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Roots

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Freunde: You’ve got a friend

When you’re down and troubled.
And you need some loving care.
And nothing, nothing is going right.
Close your eyes and think of me.
And soon I will be there.
To brighten up even your darkest night.

You just call out my name
And you know wherever I am
I’ll come running to see you again
Winter, spring, summer or fall
All you have to do is call
And I’ll be there
You’ve got a friend

In diesem wunderbaren Song von Carole King geht es um Freundschaft, wie wir sie uns alle vorstellen, wünschen und vielleicht auch erleben. Wir wünschen uns alle, für jemanden da sein zu können, wenn es ihm mal schlecht geht. Oder dass jemand für uns da ist, wenn es mal nicht so läuft. Energie fließt von einem zum anderen. Und hoffentlich auch immer mal wieder in die andere Richtung.

Aber das ist nur eine Aspekt von Freundschaft. Ich glaube, es geht auch immer um die Erweiterung des Horizonts, das gemeinsame Wachsen. Nicht nur, dass man in schlechten Zeiten füreinander da ist, sondern auch in guten Zeiten. Sich in guten Zeiten gegenseitig herausfordert, voranbringt, aneinander wächst.

Freunde fürs Leben

Ich bewundere immer, oder vielleicht besser, ich bestaune – oft auch mit Befremden – dass einige meiner Freunde, oder sollte ich besser sagen Bekannten, noch immer mit ihren Freunden aus der Schule, und nicht etwa denen aus dem Gymnasium, nein mit denen aus der Grundschule oder vielleicht sogar aus dem Kindergarten befreundet sind. Sie haben einfach den Kontakt nie abgebrochen oder einschlafen lassen. Freunde, die auf der Hochzeit, der Einschulung der Kinder, der Silberhochzeit, der Beerdigung der Eltern und mittlerweile auf dem sechzigsten Geburtstag dabei sind.

Count my blessings

Das ist bei mir vollkommen anders. Ich bin sehr dankbar für die vielen tollen Menschen, die mir bisher begegnet sind, mit denen ich großartige Lebensabschnitte teilen konnte. Und viele von diesen Menschen sind oft auch sehr gute, manchmal beste Freunde geworden. Oft eben auch der eine beste Freund, zu dem das Vertrauen größer war, die Haltung zur Welt, die gemeinsamen Interessen und auch die Art sie anzugehen, mehr übereinstimmten. Mit dem das Zusammensein intensiv, ein echtes Bedürfnis, notwendig und erweiternd war. Aber sie haben gewechselt mit jeder neuen Lebensphase, in die ich eingetreten bin. Da Freundschaften meist informell beginnen und – außer bei Blutsbrüderschaften und dem Austauschen von Freundschaftsringen o.ä. – meist ohne zeremoniellen Aufwand geschlossen werden, können sie sich auch so wieder auflösen.

Leben ist ein ständiges Wachsen, ein Überschreiten von Schwellen von Grenzen. Und wenn Freunde an irgendeinem Punkt vielleicht zunächst unmerklich in unterschiedliche Richtungen wachsen, verliert eine Freundschaft an Intensität. Manchmal etwas ruckelig, manchmal ganz organisch. Bis sie sich vielleicht in eine schöne gemeinsame Erinnerung auflöst. Wenn ich dann nach Jahren oder Jahrzehnten einmal wieder einem alten Freund begegne, sind es dann auch meist die Erinnerungen, in denen wir schwelgen, die die alte Nähe und Vertrautheit wieder wach werden lässt. Und ich finde das auch gut so. Was machen Ron, Hermine und Harry jetzt, nachdem sie die Schule beendet haben und der, dessen Namen man nicht sagen soll, besiegt ist?

Frühe Schulzeit

In der Schulzeit, und da geht es schon los, war mein bester Freund gar kein Schulfreund. Er kam aus einer anderen Stadt, was im Ruhrgebiet nichts und doch viel heißt. Und er ging natürlich auf eine andere Schule. Er war meine erste Freundschaft. Wir waren beste Freunde, da waren wir einig. Wir haben Radtouren an die umliegenden Stauseen gemacht, sind jahrelang miteinander gesegelt und haben Ruby Tuesday gesungen. Es war eine sehr ausgeglichene Freundschaft, vielleicht habe ich sogar mehr daraus gezogen als er, weil er mehr durfte, sich mehr getraut hat, er hatte ein Moped, hatte ein Faltboot und Zugang zu Silvesterböllern, mit denen man kleine Modellboote versenken konnte. Er wusste, dass Uhu-Tuben, die damals noch aus Metall waren, explodieren und wie Raketen abgehen, wenn man sie ins Lagerfeuer wirft. Er war Messdiener, ich Fußballer. Und er hat mal aus einer Zigarrenschachtel eine Camera Obscura gebaut. Seitdem weiß ich, wie so ein Ding funktioniert. Er ist Professor für Fotografie geworden. Man kann ihn googeln. Er war etwas älter, war viel früher an Mädchen interessiert als ich und an der Stelle haben wir uns, wie man so sagt, aus den Augen verloren.

Fußball

Hatte ich Freunde beim Fußball? Elf Freunde sollt ihr sein? Nicht wirklich. Wir waren zwar ständig zusammen, haben uns Spielzüge ausgedacht und stundenlang eingeübt, viel gefeiert, aber nichts über den Fußball hinaus miteinander gemacht.

Späte Schulzeit

Aber es gab eine eingeschworene Vierertruppe von Freunden in den letzten paar Jahren der Schulzeit, wir waren alle sehr an der kompletten Umkrempelung der Welt zu ihrem Besseren interessiert, vornehmlich durch Kunst, Literatur und das farbige Markieren zahlreicher Textpassagen in den drei blauen Bänden des Kapitals. Wir wollten alle zusammen in einen Kotten aufs Land ziehen. Noch bevor es die Scherben dann gemacht haben. Haben uns dann aber nach dem Abitur und dem erfolgreichen Umschiffen der Bundeswehr, auf Düsseldorf, Köln, Münster und Kiel verteilt, so wie es die Studienplätze eben wollten. Das war’s. Aus den Augen verloren. Die Welt hat sich auch ohne uns verbessert.

Nach der Schule

Es entstanden neue enge Freundschaften. Es ging immer noch um die Umkrempelung der bestehenden Verhältnisse, jetzt aber auch schon durch Skilaufen, Roadtrips und zunehmenden Konsum von Alkohol. Als ich dann irgendwann vorschlug, uns an den Fabrikbesetzungen zu beteiligen, war ich dann doch der einzige, der mit dem Schlafsack loszog. Kurz darauf habe ich dann erstmals Polizeiknüppel gespürt, während sich die anderen allmählich ums Haus kaufen und einen sicheren Job kümmerten. Wir haben uns aus den Augen verloren.

Kunstakademie

Vielleicht habe ich einen meiner besten Freunde auf der Kunstakademie kennengelernt. Er war Maler, ich Bildhauer, er machte sich über meine ignorante Einstellung zu Farben lustig. Das hat mir imponiert. Wir arbeiteten Tag und Nacht. Mittags betranken wir uns im Ratinger Hof und zeichneten. Es war eine seltsame – ich glaube hier kann man das mal sagen – Seelenverwandtschaft. Ein sich auch im anderen erkennen, ein dem anderen in die Seele und vor allem hinter die Fassade schauen können. Wir haben – das glaube ich heute – beide in dieser Zeit die Traurigkeit im anderen gesehen. Bei ihm kam sogar ein großer Teil Hoffnungslosigkeit dazu, die ihm immer mal wieder einen aufflackernden Anflug von Zynismus bescherte und die er viel mehr noch als ich in Alkohol zu ertränken versuchte, und sie dadurch nur noch größer und realer machte. Dabei hat er den Mut zu unendlicher Sanftheit gehabt, den ich bewunderte und vor dem ich selbst Angst hatte. Obwohl ich deswegen nach außen, glaube ich, stärker wirkte, hat er doch auch irgendwie auf mich aufgepasst, wenn es bei mir ins Selbstzerstörerische ging. Nach einem seiner späteren Besuche in meinem Atelier in Berlin, bei dem ich energisch versuchte, weniger zu trinken und auch ihn davon überzeugen wollte, haben wir uns aus den Augen verloren. Das tut mir heute sehr leid. Als ich mich Jahre später stark genug fand, wieder Kontakt aufzunehmen, fand ich im Netz seine Todesanzeige. He called out my name, I wasn’t there.

