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Rituale: Weihnachtsfilme

In unsere Familie gibt es viele Rituale, die sich ums Filme schauen drehen. Die Oscars im Februar zum Beispiel, Select in Italien und natürlich Weihnachtsfilme um Weihnachten rum. Wie originell.

Weihnachten ist ja eh das Fest der Traditionen und Rituale. Bei uns sah das von klein auf immer so aus:

Isas Geburtstag feiern, dann ab 14 Uhr: wir (Isa, Lenny, Amber) im Kinderzimmer Filme gucken, während Mama und Papa putzen, kochen und den Baum schmücken. (Danke dafür an dieser Stelle). Zwischendurch mit verbundenen Augen aufs Klo geführt werden, wobei das Blick erhaschen auf den halb geschmückten Baum so aufregend wie verboten ist. Ab 18 Uhr hört man die Gäste kommen und dann …das Glöckchen. Wir dürfen ins Wohnzimmer.

Und an diesem Weihnachtsritual hat sich bis heute so gut wie nichts verändert. Außer das Isa inzwischen morgens mit ihrem Freund Geburtstag feiert, wir alle aus unseren unterschiedlichen Wohnungen gegen Mittag zu Mama und Papa starten, eine Mittags-Hunderunde dazu gekommen ist und wir es aus irgendeinem Grund – die Zeit und ihre merkwürdigen Tricks – es nicht mehr schaffen, einen ganzen Film zu schauen. Aber Mama und Papa schmücken immer noch alleine den Baum und es ist nach wie vor strengstens verboten, den Baum vor dem Glöckchen zu sehen. (Vielleicht sollte ich an dieser Stelle anmerken, dass dieses Verbot mehr von uns Kindern als von Mama und Papa ausgeht).

Die Filme

Nun befinden wir uns ja hier in der Kategorie Film, werfen wie also mal einen Blick auf die Weihnachtsfilme.

Der erste Weihnachtsfilm soll 1898 entstanden sein und ist geschlagene 1:17 lang. Minutes that is.

Der größte Weihnachts-Box-Office-Erfolg ist ‚Home Alone‘. Den haben Lukas und ich uns neulich nochmal angeschaut. Und da dieser Film so gar keine Weihnachtsgefühle in mir geweckt hat, habe ich mich gefragt: Was sind den die genauen Kriterien für einen Weihnachtsfilm?

Für mich ist nicht so einfach wie:

  • Es muss mindestens ein Weihnachtsbaum zu sehen sein.

Zwar sieht man in ‚Die Hard‘, ‚Eyes Wide Shut‘ oder auch in ‚Harry Potter und der Feuerkelch‘ Weihnachtsbäume und man kann keinem dieser Filme ihren weihnachtlichen Touch absprechen, aber für mich braucht ein wirklicher Weihnachtsfilm noch mehr. Weihnachten ist ein sentimentales Fest. Und jeder hat eigene Erinnerungen, Must-Dos oder eben Must-Watch. Hier sind drei der Bongard/Carowschen Weihnachtsfilmklassiker:

‚Little Lord Fontleroy‘

Nach dem gleichnamigen Roman der englisch-amerikanischen Autorin Frances Hodgson Burnett aus dem Jahr 1886. Das Buch würde über ein dutzendmal verfilmt. Unser Favorit ist natürlich die britische Verfilmung von 1980 in Farbe mit dem blonden Cedric. Cedric lebt mit seiner Mutter, der Witwe eines englischen Aristokraten in Amerika, nicht in Armut, aber in eher ärmlichen Verhältnissen. Seine besten Freunde sind Dick der Schuhputzer und Mr. Hobbs der Gemischtwarenhändler. Eines Tags kommt ein Mann aus England, um der kleinen Familie mitzuteilen, das Cedrics nun der letzte lebende Erbe Lord Fontleroys ist und sich eben dieser aka Cedrics Großvater wünscht, dass Cedric zu ihm zieht um sich in sein späteres Leben als Lord einzufinden. Wir haben also einen frischen, fröhlichen, amerikanischen Knaben, der auf einen alten, kränklichen, verstaubten englischen Aristokraten trifft. Obwohl Weihnachten wirklich nur ganz zum Schluss vorkommt und große Teile des Films sogar im Sommer spielen, handelt es sich hierbei für mich ohne Frage um einen Weihnachtsfilm. Wenn ich die Anfangsmusik höre, rieche ich schon den Baum mit seinen Kerzen, Mamas Special Festtagsparfum und das Brathähnchen.

Also Kriterium Nummer zwei:

  • Große Teile und mindestens der krönende Abschluss muss an Weihnachten spielen (deswegen ist Harry und Sally auch ein Neujahrsfilm). 

‚Four Christmases‘

Ok eine Weihnachtskömodie mit Vince Vaughn und Reese Witherspoon in den Hauptrollen könnte auch schrecklich sein. Aber aus irgendeinem Grund ist dieser Film wirklich gut. Und vor allen Dingen lustig. Die Prämisse ist, dass ein Pärchen, dessen Eltern geschieden sind, jedes Jahr an Weihnachten aus der Stadt ‚fliehen‘. Getarnt als wohltätige Zwecke, um den Weihnachtswahnsinn der Familie zu entgehen. Naja das klappt in jenem Jahr nicht und die beiden müssen also 4 Christmases über sich ergehen lassen. Mit unter anderen Robert Duvall und Jon Favreau in den Nebenrollen. Ja, dieser Film ist mehr eine lustige Unterhaltung, als ein rührender Weihnachtsfilm, aber wie gesagt, er hat was.

Das ist ein Bonus Kriterium:

  • Er sollte Insider kreieren, die man das ganze Jahr über, aber besonders in der Weihnachtszeit zitieren kann, sodass alle in Stimmung kommen. 

‚Love Actually‘

Ein Film, der alle, aber auch wirklich alle alle Weihnachtsfilmkriterien erfüllt.

I can förmlich feel it in my fingers.

Das Interessante an diesem Film ist, dass Weihnachten zwar natürlich eine große Rolle spielt, aber eher nur das Mittel zum Zweck ist, um die wirkliche Geschichte zu erzählen. Denn der eigentliche Hauptcharakter in diesem Film ist, Love … actually. Das macht diesen Film zu dem ultimativen Weihnachtsfilm. Bei mir weckt er ein Gefühl der Dankbarkeit. Dankbar, am Leben zu sein, gesund, dass ich den Tag mit (fast allen) meinen Lieblingsmenschen verbringe, leckeres Essen esse.

Papa hat über den Film schon einen schönen Beitrag kreiert.

Also last but not least:

  • Familie & Dankbarkeit

Für mich muss ein Weihnachtsfilm Familie zeigen. In any shape or Form. Das Kennenlernen eines bisher unbekannten Familienmitglieds, das Konfrontieren problematischer Familienbeziehungen nach jahrelangem Aus-dem-Weg-gehen. In Love Actually haben wir den Tod einer Mutter, eine Scheidung, ein frisch verheiratetes Paar etc. Vielleicht sind die Vorbereitungen stressig, oder der Heckmeck in den Supermärkten, die Amazonen Streik etc. aber am Ende des Tages machen wir das alles, um mit unseren liebsten Menschen zusammen zu sein. Choose them wisely!

 

 

euch allen!

 

 

Ruhe

Ruhe: Interview mit Cranio Sacral Therapeutin Jule

Wie ihr wisst, bin ich die ‚Patin‘ der Rubrik Ruhe. Bei Ruhe geht es um Selfcare, Spiritualität, Achtsamkeit. Und je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto mehr Leute treffe ich, die darüber was zu sagen haben. Wie Jule. Ich durfte Jule kennenlernen und es war Liebe auf den ersten Blick. Sie ist nicht nur ein unglaublich beeindruckender Mensch, sie ist auch angehende Cranio Sacral Therapeutin. Deswegen haben wir uns über Cranio Sacral, Körper und Geist, Faszien und die Magie des Stillpunktes unterhalten.

Hey du,

Naaaaa…

Ich dachte wir fangen mal bei den Basics an: Was ist Cranio Sacral Therapie?

Cranio Sacral ist Körpertherapie und ein Teil der Osteopathie.

Man geht davon aus, dass alles, was man erlebt – sei es physisch oder psychisch – im Körper gespeichert wird.

Der Körper ist den ganzen Tag dabei, sich selber zu regulieren und Ausgleich zu schaffen. Doch manchmal entstehen Blockaden im Körper, ausgelöst durch Unfälle, jahrelange Fehlstellungen oder psychische Traumata und wenn das “Fass” voll ist, kann der Körper nicht mehr regulieren oder kompensieren und es entstehen Schmerzen und körperliche Einschränkungen. Das Problem liegt öfter schon viel früher vor, aber meist spüren wir das nicht oder nehmen die Zeichen des Körpers nicht wahr oder erst wenn es klare physiologische Einschränkungen gibt. Im Cranio lädt man den Körper dazu ein, in intensive Stillpunkte zu gehen, in denen der Organismus heilt und begleitet ihn so in eine Regulation. Bei Cranio wird in der Knochen- und Muskelebene, Faszien-, Nervalen- oder auch in der Arteriellenebene gearbeitet. Es gibt Behandlungen, die gehen total in die Tiefe, bei denen vergangene Traumata hochgeholt werden, wieder andere laufen eher strukturell ab und verringern Schmerzen oder Einschränkungen und begleiten einen Patienten einfach bei einem Heilungsprozess.

Du hast mir mal davon erzählt das jeder Mensch einen Cranio Rhythmus hat?!

Genau. Jeder Mensch hat einen – stärker oder schwächer ausgeprägt. Wenn eine Verletzung oder ein Trauma vorliegen, ist es meistens so, dass die “verletzte” Seite sozusagen nicht mehr so gesund und gleichmäßig schwingt wie die andere. Durch das Spüren des Craniorhythmus und eventuelle Einschränkungen auf der einen oder anderen Seite, ist es als Therapeut eine wunderschöne Orientierung und somit harmonisiert man während der Behandlung die rhythmischen Bewegungen verschiedener Körperebenen.

Es gibt verschiedene Rhythmen im Körper, ein wichtiger Moment im Heilungsprozess ist der “Still Point”. Das ist der Moment, wo die Rhythmen in eine “Ruhephase” gehen, die Zeit einen Moment still zu stehen scheint. Je nachdem wie sich die Stille anfühlt (ob angespannt oder ruhig), kann man ablesen, in welchem Prozess sich der Organismus gerade befindet. Meistens lädt man als Therapeut zu einem Still Point ein, da man davon ausgeht, dass dies der Moment ist, wo der Körper am besten heilt. Es ist fast wie bei einem PC, den man neu startet oder sogar defragmentiert: Der Körper startet nochmal neu und kann alles in eine besser funktionierende Ordnung bringen.

