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Ruhe

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Ruhe: Interview mit Cranio Sacral Therapeutin Jule

Wie ihr wisst, bin ich die ‚Patin‘ der Rubrik Ruhe. Bei Ruhe geht es um Selfcare, Spiritualität, Achtsamkeit. Und je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto mehr Leute treffe ich, die darüber was zu sagen haben. Wie Jule. Ich durfte Jule kennenlernen und es war Liebe auf den ersten Blick. Sie ist nicht nur ein unglaublich beeindruckender Mensch, sie ist auch angehende Cranio Sacral Therapeutin. Deswegen haben wir uns über Cranio Sacral, Körper und Geist, Faszien und die Magie des Stillpunktes unterhalten.

Hey du,

Naaaaa…

Ich dachte wir fangen mal bei den Basics an: Was ist Cranio Sacral Therapie?

Cranio Sacral ist Körpertherapie und ein Teil der Osteopathie.

Man geht davon aus, dass alles, was man erlebt – sei es physisch oder psychisch – im Körper gespeichert wird.

Der Körper ist den ganzen Tag dabei, sich selber zu regulieren und Ausgleich zu schaffen. Doch manchmal entstehen Blockaden im Körper, ausgelöst durch Unfälle, jahrelange Fehlstellungen oder psychische Traumata und wenn das “Fass” voll ist, kann der Körper nicht mehr regulieren oder kompensieren und es entstehen Schmerzen und körperliche Einschränkungen. Das Problem liegt öfter schon viel früher vor, aber meist spüren wir das nicht oder nehmen die Zeichen des Körpers nicht wahr oder erst wenn es klare physiologische Einschränkungen gibt. Im Cranio lädt man den Körper dazu ein, in intensive Stillpunkte zu gehen, in denen der Organismus heilt und begleitet ihn so in eine Regulation. Bei Cranio wird in der Knochen- und Muskelebene, Faszien-, Nervalen- oder auch in der Arteriellenebene gearbeitet. Es gibt Behandlungen, die gehen total in die Tiefe, bei denen vergangene Traumata hochgeholt werden, wieder andere laufen eher strukturell ab und verringern Schmerzen oder Einschränkungen und begleiten einen Patienten einfach bei einem Heilungsprozess.

Du hast mir mal davon erzählt das jeder Mensch einen Cranio Rhythmus hat?!

Genau. Jeder Mensch hat einen – stärker oder schwächer ausgeprägt. Wenn eine Verletzung oder ein Trauma vorliegen, ist es meistens so, dass die “verletzte” Seite sozusagen nicht mehr so gesund und gleichmäßig schwingt wie die andere. Durch das Spüren des Craniorhythmus und eventuelle Einschränkungen auf der einen oder anderen Seite, ist es als Therapeut eine wunderschöne Orientierung und somit harmonisiert man während der Behandlung die rhythmischen Bewegungen verschiedener Körperebenen.

Es gibt verschiedene Rhythmen im Körper, ein wichtiger Moment im Heilungsprozess ist der “Still Point”. Das ist der Moment, wo die Rhythmen in eine “Ruhephase” gehen, die Zeit einen Moment still zu stehen scheint. Je nachdem wie sich die Stille anfühlt (ob angespannt oder ruhig), kann man ablesen, in welchem Prozess sich der Organismus gerade befindet. Meistens lädt man als Therapeut zu einem Still Point ein, da man davon ausgeht, dass dies der Moment ist, wo der Körper am besten heilt. Es ist fast wie bei einem PC, den man neu startet oder sogar defragmentiert: Der Körper startet nochmal neu und kann alles in eine besser funktionierende Ordnung bringen.

Und wie bist du zu Cranio Sacral gekommen?

Ich bin nach Berlin gezogen, um Kunst zu studieren, habe aber ziemlich schnell gemerkt, dass es mich eher in den sozialen Bereich zieht. Schon in meiner Kindheit hab ich immer automatisch die Helferrollen eingenommen. Da musste ich erst mal lernen, was gesund helfen ist und was nicht. Dann habe ich durch Zufall einen Freund von meinem Vater wieder getroffen, der Osteopath ist. Und der hat mir dann geraten, Osteopathie zu machen. Das hat sofort klick gemacht, obwohl ich von alleine niemals auf Medizin gekommen wäre. Mir wurde von außen immer gespiegelt, dass ich in das System nicht wirklich reinpasse, da ich eher ein kreativer Chaot bin und öfter die Schule gewechselt habe. Also habe ich einfach aus dem Blauen heraus angefangen, Osteopathie zu studieren. Ich hab das ein dreiviertel Jahr lang studiert und war total überfordert. Ich war zu der Zeit psychisch total labil und war nicht richtig in der Lage, den Stoff aufzunehmen. Cranio ist einer der drei Teile der Osteopathie und hat einen biodynamischen Ansatz. Ich habe mich sofort in das Fach verliebt. Während meiner eigenen Cranio-Behandlung sind unglaubliche viele Traumata hochgekommen. Ich dachte: ‚Woah, ich komme durch Körpertherapie an etwas, was für mich vorher eine schwarze Box, nicht greifbar war. Und wo ich niemals gedacht hätte, dass man da irgendwie drankommen kann‘. Fragen, die ich bei dem Osteopathie-Studium offenblieben, wurden mir in der Cranio-Ausbildung beantwortet. Und ja, dann hab ich abgebrochen angefangen mich auf Cranio Sacral Therapie zu spezialisieren. Dazu mache ich gerade noch einen Heilpraktiker, ohne den man in Deutschland nicht praktizieren darf.

Was ist wichtig für einen Cranio Therapeuten? Worauf muss man achten?

Cranio hat sehr viel mit Menschen lesen zu tun. Du nimmst den Menschen, sobald er durch die Tür reinkommt, als Ganzes wahr. Wie wirst du begrüßt? Hat er oder sie Schiefstellungen, z.B. hängende Schulter, ein lahmendes Bein? Was für ein Vibe kommt dir entgegen? Guckt dir die Person in die Augen oder nicht? Man muss sehr individuell auf die Leute eingehen, manche sind sehr körperbewusst, manche eher rationaler. Da muss man schon für jeden individuell den richtigen Ton finden, um die Leute auf ihrem Stand abholen zu können und verständlich zu sein.

Ich glaube, das ist auch das, was mich an dieser Arbeit so fasziniert: Man hat Zeit, sich wirklich auf sein Gegenüber einzulassen, um eventuell vergangene Operationen, Traumata und Co aufzudecken. So etwas würde man eventuell übersehen, wenn man Menschen in einem 10- bis 20-minütlichen Akkord abarbeiten muss. Da können die Ärzte ja nichts für, das ist das Gesundheitssystem. Schade, dass man erst zu alternativen Ärzten gehen muss, um als Patient wirklich wahrgenommen werden zu können.

Bei Cranio finde ich die Grundhaltung auch faszinierend, auf Augenhöhe und mit keiner Absicht in die Behandlung zu gehen. Es ist fast, als wäre der Therapeut der Patient. Meine Dozentin sagt immer “écoute” – hör zu – egal, ob mit den Ohren oder in der Behandlung mit den Händen. Wenn du als Therapeut richtig gut bist, kannst du den Menschen in dem Prozess begleiten, wo auch immer er hinführt. Und dann kommt es auf deine innere Haltung an. Ich nenne es immer den Buddha-Zustand, da bist du ganz offen, in dir ruhend.

Und hast du da einen bestimmten Ablauf, wie du dich in diese Ruhe bringst?

Ja, das waren einige der ersten Dinge, die uns in Cranio beigebracht wurden. Die innere Haltung ist mit das Wichtigste, um bei sich anzukommen und sich in sich selber gut zu verankern. Je besser du das hinbekommst, umso besser kannst du einen sicheren Ort für den Patienten schaffen. Ich bin oft auch sehr dankbar, dass ich in meinem Leben schon sehr schmerzhafte psychische Grenzerfahrungen gemacht habe. Alleine mit dieser Erfahrung kann ich Leute durch – egal was sie gehen – begleiten. Es sind nicht nur leere Worte zu sagen: “Ich weiß wie du dich fühlst.” Ich bin durch Vieles selber sehr jung durchgegangen und kann Menschen fühlen lassen, hier bist du sicher. Es gibt auch viele Verankerungstechniken wie zum Beispiel der “innere sichere Ort”, der einem ebenfalls in der Psychotherapie begegnet. Hierbei kannst du dir irgendeinen Bereich im Körper aussuchen. Je mehr du diesen inneren sicheren Ort ausschmückst und besuchst, desto mehr Sicherheit gibt er dir. Wenn du einen inneren sicheren Ort als Therapeut präsent hast, bekommen die Patienten dies bewusst oder unterbewusst mit. Das gibt ihnen Sicherheit. Auch dem Therapeuten kann es nützen, sich während einer sehr anspruchsvollen Behandlung mal zu “schützen” oder zurückzuziehen. Ich möchte die Traumata ja nicht aufnehmen, sondern nur mitgeschehen lassen.

Und nach der Behandlung? Hast du da auch ein Ritual, um dich wieder zu cleansen?

Ich habe mir angewöhnt, nach der Behandlung die Person noch zehn Minuten liegen zu lassen, damit sie erst mal ankommen kann. Da geh ich immer raus und wasch mir die Hände und die Arme. Ich war ja im Kontakt mit der Person und da kommt ne Walze in Bewegung. Aber ich kann nicht immer alles ableiten und manchmal ist die Verbindung mit einem Menschen so tief, dass sich meine Hände danach kribbelig oder verkrampft anfühlen. Da ist es sehr wichtig, wieder bei sich anzukommen und die Dinge, die sich eventuell an mir “anhaften” wollen – potentieller Schmerz -, wieder gehen zu lassen.

Für wen ist Cranio Sacral geeignet?

Puh. Das ist auch sehr individuell. Es kann für Leute sein, die nirgendwo anders eine Lösung gefunden haben. Oder für Leute, die neben der Reha begleitet werden wollen. Oder für diejenigen, die sich und ihren Körper besser verstehen und Stress reduzieren wollen. Ich hatte einige Patienten, die von Arzt zu Arzt gerannt sind und es wurde vermeintlich “nichts gefunden”. Eine, wie ich finde, schwierige Diagnose, wenn da doch noch Schmerzen vorliegen. Überraschend oft sind es die Faszien, deren Verklebung sehr, sehr schmerzhaft sein kann. Faszien befinden sich überall im Körper. Sie spannen sich um Muskelfasern, einzelne Muskeln und Muskelgruppen und sogar das Gehirn. Sie reagieren auf Stresshormone und dieses unglaublich feine, spinnenartige Gewebe verklebt und verklumpt dann. Die Faszien engen dann Muskeln ein oder klemmen Nerven ab. Die Folge sind beispielsweise Rücken- und Nackenschmerzen oder Migräne.

Ebenfalls würde ich Cranio bei Sportverletzungen, Menstruationsbeschwerden, Stoffwechselstörungen, Psychischen Traumata oder Schlafstörungen empfehlen.

