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Amber

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Italien: Call Me By Your Name

Wir fahren, seitdem ich drei bin, jedes Jahr (mit ein paar Ausnahmen) nach Italien. ‚Same procedure as last year‘, selbes Haus, selbe Hängematte, selbe Stimmung. Und das ist sehr wichtig, denn hier wird aufgetankt und Inspiration gesammelt. Im Januar/Februar ist die Italiensehnsucht meistens am allergrößten. Es ist ein halbes Jahr her, dass man in Italien war, und es wird nochmal genauso lange dauern bis man wieder da ist. Zum Glück kann man sich in der Zeit gut ablenken mit Oscar-Filme schauen. Und weil ich es dieses Jahr sehr gründlich machen wollte, habe ich natürlich auch den diesjährigen Spitzenreiter (und Gewinner der Herzen) ‚Call Me By Your Name‘ gesehen, ohne irgendetwas über den Film zu wissen.

Call Me By Your Name

Der Film, der zuerst ein erfolgreiches Buch war, handelt von Elio und Oliver. Elio, siebzehn Jahre alt, Sohn zweier Akademiker-Eltern, die den Sommer jedes Jahr in ihrem Haus in Italien verbringen. Und in jedem Jahr nehmen sie einen jungen Studenten bei sich auf. Diesmal ist es Oliver. Vierundzwanzig. Amerikanisch. Selbstbewusst.

Es ist eine Liebesgeschichte.

‚Call Me By Your Name‘ zählt ohne Zweifel zu den besten Filmen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Vielleicht war ich zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der richtigen Stimmung. Vielleicht hat alles zusammengepasst. Vielleicht hat aber auch der Film genau diese Stimmung erschaffen und sich so perfekt selbst in Szene gesetzt. So oder so hat mich der Film sehr berührt.

Nach dem Film haben Lukas und ich eine Viertelstunde lang nicht miteinander geredet. Sprachlos aus dem Kino gestolpert. Normalerweise ist diese Zeit der Raum fürs Analysieren, Austauschen, Abgleichen. Aber nach ‚Call Me By Your Name‘ wollte ich nicht analysieren. Ihn nicht kaputtreden. Denn ich habe ihn nicht mit meinem Kopf gesehen.

Nach dem zweiten Mal schauen, sehe ich den Film schon etwas nüchterner. Ein bisschen von der erstmaligen Magie ist verblasst. Und zu meiner eigenen Überraschung, ist es nicht unbedingt ein Film, der immer besser wird, je öfter man ihn schaut (Harry & Sally), aber nichtsdestotrotz ist er in meinen Augen nach wie vor ein Meisterwerk.

Der dritte Hauptdarsteller neben Elio und Oliver, ist definitiv der Sommer. Die Stille in der Mittagshitze, orangenes Laternenlicht in immer noch warmen Sommernächten, das Zirpen der Zikaden.

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Und als ich also im arschkalten Berlin das erste Mal ‚Call Me By Your Name‘ gesehen habe, wusste ich, dieser Film ist ein Italien-Select.

Select

Select ist ein Format, das Lukas in die Familie und in den Freundeskreis gebracht hat. Die Idee ist so simpel wie genial. Einer sucht einen Film aus, den er mit der Gruppe gucken möchte. Dabei ist es egal, ob er oder sie selbst den Film schon geschaut hat oder die Gruppe ihn schon kennt. Dazu organisiert derjenige eine kleine thematische Kleinigkeit. Das kann ein  passender Vorfilm wie ein Musikvideo sein, oder er kreiert das richtige Ambiente oder einen Snack.

Dadurch hat man zu einem das Problem aus der Welt geschafft, sich in einer Gruppe auf einen Film einigen zu müssen, und man erweitert seinen Horizont drastisch, weil man Filme sieht, die man sich selber niemals ausgesucht hätte.

So sitzen wir also in Italien, verteilt in Liegestühlen und Hängematten. Unserer Leinwand gespannt zwischen zwei Bäumen, im Hintergrund Umbriens grüne Berglandschaft, am Himmel der fast Vollmond. Dazu gibt es karamellisierte Pfirsiche mit süßer Sahne und Feigen. Und ja es hat alles gestimmt, wenn ich es selber mal so sagen darf.

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Die Schauspieler

Nach dem Film war ich unglaublich dankbar. Unglaublich dankbar, mich Schauspielerin nennen zu dürfen, und demnach, irgendwie, ein kleines bisschen näher an der Erschaffung dieses Film dran zu sein. Und ich bin eigentlich nie dankbar, Schauspielerin zu sein. Ohne Frage liebe ich den Beruf, ich genieße seine Vorzüge und lerne mit seinen Nachteilen umzugehen. Aber Dankbarkeit? Es ist für mich eher gegeben. Jeder hat einen Beruf und das ist halt meiner. Eine ganz neue Erfahrung also.

Trotzdem war ich nicht eifersüchtig, dass der Film ‚ohne mich‘ gemacht wurde. Denn wer hätte ihn spielen sollen außer den ausgewählten Schauspielern? Jeder kleinste Nebendarsteller wirkt so echt, so unausgewählt. Wer außer Timothée Chalamet hätte Elio spielen sollen? Wer schreibt ein Drehbuch mit der grünen Hoffnung, dass es schon irgendjemanden geben wird, der dies spielen kann? Und wer bekommt dann auch noch genau das, was er gesucht hat?

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Das Buch

Zu Italienurlauben gehört für mich lesen. „I can’t begin to tell you the number of books I’ve read here.“ (um es mit Elios Worten zu sagen). Deswegen habe ich mir vorher „das Buch zum Film“ besorgt. Das Buch, das mehr als ein Jahrzehnt vor dem Film erschienen ist. Das Buch, von dem man in den Buchhandlungen nur noch die Auflage zum Film bekommt. Vorne drauf das Filmcover und mit großen Bustaben: Now a Major Motion Picture from Sony Pictures Classics starring Armie Hammer and Timothée Chalamet. Hm. Was soll man da machen. Zum Glück hatte der Buchautor mehrere Cameos und das ganze schien Hand in Hand abzulaufen.

Im Nachhinein hätte ich das Buch gerne vor dem Film gelesen. Andrerseits hätte ich es niemals in die Hand genommen, wenn ich den Film nicht geschaut hätte. Vielleicht hätte ich sogar nur die ersten paar Kapitel gelesen. Ich weiß nicht, ob mir das Buch gefallen hat. Ist es genial, intelligent und durchdacht? Oder ist es ein flacher Erotikroman mit überraschendem Erfolg?

Zeitweise hat man das Gefühl, das Drehbuch zu dem Film zu lesen und dann wieder Passagen, die komplett anders sind.

Der größte Unterschied ist, glaub ich, Elios Charakter. Im Film beobachten wir Elio, wie er Oliver beobachtet. Im Buch stecken wir in Elios Kopf.

Eine Sache, die ich am Buch mag, und ich weiß nicht ob sie absichtlich so geschrieben oder Zufall ist: Man erfährt erst auf Seite 16, dass Elio ein Junge ist. Natürlich wusste ich es, da ich den Film schon geschaut hatte, und weil auf dem Cover ein Foto von Oliver und Elio ist. Aber sonst hätte man es nicht wissen können. Und ich frage mich, ob ich davon überrascht worden wäre, wenn ich es nicht gewusst hätte. Ob ich das Buch angefangen hätte mit der Annahme das „Ich“ ein Mädchen ist.

„Here,“ he ordered, pressing her flattend palm hard against my back. „Feel it? He should relax more,“ he said. „You should relax more,“ she repeated.

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Das Ende

Ich glaube es gibt kein schöneres Filmende als dieses. Und interessanterweise hat mich das Buchende genauso aus meinem Zweifel über das Buch herausgerissen. Obwohl die Enden total verschieden sind. Das Buch ist abgeschlossener, endgültiger, trauriger.

Der Film endet mit dem Gefühl von Herzschmerz, aber auch einem Hoffnungsschimmer, es ist noch nicht vorbei, sie sind noch jung, wer weiß was alles passieren kann. Jemanden zu hassen, hat mehr mit Lieber zu tun, als jemanden zu vergessen.

Der letzte Absatz des Buches hat mich wachgerüttelt.

