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Freunde: Interview mit Lenny

Filmfreundschaften, Seinfeld und eine unerwartete Jake-Gyllenhaal-Appreciation-Party. Ich habe mich mit Lenny über Freunde unterhalten.

Isabel: Was ist deine Lieblingsart, neue Freunde kennenzulernen?

Lenny: Ich mag’s eigentlich, am Set Leute kennenzulernen. Das kann aber relativ schnell auch nur beruflich bleiben. Viele von meinen Freunden hab ich übers Eck kennengelernt. Wir machen oft Filmprojekte zusammen, aber es ist nie durch einen Dreh ins echte Leben gekommen, sondern immer eher andersherum passiert. Das finde ich immer nett, wenn man Leute kennenlernt, weil einer jemanden mitbringt. Und dann merkt man ja auch immer relativ schnell, ob man gut zusammen klar kommt oder nicht.

Was würdest du sagen, ist für dich das Anzeichen, dass Potential für eine gute Freundschaft da ist?

In Gesprächen, wenn man merkt, man unterhält sich, ohne immer wieder neu ansetzen zu müssen oder immer wieder die Fäden zu verlieren. Wenn es einfach relativ automatisch von einem Gespräch ins nächste geht. Und man sich so immer weiter entwickelt. Das, finde ich, ist immer ein gutes Anzeichen.

Gibt es noch andere Sachen, die dir in einer Freundschaft wichtig sind?

Ich würde sagen, es ist auf jeden Fall wichtig, dass man Spaß hat. Das Humor dabei ist.
Man kann sich total intellektuell über Dinge auseinandersetzen, aber das bleibt teilweise auch sehr distanziert. Wenn man was hat, worüber man lachen kann, ist es sofort persönlicher.

Ich hab immer das Gefühl, wenn es zwei Situationen gibt, die unabhängig voneinander sind, in denen man sich kennenlernt, dann ist das gut. Das spricht wahrscheinlich auch erstmal gegen die „Filmfreundschaften“. Weil das ja, mehr oder weniger, eine einzige Situation ist, in der man sich kennenlernt. Das ist dann ein Kosmos, in dem man sich total gut versteht, aber man ist ja nie ausgebrochen. Denn je öfter man in verschiedenen Situationen mit Menschen zusammen ist, desto besser oder fester kann eine Freundschaft werden.

Stimmt, vor allem ist es ja am Set oft so, dass man total viele Situationen miteinander hat, aber eigentlich alle von derselben Art. Und dann ist es komisch, dass man sich sehr gut kennt, aber eben nur unter einem bestimmten Blickpunkt. Wenn man dagegen sehr schnell viele unterschiedliche Situationen miteinander erlebt, lernt man sich dadurch ganz anders kennen.

Ja, wenn man sagt, man trifft sich mal abends auf ner Party, man geht mal frühstücken, man geht mal ins Kino, man macht so verschiedene Sachen, dann glaube ich, kommt man schneller an den Punkt, wo man sich wirklich gut versteht und auch merkt, dass die Beziehung, die man hat, unabhängig ist von dem, was man zusammen tut.

Gibt es trotzdem etwas, dass du besonders gern mit Freunden machst?

Ich rede gern mit Leuten. Das macht mir eigentlich am meisten Spaß. Und ich gucke sehr gerne Filme. Das heißt, ich gehe mit Freunden immer sehr gerne ins Kino, wenn das damit verbunden ist, dass man sich davor oder danach, im besten Fall beides, lange unterhält.

Das ist bei einem Film ganz cool: man hat schonmal einen Start. Man kann anfangen, sich über den Film zu unterhalten und wenn’s gut läuft, unterhält man sich vielleicht gar nicht über den Film, weil man einfach nur die Thematiken aufgreift und über die diskutiert, anstatt jetzt penibel irgendwelche Szenen zu analysieren. Das mache ich am liebsten. Egal in welcher Konstellation, zusammenzusitzen, und sich zu unterhalten.

Ist ja auch ein cooler Mix, weil man hat ein Erlebnis zusammen, ein Film ist ja im Grunde ein Erlebnis, und dann hat man nochmal die Möglichkeit, darüber zu reflektieren.

Ich glaube, es ist schon irgendwann wichtig, dass man Dinge zusammen tut. Irgendetwas gemeinsam unternimmt. Und das hat in unseren Fall, in meinem Fall, eigentlich immer irgendwas mit Film zu tun.

Aber man muss sich schon was ausdenken.  Früher als Kind hat man einfach egal was zusammen gemacht. Das fällt immer auf, wenn man sich Spielplätze anguckt, wo nichts ist und die Kinder finden trotzdem irgendwas, das sie spielen können.

Da ist man heute irgendwie ein bisschen eingeschränkter. Wobei, in unserem Fall eben das Filmemachen spielen ist. Da fängt man dann auch an, Dinge zu basteln und sich zu verkleiden und sonst was. Bloß dass das dann am Ende noch gefilmt wird, was eigentlich umso lustiger ist.

Stimmt, eigentlich sind da alle guten Spielaktivitäten verbunden. Und man kann von einer zu anderen nahtlos übergehen. So wie es ja bei Kindern auch ist, man hat ja meistens irgendein Spiel, das man spielt, so wie Mutter-Vater-Kind, und dafür sind dann ganz viele kleine Sachen wichtig, die man erstmal kreieren muss.

Absolut. Und als Kind spielt man halt Post oder sowas und man möchte eigentlich so richtig tief eintauchen, aber es gibt gar nicht so viel, was man noch machen kann, außer Stempel auf nen Papier drücken. Und da geht es  natürlich beim Filmemachen schon darum,  die Welt richtig aufgeladen und lebendig  zu machen.

Welche Eigenschaften interessieren dich besonders an Menschen?

Ich finde cool, wenn Leute einfach offen sind. Das ist für mich eigentlich die beste Eigenschaft. Es gibt natürlich viele Gründe für Verschlossenheit, wenn Leute zum Beispiel schüchtern sind. Oder arrogant. Aber wenn man so eine gute Prise von Naivität hat, bei der man sagt, „Erstmal gucken, wie es so ist“ und nicht schon voreingenommen ist, finde ich das angenehm.

Und wenn jemand bereit ist, die nächsten Schritte zu gehen. Wenn man sagt, man schreibt demjenigen jetzt einfach oder man fragt, „Hey wollen wir was zusammen machen“, anstatt das nicht zu machen, weil man lieber in seiner Komfortzone bleiben möchte.

Klar ein bisschen Mut ist ja schon dabei, erstmal offen zu sein für neue Erfahrungen, aber man muss eben auch mutig genug sein, den nächsten Schritt zu gehen und das Risiko einzugehen, dass es vielleicht nichts wird, obwohl man dachte, man könnte sich nicht nur oberflächlich gut verstehen.

Absolut.

Ich finde eine große Stärke von dir ist wirklich, dass du dir total gute Gemeinschaftsaktionen ausdenken kannst, so wie in Italien, als du die Idee mit Zombiecide hattest. Was würdest du außerdem sagen, sind deine größten Stärken als guter Freund?

Ich hab immer so das Gefühl, das Wichtigste ist für mich, das es eine Gruppendynamik gibt.
Dass der Grund, warum man zusammen ist, in jeder Konstellation, am meisten unterstützt wird.

Und dann versuche ich eigentlich immer, also auch unbewusst, die Position einzunehmen, die dem am besten hilft. Das ist dann manchmal eine Position, die so wirkt, als wäre man voll der Egozentriker, weil man so wirkt wie der Leader, aber das gibt dann der Gruppe die beste Dynamik. Und in anderen Fällen, hält man sich einfach zurück und guckt, dass im Hintergrund alles gut läuft und dass, wenn es jemandem mal nicht so gut geht, derjenige wieder integriert wird. So, dass am ehesten erstmal das Gruppenwohl im Vordergrund steht.

Gibt es jemanden, mit dem du gerne befreundet wärst?

Oh gute Frage. Also ich bin echt happy mit meinen Freunden. Eben auch weil ich verschiedene Freunde habe, die aber auch alle offen sind, und die man miteinander verweben kann. Und die gleichzeitig alle verschiedene Qualitäten haben.

Ansonsten denke ich, grundsätzlich, ist wahrscheinlich der beste Mensch, der auf diesem Planeten existiert, Jake Gyllenhaal. Mit dem wäre ich schon gerne befreundet. (Lacht.)

Warum?

Ich finde, er ist unglaublich offen und offenherzig.
Nahezu naiv, wenn man ihn in Situationen sieht, wo er sich beömmelt, wie ein Kind.
Und gleichzeitig hab ich das Gefühl, dass man sich mit ihm auch unglaublich gut einfach zu zweit hinsetzen und anständige Gespräche führen kann. Weil er davor keine Angst hat.