In unserer Gesellschaft gibt es ja trotzdem noch eine weit verbreitete Scheu vor alternativen Heilmethoden, Menschen die sagen, dass das alles Schwachsinn ist …

Klar, die gibt es immer. Selbst ich habe bis heute manchmal Zweifel, da ich auch in dem Glauben großgeworden bin, man müsste immer etwas wegschneiden, richten oder schwere Eingriffe tätigen, um Erfolge zu sehen. Aber jedes Mal, wenn ich selber gestruggelt habe, hatte ich wieder eine Behandlung, bei der ich durch minimale Impulse etwas in jemanden verändern konnte. Das hat mir den Glauben zurückgegeben. Der Körper hat eine unglaubliche Power und einen Selbstheilungssinn. Er braucht nur manchmal einen kleinen Anschub. Einmal behandelte ich eine Frau, die jahrelang Schmerztabletten nehmen musste. Während der Behandlung haben wir gemerkt, dass der Dünndarm verklebt war, welches wir dann Stück für Stück lockern konnten. Zeitgleich wurde sie unheimlich traurig und alte Kindheitstraumata kamen hoch. Der Darmbereich steht auch für unsere emotionalen Erlebnisse und wird hier und da das “Bauchhirn” genannt. Eine Woche später rief sie mich an, dass sie seit der Behandlung schmerzfrei wäre und somit auf die täglichen Schmerztabletten verzichten konnte. Das macht einen einfach ehrfürchtig und deswegen bin ich drangeblieben. Klar, es können immer mal wieder Zweifel hochkommen, man hat nie die eine Lösung, aber ich glaube, es gehört zu dem gesunden Verstand eines Therapeuten/Arztes, sich immer wieder selbst anzuzweifeln. Es gibt Krankheiten, die haben wir noch nicht verstanden und deswegen ist es wichtig, dass man immer eine offene Grundhaltung behält, von wegen ich kann besten Wissen und Gewissens handeln, aber ich weiß nicht alles. Mein Papa sagt immer „Wer heilt, hat Recht“. Wenn also eine Person aus der Behandlung mit einer höheren Lebensqualität geht, sei es, weil Traumata und/oder Schmerzen losgelassen wurden, dann ist es egal auf welchem Weg sie dahin gekommen ist. Das macht mich einfach unglaublich glücklich und ist Grund genug weiterzumachen.

Inwiefern hat Cranio dein Leben beeinflusst?

Es ist enorm, mein Leben hat sich um 180 Grad gewendet. Cranio wird automatisch zu einer Lebenseinstellung. Sobald ich gestresst bin, sobald ich Schmerz fühle, fühle ich in mich rein, integriere den Schmerz und kann ihn somit meist gehen lassen. Ich verstehe mich und im Umkehrschluss die Welt besser, seitdem ich das mache. Denn wir sind alle Menschen und natürlich haben wir alle einen anderen Background, aber wir alle haben einen Körper, alle einen Lebens-Spirit, wir haben alle auf irgendeine Art und Weise schon mal Schmerz und Freude erlebt. Ich hab‘ das Gefühl, dass die Menschen bereit sind und richtig Bock haben, sich zu verstehen. Die meisten mit denen ich rede, sind super offen und super begeistert, wenn sie begreifen: ‚Boah, krass, ich darf mich endlich verstehen, ich darf den Schmerz verstehen‘.  So viele Leute streben danach, gesehen, gehört und wahrgenommen zu werden. Ich glaube, das führt auch zu einem Heilungserfolg, dass du jemanden wahrnimmst, ihm auf Augenhöhe begegnest und sagst: ‚Hey wir sind ein Team und wir kriegen das irgendwie hin. Du bist nicht alleine.‘ Wir sollten uns mehr darauf konzentrieren, was gut geht und positiv an uns ist, um das vermeintlich “Negative” besser akzeptieren, anschauen und integrieren zu können.

Gedanken haben eine unheimlich starke Kraft und Anziehung, deswegen ist es immer wichtig, sich bewusst zu machen, was man tagtäglich denkt und ob man sich nicht mit Stress und Gedanken selbst geißelt. Ich glaube, diese Therapieform ist eine wunderschöne Arbeit, sich seiner selbst mehr bewusst zu werden und sich mit allen Facetten mehr zu lieben und zu akzeptieren.

Ich kann nur für mich sagen, dass es mir unglaublich viel Ruhe und Selbstvertrauen in mein Leben gebracht hat, und ich hoffe ich kann dem ein oder anderem ein bisschen mitgeben.

 

Jule gibt Cranio Sacral Behandlungen in Berlin. 

Bei Interesse einfach auf Facebook schreiben :) 

 

Ruhe: Jane Eyre
Ruhe

RUHE: Jane Eyre

Carey Fukunaga ist einer meiner Lieblingsregisseure. Und einer meiner Lieblingsfilme von ihm ist die Verfilmung von Charlotte Brontës Jane Eyre.

Obwohl die Sprache des 19. Jahrhundert leidenschaftlich, blumig, ausladend und emotional ist, hat Jane Eyre eine nüchterne Düsternis und kühle Klarheit, die mich immer wieder fasziniert. In Fukunagas Film stapft Jane durch dunstige Moore, über eiskalte Steinböden und durch strömenden Regen. Schweigend. Stoisch. Aufgewühlt und stumm. Viel von dem, was Jane bewegt, passiert, wenn andere reden.

Jane ist ein Waisenkind und wächst in der Familie ihres Onkels auf. Sie ist ein seltsames Kind, irgendwie aufmüpfig und wiederborstig. Findet zumindest die Witwe ihres Onkels. Jane wird gehänselt, misshandelt und schließlich in eine Internat für Mädchen abgeschoben. Dort freundet sie sich mit einem Mädchen an, dass irgendwann stirbt. Jane steht auf Stühlen, kriegt was auf die Finger, ist, immer noch ein Außenseiter.

Wenn alle anderen Mädchen essen gehen, muss sie Strafen absitzen. Wenn alle anderen Mädchen plaudern, muss sie schweigen. 

Jane wird zu einem Mauerfleck. Nur da, wenn man sie sehen will. Ansonsten störend oder unbeachtet. Aber sie ist da. Sieht, was geschieht, hört, was gesprochen sieht. Nicht selten sind Menschen, die systematisch ausgeschlossen werden, deren Existenz davon abhängt, die Launen anderer zu lesen, gute Beobachter. Jane wird zu einer jungen Frau, die dafür bereit ist, etwas zu entdecken. Sie weiß es nicht, aber sie hat die Fähigkeit Geheimnisse zu lüften.

Was geht in uns vor, wenn wir nicht sprechen? Man kann nicht kommunizieren und das wird besonders deutlich, wenn keine Worte fallen. Jane ist lebendig, aufmerksam, glüht. Stumm. In Mr. Rochesters Haus gehen seltsame Dinge vor, aber wenn sie ihm gegenüber sitzt, verschlingt sie seine Anwesenheit. Hungernd nach dem düsteren Blick, Bemerkungen. Er sitzt auf einem schwarzen Pferd, Jane steht im Laub.

Die brodelnden Gefühle einer Gothic Romance sind nicht leicht, realistisch zu machen. Was beim Lesen langsam einen Strudel erzeugt, kann mit dem bloßen Auge schnell als albernes Getue abgetan werden. Aber Mia Wasikowska spielt so elegant, so minimalistisch und tiefgründig, dass ihre Jane immer glaubwürdig bleibt. Ohne durchsichtig zu sein. Wir denken mit ihr, nicht über sie. Wir fühlen mit ihr, nicht an ihr vorbei.

Sie spricht, wenn es zu sprechen gilt. Nicht aus bloßer Langeweile oder Bequemlichkeit.
Die Worte dringen durch die Stirn und an die Oberfläche, als wäre der Prozess des Sprechens, des sich Öffnen und Offenbaren zu lange unterdrückt gewesen. Dass Jane Gefühle behält, die sie bewegen, ist eine Kraftanstrengung, die an ihr zehrt. Sie liebt. Aber es kostet etwas.
Und Rochester kann ihr nicht geben, was fehlt.

Müssen wir sprechen? Zwillinge sprechen oft später, weil sie eine innige Verbindung zu ihrem Geschwisterkind haben, die verbale Kommunikation unnötig macht. Du bist da. Wir sind gemeinsam.

Eine Berührung, zwei zuckende Pupillen, ein Laut hinter der Tapete. Jane hört, auch wenn nichts gesagt wird. Sie wurde systematisch stumm gemacht. Aber langsam wühlt etwas in ihr, das nach Ruhe schreit. Die schlammbespritzten Stiefel zerren an den rennenden Beinen, der Mantel schon wieder klatschnass gegen den Wind gestemmt. Die Wiese schleudert ihr Regen entgegen, und als sie auf der Türschwelle des Pfarrers zusammenklappt, knuspert schon das Fieber an ihren Hacken.

Endlich. Ruhe. Vor dem Kamin. Zarte Striche auf dem Papier. Oh Jane, sie malen so schön. Der Blick schweift immer noch nach draußen. Durch die kleinen Fenster und weiter im weißen Dunst, bis zu einem Ort, an dem sie ihn vermutet. Rochester. Immer noch. Aufgewühlt.

Es ist ein fast unwiderstehlicher Drang, Natur zu erleben, wenn wir nach Ruhe suchen. Irgendetwas an der Art, wie die Wellen gegen Felsenklippen klatschen und der Mond seine Bahnen zieht, beruhigt und tröstet uns. Spendet Komfort und neue Lebenskraft. In Jane Eyre ist die Natur nicht nur ein eigener Charakter, alle Menschen in der Geschichte sind – Natur. Janes Gefühle stürmen mit dem Wind, Hitze prasselt über die Wangen, wie das Feuer im Kamin. Wenn der Nebel aufsteigt, dann mit ihm die Ahnungen. Fällt Regen rollt eine Träne.

Die Art und Weise, mit der Carey Fukunaga Natur in Szene setzt, macht Jane Eyre für mich zu einem ganz besonderen Film. Denn wenig Filmemacher schaffen es, Morgentau an den Zuschauer heranzutragen. Den zarten Duft von Blüten, die im Wind wehen oder den warmen Dunst aus dem Nadelwald. Fukunagas Kameraarbeit lässt einen immer in die natürliche Welt der Geschichte eintauchen, wirklich fühlen, was in ihr vor sich geht. Nimmt einen mit, in den Organismus, in dem alle Charaktere leben.

Dafür, da bin ich mir sicher, braucht man Ruhe. Die Fähigkeit still und aufmerksam zu sein. Auf sich wirken zu lassen und sich als Teil von allem, was einen umgibt, wahrzunehmen. Die Ruhe zu haben, hinzusehen, hinzufühlen und wiederzugeben, was geschieht. Carey Fukunaga erzählt Geschichten wie einer, der zusieht. Genau wie Brontë. Und das macht ihn für mich zu einem perfekten Filmemacher für Jane Eyre.

Die Zeit steht nicht still, so, wie ein Herz nicht aufhört zu schlagen. Gedanken kreisen und Häuser gehen in Flammen auf. Janes Reise ist eine Suche nach Ruhe. Nach der Art von Ruhe, die nur durch Liebe ausgelöst werden kann. Deswegen steht sie rastlos, schon wieder vor einer Ruine. Aber diesmal kann er ihr geben, wonach sie gesucht hat. Ruhe. Eine Hand, die die andere berührt. Warme Weste gegen das pochende Herz. Zuletzt wetzt das Leben aus der größten Unsicherheit die schönste Kraft. Und Jane findet genau dort, wo sie am Unglücklichsten war, die größte Erfüllung.

Ruhe

Ruhe: Nach dem Essen soll man ruh’n …

Uhhh, da hat es also ausgrechnet mich „erwischt“ mit dem Beitrag Ruhe – Food. Ich, die ich vom Essenstisch 10 mal aufspringe, eine Vorliebe für Fast Food und auch sonst ein eher kompliziertes Verhältnis zum Essen habe. Aber, nun gut. Essen ist für die meisten Frauen ein schwieriges Thema. Also: Mit Genuß, genügend, in Ruhe, entspannt zu essen. Dabei ging es auch bei mir eigentlich ganz normal los…

Am Anfang

Muttermilch gestillt, zufrieden – ich war ein glückliches Baby und Kleinkind. Mein Spitzname war Fressehampa, und wenn man sich die Bilder ansieht, auf denen ich so etwa ein Jahr bin, dann hätte aus diesem Anfang  auch eine ewiger Kampf gegen die Fettsucht werden können. But – nope!

Ich wurde ein zufriedenes Vorschulkind, normal dick, meine Lieblingsgerichte waren: Hühnchen mit Pommes, Blutwurst mit Kartoffelbrei und Apfelmus, salzige Pfannkuchen mit Salat. Die Schule kam und es ging mit Bauchschmerzen los. Meist am Morgen, war ich dann erstmal in der Schule, war alles vorbei. Essen? Weiter normal. Ich war ein Tomgirl, kein Wunder mit zwei Brüdern, viel draußen, viel mit der Kinderclique unterwegs, mein bester Freund war ein Junge. Ich erinnere mich an Eis-Essorgien, sehr viele Süßigkeiten. Nicht die beste Ernärhung aber soweit mit dem Essverhalten alles okay.