Twenty Years was yesterday, and yesterday was just earlier this morning, and morning seemed light-years away.

„I’m like you,“ he said. „I remember everything.“

I stopped for a second. If you remember everything, I wanted to say, and if you really like me, then before you leave tomorrow, or when you’re just ready to shut the door of the taxi and have already said goodbye to everyone else and there’s not a thing left to say in this life, then, just this once, turn to me, even in jest, or as an afterthought, which would have meant everything to me when we were together, and, as you did back then, look me in the face, hold my gaze, and call me by your name.

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Ruhe

Rise & Shine: Frühstück

Liebe Red-Bug-Fans,

heute gibt es den Food-Beitrag, und was wäre ein Rise & Shine Monat ohne ein paar Frühstücksrezepte.

Croissants und Kaffee, Haferbrei mit Obst, Pancakes oder großes Sonntagsfrühstück. Frühstück kommt in allen Formen und Größen und ich liebe sie alle!

Seit dem ich alleine wohne, habe ich angefangen, mit unterschiedlichen Morgenroutinen und eben auch unterschiedlichen Frühstücken zu experimentieren. Das Ding ist nur, dass sie alle so lecker sind, dass es einfach immer mehr werden. Was ich aber schon herausgefunden habe ist, dass ich, wenn ich alleine frühstücke, gerne nach dem Bowl-Prinzip esse. Und wie ihr gleich merken werdet, sind diese Rezepte simpel simpel simpel.


Ingwershots

Mit dem Frühstück bricht man ja bekanntlich das Fasten der Nacht. Break-fast. Der Körper hat seit, na sagen wir mal ca. acht Stunden nichts gegessen und hatte viel Zeit zu verdauen und entgiften. Um dann morgens alles wieder in Schwung zu bringen und auch den letzten Rest zu reinigen sind Ingwershots der absolute Oberhammer! Besonders gerne trinke ich sie, wenn ich mich etwas kränklich fühle oder gerade wieder gesund werde, um mein Immunsystem wieder fit zu bekommen.

Sie wirken entzündungshemmend.

Stärken das Immunsystem.

Unterstützen die Verdauung.

Entgiften den Körper

… und sie sind lecker!

Man braucht dafür einen Entsafter und alles andere ist super simpel. Ich mache meistens am Anfang der Woche gleich einen ganzen Vorrat und stelle ihn in einer Flasche in den Kühlschrank. Wer noch nicht sehr Cayennepfeffer erfahren ist: ACHTUNG der hat es in sich. Also ich würde eher mit weniger anfangen, ca. eine Messerspitze, und sich dann bei Bedarf langsam hocharbeiten. Weil der Magen ja noch leer ist, kann man richtig spüren, wie der Shot durch den Körper wandert.

 

-Ingwer waschen, in Stücke schneiden und entsaften

 

-Zitronen und Orangen auspressen.

 

-etwas Cayennepfeffer dazugeben und fertig ist :)


Hirsebrei mit Blaubeeren

Hirse ist superduper gesund und richtig lecker. Sie ist im Vergleich zu anderen Getreidearten glutenfrei, was auch wenn man keine Allergie hat, immer eine gute Idee ist. Manchmal, wenn ich lange Zeit viel Brot und Nudeln gegessen habe und mich wieder etwas frischer fühlen möchte, steige ich für eine Zeit auf Hirse um.

In der Zeit wo die Hirse köchelt, räume ich auf, mache den Abwasch vom Vortag, ein paar Sonnengrüße oder geh duschen. Wer morgens nicht so viel Zeit hat, kann die Hirse auch einfach über Nacht in der ‚Milch‘ einweichen lassen und dann morgens nur noch erhitzen.

Der Kurkuma macht die Hirse richtig strahlend Sonnengelb und das in Kombination mit dem Violett der Blaubeeren macht echt ne funky Mischung.

Ich mache all diese Rezepte nach Augenmaß, aber vielleicht als Orientierung:

3-4 EL Hirse zu 250ml ‚Milch‘

 

-Hirse mit der ‚Milch‘ in einem Topf kurz aufkochen und dann ca. 15 min köcheln lassen.

-zum Schluss etwas Kurkuma unterrühren. Die Blaubeeren drüber und vielleicht ein paar Walnüsse.

 


Milchreis mit Himbeeren

Uh yiss! Milchreis war schon als Kind mein absolutes Soulfood. Mit Ersatzmilch ist er auch völlig vegan, was die Sache natürlich umso besser macht. Wenn ich also morgens ganz viel Zeit habe, an einem Sonntag zum Beispiel, mache ich mir Milchreis mit Himbeeren und fühl mich wohl in meiner Haut.

 

-Milchreis ganz normal kochen mit ‚Milch‘ und dann Himbeeren und Zimt drüber.

-ich gebe in meinen Milchreis auch gerne beim Kochen noch etwas Ahornsirup oder Honig.

Fertig :)

   


Warmes Birnen Müsli

Fun Fact: bis vor ca. einem Monat habe ich Birnen gehasst. Aber mir hätte ja auch jemand sagen können, dass Birnen nicht nur diese weichen viel zu süßen Äpfel-möchtegern sind, sondern dass es sie auch in knackig und frisch und göttlich gibt. Holy Moly. Die haben selbst warm einen völlig anderen Geschmack.

-Birnen mit ganz, ganz bisschen Wasser im Topf andünsten, dann ‚Milch‘ und Müsli dazu und ein paar Minuten warm und weich werden lassen.

-ich mach dann gerne Sonnenblumenkerne und Walnüsse drüber. Leggerschmeggger!


Bircher-Chiasamen-Müsli

Wenn man einmal die Tatsache verkraftet hat, dass eine Packung Chiasamen gefühlt zwanzig Avocados kostet, erwartet einen das Tor zu endlosen Möglichkeiten.

Jetzt wo es wieder etwas wärmer wird, habe ich immer mehr Lust auf kalte Frühstücke. Wenn es richtig zackig gehen muss, lasse ich alles schon über Nacht einweichen. Sonst reichen auch die zehn Minuten im Kühlschrank.

-Chiasamen und das Birchermüsli mit der ‚Milch‘ verrühren und für ca. 10 Minuten abgedeckt in den Kühlschrank stellen.  Dann nach Belieben noch etwas mehr ‚Milch‘ dazugeben, falls es zu trocken geworden ist.

-dann Äpfel schneiden oder reiben, Nüsse und Kerne drüber, etwas Ahornsirup oder so und vielleicht ein paar Beeren. Also alles, worauf man Lust hat. Fertig!


So das sind meine momentanen Lieblingsfrühstücke. Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen inspirieren :)

Rise and Shine, Sunshine!

 

 

 

Radio

Searching for Anerkennung

Sugar Man

Anerkennung. Was auch immer das sein soll. Wo kommt sie her? Wieso brauchen wir sie? Brauchen wir sie überhaupt? Eine Gesellschaft, die durch Noten in der Schule und likes auf Instagram immer neue Wege versucht, Anerkennung von anderen Leuten zu bekommen. Wettbewerbe, Preise, sich messen. Alles schön und gut, aber was ist, wenn es niemanden interessiert? Wenn niemand zuschaut? Wenn niemand sieht, wie sehr du dir den A**** aufreißt. Was ist dann?

Ich habe vor kurzem die Doku „Searching for Sugar Man“ geschaut.

Also erstmal eine ganz ganz große Empfehlung, für alle, die sie noch nicht geguckt haben. Sie beleuchtet die Geschichte des Musikers Rodriquez, der in den 70er Jahren in Detroit Musik gemacht hat. Sehr gute Musik. Mit schönen Bob-Dylan-esquen Texten. Nun hatte aber Rodriquez im Vergleich zu Mr. Dylan absolut gar keinen Erfolg. Niemand kannte ihn, sein Album hat sich überhaupt nicht verkauft. Und wir dürfen nicht vergessen, das war in der Zeit vor Twitter, Spotify, Soundcloud, Instagram. Das war Plattenladen und Radio. Also hört Rodriquez auf, Musik zu machen. Aber was er nicht weiß, ist, dass eine amerikanische Studentin eine seiner Platten mit nach Südafrika nimmt, um sie ihren Freunden zu zeigen. Und sie lieben sie. Innerhalb von kurzer Zeit wird er ein Superstar in Südafrika. Jeder zehnte hat seine Platte. Die Menschen denken, er ist in Amerika auf einer Linie mit Elvis. Und Rodriquez hat keinen blassen Schimmer. Sein Plattenlabel erzählt ihm nichts von den irrsinnigen Verkäufen in Südafrika. Er sieht nie einen Cent.