Ich hab das Gefühl, da spielt vielleicht Selbstbewusstsein auch eine große Rolle. Weil man das Gefühl hat, er kann den anderen total gut wahrnehmen und Kontakt zum anderen aufbauen. Und sich gut öffnen. Oft ist es ja so, dass keine richtige Verbindung zum andern entsteht, wenn man selber so in seinem eigenen Space ist und denkt, „Hnn das ist jetzt so und das kommt jetzt so.“

Ich glaub, er kann auch was. Und das ist lustig, weil man eigentlich natürlich denken müsste, das könnte jeder Schauspieler oder sollte jedenfalls jeder Schauspieler können. Das sehe ich bei ihm ganz besonders.

Dass er sich immer dem Purpose der Sache anpassen kann. Das heißt dann eben, wenn er in einem ernsthaften David Fincher Film mitspielt, dann schafft er es, dem gerecht zu werden. Und wenn er in einer Talkshow ist, mit Jimmy Fallon oder sonst wem, dann schafft er es, sich auf diese Situation einzulassen. Er ordnet sich, im guten Sinne, immer der Gesamtsituation unter. Und bereichert sie damit total. Das finde ich immer sehr cool.

Gibt es einen fiktionalen Freund, bei dem du sagst, das ist ein richtig guter Freund?

Ich finde es interessant, wenn Freundschaften selbstverständlich sind. Gut, das ist jetzt ein gefährliches Beispiel, aber ich finde, jemand wie Kramer ist ein angenehmer Freund. Natürlich ist es total dreist, wenn er einfach so in die Tür reinkommt, obwohl er gar nicht eingeladen ist. Aber was man halt nicht missverstehen darf, ist, dass das ein Commitment von seiner Seite aus ist, sich zu öffnen. Und das finde ich irgendwie angenehm; wenn es eigentlich außerhalb der Diskussion steht, ob man füreinander da ist.
Und dass man gerne was zusammen macht.

Wie gehst du damit um, wenn in einer Freundschaft Konflikte auftreten?

Ich finde wichtig, ehrlich drüber zu reden. Vor allem, weil ein Konflikt sich im Kopf immer krass aufbauscht, wenn man die Sache nicht anspricht. Das kann ja auch sein, das man es scherzhaft erwähnt und dann steht es erstmal im Raum. Das ist vielleicht nicht die geschickteste Variante, aber immerhin. Oder dass man es offiziell anspricht.

Hauptsache, man sagt etwas. Sonst trägt man es ewig mit sich rum und es wird immer größer im Kopf. Und auf einmal ist jede Kleinigkeit, die der andere macht, nervig oder ein „Riesenfehler“. Wobei der ja auch nur sein Ding macht. Ehrlich drüber reden. Klar, das Schlimmste, was passieren kann, ist natürlich, dass die Freundschaft auseinander bricht. Aber gleichzeitig, wenn das Problem größer ist, als die Freundschaft, dann sollte man sich vielleicht eher dem Problem widmen, als der Freundschaft.

Ich glaub man muss sich irgendwie offen machen. Dann kann man natürlich verletzt werden. Und wenn der Vibe nicht stimmt, kann einen das ganz schön runterziehen. Aber der Reward, den man kriegt,  wenn es gut läuft, ist einfach auf jeden Fall lohnenswert.

Danke Lenny!

Royal: The Crown
Royal

Royal: The Crown

Die Krone in Netflix’ „The Crown“ steht nicht nur für den prunkvollen Kopfschmuck, der Elisabeth, 25 Jahre alt, auf dem Kopf platziert wird. Sie steht für eine Institution. Und für die junge Königin für eine Lebenshaltung. Frisch gekrönt, repräsentiert sie, als Hauptdarstellerin der royalen Show, all das, was die Krone ausmacht. Für Elisabeth bedeutet das, dass sie sich an eine neues Leben gewöhnen muss. Ein Leben im Rampenlicht zwischen Entscheidungen und Zeremonien.

„The people look to the monarchy for something bigger than themselves.“

Was im grellen Scheinwerferlicht nicht ins Bild einer Monarchin passt, muss verborgen oder gänzlich aus aus ihrem Leben getilgt werden. Es beginnt ein Prozess des Reinemachens, in dem die ungezügelte Lebensart des Ehemanns, die ausufernden Trotztiraden der Schwester und diverse unzuverlässige Staatsmänner unter die Lupe genommen und korrigiert werden müssen.

Bei Tageslicht muss die königliche Familie den Erwartungen einer royalen Einrichtung entsprechen, bei Mondlicht wandern die Schatten durchs Haus. Hinter der Fassade brodelt es.

Um sie herum arrangieren sich ihre Mitmenschen mal mehr mal weniger glücklich mit den Erwartungen, die an sie gestellt werden. Schnell wird klar: Nicht jeder ist dafür gemacht, ein „royales“ Leben zu führen. Perlen und Juwelen, raschelnde Seide und kühler Marmor helfen nicht weiter, wenn zwischen den Prunk eine Person geklemmt ist, die sich nicht ausdrücken kann. Nicht authentisch lieben, leben und lernen kann. Wenn kein Raum für Fehler ist und keine Freiheit zum Experimentieren, welken neben Elisabeth selbst die glamourösesten Persönlichkeiten.

Sie hingegen versucht, herauszufinden, wo zwischen all den Regalien Platz für eine Privatperson ist.
Und  muss beginnen ein Bild zu formen, von der Königin, die sie sein will. Die Entschiedenheit und Hingabe mit der Elisabeth sich dieser Transformation widmet, ist bemerkenswert und wird zum Kernstück der Auseinandersetzung mit sich selbst und ihrer Umwelt. Kann ein Mensch zu einem Symbol werden? Wie viel Persönlichkeit verträgt ein Idol?

Mit stoischer Robustheit unterzieht sie sich den Feuerproben einer frischgekrönten Herrscherin. Jede Herausforderung macht sie stärker. Resoluter.

„Yes I am Queen. Bit I am also a woman. And a wife.“

Natürlich ist Elisabeth’ Position ebenso eigenartig wie einzigartig. Dennoch erkennt man in ihren majestätischen Bemühungen, den Eindruck von Effizienz und Transzendenz aufrecht zu erhalten, auch unsere eigene Art in die Welt  hinauszutreten. Auf Biegen und Brechen zu versuchen, elegant und professionell zu wirken, während sich hinter den panischen Augen das Chaos weitet. Als gäbe es eine Sphäre, in der die Absurditäten und Ungereimtheiten unserer Erfahrung keinen Platz finden. Das öffentliche Leben.

Kaum überschreiten wir die Schwelle unserer heimlichen Existenz, geben wir uns Mühe, das Bild zu erfüllen, dass man von uns zeichnet. Schattenhüpfen und Pantomime bis hinter die nächste Litfasssäule, dann weiter bis zum Backstand und nach anständigem Geplauder hinter den sicheren Schreibtisch. Dort kann man das Leben ordnen. Flitschgummies hierhin, Büroklammern dorthin. Nur das Prickeln im Nacken erinnert uns daran, beobachtet zu werden.

„Who we are is not what we wear or what glitters. It’s the spirit that defines us.“

Das Leben seit Elisabeth Thronbesteigung ist freier geworden. Wir dürfen wählen, was wir sein wollen, wer wir sein wollen, wie wir sein wollen.

Doch wie viel von den unsichtbaren Anforderungen an einen anständigen Menschen haben wir hinter uns gelassen? Was trauen wir uns nicht zu zeigen? Von was sind wir überzeugt, könnte sich unser Ruf nicht erholen? Was repräsentieren wir, wenn wir das Haus verlassen?

Elisabeth’ Ringen um Fassung und Vermögen erinnert uns daran, ab und an den Mantel abzuschmeißen und barfuss durch das Gras zu walzen. Bis zum Hals in Ungereimtheiten zu baden, Löcher in die Luft zu starren, nicht der zu sein, für den man uns hält. Das Floß vom Ufer abzustoßen und eine Weile lang zu treiben. Zu hinterfragen, wo wir uns klein machen, verstecken und verbiegen und mit Respekt und Hingabe dem Leben Stück für Stück seinen goldenen Glanz wiederzugeben. Komplett mit Schatten. 

Freiheit Pizza
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Freiheit: Pizza

Meine Lieblingsart zu Kochen ist…gar nicht zu kochen. Sondern zu backen. Irgendwas an der Idee, etwas in den Ofen zu schieben und während man „kocht“, Zeit für etwas anderes zu haben, begeistert mich. Und der Klassiker unter leckeren und einfachen Dingen, die man in den Backofen schieben kann ist..natürlich. Pizza.

Ich liebe Pizza. Und am meisten liebe ich selbstgemachte Pizza. Weil jeder seine eigene Art hat, sie zu machen. Manche mögen den Teig weich und fluffig, andere knusprig, die eine mag ihre Pizza am liebsten einfach, die andere belegt sie mit allem, was ihr in die Finger kommt. Eigentlich ist eine Pizza wie ein leere Leinwand, die jeden zu einem anderen essbaren Kunstwerk inspiriert.