Besetzte Häuser

Schon auf dem allerersten Plenum, zu dem ich eingeladen war, um mich der Gruppe der Besetzer vorzustellen, und in dem über meinen Einzug diskutiert und abgestimmt werden sollte, wusste ich, dass ich dort jemand gefunden hatte, der wichtig werden sollte. Nicht etwa, weil er sich, obwohl er mich gar nicht kannte, für meinen Einzug ausgesprochen hat. Es war die Klarheit und Entschiedenheit, mit der er sich gegen Verhandlungen mit der Wohnungsbaugesellschaft stellte. Er wusste, dass die Bewegung dadurch gespalten würde. Und er wusste, mit Verträgen kannst du den RocknRoll vergessen. Und deswegen waren wir doch hier. Es war vor allem die Ruhe und Gelassenheit, mit der er sich mit seiner Haltung gegen die Auffassung der gesamten Gruppe gestellt hat, die mir sehr imponiert hat. Es wurde eine sehr enge Freundschaft. Wir haben beide viel voneinander gelernt. Ich hauptsächlich in Bezug auf Yoga, gesundes Essen, und über das Vertrauen in riskanten Situationen. Nach der Räumung der Häuser ist er dann nach Chiapas gegangen. Ich habe versucht, mit vierzig Leuten in einer Fabriketage zu wohnen. Wir haben uns aus den Augen verloren.

Kunstgeschichte

Während ich mich dann in der Langsamkeit und Ruhe eines Kunsthistorischen Studiums von den Strapazen, Wunden und Nachwirkungen des »Häuserkampfes« erholte, und Katrin und ich vorsichtig unsere Beziehung wie ein kleines Pflänzchen aufzogen, habe ich andere Menschen nur soweit an mich heranlassen können, wie es zum Überleben nötig war. Ich hatte viel zu reflektieren, nachzuholen und aufzuarbeiten. Es war wirklich eine sehr, sehr erholsame Zeit. Der einzige Mensch, mit dem ich sehr selten mal einen Kaffee getrunken habe, war eine etwas ältere Studentin. Sie stand schon kurz vor dem Studienabschluss, sozusagen eine alte Häsin. Sie hat mir einen Job an der Uni besorgt. Wir haben viel über die Kunstgeschichte geredet und im Cafe gesessen. Auch sie hatte eine verletzte Seele und war die einzige, die ich ertragen konnte. Nachdem ich wieder zurück nach Berlin gegangen bin, hat sie noch einmal auf einer Ausstellungseröffnung von Katrin und mir gesprochen. Dann ist sie zu Sothebys gegangen und hat Karriere gemacht. Wir haben uns aus den Augen verloren.

Kinder

Danach kamen Freunde, die ein Netzwerk bildeten. Das Netzwerk, das man braucht, wenn man Kinder hat. Es waren oft sehr pragmatische Beziehungen. Aus den Paaren und Eltern, denen man zwangsläufig in Geburtsvorbereitungs- Krabbel- und Kindergartengruppen und später auf Klassenversammlungen und Elternabenden trifft, hat man sich die ausgesucht, die irgendwie am besten passten. Mit denen man einen einigermaßen aushaltbaren Nachmittag verbringen oder eine pragmatische Reise unternehmen konnte, während die Kinder miteinander spielten. Es waren wunderbare Menschen dabei, aber eine sehr enge Freundschaft hat sich daraus nicht entwickelt.

Neuer Orbit

Jetzt stehe ich, nachdem die Kinder längst ausgezogen sind, wieder vor einer neuen Transformation, vor einer neuen, aufregenden Lebensphase, auf die ich mich sehr freue. Und ich freue mich auch auf die kreativen, spirituellen, wachsenden Menschen, mit denen sich neue fruchtbare Freundschaften entwickeln werden.

Love

Der einzige Mensch, mit dem ich jetzt schon über fünfunddreißig Jahre befreundet bin und mit dem ich sicher bis in alle Ewigkeit befreundet sein werde, ist Katrin. Ohne sie wäre ich nicht halb so viel Mensch, wie ich jetzt sein kann und mit ihr geht das Wachsen immer weiter.

 

 

 

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Italien: Essen wie Gott in Umbrien

Endlich wieder in Italien.

   

Seid ’zig Jahren fahren die Homies immer wieder zur Erholung, zum kreativen Nichtstun, zum Barcamp, auf Workation, zum Rumlungern und natürlich zum Essen nach Italien. Auf Eduardos Landgut in Umbrien. Mittlerweile zu siebent plus Hund. In einem Auto. Yes. And it is fun.

In Mantova erster abendlicher Zwischenstopp für die erste Pizza in Italien. Dann – bevor es auf den Berg geht – Großeinkauf für die ersten Tage, passt noch alles in den überladenen Wagen, sind ja nur noch ein paar Kurven.

  

Traditionell gibt es am ersten Abend, weil es so superleicht zu machen ist, Gnocchi mit Salbeibutter. Diesmal ohne Salbei, da Rosas Salbeistrauch, an dem wir uns immer bedient haben, leider vertrocknet ist. Also dann mit viel Parmesan und Knoblauchbutter. Mindestens genauso lecker – bei der Aussicht.

  

Palatschinken mit Spinat/Ricotta Füllung

Ein fester Bestandteil unserer umbrischen Küche sind die überbackenen Palatschinken mit Spinat/Ricotta Füllung – und die gehen so:

 

Acht Eier mit einem Liter Milch und ungefähr 600 Gramm Mehl verrühren. Dann vieeeeel geschmolzene Butter dazu.

 

Eine kleine Kelle in die heiße, gebutterte Pfanne – und schwenken, damit sich eine hauchdünne Teigschicht auf dem Pfannenboden bildet. Ein paar Minuten — geht wirklich schnell – warten, bis der Teig auf der oberen Seite trocken wird. Er sieht dann stumpf aus. Dann wenden. Entweder mit dem Pfannenheber — oder schleudern, je nach Laune.

    

Dann die Palatschinken beiseite stellen und bewachen. Blattspinat — wir nehmen meist den gefrorenen aus der Kühlung, weil er dann während des Transports vom Supermarkt auf den Berg als Kühlmittel für die anderen empfindlichen Lebensmittel dient — in der gleichen Pfanne andünsten und abschmecken. Danach mit Ricotta vermischen.

    

Die Spinat/Ricottamasse auf die Palatschinken verteilen und einrollen und in eine gebutterte Auflaufform legen.

    

Parmesan darüberhobeln und mit der dicken italienischen Kochsahne bestreichen. Die übriggebliebenen Palatschinken eignen sich sehr gut für einen süßen Nachtisch.

           

In die Röhre, auf den Teller und lecker.

… und die Trüffel

Hier in Umbrien findet man überall die gelben Schilder mitten in der Landschaft, die darauf hinweisen, dass das Sammeln von Trüffeln riservata ist. Also versuchen wir es erst gar nicht.

   

Außerdem ist Chappi nicht wirklich ein ausgebildeter Trüffelhund, der uns an die richtigen Stellen führen könnte. Trüffelhund ist hier ein echter Beruf. Wir kaufen also unsere Trüffel im Dorf. Weil wir in diesem Jahr sehr früh sind, gibt es noch keine frischen Sommertrüffel und wir nehmen die aus dem Glas.

   

Einfach auf die Spaghetti hobeln oder reiben. Ein Genuss. Irgendwo zwischen Nuss und Schinken und Pilzen oder alles zusammen.

Bei so viel gutem Essen kann man sich dann natürlich gleich wieder auf die faule Haut legen.

PS: Das Eis der Weltmeister

Was in Italien natürlich auch nicht fehlen darf ist: Gelato. Wie gesagt, fahren wir seid zwanzig Jahren in den Ort und trotzdem erleben wir immer wieder Überraschungen. Erst vor zwei Jahren haben wir eine unscheinbare Eisdiele auf der Straße zum Bahnhof gefunden, in der es allerdings Eis gibt, das eine ganz neue Liga bespielt. Ist das überhaupt möglich, ja es ist. Und in diesem Jahr haben wir es erst an letzten Tag geschafft, dort mal wieder ein Eis zu essen – und entdeckt. Die sind tatsächlich die Weltmeister!!!