Podcast #1

Ich mag, dass wir uns bei den Redbug Homies jetzt immer ein Monatsthema nehmen. Gute Idee von Amber (i think?), denn mit Thema lasse ich es einfach in meinem Kopf rollen. Was mir über den Weg läuft, nehme ich auf und diesmal war es ein Podcast von PhD Laura Thomas* (mehr über sie am Ende des Beitrags).

In dem Podcast führt sie ein Gespräch mit Robyn Nohling über „Guts, Periods and Hormones“ führte. Es geht um Ernährung, Essstörung, Hormone, den Magen, den Darm, die Menstruation. Was ich den anderthalb Stunden gelernt habe, war eine kleine Offenbarung für mich. Zum Beispiel, was für den Körper eine Essstörung ist: eine Diät, ein Fasten, zu viel Sport, falsche Ernährung, Stress, zu wenig Ruhe. All das! Der Körper ist nämlich extrem konservativ. Er verlangt nach Regelmäßigkeit, Entspannung, Schlaf, genug Vitaminen und Mineralstoffen, aber auch Kohlehydraten und Fett. The body – wants it all.

Teenager

Na ja, vielleicht war nicht alles okay. Vielleicht wurde mir so ganz langsam klar, dass Jungs und Mädchen – nun – doch etwas ganz anderes sind. Wenn ich mit zehn Jahren einen Jungen im Ringkampf besiegt habe, auf ihm lag und ihn zu Boden gepresst habe, dann war ich die Gewinnerin. Yes!  Das mit Brüsten zu machen – einfach nicht dasselbe. Und es gab noch mehr Dinge, die anders waren und wurden. Dem Stress des Schönheitsideals für Mädchen, eines So-Sollst-Du-Sein, die Aufforderung, sich nicht so hervorzutun und wenn dann mit weiblichen Reizen und dann bitte den Müll runterzubringen, denn die Jungs … na, du weißt ja.

Ich wollte einfach keine Frau werden. Nicht so. Also eigentlich schon, aber mir machte es Angst, die Kontrolle darüber abzugeben, was geschah. Das Wachsen des Körpers, Blutung, Geschlechtsreife, der ganze Stress. Von Jungs und Küssen und Daten mal ganz abgesehen. Das einzige, was ich wirklich unter Kontrolle bringen konnte, war das Essen.

Und das habe ich versucht – und eine Essstörung entwickelt. Kalorien gezählt, mir angewöhnt, immer weniger zu essen, als ich brauchte oder überhaupt nicht zu essen. Mir war vollkommen klar, dass das nicht normal und gesund war. Ich weiß, die meisten denken, wer magersüchtig ist, will dünn sein. Dem weiblichen Schönheitsideal entsprechen. Ich glaube, genau das Gegenteil ist der Fall. Jedenfalls war es bei mir so. Ich wusste auch, dass das Magersucht hieß.  So what? Denn es ging nicht ums Dünnsein. Mich interssierte meine Kleidergröße überhaupt nicht.

Podcast #2

Wenn der Körper/die Verdauung nach einer Essstörung wieder normalisiert wird, dann geht das nicht ohne weiteres. Also auch nach einer Diät, Fasten, zu viel Stress, undereating.
Der Magen besteht  – simpel gesagt – aus zwei Teilen. Im oberen Teil wird Raum für Nahrung geschaffen, im unteren Teil wird Nahrung vorverdaut und für den Darm vorbereitet. Raum schaffen geht nur, wenn man den Magen nicht anspannt und verspannt, sondenr in Ruhe weit macht. Komm herein, Essen, fühl dich wohl!  Und dann in den unteren Magenteil entlässt, wo dei Arbeit beginnt. Der Magen ist im Grunde ein großer Beutel aus Muskeln. Verdauen heißt, diese Muskeln zu betätigen. Doch wenn diese nicht ausreichend genutzt werden, dann passiert stomach paralysis oder Magenlähmung. Der Magen macht schlapp. Kein Bock. Also muss er wieder in Gang kommen. Verantwortlich dafür die Umgebung (hab ich Ruhe?) und der Kopf (kann ich mich entspannen.) Hier spielt u. a. das Bauchhirn (enterische Nervensystem) eine große Rolle.

Das enterische Nervensystem besteht aus einem komplexen Geflecht von Nervenzellen (Neuronen), das nahezu den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Es besitzt beim Menschen vier- bis fünfmal mehr Neuronen als das Rückenmark (etwa 100 Millionen Nervenzellen). Dieses eigenständige Nervensystem befindet sich als dünne Schicht zwischen den Muskeln des Verdauungsapparates. (Wikipedia)

Hier sitzt das Bauchgefühl. Man hat sogar nachgewiesen, dass intuitive Entscheidungen mit dem „Magen“ getroffen werden.

Ist der Magen nicht auf Nahrung eingestellt, dann kann man zwar oben reinstopfen, aber der Transport nach unten funktioniert nicht. Der Bauch wird voll und aufgebläht. Man fühlt sich voll, obwohl man eigentlich zu wenig isst. Als Therapie wird empfohlen: Viele kleine ausgewogene Mahlzeiten am Tag mit viel Wasser zu sich nehmen, um so den Magen wieder ins Training zu bringen. Langsam anfüttern, gut kauen (um Vorzuverdauen). Ruhe reinbringen durch Regelmäßigkeit und genug Essen. Oder auch mehr essen, denn der Magen funktioniert wie eine Feuerstelle: Je mehr Holzscheite wir auflegen, desto besser prasselt das Feuer.

Junge Erwachsene

Rebellisch, eigensinnig, ehrgeizig. Nicht unbedingt romantisch. Das mit einer Beziehung würde ein Kampf werden, das war klar. Das mit dem Essen – blieb eine Sache, die ich möglichst minimal erledigte. Bloß nicht den Schwung verlieren. Verdauung? Menstruation? Eher nicht vorhanden. Aber immerhin: Meine Ernährung wurde sehr viel vernünftiger. Immer weniger Fleisch, bis ich ganz darauf verzichtete. Langsames Abgewöhnen von Zucker, eine grundlegende Auseinandersetzung mit gesundem Essen: Sprossen, Keime, Nüsse, frisches Gemüse, wenig Milch – ich kannte mich schnell mit allem aus. Zu viel Aufmerksamkeit auf Essen? Irgendwie auch eine Essstörung. Mein Leben war ansonsten stressig. Die Periode – fiel oft aus. Und Ruhe? Nicht in Sicht.

Podcast #3

Der Körper ist unser Freund und nicht unser williger Diener. Gute Freunde nehmen uns beiseite und machen eine Ansage: „So geht es nicht.“ Oder: „So kann ich nicht mit dir arbeiten/leben.“ Und wenn sie nicht sprechen können, dann geben sie uns Zeichen: Die Verdauung funktioniert nicht richtig, die Periode fällt aus.

Stress ist ein Faktor für schlechte Essgewohnheiten. Fast Food – unterwegs hereingeschlungen, ohne Ruhe. Essen, das nicht richtig verdaut werden kann, weil der Körper unter Stress eben nicht gut funktioniert, nicht die richtigen Hormone ausgeschüttet werden, der Magen sich verweigert. Dann ist man voll, obwohl man doch dringend Nährstoffe braucht. Ein zu unregelmäßig mit Nahrung versorgter Körper organisiert sich um. Notlage? Mangel? Lassen wir erstmal das weg, was wir am wenigsten brauchen. Sprich: Die Fortpflanzung.

Denn damit ein Ei sich heranbildet und von den Eierstöcken in die Gebärmutter wandert, braucht der Körper Kraft: Hormone, Nährstoffe, Energie. Und die muss er mit der Nahrung aufnehmen. Okay, sagt sich Freund Körper, an Fortpflanzung ist gerade nicht zu denken und schaltet bestimmte Funktionen ab. Der Körper, dein Freund.

Muttersein

Sie nehmen dir Blut ab, sie stellen fest, dass du zu wenig Eisen hast. Ja, klar, du hast von allem zu wenig, das weißt du. Im Prinzip. Aber es hat ja immer gereicht und muss jetzt auch für zwei reichen. Oder drei mal zwei, drei Schwangerschaften laugen ganz schön aus. Das mit dem Essen wurde besser, auch, weil ich es wollte. Also normaler essen. Nicht mehr zählen, einfach sein. Heute heißt das intuitiv essen, ein sehr wichtiger Begriff, denn ich später noch mal aufgreifen werde.

Ich habe mich gut gehalten, brav das Eisen geschluckt und Vitamine und mich gesund ernährt. Gestillt und – ja, na klar, gab es zu wenig Schlaf und Ruhe. Ist halt so mit Kindern. Ich versuchte genug Sport zu machen, Rückbildungsgymnastik, laufen, man hat ja auch noch ein Leben – neben den Kindern. Meine schlechten Ernährungsangewohnheiten flogen mir trotzdem ständig um die Ohren. Zu müde, zu schlapp, gestresst, ich wurde immer dünner.

Podcast #4

Sport ist eine schöne Sache, aber sehr häufig ein Grund, warum die Periode bei Frauen ausfällt. Was hat das mit Essen zu tun? Nun, für viele gehören Essen und Sport zusammen. Diät und Sport zusammen. Was man sich angefressen hat, muss möglichst schnell abtrainiert werden. Doch ich erfahre in dem Podcast, dass drei Stunden mäßiger Sport/Bewegung am Tag schon das Limit sind. Mehr – ist Stress für den Körper. Und das, was man an seinem Körper als Fett und Rundungen wahrnimmt – normal. Frauen haben mehr Fettgewebe als Männer.

Wenn Frauen keine Periode haben, wird ihnen gerne die Pille verschrieben. Hormone von außen, die alles wieder ins Lot bringen sollen. Iss dich gesund. Aber das ist nur ein kurzfristiges Pflaster, die schlechten (Ess)gewohnheiten ändert es nicht.

Heute

Ich kann so viel essen, wie ich will, ich nehme nicht wesentlich zu. Das Gewicht bleibt genauso wie meine Vorliebe für Ringel -T-Shirts. Ich kann mit sehr wenig auskommen/Leben/überleben. Das ist eine gute Sache, finde ich, aber letztens war ich beim Arzt und habe einen Bluttest gemacht. Zu wenig Eisen – sowieso, aber auch zu wenig von einer ganzen Reihe von wichtigen Lebensbestandteilen und die ernsthafte Warnung, das schnell in den Griff zu bekommen. Notfalls alles künstlich zuzuführen: Eisen, Vitamine, Mineralstoffe … Sie meinen  … Essen? Dafür scheint es schon etwas zu spät zu sein. Also päpple ich einen Körper mit Zusatzstoffen hoch und weiß doch: Das Problem liegt beim Essen und bei der mangelnden Ruhe, die ich mir dafür nehme. Bei der blöden Angewohnheit, alles unter Kontrolle kriegen zu wollen, den Kopf regieren zu lassen und das Bauchgehirn viel zu selten nach seiner Meinung zu fragen.

Podcast #5

Jeder Körper hat eine Art Setpoint. Ein Gewicht, das genetisch vorprogrammiert ist und der Körper gerne immer wieder erreichen und auch nicht überschreiten möchte. Wenn wir ständig zu wenig essen, geben wir unserem Körper die Information: Stress. Der Körper denkt, wir sind auf der Flucht, in Gefahr. Und irgendwie hat er wohl gar nicht so Unrecht damit, wenn wir durch die Stadt hetzen, uns von Termin zu Termin durchschlagen und selten Zeit finden, in Ruhe etwas zu essen.

Unser Gehirn mag Großes wollen, unser Körper funktioniert immer noch sehr steinzeitmäßig. Und braucht daher:

  • Drei gute Mahlzeiten am Tag. Mit Kohlehydraten, Fett und erst dann ist dazu noch ein Salat gestattet.
  • Zwei Zwischenmahlzeiten, damit unser Magen im Training bleibt.
  • Genug Flüssigkeit, um alles geschmeidig zu halten.
  • Nahrung, die gut gekaut wird, damit der untere Magen nicht die ganze Arbeit leisten muss.
  • Eine regelmäßige Periode, denn sie zeigt uns, dass der Hormonhaushalt gesund ist und funktioniert.
  • Einen guten Hormonhaushalt, damit die Knochen stabil bleiben, der Körper voller Spannung und Energie.