Und wie bist du zu Cranio Sacral gekommen?

Ich bin nach Berlin gezogen, um Kunst zu studieren, habe aber ziemlich schnell gemerkt, dass es mich eher in den sozialen Bereich zieht. Schon in meiner Kindheit hab ich immer automatisch die Helferrollen eingenommen. Da musste ich erst mal lernen, was gesund helfen ist und was nicht. Dann habe ich durch Zufall einen Freund von meinem Vater wieder getroffen, der Osteopath ist. Und der hat mir dann geraten, Osteopathie zu machen. Das hat sofort klick gemacht, obwohl ich von alleine niemals auf Medizin gekommen wäre. Mir wurde von außen immer gespiegelt, dass ich in das System nicht wirklich reinpasse, da ich eher ein kreativer Chaot bin und öfter die Schule gewechselt habe. Also habe ich einfach aus dem Blauen heraus angefangen, Osteopathie zu studieren. Ich hab das ein dreiviertel Jahr lang studiert und war total überfordert. Ich war zu der Zeit psychisch total labil und war nicht richtig in der Lage, den Stoff aufzunehmen. Cranio ist einer der drei Teile der Osteopathie und hat einen biodynamischen Ansatz. Ich habe mich sofort in das Fach verliebt. Während meiner eigenen Cranio-Behandlung sind unglaubliche viele Traumata hochgekommen. Ich dachte: ‚Woah, ich komme durch Körpertherapie an etwas, was für mich vorher eine schwarze Box, nicht greifbar war. Und wo ich niemals gedacht hätte, dass man da irgendwie drankommen kann‘. Fragen, die ich bei dem Osteopathie-Studium offenblieben, wurden mir in der Cranio-Ausbildung beantwortet. Und ja, dann hab ich abgebrochen angefangen mich auf Cranio Sacral Therapie zu spezialisieren. Dazu mache ich gerade noch einen Heilpraktiker, ohne den man in Deutschland nicht praktizieren darf.

Was ist wichtig für einen Cranio Therapeuten? Worauf muss man achten?

Cranio hat sehr viel mit Menschen lesen zu tun. Du nimmst den Menschen, sobald er durch die Tür reinkommt, als Ganzes wahr. Wie wirst du begrüßt? Hat er oder sie Schiefstellungen, z.B. hängende Schulter, ein lahmendes Bein? Was für ein Vibe kommt dir entgegen? Guckt dir die Person in die Augen oder nicht? Man muss sehr individuell auf die Leute eingehen, manche sind sehr körperbewusst, manche eher rationaler. Da muss man schon für jeden individuell den richtigen Ton finden, um die Leute auf ihrem Stand abholen zu können und verständlich zu sein.

Ich glaube, das ist auch das, was mich an dieser Arbeit so fasziniert: Man hat Zeit, sich wirklich auf sein Gegenüber einzulassen, um eventuell vergangene Operationen, Traumata und Co aufzudecken. So etwas würde man eventuell übersehen, wenn man Menschen in einem 10- bis 20-minütlichen Akkord abarbeiten muss. Da können die Ärzte ja nichts für, das ist das Gesundheitssystem. Schade, dass man erst zu alternativen Ärzten gehen muss, um als Patient wirklich wahrgenommen werden zu können.

Bei Cranio finde ich die Grundhaltung auch faszinierend, auf Augenhöhe und mit keiner Absicht in die Behandlung zu gehen. Es ist fast, als wäre der Therapeut der Patient. Meine Dozentin sagt immer “écoute” – hör zu – egal, ob mit den Ohren oder in der Behandlung mit den Händen. Wenn du als Therapeut richtig gut bist, kannst du den Menschen in dem Prozess begleiten, wo auch immer er hinführt. Und dann kommt es auf deine innere Haltung an. Ich nenne es immer den Buddha-Zustand, da bist du ganz offen, in dir ruhend.

Und hast du da einen bestimmten Ablauf, wie du dich in diese Ruhe bringst?

Ja, das waren einige der ersten Dinge, die uns in Cranio beigebracht wurden. Die innere Haltung ist mit das Wichtigste, um bei sich anzukommen und sich in sich selber gut zu verankern. Je besser du das hinbekommst, umso besser kannst du einen sicheren Ort für den Patienten schaffen. Ich bin oft auch sehr dankbar, dass ich in meinem Leben schon sehr schmerzhafte psychische Grenzerfahrungen gemacht habe. Alleine mit dieser Erfahrung kann ich Leute durch – egal was sie gehen – begleiten. Es sind nicht nur leere Worte zu sagen: “Ich weiß wie du dich fühlst.” Ich bin durch Vieles selber sehr jung durchgegangen und kann Menschen fühlen lassen, hier bist du sicher. Es gibt auch viele Verankerungstechniken wie zum Beispiel der “innere sichere Ort”, der einem ebenfalls in der Psychotherapie begegnet. Hierbei kannst du dir irgendeinen Bereich im Körper aussuchen. Je mehr du diesen inneren sicheren Ort ausschmückst und besuchst, desto mehr Sicherheit gibt er dir. Wenn du einen inneren sicheren Ort als Therapeut präsent hast, bekommen die Patienten dies bewusst oder unterbewusst mit. Das gibt ihnen Sicherheit. Auch dem Therapeuten kann es nützen, sich während einer sehr anspruchsvollen Behandlung mal zu “schützen” oder zurückzuziehen. Ich möchte die Traumata ja nicht aufnehmen, sondern nur mitgeschehen lassen.

Und nach der Behandlung? Hast du da auch ein Ritual, um dich wieder zu cleansen?

Ich habe mir angewöhnt, nach der Behandlung die Person noch zehn Minuten liegen zu lassen, damit sie erst mal ankommen kann. Da geh ich immer raus und wasch mir die Hände und die Arme. Ich war ja im Kontakt mit der Person und da kommt ne Walze in Bewegung. Aber ich kann nicht immer alles ableiten und manchmal ist die Verbindung mit einem Menschen so tief, dass sich meine Hände danach kribbelig oder verkrampft anfühlen. Da ist es sehr wichtig, wieder bei sich anzukommen und die Dinge, die sich eventuell an mir “anhaften” wollen – potentieller Schmerz -, wieder gehen zu lassen.

Für wen ist Cranio Sacral geeignet?

Puh. Das ist auch sehr individuell. Es kann für Leute sein, die nirgendwo anders eine Lösung gefunden haben. Oder für Leute, die neben der Reha begleitet werden wollen. Oder für diejenigen, die sich und ihren Körper besser verstehen und Stress reduzieren wollen. Ich hatte einige Patienten, die von Arzt zu Arzt gerannt sind und es wurde vermeintlich “nichts gefunden”. Eine, wie ich finde, schwierige Diagnose, wenn da doch noch Schmerzen vorliegen. Überraschend oft sind es die Faszien, deren Verklebung sehr, sehr schmerzhaft sein kann. Faszien befinden sich überall im Körper. Sie spannen sich um Muskelfasern, einzelne Muskeln und Muskelgruppen und sogar das Gehirn. Sie reagieren auf Stresshormone und dieses unglaublich feine, spinnenartige Gewebe verklebt und verklumpt dann. Die Faszien engen dann Muskeln ein oder klemmen Nerven ab. Die Folge sind beispielsweise Rücken- und Nackenschmerzen oder Migräne.

Ebenfalls würde ich Cranio bei Sportverletzungen, Menstruationsbeschwerden, Stoffwechselstörungen, Psychischen Traumata oder Schlafstörungen empfehlen.

In unserer Gesellschaft gibt es ja trotzdem noch eine weit verbreitete Scheu vor alternativen Heilmethoden, Menschen die sagen, dass das alles Schwachsinn ist …

Klar, die gibt es immer. Selbst ich habe bis heute manchmal Zweifel, da ich auch in dem Glauben großgeworden bin, man müsste immer etwas wegschneiden, richten oder schwere Eingriffe tätigen, um Erfolge zu sehen. Aber jedes Mal, wenn ich selber gestruggelt habe, hatte ich wieder eine Behandlung, bei der ich durch minimale Impulse etwas in jemanden verändern konnte. Das hat mir den Glauben zurückgegeben. Der Körper hat eine unglaubliche Power und einen Selbstheilungssinn. Er braucht nur manchmal einen kleinen Anschub. Einmal behandelte ich eine Frau, die jahrelang Schmerztabletten nehmen musste. Während der Behandlung haben wir gemerkt, dass der Dünndarm verklebt war, welches wir dann Stück für Stück lockern konnten. Zeitgleich wurde sie unheimlich traurig und alte Kindheitstraumata kamen hoch. Der Darmbereich steht auch für unsere emotionalen Erlebnisse und wird hier und da das “Bauchhirn” genannt. Eine Woche später rief sie mich an, dass sie seit der Behandlung schmerzfrei wäre und somit auf die täglichen Schmerztabletten verzichten konnte. Das macht einen einfach ehrfürchtig und deswegen bin ich drangeblieben. Klar, es können immer mal wieder Zweifel hochkommen, man hat nie die eine Lösung, aber ich glaube, es gehört zu dem gesunden Verstand eines Therapeuten/Arztes, sich immer wieder selbst anzuzweifeln. Es gibt Krankheiten, die haben wir noch nicht verstanden und deswegen ist es wichtig, dass man immer eine offene Grundhaltung behält, von wegen ich kann besten Wissen und Gewissens handeln, aber ich weiß nicht alles. Mein Papa sagt immer „Wer heilt, hat Recht“. Wenn also eine Person aus der Behandlung mit einer höheren Lebensqualität geht, sei es, weil Traumata und/oder Schmerzen losgelassen wurden, dann ist es egal auf welchem Weg sie dahin gekommen ist. Das macht mich einfach unglaublich glücklich und ist Grund genug weiterzumachen.

Inwiefern hat Cranio dein Leben beeinflusst?