Alessandro Crispini von der Gelateria Crispini in Spoleto hat sich nach dreijährigem Wettbewerb gegen mehr als 1800 Eishersteller aus 19 Ländern durchsetzen und den Titel erringen können. Herzlichen Glückwunsch — an uns, dass wir ihn gefunden haben.

   

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Italien: taste I touch I smell I pray

Italien

Wenn ich an Italien denke, dann steigt mir der Duft der Pinien in die Nase. Ziegenglocken, die hinter der Hecke klingeln, Hundegebell im Morgengrauen, das Knirschen der Steine unter meinen Sandalensohlen auf dem Weg zum starken Cappuccino und einem kühlen Eis. Der dunstig blaue Blick hinter den Bergen, wo Grün langsam zu Himmel wird. Zikadenrauschen in den trockenen Wiesen und der Wind trägt den Duft der Gräser. Es gibt, ein Bein aus der Hängematte, nichts zu tun, außer sich dem sanften Schaukeln hinzugeben und ins endlose Blau hinauf zu blinzeln, dass zwischen den weißen Wolken treibt.

Aus irgendeinem Grund ist Italien für mich ein sinnliches Land. Durch die Zypressen geduckt und vor mir öffnet sich ein empfindsames Spektakel. Hat irgendwo schonmal Zitronencreme so saftig geschmeckt? Irgendwo schon einmal ein Nudelkern so nussig, buttrig, zwischen den Zähnen gesungen? Meine Haut atmet Sonne und entfacht lauter kleine Feuer, in den kühlsten Winkeln meines Körpers.

Die Pupillen ziehen sich zu zusammen, schärfen den Blick für winzigkleine Ameisen, die Nadeln umhertragen, zwischen meinen nackten Füßen. Weiten sich dem Horizont entgegen, fokussieren einen Adler, der langsam auf der Strömung segelt. Eine Fliege sitzt in der Armebeuge und kitzelt bis ins Mark. Alles ist durchdrungen von der Schärfe meiner Sinne und somit durchdrungen von einer körperlichen Sinnhaftigkeit, die in der Nektarinenschale, im Brot, zwischen den kühlen Steinen, und im Rosmarinstrauch sitzt und sich mir in lebhafter Hingabe entgegen schleudert.

The Mind

Avi Grinberg wird in Israel geboren. Schon früh fängt er an sich für Wahrnehmung zu interessieren. Für jede Form von Wahrnehmung. Er verschlingt Bücher, eins nach dem anderen. Versucht, durch Zen Mediation seinen Geist zu schärfen und die Grenzen seiner mentalen Welt zu weiten.

Mit sechzehn besucht er eine Mediationsgruppe, angeleitet von einem japanischen Meister. Der Meister spricht nur Japanisch und Avi versteht nicht. Er begnügt sich damit, zu beobachten, was die andere tun und es ihnen nachzuahmen. Sich hinsetzten, still sein, den Blick an die Wand. Die erste halbe Stunde ist eine stille Geduldsprobe. Nach zwanzig Minuten, die Beine eingeschlafen. Dann steht der Meister auf und die Gruppe läuft eine Weile durch den Raum. Avi mit weichen Knien und kribbelnden Knöcheln.

Der Meister setzt sich wieder hin und das Spiel begann von neuem. Sitzen. Starren. Stumme Qual. Der Rücken schmerzt, die Knie ziepen, die Schultern sind schwer. Noch einmal laufen. Noch einmal sitzen. Und dann nach einem letzten Laufen und letzen Hinsetzten – fopp – ist die Grenze von Avi zu Raum verschwunden. Im Bruchteil einer Sekunde, die Verschmelzung der Welt. Kein hier und kein Da, nur…Sein. Später versucht er es nachzuempfinden, seinen Geist zu schärfen und zu trainieren. Noch einmal…

Poetry in the Body

Aber vergeblich. Eigentlich will Avi Poet werden, aber dann wird er Rettungssanitäter. Und mit einem Mal ist alles wichtig. Jede kleine Bewegung, jeder lichte Atemzug. Menschen sterben. Langsam beginnt sich in Avi eine Erkenntnis zu regen. Er näht Körper, wäscht sie, kleidet sie an. Verbindet, desinfiziert. Aber er versucht, auf Abstand zu bleiben. Sich nicht zu sehr einzumischen. In die Krankheit.

Viel von seiner Zurückhaltung ist Angst. Davor sich in die Schmerzen einzufühlen. Aufmerksam zu sein, für die inneren und äußeren Zusammenhänge, die zu einer Verletzung fühlen. Er sieht auch die Angst in seinen Patienten. Dann fällt ihm auf, dass Dinge besser gehen, Wunden schneller heilen, wenn er sich mit den Patienten auseinandersetzt. Ihnen mehr von seiner Aufmerksamkeit schenkt. Mit einem Mal tritt der Ehrgeiz, seinen Geist zu weiten in den Hintergrund. Heutzutage, ist Poesie für mich im Körper. sagt Avi.

Und so beginnt das Experiment des Sich Annäherns. Er beginnt damit, Menschen bei Schmerzen und Verletzungen zu helfen, in dem er sich mit ihnen beschäftigt. Seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Körper richtet, den er zu behandeln hat. Nicht länger Angst vor den Schmerzen hat. Und findet heraus, dass sie schneller heilen. Besser heilen. Länger gesund sind.

Fix it. Please.

Trotzdem gibt es welche, die zu ihm kommen, sich auf die Liege hieven, die Augen schließen und sich ihm überlassen. Fix it. Please. Er erzielt gute Erfolge, aber viele kommen wieder. Einige reagieren auf die zweite Session nicht so gut wie auf die erste. Als wären sie immun geworden. Die Körper abgelegt, wie eine Autokarosserie in der Werkstatt, der Geist treibt oder zieht sich zurück. Going to my happy place. Avi beobachtet, wie die Aufmerksamkeit seiner Patienten abdriftet, sich von ihrem Körper löst. Er knetet und konzentriert sich, aber mit der Zeit macht sich Unzufriedenheit breit. Er will den Menschen helfen. Er will sie heilen. Aber seinen Blick auf die Lösung des Problems zu richten, reicht nicht aus. Also fängt er an, sie miteinzubeziehen. Heb diese Hand, bieg dieses Bein, drück mal hier, atme mal so. Und  langsam, ganz langsam, sieht er das Leben in die Körper zurückkehren.

Jetzt ist nicht nur Avis Fokus auf den Körper gerichtet, sondern auch die seines Bewohners.
Du bist nichts anderes. All die Energie, die dafür verbraucht wird, sich vor den Schmerzen zu schützen, sich zurückzuziehen, dringt in den Körper zurück und mit einem Mal ist genug da um vollständig zu heilen. Don’t be afraid of pain. Seine Patienten genesen. Und Avi nennt sich ab jetzt Lehrer. Denn heilen, tun die Menschen sich selbst. Er bringt ihnen nur bei, ihre Aufmerksamkeit zurück auf den Körper zu richten in dem sie leben.

Pleasure

Im Schatten der Kirche streife ich die Sandalen ab und fühle die kühlen runden Steine die uneben über die Piazza führen. Hinter mir tönt die Glocke und wirbelt Moleküle auf, die wie Wellen gegen die Innenseiten meiner Haut schlagen. Und darüber hinaus, in die Wärme der Luft schleudern.

Es ist leicht an einen Gott zu glauben, wenn man den Wind im Nacken spürt. Oder an viele Götter. Im Himmel oder in der Erde oder zwischen den Fingerspitzen, im Trommelfell oder im Blut. Es ist leicht, sich der Fülle der Erfahrung hinzugeben, die sich durch den Körper bahnt. Maria späht schräg zum Himmel hinauf, salzige Tränen auf den weichen Wangen. Lebhaftes Geschnatter vor den Bars, Tropfen die von Gläsern rinnen. Der holzige Zahnstocher nach salzigem Foccacia. Das Schlagen deines Herzens. Blut, das durch die Adern pumpt.

Es ist aufregend, sich Gedanken zu machen, tonlose Worte durch die Synapsen zu schieben. Es macht Spaß, in den Himmel zu gucken und sich vorzustellen, dass irgendwo das draußen Leben durch den Äther wirbelt. Es ist faszinierend, die Augen auf die Wand zu richten und sich langsam aus dem Raum gleiten zu sehen. Aber manchmal, wenn die Muskeln glühen und die Wimpern blinzeln und meine Lippen etwas schmecken, dass ich liebe, frage ich mich-

Is there anything more pleasurable than having a body?

