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Pfaueninsel
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Berlin #1 Die Pfaueninsel

Ausflug auf die Pfaueninsel

Wo geht man hin, wenn man als Familie einen Ausflug unternehmen will? Am Vatertag, um den Vater zu feiern, weil der  – glücklicherweise – kein Bedürfnis hat, sich mit Freunden zu betrinken oder grölend auf einem Fahrrad mit Flieder am Lenker durch die Gegend zu schaukeln. Amber schlägt die Pfaueninsel vor. Pfaueninsel
Eigentlich schon Berlin (22 km vom Stadtkern), aber gefühlt genauso gut Potsdam (5 km vom Stadtkern), locker mit dem Rad zu erreichen, und dazu noch genau die Natur, die wir als Städter vertragen: gepflegte, sortierte, geschönte, erhobene – kurz royale Natur.

Born in Berlin

Ich bin Berlinerin. In Berlin-Charlottenburg geboren, in Zehlendorf zur Schule gegangen, hier hatte ich meine Ateliers, habe an der FU studiert, meine ersten beiden Kinder geboren. Also wirklich Berlinerin. Dazu noch geborene Westberlinerin, was vermutlich nur der verstehen kann, der das auch erlebt hat: Eine Stadt ohne Umland. Ohne wirkliche Landschaft oder Land, auf das man fahren könnte.

über Trip Advisor

Raum im Schloss auf der Pfaueninsel

Wenn ich mich als Kind an Ausflüge mit der Familie erinnere, dann waren das meist Radtouren. Da wir im Außenbezirk der Stadt wohnten, endeten die dann sehr schnell an der Mauer, was mich nie gestört hat. Und dann gab es Ausflugsziele wie: Glienicker Schlosspark, Märchenwald, Schloss Charlottenburg und – Pfaueninsel. Alles noch im Westen der Stadt und wie mir gerade auffällt: Orte, die mein Weltbild vielleicht mehr geprägt haben, als ich bisher dachte. Orte, die es einem erzählen, dass das Leben auf jeden Fall nicht normal sein sollte, wenn man später mal groß und erwachsen ist. Nicht, wenn es Ballsäle mit großen Kronleuchtern gibt, Zimmerfluchten mit riesigen Bildern an den Wänden, Räume deren Parkett so wertvoll ist, dass es nur in Filzpantoffeln betreten werden darf und eine Insel, auf der Pfauen frei herumspazieren. Ja, so wollte ich leben. Royal. Irgendwie.

Kings are crazy

Wenn man heute Schlösser wieder aufbaut und das mit der Mentalität von Königen in Zusammenhang bringt, dann liegt man gründlich falsch. Jedenfalls was die preußischen Könige angeht. Die wollten nicht zurückschauen und das Alte bewahren. Dann hätte man auf der kleinen Insel, die heute die Pfaueninsel ist, die erste wendische Siedlung wieder aufgebaut. Nein, die preußischen Könige wollten Fortschritt und modernen Lifstyle. 1865 schenkte der Große Kurfürst die Insel dem Alchimisten und Glasmacher Johannes Kunckel. Kunckel sollte dort forschen, Alchemie betreiben, vielleicht versuchen, Gold herzustellen. Alles streng geheim. (Wer literarische gerne tiefer eintauchen möchte, Buchtipp: Die Pfaueninsel von Thomas Hettche.)

Der nächste König fand diese Forscherei dann überflüssig, entzog Kunkel die Unterstützung und die Insel, die 100 Jahre ungenutzt blieb.

Liebe, Sex und Modern life

Erst unter Friedrich Wilhelm II., dem Neffen und Nachfolger von Friedrich dem Großen, der für ewig Preußens Über-König bleiben wird, wurde die Insel endlich wieder genutzt. Schon als Kronprinz soll Friedrich-Wilhelm die Insel mit der 13-jährigen bürgerlichen Wilhelmine zu romantisch-erotischen Aufenthalten besucht haben. Im Alter von 15 Jahren wurde Wilhelmine schwanger; vier weitere Kinder folgten. Sie blieb seine Mätresse und wurde 1796 sogar Wilhelmine Gräfin von Lichtenau.