Es ist enorm, mein Leben hat sich um 180 Grad gewendet. Cranio wird automatisch zu einer Lebenseinstellung. Sobald ich gestresst bin, sobald ich Schmerz fühle, fühle ich in mich rein, integriere den Schmerz und kann ihn somit meist gehen lassen. Ich verstehe mich und im Umkehrschluss die Welt besser, seitdem ich das mache. Denn wir sind alle Menschen und natürlich haben wir alle einen anderen Background, aber wir alle haben einen Körper, alle einen Lebens-Spirit, wir haben alle auf irgendeine Art und Weise schon mal Schmerz und Freude erlebt. Ich hab‘ das Gefühl, dass die Menschen bereit sind und richtig Bock haben, sich zu verstehen. Die meisten mit denen ich rede, sind super offen und super begeistert, wenn sie begreifen: ‚Boah, krass, ich darf mich endlich verstehen, ich darf den Schmerz verstehen‘.  So viele Leute streben danach, gesehen, gehört und wahrgenommen zu werden. Ich glaube, das führt auch zu einem Heilungserfolg, dass du jemanden wahrnimmst, ihm auf Augenhöhe begegnest und sagst: ‚Hey wir sind ein Team und wir kriegen das irgendwie hin. Du bist nicht alleine.‘ Wir sollten uns mehr darauf konzentrieren, was gut geht und positiv an uns ist, um das vermeintlich “Negative” besser akzeptieren, anschauen und integrieren zu können.

Gedanken haben eine unheimlich starke Kraft und Anziehung, deswegen ist es immer wichtig, sich bewusst zu machen, was man tagtäglich denkt und ob man sich nicht mit Stress und Gedanken selbst geißelt. Ich glaube, diese Therapieform ist eine wunderschöne Arbeit, sich seiner selbst mehr bewusst zu werden und sich mit allen Facetten mehr zu lieben und zu akzeptieren.

Ich kann nur für mich sagen, dass es mir unglaublich viel Ruhe und Selbstvertrauen in mein Leben gebracht hat, und ich hoffe ich kann dem ein oder anderem ein bisschen mitgeben.

 

Jule gibt Cranio Sacral Behandlungen in Berlin. 

Bei Interesse einfach auf Facebook schreiben :) 

 

Ruhe

Haut: Alles wird gut

Come close dear friend, come close and look me in the eye, see right into my soul and tell me what you see, can you calm the fire thats burning inside, can you touch my skin and help me breath?

Ich hatte immer eine Babypopohaut. Bei jedem Dreh haben sich die Maskenbildner dreimal darüber im Kreis gedreht, wie toll meine Haut war. Und ich habe als kleiner Wurzel auf Menschen  geschaut, die ihre Akne überschminkt haben, und gedacht:  »Ist doch total der Teufelskreis, sie überschminken es und dann wird die Haut noch schlechter und dann müssen sie noch mehr überschminken.« Kurz darauf kam der Teufelskreis zu mir und hat mich mit offenen Armen aufgenommen.

2010

In der letzten Drehwoche von Sommer in Orange hat meine Haut angefangen, unruhig zu werden. Das war 2010 und ich war zwölf Jahre alt. Mein Gott die Pubertät geht halt los und so verändert sich halt auch der Körper. Für mich war das aber der Anfang vom Ende. Ich bin Amber, ich habe eine Babypopohaut, ich bin Schauspielerin. Ich konnte es so wenig ertragen, dass ich mich verändere, dass ich nicht mehr ‚perfekt‘ bin. Das Wort ‚perfekt‘ benutze ich viel, wenn ich über mein jüngeres ‚Ich‘ rede. Denn das war meine Vorstellung von mir, von der Welt. Hautprobleme gehörten nicht dazu.

Ich wurde älter und meine Haut wurde schlechter. Bei jedem Dreh mit neuen Maskenbildnern konfrontiert zu sein, die jedes Mal aufs Neue so tun, als hätten sie noch nie ein vierzehnjähriges Mädchen mit Akne gesehen, hat nicht geholfen.

Ich habe aufgehört, Leuten in die Augen zu gucken. Nach dem Motto, wenn ich sie nicht sehe, sehen sie mich auch nicht. Ich habe mich so unendlich geschämt. Habe jedes How-to-get-clear-skin-Video auf YouTube gesehen, bin zu dubiosen Kosmetikern gelaufen und habe Stunden vor dem Spiegel verbracht.  Gleichzeitig habe ich andere Menschen um mich herum extrem bewundert, die offen mit ihren Hautproblemen umgegangen sind. Die nichts überschminkt haben, die einfach weiter gemacht haben wie bisher,  und die meistens nach ein paar Monaten wieder mit klarer Haut ankamen. Bei mir hat sich über die Zeit ein immer größeres Feuer im Bauch gebildet, immer mehr Scham und Unwohlsein.

Hey Amber, deine Hormone verändern sich, mach dir keinen Stress, lass die Finger von deiner Haut und spar dein Geld, statt es für überteuerte Kosmetika auszugeben. Alles wird gut. Du hast vielleicht eine genetische Veranlagung dafür, so what dafür hast du auch tolle Dinge vererbt bekommen. Und außerdem, die Haut ist ein Organ. Und wenn man will, kann es auch sehr mechanisch sein. Was tut Organen gut? Wasser. Es ist eigentlich immer Wasser. Wasser, Bewegung, Schwitzen, frische Luft. Und vor allen Dingen, kein Stress. 

 

2014

2014 war hart. Meine Haut war schlechter denn je, und ich war so unglücklich wie nie zuvor in meinem Leben. Wir müssen hier nicht lange nach der Huhn-oder-Ei-Frage suchen. Mir ging es psychisch schlecht und deswegen war meine Haut schlecht. So rum geht die Geschichte. Ich war monatelang krank, bin jeden Tag heulend aus der Schule gekommen und hab schon gar nicht mehr in den Spiegel geschaut. Es war, als ob mir jemand auf die Stirn »Mir geht es schlecht« geschrieben hat. Das einzige, das ich machen wollte, war, mich zu verstecken, aber du kannst dich nicht verstecken. Es steht dir literally ins Gesicht geschrieben. Und ich wurde bei jedem Foto, bei jedem Blick in den Spiegel daran erinnert, warum ich mich so beschissen fühlte.

Und dann kam der Tag, an dem ich in der Maske saß und die Maskenbildnerin kritisch in mein Gesicht geschaut hat und sagte: »Naja … wenigstens hast du schöne Wimpern.« Und genau in diesem Moment hat sich etwas in mir verändert. In meinem Bauch hat sich wieder das Feuer ausgebreitet. Aber nicht wegen Scham und Selbsthass, sondern ein ganz klarer rationaler Gedanke. »Du musst für dich kämpfen Amber, niemand sonst wird es tun.« Ich wurde wachgerüttelt. Und ja, am Anfang noch mit dem Gedanken: »Wie kannst du es wagen, mich so fertig zu machen, nur ich darf mich so fertig machen und glaub mir, ich mache mich fertig, aber du nicht, Fräulein.«

Der Anfang vom Ende

Das schöne am Tiefpunkt ist, dort ist das Leben ehrlich gesagt extrem einfach, du kannst nur bergauf.

Ich habe aufgehört, mich zu schminken und ich habe den Leuten wieder direkt in die Augen geschaut, am liebsten gleich durch, direkt in ihre Seele. Warum? Ich hatte nichts mehr zu verlieren. Und ich habe es als meine einzige Aufgabe gesehen, das Feuer in meinem Bauch aus meinem Körper auszuleiten. Physisch mit Bauchatmung und Yoga, mental mit Tagebuch schreiben und Menschen segnen, die mir wehgetan haben und spirituell mit Meditieren und Affimieren. Ich habe angefangen, mich zu fragen »Wie geht es dir?« statt »Wie sieht meine Haut aus?«

Und ja, meine Haut wurde besser. Sie ist nicht perfekt, aber ihr wisst ja, dass ich dieses Wort nicht mehr benutze. Und es gibt keinen Tag mehr, an dem ich mit dem Blick in den Spiegel gucke, wie ich es damals gemacht habe. Nie, nie nie wieder. Anfang des Jahres als wir die Themen für unsere Red Bug Home Monate gewählt haben, wusste ich, ich möchte, dass es einen »Haut« Monat gibt. Damit ich meinen grandiosen: How I-got-clear-skin-Blogbeitrag machen kann. Jetzt realisiere ich, dass ich Anfang des Jahres immer noch in meinem alten Denkmuster war. Denn jetzt sitze ich hier, es ist Oktober, ich bin mental an einem komplett anderem Ort. Mir geht es gut. Mir geht es besser denn je. Und deswegen ist es egal, ob ich klare Haut habe oder nicht. Aber wenn es dir schlecht geht, versuchst du jeden Grund zu finden, den es gibt, warum es dir schlecht gehen könnte. Ich kam wirklich an den Punkt, an dem ich dachte, und wenn ich bis zum Rest meines Lebens Hautprobleme haben werde … so what. Mir geht es gut.

Haut Haut

Heute

Manchmal habe ich noch Phantomschmerzen. Ich spüre, wie mich jemand anguckt und ich spüre die Akne förmlich brennen in meinem Gesicht. Wenn ich dann später in den Spiegel gucke, merke ich, dass ich gar keine Akne habe. Es ist noch nicht so lange her, dass ich jedes Mal zusammengezuckt bin, sobald jemand das Wort Pickel oder Akne gesagt hat. Ich schaue alte Fotos von mir an, und ich sehe, wie schlecht es mir ging. Wie ich nur dieses Foto nicht gelöscht habe, weil es das einzige war, auf dem meine Haut okay aussieht. Wie ich lächle, aber innerlich eine Welle an Panik in mir aufsteigt, weil ich fotografiert werde. Ich habe mit einem Freund darüber geredet, und er meinte dazu nur: »Mir ist noch nie aufgefallen, dass du Akne hattest, aber stimmt, du hast einem nie in die Augen geguckt, das war strange

Ich könnte sagen: trink Wasser und Grünen Tee, nimm diese oder jene Creme, lass die Finger von deiner Haut, benutz Sonnencreme, schmink dich gründlich ab. Schau, das hat mir geholfen. Und ja das alles spielt eine Rolle. Aber ich weiß, ich musste durch diesen Prozess gehen, um zu lernen, was ich gelernt habe. Ich musste es bis auf den Grund erforschen. Ich wollte den Quickfix, aber ich brauchte die Erfahrung.

I love you

Es gibt genug Menschen da draußen, die easypeasy durch die Pubertät sliden. Deren Welt nicht zusammenbricht, sobald sie einen Pickel haben. Ich kenne diese Menschen, ich bewundere dieses Menschen. Im Nachhinein kann ich sehen, dass es mit ganz normaler Pubertätsakne losgegangen ist, ich aber so überhaupt nicht damit klargekommen bin, dass es ein größeres Problem wurde. Ich will deswegen nicht alle Menschen mit Hautproblemen über einen Kamm scheren, für manche ist es nicht diese riesengroße Demutslektion. Aber für mich war es das.

Wenn du gerade in dem Mindspace bist. Ich liebe dich! Wirklich, das kommt vom ganzen Herzen. Ich weiß, wie es dir geht. Und ich werde nicht anfangen zu sagen, dass du überreagierst. Ich verstehe dich, ich liebe dich und ich schicke dir so viel Energie! Alles wird gut!