 

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Zufall: Spiegelei und andere Einfälle

Allerlei Spiegelei

Manchmal frage ich mich: Wie sind die Menschen darauf gekommen, aus einem Ei ein Spiegelei zu machen? Ich meine, wann ist das passiert? Denn, Freunde, im Internet gibt es keine Antwort darauf. Da heißt es bei Wikipedia nur über Spiegelei:

 Bildung aus dem 18. Jahrhundert, möglicherweise nach dem spiegelnden Glanz der Dotter.

Okay, klar. Meine Frage ist aber: Wer hat das Ei zum ersten Mal in die Pfanne oder wo auch immer hingeschlagen? Wer kam auf diese geniale Idee, die für viele Millionen Menschen ein anständiges Frühstück ausmacht? Das Spiegelei gibt es schon sehr lange, nicht erst seit dem 18. Jahrhundert, wie Bilder mit Spiegeleiern aus dem 16. Jahrhundert zeigen. Also – wie ging das los?

Jäger und Sammler

Klar, ich denke, es war ein Zufall. Essen war ja in frühen Vorzeiten eine sehr einfache Angelegenheit: Da haben wir Beeren gesammelt und Mammuts gejagt. Und da Vögel noch viel älter als Mammuts und Menschen sind, haben wir vielleicht auch Eier „gesammelt“. Also aus Nestern geklaut. Und dann ist im tiefsten Afrika oder sonswo in einer heißen Gegend mal ein Ei auf einen heißen Stein gefallen. Platsch. Und dann kam – denn das Feuer war schon erfunden – eine Idee zur anderen. Was wäre … und dann könnte – und dann: Jep. Ab da war es dann ganz selbstverständlich: So kann man Eier zubereiten. Vielleicht konnten die Menschen damals noch gar nicht sprechen oder sie haben das Spiegel PLATSCH geannnt und das mit dem Spiegel(ei) kam später, als es Spiegel gab, aber so ging es los. Ich bin mir (fast) sicher.

Ich kann noch nicht mal ein …

… Spiegelei braten. Früher war das die kokette Ausrede von Männer, die andeuten sollte, dass sie wirklich noch nie eine Küche betreten haben. Da lächelt man heute vielleicht drüber, aber als Kind fand ich ein Spiegelei zu braten auch ziemlich mysteriös und schwierig. Schon ein Ei am Pfannenrand aufzuschlagen (und wer ist da draufgekommen?) war eine Kunst. Meine Mutter war Feministin, also hat sie mir Kochen nicht beigebracht. Das musste ich mir im Laufe der Zeit von anderen abgucken.  Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war, als eine Austauschschülerin aus Frankreich bei uns wohnte und an einem Tag für unsere Familie … kochen wollte. Wow. Mutig. Meine Mutter verlor fast die Nerven, weil dieses Mädchen (in allem) quälend langsam war und auch für ihre spezielle Mahlzeit sehr, sehr lange brauchte. Dabei war es ein ganz einfaches und ungemein geniales Gericht.

spiegeleiTomaten und Eier a la Austauschschülerin

Zutaten für 2: 2-4 Gemüsetomaten, 2 Knoblauchzehen, 4 Bioeier, etwas Öl, Pfeffer, Salz, Kräuter der Provence oder frischen Oregano oder andere Kräuter.

Zubereitung: Tomaten in dicke Scheiben schneiden, Knoblauch in dünne Scheiben schneiden, mittlere Pfanne, Öl erhitzen, Hälfte der Tomaten nebeneinanderlegen, so dass der Pfannenboden bedeckt ist und mit Hälfte des Knoblauchs anbraten. Eier darüberschlagen, würzen, stocken lassen. Auf Teller tun, warm stellen. Zweite Pfanne genauso machen, servieren. Baguette und Wein dazu. Bäm. Fertig.

Was ich so grandios an diesem Rezept finde, ist, dass man die Zutaten in der Regel im Kühlschrank hat. Also im Sommer mit ziemlicher Sicherheit, und wenn nicht, dann sind sie sehr einfach und schnell zu beschaffen, außerdem ist alles günstig. Nun sind ja Eier ziemlich in Verruf geraten und erinnern wir uns an den Anfang der Sache: Eier klauen. Und dann aus schlechtem Gewissen fallen lassen. Jaaa, jaaa! Das war schon von Anfang an nicht so ganz korrekt.

Rein zufällig im Kühlschrank

Abgesehen von den Eiern – die Sache mit dem einfachen Kochen finde ich faszinierend. Es gab da mal eine Sendung im Fernsehen (dieser flimmernde Kasten, der früher immer in den Wohnzimmern stand), das war vermutlich der Anfang des Reality-TVs und ein Vorgriff auf etwas, was wir heute besser bei YouTube sehen können. Jedenfalls besuchte da ein Spitzenkoch irgendwelche prominenten Schauspieler und sollte in deren Küche mit dem kochen, was er im Kühlschrank vorfand. „Hallo, kommen Sie herein! “  „Gerne. Und dann schauen wir mal … was sie zufällig im Kühlschrank haben!“

Okay, keine Ahnung, ob das so zufällig war. Ganz offensichtlich wurden da viele Dinge plaziert, die erstens den Koch vor eine sehr schwierige Aufgabe stellen sollten und auf der anderen Seite irgendwie cool für den Gastgeber aussahen. Da war eine Schauspielerin, die hatte nur eine Flasche Champagner und ein paar Snacks im Kühlschrank. Sehr sexy. Das kann aber tatsächlich sein, denn wenn Schauspieler viel am Set sind, dann haben sie dort ein Catering. Manche gut beschäftigte Schauspieler hangeln sich so von Set zu Set. Und der Kühlschrank bleibt leer.

Der Koch hat daraufhin (und ich fand, er hat die Zufallsregel schon sehr großzügig ausgelegt), alles genommen, was im Kühlschrank lag und es mit den Sachen, die er sonst noch in der Küche gefunden hat, kombiniert und tatsächlich etwas kreiert, was ihm zufällig gerade eingefallen musste und essbar war. Ja, Jäger und Sammler, wir haben das wohl immer noch in uns.

Improvisiert kreiert

Was mir an dieser Sendung gefiel war, dass Leuten, die eigentlich überhaupt keine Fantasie oder den Nerv zum Kochen haben und logischerweise einen in der Regel sehr spärlich bestückten Kühlschrank, ein Kochwunder gezeigt wurde. „Mönsch, aus dem Zeug, was da im Kühlschrank vor sich hinrottet, kann man ja echt noch was machen!“ Gefällt mir auch, weil wir nicht so viel wegwerfen sollten und lieber hinsehen, was alles da ist. Einfach großartig, wie kreativ dieser Meisterkoch an seine Aufgabe heranging, auch wenn die Ausgangbedingungen äußerst schwierig waren.

Ein Gericht, das vielleicht aus einer ähnlichen „Notlage“ heraus entstanden ist, ist dieses:

Nudeln mit Wodka mit dem-was-zufällig-im-Kühlschrank-war

Zutaten für 4 Personen: Zwei Becher Sahne, 50 Gramm Butter, 2 TL Mehl oder Stärke zum Andicken, Salz, Pfeffer, kleiner Flachmann Wodka, 500 Gramm Spagetti.

Zubereitung: Butter in mittlerer Pfanne zerlassen, Sahne dazu, aufkochen, mit Mehl oder Stärke etwas andicken, Würzen, Wodka vorsichtig und langsam dazugeben, erneut aufkochen, auf kleiner Flamme warmhalten. Spagetti in leicht gesalzenem Wasser al dente kochen. Abgießen, zu der Soße geben, sanft verrühren. Der Alkohol verfliegt beim Kochen, der Wodkageschmack bleibt. Guten Appetit!

Sollte man die Zutaten nicht im Haus haben, kann man zumindest den Wodka auch an der Tankstelle bekommen …

Rezepte – kein Zufall

Ich sagte schon, dass ich als Kind keine Ahnung vom Kochen hatte. Ich hielt die Sache offengestanden für Magie. Wie sonst ließ sich erklären, dass aus staubigen, feuchten und krümeligen Zutaten auf einmal ein Kuchen entstehen konnte? Rezepte waren daher für mich daher Zaubersprüche, die man nur richtig genug befolgen musste, dann passierte – Magic!