Ich beende hier mal die Zusammenfassung für alle, die den Film noch gucken wollen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Searching for Anerkennung

Nach der Doku habe ich mich auf die Reise der Anerkennung begeben. Ein Thema, das immer mal wieder in meinem Kosmos auftaucht, aber nie auf einer intelektuellen, nüchtern gedachten Ebene. Oft tritt das Thema wegen der Abwesenheit von Anerkennung in mein Leben. So wie man nur wirklich dankbar ist gesund zu sein, wenn man Schnupfen hat.

Also was ist Anerkennung? 

Es gibt die warme Bärenumarmung deines Vaters, der sagt, dass er stolz auf dich ist, es gibt das Zwinkern deines Mitspielers nach einer Szene, die gemeinsam gerockt wurde, es gibt das Filmbusiness, das mit Preisen um sich schmeißt. Das ist alles Anerkennung. Das ist alles: Wir sehen dich!

Und im Endeffekt ist gesehen zu werden ja das, worum es uns geht. Das wohlige Gefühl dazuzugehören. Seinen Part zu etwas beizutragen. Auf dem richtigen Weg zu sein (Anerkennung) oder etwas gut gemacht zu haben (Lob).

Wie oft saß Rodriquez da und hat an sich als Person gezweifelt, weil niemand seine Musik gehört hat?

Talent und Anerkennung:

Es ist hart und vielleicht auch unfair, aber Anerkennung und Talent sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Aber wenn die heilige Trinität zusammen kommt, wenn ein talentierter, sympathischer Mensch Anerkennung bekommt, dann öffnet sich das Tor zum Himmel und wir hören die Engel singen. So fühlt es sich zumindest an.

Das Filmbusiness kann mir keinen Preis dafür geben, dass ich die Schule abgebrochen habe, dass das extrem hart war und mir es eine Zeit lang wahnsinnig schlecht ging. Ich mich von Grund auf wieder zusammengeflickt habe und ich mehrmals von Freunden komplett alleingelassen wurde und erst Stück für Stück wieder das Vertrauen in Menschen aufgebaut habe. Aber eventuell spüren das die Menschen. Du bist ein Gesamtkonzept und das lässt dich auch nicht los, sobald du einen Song machst oder eine Rolle spielst. Ganz im Gegenteil. Das funktioniert natürlich auch im Negativem … siehe Kevin Spacey.

Sich nicht wertgeschätzt zu fühlen, kann einen Menschen kaputt machen. Und viele Beziehungen, egal ob Familie, Freundschaft oder Partnerschaften, zerbrechen daran. Man gewöhnt sich an das Gefühl und hört mitunter gar nicht mehr, wenn mal ein Lob oder Anerkennung kommt. Alles wird gefiltert.

Take it and don’t look back

Mir wurde klar, dass ich sehr oft Lob und Anerkennung bekomme. Aber mir wurde auch bewusst, dass sie häufig einfach an mir abperlen. Ich gar nicht richtig zuhöre oder es überhaupt nicht annehmen kann, wenn mir jemand sagt, was er an mir mag. Es ist schwer in diesen Momenten Danke zu sagen, und viel einfacher selbstmitleidend durch die Gegend zu laufen und imaginären Preisen hinterherzuschmachten.

Ich sehe viele Kollegen, aber auch Freunde, die sehr gut darin sind, Anerkennung anzunehmen.

Und ich dachte eigentlich, dass ich auch dazu gehöre …

Die Erkenntnis

Ich habe neulich meine allererste öffentliche Yogastunde gegeben.

Und es war klar, das hier ist ein big deal. Lukas wusste Bescheid und meine Eltern und ich war sehr sehr aufgeregt und es war definitiv außerhalb meiner Komfortzone. ‚Kann ich nicht nochmal zum Casting gehen oder vor dreißig Leuten eine Geburt spielen? Das hab ich schonmal gemacht.‘ Und das Universum sagt: ‚Nope, da geht’s lang.‘ Also ab in das Studio, ab vor die Schüler, die alle älter waren als ich und mich alle als komplett vollwertige Lehrerin gesehen haben. Mit Fragen und Wehwehchen und allem was dazu gehört. Wahnsinn. Und es war klar, danach muss ich mich belohnen. Mit Pommes oder Sushi oder am besten beidem. Das muss gefeiert werden.

Ich habe also unterrichtet, ich bin aus meiner Komfortzone mit einem Hechtsprung gesprungen und als ich hinterher aus dem Studio rauslief, war ich natürlich nicht 100% zufrieden. Ich sage natürlich, weil jeder, der Kunst macht oder performt, und ich denke mal auch jeder, der im Gericht Leute verteidigt oder Menschen im OP aufschneidet, niemals 100% zufrieden ist. Wieso auch? Dann kann man ja nicht mehr weiter an sich rumtüfteln und verbessern und schrauben und lackieren. 100% ist langweilig.

Also laufe ich da alleine im Dunkeln vom Studio nach Hause und fange doch tatsächlich an, mir selbst mein Sushi wegzunehmen. ‚Nein Amber, das hast du nicht verdient. Das bekommst du, wenn du mal so richtig gut warst. Heute noch nicht. Das nächste Mal.‘

Das Nächste, was passiert ist, dass ich eine unergründliche Wut und Enttäuschung fühle.  Und zwar gegen Lukas und meine Eltern. Wie kann es sein, dass ich nicht 10000 Herzlichen Glückwunsch Nachrichten auf meinem Handy habe? Wieso ist er nicht hier und stößt mit mir an?

Ich stapfe also traurig, alleine, enttäuscht, wütend durch Prenzlauer Berg. Und dann knallt mir das Universum die Antwort vor den Latz.

„DU musst dir die Anerkennung geben. Niemand sonst ist dafür verantwortlich, dir auf die Schulter zu klopfen. Werd erwachsen. Kauf dir deine Pommes und umarme dich und sag, dass du stolz auf dich bist.“

Schluck.

Ich selber schaffe es auch nicht, jeden kleinen Schritt der anderen zu sehen und zu wertschätzen. Für manche ist es, endlich wieder Joggen oder alleine ins Kino zu gehen. Für andere, einen Song oder selber einen Arzttermin gemacht zu haben.

Aber dann gib du dir halt die Anerkennung die du verdienst. Und es ist schwerer als es aussieht.

Ich saß also da auf meinem Bett, mit Shrek 2 und einem Tablett mit meinem Lieblingsessen. Es war ungewohnt und ok. Und ich war fast schüchtern mit mir. Und ich bin sehr dankbar, dass ich nach meiner ersten Yogaunterrichtssession alleine war und mir erlaubt habe, diese Erkenntnis zu haben.

Wir haben dann natürlich trotzdem nochmal darauf angestoßen.

:)

Hier ein paar Videos von Menschen, die Anerkennung bekommen aka das Gefühl von geschmolzener Butter auf dem Toast:

Graham Norton bei den National Television Awards:

Maggie Rogers und Pharrell Williams:

Hier ein guter Ted-Talk zu dem Thema:

 

Roots

Eat like a Yogi

Essen ist ein riesiger Aspekt in meinem Leben („Food is Life“ ist definitiv ein Satz, den man oft von mir hört). Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich zum Geburtstag das Kochbuch „My Yoga Canteen“ geschenkt bekommen habe. Yoga und Essen in einem … was gibt es Besseres? Also wo ist der Zauberplan? Der Shortcut? Sagt mir, was ich essen soll, und ich bin zufrieden. Tja so einfach machen sie es einem natürlich nicht. Aber sie sprechen mit einem liebevollen Augenzwinkern Empfehlungen aus und nicken verständlich, wenn du sie ignorierst. Yoga kann ein sehr nerviger Lehrer sein. Aber halt eben auch der Beste. Was sagen also die Yogis über unsere Ernährung?

