert mir ,Just Do It‘ in jeder freien Sekunde ein schlechtes Gewissen ein. >>Einfach im Cafe sitzen und Menschen beobachten ist nicht. Du musst was tun, Lenny. Du musst jetzt anfangen.<<
Überhäuft von unendlich vielen Möglichkeiten. Egal was – Hauptsache was tun.

Dabei ist im Cafe sitzen meistens viel hilfreicher als alles andere.

LOSLASSEN

Im Grunde geht es darum, loszulassen. Sich nicht in den Strudel der Geschäftigkeit zu werfen. Auf die Frage ,Was machst du Samstag?‘ ganz entspannt ,Nichts!‘ antworten zu können und dabei nicht zu denken ,Fuck… ich hab kein Leben‘, sondern ,Fuck… hab ich ein Leben!‘

Also sage ich mir immer wieder – just don’t do it. Das wird sich sowieso von alleine lösen. Das wird schon gut gehen. Du hast keinen Bock darauf? Dann lass es. Mach etwas, das dich glücklich macht. Mach andere Menschen glücklich. Aber dreimal im Kreis rennen, nur um am Ende zu sagen, dass du was getan hast, ist Schwachsinn. Energieverschwendung. Und es verschleiert den Blick auf das Leben. Auf die Momente auf die es ankommt. Klar können wir diese Momente mittlerweile mit der Kamera in unserer Hosentasche festhalten. Aber ist das das Gleiche wie wirklich da zu sein?

Einfach nichts tun, Freiraum schaffen und beobachten, hat mich schon durch einige brenzlige Situationen gebracht. Denn wenn ich ehrlich bin, bin ich am besten wenn ich gar nichts tue.

JUST DON’T DO IT

Zeit also für ein neues Motto. Während es für Spielberg und co. noch eine große Herausforderung war, einen Film ,einfach‘ zu drehen, haben wir mittlerweile alles was wir brauchen. Wir müssen nicht das letzte Taschengeld für einen neuen Super8 Film zusammenkratzen. Wir haben Handy, Computer und vor allem das Internet! Für uns besteht die Herausforderung darin, manche Filme einfach nicht zu drehen. Manche Dinge einfach nicht zu tun. Zu warten, zu beobachten. Effizient mit den Mitteln umzugehen, die uns die ,Just-Do-It‘-Generation gegeben hat. Um dann, wenn der Moment kommt, loszulegen.

Denn wenn man zu viel zu tut hat, verpasst man den Moment der das Leben für immer ändern wird…

 

 

Die Königin der Dunkelheit
Ruhe

Königin der Dunkelheit – Jedes Ende ist ein neuer Anfang

Königin der Dunkelheit

Es gibt Tage, da schließt sich eine Tür. Tage, an denen dein Boot weit vom Ufer abgetrieben ist und eine rumpelnde Brise aufzieht. Tage an denen das Leben dir sagt: Lass die Hände los. Hör auf, dich festzuhalten.

Ich hatte immer ein besonderes Verhältnis zu Dingen. Zu meinen Dingen im Besonderen. Mein Gürtel, den ich mir mutig, mutig in einem Wild-West-Laden gekauft habe und noch heute mein absoluter Lieblingsgürtel ist. Oder meine türkisblauen Ohrringe, bei denen mir einer beim Schwimmen verloren gegangen ist. Die habe ich eine Weile lang selbst beim Schlafen nicht abgenommen.

Gegenstände sind Talismane, Glücksbringer, Lebensretter, Erinnerungen. Sie spiegeln die Welt wieder, wie sie sich von innen anfühlt. Die Art und Weise wie die türkisblauen Ohrringe im Licht geblitzt haben. Wie zwei winzig kleine Augen, die einem von den Ohrläppchen baumeln. Wenn ich sie anhatte, wusste ich: heute kann ich alles wertschätzen. Das war, was mir die Ohrringe versprochen haben. Kleine Erinnerungen an innere Dinge. An das was das Leben ausmacht.