Außerdem ist sie einfach zuzubereiten, dass heißt man kann nebenbei Musik hören, ein Glas Wein trinken, tanzen und sich unterhalten. Und sobald sie bäckt, hat man diese Special Zeit, eine halbe Stunde mit der man anfangen kann, was man will. Und aus irgendeinem Grund, fühlt sich diese halbe Stunde für mich wie absolute Freiheit an. Eine Nicht-Zeit, ein geheimer Moment, eine Zeitentdeckung. Ein Zwischenmoment. 

freiheit pizza

Gerade wenn man sich abends zum Kochen trifft, finde ich es schön, wenn es viel Raum zum Zusammensitzen und sich Austauschen gibt. 

Mein superschneller Pizzateig geht so:

250 g Mehl (ich nehme meisten Dinkelvollkorn, was super funktioniert)
1 halben Würfel Frischhefe
137 ml lauwarmes Wasser (ich weiß seltsame Zahl, dabei kann man sich auch gut auf sein Gefühl verlassen, ist der Teig zu feucht, noch etwas Mehl, ist er zu trocken, einen Schluck Wasser)
1 Prise Salz
2 Esslöffel Olivenöl (oder ein großzügiger Schluck, wenn kein Löffel zur Hand ist, die Finger klebrig sind oder du deiner Intuition vertraust)

Das Mehl in eine große Schüssel häufen und in der Mitte eine kleine Kuhle machen. Die Hefe hinein bröseln. Die Prise Salz hinzugeben und dann langsam ein bisschen Wasser auf die Hefe gießen und sie mit einer Gabel verrühren, bis eine schaumige Paste entsteht. Dann vom Rand der Kuhle ein bisschen mehr Mehl einrühren und so nach und nach einen klebrigen Teig machen. Jetzt gebe ich meist das Olivenöl dazu. Wenn du den Eindruck hast, dass der Teig zu feucht zum Kneten ist, gib einfach noch ein bisschen Mehl dazu. Solange, bis du mit den Händen eine weiche Kugel formen kannst. Die knetest du jetzt ungefähr acht Minuten, während du, je nach Bedarf, ein bisschen Mehl oder Wasser hinzugeben kannst. Der Teig wird luftig, elastisch. Wenn du rund 8 Minuten leidenschaftlich geknetet hast, kannst du den Teig ausrollen.

freiheit pizza

Aus der oben genannten Menge kannst du ein Blech Pizza machen, oder auch zwei superknusprige runde Pizzen, oder natürlich ganz viele kleine. Whatever you like. Wir machen meist zwei annähernd runde (insgeheim damit jeder seine eigene Pizza hat).

Lukas macht die Tomatensoße. Sein Rezept geht so:

250 ml passierte Tomaten
2 Zehen Knoblauch
Olivenöl
Wein oder Balsamico-Essig
Kräuter

Knoblauch schälen und schneiden. Das Olivenöl in einem Topf erhitzen und den Knoblauch anbraten. Tomaten dazu. Mit Salz würzen und mit einem Schuss Wein oder Balsamico-Essig abschmecken. Wer mag kann natürlich auch noch Kräuter hinzufügen. Die Soße auf den ausgerollten Teig gießen und gut verteilen. Lukas mag keinen trockenen Rand, deswegen zieht bei uns die Soße dicht ans Ufer. Weil wir so gut wie immer vegan essen, kommt auf unsere Pizza meist kein Käse. Ich liebe Paprika Pizza, weil sie lecker süß und frisch ist. Dazu belege ich die Pizza dicht mit mitteldünn geschnittenen Paprikastreifen.

freiheit pizza

Lukas steht auf Gemüsepizza, dazu bereitet er Gemüse seiner Wahl, zum Beispiel Aubergine, Brokkoli und Pilze vor und belegt seine Pizza damit. Auch wenn es sich im ersten Moment seltsam anhört; Brokkoli auf Pizza schmeckt fantastisch! Gerade wenn man ihn roh drauf legt, behält er beim Backen seinen Biss und wird trotzdem gar.

Dann kommt das Ganze in den Ofen (bei 220 bis 250 Grad) und man hat Zeit, eine Filmauswahl zu treffen, sich zu unterhalten und/oder eine Runde Rainbow-Shithead zu spielen. Bei uns bleibt die Pizza solange im Ofen, bis der Teig knusprig und das Gemüse gar ist. Ungefähr eine halbe Stunde oder…acht Runden Shithead. Und dann…wird gegessen! 

freiheit pizza

Was ist dein Go-To-Freiheits-Gericht?

Roots

Italien: taste I touch I smell I pray

Italien

Wenn ich an Italien denke, dann steigt mir der Duft der Pinien in die Nase. Ziegenglocken, die hinter der Hecke klingeln, Hundegebell im Morgengrauen, das Knirschen der Steine unter meinen Sandalensohlen auf dem Weg zum starken Cappuccino und einem kühlen Eis. Der dunstig blaue Blick hinter den Bergen, wo Grün langsam zu Himmel wird. Zikadenrauschen in den trockenen Wiesen und der Wind trägt den Duft der Gräser. Es gibt, ein Bein aus der Hängematte, nichts zu tun, außer sich dem sanften Schaukeln hinzugeben und ins endlose Blau hinauf zu blinzeln, dass zwischen den weißen Wolken treibt.

Aus irgendeinem Grund ist Italien für mich ein sinnliches Land. Durch die Zypressen geduckt und vor mir öffnet sich ein empfindsames Spektakel. Hat irgendwo schonmal Zitronencreme so saftig geschmeckt? Irgendwo schon einmal ein Nudelkern so nussig, buttrig, zwischen den Zähnen gesungen? Meine Haut atmet Sonne und entfacht lauter kleine Feuer, in den kühlsten Winkeln meines Körpers.

Die Pupillen ziehen sich zu zusammen, schärfen den Blick für winzigkleine Ameisen, die Nadeln umhertragen, zwischen meinen nackten Füßen. Weiten sich dem Horizont entgegen, fokussieren einen Adler, der langsam auf der Strömung segelt. Eine Fliege sitzt in der Armebeuge und kitzelt bis ins Mark. Alles ist durchdrungen von der Schärfe meiner Sinne und somit durchdrungen von einer körperlichen Sinnhaftigkeit, die in der Nektarinenschale, im Brot, zwischen den kühlen Steinen, und im Rosmarinstrauch sitzt und sich mir in lebhafter Hingabe entgegen schleudert.

The Mind

Avi Grinberg wird in Israel geboren. Schon früh fängt er an sich für Wahrnehmung zu interessieren. Für jede Form von Wahrnehmung. Er verschlingt Bücher, eins nach dem anderen. Versucht, durch Zen Mediation seinen Geist zu schärfen und die Grenzen seiner mentalen Welt zu weiten.

Mit sechzehn besucht er eine Mediationsgruppe, angeleitet von einem japanischen Meister. Der Meister spricht nur Japanisch und Avi versteht nicht. Er begnügt sich damit, zu beobachten, was die andere tun und es ihnen nachzuahmen. Sich hinsetzten, still sein, den Blick an die Wand. Die erste halbe Stunde ist eine stille Geduldsprobe. Nach zwanzig Minuten, die Beine eingeschlafen. Dann steht der Meister auf und die Gruppe läuft eine Weile durch den Raum. Avi mit weichen Knien und kribbelnden Knöcheln.

Der Meister setzt sich wieder hin und das Spiel begann von neuem. Sitzen. Starren. Stumme Qual. Der Rücken schmerzt, die Knie ziepen, die Schultern sind schwer. Noch einmal laufen. Noch einmal sitzen. Und dann nach einem letzten Laufen und letzen Hinsetzten – fopp – ist die Grenze von Avi zu Raum verschwunden. Im Bruchteil einer Sekunde, die Verschmelzung der Welt. Kein hier und kein Da, nur…Sein. Später versucht er es nachzuempfinden, seinen Geist zu schärfen und zu trainieren. Noch einmal…

Poetry in the Body

Aber vergeblich. Eigentlich will Avi Poet werden, aber dann wird er Rettungssanitäter. Und mit einem Mal ist alles wichtig. Jede kleine Bewegung, jeder lichte Atemzug. Menschen sterben. Langsam beginnt sich in Avi eine Erkenntnis zu regen. Er näht Körper, wäscht sie, kleidet sie an. Verbindet, desinfiziert. Aber er versucht, auf Abstand zu bleiben. Sich nicht zu sehr einzumischen. In die Krankheit.