Umgebung

A h i m s a

Ahimsa bedeutet Gewaltlosigkeit und ist ein der wichtigsten Gebote im Hinduismus und Buddhismus. Laut Ahimsa darfst du keinem anderen Lebewesen Schaden zufügen. Demnach wird die vegetarische Ernährung als die höchste Ernährung angesehen.

            

Körper

S a t t v a,  R a j a s,  T a m a s

Manche Nahrung gibt dem Körper Prana (die Lebensenergie in unserem Körper) wieder, andere nimmt dem Körper Prana und manche blockiert das Prana in unserem Körper. Diese drei Kategorien sind also wie die Pfeiler der Yogischen Ernährung:

 

 

„Yogische Ernährung heisst, Sattva-Reinheit zu bevorzugen, sich von rajasigen Lebensmitteln im Laufe der Zeit mehr und mehr loszusagen und tamasische ganz zu meiden.“ – My Yoga Canteen

Es geht aber nicht nur darum, was man isst, sondern wie man isst. In Ruhe und Achtsamkeit. Mit völliger Konzentration auf das Essen, mit so wenig Ablenkung wie möglich. Sadhguru sagt dazu, dass Gewohnheit der größte Feind von Bewusstsein ist.

Das heißt, eine Mahlzeit, die bewusst und in Ruhe eingenommen wird, ist Sattva.

Eine Mahlzeit, die hektisch und schnell eingenommen wird ist Rajas.

Und so viel von einer Sache zu essen bis man Bauchschmerzen hat, ist Tamas.

Das heißt, wenn man sich einen Teller Obst und Gemüse reinhaut, im Stehen, vorm Fernseher dann ist das nicht Sattva. Zelebrieren wir das Essen vor sich, vielleicht sogar in einer Gruppe von Menschen, die wir lieben, dann ist das wesentlich gesünder.

             

D u  b i s t,  w a s  d u  i s s t

In der Theorie klingt das alles erstmal sehr einleuchtend. Eine für den Körper richtige Ernährung kann den Körper stärken und sogar heilen. Eine für den Körper schlechte Ernährung schwächt und verlangsamt den Körper und kann ihn Krank machen. Es leuchtet mir auch ein, dass simples Essen, wie Obst und Gemüse oder Nüsse für den Körper leichter zu verdauen ist, als stark verarbeitetes Essen mit vielen Zusatzstoffen. Aber in der Realität ist unsere Ernährung wahnsinnig vorbelastet. Kindheitserinnerungen, Stress, emotionale Abhängigkeit, Zugehörigkeitsgefühl, Gewohnheit. All diese Dinge essen ja quasi mit, wenn wir etwas zu uns nehmen. Als ich mal drei Tage gefastet habe, war der körperliche Aspekt das allerkleinste Problem. Die Isoliertheit von allen Menschen um mich herum, das Emotionale war das Problem. (Hier mein Blogbeitrag dazu).

Geist

A g n i,  O j a s  u n d  A m a

Was hat es den nun mit der Verarbeitung unserer Gefühle und der Verdaung des Essen zu tun?

Man geht davon aus, dass jeder Mensch ein transformierendes Feuer in sich besitzt. Es heißt Agni. Alles was wir essen wird von Agni in Ojas transformiert. Ojas wird benutzt, um den Körper gesund zu halten, stark und rein.

Das geht aber nur, wenn das Essen „rein“ ist. Also Sattva.

Ist das Essen nicht rein, muss Agni mehr arbeiten, um Ojas zu produzieren und es entsteht ein Nebenprodukt namens Ama. Ama ist laut Ayurveda der Hauptgrund für jede Krankheit. Es blockiert Prana und okkupiert den Körper. Es gibt ihm mehr zu arbeiten, als er sollte, so kann er sich nicht darauf konzentrieren gesund zu bleiben.

Ama wird jedoch nicht nur durch schlechte Ernährung produziert. Ungelöste Emotionen aus der Vergangenheit oder emotionale und körperliche Giftstoffe aus der Umwelt sind ebenfalls Gründe für Ama.

Agni kann Ama „verbrennen“. Wenn es jedoch konstant mit für den Körper falsches Essen bombardiert wird, kann es sich erstmal nur darauf konzentrieren und negative Emotionen stapeln sich. Das Feuer wird dadurch immer schwächer.

 M e i n e  B e z i e h u n g  z u m  E s s e n

Wenn ich zurück denke, hatte ich am meisten Probleme mit dem Essen, wenn es mir emotional schlecht ging. Kurz bevor ich die Schule abgebrochen habe zum Beispiel. Im Nachhinein kein Wunder, da mein Agni Feuer definitiv überfordert gewesen sein muss.

Ich hatte sicherlich schon Phasen,  wo ich meinen Komfort im Essen gesucht habe. Ich hatte nie eine Essstörung und es war nie dramatisch. Aber ja, essen macht mich glücklich. Wenn ich gestresst bin esse ich viel und schnell. Es soll ja auch die Menschen geben, die nichts essen, wenn sie gestresst sind. Nope not me. Ich esse, wenn es mir gemütlich ist, und wenn ich traurig bin. Und ich neige definitiv dazu, mich mit Essen zu belohnen. An sich ja erstmal alles nicht verwerflich, aber es kann eben auch ganz schnell umschlagen in sich mit Essen bestrafen.

          

D i e  Y o g i s c h e  E r n ä h r u n g

Yoga bedeutet Einheit. Eins sein mit dem Universum und allem um dich herum.

Nimm Dankbarkeit und Achtsamkeit und Liebe als Grundlage für Alles. Eben auch dein Essen. Lerne dann dich selbst und deinen Körper kennen und schaue dann, dass du möglichst reine und vollwertige Nahrung zu dir nimmst.

Beobachte wie du dich nach dem Essen fühlst. Fühlst du dich energetisch und frisch, ausgeruht und zufrieden. Fühlst du dich schlapp und hast Bauchweh? Wie fühlst du dich am nächsten Tag? Wie hast du in der nacht geschlafen. Lerne deinen Körper kennen. Experimentiere mit Essen.

Und am allerwichtigsten sei dankbar für das Essen. Sei dankbar für jeden Menschen, der dazu beigetragen hat, dass das Essen in diesem Moment vor dir steht. Vom Bauern, über den Lastwagenfahrer, dem Kassierer an der Kasse, dem Koch oder Kellner, hinzu dir selber, weil du es dir gekauft und liebevoll zubereitet hast. Esse in Ruhe und achtsam. Mach dich nicht verrückt, daüber was du isst. Versuche die Nahrung als Medizin anzusehen und höre darauf was dein Körper braucht. Hattest du einen stressigen oder emotional aufwühlenden Tag? Versuche deinem Körper leicht verdauliche Dinge zu geben, um es ihm nicht noch schwerer zu machen. Hast du das Gefühl, dass du gerade dann ein Stück Schokolade brauchst? Dann iss die Schokolade und sei dankbar für deine Instinkte. Esse aus dem Bauch heraus und passe deine Ernährung an deine momentane Lebenssituation an. Fühlst du dich träge und musst Ballast loswerden? Esse eher Sonnen und Bodennahrungsmittel wie z.b Salat, Beeren, Obst. Ist das Leben super-rasant und musst du dich dadurch erden? Esse Kartoffeln und Beete um dich zu rooten. Sie nicht zu streng mit dir, fülle jede Mahlzeit mit Liebe.

Wie immer gibt es keine einfach, simple, „esse-nur-dies-und-du-wirst-glücklich“- Lösung. Das Leben ist ein Lernprozess und wir müssen ihm unsere Aufmerksamkeit schenken. Sich Fehler verzeihen und liebevoll weitergehen. In der Meditation wandern wir auch immer von der Umgebung, in den Körper, in den Geist. Nimm jede Mahlzeit als Chance für eine kleine Meditation.

„Do not make food into a Religion. It is not. It is a Choice.“  – Sadhguru

 

Vielen Dank an Krissi und Nik für das tolle Geschenk!

Hier ist „My Yoga Canteen“ von Marlo Scheder-Bieschin – ich kann es nur Empfehlen!

Hier sind ein paar Videos zu dem Thema die ich mir angeschaut habe:

Healthy Food and a Proper Diet — How Does One Decide?