Denn so sehr ich Gegenstände mag, viel wichtiger als sie selbst, ist die Bedeutung, die ich ihnen gebe. Meine Stiefel, in denen ich mich stark fühle. Mein die-Saloon-Tür-schwingt-auf-und-ich-bin-der-schwarze-Cowboy-Mantel. Meine gepunktete Hose, die ein Orange hat, das ich noch nie gesehen habe. Als würde man eine Koralle tragen. Fröhlich und lebhaft, wie ein Riff in dem bunte Fische schwimmen.

Es gibt Tage da schließt sich eine Tür.

So ein Tag war auch der Tag, an dem mein Freund meine orangene Korallenhose entfärbte.

Wäsche war schon immer ein Thema in unserem Haushalt. Im Allgemeinen – wer sie in die Waschmaschine tut und wer sie aufhängt – im Speziellen – wie man sie sortiert. Ich gehöre zu der Sorte Menschen, die daran glauben, dass es Sinn macht, schwarz mit schwarz und weiß mit weiß zu waschen. Mein Freund hat da eine andere Meinung. Oder wie er es nennt, eine andere Art zu sortieren. Nachdem wir uns nach einigem Hin und Her darauf geeinigt hatten, er hängt die Wäsche ab, denn er kann super falten (perfekte kleine Stoffquadrate, die sich stapeln lassen, ohne dass der Wäscheberg kippt), ich hänge sie auf, (nach Farben sortiert, einfach weil … es schön aussieht). Blieb nur noch die Frage, was macht man mit der Sortierung. 

Eine Zeit lang ging das alles mehr oder weniger gut, wir einigten uns darauf uneinig zu sein (ein Prinzip, das bereits ausgesprochen drohende Gewitterwolken über einem aufziehen lässt) und die Wäsche machte mit.

Bis neulich. Als ich aus dem bunten Wäschestapel ein ehemals weißes Kleid hervorzog. Ein grünlicher Schimmer zierte die sonst so reine Kragenpartie. Stirngerunzelt wedelte ich damit vor meinem Freud herum. Was soll denn dass hier sein?! Jetzt, dachte ich im Stillen, jetzt ist der Moment gekommen, an dem er lernen wird, was Wäsche sortieren heißt! Über mir strudelte ein dunkles Wolkenportal, und ich konnte förmlich spüren, wie ich mit meinem Zauberstab auf den Boden schlug. „Deswegen macht man da keine grünen Hosen mit rein!“

Ich fischte nach einem weiteren lädierten T-Shirt. „Was hast du dir dabei gedacht!“

„Wie kann ich das wieder gut machen?“ Am Saum des Berges, auf dem ich throne, steht mein Freund und blinzelt schuldig zu mir hoch. Ich pfeffere das Kleid zurück. „Kümmere dich darum, dass das wieder rausgeht! Und: Häng du die Wäsche auf!“

Und rausche aus dem Zimmer. Ja, rausche aus der Wohnung, rausche auf meinem Fahrrad (einem schwarzen Streitross) kieselspritzend durch den Park. Das wird ihm noch leidtun. Die scheißgrüne Hose da mit reinzuschmeißen!

Eine Stunde und einige wütende Runden und existenzielle Gedankengänge später, kehre ich zum Tatort zurück. Schweigend. Im Recht.Mein Freund sitzt auf der Couch, die Waschmaschine brummt. Ich ignoriere sie. Mein Freund ignoriert mich. Wir ignorieren uns eine Weile. Bis mein Bauch zu knurren anfängt. „Wie wollen wir das denn heute machen mit Abendessen?“, frage ich barsch.

Er sieht auf. „Ich dachte, wir gehen noch mal raus.“
„Wann haben wir das denn abgemacht?“ „Hab ich vorhin vorgeschlagen du hast bloß nichts dazu gesagt.“ (Vor dem grünen Wäscheberg, fällt es mir wieder ein.) Ich ändere die Richtung. „Willst du jetzt einfach hier sitzen und vor dich hinschweigen? Was soll das für ne Taktik sein?“ Er funkelt mich an. „Du hast gesagt, ich soll mich drum kümmern, dass das wieder rausgeht. Und das hab ich ja auch gemacht. „Er nickt in Richtung Waschmaschine.