Als älteste von vier Kindern habe ich dies auch mit viel Überzeugung meinen beiden Brüdern erklärt, als wir gemeinsam etwas kochen wollten, da unsere Eltern unterwegs waren. Ich war vielleicht acht oder neun, meine Brüder entsprechen 1 bis 3 Jahre jünger. Da wir die Sache nicht unbedingt an die große Glocke hängen wollten, entschieden wir uns für ein Rezept, für das man wenige Zutaten brauchte. Ich fand es in einem alten Dr. Oetker-Kochbuch. Apfel-Reis. Hört sich großartig an, oder? Zutaten: Reis, Wasser, Äpfel. Wir kochten streng nach Rezept, was eigentlich nur bedeutete, den Reis in Wasser zu kochen und die Äpfel reinzuschneiden. Doch es musste ja noch die Magie wirken, denn immerhin mischten wir hier Dinge mit Wasser unter Hitze zusammen!

Nun – sie wirkte nicht. Das Gericht war eine Enttäuschung. Es schmeckte – kein Zufall – nur nach Reis mit zerkochten Äpfeln, die Konsistenz war enttäuchend pampig. Mein Glaube an Rezepte hat damals einen sehr derben Knacks bekommen. Wo war die Magie?

Der magische Kuchen

Ich habe es aber doch noch gefunden, das Rezept, das einfach und magisch ist. Es wurde mir mündlich in einer kleinen Küche in Frankreich überliefert. Ich war zufällig da. Es ist ein Kuchenrezept, wird also gebacken. Bis heute glaube ich an die wundersame Kraft von Backöfen. Was oben auf dem Herd passiert ist mir eher unheimlich, wenn ich schreibe, lasse ich dauernd etwas anbrennen – Backöfen sind da viel gemütlicher und stressfreier, obwohl es hier auch schon Desaster gab, die einen weiteren Blogbeitrag füllen könnten. Zurück zu einem magischen Abend in einer Küche mit drei Französinnen, die mal eben einen Nachtisch für ein sowieso schon üppiges Mahl gezaubert haben, weil es ja ohne nicht perfekt wäre und Kuchen – immer geht.

Magischer Kuchen mit Obst, das zufällig da ist

Zutaten für den Teig: 200 Gramm Mehl, 200 Gramm Butter oder Margarine, ein Schnapssglas Wasser, eine Prise Salz.

Zubereitung: Alles zusammenwerfen, durchkneten, notfalls Mehl dazu, falls es klebt. Eine Springform oder Kuchenform damit auslegen und dann – rauflegen, was gerade zufällig im Obstkorb ist. Bevorzugt: Äpfel oder Birnen, die in feine Scheiben geschnitten und auf den Teig gefächert werden. Darüber etwas Zucker streuen oder Creme Fresh verteilen oder Ahornsirup oder Honig oder geröstete Mandeln. 20 Minuten in den Ofen bis alles schön braun ist. Dazu Kaffee oder Tee und ein französischer Schwarz-Weiß-Film. Voilà.

Vegan, wenn man Margarine statt Butter nimmt. Die Eier fehlen nicht im Teig, denn es ist eher eine zarte dünne Teigschicht, die das Obst trägt.

Zufall und Kreativität

Hätte es nicht irgendwann einmal Menschen gegeben, die beim Kochen ausprobiert und herumexperimentiert hätten, wären niemals neue Gerichte entstanden. Das finde ich großartig, daran sollte man sich viel öfter erinnern, statt das x-te Kochbuch zu kaufen, weil man an eine Magie glaubt, die man in den Rezepten nicht finden wird. Dafür muss man sich selber – dem Zufall überlassen, etwas ausprobieren. Oder fallen lassen.

Ups, I dropped the lemoncake heißt der Nachtisch eines Spitzenkochs, dem ein Missgeschick passierte und der seitdem seinen Zitronenkuchen genauso serviert, wie der aussah, als er ihm vom Teller gerutscht ist: In einem krümeligen Haufen.

Bon appétit!

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Zufall: Gibt’s das?

In diesem Monat beschäftigen die Red Bug Homies sich rein zufällig mit dem Thema Zufall.

Was soll das sein? Ein Zufall?

Ein Ereignis, von dem wir die Ursache nicht kennen?

Weil es keine Ursache gibt?

Das ist eine physikalische Frage. In der Quantenphysik scheint es nämlich so etwas zu geben. Radioaktive Teilchen zerfallen offensichtlich unvorhersehbar. Ließe sich fragen, ob diese Unvorhersehbarkeit nicht immer noch an unseren eingeschränkten Vorhersehbarkeitsmöglichkeiten liegen könnte.

Das wäre aber auch eine philosophische Frage. Kann es Ereignisse geben, die keine Ursache haben? Das wird in der Welt, wie wir sie wahrnehmen, kaum vorkommen. Das kann man dann gerne bis zum Urknall zurückverfolgen oder bis zum lieben Gott, der vielleicht vor aller Zeit, vor dem Urknall schon …

Oder ist vielleicht nur der Urknall zufällig und danach läuft alles folgerichtig ab? Wir sind aufgewachsen mit dieser Vorstellung vom großen Knall und den ersten ultraheißen Millisekunden und der rasend schnellen Ausdehnung des Universums und der rasend schnellen Abkühlung auf immer noch ultraheiße Temperaturen und dann die Entstehung der Materie, der Gaswolken, der Sterne, bis dann irgendwann nach 13 Milliarden und ein paar zerquetschten Jahren ein kleines Säugetier aus dem ostafrikanischen Graben krabbelt und sich in der afrikanischen Savanne aufrichtet, um über das hohe Gras zu schauen. Um ab dann aufrecht zu gehen und sich ein paar Jahrtausende später Gedanken über Zufälle zu machen. Über zufällige Mutationen, die diese ganze Evolution vorangetrieben haben. Oder doch alles vorherbestimmt durch den Knall damals. Und wir haben keinen Einfluss, sondern folgen willenlos einem gnadenlosen Mechanismus?

Da ist man schnell in einer wohlig, gruseligen Gedankenschleife. Denn das widerspricht irgendwie unserer Lebenserfahrung. Wir spüren schon so etwas wie einen Willen in uns. Wir haben schon den Eindruck, Entscheidungen zu treffen, die weder vorherbestimmt noch rein zufällig sind. Auch wenn diese Vorstellung durch die neuen Erkenntnisse über Big Data schon wieder einer heftigen Attacke ausgesetzt ist. Schließlich sind die Big Data längst algorithmisiert und nicht mehr nur Big, sondern eben auch Smart und wissen oft schon, wie wir uns in bestimmten Situationen entscheiden werden, während wir noch glauben darüber nachzudenken. Was wir für welchen Preis kaufen, ob wir klicken oder nicht, wen wir wählen, was wir über bestimmte Dinge denken.

Im echten Leben erleben wir immer wieder Zufälle.

Je näher man an ein Ereignis herantritt und je detaillierter der Blick wird, desto mehr Zufälle sehen wir.

Wenn wir z.B. in unser Ferienhaus nach Italien fahren, ist es kein Zufall, wenn wir dort auch ankommen. Wir haben Vorkehrungen getroffen, sind einer bestimmten Straße gefolgt und haben vielleicht sogar ungefähr die Ankunftszeit vorausgeplant. Die genaue Sekunde der Ankunft werden wir allerdings kaum vorhersagen können.

Nicht vorhersagbar heißt nicht, dass es keine Ursache hat. Es sind nur zu viele und zu komplexe. Wir nehmen es als Zufall. Wir können nicht alle Einzelheiten kennen.

Gehe ich noch näher heran, erscheint alles völlig zufällig. Ob ich ein paar Kilometer hinter einem roten Wagen fahre, oder welche Aufschrift der LKW neben mir hat. Wer im Autogrill vor mir in der Schlange steht, wann ein Schmetterling die Windschutzscheibe trifft, Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen …

Doch das nennen wir im Allgemeinen nicht Zufall. Warum nicht? Weil es uns gar nicht auffällt. Wir würden es auch nicht als Zufall empfinden, wenn der Mensch im Autogrill vor mir, wie ich auch, einen Cappucchino bestellt. Oh welch ein Zufall? Nein. Aber was wäre, wenn er die gleichen Schuhe und das gleiche T-Shirt wie ich trüge, na ja, schon eher: Zufall. Was wäre, wenn plötzlich drei, vier Autos unserer Marke und Farbe hintereinander führen? Zufall!?