Viel von seiner Zurückhaltung ist Angst. Davor sich in die Schmerzen einzufühlen. Aufmerksam zu sein, für die inneren und äußeren Zusammenhänge, die zu einer Verletzung fühlen. Er sieht auch die Angst in seinen Patienten. Dann fällt ihm auf, dass Dinge besser gehen, Wunden schneller heilen, wenn er sich mit den Patienten auseinandersetzt. Ihnen mehr von seiner Aufmerksamkeit schenkt. Mit einem Mal tritt der Ehrgeiz, seinen Geist zu weiten in den Hintergrund. Heutzutage, ist Poesie für mich im Körper. sagt Avi.

Und so beginnt das Experiment des Sich Annäherns. Er beginnt damit, Menschen bei Schmerzen und Verletzungen zu helfen, in dem er sich mit ihnen beschäftigt. Seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Körper richtet, den er zu behandeln hat. Nicht länger Angst vor den Schmerzen hat. Und findet heraus, dass sie schneller heilen. Besser heilen. Länger gesund sind.

Fix it. Please.

Trotzdem gibt es welche, die zu ihm kommen, sich auf die Liege hieven, die Augen schließen und sich ihm überlassen. Fix it. Please. Er erzielt gute Erfolge, aber viele kommen wieder. Einige reagieren auf die zweite Session nicht so gut wie auf die erste. Als wären sie immun geworden. Die Körper abgelegt, wie eine Autokarosserie in der Werkstatt, der Geist treibt oder zieht sich zurück. Going to my happy place. Avi beobachtet, wie die Aufmerksamkeit seiner Patienten abdriftet, sich von ihrem Körper löst. Er knetet und konzentriert sich, aber mit der Zeit macht sich Unzufriedenheit breit. Er will den Menschen helfen. Er will sie heilen. Aber seinen Blick auf die Lösung des Problems zu richten, reicht nicht aus. Also fängt er an, sie miteinzubeziehen. Heb diese Hand, bieg dieses Bein, drück mal hier, atme mal so. Und  langsam, ganz langsam, sieht er das Leben in die Körper zurückkehren.

Jetzt ist nicht nur Avis Fokus auf den Körper gerichtet, sondern auch die seines Bewohners.
Du bist nichts anderes. All die Energie, die dafür verbraucht wird, sich vor den Schmerzen zu schützen, sich zurückzuziehen, dringt in den Körper zurück und mit einem Mal ist genug da um vollständig zu heilen. Don’t be afraid of pain. Seine Patienten genesen. Und Avi nennt sich ab jetzt Lehrer. Denn heilen, tun die Menschen sich selbst. Er bringt ihnen nur bei, ihre Aufmerksamkeit zurück auf den Körper zu richten in dem sie leben.

Pleasure

Im Schatten der Kirche streife ich die Sandalen ab und fühle die kühlen runden Steine die uneben über die Piazza führen. Hinter mir tönt die Glocke und wirbelt Moleküle auf, die wie Wellen gegen die Innenseiten meiner Haut schlagen. Und darüber hinaus, in die Wärme der Luft schleudern.

Es ist leicht an einen Gott zu glauben, wenn man den Wind im Nacken spürt. Oder an viele Götter. Im Himmel oder in der Erde oder zwischen den Fingerspitzen, im Trommelfell oder im Blut. Es ist leicht, sich der Fülle der Erfahrung hinzugeben, die sich durch den Körper bahnt. Maria späht schräg zum Himmel hinauf, salzige Tränen auf den weichen Wangen. Lebhaftes Geschnatter vor den Bars, Tropfen die von Gläsern rinnen. Der holzige Zahnstocher nach salzigem Foccacia. Das Schlagen deines Herzens. Blut, das durch die Adern pumpt.

Es ist aufregend, sich Gedanken zu machen, tonlose Worte durch die Synapsen zu schieben. Es macht Spaß, in den Himmel zu gucken und sich vorzustellen, dass irgendwo das draußen Leben durch den Äther wirbelt. Es ist faszinierend, die Augen auf die Wand zu richten und sich langsam aus dem Raum gleiten zu sehen. Aber manchmal, wenn die Muskeln glühen und die Wimpern blinzeln und meine Lippen etwas schmecken, dass ich liebe, frage ich mich-

Is there anything more pleasurable than having a body?

 

Zufall: Interview mit Lukas Horn
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Zufall: Interview mit Lukas Horn

Lukas ist Schriftgestalter, Buchstabenvirtuose und Letteringliebhaber. Vielleicht hast du seine funky Fonts bereits auf dem ein oder anderen Red Bug Books Cover gesehen. Oder auf einem Buchumschlag in unserer Adventsaktion. Oder du kennst die handmade Font aus Lenny, Ambers und Lukas Sweetwoods Kurzfilm „Rechenzentrum“. In jedem Fall lohnt es sich, mit Lukas in die Welt der Buchstaben einzutauchen. Seine Arbeiten sind dynamisch, lebensfroh, und immer mit Liebe gemacht.

Außer wunderschönen Letterings und Filmtiteln, macht Lukas sich viele Gedanken. Besonders gern über Schrift und die Menschen, die sie machen. Mit „fragenziehen“ hat Lukas hat ein Interviewformat entwickelt, das mit dem Zufall spielt.

 

Was ist „fragenziehen“?

Fragenziehen ist meine Interviewreihe. Das Besondere ist, dass ich anstelle vorgefertigter Fragen nur einen Kartenstapel mit Wörtern habe. Vom Kartendeck zieht die Interviewte dann einzelne Begriffe, wie zB. ‚Liebe’, ‚Wut’ oder ‚Verantwortung’. Die Begriffe stehen in Beziehung zu einem, von mir festgelegten, Wort. Bei mir ist es ‚Schrift’. Daraus ergeben sich Pärchen, also ‚Schrift & Liebe’, ‚Schrift & Wut’ oder ‚Schrift & Verantwortung’. Die Interviewte sagt dann intuitiv, was ihr zu der Kombination einfällt.

Das Tolle daran ist der Zufall. Die Menschen ziehen ihre Karten selbst, sind quasi ‚selbst dafür verantwortlich‘ welche Wörter sie bekommen und ich habe auch keine Ahnung, was es für Karten sein werden, die gezogen werden. Es gibt immer wieder spannende Antworten. Und es ist schön zu sehen, wie emotional die Interviewten auf die einzelnen Wörter reagieren. Es gibt Begriffe, bei denen Geistesblitze herabregnen, es gibt hochinteressante persönliche Stories und es gibt auch Tabuthemen. Aber welche Wörter was auslösen, weiß ich nie. Das ist das Schöne.

Und was ich nicht einberechnet hatte – ein super Nebeneffekt – war, dass es meinen InterviewpartnerInnen total Spaß gemacht hat, die Karten zu ziehen. „Ach komm, eine nehm ich noch …“, „Ok, ich ziehe nochmal …“

Wie ist dir die Idee zu „fragenziehen“ gekommen?

Die TYPO Berlin stellt jedes Jahr ein Editorial Team zusammen, dass die Messe begleitet.
Meine Aufgabe war, ein bis zwei Blogbeiträge für den Blog der TYPO zu schreiben. Das Format war egal.
Mir war wichtig, dass es Spaß macht, dass ich eine kleine Feldstudie betreiben und vor allem, dass ich mit tollen Menschen reden kann (die Schriftszene ist überschaubar, aber es gibt einen Haufen Menschen, die sich leidenschaftlich ihrer Arbeit widmen – egal ob Lettering, Kalligrafie, Typografie, Type Design, Type Engineering usw.).

Ich hatte lustigerweise ein Kartendeck geschenkt bekommen. Die Vorderseiten der Karten waren weiß, ich denke für Zaubertricks. Es lag die ganze Zeit rum und ich wollte immer etwas Cooles damit machen. Als ich meine Interviewidee entwickelte, kamen mir wieder die Karten in die Hand. Es war das perfekte Medium für meine Idee. Manchmal passiert sowas einfach. Das nehme ich dann dankend als Geschenk an.

Was gefällt dir an der Idee besonders?

Wie schon gesagt, der Zufallsmoment ist das Schönste. Es ist für mich als Interviewer spannend, genauso für die InterviewpartnerInnen. Und ich denke, das merkt man auch als LeserIn der Interviews. Und es ist eine sehr kompakte Idee. Kleine Dinge, große Wirkung.

Was macht für dich ein gutes Interview aus?

Es muss ein Moment geteilt werden. Es gibt Menschen, die sich komplett auf die Situation einlassen und das spürt man. Das ist manchmal sogar wichtiger als das, was dann konkret gesagt wird.

Wen würdest du gerne einmal interviewen?

Erik Spiekermann. Auf der einen Seite ist er zu einer Ikone in der Design- & Typeszene geworden. Fast heilig für die einen. Er sticht heraus. Auf der anderen Seite ist er umstritten, weil er sich der Werbung hingegeben hat. Es gibt hitzige Diskussionen über ein paar seiner Projekte (Stichworte: FF Meta vs. Polo, Transit vs. Frutiger). Zum Teil zu Recht. Aber ich finde, er ist ein großartiger Typograf, Schriftgestalter und Kommunikationstalent. Jedes mal, wenn ich ihn sehe, muss ich an eine Zeit in Deutschland denken, in der die Werbung quasi neu erfunden wurde.