So leicht nicht, mein Freund. So leicht nicht. 

„Und woher soll ich das wissen? Wenn du mir das nicht sagst?“ Er blickt zur offenen Packung Entfärbemittel die auf dem Counter liegt. (Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, doch ich verdänge es und wende mich ihm wieder zu.) „Und du denkst, das reicht? Hier einfach irgendwelche Beweise zu verstreuen, die mir irgendetwas sagen sollen und dann schweigend auf dem Sofa zu sitzen? Willst du dich nicht entschuldigen?“ „Ich hab mich doch entschuldigt.“ „Wann soll das gewesen sein?“ „Gerade eben.“  „Vorhin? Das kann doch wohl noch alles gewesen sein! Denkst du, du entschuldigst dich hier einmal und steigst dann auf dein hohes Ross zurück? Du bist doch derjenige, der die deine grüne Hose in die Wäsche geschmissen hat!“ „Ja aber ich hab doch schon gesagt, dass mir das leid tut!“ „ES IST JA AUCH NICHT SO SCHLIMM, DASS DAS JETZT PASSIERT IST! Aber… ABER DARUM SORTIERT MAN DIE WÄSCHE NUNMAL!“

Dieser Moment hatte sich in meiner Vorstellung so viel besser angefühlt.

„Okay. Es tut mir leid. Es tut mir leid, dass das jetzt so passiert ist.“

„Was heißt hier passiert, du hast es doch gemacht.“

Er knirscht mit den Zähnen. Ich balle die Fäuste. Die Waschmaschine hört zu waschen auf.

Mein Freund sieht hinüber. Steht vom Sofa auf. Langsam. Sagt mit tiefer Stimme. Na, dann können wir doch mal gucken, ob das jetzt geklappt hat. (Das ungute Gefühl ist wieder da, ein dumpfes Pochen irgendwo in meinem Bauch). Er klappt die Waschmaschine auf.

Japst. Ich schließe instinktiv die Augen. Springe auf. Laufe aufgeregt ans andere Ende der Küche. Ich wills gar nicht sehen … Ich wills gar nicht sehen … „Was ist das denn für ne Sch-„, keucht mein Freund. Und ich nehme die Hände von den Augen. In seinen matten Händen hängt … meine orangen Korallenhose. Nur das sie nicht mehr orange ist. Ein dumpfes Grau ist alles, was von der besonderen Farbe meiner Lieblingshose übrig geblieben ist.

Der Teufelsberg unter meinen Füßen bricht. Macht einfach einen Spalt auf, in dem glühende Lava brodelt. Und ich falle, falle, ohne anzuhalten, mitten in den tiefen Sumpf aus kochend heißer Wut und abgrundtiefer Verzweiflung.

Wer jetzt denkt: es ist doch nur eine Hose.

Der denke nochmal.

Denn das ist auch, was mein Freund wimmert, hilflos an die Badezimmertür pochend. Meine Welt ist dunkel. Und schwarz. Oder besser grau. Ein hilfloses Inferno dreht sich um meinen glühenden Kopf. Alle apokalyptischen Horrorszenarien werden abwechselnd durchgespielt. Wir müssen uns trennen. So geht das nicht weiter. Wie kann ich mit jemandem zusammensein, der meine Sachen nicht wertschätzt.

Denn, das ist es schließlich. Es geht nicht um die Hose, es geht nicht um die Farbe, es geht nicht um die Wäsche und es geht nicht um hohe Rösser. Es geht um Wertschätzung. Um Aufmerksamkeit. Darum, dass ich meine Hosen liebe und trage bis sie mir in Fetzen an den Schenkeln schlackern. Das war schon immer so. Und das wird, so sage ich mir, eingerollt in Rotz und Wasser auf dem Badezimmerboden liegend, auch immer, immer, immer so bleiben.

