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Katrin

Pfaueninsel
Royal

Berlin #1 Die Pfaueninsel

Ausflug auf die Pfaueninsel

Wo geht man hin, wenn man als Familie einen Ausflug unternehmen will? Am Vatertag, um den Vater zu feiern, weil der  – glücklicherweise – kein Bedürfnis hat, sich mit Freunden zu betrinken oder grölend auf einem Fahrrad mit Flieder am Lenker durch die Gegend zu schaukeln. Amber schlägt die Pfaueninsel vor. Pfaueninsel
Eigentlich schon Berlin (22 km vom Stadtkern), aber gefühlt genauso gut Potsdam (5 km vom Stadtkern), locker mit dem Rad zu erreichen, und dazu noch genau die Natur, die wir als Städter vertragen: gepflegte, sortierte, geschönte, erhobene – kurz royale Natur.

Born in Berlin

Ich bin Berlinerin. In Berlin-Charlottenburg geboren, in Zehlendorf zur Schule gegangen, hier hatte ich meine Ateliers, habe an der FU studiert, meine ersten beiden Kinder geboren. Also wirklich Berlinerin. Dazu noch geborene Westberlinerin, was vermutlich nur der verstehen kann, der das auch erlebt hat: Eine Stadt ohne Umland. Ohne wirkliche Landschaft oder Land, auf das man fahren könnte.

über Trip Advisor

Raum im Schloss auf der Pfaueninsel

Wenn ich mich als Kind an Ausflüge mit der Familie erinnere, dann waren das meist Radtouren. Da wir im Außenbezirk der Stadt wohnten, endeten die dann sehr schnell an der Mauer, was mich nie gestört hat. Und dann gab es Ausflugsziele wie: Glienicker Schlosspark, Märchenwald, Schloss Charlottenburg und – Pfaueninsel. Alles noch im Westen der Stadt und wie mir gerade auffällt: Orte, die mein Weltbild vielleicht mehr geprägt haben, als ich bisher dachte. Orte, die es einem erzählen, dass das Leben auf jeden Fall nicht normal sein sollte, wenn man später mal groß und erwachsen ist. Nicht, wenn es Ballsäle mit großen Kronleuchtern gibt, Zimmerfluchten mit riesigen Bildern an den Wänden, Räume deren Parkett so wertvoll ist, dass es nur in Filzpantoffeln betreten werden darf und eine Insel, auf der Pfauen frei herumspazieren. Ja, so wollte ich leben. Royal. Irgendwie.

Kings are crazy

Wenn man heute Schlösser wieder aufbaut und das mit der Mentalität von Königen in Zusammenhang bringt, dann liegt man gründlich falsch. Jedenfalls was die preußischen Könige angeht. Die wollten nicht zurückschauen und das Alte bewahren. Dann hätte man auf der kleinen Insel, die heute die Pfaueninsel ist, die erste wendische Siedlung wieder aufgebaut. Nein, die preußischen Könige wollten Fortschritt und modernen Lifstyle. 1865 schenkte der Große Kurfürst die Insel dem Alchimisten und Glasmacher Johannes Kunckel. Kunckel sollte dort forschen, Alchemie betreiben, vielleicht versuchen, Gold herzustellen. Alles streng geheim. (Wer literarische gerne tiefer eintauchen möchte, Buchtipp: Die Pfaueninsel von Thomas Hettche.)

Der nächste König fand diese Forscherei dann überflüssig, entzog Kunkel die Unterstützung und die Insel, die 100 Jahre ungenutzt blieb.

Liebe, Sex und Modern life

Erst unter Friedrich Wilhelm II., dem Neffen und Nachfolger von Friedrich dem Großen, der für ewig Preußens Über-König bleiben wird, wurde die Insel endlich wieder genutzt. Schon als Kronprinz soll Friedrich-Wilhelm die Insel mit der 13-jährigen bürgerlichen Wilhelmine zu romantisch-erotischen Aufenthalten besucht haben. Im Alter von 15 Jahren wurde Wilhelmine schwanger; vier weitere Kinder folgten. Sie blieb seine Mätresse und wurde 1796 sogar Wilhelmine Gräfin von Lichtenau.

PfaueninselGemeinsam machte sich das Paar die Insel schön. Ein kleines Schoss, das Wilhelmine „modern“ und gewagt mit verschiedenen Stilen einrichtete.  Teuer, verrückt und bis heute vollständig erhalten. Als Kind hat mich besonders die Besichtigung des Schlosses fasziniert. Filzpantoffeln auf knarzendem Parkett, Räume, die man ehrfürchtig durchschlurfte. Ein Turmzimmer im Stil einer Bamushütte!

Damals und heute

In Berlin hat sich ziemlich viel seit meiner Kindheit geändert. Ich könnte auch sagen, fast alles, denn die Stadt ist nicht mehr geteilt und ich wohne nun in Brandenburg-Potsdam, einer Gegend, die ich als Kind und Jugendliche nur von Westberlin aus sehen konnte, rüber gehen war keien Option. Doch auf der Pfaueninsel ist – alles noch so wie früher. Klar, das liegt auch daran, dass die Insel unter Natur- und Denkmalschutz steht und sich hier nichts verändern darf, aber erstaunlich fand ich es trotzdem.

PfaueninselLogisch, die zum Teil mehrere hundert Jahre alten Eichen waren damals schon gigantisch und die Rasenflächen und Rosengärten sind auch noch da. Vielleicht haben sich die Pfauen am meisten verändert. Eine neue Generation, die man nicht zufällig mit Blicken erhascht, sondern die sich auf auf freigescharrten Plätzen nicht nur den Pfauenfrauen, sondern auch gerne den Besuchern präsentieren. Die Touristen zücken sofort ihre Fotoapperate, obwohl  Mr. Pfau noch nicht mal ein Rad schlägt. Echt mal! Als Familie im Filmbusiness bleibt man bei solchen Auftritten nicht stehen, man geht einfach-schnell-weiter.

Was geht?

Auf der Insel ist so ziemlich alles verboten. Auto und Rad fahren, Rauchen, Hunde, Campen, skaten.
Foto von Amber BongardAber es gibt eine Liegewiese, dort ist Picknicken erlaubt, die wir dann auch direkt ansteuerten. Ja, Redbugx sind eine Spezies, die oft und gerne isst. Teils vegan, aber trotzdem bunt. Geschirr bringen wir umweltfreundlich auch mit und Sekt und Gläser. Schließlich gibt es was zu feiern. Moderner Lifestyle.

Die Liegewiese ist locker mit Gruppen besetzt, eine koreanische Reisetruppe spielt ein Ballspiel, dessen Regeln uns bis zum Ende absolut unklar bleiben. Wir diskutieren, ob das Höschen des Volleyballers eine Badehose oder ein Faux Pas in der Öffentlichkeit ist, alles ganz entspannt.  Und was war noch mal mit den Pfauen?Foto: Amber Bongard

Irgendwie hat uns ein Pfau für seine Performance auserwählt (nun ja, wir sind Agenten) schreitet bis zu unserer Liegestelle und – wow – schlägt sein Rad.  Foto: Amber BongardYes, Sir.  Weswegen der eigentlich gekommen ist, wird kurz darauf klar, als er mal eben die Rinde einer Melone entdeckt und – urrgs – einfach so herunterschlingt. Während uns noch die Frage beschäftigt, ob er gleich tot umfällt, pickt er weiter und schlägt noch mal ein Rad. Danke, für die Aufmerksamkeit – und die Melonenschale. 

Show off

Pfaueninsel

Der Pfau und eine Schar von Touristen, die um unsere Picknickdecket tippeln, werden uns bis zum Spätnachmittag nicht mehr verlassen. Im Mittelpunkt zu stehen, macht auch Spaß. Der Pfau weiß das und wir auch. Ein sehr relaxter Tag.

Uwe macht dann noch mal ein Fotos für die Schauspielkartei, der Typ ist eindeutig sehr leicht zu vermitteln und sehr gut sieht er auch aus.