P.s. Die Fotos sind alle in den letzten zwei Monaten entstanden.

Radio

Freunde: Harry und Sally

Friendship is a deep relationship where you share your most intimate thoughts and feelings.-Rob Reiner

Wenn ich an Filme über Freundschaften denke, denke ich als aller erstes an Harry und Sally. Wir haben hier natürlich die große Frage: Können Männer und Frauen Freunde sein? Und weil wir im Jahre 2018 leben: Kann Freundschaft zwischen zwei Menschen mit der gleichen Sexualität und dem jeweils anziehendem Geschlecht funktionieren? Oder auch ruiniert Sex eine Freundschaft?

How it began:

Harry und Sally fahren nach dem College von Boston nach New York. Harry erklärt Sally das Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht möglich ist, weil der Sex immer dazwischen kommt. Deswegen verabschieden sie sich nach der Ankunft in New York für immer.

Rob Reiner und Nora Ephron treffen sich ca. 1984/85 zum ersten mal, und Rob pitcht Nora eine Idee für einen Film, die sie gar nicht mochte.

                         

Nach fünf Jahren treffen sich Harry und Sally zufällig am Flughafen, Sally datet einen enfernten Bekannten von Harry, sie sitzen im Flieger neben einander und Harry erzählt das er verlobt ist.  

Rob und Nora treffen sich nochmal und er pitched ihr diesmal die Idee, die den Grundstein für Harry und Sally werden sollte: ‚Zwei Leute treffen sich am Ende ihrer jeweils ersten großen Beziehung und entscheiden sich dafür niemals miteinander zu schlafen, weil es die Freundschaft ruinieren würde und dann schlafen sie miteinander und es ruiniert die Freundschaft.‘ Nach diesem Meeting steigt Nora Ephron ins Taxi und hat die komplette Struktur des Films im Kopf.

Nach weiteren fünf Jahren treffen sich Harry und Sally zufällig in einer Buchhandlung in New York. Beide frisch getrennt. Sie beide sind nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Sie werden Freunde. 

                      

Becoming Friends:

Ephron und Reiner interviewten sich gegenseitig, um mehr über das Denken des jeweils anderen Geschlechts herauszufinden.

Harry und Sally helfen sich wieder in die Dating Welt einzusteigen und versuchen sogar sich gegenseitig mit ihren jeweiligen Besten Freunden zu verkuppeln. Jesse und Marie realisieren aber ziemlich schnell das sie füreinander bestimmt sind und werden ein Paar. Eines Abends ruft Sally aufgelöst Harry an, weil ihr Ex-Freund heiraten wird. Er kommt vorbei um sie zu trösten und sie schlafen miteinander. 

Meg Ryan, deren erste große Rolle es war und das erste mal das sie nicht nur das „Girl“ spielt wie sie selber sagt, und Billy Crystal werden als Harry und Sally besetzt und bringen tolle Ideen zu dem Drehbuch dazu. Billy Crystal hatte den Einfall für den berühmten Satz: ‚I’ll have what she is having‘.

Machen wir an dieser Stelle mal einen kurzen Break. Was sehen wir? Wir haben einen Mann und eine Frau, offensichtlich befreundet. Wenn man sich Interviews mit Rob Reiner anschaut wird schnell klar wie sehr er Ephron geschätzt hat. Von Ephron gibt es weniger Interviews aber ich denke das die Freundschaft auf gegenseitiger Wertschätzung beruhte. Wir haben hier als ganz klar einen Fall von einer Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau. Ganz Platonisch.

 If two people meet each other and they don’t do it, its because something is missing and it’s hard to make up for that. – Nora Ephron

Harry und Sally wissen nicht wie sie mit der Situation umgehen sollen und leben sich auseinander. Sie haben einen Streit bei Maries und Jesses Hochzeit und ihre Freundschaft scheint beendet.

                    

When Friendship becomes love:

Rob Reiner lernt während der Dreharbeiten seine zukünftige Frau Michele Singer kennen. Daraufhin ändert er das ursprüngliche Ende des Films bei dem Harry und Sally nicht zusammen kommen sollen.

An Silvester realisiert Harry das er Sally liebt: ‚I came here tonight because when you realize you want to spend the rest of your life with somebody, you want the rest of your life to start as soon as possible.‘ ‚You see? That is just like you, Harry. You say things like that, and you make it impossible for me to hate you.‘

Am Ende hat Harry doch irgendwie Recht, Sex ruiniert eine Freundschaft. Aber nur aus dem Grund, weil ab dem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich aus Freundschaft Liebe wird. Das Männer und Frauen aber befreundet sein können, ohne das jemals der Sex dazwischen kommt beweisen uns Nora und Rob selbst.

                     

 

Mein absoluter Lieblingssatz aus dem Film ist übrigens:

‚Someone is staring at you in personal growth.‘ – Marie (Carrie Fisher)

Shoutout an alle großartigen Leute in meinem Leben die genau das machen.

Royal

Royal: Ein Leben Sans Souci

(französisch sans souci deutsch: ohne Sorge)

Ein Leben Sans Souci, das war ehrlich gesagt als kind meine Vorstellung von einem normalen Leben. Alles andere hat in meinem Kosmos keinen Sinn gemacht. Und dann wird man älter und die große Verwunderung: „Wieso sprüht man die Bäume und Häuser nicht einfach Gold an?“

Ich bin in Potsdam geboren und aufgewachsen. Und zu meiner eigenen Überraschung habe ich einen ganz schön ausgeprägten Heimat-Stolz. Ich liebe diese Stadt. Die Seen, die Parks, die vielen Cafés, die Menschen und last but definetly not least: die Schlösser. Was soll ich sagen … Preußen interessiert mich halt. Ich habe schon viele Stunden zwischen den Regalen der Abteilung Brandenburgica in der Stadtbibliothek verbracht und mich in Biografien der Königin Luise verloren.

Goldene Stadt

Friedrich II oder auch Friedrich der Große oder ‚Der alte Fritz‘ ließ Sanssouci von 1745- 1747 nach Entwürfen des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erbauen. Es sollte sein Sommerschloss, sein Erholungsort im Stil des Rokoko werden. Und da das Leben in Preußen eben alles andere als Sans Souci war, war es vor allen Dingen eine Flucht vor den Kriegen und der Frau. Friedrich soll ein ziemlich sensibler Junge gewesen sein. Sich mehr für die Dichtkunst und das Flöte spielen, als für Krieg und die Unterweisungen seines Vaters interessiert haben, der ihn oftmals gewalttätig zurechtgewiesen hat. Er war ein kleiner Rebell und plante mit seinem damaligen besten Freund Hans Hermann von Katte die Flucht vor seinem gewalttätigem Vater nach Frankreich. Als das aufflog, ließ sein Vater Katte vor den Augen Friedrichs köpfen. Kein Wunder, dass man da von dem Leben ohne Sorge träumt.

Für Friedrich ging es als weder vor noch zurück. Wer weiß, vielleicht hat er nach Jahren irgendwann Gefallen an den Kriegen gefunden. Aber im Endeffekt hat er mit Sanssouci genau das versucht. Er hat sein Leben golden angesprüht und sich ein goldenes Schloss bauen lassen (Na ja Gelb, aber ihr wisst was ich meine).

Ich spaziere also durch Sanssouci und frage mich, ob ich das jetzt doof finden soll? Vor seinen Problemen fliehen? Sollte man nicht dem Ernst des Lebens ins Auge blicken? Zumindest eins habe ich in meinen jungen Jahren gelernt, man sollte die Sorgen in seinem Leben dankbar annehmen, denn wenn man sie ignoriert, werden sie nur größer und komplizierter und die Lektionen immer härter. Ich frage mich, ob Sanssouci Friedrich zu einem glücklicheren Menschen gemacht hat? Ich frage mich, wovor ich fliehe?

Wer ein kleines Leiden nicht ertragen kann, muß auf große gefaßt sein. – Jean-Jaques Rousseau

Eine Stadt ohne Sorgen

Lange sind die Diskussionen von dem Abriss der FH Potsdam an mir vorbeigezogen. Ich kannte mich zu wenig aus, um ernsthaft Stellung beziehen zu können. Oberflächlich gedacht: ‚Hm, nee, die FH ist nicht schön.‘ Aber irgendwie fühlt es sich falsch an, sie abzureißen. Das Viertel um die lange Brücke hat sich sehr stark verändert. Früher war das Filmmuseum das einzige Prunkvolle in der Gegend. Inzwischen sieht es aus, als ob jemand alles glatt geschmirgelt und dann mit dem neuen Dyson Staubsauger einmal drüber gefahren wäre. Leblos.

Und ich habe mich auch verändert. Ich kann nicht mehr von mir behaupten, dass ich kein Outdoor Typ bin. Zum Glück. Denn es gibt sehr viel Schönes, was vor der Tür auf einen wartet. Sehr viel kuddelmuddeliges. Und ich habe keinen Bock auf ein preußisches Potsdam. Denn wenn ich darüber nachdenke, liebe ich genau das an Potsdam. Die Mischung. Dass man vom Schloss Sanssouci zur Waschbar schlendern kann. Dass im Sommer die Leute nackt neben dem Marmorpalais liegen. Dass Freunde von mir beim Neuen Palais studieren und dann zum Volleyball spielen zur Datscha kommen. Mich fasziniert das dreckige, besprayte, neben dem barocken, goldenen. Das eine wäre ohne das andere langweilig.

 Ich weiß, daß ich ein Mensch, das heißt: daß ich dem Leiden geweiht bin. Gegen Schicksalstücke hilft mir nur eins: Standhaftigkeit. – Friedrich der Große

Es ist so leicht wegzuschauen und nichts zu sagen. Sich nicht zu informieren. Vom Leben Sans Souci zu Träumen und alles geschehen zu lassen. Und am Ende sitzt man in der 4 Quadratmeter großen Buga und wundert sich wo das Freiheitsgefühl hin ist.

Ich will Sorgen haben. An meinen Fehlern wachsen, Entschuldigung sagen müssen. Und ich will nicht mehr, dass alles Gold angemalt wird. Und ich glaube ehrlich gesagt, das Friedrich das auch nicht wollte. Immerhin war er mal ein Freak.