Und Ruhe. Vor allem Ruhe.

  • Mindestens 7 Stunden guten Schlaf.

Wie sagt Robyn Nohling im Podcast? Wenn alles andere gerade im Chaos ist, fang mit gutem Schlaf an. Alles andere kommt danach.

Nach dem Essen soll man ruh’n oder 1000 Schritte tun.

Schritte, wohlgemerkt, keine Laufschritte, kein Joggen. Bei drei Mahleziten am Tag und zwei Zwischenmahlzeiten kommt ganz schön viel Ruhe zusammen.

Essen = Ruhe.

Das ist es, was ich jetzt lernen will und dann irgendwann ganz intuitiv, nach Bauchgefühl umsetzen: Intuitive Eating. Essen nach Bauchgefühl. Und vorher – schlaf ich noch ein wenig …

 

*LAURA THOMAS PHD: Laura is a Registered Nutritionist specialising in Intuitive Eating, Health at Every Size & Non-Diet Nutrition. She’s based in London, where she’s cutting through the nutrition BS, and telling people what they really need to know to stay on top of their game.

Ruhe

Ruhe: Immer mit der …

Oasen der Ruhe, Räume der Stille, Meditation, Duftkerzen, Räucherstäbchen. Liegen im Shavasana. Das ist Ruhe und …

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

Ruhe ist aber auch, heißt es, die erste Bürgerpflicht. Und zwar, weil der König eine Bataille verloren hat. Preußens Armee aus Leibeigenen und Söldnern war gegen Napoleons Truppen schlecht aufgestellt. Man nennt es in Preußen gern in der Sprach des Gegners französisch elegant »Bataille«. Was man da 1806 bei Jena und Auerstedt gegen die Revolutionsfranzosen verloren hat – im deutschen Klartext war es eine Schlacht. Ein Schlachten. Friedrich Wilhelm macht sich vom Acker. Königin Luise auch. Fast 50.000 Soldaten gehen nirgendwo mehr hin. Mit ihnen geht das alte Preußen unter. Die Bevölkerung soll ruhig bleiben. Was ihr nicht schwerfällt, sie hängt nicht besonders an dem antiquerten Regime, das da gerade weggefegt wurde.

Warum fällt mir ausgerechnet dieser Satz, diese Geschichte ein, wenn ich über das Thema Ruhe nachdenke. Vielleicht, weil Preußen hier in Potsdam so nah ist. Und weil es hier gerade im Stadtbild zwischen allen Schlössern, Schlossattrappen, Gärten, Weinbergen, Parks und Sichtachsen in aller Ruhe zu einer unglaublich kitschigen Verklärung Preußens kommt. Ruhe als Pflicht, wer kann sich sowas ausdenken? Ruhe eine preußische Tugend?

Bräuchten wir nicht mehr Aufstand, Widerstand, Randale?

Aber auch dazu gehört Ruhe. Es ist, ich kann da aus Erfahrung sprechen, nie gut, sich hinwegtragen zu lassen, von Aufregung, von Arbeit, von Ehrgeiz, vom eigenen Gebrüll, auch nicht von dem unbedingten Willen, etwas Großartiges, etwas Notwendiges, etwas Gerechtes zu machen. Wenn wir nicht selbst zur Ruhe kommen, sondern auf irgendeinem falschen Weg in die falsche Richtung rennen, ist es oft unser Körper, der uns dann zur Ruhe bringt, Ruhe einfordert, Ruhe erwartet und erzwingt. Kleiner Schnupfen, ne Grippe, die uns flachlegt, wenn es harmlos verläuft. Wenn wir dann immer noch nicht aufmerksam sind, kann es auch schon mal ein kleiner Unfall sein, ein Gipsbein, ein Armbruch,  you name it. Und ein Armbruch ist kein Armbruch, ist kein Armbruch, ist kein …, sondern ein Wake-up call, etwas ruhiger zu werden, etwas Tempo rauszunehmen, mal zu relaxen und mal zu checken, ob überhaupt die Peilung stimmt.

Keep calm and expect to wait

Auf dem Flughafen in Kopenhagen, leuchtet mir, während ich an diesem Beitrag über Ruhe schreibe, dieses Schild entgegen. Keep calm and expect to wait. Where on Earth is Schengen.

Also gut. Wir erinnern uns. Seit Mitte der 80er Jahre gibt es den Versuch, stationäre Grenzkontrollen in Europa abzubauen. Seit Mitte der 90er Jahre ist er verwirklicht. Zwischen 22 europäischen Staaten gibt es beim Grenzübergang keine Personenkontrollen mehr. Was für junge Menschen mittlerweile ganz selbstverständlich ist, war eine der größten Errungenschaften der europäischen Integration. Als sich dann zwanzig Jahre später immer mehr Menschen nach Europa retten müssen, werden zwischen mehreren europäischen Staaten wieder Grenzkontrollen eingeführt, nicht nur zwischen Deutschland und Österreich, sondern auch in Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen. Ruhe und Angst vertragen sich nicht gut, dabei ist es umso wichtiger, ruhig zu bleiben, wenn die Angst kommt. Dass Menschen Angst haben, gehört zu ihrer Natur, Angst vor wilden Tieren, Angst vor Dingen und Menschen, die fremd sind oder einfach Angst, weil man beim freeclimben, vielleicht den nächsten Griff verpasst. Und genau dann, wo wir sie am meisten brauchen, ist sie am schwersten zu erreichten. Die Ruhe.

Wo Ruhe fehlt, ist immer Angst im Spiel

Denn wo Ruhe fehlt, ist oft, wenn nicht immer auch Angst im Spiel. Angst, zu spät zu kommen, etwas zu verpassen, nicht gut genug, schnell genug, effektiv genug zu sein. Und wir Menschen sind ängstliche Wesen. Ruhig  zu bleiben, wenn es am schwersten fällt, wenn mal eine schlechte Nachricht kommt, wenn es mal nicht so läuft. Besonnenheit, wenn die Aufregung am größten ist. Das ist die hohe Schule. Das Leben ist schnell zu Ende. Deswegen glauben wir oft, wenig Zeit zu haben, und vergessen dabei, dass Ruhe unsere Zeit unendlich ausdehnt. In Ruhe findet man unendlich viel Zeit zwischen den Sekunden.

Es ist keine dumme Floskel, aus der Ruhe ziehen wir die Kraft. In der Ruhe können wir uns erden, in alignment kommen, mit dem was wir wirklich machen wollen, was uns wirklich etwas bedeutet und wichtig ist.

In der Ruhe können wir passiv tagträumen oder aktiv visualisieren. Um Probleme zu lösen, auf neue, ich meine »Neue« Gedanken zu kommen, ist es für mich oft viel besser, nicht angestrengt nachzudenken, sondern in einen Zustand der mittleren Konzentration zu kommen. Etwa beim Zugfahren, wenn der Regen prasselt oder die Sonne über die hügelige Landschaft scheint. Das sind die Momente, in denen mir oft die besten Ideen kommen. Besser als beim bewussten Nachdenken. Wenn ich eigentlich nur so vor mich hinträume, aber aufmerksam genug bin, um zu bemerken, wenn eine Bild, eine Idee, ein Gedanke, ein Klang, eine Information in den Kopf trifft.

Ruhe ist Rhythmus.

Der Beat im Groove. Gott schuf die Erde, so sagt man, an sechs Tagen und ruhte dann am siebten. Wieso er sich für so einen schrägen siebener Takt entschiedenen hat, weiß der Teufel – oder Sting. Vielleicht hatte der liebe Gott den Walzer oder den vier/viertel Takt einfach noch nicht erfunden. Ein gutes Bild für den Rhythmus von Tun und Ruhen. Ein Rhythmus, den wir ja überall finden. Tag und Nacht. Schon als segelnder Junge hat mich fasziniert, wie das Wasser nach einem stürmischen Tag, am Abend oft so ruhig wurde. Thermik hin oder her. Für mich hatte es etwas Mystisches. Oder nehmen wir den Rhythmus der Jahreszeiten. Jetzt gerade, wo wir nach einem heißen Sommer und einem goldenen Herbst mit einer Tasse Ostfriesentee in den dunklen November gehen. Bevor der Dezember dann schon wieder festlich beleuchtet wird und eine geschäftige Powerbesinnlichkeit die Ruhe hinwegfegt, ist der November ein oft unterschätzter Monat der besonderen Ruhe.

Liegen im Shavasana

Genau wie das Shavasana am Ende einer Yogapraxis eine oft unterschätzte Übung der Ruhe ist. Gerade durch das stille entspannte Liegen auf dem Rücken, zieht man den Nutzen aus den vorhergehenden Übungen. Der Körper und die Gliedmaßen liegen, der Atem atmet, der Geist lässt Gedanken und Gefühle kommen und gehen.

Eine wunderbare Art des Visualisierens, weil man es gerade nicht tut, sondern geschehen lässt, ohne es aktiv geschehen zu lassen.

Ganz ähnlich bei der Meditation, die ja vielleicht als die ruhigste Tätigkeit, als der ruhigste wache Zustand gilt, in dem man als Mensch sein kann. Dabei ist es ein durchaus aktiver Zustand. Ein Zustand, in dem man üben und lernen kann, seinen unruhigen Geist zu erkennen. Die Gedanken und Gefühle zu beobachten, wie sie kommen und gehen. Und dabei ruhig zu bleiben, ihnen nicht nachzuhängen, sie nicht zu verfolgen, aber sie auch nicht zu unterdrücken oder vor ihnen wegzulaufen.

Natürlich macht es keinen Sinn, den ganzen Tag zu meditieren, so wie es keinen Sinn macht, den ganzen Tag zu schlafen. Auf den Rhythmus kommt es an. Ruhe und Bewegung, Ruhe und Aufregung, Ruhe und Arbeit gehören untrennbar zusammen.

Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich durch die bewusste Integration von Ruhe in mein Leben, in Form von Yoga, Meditation, Spaziergängen, wesentlich effizienter in den aktiven Dingen bin.

Ruhe ist keine Bürgerpflicht, sondern ein Menschenrecht. Ein Menschenrecht, dass man sich selbst nehmen muss. In aller Ruhe.

 

Ruhe

Haut: Alles wird gut

Come close dear friend, come close and look me in the eye, see right into my soul and tell me what you see, can you calm the fire thats burning inside, can you touch my skin and help me breath?

Ich hatte immer eine Babypopohaut. Bei jedem Dreh haben sich die Maskenbildner dreimal darüber im Kreis gedreht, wie toll meine Haut war. Und ich habe als kleiner Wurzel auf Menschen  geschaut, die ihre Akne überschminkt haben, und gedacht:  »Ist doch total der Teufelskreis, sie überschminken es und dann wird die Haut noch schlechter und dann müssen sie noch mehr überschminken.« Kurz darauf kam der Teufelskreis zu mir und hat mich mit offenen Armen aufgenommen.

2010

In der letzten Drehwoche von Sommer in Orange hat meine Haut angefangen, unruhig zu werden. Das war 2010 und ich war zwölf Jahre alt. Mein Gott die Pubertät geht halt los und so verändert sich halt auch der Körper. Für mich war das aber der Anfang vom Ende. Ich bin Amber, ich habe eine Babypopohaut, ich bin Schauspielerin. Ich konnte es so wenig ertragen, dass ich mich verändere, dass ich nicht mehr ‚perfekt‘ bin. Das Wort ‚perfekt‘ benutze ich viel, wenn ich über mein jüngeres ‚Ich‘ rede. Denn das war meine Vorstellung von mir, von der Welt. Hautprobleme gehörten nicht dazu.

Ich wurde älter und meine Haut wurde schlechter. Bei jedem Dreh mit neuen Maskenbildnern konfrontiert zu sein, die jedes Mal aufs Neue so tun, als hätten sie noch nie ein vierzehnjähriges Mädchen mit Akne gesehen, hat nicht geholfen.