Um 19 Uhr muss man die Insel wieder verlassen haben, dann geht die letzte Fähre. Wir laufen barfuss zurück, ein Abstecher zum Schloss, das golden in der Sonne liegt. Dann bis zum Fährhaus, an dem man übersetzt, zurück aufs Festland. Etwas warten, gerade genug Zeit, um auf dem Handy den grandiosen Blogbeitrag von Uwe zu Luther und Himmelfahrt zu lesen und zu feiern.

Die Fähre ist fast so lang wie der Abstand zum Festland, aber die Fahrt gehört eindeutig dazu. Beim Übersetzen eine kleine Diskussion darüber, wie erschreckend perfekt der Tag war. Fast zu gut, um wahr zu sein. Ich sehe in den Himmel, an dem majestätisch ein Greifvogel kreist und mir wird auf einmal klar klar, das ich es habe, das royale Leben, das ich mir immer vorgestellt habe. Und dieser Pfau … die Insel ist einfach magic.

 

Nachrichten
Radio

Nachrichten, Geschichten und eine 10 Millionen-Dollar-Lüge

Wenn ich schreibe, recherchiere ich viel, aber nie besonders wichtige Dinge. Wie bereitet man einen guten Expresso? Wie geht ein Kickflip? Wie behandelt man eine Depression. Etwa in diesem Spektrum bewegen sich meine Recherchen. Ich weiß, wie man „anständig“ recherchiert, das ist nicht das Problem. Ich brauche es nur nicht. Ich bin kein Journalist, niemand verlässt sich auf meine Informationen, ich schreibe nur Geschichten. So what.

Und dann ist letztens etwas passiert … Ich wollte eigentlich nur mal schnell nachsehen, ob man das Wort Brutkasten noch benutzt. Ich meine, das könnte so sein wie „Neger“, ein Wort, das in meiner alten Pippi-Langstrumpf-Ausgabe noch benutzt wird, aber eigentlich ein No go geworden ist. Ich habe also Brutkasten gegoogelt und bin auf die Brutkastenlüge gestoßen. Zufällig. Lüge, die so groß ist und so unglaublich ist, dass ich eigentlich nicht glauben kann, dass sie funktioniert hat.

20:15 Uhr

Ich bin kein Fan von Nachrichten. Noch nie gewesen. Ich bin mit ihnen großgeworden, 20:15 Uhr war Bürgerpflicht, da saß man vor dem Fernseher und hat etwas für seine politische Bildung getan. So habe ich es als Kind jedenfalls verstanden. Etwas, das man zu tun hat, wenn man ein interessierter und politisch engagierter Bürger ist. Sich informieren! Bei den Nachrichten hat man geschwiegen und mit sanftem Kopfnicken oder Stirnrunzeln seine Zu-oder Abneigung kundgegeben. Es war eine wichtige Sache. Kein Kinderkram. Doch ich habe mich gelangweilt.

Nachricht

Der Begriff Nachricht steht im 20. Jahrhundert im Plural = Nachrichten für politische Meldungen. Sie ist:  „… eine direkte, auf das Wesentliche konzentrierte und möglichst objektive Mitteilung über ein neues Ereignis, das für die Öffentlichkeit wichtig und/oder interessant ist.“ (Dietz Schwiesau und Josef Ohler)

Interessant finde ich: „möglichst objektive“ Mitteilung. Von Wahrheit ist hier nicht die Rede.

Gelangweilt oder nicht, ich bin als Kind aber immer davon ausgegangen, dass in Nachrichten die Wahrheit gesagt wird. Man sich zumindest darum bemüht. Wir alle, oder? Trotz Nationalsozialismus und Watergate, trotz allem. Als Jugendliche wurde ich etwas misstrauischer. Besonders als ich im besetzten Haus gewohnt habe: Hey, was sie dort erzählen, habe ich anders erlebt! Nun gut. Nachrichten sind nicht ganz objektiv. Vertraut habe ich ihnen trotzdem weiterhin.

Die Geschichte

Am 10. Oktober 1990 gibt eine junge Frau aus Kuwait, die sich mit ihrem Vornamen „Nayirah“ vorstellte, vor einem informellen Menschenrechtskomitee des US-Kongresses unter Tränen eine Erklärung ab: Sie habe als kuwaitische Hilfskrankenschwester freiwillige Arbeit im Al-Adnan-Krankenhaus in Kuwait-Stadt geleistet. Sie wäre Zeugin geworden, wie irakischen Soldaten mit Gewehren in das Krankenhaus kamen, Säuglinge aus Brutkästen nahmen und die Kinder auf dem kalten Boden liegen ließen, wo sie starben.

Dies ist eine Lüge, die auf der ganzen Welt als Nachricht verbreitet wurde. Sie ist so groß, dass ich nicht verstehen kann, dass sie es in die Nachrichten geschafft hat. Sie ist so gigantisch groß, dass ich nicht verstehen kann, dass niemand mal nachgefragt hat. Aber noch ungeheuerlicher ist: Diese Lüge hatte einen Preis. Sie wurde für 10 Millionen US-Dollar in Auftrag geben.

Die Brutkastenlüge

Und zwar von der kuwaitischen Regierung (aus dem Exil). Sie beauftragte die amerikanische PR-Agentur Hill & Knowlton damit, in der amerikanischen Öffentlichkeit Werbung für ein militärisches Eingreifen der USA zu machen. Und zahlte dafür zehn Millionen US-Dollar. Eine der PR-Aktionen war die Brutkastengeschichte. Und sie funktionierte.

Sogar Amnesty International ließ sich täuschen und veröffentlicht am 19. Dezember 1990 einen 84-seitigen Bericht über Menschenrechtsverletzungen in Kuwait, der die Brutkastenlüge enthält.(Quelle).

Kein Wunder also, dass  der US-Senat am 12. Januar 1991 mit 52:47 Stimmen für eine Intervention im Zweiten Golfkrieg stimmte und das Repräsentantenhaus mit 250:183 Stimmen für den Krieg.

Was ist mit der Aussage vor der Menschenrechtskommission? Nun, das Mädchen aus Kuwait war die fünfzehnjährige Tochter des kuwaitischen Botschafters Saud Nasir as-Sabah. Ihr Vater saß während ihrer Aussage vor dem Kongress-Komitee als Zuhörer im Publikum. Ihr Bericht war frei erfunden.

Medien und Wahrheit

Die Wahrheit kam erst nach dem Krieg heraus. Man sagt, im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt. Aber niemand sagt, was für Auswirkungen eine Lüge auf den Krieg oder die Liebe hat. Oder dass man einen Krieg mit einer Lüge beginnen kann.

Ich sehe schon lange keine Nachrichten mehr, schon gar nicht im Fernsehen. Ich habe es auch jetzt nicht vor. Nicht, weil ich ihnen nicht oder nicht mehr vertraue, sondern einfach weil sie ich sie immer noch langweilig finde. Dass heißt aber nicht, dass ich nicht wissen will, was da draußen so los ist.

Was ich spannender als Nachrichten finde, sind Geschichten. Ob wahr oder erfunden. Denn Geschichten sind sehr viel mächtiger als Nachrichten. Die Medienagentur hat das genau gewusst. Sie hat keine Nachricht in die Welt geschickt, sondern eine emotionalle Story. Und für den Vortrag vor der Menschenrechtskommission eine sehr überzeugende Schauspielerin gefunden. Genau deshalb haben wir alle nicht mehr so genau hingesehen. (Und gerade wundert mich, dass dieses Geschichte noch nicht verfilmt worden ist.)

Ich bin dann mit einem sehr seltsamen Gefühl wieder an die Arbeit gegangen. Irgendetwas hat sich in mir verschoben. Ich glaube, dass ich auch als Geschichtenerzählerin eine Verantwortung habe, aber meist mache ich mir nicht so viele Gedanken darüber. Doch das ändert sich gerade. Und vielleicht mache ich aus genau diesem Gedanken mal eine Geschichte …

Ach ja, man sagt heute eigentlich nicht mehr Brutkasten, sondern Inkubator.

dinglisch
Radio

Dinglisch

Dinglisch

Well, English is not my language. So I have to apologize, if this blogentry is not quite correct or even fluent. It’s strange, I would never apologize in german. Not, because germans don’t apologize (well, we have a lot to apologize for). I’m just much more polite in English. Maybe German is a bit more straight forward. When someone mimics German it’s like a nazi is barking. Are we like this? I like the German language. And I can write much more better in German. But here is the thing: I want people to listen. To read our blog. And English is the most spoken language in the world. Followed by Chinese, Hindi, Spanish. German – is somewhere around position ten. Feels like we have to speak English. And it’s easier than Chinese, right?