Nein, das ist kein Ende, das ist ein Anfang.

Der Anfang meines Lebens, in dem ich für mich verantwortlich bin. In dem ich keinem Macht über mein Herz oder meine Hosen gebe!

Jetzt beginnt der Part an dem ich aufsteige zur Königin der Dunkelheit, die in ihrem hohen Turm aus schwarzer Jade, über ihre Untertanen herrscht und nie ein Wort darüber verliert, wie viel ihr ihre Hosen bedeutet haben, damals, damals … als es noch Gefühle gab. In der eisigen Stille meines gebrochenen Herzens.

Ich wackele ein bisschen mit den Zehen. Denke darüber nach, dass das ein echter Tiefpunkt ist. Rutsche auf dem Duschvorleger ein bisschen hin und her.

Soll ich mich davon unterkriegen lassen? Von dieser Hosensache mein ganzes Leben versauen lassen? Mein Freund hat sich zurückgezogen (hat sein Zimmer gewählt, um auf dem Boden zu liegen). Ob er wohl weint? Das werde ich wohl nie erfahren, denke ich grimmig. Denn ich bin nicht die erste, die ihre Stellung verlässt. Meine Hose fällt mir wieder ein. Das leuchtende orange, die fröhlichen Punkte. Das Korallenriff …für immer verloren. Ich weine noch ein bisschen.

Eine Tür schließt sich

Dann stehe ich auf. Verlust ist Verlust. Das hier ist hart. Aber es ist ein Abschied und so muss ich ihn auch nehmen. Ich gehe aus dem Badezimmer und ins Zimmer meines Freundes. Er liegt auf dem Boden, ich kann sein Gesicht nicht sehen. Nehme vorsichtig die nasse Hose von der Leine. Sie liegt geschmeidig in der Hand. Ziehe mich in mein Zimmer zurück.

Ich liebe dich, gepunktete Hose. Ich habe dich immer geliebt. Danke für die schönen Stunden, die ich in deinem leuchtenden orange verbringen durfte. Danke für die mühelose Form, die du mit der Zeit gewonnen hast. Danke dafür, wie gut es sich anfühlt, wenn du mich umarmst. Danke, dass ich dich gefunden habe. Du bist immer noch schön. Selbst wenn du nicht mehr perfekt bist.

Ich höre meinen Freund aus dem Nebenzimmer schniefen. Und muss wieder Erwarten grinsen.

So sitze ich noch eine Weile da, umarme meine graue Hose und denke: Eines Tages wird das lustig sein.

Ruhe

Potsdam #2 Bornimer Feldflur

Der weite Himmel

Fünf Minuten mit dem Rad Richtung Norden und ich bin in einer anderen Welt. Auf dem Land. Plötzlich Big Sky, die Augen haben Weitsicht. Ruhe pur. Aber wir wären nicht in Potsdam, wenn das nicht trotzdem auch irgendwie royal wäre. (und ich meine jetzt mal nicht den Hund). Denn es handelt sich hier nicht einfach um eine einfache Ackerlandschaft, sondern um die Bornimer Feldflur. Und die ist im Zuge der Landesverschönerungsmaßnahmen Friedrich Wilhelm IV entstanden.

Sky  Blog_sky

Alleen so weit das Auge reicht

Ab 1844 gliedert Hermann Sello die Ackerflächen mit Hecken und Alleen. Eichen-, Linden-, Obst- und Maulbeeralleen durchziehen die Äcker. Sie schützen vor Winderosion und den typischen brandenburger Sandstürmen. Maulbeerplantagen sind zur Zeit der Friedrich Wilhelms sehr angesagt. Sie werden zur Seidenraupenzucht angelegt. In Bornim standen seinerzeit angeblich 60 000 Bäume.