Und Funfact: in den 23 Fragenziehen-Interviews, die ich bis jetzt geführt habe, wurde sein Name am häufigsten erwähnt (Platz zwei: Luc(as) de Groot – mein Schriftprofessor & einer der wichtigsten lebenden Schriftgestalter, Platz drei: Bram de Does – war ein virtuoser und weit geschätzter Schriftgestalter aus den Niederlanden). Das zeigt, wie präsent sein Schaffen auch heute noch ist, obwohl er seine großen Coups eher vor Jahrzehnten geschmiedet hat.

Schrift und Zufall?

Ich glaube, Zufall ist die treibende Kraft, vielleicht das Lebenselixier der Schrift. Schrift kann sich nur durch Zufall weiterentwickeln. Durch neue Technologien, die plötzlich da sind und ausprobiert werden wollen, Experimente. Ungewöhnliche Formen, die beim Buchstabenentwurf entstehen, weil du mit dem Stift abgerutscht bist. Oder, dass eine Schrift genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort benutzt wird. Es geht in der Schrift scheinbar viel um Regeln und Know-how, aber eigentlich ist es immer wieder ein Stück neuer Kontinent, der aufgedeckt wird.

Danke, Lukas!

Wenn du mehr über das Malen von schönen Buchstaben wissen willst – Jeden vierten Donnerstag bloggt Lukas auf RED BUG CULTURE über Lettering. 

Special Edition Cover zu LOVING von Katrin Bongard.

Radio

Rise & Shine: Little Miss Sunshine

‘If there’s one thing in this world I hate, it’s losers. I despise them.’
Dieses Statement von Arnold Schwarzenegger in einer Rede vor Schülern, gab Michael Arndt zu denken. Und inspirierte ihn. In nur drei Tagen schrieb er die erste Version von Little Miss Sunshine.

Little Miss Sunshine und damit die Gewinnerin eines Beauty Pageants für Kinder zu werden, ist Olives größter Traum. Sie trainiert mit ihrem Opa an ihrer Tanzperformance, sieht sich Fernsehübertragungen von Schönheitscontests an. Ihre gesamte Aufmerksamkeit gilt ihrem Ziel.

 

Olive ist nicht wie andere Kinder. Oder zumindest fühlt sie sich nicht so. Sie ist ein bisschen quirky, mit einem kleinen Bäuchlein und einer großen Brille im sommersprossigen Gesicht.
Ihre Familie ist einig in ihrer Uneinigkeit.

Ihr Vater gibt sein bestes ein guter Geschäftsmann zu sein, er hält Vorträge über Erfolg und ein selbsterdachtes System, dass jedermann dorthin führen soll. Er schätzt Olives Ambitionen, auch wenn er nicht viel Aufmerksamkeit für etwas anderes als sein unablässiges Scheitern beim Vertrieb seiner Erfolgsmethode hat.

Opa kokst heimlich auf dem Klo, Ihr Bruder hat ein Schweigegelübde abgelegt, das gelten soll, bis er sich seinen Traum erfüllt hat, ein Pilot zu werden. Ansonsten liest er Nietzsche, macht Klimmzüge im Türrahmen und kritzelt genervte Kommentare auf einen kleinen Block.

Nach seiner Entlassung aus einer psychiatrischen Anstalt, lebt nun auch Olives Onkel bei ihnen, ein leidenschaftlicher Proust Kenner, der versucht hat sich umzubringen, nachdem sein Lebenspartner ihn für einen anderen Proust Experten verlassen hat. Und dann ist da noch Olives Mutter, die versucht alles zusammenzuhalten.

Als ein Mädchen im Little Miss Sunshine Contest ausfällt, rückt Olive nach. Da ist ihre Chance, den Wettbewerb zu gewinnen. Aber dafür muss sie nach Kalifornien. Und mit ihr die Familie.

Departure

In der Astrologie symbolisiert die Sonne unser Ego, unsere Identität. All das worauf wir stolz sind, was wir nach außen tragen, bewusst sehen und erkennen können. Sonnenschein ist das Scheinwerferlicht im Kosmos, das Spotlight unserer Stärken und Ambitionen. Deshalb ist es umso passender, dass der Contest an dem Olive teilnehmen will, Little Miss Sunshine heißt. Eine Little Miss Sunshine, das ist ein sonniges kleines Mädchen auf das man stolz sein kann.

Obwohl Arndt ursprünglich geplant hatte, sein erstes Drehbuch selbst zu verfilmen, mit einem Camcorder wenn nötig, schickt er das Script an zwei Produzenten. Schließlich kauft ein Produzent das Drehbuch.

„I figured I’d probably write 50 scripts in my life. Out of those 50, I figured maybe five would be produced, and that maybe one or two would be successful. So I always kind of expected I’d write at least one successful film in my life.“ (Wikipedia)

Das dieser Erfolg bereits mit seinem ersten Drehbuch kommt, hätte Arndt nicht gedacht.
Er hat sein erstes Script verkauft und das Regieteam Valerie Faris und Jonathan Dayton sind begeistert. Focus Features nimmt Little Miss Sunshine unter ihre Fittiche.

Olive und ihre Familie sind On the Road, und, wie zu erwarten, kommt es zu Spannungen.

 

Und Michael Arndt wird gefeuert.

Initiation

Die Idee, Little Miss Sunhine um Richards Charakter kreisen zu lassen, bedeutet für ihn eine zu große Änderung der Originalidee. Und jetzt sieht er sich mit der Möglichkeit konfrontiert, das sein erstes Drehbuch, ohne sein Zutun, völlig verändert wird.

Ambitionen, Ziele, Verwirklichung sind ein natürlicher Ausdruck jeder Persönlichkeit. Aber die Sonne ist nicht der einzige Stern in unserem Universum. Noch nicht einmal in unserem Horoskop. Dort tummeln sich Planeten und Konstellationen, die alle ein Mitspracherecht an unserem Potential haben. Der reflektierende Mond, der unser Unterbewusstsein symbolisiert, das dumpfe dunkle Ziehen. Ebbe und Flut.

Nachdem die Familie diverse Herausforderungen mehr oder minder gemeistert hat, kommen sie entkräftet im Motel an, um dort die Nacht zu verbringen. Richard und Sheryl streiten.

Olive beichtet Opa;

„I don’t want to be a loser.“

In typischer Opa fashion baut er sie wieder auf und erklärt ihr:

GRANDPA
Whoa, whoa, back up a second. You can’t lose. You know why? Because a real loser isn’t someone who doesn’t win. A real loser is someone who’s so afraid of not winning they don’t even try. That’s not you! You’re in the contest! You’re gonna dance! So even if you win, or you don’t win, you’ve already won! See? You-see-you- see-you-see?
(Little Miss Sunshine)

Auch Michael Arndt bekommt eine zweite Chance, sein Drehbuch zu verwirklichen. Innerhalb von einem Monat wird er zurückgebeten und kann sich durchsetzen. Jetzt ist wieder alles möglich. Seit zwei Jahren läuft die Vorprodukten und endlich sieht es so aus, als könnte Little Miss Sunshine bald gedreht werden.

Die Sonne

In Liebesliedern wird die geliebte zur Sonne, um die sch alles dreht. Die helle Aufmerksamkeit des Liebenden zu wärmenden Strahlen. Die Sonne bringt Wärme, bring Fruchtbarkeit, sie bringt alles zum Leuchten. Wir spähen zur ihr hinauf, recken ihr unsere Finger entgegen und sehen wie die Strahlen helle Keile durch Hände treibt, wie das Fleisch rot zu leuchten beginnt. Wir fühlen ihre Wärme und blinzeln in ihr Licht. Wollen sein, wie sie. Hell, erhaben, lebensspendend.

Olives Familie befindet sich auf der Zielgeraden. Halbversöhnt wollen sie am nächsten Morgen aufbrechen, um die letzten Kilometer zum Little Miss Sunshine Contest zurückzulegen. Doch Opa wacht nicht auf.

Und Focus Features beschließt, Little Miss Sunshine fallen zu lassen.

 

Für Olives Familie beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Schnell wird klar; Opa hätte gewollt, dass Olive antritt. Also müssen sie kämpfen. In einem kaputten Bus und nach einigem Hin und Her mit Opas Leiche im Kofferraum über den Highway düsen um rechtzeitig zum zu Ziel kommen. Jetzt heißt es alles oder nichts.

Marc Turtletaub, der Produzent, der Little Miss Sunshine von Arndt kaufte, setzt sich für den Film ein und zahlt, nicht nur für die Rechte an Little Miss Sunshine, sondern auch für den Dreh. Es kann losgehen.