Bi- and multilingual

There is a kid in Russia. She is four and speaks 7 languages. 6.6 million hits on YouTube. (Don’t klick on this link, it’s in Russia, you’ll understand nothing.)

I have some French cousins. They speak and write in French and German. But when I asked my cousin, if she could translate something – say a book – she said, she didn’t think, she is good enough in one of the languages. How could that even be possible? Uwe and I discussed the problem very often, when our kids were little. Do we have to start early with English? And meanwhile other parents started with Chinese …

Children raised in bilingual households often confront an array of emotional and intellectual problems that their monolingual playmates are spared. Drifting between two languages and cultures, they can feel like outsiders in both. (New York Times)

When Isabel and Lenny were about 6 and 4, I decided to teach them a bit of English every day with a native speaking voice from a tape and a picture book. One hour tops. Of course it was’nt a duty and totally up to them. Someday someone at school said to me, as though it were absolutely normal: „Isabel kann ja schon Englisch.“ Nope. She could hardly more than a few sentences. And some fancy words like hedgehock. But she and anyone else believed so. Later one she watched MTV, spoke a lot of English and „the lie“ became true. What is going one here?

Meine Sprache

Amerikaner und Briten gehen davon aus, dass du ihre Sprache sprichst. Natürlich! Franzosen auch, doch sie werden mit dieser Taktik vermutlich keinen Erfolg haben, auch wenn 200 Millionen mehr Menschen auf der Welt Französisch sprechen als Deutsch. Schweden gehen davon aus, dass niemand ihre Sprache spricht und sprechen Englisch meist so akzentfrei, dass man sich fragt, wie gut ihr Englischunterricht ist. Bis man herausfindet, dass ihr Fernsehprogramm auf Englisch ist und schwedische Untertiteln hat. Ich war für ein Filmprojekt mit Isabel in Schweden und habe natürlich Englisch geredet. Da wurde es mir zum ersten Mal richtig klar: Es geht nicht nur um die Kinder. Was ist mit meiner Arbeit als Agentin? Mein Englisch musste besser werden. Sehr viel besser. Denn was würde ich machen, wenn der Anruf aus Hollywood kam?

Learning by not doing

We started at the Volkshochschule in Potsdam with an English course. Uwe and I studied vocabulary and read english texts to each other. It was like the old days … in school. Most of the time superboring and very time consuming. We were looking for a shortcut and one was right in front of us: Films and books. When we started to watch movies in English and read books in English, we killed two birds with one stone. (Wir – mit unserem brutalen Deutsch – würden sagen: Zwei Fliegen mit einer Klappe. Nur mal so. )

Hollywood

Als der Anruf aus Hollywood kam, saß ich mit Amber und einem Fahrer in einem VW-Bus und fuhr vom Set in München ins Hotel. Lenny war bei Warhorse besetzt, Riesenaufregung in der Familie. Irgendwann kommt nach der Besetzung immer der Anruf von der Produktion – aber nie, wenn du ihn erwartest. Ich sitze also in diesem VW Bus und mein Handy klingelt.

„Katrin Bongard, Agentur Red Bug?“

„Hi, here is John from DreamWorks Pictures. I try to reach – äh –  how do you to pronounce Juwi?“

„Excuse me, please?“

„The name.“

„Catherine Bongard.“ (I pronounced my name in English)

„No, I mean: Juwi cäroff. How do I pronounce the forename?“

„Oh, you mean: Jui? It’s pronounced: Uffwwäh.“

Okay, that was cool! Someone was asking me to pronounce a german name correctly. Again – The English and the Americans are very polite.

Ich denke, also bin ich oder die Speer-Wurf-Theorie

Die amerikanischen Linguisten Edward Sapir (1884–1939) und Benjamin Lee Whorf (1897–1941) untersuchten die Grammatik nordamerikanischer Indianer und mutmaßten: Wenn Menschen grundverschieden sprechen, dann denken sie auch unterschiedlich.

Unsere Denkweise prägt die Art, wie wir sprechen, aber der Einfluss wirkt auch in der Gegenrichtung. Bringt man Menschen zum Beispiel neue Farbwörter bei, verändert dies ihre Fähigkeit, Farben zu unterscheiden. Lehrt man sie, auf eine neue Weise über Zeit zu sprechen, so beginnen sie, anders darüber zu denken. Man kann sich der Frage auch anhand von Menschen nähern, die zwei Sprachen fließend sprechen. Nachweislich ändern bilinguale Personen ihre Weltsicht je nachdem, welche Sprache sie gerade verwenden. (Lera Boroditsky in einem Artikel auf Spekturm.de )

Ich und Englisch

Mein englisches ICH ist anders. Ich würde ihm gerne die gesamte Öffentlichkeitsarbeit überlassen. Facebook, Mails, Anrufe entgegennehmen. Polite, smart, and always able to apologize. More relaxed and confident. (By the way, in French I’m a bitch.) I use more and more English words in my German language. In homöopathischen Dosen. It’s absolutly okay, if you are a young adult writer. Die Jugendsprache hat jedes Jahr mehr Anglizismen, so what?

Und was ist mit Deutsch? Verkommt die Sprache durch immer mehr englische Wörter? Ich weiß nicht. Ehrlich. Ich sehe voraus, dass Sprachtools und Apps und ? kommen werden, die jede der 7000 Sprachen auf der Erde beherrschen werden. Nur das Handy hinhalten – schon übersetzt.

I see that language tools and apps and? Which will dominate any of the 7,000 languages on Earth. Only the mobile phone hold – already translated. (Google Übersetzer)

Noch ist es nicht so weit. Obviously. Oder es kommt ganz anders …

When the snow falls wunderbar
And the children happy are,
When there´s Glatteis on the street
And we all a Glühwein need …

Blume des Lebens
Ruhe

Die Blume des Lebens

Die Blume des LebensBlume des Lebens

Ich bilde mir eigentlich ein, so ziemlich jedes weltweit bekannte Symbol irgendwie und wann – und wenn auch nur am Rande – einmal gesehehen zu haben. Ich habe mit so vielen verschiedenen Menschen studiert, gelebt, gearbeitet, geredet, hätte mir da die Blume des Lebens nicht irgendwann einmal begegnen müssen? Nein. Oder ich habe sie unbewusst übersehen.

Denn irgendwie war sie die ganze Zeit da. Sogar ganz nah. Zum Beispiel auf dem Räucherstäbchen-Teller, den Uwe zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Also frage ich mich, wo ich dieses Ornament noch überall übersehen habe? Mein Kunstgeschichtsstudium fällt mir ein, der Judo-Dojo, der Thai Chi-Übungsraum, Kunstbände, Plattencover, Bücher, Plakate … war ich blind? Warum? Zeit, einmal genauer hinzusehen.

Simpel und gleichzeitig komplex

Blume des Lebens

Ich sehe einen gelangweilten Schüler im Geometrieunterricht sitzen und Kreise mit seinem Zirkel malen. Erst einen. Dann den nächsten vom Mittelpunkt dieses Kreises aus, den nächsten Kreise von einem der zwei Schnittpunkte, die weiteren Kreise von den neuen Schnittpunkten aus … Klingt irgendwie deprimierend, aber wenn man sich das Ergebnis ansieht. Wow. So entsteht die Blume des Lebens, eine gemometrische Form aus 19 Kreisen und 90 „Blütenblättern“.