The Science of Yoga (Part 4 – Diet)

 

Radio

Herbstgedanken

„Ich gehe aus der Haustür und ziehe mein Winteroutfit an. Es ist immerhin Herbst. Blätter liegen auf dem Boden, zu dieser Jahreszeit lernt es sich gut. Ich hole die Post aus dem Briefkasten und lege sie auf den einzig freien Tisch im zweiten Stock. Eigentlich dumm, denn jetzt muss ich den ganzen Weg zum Briefkasten zurücklaufen, um die Rechnung zu bezahlen. Ich denke, die Fahrgemeinschaft zur Arbeit kommt so in einer Stunde. Also pflege ich noch schnell meine Tomatenpflanzen im Gewächshaus. Prächtig geht es denen. Viel besser als meinen Obstbäumen im Garten, die ständig von weißen Pollen befallen sind. Die Arbeit ist nichtssagend wie immer. Nicht mal eine Beförderung ist drin. Mir fehlt wahrscheinlich einfach die nötige Mechanik. Später mach ich mir leckere Nudeln mit Käsesoße, immerhin hab ich ganz schön Anga Anga. Und nachts lieg ich wie immer im Bett und frag mich, wie ein Sim bei diesem grünen Licht schlafen soll.“

Ich habe vor kurzem die perfekte Sims Familie erstellt.

Einen Masterplan. Nach 10 Jahren Sims-Spiel-Erfahrung, habe ich das Geheimnis gelüftet. Wie es funktioniert. Ich nenne es „Die Reihenfolge!“.

Und die geht folgerndermaßen:

Ich habe zwei Sims erstellt eine Frau und einen Mann. Ihre An- und Abturner sind aufeinander abgestimmt. Ich lasse sie in ein kleines Haus ziehen, aber mit getrennten Schlafzimmern. Ich erstelle ihnen ein Gewächshaus und lasse sie Tomaten pflanzen.

Die Nachbarn kommen vorbei, ich lade sie ein. Die ersten Freundschaften werden geknüpft. Die nächsten Wochen gibt es nur Gärtnern, Fähigkeitspunkte sammeln und jeden Tag mindestens 6 Freunde einladen. Ziemlich schnell haben sie also 8 beste Freunde, eine gute Fähigkeitspunkte- Grundlage und den silbernen Gärtnerorden.

Jetzt suchen sie sich Jobs.

Dadurch, dass sie alle Voraussetzungen erfüllen, werden sie beide sehr schnell befördert. Es wird weitergepflanzt, bis sie den goldenen Gärtnerorden haben und endlich Auberginen pflanzen können. Das ist wichtig, den Auberginen Saft stillt nicht nur den Hunger, sondern bringt einem auch einen random Fähigkeitspunkt. Die Beförderungen gehen immer weiter. Inzwischen haben sich meine Sims auch ineinander verliebt. Aber Job geht gerade vor. Bis … ja beide haben die Spitze ihrer Karriere erreicht. Ab jetzt sind die Freunde ehrlich gesagt egal. Wir brauchten sie nur als Kontakte, um befördert zu werden.

Ich lasse sie ihr erstes Kind machen. Sie ist schwanger. Sie heiraten. Sie ziehen in ein größeres Haus. Das können sie sich leisten als Starkoch und Bürgermeisterin. Inzwischen fehlen ihnen nur noch ein ganz paar Fähigkeitspunkte, bis sie alle haben. Der Auberginensaft hilft dabei. Sie bekommen drei Kinder. Der Direktor wird eingeladen. Alle gehen sie auf Privatschulen. Sie haben alle Fähigkeitspunkte, den goldenen Angelorden, Gärtnerorden, Blumenorden, Spielzeugwarenorden. Fast alle Urlaubsbelohnungen. Das Haus ist sauber. Es geht ihnen gut.

Aber jetzt … ist es langweilig.

Was gibt es schon zu tun, wenn man nichts mehr anstreben kann? Die Kinder sind auf dem College, sie leben in einem riesigen Haus. Die Freunde sind alle weg, mühsam müssen sie zum Plaudern angerufen werden.

Und hier kommt der Zeitpunkt, seinen Computer auszuschalten und in das Chaos zu treten, was sich inzwischen in seinem eigenen Leben angebahnt hat. Es gibt kein aging-off. Jeden Tag wird man älter und das bekommt man auch nicht zurück. Es gibt keine begrenzte Anzahl an Fähigkeitspunkten. Es wird gelernt, gelernt, gelernt. Es gibt kein Ende. Es gibt beschissen Phasen, Selbstzweifel, man braucht Kontakte und dann verliebt man sich auch noch total unpassend. Alles läuft gleichzeitig. Ich mag es aber, Dinge zu Ende zu putzen. Ich möchte irgendwann volles Potenzial in irgendwas erreicht haben. Nicht, weil ich dann die Beste darin bin, sondern damit ich etwas zu Ende gebracht habe. Ich möchte mit meinen sauberen Füßen, in meiner frischen Bettwäsche liegen und ein neues Buch anfangen. Aber dann vermisse ich Lukas, dann muss ich pinkeln und dann kotzt Tapsi direkt auf den Teppich. Und ich stehe auf und freue mich, dass ich immer weiter lernen darf.

Radio

Fake It ´Til You Make It

Ich hab diesen Satz früher nie verstanden. Und irgendwie fand ich ihn auch noch blöd. Gefährliche Kombination.

Und nun Freunde, weiß ich – glaub ich – was damit gemeint ist. Oder besser gesagt, ich habe ihm eine Bedeutung aufgedrückt. Wir alle wissen, außer vielleicht die Stones, dass man alles bekommt, was man haben möchte. Sogar besser: man bekommt auch die Sachen, die man nicht haben möchte. Zumindest nicht im Oberbewusstsein und schwups … befinden wir uns in schwammigen Eso- Gewässern. But hear me out.

Dream Big

Wenn du etwas habe möchtest, dann forsche nach dem Gefühl, welches diese Sache begleitet. Und dann suche in deinem Leben nach so vielen Situationen wie möglich, in denen du dieses Gefühl schon hast. Oft merkt man dann: „Ich brauche diese Sache gar nicht mehr.“

Möchtest du die Sache trotzdem, dann versuche, so konkret wie möglich zu sein, ohne deine Vorstellung zu killen. Sprich: werde so detailliert, bis es keinen Spaß mehr macht. Sobald du merkst es wird zu spezifisch, gehe einen Schritt zurück. Aufschreiben hilft immer. Ganz besonders, wenn man fünf Jahre später den Zettel findet. Und dann kommt mein Lieblingsschritt:

Fake it ´til you make it

Hach wie ich ihn liebe. Ich möchte euch zwei Beispiele geben:

Als ich vor drei Jahren ein sehr starkes Bedürfnis nach einem Freund/Partner in Crime/Lover (wie auch immer) gespürt habe, habe ich mir (nach langem Vormichhinträumen und Texte schreiben) eine zweite Bettdecke gekauft. Denn einmal saß ich im Bett und bin mal ganz nüchtern an die Sache rangegangen. Hier ist mein Bett, hier ist eine Decke, ich mag es nicht Bettdecken zu teilen, hier soll demnächst eine zweite Person schlafen, ab zu Ikea. Ich sag mal so, drei Monate später wurde diese Decke auch benutzt.

Okay, ist euch vielleicht zu bescheuert, ich gebe euch ein zweites Beispiel. Ich war auf der Suche nach einer Yogalehrer-Ausbildung. Ich hatte eine sehr konkrete Vorstellung, so konkret, dass ich nicht mehr stillsitzen konnte und losgezogen bin und Berlins Yoga Studios abgeklappert habe. Und es war mir erst mal egal ob sie ausgebildet haben oder nicht. Hauptsache ich konnte mich in der Essenz von dem, was ich suchte wälzen. Also finde ich ein wunderschönes Yoga Studio. Und denke schon: Das ist es! Und dann nach der Stunde die völlige Ernüchterung. Mir hat der Stil nicht gefallen und Ausbilden tun sie auch nicht. Eine Woche später tue ich etwas, was ich – man kann es kaum glauben – bis zu dem Zeitpunkt noch nicht gemacht habe: Ich google ‚Yogalehrer Ausbildung Berlin‘ (geniale Idee, Amber) und finde diese Yoga Lehrerin, die ausbildet. Sie hat selber mit 19 ihre Ausbildung gemacht und war Schauspielerin. Ich hatte es gefunden. Und dann „Ach übrigens die Ausbildung findet im W60 statt“ Wie bitte??? In dem Studio, das mir so gut gefallen hat. In dem ich eine Woche vorher komplett zufällig eine Probestunde gemacht habe??