Rise and Shine

To Rise and Shine, das meint, seine individuellen Stärken zum Vorschein zu bringen, die Herausforderung annehmen, man selbst zu sein und seine persönliche Strahlkraft zum Leuchten zu bringen. Das das nicht immer eine einfache Aufgabe ist, erzählt Little Miss Sunshine. Was tun, wenn die Welt einem suggeriert, dass man keinen Platz im Sonnensystem hat? Wie leuchten, wenn einem die Lichter ausgehen?

Als Olives Bruder herausfindet, dass er eine Rot Grün Schwache hat und somit für die Pilotenausbildung ungeeignet ist, bricht für ihn eine Welt zusammen. Das war seine Chance, seine Idee um wortwörtlich aufzusteigen und zu leuchten. Fernab von der nörgelnden Familie, hoch oben in den Wolken zu segeln, nur die gleißende Sonne über sich. Und jetzt sitzt er immer noch hier unten in der sengenden Mittagshitze und hat seinen Traum verloren, sich loszusagen.

Return

Der Film ist gedreht, doch noch lange nicht fertig. Nur sechs Wochen vor der Premiere von Little Miss Sunshine ändert Arndt das Ende des Films und es wird nachgedreht. Vier Tage vor der Veröffentlichung sind die letzten Überarbeitungen abgeschlossen und der Film bereit für Sundance.

Die Sonne zu sein. Das ist eine große Verantwortung und, als Mensch eine ungeheure Bürde. Denn, ob wir es anerkennen oder nicht, wir sind gemacht um gemeinsam zu sein. Und die Sonne in ihrer einsamen Bahn, zieht ihre Kreise allein. Inmitten aller Planten ist sie doch die einzige Sonne in unserem System.

Individualität bedeutet eben auch; allein zu sein. Allein in seiner Einzigartigkeit. In seiner Einsamkeit gesehen und anerkannt zu werden, heißt nicht länger isoliert zu sein. Und Olive sieht ihren Bruder, umarmt ihn, während er im Sand sitzt. Wie so oft, sind es die dunkelsten Momente, in denen Menschen sich nah genug aneinander heranwagen um zu sagen, ich sehe dich. Du bist nicht allein.

Als Olive die Bühne betritt, geht es nicht länger darum sich zu beweisen, obwohl sie das tut. Es geht nicht länger darum, das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein, obwohl sie das ist. Es geht darum zu kommunizieren. In ihrer kleine Ansprache widmet sie die Tanznummer Opa. Es geht darum dazu zugehören. Und in all dem Trubel eines Schönheitswettbewerbs wird Olive und ihrer Familie klar, was sie die ganze Zeit übersehen haben. Sie gehören zu jemandem. Sie gehören zu Olive. Und Olive gehört zu ihnen. Mit einem Mal platzt die Blase der Einsamkeit, die jeden einzelnen von ihnen umgeben hat. Und Olive zu unterstützen wird zu ihrer Einsicht, wir sind nicht allein. 

Little Miss Sunshine wird ein Publikumshit.

Michael Arndt schreibt die Drehbücher für Toy Story 3, The Hunger Games: Catching Fire und Star Wars: The Force Awakens. 


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Einsame Spitze. Joan Didion
Ruhe

Einsame Spitze. Joan Didion.

Einsame Spitze. Joan Didion.

Wenn du ein Künstler bist, egal welcher Art, dann ist es wahrscheinlich, dass du groß sein möchtest. Die Art von Größe, die einen mit quietschenden Sohlen im Museum umdrehen lässt, leise zurück tappen, hhhnn ein echter….und dann eine Weile lang lippenkauend vor deiner Arbeit stehen und sich ganz schmälern fühlen, zusammengedrängt unter dem Blick deiner gewaltigen Leistung, deines künstlerischen Ausdrucks. Und wenn man nachher beim Wein in der Kneipe sitzt und Pistazien knackt, dann redet man rotwangig von deiner Kunst. Haareraufend, augenfunkelnd, händeringend. Welche Größe. Oh, welche Größe.

Paare verlieben sich vor deinen Bildern, so stark ist ihre Anziehungskraft, man tanzt cheek to cheek zu deinen Songs, wiegt sich im Takt deiner Worte, nach zwanzig Jahren Ehe. Du bist der Ausdruck deines Metiers, die Definitions deines Genres. Du bist der Größte von allen.

Joan Didion ist, mit großer Wahrscheinlichkeit eine der bedeutendsten amerikanischen Journalistinnen. Ihre Beobachtungen haben den Zeitgeist einer Era geprägt, ihre Überlegungen sind tief in die Psyche einer Generation eingegraben. Neulich ist eine Dokumentation herausgekommen, die von ihrem Leben erzählt. Aber irgendwie auch von ihrem Nichtleben. Denn, wenn man „Die Mitte wird nicht halten“ sieht, dann wird einem klar, aus wie vielen kleinen Toden jedes Leben besteht. Unzählige ausgeschlagene Möglichkeiten. Ungegangene Schritte auf unberührtem Schnee, der nie gefallen ist.

Work

Joan Didion wirkt wie die Art von Mensch, die früh wissen, wer sie sind. Eine fast schon kantige Klarheit poltert einem entgegen, wenn man diese winzige Person auf einen Korbstuhl sitzen sieht, die Sonnenbrille vor die hellen Augen geschoben. Sie war schon immer eine, die geschrieben hat. Und egal was sie tut, er ist immer da, der Drang sich nach außen zu kehren, die inneren Fäden zu einem funkelnden Netz zu spinnen, mit dem man Wespen fangen kann. Sie nimmt ernst, was sie tut. Mit der aberwitzigen Weise, wie jeder Künstler ernst nimmt, was er tut.

Denn es sind nicht nur ihre Gedanken, die sie interessieren, es sind auch die Gedanken anderer. Die heimlichen, schizophrenen Fragen, die man sich stellt, wenn der Wecker noch nicht geklingelt hat und das Zwielicht die Schatten an der Tapete verschmieren lässt. Sie kann Dinge ausdrücken, die sonst niemand sagen kann. Sie kann dem Geist auf den Zahn fühlen, der ihre Zeit durchzieht.

Sie ist einzigartig. Das wäre sie auch, wenn niemand davon wüsste. Sie würde stur auf dem knarzenden Korbstuhl sitzen, mit den überschlagenen Beinen baumeln und dann durch die lichten Vorhänge ins kühle Arbeitszimmer tappen und sich an die ratternde Schreibmaschine setzen. Das Licht golden, wie in einem Whiskeyglas.

Man bewundert sie, man ist irritiert und verzaubert von ihrem zögernden Stirnrunzeln und ihren langsamen, gewählten Worten. Sie ist ein Geheimnis und ein General. Man kauert sich in ihren Schatten und wundert sich, wie es dort so kühl sein kann, wenn sie doch nur ein Vögelchen ist. Eine schmale, intellektuelle Gestalt, in beige Gewänder gehüllt.

Love

Das Leben kann gut kombinieren. Deswegen kombiniert es Didion mit einem Schelm. Einem jähzornigen Füße-auf-den-Tisch-Leger. Einem warmen, runden, lauten Mann. Die beiden sind das perfekte Paar. Sie korrigieren ihre Aufsätze, lesen sich ihre Artikel vor. Sie sind so gut wie jeden Tag zusammen, auch wenn eine schweigende Ruhe von den beiden ausgeht. Als würde sich das Geräusch so vieler Gedanken einfach neutralisieren und ein tonloses Vakuum die beiden Liebenden umschließen.

Sie wollen ein Baby. Sie kriegen keins. Und dann an einem Morgen knackt die Schale von Didions Herz zum zweiten Mal und sie weint im Badezimmer. Weil sie ein Baby haben. Ein blondes, rundes Baby. Im Haus am Meer wächst eine kleine resolute Gestalt zwischen den beiden übergroßen Eltern auf. Sie hat das selbe Lachen wie ihr Vater und die selben Augen wie die Mutter. Joan beschützt sie, auf ihre eigene knochige Art.

Wenn du ein Künstler bist, egal welcher Art, dann ist es wahrscheinlich, dass du Angst hast. Für immer allein zu sein. Abgeschnitten von der Welt der Menschen, die sich gegenseitig in die Rippen boxen und mit Spaghettisoße kleckern. Ein Geist zwischen lauter Lebenden. Eine Legende zwischen lauter Liebenden. Da ist eine stille Lücke zwischen ihr und den beiden. Ein kleiner Spalt zugiger Luft, über den niemand nachzudenken scheint. It’s lonely at the top. Art is home. Writing is relief.

Als in rascher Folge ihr Partner und ihre Tochter sterben, klafft der Spalt groß und weit und unübersehbar. Sie sind gegangen und Joan ist noch da. Ein knorriger Kirschblütenzweig. Blaue Adern unter der dünnen Haut. War sie zu sehr Künstlerin und zu wenig Mensch? Kann man ein Lebender sein, wenn man auch eine Legende sein will? Ist die Arbeit ihr zu Kopf gestiegen? Hat sie sie rausgejagt? Sind sie vom Rand gefallen?