Wir empfinden es erst dann als Zufall, wenn zwei Ereignisse zusammenkommen, die uns auffallen, die aber keinem ersichtlichen kausalen Zusammenhang haben  … und für uns auch in keinem offensichtlichen Sinnzusammenhang stehen.

Aber was ist, wenn der Schmetterling gerade die Scheibe hittet, während »When the music’s over« im Autoradio läuft, ? »I wanna hear, I wanna hear the scream of a butterfly«. Grüßt da Jim Morrisson direkt aus dem Jenseits?

Ist das noch Zufall oder schon Synchronizität, wie C.G. Jung es nannte. Ereignisse, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, deren Zusammentreffen von uns aber mit Bedeutung aufgeladen werden.

Obwohl diese Bedeutungen auf den ersten Blick oft plausibel erscheinen, können sie nur intuitiv, nicht logisch, nicht naturwissenschaftlich erkannt werden. Dort gäbe es noch viel zu erforschen. Aber das macht Angst. Angst vor Paranoia und Borderline. Die Gefahr überall, in jedes »zufällige« Ereignis, in jede Zahlenfolge, Bedeutungen, Zeichen, versteckte Informationen hineinzulesen, ist groß.

Zufall, Fügung oder Bestimmung?

Da nennen wir durchaus auch etwas Zufall, von dem wir die Ursache kennen, oder zumindest im Nachhinein weit zurückverfolgen können.

Seien es die Verkettung unglücklicher Ereignisse, die zu Katastrophen führen oder überraschend glückliche Begegnungen.

Wie in dem Beispiel von Aristoteles, in dem ein Pferd aus dem Stall entkommt und damit einer Katastrophe entgeht. Das Pferd ist nicht aus dem Stall entkommen, um der Katastrophe zu entgehen. Erst im Nachhinein erscheint dann ein glücklicher Zufall als schicksalhafte Fügung.

Fast jeder wird, wenn er sie denn findet, der Liebe seines Lebens zufällig begegnen. Irgendwann wird man zufällig aufeinander getroffen sein. Egal, ob man auf zwei verschiedenen Erdteilen oder im gleichen Haus aufgewachsen ist.

Es läßt sich natürlich zurückverfolgen, wie es dazu gekommen ist, dass ich in den 80ern nach Berlin gekommen bin und in ein besetztes Haus gezogen bin. Und es lassen sich dafür auch viele Gründe finden. Vielleicht war sogar einer der Gründe, dass ich gespürt habe, dass sich dort Menschen aufhalten, die ich interessant finde, die etwas neues probieren, die etwas wagen. Und dass die Wahrscheinlichkeit, dort die Liebe meines Lebens zu finden, höher ist als in anderen Umgebungen.

Ihr, von der ich bis dahin gar nicht wußte, dass es sie auf dem Planeten gibt, dann wirklich zu begegnen, das heißt mit ihr zur gleichen Zeit am selben Ort zu sein, war natürlich nicht geplant. War reiner Zufall.

War gar nicht planbar. Jedenfalls mit den Begrenzungen eines menschlichen Bewusstseins. Also muss es Zufall sein. Oder Bestimmung? Ich glaube gern an die Bestimmung und bin sehr dankbar dafür.

Der Zufall und The Flow.

Dankbarkeit, Achtsamkeit und Wertschätzung des Zufalls machen das Leben reicher. Damit uns etwas als Zufall auffällt, müssen wir ihn natürlich wahrnehmen. Und wenn wir ihn dann noch wertschätzen, kann er uns weiterbringen.

Als Bildhauer arbeite ich oft mit Zufällen.

Ich arbeite an einer Figur. In einem zufälligen Papierknick etwa sehe ich die Andeutung eines Knies, oder eine Drehung in der Hüfte. Ich sehe die Bewegung. Ein Grund erst einmal innezuhalten. Was war da gerade passiert? Etwas neues, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Obwohl ich das alles natürlich mit den Augen sehe, habe ich dennoch den Eindruck, dass ich jetzt mehr zuhöre als hinsehe.

Während des Arbeitsprozesses an der Figur ist nichts von vornherein festgelegt. Es gibt keine fertig geschweißte Armatur, die die Größe und Haltung festlegt. Keinen sachgemäßen Aufbau der Form in Ton oder Gips. Keine Vorzeichnungen, kein Modell. Alles ist im Fluß. Im Flow. Es kann alles passieren. Ab jetzt ist es eine spannende Konversation mit dem Material, mit der Figur, mit dem Zufall.

Bei dieser sensiblen fragilen Arbeit, ergeben sich andauernd Zufälle. Etwas fällt herunter, kippt um, löst sich. Und dann immer die Frage, was ergibt sich daraus neues, was soll so bleiben, wo soll etwas geändert werden?

So geht es dann weiter. Sehr vorsichtig, aber auch entschieden. Ich weiß, wenn ich in dem Dialogmodus mit dem Zufall bleibe, wird etwas Großartiges entstehen. No matter what. Ein meditativer Zustand, ein fokussierter Zustand, ein wacher Zustand. Alles ist gewollt und dem Zufall überlassen.

Wie im richtigen Leben.

 

 

Roots

Danke

 Liebe Red Bug Fans,

what a year. Danke.

Wir haben es doch tatsächlich geschafft, jede Woche einen Beitrag zu schreiben und dabei nicht nur euch, sondern oft auch uns selbst gegenseitig mit roots-, rausch-, radio-, ruhe- und royalen Beiträgen überrascht.

Es hat sich herausgestellt, dass dieses fünfzackige Gerüst ziemlich stabil und doch beweglich ist. Ein echter Stern eben.

Wie ihr schon gemerkt habt, macht der Red Bug Home Blog gerade eine klitzekurze Pause. Wir frühjahrsputzen. Und relaunchen dann im April mit neuen Rubriken und Monatsthemen.

Wir sind genauso gespannt wie ihr und hoffen, dass ihr weiter dabei seid.   

All the best

die Redbugx

Roots

Eat like a Yogi

Essen ist ein riesiger Aspekt in meinem Leben („Food is Life“ ist definitiv ein Satz, den man oft von mir hört). Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich zum Geburtstag das Kochbuch „My Yoga Canteen“ geschenkt bekommen habe. Yoga und Essen in einem … was gibt es Besseres? Also wo ist der Zauberplan? Der Shortcut? Sagt mir, was ich essen soll, und ich bin zufrieden. Tja so einfach machen sie es einem natürlich nicht. Aber sie sprechen mit einem liebevollen Augenzwinkern Empfehlungen aus und nicken verständlich, wenn du sie ignorierst. Yoga kann ein sehr nerviger Lehrer sein. Aber halt eben auch der Beste. Was sagen also die Yogis über unsere Ernährung?

Umgebung

A h i m s a

Ahimsa bedeutet Gewaltlosigkeit und ist ein der wichtigsten Gebote im Hinduismus und Buddhismus. Laut Ahimsa darfst du keinem anderen Lebewesen Schaden zufügen. Demnach wird die vegetarische Ernährung als die höchste Ernährung angesehen.

            

Körper

S a t t v a,  R a j a s,  T a m a s

Manche Nahrung gibt dem Körper Prana (die Lebensenergie in unserem Körper) wieder, andere nimmt dem Körper Prana und manche blockiert das Prana in unserem Körper. Diese drei Kategorien sind also wie die Pfeiler der Yogischen Ernährung:

 

 

„Yogische Ernährung heisst, Sattva-Reinheit zu bevorzugen, sich von rajasigen Lebensmitteln im Laufe der Zeit mehr und mehr loszusagen und tamasische ganz zu meiden.“ – My Yoga Canteen

Es geht aber nicht nur darum, was man isst, sondern wie man isst. In Ruhe und Achtsamkeit. Mit völliger Konzentration auf das Essen, mit so wenig Ablenkung wie möglich. Sadhguru sagt dazu, dass Gewohnheit der größte Feind von Bewusstsein ist.

Das heißt, eine Mahlzeit, die bewusst und in Ruhe eingenommen wird, ist Sattva.

Eine Mahlzeit, die hektisch und schnell eingenommen wird ist Rajas.

Und so viel von einer Sache zu essen bis man Bauchschmerzen hat, ist Tamas.