Das ist Stadtmitte für Alle:

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Radio

Freiheit: Interview mit Uwe

In diesem Monat beschäftigen wir uns mit Freiheit. Und wenn ich an Freiheit denke, denke ich schnell an die Bornstedter Felder. Man fährt ca. 10 Minuten mit dem Fahrrad und ist in einer anderen Welt. Als ich noch zu Hause gewohnt habe und noch nicht den Mut hatte, die Schule abzubrechen, waren diese Chappi Runden mit Papa in den Feldern das ultimative Freiheitsgefühl. Weg vom Trubel, zwischen den Feldern, ein Schotterweg unter den Rädern, ein weiter Blick und an besonders guten Tagen: Kaffee und Kuchen im Obstgarten. Deswegen war es dann doch sehr passend, dass Papa und ich dieses Interview bei einer Fahrradtor durch die Felder (wegen der Hitze ohne Chappi) geführt haben. Uwe Carow ein Denker und Könner. Und vor allen Dingen einer, der in der Freiheit zuhause ist.

Amber: Ich dachte wir fangen mal ganz vorne an, was hat Freiheit für dich als Kind bedeutet? Wie hat es sich ausgedrückt?

Uwe: Ich weiß noch, wenn ich zum Beispiel bei meiner Oma und Opa war, bei denen im großen Garten, dass man sich da frei bewegen konnte. Ja, das war schon ein freies Gefühl, obwohl ich das damals nicht als so ein Freiheitsgefühl empfunden hab. Später gab es zwar natürlich Einschränkungen durch Schule und solche Dinge, aber ansonsten waren wir viel draußen und konnten eigentlich machen, was wir wollten in den Feldern, radfahren und dann natürlich immer Fußballplatz. Da war dann das Ende der Freiheit, wenn die Sonne unterging, dann musste man nach Hause. Wenn man draußen war, war man nicht unter Aufsicht, das hat sich frei angefühlt. Es war eben ein sehr ländliches Aufwachsen mitten im Ruhrgebiet.

Hat es sich über die Zeit verändert, was Freiheit für dich bedeutet?

Ja, also für mich war Schule eine ziemliche Einschränkung. Ich weiß noch, dass ich, als ich endlich das Abitur hatte, auf meinem Bett lag und »I’m free«  von The Who aus der Tommy Oper gehört habe over and over again und ein unglaubliches Freiheitsgefühl hatte. Nie mehr Schule. Und dazu muss man sagen, dass es vielleicht sogar, wenn man es mit heute vergleicht, lockerer war. Zwar hatten wir auch samstags Schule, aber nie länger als bis kurz nach eins. Und ehrlich gesagt, bin ich im letzten Schuljahr nicht mehr oft zur Schule gegangen und hab viele Tage was anderes gemacht. Aber trotzdem war das eine unheimliche Einschränkung. Und die zweite Einschränkung, die es dann gab – das war schon während ich den Song gehört hab klar – dass die Bundeswehr auf mich wartet. Also das nächste Ding. Dabei hatte ich kein Problem damit, Deutschland zu verteidigen, auch kein Problem mit dem »Dienst an der Waffe«.

Ich war zunächst als sogenannter Kriegsdienstverweigerer anerkannt. (Damals musste man sich noch einer Gewissensprüfung unterziehen) Das wurde widerrufen und ich bin bei der nächst höheren Instanz durchgefallen. Und ich wusste: sie haben mich durchschaut, es geht nicht darum, dass mein Gewissen mir verbietet zu verteidigen, zu kämpfen, zu töten, sondern nur um meine persönliche Freiheit. Nach dreizehn Jahren Schule nicht tun und lassen zu können, was ich will, Befehlen zu gehorchen, die Einschränkung der Freiheit, das war das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte und deswegen wollte ich da nicht hin. Da hab ich mit 18 gewusst: Das kann ich nicht aushalten. Da geh ich nicht hin. Weder aus ideologischen noch aus sonst welchen Gründen, aber aus dem Grund der Freiheitseinschränkung.

Und wie bist du das umgangen?

Ich habe dann angefangen an der Kunstakademie zu studieren. Und hab‘ die Kriegsverweigerungsprozesse solange rausgezögert, bis ich im dritten Semester war. Denn dann konnte man erst sein Studium abschließen, bevor man eingezogen wurde. Also hatte ich erst mal Zeit gewonnen und hatte natürlich auch so ziemlich das freieste Studium, das man sich vorstellen kann, ohne Stundenplan. Das war für mich auch so eine super wichtige Sache. Und da hab ich dann das erste Mal verstanden, dass – ich war da ja erst neunzehn, also noch sehr jung – mit Freiheit auch eine gewisse Verantwortung kommt.

Also wenn du niemanden hast, der dir sagt, um 10 Uhr ist das-und-das und du musst dann-und-dann deinen Schein machen oder eine Klausur zu dem-und-dem Thema schreiben, sondern du kannst eben ins Atelier gehen oder nicht, dann spürst du plötzlich eben auch eine Verantwortung für dich selbst.  Ja, das hab ich da zum ersten Mal gelernt und auch gelernt, dass es sozusagen die Kehrseite der Freiheitsmedaille ist, dass man selber Verantwortung übernehmen muss.

Du hast dir ein Leben kreiert, das in gesellschaftlichem Sinn sehr viel Freiheit hat, mit selbstgesetzten Arbeitszeiten und, und, und. War das zufällig oder ging es gar nicht anders?

Das ist wahrscheinlich nicht zufällig, aber erst jetzt im Rückblick wird deutlich, dass das ein wichtiges Thema für mich ist. Wenn man in dem Prozess drin ist … zum Beispiel mit der Bundeswehr, ist es erst mal so ein inneres Gefühl und keine theoretische Überlegung: »Oh das gibt mir mehr Freiheit.« Dann ging ich in eine eingemauerte Stadt nach West Berlin, aber hatte trotzdem ein Gefühl von Freiheit.

Und dann ging ich in ein besetztes Haus, und da konnte man komplett eigene Regeln aufstellen und ausprobieren, also auch Freiheit, natürlich auch wieder mit Verantwortung und mit Risiken. Bestimmte Sachen hatte man eben nicht. Im Rückblick habe ich mich im Zweifelsfall immer für den freieren Weg entschieden, ob das immer gut war (Schulterzucken) … aber ich hab das so gemacht.

Und wann fühlst du dich in deinem Alltag am freiesten?

Also ich glaube, es ist eher umgekehrt, ich spüre es eher, wenn die Freiheit eingeschränkt wird. Also zum Beispiel hab ich ein Problem damit, wenn mir jemand sagt, wann ich wo sein soll. Also nicht wenn ich mich mit jemanden verabrede, aber zum Beispiel bei Filmproduktionen war das so. Eine zeitlang war ich ja oft am Set und dem Drehplan und den Dispos unterworfen. Mir von jemanden sagen zu lassen, dass ich irgendwo körperlich anwesend sein muss, das ist schon schwierig.

Aber wird das nicht, wenn man Kinder hat immer mehr, mit Elternabenden und so?

Das ist wieder was anderes, ich habe komplett frei entschieden, dass ich Kinder haben wollte und da hab ich mich nie unfrei gefühlt. Katrin und ich mussten uns natürlich eine zeitlang, als ihr klein wart, immer absprechen, wer wann wo ist, weil immer einer da sein musste. Könnte man sagen, das ist die totale Unfreiheit. Aber das hab ich nicht so empfunden. Das war eine freie Entscheidung für eine Verantwortung, die wir gemeinsam getroffen haben. Freiheit hat sowieso sehr viel mit subjektivem Empfinden zu tun.

Was meinst du hält einen davon ab, frei zu leben?

Man ist natürlich nicht nur in seinem Körper geboren, sondern hat dann auch über die Jahre so ein psychisches Konzept oder Korsett oder psychische Verfassung ausgebildet. Und die ist dann teilweise auch durch Erziehung, durch die Erziehung zuhause, aber auch durch die gesellschaftliche Erziehung geprägt. Da entwickeln sich hartnäckige Glaubenssätze. »Wer A sagt muss auch B sagen.« »Was sollen die Nachbarn denken.«

Glaubenssätze, die man selber für sich hinterfragen muss, und vielleicht auch gucken, ob die überhaupt gut für einen sind. Das ist auch ein Akt der Befreiung. Glaubenssätze zu erkennen. Und dann zu gucken, sind die für mich sinnvoll. Und die Anstrengung auf sich zu nehmen, die zu ändern. Das ist nicht einfach, erfordert Kraft und auch einen gewissen Mut. Freiheit ist zunächst mal die Freiheit von Angst. Weil es da natürlich noch die volle Wucht der spießigen Gesellschaft gibt, gegen die man sich behaupten muss.

Was meinst du damit?

Spießer sind für mich Leute, die anderen Leuten die Freiheit wegnehmen wollen. Nicht zu verwechseln mit Menschen, die jeden Tag vollkommen regelmäßig ihr Ding machen, einer Arbeit nachgehen, whatever. Die machen einfach ihr Ding, lassen andere in Ruhe. Spießer dagegen sind für mich Leute, die an die Decke klopfen, und da muss man gegen halten. Ängstliche Menschen, »Besorgte Bürger«.

Würdest du sagen, dass für dich grundsätzlich das Motto gilt, je mehr Freiheit desto besser? 

Also ich glaube, vielleicht ist das sogar eine historische Entwicklungsstufe, die Stufe der individuellen Freiheit. Ich glaube nicht, dass individuelle Freiheit der Gipfel der Evolution ist, aber im Moment sind wir, glaube ich, in einer Phase, in der individuelle Freiheit eine wichtige Sache ist. Gesellschaftlich. In der Menschheitsbewusstseinsevolution ist individuelle Freiheit ein großes Thema und es ist wichtig, dass man das weiter vorantreibt. Du musst das dann halt irgendwie auch durchsetzten gegen die gesellschaftliche Gegenströmung, und die spürt man oft schon sehr stark. Diese ganzen Sprüche von das Leben ist kein Ponyhof, das ist schon so ein sehr ängstlicher Spruch. Der einen unfrei macht. Ich mein das Leben ist auch kein Hamsterrad.

Radio

Italien: Call Me By Your Name

Wir fahren, seitdem ich drei bin, jedes Jahr (mit ein paar Ausnahmen) nach Italien. ‚Same procedure as last year‘, selbes Haus, selbe Hängematte, selbe Stimmung. Und das ist sehr wichtig, denn hier wird aufgetankt und Inspiration gesammelt. Im Januar/Februar ist die Italiensehnsucht meistens am allergrößten. Es ist ein halbes Jahr her, dass man in Italien war, und es wird nochmal genauso lange dauern bis man wieder da ist. Zum Glück kann man sich in der Zeit gut ablenken mit Oscar-Filme schauen. Und weil ich es dieses Jahr sehr gründlich machen wollte, habe ich natürlich auch den diesjährigen Spitzenreiter (und Gewinner der Herzen) ‚Call Me By Your Name‘ gesehen, ohne irgendetwas über den Film zu wissen.