Leonardo da Vinci
Leonardo_da_Vinci_-_Blume des Lebens

Leonardo um 1512

Seit dem Kunstgeschichtsstudium bin ich ein großer Fan des rebellischen, neugierigen, unkonventionellen, sensiblen Leonardo da Vinci. Vermutlich Sohn einer arabischen Sklavin, die beim Vater gearbeitet hat. Sehr wahrscheinlich homosexuell. Auf jeden Fall hochintelligent und extrem visionär. Der die erste Müllabfuhr von Mailand organisiert und mehr als 30 Menschen seziert hat, da er sich so sehr für das Innere des Menschen interessierte, also die Adern, Knochen, Organe und Muskeln. Um mal das flauschige Bild aus den heutigen Museums-Stores von Leonardo ein wenig aufzumischen. Leonardo sah sich als Wissenschaftler – Haltung zur Kirche und Glaube wohl eher freundlich distanziert.

Codex Atlantis

Der Codex Atlantis ist eine Sammlung von Zeichnungen von Leonardo, oder die Sammlung. Er hat seine Zeichnungen darin nicht nur gesammelt, sondern neu gruppiert, zusammengeklebt, sortiert, sodass manchmal sogar sechs Zeichnungen auf einem Blatt zu sehen waren. Oder in Passepartouts geklebt, damit man Vorher- und Rückseite ansehen konnte. Ich nenne das Collage und modern und extrem interessant für andere Künstler, an die er bei der Herstellung und Aufbewahrung sicher gedacht hat. Ab 1960 hat man diese Sammlung „restauriert“, die Blätter getrennt und auf Einzelbilder geklebt (ja, genau wie die Quittungen bei der Steuererklärung), wodurch ein 12-bändiges Werk mit 1119 Blättern entstanden ist. (Ich hoffe, irgendjemand hat das Original im Urzustand fotografiert, damit spätere Restauratoren das alles wieder rückgängig machen können.)

Leonardo da Vincis Darstellung des Ornaments (Codex Atlanticus, fol. 309v)

Codex Atlanticus, fol. 309v

Jedenfalls ist eine dieser Zeichnungen – genau, die Blume des Lebens, die man damals allerdings gar nicht so genannt hat. Jetzt wäre natürlich interessant zu erfahren, was Leonardo da unter dem Symbol notiert hat …

Türschwelle
Perrot-Chipiez-1884_-_Sill_of_a_door,_from_Khorsabad_-_Louvre

Zeichnung von Jules Bourgoin (1838-1907)

Der erste Fund, einer Darstellung des Blume des Lebens-Ornaments findet sich im Palast von König Aššur-bāni-apli in Dur Šarrukin. Zeit: 645 v. Chr.  und heute in der assyrischen Abteilung des Louvre oder  im British Museum zu finden. Da sieht es tatsächlich mehr wie ein nettes Teppichmuster aus und setzt sich weit über 19 Kreise fort. Zufall? Absicht?

In Ägpyten taucht die Blume des Lebens als Graffiti an Tempelanlagen auf (Tempel Sethos I.), und lässt die Wissenschafler rätseln, wer die dort wann hingekritzelt hat. Wobei – das sieht schon ziemlich exakt aus. Es gibt das Muster in China unter der Pranke eines Löwen, die Blume des Lebens in Pfarrkirchen in Europa, in Indien an Tempelsäulen. Sagen wir einfach: Sie wurde schon fast überall auf der Welt gesehen, vor allem an öffentlichen Gebäuden, Tempeln, Kirchen. Und weil man Mustern in der Kunstgeschichte oder Architektur keine große Bedeutung schenkt, findet man bisher leider nirgendwo eine anständige Antwort auf die Frage, wieso dieses Symbol da oder dort auftaucht.

Heilige Geometrie

Die Blume des Leben ist eben kein Fall für die reine Wissenschaft. In der Gnostik und Esotherik dagegen kennt man geometrische Formen, die als Symbol für den Bauplan der Schöpfung, des Lebens verstanden werden. Formen, in denen alles – vom Atomkern bis zur Spiralgalaxie – aufgehoben sein soll und dargestellt ist. Weil alles Leben aus einem winzigen Samen/Ei erschaffen wurde und mit allem zusammenhängt.

„Jeder Teil eines Dings enthält etwas von der Natur des Ganzen.“ (Leonardo da Vinci)

Leonardo da Vinci etwa 1492

Womit wir wieder bei Leonardo wären.

Esoterik

Und gleichzeitig langsam und stetig die wissenschaftliche Ebene verlassen. In esotherischen Kreisen ist die Blume des Lebens als Schutzsymbol bekannt. Mit einem Aufkleber der Blume des Lebens auf einer Wasserflasche soll man den Inhalt beleben können, also energetisieren, säubern. Mit einem Symbol an der Wand Wohn- und Schlafräume entstören, an Arbeitplätzen den Elektrosmog verringern, mit einem Schmuckstück den Träger schützen oder harmonisieren. Well, well.

Blume des Lebens

 

Ich verstehe gerne, woher Dinge kommen. Was es damit auf sich hat. Da bin ich wohl Leonardo ähnlich. Mich interessiert  – fast alles.

Brauche ich eine Erklärung für eine Sache, ein Symbol? Eigentlich nicht. Denn zum einen kann ich es ausprobieren, zum anderen sieht es einfach schön aus. So what.

Jetzt, wo ich Bescheid weiß – oder ein wenig mehr Bescheid weiß, denn da scheint es eine Menge Geheimnisse zu geben – fühle ich mich etwas erleuchteter. Das Symblol werde ich nicht mehr übersehen. Und ich will definitiv auch so einen kleinen Aufkleber auf meinem Handy haben!

Handlettering
Ruhe

Handlettering

Wie versprochen, kommt heute der zweite Beitrag zum Thema Bullet Journal nämlich Handlettering. Wobei, eigentlich ist das ein ganz eigenes Thema. Und dazu noch ein großes Thema und zurzeit sehr angesagt.

Handlettering

Schrift(arten) waren schon immer etwas, das mich fasziniert hat. Und Handschrift eher etwas, mit dem ich gerungen habe. Note 3 in der Schule. „Schönschreiben“ fand ich schwierig, besonders, wenn man einen interessanten Text schreibt, da zumindest meine Gedanken immer schneller als meine Hand waren. Ah, wie genial ist der Computer für das schnelle Denken/Schreiben. Handlettering heißt dann wohl eher zur Ruhe zu kommen. Es ist wie Zeichnen, wobei der handwerkliche Anteil sehr hoch ist und sehr viel Übung nötig ist, bis man seine eigene Handlettering-Handschrift entwickelt hat.

Learning by doing

Am Anfang habe ich mich eher unstrukturiert mit Handlettering beschäftigt und mir schließlich einen kleinen Kick gegeben, indem ich an einem Letteringkurs teilgenommen habe. Handlettering
Gut, wenn man einen Letteringexperten in der Red Bug Community hat!
Lukas hat den Kurs zusammen mit Lisa organisiert. Es war gut, sich in der Gruppe mal die Zeit zu nehmen, alle Buchstaben einzeln sauber aufzuzeichnen. Das war dann sofort wieder wie Schönschreiben in der Schule – nur sehr viel netter. Als ich Lisa fragte, wo und wie sie sich das alles beigebracht hat, war die Antwort: You Tube Videos. Jep. Immer noch die schellste und coolste Art, heute etwas zu lernen. Trotzdem habe ich nicht nur die nette Atmosphäre, sondern auch noch sehr viel mehr aus dem analogen Kurs mitgenommen.

Papier

Ah, die Autorin kehrt zu ihren Wurzeln zurück: Papier und Stift. Genial. Papier – eigentlich geht alles – doch ich habe schnell gemerkt, dass nicht zu glattes Kopier- oder Umweltpapier mit mittlerer Saugkraft für mich am besten geeignet ist. Handlettering
Auf jeden Fall zum trainieren, also am Anfang. Später geht man von selber freestyle. Packpapier ist toll, weil der Kontrast der sauberen Buchstaben auf dem rauen Papier sehr schön aussieht. Karton ist auch gut, wenn er nicht zu grobkörnig ist.

Für das pure Buchstabenmalen ist es gut, liniertes Papier zu verwenden. Nicht nur auf der Seite von Tombrush kann man sich auch Lernsheets herunterladen und ausdrucken und schon vorgemalte Buchstaben nachzeichnen, was zum einen eine gute Hilfe ist, zum anderen wunderbar entspannt.