Das heißt, wenn man sich einen Teller Obst und Gemüse reinhaut, im Stehen, vorm Fernseher dann ist das nicht Sattva. Zelebrieren wir das Essen vor sich, vielleicht sogar in einer Gruppe von Menschen, die wir lieben, dann ist das wesentlich gesünder.

             

D u  b i s t,  w a s  d u  i s s t

In der Theorie klingt das alles erstmal sehr einleuchtend. Eine für den Körper richtige Ernährung kann den Körper stärken und sogar heilen. Eine für den Körper schlechte Ernährung schwächt und verlangsamt den Körper und kann ihn Krank machen. Es leuchtet mir auch ein, dass simples Essen, wie Obst und Gemüse oder Nüsse für den Körper leichter zu verdauen ist, als stark verarbeitetes Essen mit vielen Zusatzstoffen. Aber in der Realität ist unsere Ernährung wahnsinnig vorbelastet. Kindheitserinnerungen, Stress, emotionale Abhängigkeit, Zugehörigkeitsgefühl, Gewohnheit. All diese Dinge essen ja quasi mit, wenn wir etwas zu uns nehmen. Als ich mal drei Tage gefastet habe, war der körperliche Aspekt das allerkleinste Problem. Die Isoliertheit von allen Menschen um mich herum, das Emotionale war das Problem. (Hier mein Blogbeitrag dazu).

Geist

A g n i,  O j a s  u n d  A m a

Was hat es den nun mit der Verarbeitung unserer Gefühle und der Verdaung des Essen zu tun?

Man geht davon aus, dass jeder Mensch ein transformierendes Feuer in sich besitzt. Es heißt Agni. Alles was wir essen wird von Agni in Ojas transformiert. Ojas wird benutzt, um den Körper gesund zu halten, stark und rein.

Das geht aber nur, wenn das Essen „rein“ ist. Also Sattva.

Ist das Essen nicht rein, muss Agni mehr arbeiten, um Ojas zu produzieren und es entsteht ein Nebenprodukt namens Ama. Ama ist laut Ayurveda der Hauptgrund für jede Krankheit. Es blockiert Prana und okkupiert den Körper. Es gibt ihm mehr zu arbeiten, als er sollte, so kann er sich nicht darauf konzentrieren gesund zu bleiben.

Ama wird jedoch nicht nur durch schlechte Ernährung produziert. Ungelöste Emotionen aus der Vergangenheit oder emotionale und körperliche Giftstoffe aus der Umwelt sind ebenfalls Gründe für Ama.

Agni kann Ama „verbrennen“. Wenn es jedoch konstant mit für den Körper falsches Essen bombardiert wird, kann es sich erstmal nur darauf konzentrieren und negative Emotionen stapeln sich. Das Feuer wird dadurch immer schwächer.

 M e i n e  B e z i e h u n g  z u m  E s s e n

Wenn ich zurück denke, hatte ich am meisten Probleme mit dem Essen, wenn es mir emotional schlecht ging. Kurz bevor ich die Schule abgebrochen habe zum Beispiel. Im Nachhinein kein Wunder, da mein Agni Feuer definitiv überfordert gewesen sein muss.

Ich hatte sicherlich schon Phasen,  wo ich meinen Komfort im Essen gesucht habe. Ich hatte nie eine Essstörung und es war nie dramatisch. Aber ja, essen macht mich glücklich. Wenn ich gestresst bin esse ich viel und schnell. Es soll ja auch die Menschen geben, die nichts essen, wenn sie gestresst sind. Nope not me. Ich esse, wenn es mir gemütlich ist, und wenn ich traurig bin. Und ich neige definitiv dazu, mich mit Essen zu belohnen. An sich ja erstmal alles nicht verwerflich, aber es kann eben auch ganz schnell umschlagen in sich mit Essen bestrafen.

          

D i e  Y o g i s c h e  E r n ä h r u n g

Yoga bedeutet Einheit. Eins sein mit dem Universum und allem um dich herum.

Nimm Dankbarkeit und Achtsamkeit und Liebe als Grundlage für Alles. Eben auch dein Essen. Lerne dann dich selbst und deinen Körper kennen und schaue dann, dass du möglichst reine und vollwertige Nahrung zu dir nimmst.

Beobachte wie du dich nach dem Essen fühlst. Fühlst du dich energetisch und frisch, ausgeruht und zufrieden. Fühlst du dich schlapp und hast Bauchweh? Wie fühlst du dich am nächsten Tag? Wie hast du in der nacht geschlafen. Lerne deinen Körper kennen. Experimentiere mit Essen.

Und am allerwichtigsten sei dankbar für das Essen. Sei dankbar für jeden Menschen, der dazu beigetragen hat, dass das Essen in diesem Moment vor dir steht. Vom Bauern, über den Lastwagenfahrer, dem Kassierer an der Kasse, dem Koch oder Kellner, hinzu dir selber, weil du es dir gekauft und liebevoll zubereitet hast. Esse in Ruhe und achtsam. Mach dich nicht verrückt, daüber was du isst. Versuche die Nahrung als Medizin anzusehen und höre darauf was dein Körper braucht. Hattest du einen stressigen oder emotional aufwühlenden Tag? Versuche deinem Körper leicht verdauliche Dinge zu geben, um es ihm nicht noch schwerer zu machen. Hast du das Gefühl, dass du gerade dann ein Stück Schokolade brauchst? Dann iss die Schokolade und sei dankbar für deine Instinkte. Esse aus dem Bauch heraus und passe deine Ernährung an deine momentane Lebenssituation an. Fühlst du dich träge und musst Ballast loswerden? Esse eher Sonnen und Bodennahrungsmittel wie z.b Salat, Beeren, Obst. Ist das Leben super-rasant und musst du dich dadurch erden? Esse Kartoffeln und Beete um dich zu rooten. Sie nicht zu streng mit dir, fülle jede Mahlzeit mit Liebe.

Wie immer gibt es keine einfach, simple, „esse-nur-dies-und-du-wirst-glücklich“- Lösung. Das Leben ist ein Lernprozess und wir müssen ihm unsere Aufmerksamkeit schenken. Sich Fehler verzeihen und liebevoll weitergehen. In der Meditation wandern wir auch immer von der Umgebung, in den Körper, in den Geist. Nimm jede Mahlzeit als Chance für eine kleine Meditation.

„Do not make food into a Religion. It is not. It is a Choice.“  – Sadhguru

 

Vielen Dank an Krissi und Nik für das tolle Geschenk!

Hier ist „My Yoga Canteen“ von Marlo Scheder-Bieschin – ich kann es nur Empfehlen!

Hier sind ein paar Videos zu dem Thema die ich mir angeschaut habe:

Healthy Food and a Proper Diet — How Does One Decide?

The Science of Yoga (Part 4 – Diet)

 

Nomadenland
Roots

Potsdam #5 Nomadenland

Nomadenland

Das mag ich an Potsam einfach. Diese Mischung aus Hippie-Alternativ-Kultur und royalem Auftritt. Die Spannbreite, obwohl sie auf den ersten Blick überhaupt nicht auffällt. Da fahren wir letztens mit dem Hund in die Felder und auf dem Rückweg durch den Volkspark Potsdam (ehemals BUGA) und dann stehen da drei Jurten in der letzten Abendsonne. Wir haben es entdeckt: das Nomadenland.

Zwei Schilder. Auf dem ersten werden Veranstaltungen angekündigt (Märchenstunde, Theater, Lesung) auf dem zweiten gibt es Getränke. Der Kombination von Capuccino und Kultur konnten wir noch nie widerstehen, also absteigen, mal sehen, was das hier ist.

Kultur to go

Auch so eine Sache, die ich an Potsdam mag. Die Bandbreite der alternativen Kulturorte und Veranstaltungen. In einer der drei Jurten wird geprobt, morgen ist Vorstellung. Also mal reingehen, sehen, was da passiert.

Drinnen treffe ich eine Bekannte. Noriko Seki, eine Choreografin und Tänzerin, unsere Töchter waren in der gleichen Klasse, so ist das hier in Potsdam. Sie hat am nächsten Tag Aufführung, davor im T-Werk in Potsdam und jetzt muss ein Soundcheck gemacht werden. Zwei Stühle, ein Hocker, das ist die Bühne. Den meisten Platz braucht der Musiker, sagt sie.

Wir fragen uns nach unseren Töchtern aus, life is good.

Ich staune, wie groß die Jurte im Innern ist. Und wie schön. Gemütlich.