Ich habe aufgehört, Leuten in die Augen zu gucken. Nach dem Motto, wenn ich sie nicht sehe, sehen sie mich auch nicht. Ich habe mich so unendlich geschämt. Habe jedes How-to-get-clear-skin-Video auf YouTube gesehen, bin zu dubiosen Kosmetikern gelaufen und habe Stunden vor dem Spiegel verbracht.  Gleichzeitig habe ich andere Menschen um mich herum extrem bewundert, die offen mit ihren Hautproblemen umgegangen sind. Die nichts überschminkt haben, die einfach weiter gemacht haben wie bisher,  und die meistens nach ein paar Monaten wieder mit klarer Haut ankamen. Bei mir hat sich über die Zeit ein immer größeres Feuer im Bauch gebildet, immer mehr Scham und Unwohlsein.

Hey Amber, deine Hormone verändern sich, mach dir keinen Stress, lass die Finger von deiner Haut und spar dein Geld, statt es für überteuerte Kosmetika auszugeben. Alles wird gut. Du hast vielleicht eine genetische Veranlagung dafür, so what dafür hast du auch tolle Dinge vererbt bekommen. Und außerdem, die Haut ist ein Organ. Und wenn man will, kann es auch sehr mechanisch sein. Was tut Organen gut? Wasser. Es ist eigentlich immer Wasser. Wasser, Bewegung, Schwitzen, frische Luft. Und vor allen Dingen, kein Stress. 

 

2014

2014 war hart. Meine Haut war schlechter denn je, und ich war so unglücklich wie nie zuvor in meinem Leben. Wir müssen hier nicht lange nach der Huhn-oder-Ei-Frage suchen. Mir ging es psychisch schlecht und deswegen war meine Haut schlecht. So rum geht die Geschichte. Ich war monatelang krank, bin jeden Tag heulend aus der Schule gekommen und hab schon gar nicht mehr in den Spiegel geschaut. Es war, als ob mir jemand auf die Stirn »Mir geht es schlecht« geschrieben hat. Das einzige, das ich machen wollte, war, mich zu verstecken, aber du kannst dich nicht verstecken. Es steht dir literally ins Gesicht geschrieben. Und ich wurde bei jedem Foto, bei jedem Blick in den Spiegel daran erinnert, warum ich mich so beschissen fühlte.

Und dann kam der Tag, an dem ich in der Maske saß und die Maskenbildnerin kritisch in mein Gesicht geschaut hat und sagte: »Naja … wenigstens hast du schöne Wimpern.« Und genau in diesem Moment hat sich etwas in mir verändert. In meinem Bauch hat sich wieder das Feuer ausgebreitet. Aber nicht wegen Scham und Selbsthass, sondern ein ganz klarer rationaler Gedanke. »Du musst für dich kämpfen Amber, niemand sonst wird es tun.« Ich wurde wachgerüttelt. Und ja, am Anfang noch mit dem Gedanken: »Wie kannst du es wagen, mich so fertig zu machen, nur ich darf mich so fertig machen und glaub mir, ich mache mich fertig, aber du nicht, Fräulein.«

Der Anfang vom Ende

Das schöne am Tiefpunkt ist, dort ist das Leben ehrlich gesagt extrem einfach, du kannst nur bergauf.

Ich habe aufgehört, mich zu schminken und ich habe den Leuten wieder direkt in die Augen geschaut, am liebsten gleich durch, direkt in ihre Seele. Warum? Ich hatte nichts mehr zu verlieren. Und ich habe es als meine einzige Aufgabe gesehen, das Feuer in meinem Bauch aus meinem Körper auszuleiten. Physisch mit Bauchatmung und Yoga, mental mit Tagebuch schreiben und Menschen segnen, die mir wehgetan haben und spirituell mit Meditieren und Affimieren. Ich habe angefangen, mich zu fragen »Wie geht es dir?« statt »Wie sieht meine Haut aus?«

Und ja, meine Haut wurde besser. Sie ist nicht perfekt, aber ihr wisst ja, dass ich dieses Wort nicht mehr benutze. Und es gibt keinen Tag mehr, an dem ich mit dem Blick in den Spiegel gucke, wie ich es damals gemacht habe. Nie, nie nie wieder. Anfang des Jahres als wir die Themen für unsere Red Bug Home Monate gewählt haben, wusste ich, ich möchte, dass es einen »Haut« Monat gibt. Damit ich meinen grandiosen: How I-got-clear-skin-Blogbeitrag machen kann. Jetzt realisiere ich, dass ich Anfang des Jahres immer noch in meinem alten Denkmuster war. Denn jetzt sitze ich hier, es ist Oktober, ich bin mental an einem komplett anderem Ort. Mir geht es gut. Mir geht es besser denn je. Und deswegen ist es egal, ob ich klare Haut habe oder nicht. Aber wenn es dir schlecht geht, versuchst du jeden Grund zu finden, den es gibt, warum es dir schlecht gehen könnte. Ich kam wirklich an den Punkt, an dem ich dachte, und wenn ich bis zum Rest meines Lebens Hautprobleme haben werde … so what. Mir geht es gut.

Haut Haut

Heute

Manchmal habe ich noch Phantomschmerzen. Ich spüre, wie mich jemand anguckt und ich spüre die Akne förmlich brennen in meinem Gesicht. Wenn ich dann später in den Spiegel gucke, merke ich, dass ich gar keine Akne habe. Es ist noch nicht so lange her, dass ich jedes Mal zusammengezuckt bin, sobald jemand das Wort Pickel oder Akne gesagt hat. Ich schaue alte Fotos von mir an, und ich sehe, wie schlecht es mir ging. Wie ich nur dieses Foto nicht gelöscht habe, weil es das einzige war, auf dem meine Haut okay aussieht. Wie ich lächle, aber innerlich eine Welle an Panik in mir aufsteigt, weil ich fotografiert werde. Ich habe mit einem Freund darüber geredet, und er meinte dazu nur: »Mir ist noch nie aufgefallen, dass du Akne hattest, aber stimmt, du hast einem nie in die Augen geguckt, das war strange

Ich könnte sagen: trink Wasser und Grünen Tee, nimm diese oder jene Creme, lass die Finger von deiner Haut, benutz Sonnencreme, schmink dich gründlich ab. Schau, das hat mir geholfen. Und ja das alles spielt eine Rolle. Aber ich weiß, ich musste durch diesen Prozess gehen, um zu lernen, was ich gelernt habe. Ich musste es bis auf den Grund erforschen. Ich wollte den Quickfix, aber ich brauchte die Erfahrung.

I love you

Es gibt genug Menschen da draußen, die easypeasy durch die Pubertät sliden. Deren Welt nicht zusammenbricht, sobald sie einen Pickel haben. Ich kenne diese Menschen, ich bewundere dieses Menschen. Im Nachhinein kann ich sehen, dass es mit ganz normaler Pubertätsakne losgegangen ist, ich aber so überhaupt nicht damit klargekommen bin, dass es ein größeres Problem wurde. Ich will deswegen nicht alle Menschen mit Hautproblemen über einen Kamm scheren, für manche ist es nicht diese riesengroße Demutslektion. Aber für mich war es das.

Wenn du gerade in dem Mindspace bist. Ich liebe dich! Wirklich, das kommt vom ganzen Herzen. Ich weiß, wie es dir geht. Und ich werde nicht anfangen zu sagen, dass du überreagierst. Ich verstehe dich, ich liebe dich und ich schicke dir so viel Energie! Alles wird gut!

P.s. Die Fotos sind alle in den letzten zwei Monaten entstanden.

Ruhe

Italien: Interview mit Eduard

Italien – Land, Stadt, Haus

Wie kommt das eigentlich, dass wir alle Jahre Uraub im gleichen Land, in der gleichen Stadt im gleichen Haus machen? Italien ist wundervoll aber eigentlich überall schön, das kleine Dorf in den Bergen von Umbrien unspektakulär, muss irgendwie am diesem Haus liegen, dachten wir uns. Es lag also nah, für das Interview zum Fokusthema Italien unseren Vermieter Eduard einmal auszufragen, wie er eigentlich zu seinem Haus gekommen ist. Eduard lebt in Berlin und hat mehrere Ferienhäuser in Italien, die er ganzjährig vermietet. „Unser“ Ferienhaus war sein erstes Projekt in Itlaien.

Das Anwesen=Weingut hat zwei Häuser, eines liegt oberhalb, das andere etwas tiefer. Hier sitzen wir auf der Terrasse des unteren Hauses mit einem wundervollen Blick ins Tal.

Eduard, eigentlich wissen wir nicht so genau, wie du auf die Idee gekommen bist, dieses Grundstück hier zu kaufen. Was war es denn eigentlich vorher?

Ursprünglich war es ein Landgut, die hatten damals recht wenig Wein, obwohl sie hier eine Weinpresse hatten. Überwiegend war es Landwirtschaft, Kühe, Schweine, Kleinviech. Es gab ja hier Großgrundbesitz. Der (Besitzer) hatte einen Palazzo in Foligno. Das waren damals diese Strukturen. Die Leute wohnten hier, mussten arbeiten und dafür bekamen sie dann die Wohnmöglichkeit. Das war damals in Italien überall so, in der Toskana und auch hier in Umbrien.

Hast du ne Ahnung, wie alt das Haus ist?

Na, schon ein paar hundert Jahre, also die Ursprünge. Es wurde dann, wie es so üblich war, immer mehr erweitert. Am Anfang war es der Turm und ein Nebengebäude. Der Turm war auch als Wehrturm ausgelegt. Richtig mit Schießscharten. Hier zogen immer wieder Räuberbanden durch das Tal und klauten den Leuten alles, was sie hatten, nahmen die Mädchen mit. Es war damals nicht ganz ungefährlich. Die Leute mussten sich also verstecken, bzw. verbarrikadieren, weil das hier ein strategischer Punkt ist. Von der Adria Richtung Süden, Richtung Rom, hatten das Tal eine besondere Bedeutung. Hier sind die Söldnerheere und alles vorbeizogen. Und im zweiten Weltkrieg waren die Deutschen hier. Die hatten im Garten eine Flackstellung und haben dann von hier auf die amerikanischen Flugzeuge geschossen.

Bist du denn herumgefahren auf der Suche nach einem Haus und hast es dann hier gefunden?

Nein, das war totaler Zufall. Ich war überhaupt nicht auf der Suche, sondern damals das erste Mal überhaupt in Italien. Ich habe mit einer Gruppe eine Radtour in der Toskana gemacht. Und in dieser Gruppe war eine Frau, die suchte ein geeignetes Objekt für ein Frauenprojekt hier in Italien. Und hatte mit einem Makler eine Besichtigungsfahrt abgesprochen. Ich hatte noch eine Woche Zeit und hab dann gesagt: Okay, ich komm’ noch eine Woche mit, dann sehe ich was von der Gegend, von Umbrien. Toskana hatte ich ja gesehen. Aber ich hatte null Ahnung von Italien, weder Sprache noch sonstwas.

Und so kamen wir hierher. Für das Projekt wäre es von der Größe her sehr schön gewesen, ihr war es aber zu abgelegen, weil die meisten Frauen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen würden. Sie hat dann einen Palazzo gekauft und ausgebaut.

Und ich hatte als Kind schon immer von einem Turm geträumt.

Ach ja?

Ja eigentlich war es erst nur der Turm, der mich angemacht hat. Und deswegen habe ich alles andere erstmal überhaupt nicht gesehen. Die Ruine und was für ein Riesenvolumen das war. Der Turm, der stand wie ne Eins. Kein Riss, nix. Dach noch drauf und hundert Tauben drin, die hatten ihn zu einem Taubenturm umfunktioniert. Es flatterte nur so da drin. Wahnsinn. Für mich war der Turm wichtig.

Natürlich spielte auch das Drumherum, die Landschaft eine große Rolle. Die Leute. Ich hatte die schon in der Toscana als so freundlich erlebt. Und hier auch. Man war überall willkommen und das hat mich begeistert. Wenn du hier hochgekommen bist, kamen die Leute raus, fragten was du brauchst, und dann bekamst du gleich ein Glas Wasser oder einen Kaffee angeboten.