Stifte

Ich schreibe/male die Buchstaben beim Handlettering am liebsten mit einem Brush-Pen, also einem Stift, der wie ein kleiner Pinsel funktioniert. Ich benutze am liebsten zwei Stiftsorten. IMG_5605Einmal sind es die TomBow-Brush-Stifte. Gerne in verschiedenen Farben mit zwei verschiedenen Spitzen (dünn oder dicker). Von edding gibt es einen ähnlichen Brushpen (edding 1340 brushpen), der ist halb so teuer, den ich auch gerne benutze. IMG_5604Und dann die Pigma Micron Grafik-Stifte aus Japan. Die haben eine (unterschiedlich) feste breite Spitze, mit der man sehr dünn oder breit zeichnen kann. Sie sind exakter, aber eher für Fortgeschrittene.

Grundregeln

Beachtet man ein paar Grundregeln, dann kann man eigentlich sofort loslegen: Beim Schreiben gibt es zwei Richtungen: Nach oben und nach unten. Bewegt man den Stift nach oben, dann nimmt man den Druck raus, die Linie wird und sollte dünn sein. HandletteringBewegt man den Stift nach unten, verstärkt man den Druck und erzeugt so eine dickere Linie. Handlettering besteht aus dem Wechselspiel von dünnen und dicken Linien. Wann man nach oben und unten zeichnet, ergibt sich eigentlich ganz logisch, aber  seltsamerweise habe ich ständig nachgefragt. So kommen dann solche Anleitungen zustande …

FullSizeRender-HandletteringLinien müssen nicht immer nur Sinn ergeben, sie können auch reine Dekoration sein. Okay, auch dann haben sie eine Funktion, sie umspielen Worte, drücken Emotionen aus und sollten – auch eine Regel – immer zur Bedeutung und dem Ausruck des Wortes passen.
Hier mal meine allerersten Versuche mit der dünnen Seite des Tombrush-Stifts.

Besonders viel Spaß macht es, wenn man anfängt, seine eigenen Schreibvorlieben zu entdecken. Sind es eher die geschwungenen Linien oder ist man am Ende eher der Typ, der in Blockschrift schreibt? Und wie ist es mit Farbe und Schatten, dem Kombinieren von Schriftarten und Größen? Da geht der Spaß erst richtig los. Am Ende, das sehe ich schon, werde ich auf die Wand überwechseln – aber das wird ein anderer Beitrag ;)

Jetzt fasse ich erste einmal Mut – tatsächlich – wirklich – echt – in mein wunderschönes Bullet Journal hinzuschreiben …

bullet journal
Radio

Bullet Journal

Bullet Journal oder back to amazing

Ja, klar, eine neues Ordnungssystem, ich bin dabei. Besonders, wenn zwei meiner Leidenschaften dabei voll auf ihre Kosten kommen:

  1. Mein Bedürfnis, Aufgaben, bevorstehende Ereignisse und Notizen zu ordnen
  2. und sie mit Hand aufzuschreiben (bzw irgendwo hinzukritzeln).

Hier sollte ich wohl hinzufügen: Und sie nie wieder zu finden, wenn ich sie brauche. Aber damit ist jetzt Schluss, denn es gibt ein System! Das Bullet Journal. Genial. Ja, natürlich steht da auch eine Geschäftsidee dahinter und ein Produkt, und demnächst wahrscheinlich auch noch Konzerte und T-Shirts und eine Gruppe für Abhängige. Doch noch ist es nicht so weit, noch kann ich euch ganz einfach ein nettes neues Ordnungssystem für Leute vorstellen, die nicht ALLES am Computer machen wollen.

Ein Notizbuch – ein Stift

Erfunden hat das System Ryder Carroll, der 20 Jahre daran herumgefeilt hat. Wie das so ist – genial ist immer einfach und man versteht gar nicht, warum da nicht schon viel eher jemand draufgekommen ist. Was man braucht, ist erstmal nicht mehr als ein mittelgroßes, mitteldickes Notizbuch mit weißen oder wahlweise leicht karierten Seiten und einen vorzugsweise schönen Stift. Wie fülle ich das Bullet Journal nun? Im Grunde bastelt man sich einen Kalender mit Notizseiten. Doch was an einem Kalender streng vorgeschrieben ist, nämlich die Einteilungen von Tagen, Wochen oder auch der Raum für Notizen – liegt jetzt ganz in meiner Hand.

Index

Ja, es macht Sinn, Carrolls System zu folgen, daher erkläre ich es hier kurz. Die erste Doppelseite, mit der man beginnt, ist der Index, also das Inhaltverzeichnis. Nun, das macht natürlich nur Sinn, wenn das Bullet Journal so um die 50-100 Seiten hat. rbh-10Doch wenn, dann sollte man alle Seiten durchnummerieren. Und im Index eintragen, was und wo in eurem Journal zu finden ist. Nach und nach. Denn, das ist das Tolle: Das Bullet Journal entsteht mit den Bedürfnissen des Benutzers.

Future Log

Als nächstes legt legt man den Future Log an, die Zukunftsplanung. Dafür blättert man zur nächsten Doppelseite. Carroll schägt es so vor: Ein Lineal nehmen und die Seite in 3 Teile teilen. Dann beschriftet man es mit den Monaten, die als nächstes anstehen.
rbh-11  rbh-9

So habt ich ein halbes Jahr auf einen Blick. Oder ein Jahr, wenn ich umblättere und das Gleiche noch einmal mache.

Monthly Log

Hm, ist nicht gerade viel Platz, wenn man in diese Felder eintragen will, was man im Monat vorhat. Nun, dafür ist der Future Log auch gar nicht da. Dafür gibt es den Monthly Log. rbh-13Ich nehme die nächste freie Doppelseite und trage auf die eine Seite alle Tage des Monats untereinander. (Ja, ich weiß, viele machen sich da lieber ein Grit/Gitter für die Tage, aber vertraut hier Ryder, der sich dabei etwas gedacht hat.)  Auf die andere Seite des Monthly Log kommen die Aufgaben, die man sich für – hier Januar – vorgenommen hat.

Daily Log

Ich bleibe im Januar und blättere um zum Daily Log = der nächsten freien Doppelseite, bzw Seiten. Je nachdem, wie viel man an den einzelnen Tagen vorhat. Das ist die Tagesplanung. Ein Tag braucht keine ganze Seite, denn jeder weiß ja, was man so alles an einem Tag schafft. Genau. Nicht viel. Es sind also eher so 4-5 Tage auf einer Seite. Ich notiere unter jedem Tag, was ich alles machen will. Mache einen Punkt vor alle Aufgaben, einen Kreis vor die Events und einen kleinen Gedankenstrich vor die Notizen, damit da schon mal eine Übersicht ist. Ein Sternchen ist für wichtige Dinge und kommt noch mal vor die anderen Zeichen. Das System ist wieder von Carroll und es ist ausbaubar. Ausrufezeichen, Herzchen und so weiter. Aber auch hier gilt: Weniger ist mehr.rbh-8

  • Punkte für Aufgaben,
  • Kreise für Termine
  • Striche für Notizen

Alles, was ich sonst so lose zusammen in mein Notizbuch hinein notiert habe, findet nun seinen Platz. Viele Dinge passieren an einem bestimmten Tag, die kann ich in die Monatsübersicht eintragen. Das wären dann wohl eher die Events. Andere Dinge will ich irgendwann mal in dem Monat erledigen, die kommen auf die rechte Seite des Montly Logs. Einige Dinge nimmt an sich täglich vor. Die kommen in den Daily Log.

Bullet Journal in action

Ganz besonders genial ist das Bullet Journal in action. Dann, wenn ich mich frage, was ich alles geschafft habe. Was erledigt wird, bekommt ein x über dem Punkt oder Kreis oder dem Gedankenstrich. Yeah! rbh-12Aber dann gibt es Dinge, die habe ich nicht geschafft. Hier also die ernsthafte Frage? Noch wichtig? Nein? Dann durchstreichen. Wenn ja, dann ein kleines Richtungsdreieck vor die Aufgabe machen und in den nächsten Monthly Log eintragen.Bullet Journal -1 Oder eines in die andere Richtung, wenn ich die Sache längerfristig verschiebe, nämlich in den Future Log! Jep, genau, dafür ist der also da. Das nennt man Migration.