PfaueninselGemeinsam machte sich das Paar die Insel schön. Ein kleines Schoss, das Wilhelmine „modern“ und gewagt mit verschiedenen Stilen einrichtete.  Teuer, verrückt und bis heute vollständig erhalten. Als Kind hat mich besonders die Besichtigung des Schlosses fasziniert. Filzpantoffeln auf knarzendem Parkett, Räume, die man ehrfürchtig durchschlurfte. Ein Turmzimmer im Stil einer Bamushütte!

Damals und heute

In Berlin hat sich ziemlich viel seit meiner Kindheit geändert. Ich könnte auch sagen, fast alles, denn die Stadt ist nicht mehr geteilt und ich wohne nun in Brandenburg-Potsdam, einer Gegend, die ich als Kind und Jugendliche nur von Westberlin aus sehen konnte, rüber gehen war keien Option. Doch auf der Pfaueninsel ist – alles noch so wie früher. Klar, das liegt auch daran, dass die Insel unter Natur- und Denkmalschutz steht und sich hier nichts verändern darf, aber erstaunlich fand ich es trotzdem.

PfaueninselLogisch, die zum Teil mehrere hundert Jahre alten Eichen waren damals schon gigantisch und die Rasenflächen und Rosengärten sind auch noch da. Vielleicht haben sich die Pfauen am meisten verändert. Eine neue Generation, die man nicht zufällig mit Blicken erhascht, sondern die sich auf auf freigescharrten Plätzen nicht nur den Pfauenfrauen, sondern auch gerne den Besuchern präsentieren. Die Touristen zücken sofort ihre Fotoapperate, obwohl  Mr. Pfau noch nicht mal ein Rad schlägt. Echt mal! Als Familie im Filmbusiness bleibt man bei solchen Auftritten nicht stehen, man geht einfach-schnell-weiter.

Was geht?

Auf der Insel ist so ziemlich alles verboten. Auto und Rad fahren, Rauchen, Hunde, Campen, skaten.
Foto von Amber BongardAber es gibt eine Liegewiese, dort ist Picknicken erlaubt, die wir dann auch direkt ansteuerten. Ja, Redbugx sind eine Spezies, die oft und gerne isst. Teils vegan, aber trotzdem bunt. Geschirr bringen wir umweltfreundlich auch mit und Sekt und Gläser. Schließlich gibt es was zu feiern. Moderner Lifestyle.

Die Liegewiese ist locker mit Gruppen besetzt, eine koreanische Reisetruppe spielt ein Ballspiel, dessen Regeln uns bis zum Ende absolut unklar bleiben. Wir diskutieren, ob das Höschen des Volleyballers eine Badehose oder ein Faux Pas in der Öffentlichkeit ist, alles ganz entspannt.  Und was war noch mal mit den Pfauen?Foto: Amber Bongard

Irgendwie hat uns ein Pfau für seine Performance auserwählt (nun ja, wir sind Agenten) schreitet bis zu unserer Liegestelle und – wow – schlägt sein Rad.  Foto: Amber BongardYes, Sir.  Weswegen der eigentlich gekommen ist, wird kurz darauf klar, als er mal eben die Rinde einer Melone entdeckt und – urrgs – einfach so herunterschlingt. Während uns noch die Frage beschäftigt, ob er gleich tot umfällt, pickt er weiter und schlägt noch mal ein Rad. Danke, für die Aufmerksamkeit – und die Melonenschale. 

Show off

Pfaueninsel

Der Pfau und eine Schar von Touristen, die um unsere Picknickdecket tippeln, werden uns bis zum Spätnachmittag nicht mehr verlassen. Im Mittelpunkt zu stehen, macht auch Spaß. Der Pfau weiß das und wir auch. Ein sehr relaxter Tag.

Uwe macht dann noch mal ein Fotos für die Schauspielkartei, der Typ ist eindeutig sehr leicht zu vermitteln und sehr gut sieht er auch aus.