Let Magic In

Oder war es zufällig? Denn hier kommt noch ein riesiger Aspekt beim Dinge anziehen, die man haben möchte. Lass the Magic zu dir kommen. Und manchmal kann man sich vor Magic Moments gar nicht retten. Lass es zu, dass das Universum dir so perfekt verstrickte Drehbücher schreibt, dass man einfach nur staunen und den Film genießen kann. Oder aktiver gesagt – mitspielen?

Denn du hast genau so viel Magie in deinem Leben, wie du haben möchtest. Wenn ich die U-Bahn Treppen runterlaufe und in dem Moment eine U-Bahn einfährt, dann ist das Magic. Man könnte auch sagen hohe Wahrscheinlichkeit, da die U-Bahn alle vier Minuten kommt. Ja schon, aber sie hätte ja auch nicht kommen können. Wenn meine Garderobe perfekt in die Nische in meinem Flur passt, dann ist das Magic. Wenn ich auf der Suche nach einem Rennrad bin und zwei Tage später ein Kumpel von Lenny sagt, er hat ein wunderschönes selbst aufgearbeitetes italienisches Retro Rennrad für 160 Euro im Keller stehen, was auf den Millimeter genau meine Größe hat, dann ist das nun mal Magic. Und wenn ich innerhalb von drei Tagen eine Wohnung in Prenzlauer Berg finde, obwohl mir gefühlt hundert Personen erklären wollten: ‚Man findet ja ihn Berlin eh nichts‘ ‚Ja und schon gar nicht in deiner Preiskategorie‘, ‚Ach ja, die Gegend ist ja ganz schwierig‘, ‚Also die Freundin von ner Freundin sucht schon seit drei Jahren‘, dann ist das Magic.

Ein Skeptiker könnte sagen, naja, du hast ja auch Ausbildung gegoogelt. Dazu sage ich: Ja, ich hätte mir aber auch wie sonst ein Youtube-Video angucken können, oder meine Facebook Nachrichten oder Pinterest Fotos. Habe ich aber nicht, ich habe gegoogelt. Ich habe meine Aufmerksamkeit auf das gerichtet, was ich haben möchte. Es klingt so simpel und dafür machen wir es viel zu selten.

Ich bin etwas abgedriftet. Aber ich hoffe es war verständlich. Dream Big, sei konkret, fake it till you make it, let magic in.

Und überdenke ab und zu blöde, kitschige Sprichwörter.

Roots

Papa

Mein Papa kann alles! Er kann segeln, kochen, Ski fahren, Feuer spucken, einen Balkon bauen, Skulpturen machen, Motorrad fahren, Sachen pflanzen, Kinder erziehen, über seine eigenen Witze lachen, schweißen, Thai Chi, Slackline laufen, Bücher verlegen… the list goes on!

Und er weiß auch alles! Wie die Säulen an dem Haus heißen und warum, wie man aufjedenfall schreibt (so zumindest nicht), was man macht wenn das Handgelenk wehtut und man Panik schiebt (Mobilat!), wie man einen Teich in Schuss hält, wie man Perspektivisch zeichnet… the list goes on!

PAPA3_FotorHier ist eine Auswahl von Dingen die ich in den letzten zwanzig Jahren von Papa gelernt habe:

  1. Beim Zimmer ausmisten wird es definitiv immer den Punkt geben wo alles viel, viel Schlimmer ist und man keinen Bock mehr drauf hat und es bereut überhaupt angefangen zu haben. Wichtig: Keep Calm! Fang bei einer Ecke an und arbeite dich bis zur diagonal gegenüberliegenden Ecke durch. Du wirst eine Krams-Schublade brauchen! Wenn Sachen die keinen Ort haben da rein kommen, haben sie einen Ort. Außerdem Aufräumen ist nur Wegräumen solange alles seinen Platz hat.
  2. Mehr Butter ist mehr. Und Soulfood ist wichtig!
  3. Bei Flugverspätung oder unnötig spät gebuchten Flügen bringt es gar nichts sich aufzuregen. Vielleicht wäre das Flugzeug abgestürzt … who knows! Alles ist wie es sein soll. Gönn dir was. Rödeln kostet an einem bestimmten Punkt nur noch Energie und da hilft es die Dinge zu akzeptieren. (Ich bekomme momentan viele Chancen diese Lektion zu verinnerlichen … Thx AirBerlin.)
  4. Außerdem niemals Reiserücktrittsversicherungen abschließen!
  5. Man kann auch mal mit einem Schaschlikspieß, durch die Hand, sich selbst auf dem Motorrad zur Notaufnahme fahren. Muss man aber vielleicht nicht.PAPA_Fotor
  6. Beim Halma immer zuerst versuchen den ganz hintersten People nach draußen zu bringen. Ja es sieht verlockend aus gleich mit der zweiten Reihe durchzustarten, aber glaubt mir, am Ende bekommt man ihn nicht mehr weg.
  7. Dankbar sein! Das bringt einem am aller schnellsten aus einem depressiven Denkmuster. Und am besten jeden Tag dankbar sein! Für seine unglaubliche Familie, die neue Küche, den tollen Hund. (!)
  8. Wenn man auf Partys geht um Leute kennenzulernen, lernt man halt Leute kennen die auf Partys gehen.

Ich kann nicht sagen wie oft Papa mir schon Erdbeersmoothies gemacht hat, oder Zwiebackapfelpampe wenn ich krank war, oder die Füße massiert hat, oder mich zum Flughafen gefahren oder abgeholt hat, oder von wie vielen Klassenfahrten, Übernachtungen oder furchtbaren Partys mitten in der Nacht am Arsch der Welt!

Danke für deinen endlosen Support und danke, dass ich so viel von dir lernen kann! Happy Birthday!!!!

Rausch

Rechenzentrum // Big Magic

‚Die Hard‘

Die Idee kam beim weihnachtlichen ‚Die Hard‘ schauen.

Ich habe mich so gelangweilt, um mich nicht ärgern zu müssen, dass mein Gehirn sich offensichtlich so sehr entspannt hat, dass diese eine Idee sich fröhlich bei mir einnisten konnte.

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Sie ist komplett fertig. Ich ändere nichts mehr daran. Die Idee hat sich schon gut auf unser Treffen vorbereitet. Ein guter Pitch.

Big Magic

Ich möchte an dieser Stelle ein Konzept erklären, von dem ich das erste Mal vor einem Jahr gehört habe. Es ist ein bisschen verrückt, aber Hear me out! Elizabeth Gilbert schreibt in ihrem Buch „Big Magic“ über Ideen und Inspiration. Dass Ideen nicht aus dir herauskommen, sondern du lediglich als Empfänger dienst. Ideen schwirren schon fertig die ganze Zeit um uns herum. Sie wollen realisiert werden und brauchen dafür dich. Also versuchen sie, deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Man kann Ideen wunderbar ignorieren. Durch Stress oder Ablenkung, durch schlechte Laune und ganz besonders natürlich durch Angst. Niemand zwingt dich, eine Idee zu realisieren. Als aller letztes die Idee selbst. Dann sucht sie sich eben einen anderen Arbeitspartner.

Seitdem ich vor einem Jahr das erste Mal davon gelesen hab, hat mich der Gedanke nicht losgelassen. Er nimmt nämlich den Druck von dir. Du presst Ideen nicht aus deinem tiefsten Inneren auf ein Blatt, in den Computer, auf die Leinwand. Du bist nur der Mittler zwischen der Gedankenwelt und der manifestierten Welt.