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Erfrischungen

Sollte man Durst bekommen, kann man sich im Tyroler Graben erfrischen, sobald man die Frösche verscheucht hat. Schafft Chappi leicht. Der Graben fließt in den Sacrow-Paretzer-Kanal. Schönes Plätzchen für ein Picknick und ein kühles Bad.

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Unglückliche Steine

Der Graben ist natürlich auch nicht einfach irgendein Entwässerungskanal. Nein, als der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm sich in Bornim in den 1670er Jahren ein kleines Lustschlösschen bauen will, heben angeworbene Tiroler Bauarbeiter den Graben aus. Sie sollen ihn als Transportweg für Baumaterialien genutzt haben. Das Schlösschen wird kaum hundert Jahre später, wohl wegen Baufälligkeit, schon wieder abgetragen. Spricht das gegen die Tiroler? Die Steine werden  dann beim Bau des Gutshofes Bornim wiederverwendet. Von dem Bau, den Ludwig Persius im italienischen Stil gebaut hat, ist leider auch nur noch der Turm erhalten. Der Rest ist nach 1945 während der Nutzung durch die sowjetische Armee abgebrannt. Den von Sello hier Mitte des 19.Jhd angelegten italienischen Obst- und Gemüsegarten, kann man in seinen Grundrissen jetzt noch durchwandern.

Blog_IMG_5384_Turm   Blog_garten

 Kühe und Kraut

Je nach Bodengüte wechselt die Bewirtschaftung in der Feldflur von Ackerflächen über Weideland und Obstplantagen. Manchmal findet man auch ganz seltsame Plantagen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hat. Das Institut für Agrartechnik forscht hier an nachhaltiger Landwirtschaft und Agrartechnik. Chappi scheint’s zu genießen. Trotzdem werde ich den Beitrag hier nicht in unsere Kategorie Rausch einordnen.

Blog_kuh   Blog_hanf

Happy dog, lucky man

Ein Glück, wenn man einen Hund hat, der einen immer wieder daran erinnert, in die Felder zu gehen, denn here is where the people from the city can relate to the slower things that the country brings.

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Ruhe

Kontrolle abgeben

Es gibt eine Sache, mit der ich mich momentan viel beschäftige. Und zwar: Kontrolle abgeben und Vertrauen in den Flow des Lebens haben.

Ich habe vor ein paar Tagen einen TEDx Talk gesehen namens „After Anorexia: Life’s too short to weigh your cornflakes“ gesehen. Er wurde mir die ganze letzte Woche immer auf Youtube angezeigt, aber ich dachte: Das interessiert mich nicht. Ich bin nicht magersüchtig.

Aber wie das Universum ja so ist, wenn es will, dass du etwas lernst, dann lässt es nicht locker.

Catherine Pawley, hat mit 18 eine Essstörung entwickelt. Jetzt nach fünf Jahren ist sie wieder gesund, obwohl, wie sie selber sagt, die Genesung von der Krankheit nicht linear verläuft, sondern immer mit Rückschlägen verbunden ist. Sie hat sich mit 18 total überfordert gefühlt, in ihrem Leben, mit ihrer Zukunft. Machtlos und ohne Kontrolle. Wer kennt das nicht? Und wie bekommt man Kontrolle? Indem man sich selber kontrolliert. Regeln aufstellt, die man befolgen muss. Sich selbst ein kleines Gefängnis baut, in dem es paradoxerweise sicher ist. Aus drei Regeln wurden schnell sechs und aus sechs schnell hunderte. ‚Nicht mehr essen als die Person, mit der man zusammen ist.‘ ‚Nicht zwischen den Mahlzeiten essen.‘ ‚Niemals essen genießen.‘ ‚Niemals Zucker trinken.‘ Natürlich wurde ihre Familie besorgt und Catherine wurde mit Anorexia diagnostiziert. Aber das führte nur dazu, dass sie mehr Regeln aufstellte.