Um 19 Uhr muss man die Insel wieder verlassen haben, dann geht die letzte Fähre. Wir laufen barfuss zurück, ein Abstecher zum Schloss, das golden in der Sonne liegt. Dann bis zum Fährhaus, an dem man übersetzt, zurück aufs Festland. Etwas warten, gerade genug Zeit, um auf dem Handy den grandiosen Blogbeitrag von Uwe zu Luther und Himmelfahrt zu lesen und zu feiern.

Die Fähre ist fast so lang wie der Abstand zum Festland, aber die Fahrt gehört eindeutig dazu. Beim Übersetzen eine kleine Diskussion darüber, wie erschreckend perfekt der Tag war. Fast zu gut, um wahr zu sein. Ich sehe in den Himmel, an dem majestätisch ein Greifvogel kreist und mir wird auf einmal klar klar, das ich es habe, das royale Leben, das ich mir immer vorgestellt habe. Und dieser Pfau … die Insel ist einfach magic.

 

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Potsdam #1 Museum Barberini

Potsdam hat eine neue Attraktion. Ein Museum. Ein Privatmuseum. Für Bildende Kunst. Das Barberini.

Hasso Plattner hat sich erbarmt und an prominenter Stelle einen Palast wiederaufbauen lassen. Außen mit historischer Fassade, innen als modernen Museumsbau.

Und er hat durch das Barberini einen touristischen Magneten in Potsdams neuer »historischer« Mitte geschaffen. Sogar TheGuardian reiht das Barberini unter die Top Ten der besten Museumsneubauten ein. Mit dem Museum hat dieser neue Potsdamer Stadtraum jetzt zum ersten Mal einen echten Anziehungspunkt, der einen Besuch zu lohnen scheint und der nun auch fleißig besucht wird.

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Selbst ich, der nun seit zwanzig Jahren in Potsdam wohnt, fühle mich wie ein Tourist, als ich den neuen Platz zwischen Nikolaikirche, altem Rathaus, Schlossfassade des Landtags und jetzt eben dem Barberini betrete.  Ich meine auf angenehme Weise. Nein, ich vergleiche ihn nicht mit der Piazza della Signoria. Es ist nur so eine Art Urlaubsgefühl, das mich beschleicht.

Klassiker der Moderne und impressionistische Landschaftsbilder werden gezeigt. Impressionismus geht immer und es stehen, wie sich das gehört, lange Schlangen vor der engen Drehtür, durch die man ins Foyer kommt. Wenn man nicht vorher im Internet einen Timeslot gebucht hat – oder wie ich glücklicher Besitzer einer Jahreskarte ist. Dann wird einem eine Glastür aufgehalten.

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Innen wieder Schlangen vor dem Ticketschalter, wenn man nicht … richtig Jahreskarte.

Mit dem Ticket dann in die Schlange vor den Garderoben, wenn man nicht … eins der Schließfächer im Souterrain erwischt.

Gut, aber irgendwann ist man dann drin und senkt, wenn man noch unter sechzig ist, augenblicklich den Altersdurchschnitt.

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Ein Highlight für mich natürlich der zentrale Raum mit Rodin. Noch haben es nicht viele Besucher in den zweiten Stock geschafft. Die Fahrstühle sind langsam und überfüllt und die Treppen, na ja, sind nicht jedermanns Sache.

Ich bin etwas enttäuscht, weil ich aus einem Zeitungsartikel fälschlicherweise herausgelesen hatte, es stünden orginalgroße Gipsabgüsse aller sechs Bürger von Calais in der Ausstellung. Trotzdem ein schönes Bild mit dem weißen Gips und den fast schwarz patinierten Bronzestatuetten.

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Zum Haare raufen, wenn der Raum dann doch schnell so overcrowded ist, dass man sich mehr Gedanken über die Betrachter, als über die Skulpturen macht.

Aber auch der Blick aus dem Fenster lohnt sich. Der Hof der dreiflügeligen Anlage öffnet sich zur Alten Fahrt mit der Freundschaftsinsel im Hintergrund.