Meine Freundin dachte, ich wäre jetzt total ausgeflippt, zumal ich gerade in Nordhessen eine alte Schule gekauft hatte. (lacht) Na ja, die musste ich ja auch noch restaurieren.

Und wem gehörte das damals?

Einem Berliner Boxer, der hatte es gekauft.

Als Ferienhaus?

Ne, der wollte mit seiner Freundin hier so Eigenanbau betreiben und davon leben. Der wollte aus dem Steinboden etwas herausholen. Paar Hühner, paar Karnickel und sowas. Na ja, jedenfalls haben sie es dann wieder verkauft.

Na, das war dann eigentlich die Geburt des Objekts. Hier im unteren Teil waren zwei Räume bewohnbar mit einem Kamin und so. Na und dann, peau a peau, haben wir das mit viel Arbeit ausgebaut. Und das war am Anfang auch mit den Kids reines Abenteuer. Wir haben mal eine Seilbahn über die Nera gebaut, um Steine darüber zu transportieren. Ich bin natürlich sofort in die Dornen geknallt. Wir haben das Seil mit dem Auto gespannt und dann sind wir angefahren und … na ja solche verrückten Sachen eben. Die haben alle gesagt, der Eduardo ist ein bisschen verrückt.

Wasser war da und ein Kamin und wir haben dann ein Bad gebaut, so dass man in der Kernzelle hier unten wohnen konnte. Der Rest hat dann Jahre gedauert. Den oberen Teil habe ich machen lassen, als ich wieder etwas Geld hatte. Das hat sich über ich weiß nicht wie viele Jahre erstreckt. Vor allem für die Kinder (seine zwei Söhne) war es ja toll. Zwei, drei Familien sind oft mitgekommen, als es dann alles fertig war. Wir waren jeden Sommer drei, vier Wochen hier.

Und Cultura? (Das Ferienhausunternehmen, das Eduard aufgebaut hat). Ist die Idee durch dieses Haus geboren?

Ja, hat damit zu tun gehabt. Als es dann nämlich fertig war, da kam mir die Idee, einfach eine Agentur zu gründen. Wir hatten viele Freunde und alle kamen, aber keiner wollte was bezahlen. Dann haben wir gesagt: Das macht eine Agentur, ihr müsst euch an die Agentur wenden.

Wir erinnern uns an den sehr schönen Katalog mit den Zeichnungen.  Darin waren ja viele Objekte. Hast du dann rumgefragt in der Gegend, wer noch mitmacht?

Ja, ich habe das mit einem Makler zusammen gemacht, der mir dieses Haus verkauft hat. Der hatte eine deutsche Frau und eine Eisdiele in (Berlin-)Kreuzberg und der ist dann wieder zurück nach Italien gegangen und hat hier gemakelt. Er war also für die Aufnahme der Objekte verantwortlich und ich für die Vermarktung und Vermietung in Deutschland. Wir haben das gemeinsam gemacht und auch viele Verkäufe vermittelt. Heute ist das schwieriger. Es gibt viel weniger, was noch zum Verkauf steht. Damals waren die Objekte erschwinglicher und die Auflagen waren auch nicht so streng wie heute. Mit dem Alleinwerkeln ist es schwieriger geworden. Man braucht alle Bescheinigungen, bevor man die habilitá bekommt, also die Bewohnbarkeitsbescheinigung.

Aber es ist auch nicht mehr so der Run darauf. Die jungen Leute wollen heute lieber um die Welt reisen und sich nicht mit so einem Objekt festlegen. Da hat schon eine gewaltige Veränderung stattgefunden

War das damals auch schon so erdbebengefährdet? Also der Turm hat ja mal Schäden abbekommen bei dem schweren Erdbeben. War das 97/98?

Ja. 1997, da war ich in Visso. Da hatten wir erhebliche Schäden in Visso. Manche Häuser sind total eingestürzt, die übrigens „erdbebensicher“ restauriert waren. Das kam noch dazu. Hier hatte ich nicht so viele Schäden. Es gab im unteren Teil einige Risse im Innenbereich, was ich dann mit einer Restaurierung verbunden habe. Die Raumhöhen waren sehr niedrig. Durch die Türen bist du kaum durchgekommen, da musste man sich immer bücken. Hier sind also überall auch neue Balken drin.

Aber es war doch ein kräftiges Beben damals, das war schon gewaltig. Ich hatte hier Gäste drin und denen fiel von oben die halbe Decke auf den Kopf. Na ja, zumindest ein paar Steine, da, in dem Schlafraum. Aber die waren sowas von cool, die sind dann einfach rüber in den anderen Schlafraum. Da ist nichts oder kaum was passiert.

Und dann oben, da war ein Musiker, der hatte sich hier für eine längere Zeit einquartiert. Wollte so ein bisschen Abstand kriegen und hier arbeiten. Und der hat Panik gekriegt. Er ist nach dem ersten Beben geblieben und hat den ganzen Tag im Garten gearbeitet, weil es natürlich immer gescheppert hat. Die Fenster klirrten, das merkt man dann schon. Das sind die ganzen Nachbeben, in 24 Stunden über hunder Beben. Mal ein bisschen stärker, mal weniger, aber es bebte eigentlich permanent in den Tagen danach. Und dann kam noch einmal ein sehr kräftiges Beben und er sagte, der Turm hätte einen Meter ausgeschlagen. Er saß im Garten. Bei diesem Ausschlag sind oben die Steine über den Fenstern wie aus Katapulten weggeflogen. Da ist er dann gleich abgehauen, der hatte genug vom Beben und Klirren.

Die Leute von unten kamen dann zwei Jahre später wieder zur gleichen Zeit im Oktober. Das waren Herbstfereien und wir hatten überall Vollbelegung. Die erzählten mir: „Ach, wir haben schon ein Erdbeben in San Francisco erlebt und einen Flugzeugaubsturz überlebt.“ Also, die waren sehr cool.

Aber dieses Haus hat ja hier schon was-weiß-ich-wie-viele Beben überstanden und der Turm hatauch entsprechend über einen Meter dicke Wände. Deswegen gehe ich davon aus, dass das Haus mich überlebt. Das Beben 1997 hatte eine Stärke von 6,4/6,5 mit dem Zentrum hier unmittelbar in der Nähe. Die letzten Beben (von 2016, darüber gibt es bei uns einen Blogeintrag) waren ja ein bisschen weiter entfernt, (ca. 20 km Luftlinie) da war es nicht ganz so schlimm. Da lag es dann bei 5 oder knapp bei 5, als es da in Norcia jetzt gebebt hat. Aber ich hoffe, dass es eben … (macht eine nachdenkliche Pause) … zumindest dieses schweren Beben hat das Haus ja überstanden. Ich war ja dann auch hier bei den Nachbeben, bei den doch starken Nachbeben, aber ich hatte eigentlich nie die Befürchtung, dass irgendwas passiert. Es hatte die ersten zwei schweren Beben überstanden.

Ging uns auch so. Ich habe mich gewundert. Ich dachte, ich würde panicken, aber das war nicht so. Das Beben von Amatrice war ja an Ambers Geburtstag und am nächsten Tag sind wir hergekommen. Da hat es noch einige Nachbeben gegeben. Aber die Leute hier haben schon Angst, oder?

Die Angst ist sehr, sehr stark. Vor allem auch die älteren Leute haben Angst, also immer wenn es gerüttelt hat, die waren schon ganz schön angekratzt, nervlich. Die haben dann immer im Wohnwagen geschlafen. Rosa hatte sich einen Wohnwagen besorgt. Sie sind tagsüber zwar im Haus gewesen, aber nachts sind sie dann in den Wohnwagen gegangen.

Ach, also deswegen stand der Wohnwagen da immer? Ich hab mich immer gefragt, ob die alten Leute wohl mit dem Wohnwagen verreisen würden.

Ne, ne überall standen hier ja Wohnwagen, auch oben. Die haben sich alle Wohnwagen gekauft, um in den Wohnwagen zu übernachten. Nachts war es ihnen eben zu riskant in den Häusern.

Zum Abschluss noch eine Frage zu den Trüffeln, die mich faszinieren. Ich hab in all den Jahren hier keinen einzigen Trüffel gefunden. Einer der Bauern kam hier mal vom Berg und hatte einen richtig dicken Trüffel in der Hand. Hier ist ja auch viel abgesperrt (Raccolta tartufo riservata) Werden hier viele Trüffel gefunden?

Ja, ja. Settimo hatte da oben ein abgesperrtes Gebiet und mit dem war ich ein paarmal Trüffel suchen und der hat auch richtig tolle große Trüffel gefunden auf seinem Gebiet. Und die Gebiete sind ja meistens von diesen Trüffelfirmen, die das dann verarbeiten und vermarkten. Die Leute, die da suchen, machen das in deren Auftrag.

Ich war auch oft unterwegs wandern und auch auf Trüffelsuche und man kann hier schon ganz gut erkennen wo Trüffel sind. Also zunächst müssen dort Eichen sein. Die pflanzen Eichen, die geimpft sind mit Trüffelsporen. Dann darf da keine Vegetation sein, nur  Minimalvegetation, keine Wiese. Also Steine um die Eiche herum, aber keine Vegetation. Und so kann man schon die Plätze eingrenzen. Und wenn man dann ausgebildete Trüffelhunde hat …

Die Wintertrüffel, die liegen tiefer, da wird es schwieriger. Die Sommertrüffel liegen teilweise fast direkt unter der Oberfläche. Deswegen haben die auch nicht so ein starkes Aroma wie die Wintertrüffel. Die gibt’s weniger, sind aber auch qualitativ besser.

Und wann findet man die?

Wintertrüffel im November, Dezember, Januar, so die drei Monate. Sommertrüffel, das geht jetzt bald los so: Ende Juni, Juli, August, September auch noch.

Wie tief liegen dann die Wintertrüffel?

Na, das kann schon auch mal so zwanzig Zentimeter sein.

Und die Sommertrüffel eben fast an der Oberfläche und in den letzten Jahren gab es auch immer recht viel und die waren dann auch günstig. Da haste dann dreizehn Euro für hundert Gramm gezahlt. Da kann man sich richtig satt essen. Das ist wirklich toll.

Ich mag sie ja am liebsten nur mit Ei oder Spaghetti, wenn man nicht zu viel Knoblauch ranmacht. Und dann roh drüberreiben. Also am liebsten roh und gerieben mit einer Käsereibe, wie Parmesan, gar nicht mit dem Hobel. Der Trüffel ist ja fest, erst wenn er zu lange gelagert ist, wird er weich, dann kann man ihn nicht mehr reiben. Also er muss richtig fest sein. Also der im Glas ist kein Vergleich zum frischen.

Danke, für das Gespräch, Eduard. Magst du heute gefüllten Pfannkuchen mit uns essen?

Ja gerne, mach’ ich heute mal eine Pause.

Und wir haben dann auch zusammen Pfannkuchen gegessen, wie ihr im Beitrag Italien: Food sehen könnt ;)

Ruhe

Rise & Shine: Frühstück

Liebe Red-Bug-Fans,

heute gibt es den Food-Beitrag, und was wäre ein Rise & Shine Monat ohne ein paar Frühstücksrezepte.

Croissants und Kaffee, Haferbrei mit Obst, Pancakes oder großes Sonntagsfrühstück. Frühstück kommt in allen Formen und Größen und ich liebe sie alle!

Seit dem ich alleine wohne, habe ich angefangen, mit unterschiedlichen Morgenroutinen und eben auch unterschiedlichen Frühstücken zu experimentieren. Das Ding ist nur, dass sie alle so lecker sind, dass es einfach immer mehr werden. Was ich aber schon herausgefunden habe ist, dass ich, wenn ich alleine frühstücke, gerne nach dem Bowl-Prinzip esse. Und wie ihr gleich merken werdet, sind diese Rezepte simpel simpel simpel.