Legend

Der Schmerz mahlt noch immer in der knochigen Brust. Die Hände ringen nach Worten, die greifen können was geschehen ist. Ich habe geliebt. War es ein Traum?

Die Medaille um den Hals wiegt schwer, man drückt ihr sanft die Schulter, schiebt sie mal hierhin und mal dorthin. Eine lebende Legende. Hush hush. Rockabye baby.

Und Didion macht das, was sie am besten kann. Sie schreibt.

Radio

Grey’s Anatomy oder: Getting over your Genius.

Grey’s Anatomy

Es wird viel gesagt, über die Qualität von „Day TV“. Von Serien, die, wie Grey’s Anatomy, seit unzähligen Staffeln, eine kleine Gruppe von Charakteren begleiten, dabei wie sie sich verlieben, verkrachen, verheiraten und…verscheiden. Was am häufigsten gesagt wird, ist wahrscheinlich „leichte Unterhaltung“. Etwas, das nicht nur Shonda Rhimes nerven sollte.

Wir sind spät zur Party gestoßen. Und mit spät meine ich, jetzt.
In der Schulzeit waberten Begriffe wie McDreamy, Meredtih, Seattle Grace auf dem Schulhof herum, meine Freundinnen kicherten und tratschten über die letzte Folge, ohne das ich davon mitgerissen wurde. Irgendwie habe ich es geschafft, eine Jugend ohne Grey’s Anatomy zu leben. Aber bevor ihr zu viel Mitleid mit mir habt, ich bin ja nachgekommen. Und muss sagen, dass ich fast glaube, es wird genüsslicher, je älter man wird, je mehr man versteht.

Easy reading is damn hard writing.

Und easy watching ist im Fall von Grey’s Anatomy und Shonda Rhimes, damn good writing. Nicht nur die Tatsache, dass Grey’s Anatomy bereits über 13 Staffeln läuft, wiederholt Rekorde und Herzen gebrochen hat und immer noch, über zehn Jahre nach der Ausstrahlung der ersten Folge, funktioniert. Grey’s Anatomy is a genius piece of writing. There. I said it.

Get over it.

Mein Freund hat es gut ausgedrückt neulich, als wir über die letzte Folge Greys Anatomy diskutierten. „Klar, es ist leicht, als Genie, einen ultrakomplexen Vortrag zu halten, den nur du verstehen kannst. Aber irgendeiner im Publikum sagt vielleicht, da war ein Wort dabei, das mir was gesagt hat. Und das nehme ich jetzt, und mache was daraus.“ Diese Leute schaffen dann etwas, was echtem Genie entspringt und gleichzeitig eine Klarheit besitzt, die die Ideen zugänglich macht.

Und das ist es doch, was Künstler wollen, egal was sie machen? Das Menschen ihre Ideen, sehen, erfühlen, begreifen und bewundern können. Erlebbar machen, was man ausdrücken will.

Wir stapfen durch das Laub. „Gestern hatte ich wieder so einen Moment, in dem ich fast in die Selbstbepuderung abgedriftet wäre“ sagt mein Freund und grinst. „Gestern war einfach so gut, ich hab super gearbeitet, war zufrieden mit mir. Ich weiß nicht ob dir das auch so geht-„ „Klar, geht mir das so. Ich schreibe was, das mir gefällt und das lese ich es noch dreimal, beglückwünsche mich, so lange, bis es mir selbst auf die Nerven geht.“ Er nickt. Mein Freund ist streng mit sich was „Selbstbepuderung“ angeht, ich finde eine gute Prise FLAWLESS hat jeder verdient. Sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Dieses rauschende, heiße, genugtuende Gefühl zu genießen, dass einem durch die Adern pumpt. Ich bin ein Genie.

Aber irgendwann muss man sich fragen, was man damit machen will.

Pop music with a twist.

In ihrer Dokumentation Five Foot Two sagt Lady Gaga mehrmals, dass ihre Devise immer war, alles zu tun was das System, de Popmaschine von ihr verlangt, aber aber auf ihre Art und Weise. Und Jahre später, ähnlich wie bei Shonda Rhimes, scheint das für sie immer noch zu funktionieren.

Ich für meinen Teil habe großen Respekt für gutgemachte Systeme. Und kriege gleichzeitig Ausschlag, wenn ich in ihnen funktionieren muss. Oh ja, studieren, was für eine faszinierende Institution, was für ein erprobtes System! Alle Stifte feinsäuberlich vor sich aufgereiht,

Und nach den ersten Vorlesung, alle Ringblöcke verbrennen will. Irgendwas juckt mich immer, ein Rappeln und Zappeln. Zu lange nach vorne geguckt, jemandem dabei zugehört, bewiesene Fakten neu zu beweisen und schon kommt es. Das unbändige Verlangen den Finger in die Luft zu stechen. Was freches zu sagen. Alles in Frage zu stellen. Nur die falschen Stellen anzumarkern.

Das nervt. Aber es entspringt dem echten Wunsch etwas Neues herauszufinden. Mit anderen zusammen Dinge zu entdecken, die noch niemand entdeckt hat. Etwas auszuprobieren. Blöd ist nur, wenn man der einzige ist, der sich am Ende nicht einbringen konnte. Der nicht geschafft hat, sich auszutauschen. Get over yourself.

Irgendwo zwischen Anerkennung für gutgemachte Strategien und dem Rappeln und Zappeln könnte Arbeit liegen, die sinnvoll ist. Spaß macht. Weiterbildet. Bewegt.

Fade out

Ich bewundere Menschen, Künstler, wie Lady Gaga, wie Shonda Rhimes, die es schaffen, ihr Talent so zu bündeln, dass sie das beste aus beiden Welten haben können. Eine gut gemachte Rennstrecke und ein selbstgeschweißtes Race Car. Die benutzen, was ihnen zur Verfügung gestellt wird, und so möglich machen, dass sie mehr Leute erreichen, dass sie eine Platform haben, auf der sie verändern können. Und ja, das geht nur, wenn man bereit ist, sich die Hände schmutzig zu machen. Sich ständig zu hinterfragen. Geht das? Ist das noch ok?

Und das macht Grey’s Anatomy großartig. Nimm das Klischee und melke es. Dazu ist es da. Klischees sind Klischees, weil sie ihre Wurzeln tief in der menschlichen Erfahrung vergraben haben. Es pulsiert immer noch Leben durch diese Wurzeln. Die Arbeit, die Wahrheit im Klischee zu finden, das ehrliche Herz, und das dann zu benutzen, ist eine noble Sache. Und keine leichte Unterhaltung.

Warum enden wir nicht mit der einzigen Sache aus Grey’s Anatomy, bei der ich immer den Faden verliere: Dem End Voice Over:

Genius comes in many forms.

Sometimes it’s subtle, sometimes obvious.
Everyone has it and yet, not everyone can see.
What true potential lies within in every human being.

You can be afraid of it, or you can show it off.
You can choose to ignore whatever it is that you have to say, be or do.
But ask yourself. Is that really why you came here?

Yes. You’re a genius. Just make sure it doesn’t get unnoticed.

Radio

Prüfungen und Blue Skies

In seinem letzten Lutherbeitrag hat Uwe gefragt: Wie würde eine „Glaubensprüfung“ aussehen, wenn man Meditiationsunterricht hätte? Das hat mich auf die Frage gebracht, inwiefern Prüfungen sich verändern, je subjektiver die Fähigkeiten werden, auf die wir Wert legen.

Bei Andy gibt es keine Prüfung. Es gibt nur den eigenen Erfahrungswert. Fühlst du dich gut? Gelingt es dir besser? Hast du den Eindruck, dass du Fortschritte machst? Und selbst diese Fragen treten völlig in den Hintergrund. Wichtiger ist der Prozess. Des Lernens. Die Erfahrung, sich selbst einer stetigen Wandlung zu unterziehen. It’s a liefelong process, sagt Andy gerne. Und man glaubt es ihm und ärgert sich noch nicht mal. Irgendwie entsteht das Gefühl, dass das Lernen reicht. Dass es gut ist, sich klar zu machen, dass man bereits besser geworden ist, wenn es sich so anfühlt. Denn wer misst deine eigene Zufriedenheit?

Prüfungen sind, und das zurecht, schwer in Verruf geraten. Ach, wie schön waren noch die Zeiten, in denen man einen Haufen Leute zur selben Zeit in einen Raum gesteckt hat. Und am Ende hatte man einen Zettel, auf dem all diese Leute nach ihren Fähigkeiten sortiert aufgelistet waren.