Call Me By Your Name

Der Film, der zuerst ein erfolgreiches Buch war, handelt von Elio und Oliver. Elio, siebzehn Jahre alt, Sohn zweier Akademiker-Eltern, die den Sommer jedes Jahr in ihrem Haus in Italien verbringen. Und in jedem Jahr nehmen sie einen jungen Studenten bei sich auf. Diesmal ist es Oliver. Vierundzwanzig. Amerikanisch. Selbstbewusst.

Es ist eine Liebesgeschichte.

‚Call Me By Your Name‘ zählt ohne Zweifel zu den besten Filmen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Vielleicht war ich zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der richtigen Stimmung. Vielleicht hat alles zusammengepasst. Vielleicht hat aber auch der Film genau diese Stimmung erschaffen und sich so perfekt selbst in Szene gesetzt. So oder so hat mich der Film sehr berührt.

Nach dem Film haben Lukas und ich eine Viertelstunde lang nicht miteinander geredet. Sprachlos aus dem Kino gestolpert. Normalerweise ist diese Zeit der Raum fürs Analysieren, Austauschen, Abgleichen. Aber nach ‚Call Me By Your Name‘ wollte ich nicht analysieren. Ihn nicht kaputtreden. Denn ich habe ihn nicht mit meinem Kopf gesehen.

Nach dem zweiten Mal schauen, sehe ich den Film schon etwas nüchterner. Ein bisschen von der erstmaligen Magie ist verblasst. Und zu meiner eigenen Überraschung, ist es nicht unbedingt ein Film, der immer besser wird, je öfter man ihn schaut (Harry & Sally), aber nichtsdestotrotz ist er in meinen Augen nach wie vor ein Meisterwerk.

Der dritte Hauptdarsteller neben Elio und Oliver, ist definitiv der Sommer. Die Stille in der Mittagshitze, orangenes Laternenlicht in immer noch warmen Sommernächten, das Zirpen der Zikaden.

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Und als ich also im arschkalten Berlin das erste Mal ‚Call Me By Your Name‘ gesehen habe, wusste ich, dieser Film ist ein Italien-Select.

Select

Select ist ein Format, das Lukas in die Familie und in den Freundeskreis gebracht hat. Die Idee ist so simpel wie genial. Einer sucht einen Film aus, den er mit der Gruppe gucken möchte. Dabei ist es egal, ob er oder sie selbst den Film schon geschaut hat oder die Gruppe ihn schon kennt. Dazu organisiert derjenige eine kleine thematische Kleinigkeit. Das kann ein  passender Vorfilm wie ein Musikvideo sein, oder er kreiert das richtige Ambiente oder einen Snack.

Dadurch hat man zu einem das Problem aus der Welt geschafft, sich in einer Gruppe auf einen Film einigen zu müssen, und man erweitert seinen Horizont drastisch, weil man Filme sieht, die man sich selber niemals ausgesucht hätte.

So sitzen wir also in Italien, verteilt in Liegestühlen und Hängematten. Unserer Leinwand gespannt zwischen zwei Bäumen, im Hintergrund Umbriens grüne Berglandschaft, am Himmel der fast Vollmond. Dazu gibt es karamellisierte Pfirsiche mit süßer Sahne und Feigen. Und ja es hat alles gestimmt, wenn ich es selber mal so sagen darf.

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Die Schauspieler

Nach dem Film war ich unglaublich dankbar. Unglaublich dankbar, mich Schauspielerin nennen zu dürfen, und demnach, irgendwie, ein kleines bisschen näher an der Erschaffung dieses Film dran zu sein. Und ich bin eigentlich nie dankbar, Schauspielerin zu sein. Ohne Frage liebe ich den Beruf, ich genieße seine Vorzüge und lerne mit seinen Nachteilen umzugehen. Aber Dankbarkeit? Es ist für mich eher gegeben. Jeder hat einen Beruf und das ist halt meiner. Eine ganz neue Erfahrung also.

Trotzdem war ich nicht eifersüchtig, dass der Film ‚ohne mich‘ gemacht wurde. Denn wer hätte ihn spielen sollen außer den ausgewählten Schauspielern? Jeder kleinste Nebendarsteller wirkt so echt, so unausgewählt. Wer außer Timothée Chalamet hätte Elio spielen sollen? Wer schreibt ein Drehbuch mit der grünen Hoffnung, dass es schon irgendjemanden geben wird, der dies spielen kann? Und wer bekommt dann auch noch genau das, was er gesucht hat?

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Das Buch

Zu Italienurlauben gehört für mich lesen. „I can’t begin to tell you the number of books I’ve read here.“ (um es mit Elios Worten zu sagen). Deswegen habe ich mir vorher „das Buch zum Film“ besorgt. Das Buch, das mehr als ein Jahrzehnt vor dem Film erschienen ist. Das Buch, von dem man in den Buchhandlungen nur noch die Auflage zum Film bekommt. Vorne drauf das Filmcover und mit großen Bustaben: Now a Major Motion Picture from Sony Pictures Classics starring Armie Hammer and Timothée Chalamet. Hm. Was soll man da machen. Zum Glück hatte der Buchautor mehrere Cameos und das ganze schien Hand in Hand abzulaufen.

Im Nachhinein hätte ich das Buch gerne vor dem Film gelesen. Andrerseits hätte ich es niemals in die Hand genommen, wenn ich den Film nicht geschaut hätte. Vielleicht hätte ich sogar nur die ersten paar Kapitel gelesen. Ich weiß nicht, ob mir das Buch gefallen hat. Ist es genial, intelligent und durchdacht? Oder ist es ein flacher Erotikroman mit überraschendem Erfolg?

Zeitweise hat man das Gefühl, das Drehbuch zu dem Film zu lesen und dann wieder Passagen, die komplett anders sind.

Der größte Unterschied ist, glaub ich, Elios Charakter. Im Film beobachten wir Elio, wie er Oliver beobachtet. Im Buch stecken wir in Elios Kopf.

Eine Sache, die ich am Buch mag, und ich weiß nicht ob sie absichtlich so geschrieben oder Zufall ist: Man erfährt erst auf Seite 16, dass Elio ein Junge ist. Natürlich wusste ich es, da ich den Film schon geschaut hatte, und weil auf dem Cover ein Foto von Oliver und Elio ist. Aber sonst hätte man es nicht wissen können. Und ich frage mich, ob ich davon überrascht worden wäre, wenn ich es nicht gewusst hätte. Ob ich das Buch angefangen hätte mit der Annahme das „Ich“ ein Mädchen ist.

„Here,“ he ordered, pressing her flattend palm hard against my back. „Feel it? He should relax more,“ he said. „You should relax more,“ she repeated.

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Das Ende

Ich glaube es gibt kein schöneres Filmende als dieses. Und interessanterweise hat mich das Buchende genauso aus meinem Zweifel über das Buch herausgerissen. Obwohl die Enden total verschieden sind. Das Buch ist abgeschlossener, endgültiger, trauriger.

Der Film endet mit dem Gefühl von Herzschmerz, aber auch einem Hoffnungsschimmer, es ist noch nicht vorbei, sie sind noch jung, wer weiß was alles passieren kann. Jemanden zu hassen, hat mehr mit Lieber zu tun, als jemanden zu vergessen.

Der letzte Absatz des Buches hat mich wachgerüttelt.

Twenty Years was yesterday, and yesterday was just earlier this morning, and morning seemed light-years away.

„I’m like you,“ he said. „I remember everything.“

I stopped for a second. If you remember everything, I wanted to say, and if you really like me, then before you leave tomorrow, or when you’re just ready to shut the door of the taxi and have already said goodbye to everyone else and there’s not a thing left to say in this life, then, just this once, turn to me, even in jest, or as an afterthought, which would have meant everything to me when we were together, and, as you did back then, look me in the face, hold my gaze, and call me by your name.

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Ruhe

Rise & Shine: Frühstück

Liebe Red-Bug-Fans,

heute gibt es den Food-Beitrag, und was wäre ein Rise & Shine Monat ohne ein paar Frühstücksrezepte.

Croissants und Kaffee, Haferbrei mit Obst, Pancakes oder großes Sonntagsfrühstück. Frühstück kommt in allen Formen und Größen und ich liebe sie alle!

Seit dem ich alleine wohne, habe ich angefangen, mit unterschiedlichen Morgenroutinen und eben auch unterschiedlichen Frühstücken zu experimentieren. Das Ding ist nur, dass sie alle so lecker sind, dass es einfach immer mehr werden. Was ich aber schon herausgefunden habe ist, dass ich, wenn ich alleine frühstücke, gerne nach dem Bowl-Prinzip esse. Und wie ihr gleich merken werdet, sind diese Rezepte simpel simpel simpel.


Ingwershots

Mit dem Frühstück bricht man ja bekanntlich das Fasten der Nacht. Break-fast. Der Körper hat seit, na sagen wir mal ca. acht Stunden nichts gegessen und hatte viel Zeit zu verdauen und entgiften. Um dann morgens alles wieder in Schwung zu bringen und auch den letzten Rest zu reinigen sind Ingwershots der absolute Oberhammer! Besonders gerne trinke ich sie, wenn ich mich etwas kränklich fühle oder gerade wieder gesund werde, um mein Immunsystem wieder fit zu bekommen.

Sie wirken entzündungshemmend.

Stärken das Immunsystem.

Unterstützen die Verdauung.

Entgiften den Körper

… und sie sind lecker!

Man braucht dafür einen Entsafter und alles andere ist super simpel. Ich mache meistens am Anfang der Woche gleich einen ganzen Vorrat und stelle ihn in einer Flasche in den Kühlschrank. Wer noch nicht sehr Cayennepfeffer erfahren ist: ACHTUNG der hat es in sich. Also ich würde eher mit weniger anfangen, ca. eine Messerspitze, und sich dann bei Bedarf langsam hocharbeiten. Weil der Magen ja noch leer ist, kann man richtig spüren, wie der Shot durch den Körper wandert.

 

-Ingwer waschen, in Stücke schneiden und entsaften

 

-Zitronen und Orangen auspressen.

 

-etwas Cayennepfeffer dazugeben und fertig ist :)


Hirsebrei mit Blaubeeren

Hirse ist superduper gesund und richtig lecker. Sie ist im Vergleich zu anderen Getreidearten glutenfrei, was auch wenn man keine Allergie hat, immer eine gute Idee ist. Manchmal, wenn ich lange Zeit viel Brot und Nudeln gegessen habe und mich wieder etwas frischer fühlen möchte, steige ich für eine Zeit auf Hirse um.