Fast möchte man einziehen. Zumindest für eine Nacht und – das geht. Die Jurten werden vermietet, in der Nachbarjurte übernachtete eine Truppe Kinder, es wird Kindergeburtstag gefeiert. Man muss aber kein Kind sein, um hier zu übernachten. Nur mal so.

Leben in der Jurte

Ich zelte nicht gerne, früher hätte ich „hassen“ gesagt, aber die Jurte …  Da wird man an eine Vor-zeit erinnert, so haben wir Menschen mal angefangen, oder uns zumindest durchgeschlagen, und irgendwo auf der Erde wohnen Menschen immer noch so. Finde ich gut. Da mir ein Medium gesagt hat, dass ich in meinem früheren Leben eine Indianer-Schamanin war, nehme ich das mal als vertraut hin. Kann auch am Bier liegen und der Sonne, aber gerade ist das Leben – perfekt.

Less is more

Potsdam hat ein Talent im Improvisieren, der Tisch ist ein überdimensionales Brett und irgendwie sind alle Sitzgelegenheiten – etwas anders. Das macht den Charme aus und eigentlich kenne ich das eher aus Berlin. Potsdam wird also cool.

Da steht ein Grill, daher entscheiden wir uns für Bier, natürlich alles Bio, wir nehmen Potsdamer Stange und der Tag neigt sich golden seinem Ende zu. Ja, ich wollte noch arbeiten, aber carpe diem ist gerade mein Leitspruch geworden, also – relax. Und wiedermal einen guten Ort entdeckt.

 

Roots

Hard working people

Back to the roots.

Als Mensch, der seine Semesterferien des öfteren an den Stahlöfen im Ruhrgebiet verbracht hat, bin ich immer wieder von flüssigem Metall fasziniert. Hier mal ein paar Eindrücke vom Guss meiner lebensgroßen Skulptur »Adam« in der Kunstgießerei Flierl.

    

Letzte Korrekturen am Modell, bevor es abgeformt wird. Dann letzte Retuschen am Wachs, bevor er einschamottiert wird.

  

Der Schamott wird angesetzt, die fertigen Schamottformen stehen bereit.

    

Der Ofen ist voll angeheizt, Rico wirft noch einen Bronzebarren nach.

     

Die Pfanne mit dem flüssigen Bronze wird aus dem Ofen gehoben.

  

Die Schlacke, die auf der Bronze schwimmt wird abgehoben und nochmal Temperatur gemessen.

Jetzt kann es losgehen. Nicht schlabbern und schön gleichmäßig gießen.

  

Millimeterarbeit bis auf den letzten Tropfen. Der Gießer, der Sammler und der Künstler freuen sich.

Dank an Peter Jaworskyj für die tollen Fotos.

Don't hurt yourself.
Roots

Don’t hurt yourself.

What have we done to our fair sister
oder:
Will this whole shithouse go down in flames

Unser neues Abendritual: Naturdokus. Es macht solchen Spaß,mit dem Schnuckerteller auf den Knien unter einem Haufen von Decken hervorzulugen und sich die Welt erklären zu lassen. Aktuell: Südseedokus. Faszinierend, wie ausgeklügelt das alles funktioniert! Alles reagiert, entwickelt sich mit und umeinander… 

Leider kommt eine Art meist mehr schlecht als recht dabei weg, und das sind wir. Die letzte Dokumentation hab ich die Hälfte der Zeit zwischen den Fingern hervor geblinzelt; es ging um die Bedrohung des Pazifiks… Schlagartig fühlte ich mich zurückgesetzt in meine Grundschulzeit, als ich zum ersten Mal einen Aufklärungsfilm über die Überfischung der Meere gesehen habe.

Wir haben damals oft Ausflüge in ein kleines Kino gemacht, das extra für uns Dokumentationsfilme vorführte. Diese Ausflüge und eine Kassette  mit Kinderliedern aus den 70ern, mit Hitsongs wie „Das Ozonloch gibt es doch“, stürzten mich in eine Phase tiefer Unsicherheit und dem quälenden Gefühl von Hilflosigkeit. Ich schwor mir, nie wieder Nagellack zu benutzen und auch keinen Fisch zu essen. Ob es die Tatsache war, dass ich das Ozonloch nirgends am Himmel erblicken konnte wenn ich besorgt hinauf spähte, oder meine persönliche Entwicklung mich vom Leid der Welt ablenkte, weiß ich nicht. Jedenfalls ließ meine Verzweiflung nach.

Bis zu der Dokumentation neulich! 99% des Haibestandes ist bereits ausgerottet? Was? Innerhalb von vier Jahren wird es keinen Thunfisch mehr geben? Was? Wenn weiterhin soviel Co2 vom Pazifik aufgenommen wird, übersäuert das Wasser und das erste Glied der Nahrungskette, Plankton kann nicht länger existieren? Was?!

Und wer ist schuld daran? Na toll.

Immer mehr Menschen leben vegan, sind sich sicher, dass nichts den Menschen berechtigt in die Natur einzugreifen, sie auszunutzen. Heute morgen beäugten wir unser Frühstück und fragten uns: welchen Platz nehmen wir in der Nahrungskette ein? Gibt es einen Platz für uns und haben wir ihn irgendwann verlassen? Wann soll das gewesen sein?

Wo zwischen dem täglichen Kampf ums überleben und dem täglichen Gang zum Supermarkt gehören wir hin?

Ich denke ein Sache, die die letzte Zeit mit sich gebracht hat, ist die schleichende Erkenntnis: wir sind nicht getrennt. Wir sind nicht getrennt von der Luft, die uns umgibt. Winzigkleine Atome. Auf der kleinsten Ebene sind wir einfach nur wabernde Wolken aus Zeug. Und alles kann in uns hinein und durch uns hindurch sausen. Wir sind nicht getrennt vom anderen. Lange bevor ich die Wärme deiner Haut spüre, kann ich dich schon auf dem Bildschirm sehen. Wir sind nicht getrennt von Mother Nature. Wie Beyoncé so schön sagt. When you hurt me, you hurt yourself.

Don’t hurt yourself.

Vielleicht lohnt es sich einen anderen Blickwinkel auf uns einzunehmen. Wir sind Ausschlachter und Egoisten. Wir sind Raubtiere, Missgönner und Wegnehmer. Wir sind arschkalte Soziopathen. Been there. Done that.

Aber sind wir auch Masochisten?

Irgendwo hab ich mal gehört, dass Raucher nicht rauchen, obwohl sie wissen, dass es gesundheitsschädlich ist, sonder weil sie wissen dass es gesundheitsschädlich ist. Als eine Form von Selbstbestrafung. Selbstbelohnung, Selbstbestrafung. Irgendwie aneinander gekoppelt in unserer modernen Welt.

(Ich saß neulich neben einer sehr netten Frau am Buffett und wurde Zeuge einer systematischen Selbstverunsicherung. „Oh, die Tiramisu ist ausgezeichnet. Ouu, ich sollte das nicht essen. Ahh, heute mach ich mal ne Ausnahme. Hhhhh, das wird sich alles rächen…“ Es war schmerzhaft anzusehen. In meinem Hirn trudelten Floskeln und Scherze, Ermutigungen und Verwerfungen hin und her, während mir langsam der Schweiß ausbrach. Das Ganze hatte alttestamentarische Ausmaße.)

Und so steht man am Strand, kickt blinzelnd eine alte Shampooflasche hin und her und fragt sich, wie die da hingekommen ist.

 Cut the crap

Gib es zu. Du hast Mist gebaut. Und jetzt schämst du dich in Mutters Schoß zurückzukehren. Und dir anzuhören, dass jeder Mal Fehler macht. Diese verdammte stoische Liebe, mit der uns der Planet bedenkt, ist aber auch schwer auszuhalten.

Was wäre, wenn der Weg zur Versöhnung nicht der Kreuzweg ist, den wir gerne daraus machen; Das stolze Haupt gebeugt, die Knie blutig aufgeschürft: „Ach, ach, ich hoffe alle Mikropartikel aus meinem Facial haben noch nicht das ganze Plankton gekillt.“

Was wäre wenn der Weg zur Versöhnung, der Weg zu sich selbst wäre.
Vielleicht, wenn wir aufhören würden uns zu schämen. Und anfangen würden uns zu lieben, huhuu könnte die ganze Sache einen guten Turn nehmen.

 .

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