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Das Cafe im Barberini ist unterdimensioniert und mutet etwas wie die Cafeteria einer Seniorenresidenz an. Um die Ecke findet man dann aber die Möglichkeit bei einem Cappuchino –wieder mit Blick über das Wasser – darüber nachzudenken, ob die vielen Besucher die gezeigten Bilder auch schon vor hundertfünfzig Jahren so gut gefunden hätten. Damals, als die Impressionisten den neuen Malstil entwickelten, waren die Bilder so verunsichernd, dass sie nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern bei von Malerkollegen und Kunstkritikern in der Kritik standen. Der Ausdruck Impressionist war durchaus als Beschimpfung gemeint. Es ist schön, zu wissen, dass sich die Menschheit entwickelt, dass sich Qualität auf Dauer durchsetzt. Und dass es die Künstler gibt, die ihr Ding durchziehen – no matter what.

Aber wie hätte ich, wie hätten die heutigen Besucher damals reagiert?

Angesichts des Besucherandrangs ist heute kaum mehr vorstellbar, dass Munchs erste Ausstellung 1892 in Berlin auf Einladung des Vereins Berliner Künstler wegen des Protests des konservativen Teils der Künstler geschlossen wurde. Jetzt ist Munchs »Mädchen auf der Brücke«, das 2016 für 55 Millionen Dollar versteigert wurde, Teil der Ausstellung im Barberini. Und kaum zu sehen vor lauter Betrachtern. Hätten viele, die jetzt eine Menschentraube vor dem Bild im Erdgeschoß bilden, nicht vielleicht sogar zu denjenigen gehört hätten, die sich damals auch so empört hätten? Who knows?

Jetzt wo die Kunst durch die Zeit gut abgehangen und von der Kunstgeschichte zu Juwelen erklärt, jetzt wo man alles schon einmal gesehen hat, ist es einfach, im Abstand von hundertfünfzig Jahren, mit geschwellter Brust und eingestecktem Halstuch den Kennerblick über die Bilder schweifen zu lassen und ein wenig vom Glanz und Ruhm der Werke auf sich abstrahlen zu lassen.

Jetzt verunsichern die Bilder wirklich niemanden mehr. Genauso wenig wie der weichgespülte von allen Ecken, Kanten und Narben befreite Platz. Auch hier altbekannte Architektur, nichts Neues, nichts gewagt. Hier draußen stört nichts das konservative Gemüt, genauso wenig wie die altbekannten Bilder drinnen. Wie gesagt, ich habe den Tag genossen.

Im fünf Minuten entfernten Kunstraum in der Schiffbauergasse war ich dann wieder allein. Gegen Mittag vermutlich der erste und einzige Besucher des Tages.

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#OscarsSoMoonlit

Same procedure as every year

Of course we set down as a family and watched the Oscars last week. Like we do every year. Its a long night since it starts at around 2am here in Germany, but it’s full of glitter, glamor, movie politics and art.
Although nothing really unexpected happened, it was a great evening. Damien Chazelle won the best director Oscar and became the youngest person ever to receive this honor. Considering his great work for last years Whiplash, that was a very reasonable decision.  Jungle Book was awarded with the award for best special effect and Moonlight was crowned the best movie of the year. Everything the way it should be.

Ah, and then there was the #envelope. A little mix up, that wasn’t of any importance really. Or so I thought. While it happened, I was completely satisfied with the whole commotion. I mean it all worked out perfectly in the end. The next morning I was still completely fine with the events of the last night. But then I read the news. And suddenly it seemed to have become this big thing.
The Oscar Mistake. How the Oscars went wrong etc.

Sure, there was a mix up. Something that wasn’t supposed to happen. You can complain about it, but you can also just leave it. You don’t get upset when a kid forgets its lines at the school play, and although the Oscars are kind of a bigger events, its still the same principle. These things happen. Human errors. No big deal.

With great power comes great responsibilities

But that shouldn’t make us forget about the huge calmness and humanity with wich everyone involved handled the situation. It was a huge opportunity for greatness, and everyone lived up to that. The most impressing performance probably was by LaLaLand Producer Jordan Horowitz who not only was very kind in handing over the award, but also quick and clear enough to solve the whole commotion on stage. Without him it could have turned out pretty differently.