Das Genie in dir

Gilbert schreibt in ihrem Buch über den Unterschied zwischen „ein Genie sein“ und „ein Genie haben“.  Die Griechen nannten es „Eudaimonia“, was so viel heißt, wie von einem externen, göttlichen, kreativem, gutem Dämon besetzt zu sein. Die Römer nannten es „ein Genie haben“. Wie ein Mitbewohner, der dich ab und zu in deinem Zimmer besucht. Zur Zeit der Renaissance wechselte die Wahrnehmung von ‚haben‘ zu ’sein‘. Du bist ein Genie und wenn du dem nicht gerecht wirst, hast du versagt. Eine wahnsinnige Last. Das baut ohne Frage enormen Druck auf. Du bist das Genie, du bist Herr über deine Ideen.

Jeder hat kreative Momente, jeder kennt das Gefühl, komplett durchrauscht von Inspiration zu sein, das Kribbeln im Bauch, das Grinsen in den Augen, das Vorwärtsgefühl. Und niemand auf der Welt kaynn sich die ganze Zeit so fühlen. Sonst macht das Gefühl keinen Sinn mehr. Es ist besonders, ein Ausnahmezustand und sehr wertvoll.

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Im Flow sein

Wenn man dieses Gefühl hat, dann weil eine Idee oder Inspiration sich bei dir eingenistet hat. Das bedeutet, dass man sich kurz vorher unbewusst (manchmal natürlich auch bewusst) offen für einen kreativen Fluss gemacht hat. Sei es durch ein gutes Gespräch über einer Flasche Wein, ein intensives Konzert, eine schlechte Erfahrung, die man verarbeiten möchte. Lenny hat schon über im Flow sein geschrieben. Aber was passiert kurz vorher? Wie kann man sich aktiv in den Flow bringen? Bei manchen ist es vielleicht, ihr Zimmer oder Schreibtisch aufräumen, spazieren gehen und neue Eindrücke sammeln, Konzerte, Festivals, Filme. Sich mit kreativen Dingen umgeben. In Ausstellungen gehen, duschen und sich frisch machen. Man bereitet sich auf ein Treffen mit der Inspiration vor. Man zeigt: „Ich bin bereit, ich bin ein guter Arbeitspartner, auf mich kannst du dich verlassen.“

Zurück zu Rechenzentrum. Ich hatte schon lange wieder große Lust, einen weiteren Kurzfilm zu machen. Und ansonsten nicht wirklich konkrete Vorstellungen. Das hilft oft, denn so mache ich mich für alle Möglichkeiten offen und übersehe nicht etwas, das nicht in mein Konzept reinpasst.

Ich bin mit allen Drehs für das Jahr durch, Weihnachten steht vor der Tür, ich bin mit meinen allerliebsten Menschen in einem Raum, ganz entspannt und whoooosch, da kommt sie angeflogen.

Bruce Willis stapft also tapfer, barfuss durch Scherben und ich schwelge in der Geschichte, die später „Rechenzentrum“ werden sollte.

Die 48 Stunden Regel

Wichtig ist, dass man, wenn eine Idee ankommt, sofort etwas tut. Die 48-Stunden-Regel habe ich von Mama und Papa. Man muss innerhalb von 48 Stunden irgendetwas tun, um die Idee bei sich zu behalten. Sie aufschreiben, mit jemanden darüber reden, anfangen zu recherchieren. Man muss zeigen: „Ich habe dich gehört, ich bin dabei, du hast dich richtig entschieden, ich bin der richtige für den Job.“ Denn sonst wacht man in ein paar Monaten auf, nur um festzustellen, dass jemand anderes deine Idee verwirklicht hat.

Manche Ideen sind natürlich auch so groß, dass man sie beim besten Willen zu diesem Zeitpunkt nicht realisieren kann. Dann sagt man das der Idee, ganz freundlich und schickt sie weiter. Ideen wollen einfach nur realisiert werden. Von dir, von deiner Oma, von Bill Gates … pupsegal. Wenn du nicht kannst, schade, aber da bist du halt nicht der Richtige.

Rechenzentrum wollte zu mir und ich wollte zu Rechenzentrum. Und 10 Minuten nachdem ‚Die Hard‘ Abspann hatte ich die Idee aufgeschrieben und Lenny und Lukas in Boot geholt. Und so ging es auch weiter mit dem Projekt. Wir brauchen einen alten Computer, Lenny findet einen auf dem Sperrmüll, wir brauchen alt aussehende Notizen und Mama öffnet ihre Schubladen. Der Drehtag hätte nicht entspannter sein können. Nur wir drei, drei Locations, Pizza-Pause und danach Germknödel mit Sahne. Ohne unsere Freunde Karl und Lukas hätten wir es natürlich nicht machen können. Danke für den extrem coolen Look, Karl! Und danke, Lukas, für die geniale Schrift! Und natürlich Danke, an Sweetwood Films für die technische Unterstützung, an Ulrike Schlue für die Kostüme, an das Rechenzentrum Potsdam für die Location und natürlich an Lenny und Lukas!

Danny Elfman

Na ja und wie es so ist, man versucht einen kleinen schnuckeligen Kurzfilm zu dritt zu drehen, aus Jux und Tollerei und dann mischt sich Herr Elfman wieder ein. Er habe Musik komponiert, und dass sie doch auch für unseren Film passen würde, und dass es auch einen Wettbewerb gäbe. Na schön. Also eingereicht. Mal sehen, was die Idee noch alles mit uns vorhat. Wir sind auf jeden Fall dabei!

Hier könnt ihr euch das fertige Filmchen angucken:

‚Rechenzentrum‘

Und wenn es euch gefällt, auch gerne ein Herzchen geben :)

Und falls euch das ganze Ideen, Inspiration Thema gefällt lest Big Magic! Hier ist Gilberts TED- Talk.

 

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Ruhe

Kontrolle abgeben

Es gibt eine Sache, mit der ich mich momentan viel beschäftige. Und zwar: Kontrolle abgeben und Vertrauen in den Flow des Lebens haben.

Ich habe vor ein paar Tagen einen TEDx Talk gesehen namens „After Anorexia: Life’s too short to weigh your cornflakes“ gesehen. Er wurde mir die ganze letzte Woche immer auf Youtube angezeigt, aber ich dachte: Das interessiert mich nicht. Ich bin nicht magersüchtig.

Aber wie das Universum ja so ist, wenn es will, dass du etwas lernst, dann lässt es nicht locker.

Catherine Pawley, hat mit 18 eine Essstörung entwickelt. Jetzt nach fünf Jahren ist sie wieder gesund, obwohl, wie sie selber sagt, die Genesung von der Krankheit nicht linear verläuft, sondern immer mit Rückschlägen verbunden ist. Sie hat sich mit 18 total überfordert gefühlt, in ihrem Leben, mit ihrer Zukunft. Machtlos und ohne Kontrolle. Wer kennt das nicht? Und wie bekommt man Kontrolle? Indem man sich selber kontrolliert. Regeln aufstellt, die man befolgen muss. Sich selbst ein kleines Gefängnis baut, in dem es paradoxerweise sicher ist. Aus drei Regeln wurden schnell sechs und aus sechs schnell hunderte. ‚Nicht mehr essen als die Person, mit der man zusammen ist.‘ ‚Nicht zwischen den Mahlzeiten essen.‘ ‚Niemals essen genießen.‘ ‚Niemals Zucker trinken.‘ Natürlich wurde ihre Familie besorgt und Catherine wurde mit Anorexia diagnostiziert. Aber das führte nur dazu, dass sie mehr Regeln aufstellte.

„Rules that tell you how to live, what to do, what to say, what to eat. Rules take away chance and decision and they take away risk. They give you control.“ 

Und obwohl ich wirklich so fern von einer Essstörung bin (wofür ich sehr dankbar bin), kenne ich das Gefühl von Machtlosigkeit. Ich selbst überschütte mich, seitdem ich denken kann, mit Regeln. Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Kleine Regeln, die einem das Leben leichter machen. Oder?

Kopf und Bauch

Nun ist es nunmal so, dass ich mit einem kompletten Bauchmenschen zusammen bin. Und während ich schon den kompletten Tag in meinem Kopf durchgegangen bin, alle Umwege ausgekreuzt habe, um einen effizienten Tag zu haben, schon gegoogelt hab, wie das Wetter wird, und im Kopf alle meine Strumpfhosen nach Laufmaschen durchgegangen bin, dreimal gecheckt hab, ob Lukas sein Handy wirklich aufgeladen hat (meins ist sowieso immer aufgeladen), wacht Lukas gerade ganz entspannt zu einem schönen Frühlingstag auf.