„Rules that tell you how to live, what to do, what to say, what to eat. Rules take away chance and decision and they take away risk. They give you control.“ 

Und obwohl ich wirklich so fern von einer Essstörung bin (wofür ich sehr dankbar bin), kenne ich das Gefühl von Machtlosigkeit. Ich selbst überschütte mich, seitdem ich denken kann, mit Regeln. Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Kleine Regeln, die einem das Leben leichter machen. Oder?

Kopf und Bauch

Nun ist es nunmal so, dass ich mit einem kompletten Bauchmenschen zusammen bin. Und während ich schon den kompletten Tag in meinem Kopf durchgegangen bin, alle Umwege ausgekreuzt habe, um einen effizienten Tag zu haben, schon gegoogelt hab, wie das Wetter wird, und im Kopf alle meine Strumpfhosen nach Laufmaschen durchgegangen bin, dreimal gecheckt hab, ob Lukas sein Handy wirklich aufgeladen hat (meins ist sowieso immer aufgeladen), wacht Lukas gerade ganz entspannt zu einem schönen Frühlingstag auf.

Das Problem ist, dass ich sehr schlecht damit umgehen kann, wenn die Bilder im meinem Kopf, die ich mir vorher so kleinsäuberlich zurecht gelegt habe, nicht so klappen. „Wie, wir haben keine Eier? Aber heute ist mein Sonntagfrühstückeitag! “ Okay, dann macht der ganze Tag keinen Sinn mehr. Wir werden die Bahn verpassen, ich werde Kopfschmerzen kriegen, ich werde zwei Tage hintereinander Müsli essen und das auch noch ohne Hafermilch.

Das ist nämlich das Ding mit Regeln und Vorstellungen … man lernt nicht, spontan auf Situationen zu reagieren. Man weiß nichts mit sich anzufangen, wenn es eine kleine Variablen gibt. Alles kann dich aus der Bahn werfen.

Und deswegen sag ich hier laut und deutlich: Kopfmenschen haben es schwerer als Bauchmenschen! Logisch, würde ich ein paar mal im Monat mein Portemonnaie verlieren, um nicht immer diese Oberlehrerin im Kopf zu haben. Ich will auch mal aufwachen und feststellen, dass ich keine frische Wäsche mehr hab, weil ich nicht dran gedacht habe, sie zu waschen. Ich will auch mal eine ganze Bahnfahrt aus dem Fenster gucken, weil ich meine Kopfhörer vergessen oder meinen Ipod nicht aufgeladen habe. Oder will ich das?

Perfektion

In der Familie heißt es immer, die Welt für mich zusammengebrochen ist, wenn ich ein mal ein Glas im Restaurant umgestoßen habe. ‚Wie, ich habe einen Fehler gemacht?‘ ‚Was, ich bin nicht perfekt?‘ ‚Das kann nicht sein. Ich habe alles im Kopf schon durchgespielt. Wie konnte mir das passieren?‘

Lukas sagt gerne das ich clumsy bin. Dinge fallen lasse, mich stoße. Und er liebt diese Momente. Ich habe Angst vor ihnen. Aber sie fühlen sich auch wie ausatmen an. Denn was für ein Stress, die ganze Zeit alles im Kopf haben zu müssen. Kühlschrank auf, keine Eier da, dann gehen wir eben frühstücken. Akku alle, dann müssen wir halt Leute nach dem Weg fragen. Man muss sich mit dem wurschteligen, komplizierten chaotischen Leben konfrontieren. Aus seiner bubble rausgucken. Es riskieren.

Denn sein wir doch mal ehrlich. Ich bin nicht perfekt. Ich habe nicht immer alles im Kopf. Ich faile, ich falle.

Und das ist in Ordnung. Und es ist auch in Ordnung, wenn andere nicht alles im Kopf haben. Und genauso wie Catherine Pawley irgendwann verstanden hat, dass ihre Regeln sie langsam umbringen, merke ich, dass sie mich vom Leben abhalten. Das es so viele schöne Zufälle gibt.  Das Kontrolle abgeben, beängstigend ist und unsicher und ein großes Risiko, aber man einen Kampf mit sich selber kämpft, den man nicht gewinnen kann.