Collections

Natürlich hat ein Bullet Journal auch Platz für meine speziellen Listen. Ideen für Bücher, könnte eine bei mir heißen. Oder Weihnachtsgeschenke. Oder Rezeptsammlungen. Quotes, die ich mir merken will. Da wird es dann bunt und ganz persönlich. Und fun! Denn während es vorher durchaus Sinn macht, alles nach System und ordentlich aufzuschreiben, kann man in den Sammlungen verzieren und dekorieren.

Die Kunst der Notiz

Nun bin ich bei aller Ordnungsliebe gegen zu viele Notizen. Es soll Leute geben, die schreiben in ihr Bullet Journal: Abwasch machen oder Wäsche waschen. Hm, muss man sich das wirklich merken? Oder liebt man das Durchstreichen so sehr? Was ich aber auf jeden Fall sehr spannend finde und meinen Nerv vollkommen trifft, ist die Gestaltung des Bullet Journals, die sehr schnell eine individuelle Form annimmt. Farbig, mit Zeichnungen, Symbolen und Lieblingslisten für Musik oder Bücher. Yeah! Ich erinnere mich an meine Tagebücher, in denen mit der Zeit immer mehr Zeichnungen und Doodles vorkamen. Und Farbe und Fotos, die ich eingeklebt habe. Hier bin ich sofort dabei.

Schöner schreiben

Und dann passt es zu einer neuen Leidenschaft, nämlich dem Handlettering, mit dem ich mich seit ein paar Jahren beschäftige.
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Schönschrift war nie mein Ding, aber für mich ist es das auch weniger, sondern eher – zeichnen. Also eine Schrift in eine geschwungene Form bringen. Der Trend, der in Amerika schon vor Jahren angesagt war, schwappt jetzt erst richtig nach Deutschland. Gerade wird auf jedem Blog und auf jeder Chipstüte gelettert. Egal, ich finde es großartig. In Kombination mit dem Bullet Journal wird die Sache nun ein kleines Kunstwerk in Buchform.

Analog lebt länger

Ich schätze mal, ich werde weniger Notizen, Termine und Aufgaben in meinem Bullet Journal sammeln, als Ideen und Listen anlegen. Damit ist es auch schon eine Art Tagebuch, und hält meine Wünsche und Leidenschaften zu einem bestimmten Zeitpunkt fest, denn irgendetwas sagt mir, dass die Dinge auf Papier am Ende länger bleiben werden, als meine iTunes Bibliothek oder meine Notizen in Evernote oder in meinem iPhone. Kurz: Es lebe das Bullet Journal!

Ordnung
Radio

Ordnung und Chaos

Ordnung ist das halbe Leben

Ja, ich gestehe, ich liebe diesen Satz. Schon als Kind hat es mich extrem fasziniert, Dinge in eine Ordnung zu bringen. Besonders meine Gedanken, weshalb ich mit neun Jahren angefangen habe, Tagebuch zu schreiben und Notizblöcke zu führen. Ich liebe auch Listen. Yay, gibt es ein besseres Gefühl, als Dinge auf einer Liste abzuhaken? Ganz klar liebe ich dabei auch das Analoge. Also das aufschreiben und (gerne mit einem anderen farbigen Stift) abhaken und durchstreichen. Als ich dann so zwanzig war, kam mir der Verdacht, dass ich ein wenig creepy bin, was das angeht. Immerhin hatte ich zu diesem Zeitpunkt einen Karteikasten mit Inhaltsangaben von Büchern, eine Zitate-Sammlung und eine beachtliche Anzahl von Tagebüchern. Außerdem eine Fitnessroutine und einen kontrollierten Ernährungsplan. Und das Computerzeitalter begann gerade erst.

Chaos und Ordnung

Als ich mein Studium begann, dämmerte es mir langsam, dass ich bis an mein Lebensende ordnen und sortieren kann, aber vermutlich dabei eine Menge verpassen werde. Wie das so ist, mit Dingen, die man sich halb unbewusst vornimmt – kurze Zeit später wohnte ich in einem besetzten Haus und das Chaos zog auf allen Ebene in mein Leben ein. Und ich ließ es zu. Ich trennte mich von meinen Buchzusammenfassungen, gewöhnte mich an unregelmäßige Essens- und Schlafzeiten, tanzte auf Besetzerfesten, hing in verrauchten Kneipen herum, ließ mich treiben. Ironischerweise bin ich dann wohl trotzdem diejenige, an die man sich erinnert, weil sie den Frühstückstisch immer sauber gewischt hat, oder versucht hat, Pünktlichkeit auf dem Besetzerplenum einzuführen.

Eins und Null

Keine Frage, dass der Beginn des Computerzeitalter mich vollkommen fasziniert hat. Weg mit dem ganzen Durcheinander, zwei Zahlen, was braucht man mehr? Vieles, was analog war, wanderte auf digitale Geräte und schon vor dem Smartphone fand ich den Palm, das erste digitale Notizbuch, superinteressant. Geschrieben habe ich zwar trotzdem auch weiter auf Papier, aber trotzdem die Möglichkeiten der digitalen Notiz erkundet. Ach, ich liebe die Notizzettelfunktion auf dem Mac. Ich hätte da auch ein paar Verbesserungsvorschläge, denn – ups – mein Bildschirm ist voll. Ich erweitere also auf die Wand, auch, weil ich Notizen gerne vor Augen habe. Und – schups – wird aus der Ordnung wieder das Chaos. Faszinierend.

Notiert, gemerkt, vergessen

Ich bin sicher der Meister der handgeschriebenen Notiz, die sofort danach ihre Bedeutung verliert, weil ich sie nicht wieder entziffern kann. Denn – Aufschreiben heißt merken. Irgendwo in meinem Unterbewusstsein speichert sich alles ab und sortiert dann auch Wichtiges von Unwichtigen. Was ich vergesse – war nicht wichtig. Bis zu dieser Erkenntnis war es ein langer Weg. Ich weiß noch, wie mir meine Handtasche gestohlen wurde. Darin war auch ein Notizbuch mit Story-Ideen für Bücher. Eigentlich eine Katastrophe, wenn ich nicht wüsste, dass – überall – auf meinem Macbook, auf Festplatten und Disketten (!), auf Servierten und losen Zetteln in Büchern – Buchideen von mir lagern. Wenn ich sie finde, weiß ich meist nicht mehr so genau, wie ich das alles gemeint habe, wenn ich sie überhaupt entziffern kann. Ist das wichtig?, frage ich mich dann.

Kreatives Chaos

Immer mehr digitale Ordnungssysteme wie Evernote oder Asana oder auch das Smartphones sollen uns helfen, Ordnung in unser Leben und unsere Notizen, Termine, Ideen, Gedanken zu bringen. Zumindest das Entziffern der Notizen sollten sie verbessern. Well – warum springe ich nicht an? Warum lagern die Apps unbenutzt auf meinem iPhone? Und selbst, wenn ich nun auch noch Ideen aus Zeitschriften abfotografiere oder in meine Notizbuchfunktion auf dem iPhone schreibe – warum herrscht mittlerweile die gleiche Zettelwirtschaft wie auf der Wand? Meine Antwort: Weil Chaos auch eine Art Ordnung ist. Das wissen wir ja eigentlich seit der Mandelbrot-Menge, obwohl ich das nur emotional verstehe und auf keinen Fall erklären kann. Anders gesagt: Wo Ordnung ist, ist zugleich auch immer Chaos und wo Chaos ist, auch immer Ordnung – man muss sie nur entdecken.