Ingwershots

Mit dem Frühstück bricht man ja bekanntlich das Fasten der Nacht. Break-fast. Der Körper hat seit, na sagen wir mal ca. acht Stunden nichts gegessen und hatte viel Zeit zu verdauen und entgiften. Um dann morgens alles wieder in Schwung zu bringen und auch den letzten Rest zu reinigen sind Ingwershots der absolute Oberhammer! Besonders gerne trinke ich sie, wenn ich mich etwas kränklich fühle oder gerade wieder gesund werde, um mein Immunsystem wieder fit zu bekommen.

Sie wirken entzündungshemmend.

Stärken das Immunsystem.

Unterstützen die Verdauung.

Entgiften den Körper

… und sie sind lecker!

Man braucht dafür einen Entsafter und alles andere ist super simpel. Ich mache meistens am Anfang der Woche gleich einen ganzen Vorrat und stelle ihn in einer Flasche in den Kühlschrank. Wer noch nicht sehr Cayennepfeffer erfahren ist: ACHTUNG der hat es in sich. Also ich würde eher mit weniger anfangen, ca. eine Messerspitze, und sich dann bei Bedarf langsam hocharbeiten. Weil der Magen ja noch leer ist, kann man richtig spüren, wie der Shot durch den Körper wandert.

 

-Ingwer waschen, in Stücke schneiden und entsaften

 

-Zitronen und Orangen auspressen.

 

-etwas Cayennepfeffer dazugeben und fertig ist :)


Hirsebrei mit Blaubeeren

Hirse ist superduper gesund und richtig lecker. Sie ist im Vergleich zu anderen Getreidearten glutenfrei, was auch wenn man keine Allergie hat, immer eine gute Idee ist. Manchmal, wenn ich lange Zeit viel Brot und Nudeln gegessen habe und mich wieder etwas frischer fühlen möchte, steige ich für eine Zeit auf Hirse um.

In der Zeit wo die Hirse köchelt, räume ich auf, mache den Abwasch vom Vortag, ein paar Sonnengrüße oder geh duschen. Wer morgens nicht so viel Zeit hat, kann die Hirse auch einfach über Nacht in der ‚Milch‘ einweichen lassen und dann morgens nur noch erhitzen.

Der Kurkuma macht die Hirse richtig strahlend Sonnengelb und das in Kombination mit dem Violett der Blaubeeren macht echt ne funky Mischung.

Ich mache all diese Rezepte nach Augenmaß, aber vielleicht als Orientierung:

3-4 EL Hirse zu 250ml ‚Milch‘

 

-Hirse mit der ‚Milch‘ in einem Topf kurz aufkochen und dann ca. 15 min köcheln lassen.

-zum Schluss etwas Kurkuma unterrühren. Die Blaubeeren drüber und vielleicht ein paar Walnüsse.

 


Milchreis mit Himbeeren

Uh yiss! Milchreis war schon als Kind mein absolutes Soulfood. Mit Ersatzmilch ist er auch völlig vegan, was die Sache natürlich umso besser macht. Wenn ich also morgens ganz viel Zeit habe, an einem Sonntag zum Beispiel, mache ich mir Milchreis mit Himbeeren und fühl mich wohl in meiner Haut.

 

-Milchreis ganz normal kochen mit ‚Milch‘ und dann Himbeeren und Zimt drüber.

-ich gebe in meinen Milchreis auch gerne beim Kochen noch etwas Ahornsirup oder Honig.

Fertig :)

   


Warmes Birnen Müsli

Fun Fact: bis vor ca. einem Monat habe ich Birnen gehasst. Aber mir hätte ja auch jemand sagen können, dass Birnen nicht nur diese weichen viel zu süßen Äpfel-möchtegern sind, sondern dass es sie auch in knackig und frisch und göttlich gibt. Holy Moly. Die haben selbst warm einen völlig anderen Geschmack.

-Birnen mit ganz, ganz bisschen Wasser im Topf andünsten, dann ‚Milch‘ und Müsli dazu und ein paar Minuten warm und weich werden lassen.

-ich mach dann gerne Sonnenblumenkerne und Walnüsse drüber. Leggerschmeggger!


Bircher-Chiasamen-Müsli

Wenn man einmal die Tatsache verkraftet hat, dass eine Packung Chiasamen gefühlt zwanzig Avocados kostet, erwartet einen das Tor zu endlosen Möglichkeiten.

Jetzt wo es wieder etwas wärmer wird, habe ich immer mehr Lust auf kalte Frühstücke. Wenn es richtig zackig gehen muss, lasse ich alles schon über Nacht einweichen. Sonst reichen auch die zehn Minuten im Kühlschrank.

-Chiasamen und das Birchermüsli mit der ‚Milch‘ verrühren und für ca. 10 Minuten abgedeckt in den Kühlschrank stellen.  Dann nach Belieben noch etwas mehr ‚Milch‘ dazugeben, falls es zu trocken geworden ist.

-dann Äpfel schneiden oder reiben, Nüsse und Kerne drüber, etwas Ahornsirup oder so und vielleicht ein paar Beeren. Also alles, worauf man Lust hat. Fertig!


So das sind meine momentanen Lieblingsfrühstücke. Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen inspirieren :)

Rise and Shine, Sunshine!

 

 

 

Morning routine
Ruhe

Rise & Shine: Morning Routine

Liebe Red Bug Fans,

Rise and Shine. Das ist unser Monatsthema für April. Wie angekündigt wollen wir hier jeden Monat ein Thema umkreisen. Immer freitags – mit Gedanken, Assoziationen, Rezepten, Interviews.

Rise and Shine

Frühling, Wärme, Sonnenschein. Rise and Shine. Zu welcher Jahreszeit passt das besser als zum Frühling. Und dieser Frühling hat es ja wirklich in sich. Lag lange in den Federn. Schneeflockenfedern bis in den April. Dickes Eis auf Teichen und Seen.

Aber jetzt steigt die Sonne wieder höher, scheint kräftiger, wärmt. Oder nein, sie scheint einfach nur so vor sich hin und die Erde dreht sich schrägstehend um sie herum, lässt im Jahreszeitenwechsel die Sonne von Norden nach Süden über ihre Oberfläche streichen. Frühlingsanfang.

In den Frühlingsanfang gehört natürlich auch, die für mich spektakulärste Rise-and-Shine-Story überhaupt. Am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern hier ja viele Menschen Ostern. Mit bunten Eier, Schokolade, Spaziergang. Aber dazu gehört natürlich auch Karfreitag. Da lässt sich einer ans Kreuz nageln, stirbt, wird in eine dunkle Grabkammer gelegt und … steht am Sonntagmorgen wieder auf. What? Egal, ob und wieviel man davon glaubt, die Geschichte ist phänomenal. Steh auf und geh. Und lass dein Licht leuchten.

Wie jede gute Geschichte bringt auch diese den Hauptprotagonisten an den absoluten Tiefpunkt, vollkommen gescheitert, ausweglos. Und dann kommt der Wendepunkt, jedesmal – und trotzdem immer wieder überraschend, unerwartet und manchmal fast unglaublich. Nach dem Wendepunkt dann der Erfolg, die Erlösung, der Triumph. Ohne den Tiefpunkt würde der Triumph gar nicht bemerkt. Was will ich damit sagen? Es ist unmöglich die ganze Zeit in Topform zu sein, immer zu scheinen, immer zu strahlen. Nein, es muss einen Rhythmus geben.

Man muss ja nicht gleich sterben und wiederauferstehen. Aber sich ausruhen, auch mal down sein, traurig sein, müde. Erst wenn man sich auch mal hinlegt, ausruht, schläft kann man wieder aufstehen. Rise and Shine. Und genau, ursprünglich ist Rise and Shine ja ein Weckruf, der jemanden dazu bringen soll, aufzustehen, und zwar sofort. Manchmal kombiniert mit dem Wegziehen der Bettdecke. Auf deutsch wohl eher gleichzusetzen mit Raus aus den Federn. Schwingt da ein kleiner Vorwurf an den Langschläfer mit? Wieviel schöner klingt Rise and Shine.  Steh auf und strahle. Strahle, damit man dich in deiner ganzen Schönheit sehen kann, aber auch strahle, damit deine ganze Wärme auf deine Umgebung, über deine loved ones, deinen inner circle in die Welt hinaus strahlen kann.

Morning Routine

Mir hilft dabei eine Art Morning Routine, die immer mal wieder wechselt. Was gehört dazu? Für mich: Vielleicht überraschend, aber die Morning Routine, fängt schon vor dem Einschlafen an. Ich nehme mir kurz Zeit, mich auf den nächsten Tag zu freuen.

Einer meiner Lieblingsfilmzitate stammt aus Hitch: Begin each day as if it were on purpose. Früh aufwachen und … aufstehen. Dem Ruf der Natur folgen, ins Bad. Dann runter ins Wohnzimmer, kurz dem Hund zunicken, aber der schläft um diese Zeit noch und schlägt nur kurz müde mit dem Schwanz, ohne wirklich die Augen zu öffnen.

Meditation

Viertel Stunde, nicht länger als eine halbe. Manchmal ganz in Ruhe, meist mit Headspace und in letzter Zeit auch oft mit der angenehmen Stimme von Rakel Sosa. (THX an Amber, die mir eine Session bei Rakel geschenkt  … und Headspace entdeckt hat, als es noch wenige kannten.)

Morning Pages

Und dann Morning Pages. Was ist das denn? Den Begriff hat so weit ich weiß Julian Cameron geprägt. Ich kenne ihn jedenfalls aus ihrem Buch The Artist’s Way. (THX an Katrin, die mich darauf aufmerksam gemacht hat.)

Eigentlich ist es ganz einfach: Schreiben. Ich schreibe ein paar Seiten, stream of consciousness, einfach drauflos. Mit Hand, weil man da anders schreibt. Ich jedenfalls und weil es nicht darauf ankommt, dass jemand es lesen können muss. (Selbst ich kann meine Handschrift nur schwer bis gar nicht entziffern, aber wie gesagt, darauf kommt es auch nicht an).

Es ist für mich sehr aufschlussreich beim Schreiben zu bemerken, worüber ich schreibe. Vielleicht gibt es etwas, von dem ich glaube, das es mich sehr beschäftigt. Und ich nehme mit vor, es schreibend zu klären, schreibe dann über etwas ganz anderes, was mir entweder mehr auf der Seele liegt oder einfach nur mal erwähnt werden muss, um auf den Kern der Sache zu kommen. Es hat etwas sehr meditatives. Aha, da kommt ein Gedanke, ich schreibe ihn auf, nehme ihn wahr und lasse ihn gehen. Julian Cameron nennt es auch active meditation.

Aber Morning Pages lassen immer wieder Gedanken, Wünsche, Ängste an die Oberfläche, die ich mir nicht eingestehen möchte. Und sie erinnern immer wieder an wichtige Sachen, die ich gerne verdrängen würde, oder mittelmäßig gut verdrängt hatte.

Morning Pages sind wirklich ein gutes Tool, um Dinge aus einer eher unbewussten Schicht aufs Papier zu holen. Connecting to another source, wie ich es sonst nur vom Bildhauern kenne. Diese Seiten machen mir sehr deutlich klar, wo ich gerade stehe, was mich beschäftigt. Nicht, wenn ich sie nochmal lese (wie gesagt, das tue ich fast nie), sondern direkt beim Schreiben.

Jetzt könnte man denken, na warum denkst du dann nicht einfach nach, ohne zu schreiben, wenn es nicht zum Lesen gedacht ist? Einfach die Tätigkeit, die leichte Verlangsamung der Gedanken durch den Prozess des Schreibens, lässt einen Zustand entstehen, den ich durch hinsetzen und Nachdenken nicht so erreiche. Ich glaube sogar, dass es eine Rolle spielt, ob ich mit links oder rechts schreibe. (Ich bin Linkshänder und kann mit beiden Händen gleich schnell und gut und unleserlich schreiben)

Morning Pages sind eine Aufmerksamkeit, die ich mir selbst schenke. Bevor ich auf das iPhone schaue.