In der Zeit wo die Hirse köchelt, räume ich auf, mache den Abwasch vom Vortag, ein paar Sonnengrüße oder geh duschen. Wer morgens nicht so viel Zeit hat, kann die Hirse auch einfach über Nacht in der ‚Milch‘ einweichen lassen und dann morgens nur noch erhitzen.

Der Kurkuma macht die Hirse richtig strahlend Sonnengelb und das in Kombination mit dem Violett der Blaubeeren macht echt ne funky Mischung.

Ich mache all diese Rezepte nach Augenmaß, aber vielleicht als Orientierung:

3-4 EL Hirse zu 250ml ‚Milch‘

 

-Hirse mit der ‚Milch‘ in einem Topf kurz aufkochen und dann ca. 15 min köcheln lassen.

-zum Schluss etwas Kurkuma unterrühren. Die Blaubeeren drüber und vielleicht ein paar Walnüsse.

 


Milchreis mit Himbeeren

Uh yiss! Milchreis war schon als Kind mein absolutes Soulfood. Mit Ersatzmilch ist er auch völlig vegan, was die Sache natürlich umso besser macht. Wenn ich also morgens ganz viel Zeit habe, an einem Sonntag zum Beispiel, mache ich mir Milchreis mit Himbeeren und fühl mich wohl in meiner Haut.

 

-Milchreis ganz normal kochen mit ‚Milch‘ und dann Himbeeren und Zimt drüber.

-ich gebe in meinen Milchreis auch gerne beim Kochen noch etwas Ahornsirup oder Honig.

Fertig :)

   


Warmes Birnen Müsli

Fun Fact: bis vor ca. einem Monat habe ich Birnen gehasst. Aber mir hätte ja auch jemand sagen können, dass Birnen nicht nur diese weichen viel zu süßen Äpfel-möchtegern sind, sondern dass es sie auch in knackig und frisch und göttlich gibt. Holy Moly. Die haben selbst warm einen völlig anderen Geschmack.

-Birnen mit ganz, ganz bisschen Wasser im Topf andünsten, dann ‚Milch‘ und Müsli dazu und ein paar Minuten warm und weich werden lassen.

-ich mach dann gerne Sonnenblumenkerne und Walnüsse drüber. Leggerschmeggger!


Bircher-Chiasamen-Müsli

Wenn man einmal die Tatsache verkraftet hat, dass eine Packung Chiasamen gefühlt zwanzig Avocados kostet, erwartet einen das Tor zu endlosen Möglichkeiten.

Jetzt wo es wieder etwas wärmer wird, habe ich immer mehr Lust auf kalte Frühstücke. Wenn es richtig zackig gehen muss, lasse ich alles schon über Nacht einweichen. Sonst reichen auch die zehn Minuten im Kühlschrank.

-Chiasamen und das Birchermüsli mit der ‚Milch‘ verrühren und für ca. 10 Minuten abgedeckt in den Kühlschrank stellen.  Dann nach Belieben noch etwas mehr ‚Milch‘ dazugeben, falls es zu trocken geworden ist.

-dann Äpfel schneiden oder reiben, Nüsse und Kerne drüber, etwas Ahornsirup oder so und vielleicht ein paar Beeren. Also alles, worauf man Lust hat. Fertig!


So das sind meine momentanen Lieblingsfrühstücke. Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen inspirieren :)

Rise and Shine, Sunshine!

 

 

 

Radio

Searching for Anerkennung

Sugar Man

Anerkennung. Was auch immer das sein soll. Wo kommt sie her? Wieso brauchen wir sie? Brauchen wir sie überhaupt? Eine Gesellschaft, die durch Noten in der Schule und likes auf Instagram immer neue Wege versucht, Anerkennung von anderen Leuten zu bekommen. Wettbewerbe, Preise, sich messen. Alles schön und gut, aber was ist, wenn es niemanden interessiert? Wenn niemand zuschaut? Wenn niemand sieht, wie sehr du dir den A**** aufreißt. Was ist dann?

Ich habe vor kurzem die Doku „Searching for Sugar Man“ geschaut.

Also erstmal eine ganz ganz große Empfehlung, für alle, die sie noch nicht geguckt haben. Sie beleuchtet die Geschichte des Musikers Rodriquez, der in den 70er Jahren in Detroit Musik gemacht hat. Sehr gute Musik. Mit schönen Bob-Dylan-esquen Texten. Nun hatte aber Rodriquez im Vergleich zu Mr. Dylan absolut gar keinen Erfolg. Niemand kannte ihn, sein Album hat sich überhaupt nicht verkauft. Und wir dürfen nicht vergessen, das war in der Zeit vor Twitter, Spotify, Soundcloud, Instagram. Das war Plattenladen und Radio. Also hört Rodriquez auf, Musik zu machen. Aber was er nicht weiß, ist, dass eine amerikanische Studentin eine seiner Platten mit nach Südafrika nimmt, um sie ihren Freunden zu zeigen. Und sie lieben sie. Innerhalb von kurzer Zeit wird er ein Superstar in Südafrika. Jeder zehnte hat seine Platte. Die Menschen denken, er ist in Amerika auf einer Linie mit Elvis. Und Rodriquez hat keinen blassen Schimmer. Sein Plattenlabel erzählt ihm nichts von den irrsinnigen Verkäufen in Südafrika. Er sieht nie einen Cent.

Ich beende hier mal die Zusammenfassung für alle, die den Film noch gucken wollen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Searching for Anerkennung

Nach der Doku habe ich mich auf die Reise der Anerkennung begeben. Ein Thema, das immer mal wieder in meinem Kosmos auftaucht, aber nie auf einer intelektuellen, nüchtern gedachten Ebene. Oft tritt das Thema wegen der Abwesenheit von Anerkennung in mein Leben. So wie man nur wirklich dankbar ist gesund zu sein, wenn man Schnupfen hat.

Also was ist Anerkennung? 

Es gibt die warme Bärenumarmung deines Vaters, der sagt, dass er stolz auf dich ist, es gibt das Zwinkern deines Mitspielers nach einer Szene, die gemeinsam gerockt wurde, es gibt das Filmbusiness, das mit Preisen um sich schmeißt. Das ist alles Anerkennung. Das ist alles: Wir sehen dich!

Und im Endeffekt ist gesehen zu werden ja das, worum es uns geht. Das wohlige Gefühl dazuzugehören. Seinen Part zu etwas beizutragen. Auf dem richtigen Weg zu sein (Anerkennung) oder etwas gut gemacht zu haben (Lob).

Wie oft saß Rodriquez da und hat an sich als Person gezweifelt, weil niemand seine Musik gehört hat?

Talent und Anerkennung:

Es ist hart und vielleicht auch unfair, aber Anerkennung und Talent sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Aber wenn die heilige Trinität zusammen kommt, wenn ein talentierter, sympathischer Mensch Anerkennung bekommt, dann öffnet sich das Tor zum Himmel und wir hören die Engel singen. So fühlt es sich zumindest an.

Das Filmbusiness kann mir keinen Preis dafür geben, dass ich die Schule abgebrochen habe, dass das extrem hart war und mir es eine Zeit lang wahnsinnig schlecht ging. Ich mich von Grund auf wieder zusammengeflickt habe und ich mehrmals von Freunden komplett alleingelassen wurde und erst Stück für Stück wieder das Vertrauen in Menschen aufgebaut habe. Aber eventuell spüren das die Menschen. Du bist ein Gesamtkonzept und das lässt dich auch nicht los, sobald du einen Song machst oder eine Rolle spielst. Ganz im Gegenteil. Das funktioniert natürlich auch im Negativem … siehe Kevin Spacey.

Sich nicht wertgeschätzt zu fühlen, kann einen Menschen kaputt machen. Und viele Beziehungen, egal ob Familie, Freundschaft oder Partnerschaften, zerbrechen daran. Man gewöhnt sich an das Gefühl und hört mitunter gar nicht mehr, wenn mal ein Lob oder Anerkennung kommt. Alles wird gefiltert.

Take it and don’t look back

Mir wurde klar, dass ich sehr oft Lob und Anerkennung bekomme. Aber mir wurde auch bewusst, dass sie häufig einfach an mir abperlen. Ich gar nicht richtig zuhöre oder es überhaupt nicht annehmen kann, wenn mir jemand sagt, was er an mir mag. Es ist schwer in diesen Momenten Danke zu sagen, und viel einfacher selbstmitleidend durch die Gegend zu laufen und imaginären Preisen hinterherzuschmachten.

Ich sehe viele Kollegen, aber auch Freunde, die sehr gut darin sind, Anerkennung anzunehmen.

Und ich dachte eigentlich, dass ich auch dazu gehöre …

Die Erkenntnis

Ich habe neulich meine allererste öffentliche Yogastunde gegeben.

Und es war klar, das hier ist ein big deal. Lukas wusste Bescheid und meine Eltern und ich war sehr sehr aufgeregt und es war definitiv außerhalb meiner Komfortzone. ‚Kann ich nicht nochmal zum Casting gehen oder vor dreißig Leuten eine Geburt spielen? Das hab ich schonmal gemacht.‘ Und das Universum sagt: ‚Nope, da geht’s lang.‘ Also ab in das Studio, ab vor die Schüler, die alle älter waren als ich und mich alle als komplett vollwertige Lehrerin gesehen haben. Mit Fragen und Wehwehchen und allem was dazu gehört. Wahnsinn. Und es war klar, danach muss ich mich belohnen. Mit Pommes oder Sushi oder am besten beidem. Das muss gefeiert werden.

Ich habe also unterrichtet, ich bin aus meiner Komfortzone mit einem Hechtsprung gesprungen und als ich hinterher aus dem Studio rauslief, war ich natürlich nicht 100% zufrieden. Ich sage natürlich, weil jeder, der Kunst macht oder performt, und ich denke mal auch jeder, der im Gericht Leute verteidigt oder Menschen im OP aufschneidet, niemals 100% zufrieden ist. Wieso auch? Dann kann man ja nicht mehr weiter an sich rumtüfteln und verbessern und schrauben und lackieren. 100% ist langweilig.

Also laufe ich da alleine im Dunkeln vom Studio nach Hause und fange doch tatsächlich an, mir selbst mein Sushi wegzunehmen. ‚Nein Amber, das hast du nicht verdient. Das bekommst du, wenn du mal so richtig gut warst. Heute noch nicht. Das nächste Mal.‘

Das Nächste, was passiert ist, dass ich eine unergründliche Wut und Enttäuschung fühle.  Und zwar gegen Lukas und meine Eltern. Wie kann es sein, dass ich nicht 10000 Herzlichen Glückwunsch Nachrichten auf meinem Handy habe? Wieso ist er nicht hier und stößt mit mir an?