Zurück nach analog

100 % Ordnung  – wer will das? Theoretisch wäre es ja möglich, der Ordnung zumindest sehr nahe zu kommen. Doch es ist sicher kein Zufall, dass jetzt, wo wir die Sache computerish absolut in den Griff kriegen könnten, analoge Ordnungssysteme wieder IN werden. Ach, ja, es hieß ja auch, Ordnung ist das halbe Leben. Der Rest ist nämlich Chaos und so stimmt die Sache wieder.Und weil ich nicht aufhöre, mich für Ordnung UND Chaos zu interessieren, werde ich im nächsten Blogbeitrag mal etwas zum Bullet Journal schreiben. Willkommen zur neusten Idee der personalisierten Ordnung oder besser gesagt: deinem ganz eigenen Chaos.

erdbeben
Ruhe

Erdbeben

Wenn die Erde bebt

Zugegeben, es ist nicht unbedingt ein gutes Gefühl, in eine Region aufzubrechen, die gerade hart von einem Erdbeben getroffen wurde. Nur 4 Tage später aufzubrechen, um genau zu sein. Aber Zuhause zu bleiben, fühlte sich auch nicht gut an. Wir fahren schon seit 16 Jahren nach Italien, immer auf den gleichen Berg – das ist unser Ferienort! Wie gehen wir also damit um, dass nur 40 km Luftlinie entfernt, auf dem gegenüberliegenden Bergmassiv, die Erde gebebt hat?

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Natürlich waren wir nicht cool. Falls es ein Erdbeben gibt, rennen wir alle in den Garten. Nein, das große Feld! Nein, wir bleiben im Haus und stellen uns unter die Türen. Und hatten Bedenken: Dürfen wir dort in der Sonne sitzen, wenn gegenüber auf dem Berg gleichzeitig Menschen unter Häusern begraben sind? Manchmal wünscht man sich, man wüsste weniger. Die Website der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, von der auch die Infos oben stammen, öffnet einem schnell die Augen dafür, dass es an vielen Stellen auf der Welt, jeden Tag, schwere, mittelschwere und kleine Erdbeben gibt. Ups. Das soll keine Aufforderung zur Panik sein – im Gegenteil. Manchmal lässt man sich von einer diffusen Angst von Dingen abhalten, statt an den Ursprung dieser Angst zu gehen.

Vor Ort

Als wir im Tal ankommen, sehen wir die abgesperrte Straße, aber spüren auch die konzentrierte Ruhe. Nicht unbedingt etwas, was man von Italienern erwartet, wenn man sie in den Cafés über Fußball oder Politik diskutieren hört. Die Leute in der Gegend sind Erdbeben gewohnt, eigentlich gibt es jedes Jahr ein kleineres, und alle paar Jahrzehnte ein größeres Beben. Das Leben geht weiter, in den Bars, im Supermarkt, und oben in unserem Landhaus war auch alles wie immer. Nun, nicht ganz so wie immer. Auf dem Weg zum Tante Emma Laden im Nachbarort fielen sie mir als erstes auf.Erdbeben

erdbebenDie blauen Zelte, die auf dem Spielplatz standen. Ein gefüllter Wasserkanister daneben. Okay, da sollte man dann wohl hingehen, wenn es bebt. Erstaunlich sachlich und gleichzeitig beeindruckt, stelle ich fest, dass jedes noch so kleine Dorf, in diesem Jahr vorbereitet ist. Ein leichtes Erstaunen gab es dann kurz darauf auch bei den Cafébesitzern, die wir schon ewig kennen. Okay, dieses Jahr waren wir spät in den Urlaub gefahren, aber es lag wohl eher daran, dass wir überhaupt gekommen waren. Natürlich! Auf einmal war es mir ganz klar. Wie mies wäre das denn, diesen Ort in der Not allein zu lassen? Obwohl das keine Aufforderung sein soll in Krisengebiete zu reisen, hatte ich auf einmal das sehr starke Gefühl, das Richtiges zu tun. Dort zu sein. Zuversicht in eine Region zu tragen, die (auch) von den Ferienbesuchern lebt. Weil dieser Ort nicht einfach nur ein Ferienort für uns ist.

Das Beben

Wir hatten uns gerade daran gewöhnt, die Urlaubs-Helden zu sein, als wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit den (Nach)Beben machten. Nicht, dass es einen Tag ohne Beben in der Region gegeben hätte, wie wir auf einer Erdbeben-Website feststellen konnten, doch alles unter der Stärke 4 ist kaum wahrnehmbar. Oder nicht für alle. Egal wen man in den ersten Tagen im Dorf traf, die erste Frage war immer: Habt ihr es heute Nacht/Mittag gespürt? Nope. Wir fingen an, etwas nachzuspüren, etwas aufmerksamer aufzutreten, spürten nichts. Doch die Wahrheit ist, wenn es kommt, weißt man sofort Bescheid. Für mich war es faszinierend, dass die Beben so unterschiedlich sind. Mal wie ein Zittern und Nachvibrieren, dann nur ein kurzes Rumpeln. Hast du den Schrank umgeworfen? Nein, das muss ein Nachbeben gewesen sein. Und ich muss hier wohl nicht extra sagen, dass wir weder in den Garten gelaufen sind, noch uns unter die Tür gestellt haben. Wie auch, in wenigen Sekunden der Erstarrung? Des ungläubigen Wahrnehmens und der überraschten Erkenntnis: So ist das also!

Ich war gleichzeitig fasziniert und leicht geschockt. Was geht hier eigentlich ab? Ich meine: Auf der Erde? Und es gab ein weiteres Gefühl, das mich an verschiedenen Nachbeben-Morgen beschäftigt hat: Hey, es wäre gut, wenn wir die Erde ein wenig öfter spüren würden. Nicht unbedingt in ihrem verärgerten Zustand. Ihren Wut- und Vulkanausbrüchen oder Zorn-Zunamies. Aber doch bewusst wahrnehmen würden, dass es eine wunderschöne und sehr lebendige Erdkugel ist, auf der wir durch das Weltall fliegen. Und dass wir – und ja, das klingt jetzt kitschig – alle jeden Tag etwas dafür tun können, dass die Erde, das Klima, die Beziehungen hier etwas besser werden.

italien Erdbeben

the queen
Royal

Making Of – The Queen

Zu beiden Folgen über die Queen aus Lennys Webserie From the Land of Myth & Mist habe ich eine besondere Beziehung, da ich bei beiden Drehs zum einen nicht nur dabei war, sondern wir zum anderen auch gleichzeitig Buchtrailer zu  meinem Buch THE WORLD (coming 23. September 2016) gedreht haben. Und da Lenny morgen, am 21. August 2016, die zweite Queen-Folge präsentiert, dachte ich mir, es ist der beste Moment für ein Making Of.

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Introducing the Queen

Introducing the Queen ist schon länger online, aber die Dreharbeiten gehören zu den spektakulärsten aller Myth & Mist Folgen, da wir den Heilstätten in Beelitz gedreht haben. Die ganze Atmosphäre, alles war schon Myth & Mist. Der Nebel, als wir am Morgen dort ankamen, die alten Gebäude, die verwaschenen Farben und die Dunkelheit in den Innenräumen, da es kein künstliches Licht gab. Im Grunde war alles schon da, der ganze Myth & Mist Spirit.

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Während wir für THE WORLD  das ganze Hauptgebäude als location benutzt haben, hat Lenny sich dafür entschieden, „nur“ den großen Saal zu nutzen. Typisch, minimal, stylisch. Das große Rosettenfenster und sonst nur  … Raum. Und der Stuhl natürlich, auf dem die Queen (Isabel) Platz nimmt und das Schwert, als Zeichen ihrer Herrschaft. Wenige Symbole, wenig Farbe, wenig Bewegung, wenig Spiel.the Queen

Und wenn die Kamera auf die Queen zufährt, dann ist man selbst in der Rolle des Messengers, der keine gute Nachricht überbringt. Wie wird die Königin reagieren? Nicht gut, so viel ist klar. Und doch ist in diesem ersten Video alles noch ganz beherrscht.

As The Queen Surrenders

Ortswechsel an die Location für den zweiten Queen-Teil, in den Ballraum eines echten kleinen Landschlosses mit einem Blick auf eine wunderschöne royale Gartenarchitektur. Ein Ausblick, den Lenny erst einmal komplett verbarrikadiert hat. Rollläden zu, wir brauchen nur wenig Licht. Okay. Was ich zuerst schade fand, hat dem Film aber gut getan, der eine kleine und sehr intime Studie geworden ist. Die Queen, absolut grandios von Isabel gespielt, jagt einem nun, ohne Schwert und Thron, noch mehr Angst ein als zuvor. Kein Licht, keine Erkenntnis, und der Wahnsinn bahnt sich seinen Weg.