Werden Fähigkeiten schwerer nachweisbar? In einer Zeit, in der Wissen überall herumschwirrt und nur vom interessierten Lerner eingefangen werden muss, welche Bedeutungen haben Prüfungen dann überhabt noch? Wenn man zukünftig Skills lernt, die weit schwerer messbar sind, als eine gelöste Matheaufgabe, wie überprüft man dann?

Beim Meditieren geht es darum, seinen Geist zu trainieren, um mit bestimmten (arguably allen) Situationen anders (arguably besser) umzugehen. Wenn man in einem schwierigen Gespräch Ruhe bewahrt und sich beweist, dann springt nicht hinter dem Buchregal ein kleiner Mann in schwarzem Kittel hervor und überreicht dir, in einer Staubwolke aus Licht und Schmutz, dein Zertifikat. Schwieriges Gespräch: Bestanden. 2,0. Man hat keinen Zettel, auf dem vermerkt wurde: Besserer Mensch – 0,23 Prozent. Aber man hat sein Gefühl. Das gute warme Gefühl in der Brust, das dir sagt: gut gemacht! Das war ja ein voller Erfolg!

In der Schule wusste man immer, ob man etwas gut konnte oder nicht. Ob man eine gute Prüfung schreibt, das konnte keiner Voraussagen. Wenn man zähneklappernd und händeringend auf sein leeres Papier wartete, dann kam es einem vor, als hätte man ein ganz anderes Fach studiert, als es zu prüfen galt. Der eigene Gefühlskompass völlig aus dem Gleichgewicht geraten.

Dasselbe Gefühl beschleicht mich manchmal, wenn ich im Wartezimmer eines Arztes sitze. Tief in den Sitz gesunken, den Blick starr auf die meditativ angerichteten Steine gerichtet. Bin ich gesund? Fühle ich mich gut? Habe ich etwas falsch gemacht? Hätte ich schon vor Wochen herkommen sollen? Hört mich denn keiner?… Hilfe?

Das Gefühl, geprüft zu werden, ist immerhin tief in unserem Bewusstsein verwurzelt. Ob religiös oder nicht, immer mal wieder kribbelt einem der Nacken, juckt die Nasenspitze. Ist das eine gute Entscheidung? Tue ich das Richtige? Bin ich ein guter Mensch?

Dann reißt man dem Lehrer den angeschwitzten Zettel aus der Hand. Hab ich bestanden!? Bin ich durch? Komme ich in den Himmel?

Andy würde da nur weise lächeln. Blue skies. They’re always there.

Sind wir Menschen Blue Sky kompatibel? Können wir uns abtrainieren, uns ständig zu prüfen? Wäre das überhaupt gut?

Denn sobald ich im Sprechzimmer sitze, zerfließe ich in einer Pfütze des Wohlgefallens, bei der Vorstellung, wie viele Prüfungen die Ärztin abgelegt hat, um hier herzukommen. Und wenn das Flugzeug die Blue Skies durchquert, dann bewundere ich entspannt die Wolkenschlösser. Wohl wissend, dass es so gut wie unmöglich ist, eine Pilotenprüfung zu bestehen. This guy is a hero. I am safe. Das ist es wahrscheinlich, was wir wirklich wissen wollen. Am I safe?

Ob in der Schule oder im Flugzeug oder in der Kirche. Am I safe?
Die Frage ist, ob uns die Antwort auf diese Frage, eine Prüfung geben kann.

Don't hurt yourself.
Roots

Don’t hurt yourself.

What have we done to our fair sister
oder:
Will this whole shithouse go down in flames

Unser neues Abendritual: Naturdokus. Es macht solchen Spaß,mit dem Schnuckerteller auf den Knien unter einem Haufen von Decken hervorzulugen und sich die Welt erklären zu lassen. Aktuell: Südseedokus. Faszinierend, wie ausgeklügelt das alles funktioniert! Alles reagiert, entwickelt sich mit und umeinander… 

Leider kommt eine Art meist mehr schlecht als recht dabei weg, und das sind wir. Die letzte Dokumentation hab ich die Hälfte der Zeit zwischen den Fingern hervor geblinzelt; es ging um die Bedrohung des Pazifiks… Schlagartig fühlte ich mich zurückgesetzt in meine Grundschulzeit, als ich zum ersten Mal einen Aufklärungsfilm über die Überfischung der Meere gesehen habe.

Wir haben damals oft Ausflüge in ein kleines Kino gemacht, das extra für uns Dokumentationsfilme vorführte. Diese Ausflüge und eine Kassette  mit Kinderliedern aus den 70ern, mit Hitsongs wie „Das Ozonloch gibt es doch“, stürzten mich in eine Phase tiefer Unsicherheit und dem quälenden Gefühl von Hilflosigkeit. Ich schwor mir, nie wieder Nagellack zu benutzen und auch keinen Fisch zu essen. Ob es die Tatsache war, dass ich das Ozonloch nirgends am Himmel erblicken konnte wenn ich besorgt hinauf spähte, oder meine persönliche Entwicklung mich vom Leid der Welt ablenkte, weiß ich nicht. Jedenfalls ließ meine Verzweiflung nach.

Bis zu der Dokumentation neulich! 99% des Haibestandes ist bereits ausgerottet? Was? Innerhalb von vier Jahren wird es keinen Thunfisch mehr geben? Was? Wenn weiterhin soviel Co2 vom Pazifik aufgenommen wird, übersäuert das Wasser und das erste Glied der Nahrungskette, Plankton kann nicht länger existieren? Was?!

Und wer ist schuld daran? Na toll.

Immer mehr Menschen leben vegan, sind sich sicher, dass nichts den Menschen berechtigt in die Natur einzugreifen, sie auszunutzen. Heute morgen beäugten wir unser Frühstück und fragten uns: welchen Platz nehmen wir in der Nahrungskette ein? Gibt es einen Platz für uns und haben wir ihn irgendwann verlassen? Wann soll das gewesen sein?

Wo zwischen dem täglichen Kampf ums überleben und dem täglichen Gang zum Supermarkt gehören wir hin?

Ich denke ein Sache, die die letzte Zeit mit sich gebracht hat, ist die schleichende Erkenntnis: wir sind nicht getrennt. Wir sind nicht getrennt von der Luft, die uns umgibt. Winzigkleine Atome. Auf der kleinsten Ebene sind wir einfach nur wabernde Wolken aus Zeug. Und alles kann in uns hinein und durch uns hindurch sausen. Wir sind nicht getrennt vom anderen. Lange bevor ich die Wärme deiner Haut spüre, kann ich dich schon auf dem Bildschirm sehen. Wir sind nicht getrennt von Mother Nature. Wie Beyoncé so schön sagt. When you hurt me, you hurt yourself.

Don’t hurt yourself.

Vielleicht lohnt es sich einen anderen Blickwinkel auf uns einzunehmen. Wir sind Ausschlachter und Egoisten. Wir sind Raubtiere, Missgönner und Wegnehmer. Wir sind arschkalte Soziopathen. Been there. Done that.

Aber sind wir auch Masochisten?

Irgendwo hab ich mal gehört, dass Raucher nicht rauchen, obwohl sie wissen, dass es gesundheitsschädlich ist, sonder weil sie wissen dass es gesundheitsschädlich ist. Als eine Form von Selbstbestrafung. Selbstbelohnung, Selbstbestrafung. Irgendwie aneinander gekoppelt in unserer modernen Welt.

(Ich saß neulich neben einer sehr netten Frau am Buffett und wurde Zeuge einer systematischen Selbstverunsicherung. „Oh, die Tiramisu ist ausgezeichnet. Ouu, ich sollte das nicht essen. Ahh, heute mach ich mal ne Ausnahme. Hhhhh, das wird sich alles rächen…“ Es war schmerzhaft anzusehen. In meinem Hirn trudelten Floskeln und Scherze, Ermutigungen und Verwerfungen hin und her, während mir langsam der Schweiß ausbrach. Das Ganze hatte alttestamentarische Ausmaße.)

Und so steht man am Strand, kickt blinzelnd eine alte Shampooflasche hin und her und fragt sich, wie die da hingekommen ist.

 Cut the crap

Gib es zu. Du hast Mist gebaut. Und jetzt schämst du dich in Mutters Schoß zurückzukehren. Und dir anzuhören, dass jeder Mal Fehler macht. Diese verdammte stoische Liebe, mit der uns der Planet bedenkt, ist aber auch schwer auszuhalten.

Was wäre, wenn der Weg zur Versöhnung nicht der Kreuzweg ist, den wir gerne daraus machen; Das stolze Haupt gebeugt, die Knie blutig aufgeschürft: „Ach, ach, ich hoffe alle Mikropartikel aus meinem Facial haben noch nicht das ganze Plankton gekillt.“

Was wäre wenn der Weg zur Versöhnung, der Weg zu sich selbst wäre.
Vielleicht, wenn wir aufhören würden uns zu schämen. Und anfangen würden uns zu lieben, huhuu könnte die ganze Sache einen guten Turn nehmen.

 .

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