But also Barry Jenkins handled the situation very well. It was a good thing, that he was on stage beforehand, receiving his award for best adapted screenplay. It really seemed like he wanted to get everything of his chest in case he might not be on stage again. And it was a good thing he did, because in all the chaos, there wasn’t much room for long speeches. And they weren’t really necessary either.

In the backstage interviews, the Moonlight Producers were ask if they had prepared anything to say. Of corse they did. But rightfully they decided to go with the flow on this one. Embrace the situation. And it made the whole thing so much better.

Emma Stone said afterwards, that it might have been the craziest moment in Oscar History. But in my opinion it was also the greatest. Every Oscar speech is about humanity, being kind and thanking your closest friends and relatives. And although that is a great thing, in 2017 we got to see all that in action. It was one of the kindest and human situation I’ve ever seen on the Oscars.

#OscarsSoMoonlit

Last years Oscars were a very controversy event. #OscarsSoWhite was the trending Hashtag on Twitter due to the overload on white nominees. But Hollywood listened and Hollywood learned. Say what you want, but this year really was a turn around in that department. There were a record breaking six nominees for black actors and actresses.
Having that in mind it would have been so wrong if LaLaLand would have won best picture. Not because its a ,white movie‘ going against a ,black movie‘ but because its a movie about Hollywood itself vs. a movie about an underestimated minority. Giving the award to LaLaLand would have been a very selfish thing to do for a very stained entertainment business. Giving it to Moonlight on the other hand is a huge sign for change and opportunity. (Ignoring of course, that Moonlight simply might be the better movie.)

I think we all want more diversity in our culture and art. It enhances and enlightens every part of live and therefore we should try our best at creating equal opportunities for everybody.
It might not alway work as smoothly as it should be, but I’m more then certain, that we will get there.

And if LaLaLand handing over the Oscar to Moonlight isn’t a symbol for including black filmmakers in Hollywood, I don’t know what is.

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Making Of – The Queen

Zu beiden Folgen über die Queen aus Lennys Webserie From the Land of Myth & Mist habe ich eine besondere Beziehung, da ich bei beiden Drehs zum einen nicht nur dabei war, sondern wir zum anderen auch gleichzeitig Buchtrailer zu  meinem Buch THE WORLD (coming 23. September 2016) gedreht haben. Und da Lenny morgen, am 21. August 2016, die zweite Queen-Folge präsentiert, dachte ich mir, es ist der beste Moment für ein Making Of.

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Introducing the Queen

Introducing the Queen ist schon länger online, aber die Dreharbeiten gehören zu den spektakulärsten aller Myth & Mist Folgen, da wir den Heilstätten in Beelitz gedreht haben. Die ganze Atmosphäre, alles war schon Myth & Mist. Der Nebel, als wir am Morgen dort ankamen, die alten Gebäude, die verwaschenen Farben und die Dunkelheit in den Innenräumen, da es kein künstliches Licht gab. Im Grunde war alles schon da, der ganze Myth & Mist Spirit.

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Während wir für THE WORLD  das ganze Hauptgebäude als location benutzt haben, hat Lenny sich dafür entschieden, „nur“ den großen Saal zu nutzen. Typisch, minimal, stylisch. Das große Rosettenfenster und sonst nur  … Raum. Und der Stuhl natürlich, auf dem die Queen (Isabel) Platz nimmt und das Schwert, als Zeichen ihrer Herrschaft. Wenige Symbole, wenig Farbe, wenig Bewegung, wenig Spiel.the Queen

Und wenn die Kamera auf die Queen zufährt, dann ist man selbst in der Rolle des Messengers, der keine gute Nachricht überbringt. Wie wird die Königin reagieren? Nicht gut, so viel ist klar. Und doch ist in diesem ersten Video alles noch ganz beherrscht.

As The Queen Surrenders

Ortswechsel an die Location für den zweiten Queen-Teil, in den Ballraum eines echten kleinen Landschlosses mit einem Blick auf eine wunderschöne royale Gartenarchitektur. Ein Ausblick, den Lenny erst einmal komplett verbarrikadiert hat. Rollläden zu, wir brauchen nur wenig Licht. Okay. Was ich zuerst schade fand, hat dem Film aber gut getan, der eine kleine und sehr intime Studie geworden ist. Die Queen, absolut grandios von Isabel gespielt, jagt einem nun, ohne Schwert und Thron, noch mehr Angst ein als zuvor. Kein Licht, keine Erkenntnis, und der Wahnsinn bahnt sich seinen Weg.