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Das bisschen Licht, das noch in den Raum fällt, wird genutzt, und die Birnen des Kronleuchters, die ein warmes und diffuses Licht erzeugen und den Raum in eine neue Farbe tauchen. Gold.

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Wie immer bin ich erstaunt, wie genau Lenny weiß, was er will. Wie genau er bekommt, was er will, und Isabel schließlich so laut schreit, dass der Gärtner des royalen  Anwesens nun ganz sicher ist, dass hier ein paar Verrückte etwas ganz Verrücktes machen. Jep. Und die Queen geht voran.

Postproduktion

Weil wir ein kleines Team sind, wird alles irgendwie selbst gemacht und Lenny schwört zum x-ten Mal, sich demnächst in jedem Department Hilfe zu holen. Jetzt muss er noch das Rasiermesser mit Blut beschmieren.

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Wie schnell das Team größer werden würde, hätten wir wohl alle nicht gedacht, aber davon erzähle ich ein anderes Mal mehr. Und natürlich sind die Dreharbeiten auch nur ein kleiner Teil des gesamten Making Of. Drehtage: ein Tag, Postproduktion … gefühlt sechs Monate. Schnitt, after effects, colour correction, Musik. Alles auch hauptsächlich Lenny. Am Ende frage ich mich, ob ich wirklich bei diesen Filmen dabei war? Irgendwie nicht. Den diese Filme kommen direkt aus Lennys Kopf. Und das ist es, was ich an der Kunst so liebe: Etwas entsteht, das noch nie vorher da war. Niemand vorher so gemacht hat, niemand vorher so gesehen hat.

Ihr könnt die Filme hier anschauen:

Folge: The Queen on YouTube ab sofort

Folge: As the Queen Surrenders ab 21. August auf YouTube.

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Roots

Brandenburg Amazonen

Suche Abenteuer, finde Knochen

FullSizeRender-8Vor einem Jahr war ich um diese Zeit für ein Literaturstipendium in Wiepersdorf/Brandenburg. In der Rückschau kommt mir die Zeit seltsam vor. Was habe ich da eigentlich gemacht? Klar, ein Buch geschrieben, aber sonst? Dieses kleine Zimmer und immer nur schreiben! Noch ein bisschen malen, dann wieder schreiben. Als das Zimmer und der Essraum mir langsam auf den Kopf fielen, musste ich die Umgebung erkunden. Einfach mal raus, das tut doch gut, kurbelt die Fantasie an und so weiter. Allerdings – ganz ehrlich: Ich bin keine Mensch für die Landschaft – oder den Wald. Ohne Schilder: Hier zum See, da zur Gaststätte, dort zum Waldspielplatz. Ohne Menschen und Hunde.

Aber das ist hier nun mal die Umgebung. Und das ist ja auch der Sinn dieses Stipendiums. Die Ruhe und Konzentration, der Austausch mit den anderen Künstlern und der Umgebung. Also gehe ich los und begegne – dem Wahnsinn. Rechts vom Weg ein Krokodil, das gierig sein Maul aufsperrt. Ein hohler Baum, abgehackt, die Splitter verteilt. Amaz6Räumt denn hier keiner auf? Aber das ist ein echter, ein uriger, ein Urwald. Ich habe es entdeckt: Brandenburg Amazonien.

Lianen, die sich über zugemoste Bäume legen, die wachsen, als wüssten sie nicht wo oben ist. Ein See? So ähnlich. Amaz14FullSizeRender-7Vertrocknet, prähistorische Krähenspuren am Modderstrand, Grasbüschel, die mir aus Jurassic Park bekannt vorkommen. Prähistorisch, prämenschlich, denn der Mensch ist in dieser Umgebung überhaupt nicht vorgesehen. Geh doch! wispert hier jedes Blatt. Geh doch zurück in deine Stadt, wenn du das hier nicht aushältst, du Memme! Baumland.

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Ich wate durch Brennnesselfelder, wo spitze Äste darauf warten, einem die Augen auszustechen. Warum habe ich mich überhaupt in das Dickicht geschlagen? Gleichzeitig bin ich fasziniert: Wahnsinn, DAS ist mal ein Wald. So muss das sein.

Amazonas und Amazon

Andere Künstler finden das auch. Der Wald und seine Geheimnisse, also gehen wir am nächsten Tag gemeinsam los. Und wie wir Künstler so sind, finden wir auch gleich etwas. Juhu, Knochen!

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Ich bin  lieber etwas weiter weg von den Knochen. Ich sehe am Abend immer heimlich Bones über Amazon Prime (die Hälfte der Künstler hier verabscheut Amazon) und da sieht die Sache irgendwie sauberer aus. Und nicht so echt. Ein Wildschwein? Elffriede ordnet mal alles, weil sie das immer so macht. Elffriede – Aufzeichnungssysteme. Oder ein Reh. Eigentlich ganz klar, was soll denn hier sonst so im Wald rumliegen? Höre ich mich panisch an? Ich bin etwas panisch. Ich weiß nicht mehr, wo wir die Fahrräder abgestellt haben, damals, als wir auf dem Weg nicht mehr weiterkamen -Verdammte Abenteuerlust.

„Wir können die Knochen doch mitnehmen!“

Nein, Elffriede, ganz gewiss nicht. Das hier ist nicht Bones – alles ins Lab – das hier ist Brandenburg, und die Tiere lassen wir liegen. knochenUnd falls es Menschenknochen sind, dann sollten wir wohl besser rennen. Ich fang schon mal an und haste durchs Unterholz. Der Wald?! Was habe ich mir  bloß dabei gedacht? Wir Menschen haben hier nichts zu suchen. Hier sind die Tiere und fressen sich gegenseitig. Hier traut sich nur Attenborough hin und filmt mit Super-Teleobjekt. Aber dann – ich bleibe stehen und sehe es ganz weit oben: Hier gibt es nicht nur Bäume. Nee, nee, sondern auch Menschen, die in kleinen Hütten wohnen.brandenburg Oder in Hütten unten am Boden.

So ist das also, mit dem angeblich so verwilderten Wald. Dem Amazonasgebiet. Ha! Natürlich sind hier schon Menschen, das ist wie mit den Fliegen, die sind überall. Von wegen Baumland, von wegen Ende der Zivilisation. Die Vorhut ist längst angekommen und hat die Bäume verarbeitet und Häuser gebaut. Doch wo sind die Bewohner?

Von Mensch zu Mensch

Ich habe einen Plan. Ich gehe zurück zum Krokodil und baue mir einen Einbaum. Dann fahre ich den Brandenburg Amazonas hinunter und treffe auf die Eingeborenen. Die echten, versteht sich. (Logisch, dass die Blaumann-Männer und Kopftuchfrauen hier eigentlich gar nicht hingehören.) Kneipe? Nope! Ich habe etwas Besseres vor. Mit der lässigen Handbewegung des Forschers – Malaria? Nicht mir! – fege ich die Fliegen, die Monsterlibellen, die Raubvögel beiseite. Ich finde die Amazonen. Hier wartet das echte Abenteuer – Brandenburg, ich komme.

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Als ich nassgeschwitzt hochschrecke, liegt der Kindle Fire dunkel neben mir. Die Amazonen finden? Oder vielleicht besser die Prime-Mitgliedschaft kündigen. Das Leben draußen und hier drinnen in meinem Studierzimmer – die Grenzen verschwimmen. Wie lange geht dieses verdammte Stipendium noch?

Wenn ich mir jetzt die Bilder ansehe, dass muss ich sagen – eine verrückte Zeit. Zum Glück habe ich das Buch fertig geschrieben und bin nicht durchgedreht. Ich umarme den Baum vor unserem Haus. Wir sind so gute Freunde! Mehr brauche ich nicht. Jedenfalls was die Natur angeht. Auf die Filme kann ich schon schlechter verzichten. Ein echtes Stadtkind eben.

#Kopf-Post it: Noch mal The Shinning ansehen.