Das Glas Wasser

Und da ich immer wieder höre, dass man viel trinken soll, ist jetzt eine gute Gelegenheit ein großes Glas (warmes) Wasser zu trinken. Das Glas in beiden Händen, counting my blessings and hugging someone in my mind. Jemanden, der mir in dem Moment einfällt, und es fällt mir in dem Moment immer instantly jemand ein, der eine Umarmung gebrauchen kann. Und ich hoffe, bin mir fast sicher, dass der/diejenige es auch irgendwie spürt. Etwas Support, ein Trost, eine Aufmerksamkeit, eine Wärme. Ich spüre es auf jeden Fall.

Wenn Katrin dann herunterkommt und den Hund auf die Morgenrunde führt, mache ich Frühstück für uns. Der Tag kann beginnen, als wäre es mit Absicht.

Einsame Spitze. Joan Didion
Ruhe

Einsame Spitze. Joan Didion.

Einsame Spitze. Joan Didion.

Wenn du ein Künstler bist, egal welcher Art, dann ist es wahrscheinlich, dass du groß sein möchtest. Die Art von Größe, die einen mit quietschenden Sohlen im Museum umdrehen lässt, leise zurück tappen, hhhnn ein echter….und dann eine Weile lang lippenkauend vor deiner Arbeit stehen und sich ganz schmälern fühlen, zusammengedrängt unter dem Blick deiner gewaltigen Leistung, deines künstlerischen Ausdrucks. Und wenn man nachher beim Wein in der Kneipe sitzt und Pistazien knackt, dann redet man rotwangig von deiner Kunst. Haareraufend, augenfunkelnd, händeringend. Welche Größe. Oh, welche Größe.

Paare verlieben sich vor deinen Bildern, so stark ist ihre Anziehungskraft, man tanzt cheek to cheek zu deinen Songs, wiegt sich im Takt deiner Worte, nach zwanzig Jahren Ehe. Du bist der Ausdruck deines Metiers, die Definitions deines Genres. Du bist der Größte von allen.

Joan Didion ist, mit großer Wahrscheinlichkeit eine der bedeutendsten amerikanischen Journalistinnen. Ihre Beobachtungen haben den Zeitgeist einer Era geprägt, ihre Überlegungen sind tief in die Psyche einer Generation eingegraben. Neulich ist eine Dokumentation herausgekommen, die von ihrem Leben erzählt. Aber irgendwie auch von ihrem Nichtleben. Denn, wenn man „Die Mitte wird nicht halten“ sieht, dann wird einem klar, aus wie vielen kleinen Toden jedes Leben besteht. Unzählige ausgeschlagene Möglichkeiten. Ungegangene Schritte auf unberührtem Schnee, der nie gefallen ist.

Work

Joan Didion wirkt wie die Art von Mensch, die früh wissen, wer sie sind. Eine fast schon kantige Klarheit poltert einem entgegen, wenn man diese winzige Person auf einen Korbstuhl sitzen sieht, die Sonnenbrille vor die hellen Augen geschoben. Sie war schon immer eine, die geschrieben hat. Und egal was sie tut, er ist immer da, der Drang sich nach außen zu kehren, die inneren Fäden zu einem funkelnden Netz zu spinnen, mit dem man Wespen fangen kann. Sie nimmt ernst, was sie tut. Mit der aberwitzigen Weise, wie jeder Künstler ernst nimmt, was er tut.

Denn es sind nicht nur ihre Gedanken, die sie interessieren, es sind auch die Gedanken anderer. Die heimlichen, schizophrenen Fragen, die man sich stellt, wenn der Wecker noch nicht geklingelt hat und das Zwielicht die Schatten an der Tapete verschmieren lässt. Sie kann Dinge ausdrücken, die sonst niemand sagen kann. Sie kann dem Geist auf den Zahn fühlen, der ihre Zeit durchzieht.

Sie ist einzigartig. Das wäre sie auch, wenn niemand davon wüsste. Sie würde stur auf dem knarzenden Korbstuhl sitzen, mit den überschlagenen Beinen baumeln und dann durch die lichten Vorhänge ins kühle Arbeitszimmer tappen und sich an die ratternde Schreibmaschine setzen. Das Licht golden, wie in einem Whiskeyglas.

Man bewundert sie, man ist irritiert und verzaubert von ihrem zögernden Stirnrunzeln und ihren langsamen, gewählten Worten. Sie ist ein Geheimnis und ein General. Man kauert sich in ihren Schatten und wundert sich, wie es dort so kühl sein kann, wenn sie doch nur ein Vögelchen ist. Eine schmale, intellektuelle Gestalt, in beige Gewänder gehüllt.

Love

Das Leben kann gut kombinieren. Deswegen kombiniert es Didion mit einem Schelm. Einem jähzornigen Füße-auf-den-Tisch-Leger. Einem warmen, runden, lauten Mann. Die beiden sind das perfekte Paar. Sie korrigieren ihre Aufsätze, lesen sich ihre Artikel vor. Sie sind so gut wie jeden Tag zusammen, auch wenn eine schweigende Ruhe von den beiden ausgeht. Als würde sich das Geräusch so vieler Gedanken einfach neutralisieren und ein tonloses Vakuum die beiden Liebenden umschließen.

Sie wollen ein Baby. Sie kriegen keins. Und dann an einem Morgen knackt die Schale von Didions Herz zum zweiten Mal und sie weint im Badezimmer. Weil sie ein Baby haben. Ein blondes, rundes Baby. Im Haus am Meer wächst eine kleine resolute Gestalt zwischen den beiden übergroßen Eltern auf. Sie hat das selbe Lachen wie ihr Vater und die selben Augen wie die Mutter. Joan beschützt sie, auf ihre eigene knochige Art.

Wenn du ein Künstler bist, egal welcher Art, dann ist es wahrscheinlich, dass du Angst hast. Für immer allein zu sein. Abgeschnitten von der Welt der Menschen, die sich gegenseitig in die Rippen boxen und mit Spaghettisoße kleckern. Ein Geist zwischen lauter Lebenden. Eine Legende zwischen lauter Liebenden. Da ist eine stille Lücke zwischen ihr und den beiden. Ein kleiner Spalt zugiger Luft, über den niemand nachzudenken scheint. It’s lonely at the top. Art is home. Writing is relief.

Als in rascher Folge ihr Partner und ihre Tochter sterben, klafft der Spalt groß und weit und unübersehbar. Sie sind gegangen und Joan ist noch da. Ein knorriger Kirschblütenzweig. Blaue Adern unter der dünnen Haut. War sie zu sehr Künstlerin und zu wenig Mensch? Kann man ein Lebender sein, wenn man auch eine Legende sein will? Ist die Arbeit ihr zu Kopf gestiegen? Hat sie sie rausgejagt? Sind sie vom Rand gefallen?

Legend

Der Schmerz mahlt noch immer in der knochigen Brust. Die Hände ringen nach Worten, die greifen können was geschehen ist. Ich habe geliebt. War es ein Traum?

Die Medaille um den Hals wiegt schwer, man drückt ihr sanft die Schulter, schiebt sie mal hierhin und mal dorthin. Eine lebende Legende. Hush hush. Rockabye baby.

Und Didion macht das, was sie am besten kann. Sie schreibt.

Ruhe

Just don’t do it – Eine Ode ans Nichtstun

JUST DO IT

Just Do It. Das Motto einer Generation. Und wieso nicht? Es steht ja alles bereit. Man braucht nur die Hände auszustrecken und hat alle Mittel zur Verfügung.

Als ich nach Jericho gefahren bin, habe ich zum Beispiel ganz bewusst keine technischen Geräte mitgenommen. Ich wollte mich nicht ablenken lassen und am Ende nur Filme im Hotel gucken. Ich wollte rausgehen und Dinge sehen. Mit meinen eigenen Augen wahrnehmen. Das einzige, was ich also dabei hatte, war mein Handy. Und als mich nach vier Tagen doch der Drang nach kreativem Ausgleich überkam, habe ich einfach angefangen, kleine Filmchen mit dem Telefon zu drehen. In iMovie geschnitten, mit GarageBand die Musik gemacht, auf Instagram hochgeladen. Und klar, es geht. Also – ,Just do it‘?

SCHAUSPIELEN HEIßT WARTEN

Als Schauspieler sieht das etwas anders aus. Meist wird man als letztes ans Set geholt und als erstes zurück gebracht. Und was in der Zeit dazwischen passiert, ist nur zu einem wirklich kleinen Teil schauspielern. Während die Beleuchter leuchten und die Bühne baut wartet man als Schauspieler. Erst wenn alles eingerichtet, eingeleuchtet und verkabelt ist, kommt man zum spielen. Und da die meisten Szenen im deutschen Fernsehen eine Länge von maximal 2min haben, ist nach besagten zwei Minuten auch alles schon wieder vorbei. Dann heißt es erneut warten.

Somit habe ich mich recht früh daran gewöhnt, lange Zeit ,nichts‘ zu tun.
Und das ist enorm wichtig. Denn wenn man am Set nicht lernt abzuschalten, nervt man nicht nur die Teamkollegen, sondern verschwendet auch einen Haufen Energie, den man in späteren Szenen brauchen wird.

So schön ,Just Do It‘ also klingt, als Schauspieler tut man die meiste Zeit eigentlich gar nichts.

ÜBERWINDUNG

Natürlich ist mir bewusst, dass das Motto des „einfach-tuns“ einen dazu bringen soll, über den eigenen Schatten zu springen. Seine Grenzen zu erforschen und die Dinge nicht immer auf morgen zu verschieben. Und da bin ich auch voll im Einklang.
Als Kreativschaffender übt die ,Just Do It‘-Haltung allerdings auch einen Druck aus. Denn während ich sowieso die Tendenz habe, mir meine Pausen mit eigenen Projekten zu füllen, hämmert mir ,Just Do It‘ in jeder freien Sekunde ein schlechtes Gewissen ein. >>Einfach im Cafe sitzen und Menschen beobachten ist nicht. Du musst was tun, Lenny. Du musst jetzt anfangen.<<
Überhäuft von unendlich vielen Möglichkeiten. Egal was – Hauptsache was tun.

Dabei ist im Cafe sitzen meistens viel hilfreicher als alles andere.

LOSLASSEN

Im Grunde geht es darum, loszulassen. Sich nicht in den Strudel der Geschäftigkeit zu werfen. Auf die Frage ,Was machst du Samstag?‘ ganz entspannt ,Nichts!‘ antworten zu können und dabei nicht zu denken ,Fuck… ich hab kein Leben‘, sondern ,Fuck… hab ich ein Leben!‘

Also sage ich mir immer wieder – just don’t do it. Das wird sich sowieso von alleine lösen. Das wird schon gut gehen. Du hast keinen Bock darauf? Dann lass es. Mach etwas, das dich glücklich macht. Mach andere Menschen glücklich. Aber dreimal im Kreis rennen, nur um am Ende zu sagen, dass du was getan hast, ist Schwachsinn. Energieverschwendung. Und es verschleiert den Blick auf das Leben. Auf die Momente auf die es ankommt. Klar können wir diese Momente mittlerweile mit der Kamera in unserer Hosentasche festhalten. Aber ist das das Gleiche wie wirklich da zu sein?

Einfach nichts tun, Freiraum schaffen und beobachten, hat mich schon durch einige brenzlige Situationen gebracht. Denn wenn ich ehrlich bin, bin ich am besten wenn ich gar nichts tue.

JUST DON’T DO IT

Zeit also für ein neues Motto. Während es für Spielberg und co. noch eine große Herausforderung war, einen Film ,einfach‘ zu drehen, haben wir mittlerweile alles was wir brauchen. Wir müssen nicht das letzte Taschengeld für einen neuen Super8 Film zusammenkratzen. Wir haben Handy, Computer und vor allem das Internet! Für uns besteht die Herausforderung darin, manche Filme einfach nicht zu drehen. Manche Dinge einfach nicht zu tun. Zu warten, zu beobachten. Effizient mit den Mitteln umzugehen, die uns die ,Just-Do-It‘-Generation gegeben hat. Um dann, wenn der Moment kommt, loszulegen.

Denn wenn man zu viel zu tut hat, verpasst man den Moment der das Leben für immer ändern wird…