Das Problem ist, dass ich sehr schlecht damit umgehen kann, wenn die Bilder im meinem Kopf, die ich mir vorher so kleinsäuberlich zurecht gelegt habe, nicht so klappen. „Wie, wir haben keine Eier? Aber heute ist mein Sonntagfrühstückeitag! “ Okay, dann macht der ganze Tag keinen Sinn mehr. Wir werden die Bahn verpassen, ich werde Kopfschmerzen kriegen, ich werde zwei Tage hintereinander Müsli essen und das auch noch ohne Hafermilch.

Das ist nämlich das Ding mit Regeln und Vorstellungen … man lernt nicht, spontan auf Situationen zu reagieren. Man weiß nichts mit sich anzufangen, wenn es eine kleine Variablen gibt. Alles kann dich aus der Bahn werfen.

Und deswegen sag ich hier laut und deutlich: Kopfmenschen haben es schwerer als Bauchmenschen! Logisch, würde ich ein paar mal im Monat mein Portemonnaie verlieren, um nicht immer diese Oberlehrerin im Kopf zu haben. Ich will auch mal aufwachen und feststellen, dass ich keine frische Wäsche mehr hab, weil ich nicht dran gedacht habe, sie zu waschen. Ich will auch mal eine ganze Bahnfahrt aus dem Fenster gucken, weil ich meine Kopfhörer vergessen oder meinen Ipod nicht aufgeladen habe. Oder will ich das?

Perfektion

In der Familie heißt es immer, die Welt für mich zusammengebrochen ist, wenn ich ein mal ein Glas im Restaurant umgestoßen habe. ‚Wie, ich habe einen Fehler gemacht?‘ ‚Was, ich bin nicht perfekt?‘ ‚Das kann nicht sein. Ich habe alles im Kopf schon durchgespielt. Wie konnte mir das passieren?‘

Lukas sagt gerne das ich clumsy bin. Dinge fallen lasse, mich stoße. Und er liebt diese Momente. Ich habe Angst vor ihnen. Aber sie fühlen sich auch wie ausatmen an. Denn was für ein Stress, die ganze Zeit alles im Kopf haben zu müssen. Kühlschrank auf, keine Eier da, dann gehen wir eben frühstücken. Akku alle, dann müssen wir halt Leute nach dem Weg fragen. Man muss sich mit dem wurschteligen, komplizierten chaotischen Leben konfrontieren. Aus seiner bubble rausgucken. Es riskieren.

Denn sein wir doch mal ehrlich. Ich bin nicht perfekt. Ich habe nicht immer alles im Kopf. Ich faile, ich falle.

Und das ist in Ordnung. Und es ist auch in Ordnung, wenn andere nicht alles im Kopf haben. Und genauso wie Catherine Pawley irgendwann verstanden hat, dass ihre Regeln sie langsam umbringen, merke ich, dass sie mich vom Leben abhalten. Das es so viele schöne Zufälle gibt.  Das Kontrolle abgeben, beängstigend ist und unsicher und ein großes Risiko, aber man einen Kampf mit sich selber kämpft, den man nicht gewinnen kann.

 

 

 

 

Radio

Über Lehrer

 Kann man den Lehrer von der Person dahinter trennen?

Über diese Frage stolpere ich, in letzter Zeit immer häufiger, da ich auf der Suche nach einem Yoga Lehrer bin. Denn mir soll  ja nicht nur der Lehrer gefallen, sondern auch der Stil den er beibringt. Andererseits glaub ich auch, dass, wenn mir der Lehrer gefällt, der Stil mir auch gefallen wird. In Asien habe ich viele Yoga Stunden gemacht, um so viele Lehrer wie möglich kennenzulernen. Und auch in Potsdam habe ich wieder angefangen, öfter zu öffentlichen Klassen zu gehen. Bei dem einem gefällt mir der Ort nicht, bei dem anderen die Gruppe, aber seien wir doch ehrlich, ich bin noch nicht auf meinen Lehrer gestoßen. Denn bei dem richtigen Lehrer, wird auch die Gruppe und der Raum stimmen. Aber was macht einen guten Lehrer überhaupt aus?  Inwiefern gilt ein Lehrer in allen Aspekten des Lebens als Vorbild, auch wenn er dir nur über eine Sache etwas beibringt?

Ich habe letztens Wochenende an einem Yoga-Workshop mit Laruga Glaser teilgenommen.

Er fand in dem schönen Berliner Yoga Studio Yoga Rebellion statt. Laruga ist eine der begabtesten westlichen Ashtanga-Yoga Lehrerinnen und lernt selbst seit zwanzig Jahren. Ashtanga gilt als die schwierigste und ausgefeilteste Yogaform. Im Vergleich zu anderen Stilen wirkt Ashtanga sehr streng und regellastig. In diesem Rahmen soll der Schüler seine Spiritualität erforschen und den Weg zu Erleuchtung antreten. Laruga ist wirklich wahnsinnig gut. Es macht großen Spaß, ihren Bewegungen zuzugucken. Wenn sie Yoga macht, merkt man die Kunst, die dahinter steckt.

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©yogarebellion

Laruga_Glaser_1

©yogarebellion

Eine der älteren Teilnehmerinnen ist früher aus dem Kurs gegangen. Ich habe sie gefragt warum, und sie meinte, dass es für sie der perfekte Zeitpunkt gewesen sei. Das sie ihre Differenzen mit dem Ashtanga Stil hat und alles mitgenommen hat, was sie brauchte. Sie respektiert Laruga für das, was sie tut, und wie sie es tut, es funktioniert nur für sie persönlich nicht.

Und ich wurde daran erinnert, dass jeder Mensch subjektiv spricht, das es kein „wahres Wort“ gibt. Aber besonders, wenn man noch gar nicht so richtig sein eigenes Subjektiv kennt, vergisst man das manchmal. Als junger Mensch sehnt man sich oft nach starken Meinungen, an die man sich anlehnen kann, oder die man total ablehnen kann. Aber auch das Ablehnen einer bestimmten Sache, ist ein Sich-daran-orientieren. Mit der Zeit sammelt man Erfahrungen und macht Fehler, lernt aus ihnen und gleicht es mir seinen Werten ab. Seine eigenen Prinzipien von denen seiner Eltern zu lösen. Nicht einfach aus rebellischen Gründen das Gegenteil zu machen, sondern seinen eigenen Weg zu finden. Das find ich persönlich verdammt schwer, aber auch sehr spannend.

Jeder Lehrer ist ein Schüler

Man darf nicht vergessen, dass ein  Lehrer auch irgendwo ein Schüler ist, dass er genauso mal bei null angefangen hat, und es Menschen gibt, von denen er lernt. Man erwartet ein gewisses Perfekt-Sein von seinen Lehrern, und ist enttäuscht, wenn sie es nicht sind.

Ich denke bei mir geht es darum, dass Lehrer reflektiert denken und sich immer wieder selbst hinterfragen. Denn das ist schließlich auch mein Anspruch an mich selber. Und das bedeutet, mir so viele unterschiedliche Meinungen wie möglich anzuhören.

Ein paar Sachen habe ich schon für mich herausgefunden:

Kann ich von jemanden Kochen lernen, von dem bekannt ist, dass er Hahnenkämpfe supported? NEIN!

Kann ich von jemanden Kung-Fu lernen der seine Frau schlägt? NEIN!

Warum? Weil ich Menschen nicht respektieren kann, die Tiere und Mitmenschen nicht respektieren. Also Fazit ich muss einen Lehrer respektieren können.

Aber das ist das tolle an unserer heutigen Welt. Man kann sich seine Lehrer aussuchen. Man ist nicht mehr auf den einen Priester oder das eine Buch in der Bibliothek angewiesen. Es gibt TED-Talks, und zu jedem Thema 3o verschieden Arten es zu beleuchten. Es gibt Interviews, Biographien und Autobiographien. Wir haben Filme und Musik.

Und da kommen wir zu dem nächsten Thema: Kann man die Kunst und den Künstler trennen? Aber darüber muss ich noch ein bisschen philosophieren …