Ich stapfe also traurig, alleine, enttäuscht, wütend durch Prenzlauer Berg. Und dann knallt mir das Universum die Antwort vor den Latz.

„DU musst dir die Anerkennung geben. Niemand sonst ist dafür verantwortlich, dir auf die Schulter zu klopfen. Werd erwachsen. Kauf dir deine Pommes und umarme dich und sag, dass du stolz auf dich bist.“

Schluck.

Ich selber schaffe es auch nicht, jeden kleinen Schritt der anderen zu sehen und zu wertschätzen. Für manche ist es, endlich wieder Joggen oder alleine ins Kino zu gehen. Für andere, einen Song oder selber einen Arzttermin gemacht zu haben.

Aber dann gib du dir halt die Anerkennung die du verdienst. Und es ist schwerer als es aussieht.

Ich saß also da auf meinem Bett, mit Shrek 2 und einem Tablett mit meinem Lieblingsessen. Es war ungewohnt und ok. Und ich war fast schüchtern mit mir. Und ich bin sehr dankbar, dass ich nach meiner ersten Yogaunterrichtssession alleine war und mir erlaubt habe, diese Erkenntnis zu haben.

Wir haben dann natürlich trotzdem nochmal darauf angestoßen.

:)

Hier ein paar Videos von Menschen, die Anerkennung bekommen aka das Gefühl von geschmolzener Butter auf dem Toast:

Graham Norton bei den National Television Awards:

Maggie Rogers und Pharrell Williams:

Hier ein guter Ted-Talk zu dem Thema:

 

Roots

Eat like a Yogi

Essen ist ein riesiger Aspekt in meinem Leben („Food is Life“ ist definitiv ein Satz, den man oft von mir hört). Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich zum Geburtstag das Kochbuch „My Yoga Canteen“ geschenkt bekommen habe. Yoga und Essen in einem … was gibt es Besseres? Also wo ist der Zauberplan? Der Shortcut? Sagt mir, was ich essen soll, und ich bin zufrieden. Tja so einfach machen sie es einem natürlich nicht. Aber sie sprechen mit einem liebevollen Augenzwinkern Empfehlungen aus und nicken verständlich, wenn du sie ignorierst. Yoga kann ein sehr nerviger Lehrer sein. Aber halt eben auch der Beste. Was sagen also die Yogis über unsere Ernährung?

Umgebung

A h i m s a

Ahimsa bedeutet Gewaltlosigkeit und ist ein der wichtigsten Gebote im Hinduismus und Buddhismus. Laut Ahimsa darfst du keinem anderen Lebewesen Schaden zufügen. Demnach wird die vegetarische Ernährung als die höchste Ernährung angesehen.

            

Körper

S a t t v a,  R a j a s,  T a m a s

Manche Nahrung gibt dem Körper Prana (die Lebensenergie in unserem Körper) wieder, andere nimmt dem Körper Prana und manche blockiert das Prana in unserem Körper. Diese drei Kategorien sind also wie die Pfeiler der Yogischen Ernährung:

 

 

„Yogische Ernährung heisst, Sattva-Reinheit zu bevorzugen, sich von rajasigen Lebensmitteln im Laufe der Zeit mehr und mehr loszusagen und tamasische ganz zu meiden.“ – My Yoga Canteen

Es geht aber nicht nur darum, was man isst, sondern wie man isst. In Ruhe und Achtsamkeit. Mit völliger Konzentration auf das Essen, mit so wenig Ablenkung wie möglich. Sadhguru sagt dazu, dass Gewohnheit der größte Feind von Bewusstsein ist.

Das heißt, eine Mahlzeit, die bewusst und in Ruhe eingenommen wird, ist Sattva.

Eine Mahlzeit, die hektisch und schnell eingenommen wird ist Rajas.

Und so viel von einer Sache zu essen bis man Bauchschmerzen hat, ist Tamas.

Das heißt, wenn man sich einen Teller Obst und Gemüse reinhaut, im Stehen, vorm Fernseher dann ist das nicht Sattva. Zelebrieren wir das Essen vor sich, vielleicht sogar in einer Gruppe von Menschen, die wir lieben, dann ist das wesentlich gesünder.

             

D u  b i s t,  w a s  d u  i s s t

In der Theorie klingt das alles erstmal sehr einleuchtend. Eine für den Körper richtige Ernährung kann den Körper stärken und sogar heilen. Eine für den Körper schlechte Ernährung schwächt und verlangsamt den Körper und kann ihn Krank machen. Es leuchtet mir auch ein, dass simples Essen, wie Obst und Gemüse oder Nüsse für den Körper leichter zu verdauen ist, als stark verarbeitetes Essen mit vielen Zusatzstoffen. Aber in der Realität ist unsere Ernährung wahnsinnig vorbelastet. Kindheitserinnerungen, Stress, emotionale Abhängigkeit, Zugehörigkeitsgefühl, Gewohnheit. All diese Dinge essen ja quasi mit, wenn wir etwas zu uns nehmen. Als ich mal drei Tage gefastet habe, war der körperliche Aspekt das allerkleinste Problem. Die Isoliertheit von allen Menschen um mich herum, das Emotionale war das Problem. (Hier mein Blogbeitrag dazu).

Geist

A g n i,  O j a s  u n d  A m a

Was hat es den nun mit der Verarbeitung unserer Gefühle und der Verdaung des Essen zu tun?

Man geht davon aus, dass jeder Mensch ein transformierendes Feuer in sich besitzt. Es heißt Agni. Alles was wir essen wird von Agni in Ojas transformiert. Ojas wird benutzt, um den Körper gesund zu halten, stark und rein.

Das geht aber nur, wenn das Essen „rein“ ist. Also Sattva.

Ist das Essen nicht rein, muss Agni mehr arbeiten, um Ojas zu produzieren und es entsteht ein Nebenprodukt namens Ama. Ama ist laut Ayurveda der Hauptgrund für jede Krankheit. Es blockiert Prana und okkupiert den Körper. Es gibt ihm mehr zu arbeiten, als er sollte, so kann er sich nicht darauf konzentrieren gesund zu bleiben.

Ama wird jedoch nicht nur durch schlechte Ernährung produziert. Ungelöste Emotionen aus der Vergangenheit oder emotionale und körperliche Giftstoffe aus der Umwelt sind ebenfalls Gründe für Ama.

Agni kann Ama „verbrennen“. Wenn es jedoch konstant mit für den Körper falsches Essen bombardiert wird, kann es sich erstmal nur darauf konzentrieren und negative Emotionen stapeln sich. Das Feuer wird dadurch immer schwächer.

 M e i n e  B e z i e h u n g  z u m  E s s e n

Wenn ich zurück denke, hatte ich am meisten Probleme mit dem Essen, wenn es mir emotional schlecht ging. Kurz bevor ich die Schule abgebrochen habe zum Beispiel. Im Nachhinein kein Wunder, da mein Agni Feuer definitiv überfordert gewesen sein muss.

Ich hatte sicherlich schon Phasen,  wo ich meinen Komfort im Essen gesucht habe. Ich hatte nie eine Essstörung und es war nie dramatisch. Aber ja, essen macht mich glücklich. Wenn ich gestresst bin esse ich viel und schnell. Es soll ja auch die Menschen geben, die nichts essen, wenn sie gestresst sind. Nope not me. Ich esse, wenn es mir gemütlich ist, und wenn ich traurig bin. Und ich neige definitiv dazu, mich mit Essen zu belohnen. An sich ja erstmal alles nicht verwerflich, aber es kann eben auch ganz schnell umschlagen in sich mit Essen bestrafen.

          

D i e  Y o g i s c h e  E r n ä h r u n g

Yoga bedeutet Einheit. Eins sein mit dem Universum und allem um dich herum.

Nimm Dankbarkeit und Achtsamkeit und Liebe als Grundlage für Alles. Eben auch dein Essen. Lerne dann dich selbst und deinen Körper kennen und schaue dann, dass du möglichst reine und vollwertige Nahrung zu dir nimmst.

Beobachte wie du dich nach dem Essen fühlst. Fühlst du dich energetisch und frisch, ausgeruht und zufrieden. Fühlst du dich schlapp und hast Bauchweh? Wie fühlst du dich am nächsten Tag? Wie hast du in der nacht geschlafen. Lerne deinen Körper kennen. Experimentiere mit Essen.

Und am allerwichtigsten sei dankbar für das Essen. Sei dankbar für jeden Menschen, der dazu beigetragen hat, dass das Essen in diesem Moment vor dir steht. Vom Bauern, über den Lastwagenfahrer, dem Kassierer an der Kasse, dem Koch oder Kellner, hinzu dir selber, weil du es dir gekauft und liebevoll zubereitet hast. Esse in Ruhe und achtsam. Mach dich nicht verrückt, daüber was du isst. Versuche die Nahrung als Medizin anzusehen und höre darauf was dein Körper braucht. Hattest du einen stressigen oder emotional aufwühlenden Tag? Versuche deinem Körper leicht verdauliche Dinge zu geben, um es ihm nicht noch schwerer zu machen. Hast du das Gefühl, dass du gerade dann ein Stück Schokolade brauchst? Dann iss die Schokolade und sei dankbar für deine Instinkte. Esse aus dem Bauch heraus und passe deine Ernährung an deine momentane Lebenssituation an. Fühlst du dich träge und musst Ballast loswerden? Esse eher Sonnen und Bodennahrungsmittel wie z.b Salat, Beeren, Obst. Ist das Leben super-rasant und musst du dich dadurch erden? Esse Kartoffeln und Beete um dich zu rooten. Sie nicht zu streng mit dir, fülle jede Mahlzeit mit Liebe.

Wie immer gibt es keine einfach, simple, „esse-nur-dies-und-du-wirst-glücklich“- Lösung. Das Leben ist ein Lernprozess und wir müssen ihm unsere Aufmerksamkeit schenken. Sich Fehler verzeihen und liebevoll weitergehen. In der Meditation wandern wir auch immer von der Umgebung, in den Körper, in den Geist. Nimm jede Mahlzeit als Chance für eine kleine Meditation.

„Do not make food into a Religion. It is not. It is a Choice.“  – Sadhguru

 

Vielen Dank an Krissi und Nik für das tolle Geschenk!

Hier ist „My Yoga Canteen“ von Marlo Scheder-Bieschin – ich kann es nur Empfehlen!

Hier sind ein paar Videos zu dem Thema die ich mir angeschaut habe:

Healthy Food and a Proper Diet — How Does One Decide?

The Science of Yoga (Part 4 – Diet)