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Das bisschen Licht, das noch in den Raum fällt, wird genutzt, und die Birnen des Kronleuchters, die ein warmes und diffuses Licht erzeugen und den Raum in eine neue Farbe tauchen. Gold.

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Wie immer bin ich erstaunt, wie genau Lenny weiß, was er will. Wie genau er bekommt, was er will, und Isabel schließlich so laut schreit, dass der Gärtner des royalen  Anwesens nun ganz sicher ist, dass hier ein paar Verrückte etwas ganz Verrücktes machen. Jep. Und die Queen geht voran.

Postproduktion

Weil wir ein kleines Team sind, wird alles irgendwie selbst gemacht und Lenny schwört zum x-ten Mal, sich demnächst in jedem Department Hilfe zu holen. Jetzt muss er noch das Rasiermesser mit Blut beschmieren.

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Wie schnell das Team größer werden würde, hätten wir wohl alle nicht gedacht, aber davon erzähle ich ein anderes Mal mehr. Und natürlich sind die Dreharbeiten auch nur ein kleiner Teil des gesamten Making Of. Drehtage: ein Tag, Postproduktion … gefühlt sechs Monate. Schnitt, after effects, colour correction, Musik. Alles auch hauptsächlich Lenny. Am Ende frage ich mich, ob ich wirklich bei diesen Filmen dabei war? Irgendwie nicht. Den diese Filme kommen direkt aus Lennys Kopf. Und das ist es, was ich an der Kunst so liebe: Etwas entsteht, das noch nie vorher da war. Niemand vorher so gemacht hat, niemand vorher so gesehen hat.

Ihr könnt die Filme hier anschauen:

Folge: The Queen on YouTube ab sofort

Folge: As the Queen Surrenders ab 21. August auf YouTube.

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Oscars // Kleider

Ach die Oscars …

Was für ein royales Spektakel!
Die Filme, die Reden, der Preis und vor allem

DIE KLEIDER!!!

Der rote Teppich vor der Preisverleihung gehört einfach dazu. Ich stelle mir dann immer vor, man hat vier Monate Set-Leben im Matsch und Regen, vierzehn und mehr Stunden jeden Tag, vielleicht sogar mit abrasierten Haaren hinter sich, um dann nach 1 1/2 Jahren in einer wunderschönen Designer Robe über den roten Teppich schreiten zu dürfen.
Aus lauter Vorfreude vor den Oscars hab ich mir Kleider aus 88 Jahren Oscar-Geschichte angeguckt. UndDIANEKEATON_3034840a_Fotor ja da sind ganz schön schräge Sachen dabei.

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Wie 1978 Diane Keatons „Kleid“.

Überhaupt hat man bis 1989 gehäuft kurze Kleider gesehen.

Wie 1980 bei Sally Field, die ihren Oscar als beste Hauptdarstellerin für das amerikanische Drama Norma Rae bekam.

 

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Das hat schon 1983 geklappt als sie schwanger den Preis als beste
Hauptdarstellerin für ihre Performance in Sophies Choice gewonnen hat.

Aber schon 1966 hat auch Julie Christie erfolgreich diesen Trick angewendet.

 

 

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Der meist getragene Designer ist Versace. Da müssen wir natürlich sofort an Angelina Jolies „Bein-Kleid“
denken, welches  2012 für Lästereien sorgte.

Aber auch Beyoncés Robe 2005 ist von Versace.

 

 

 

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Dann gibt es natürlich noch Kleider wie die von Halle Berry 2002 oder Cher 1988.

Ich weiß auch nicht was da los wahr. Die 80er und 2000er waren einfach nicht so die Hochzeit für Mode.

 

 

 

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Obwohl Julia Roberts 2001 mit ihrer Samtrobe meiner Meinung nach alles richtig gemacht hat.

 

Als das schönste Oscar Kleid wird Kate Hudsons 14-Karat Gold Versace Kleid angesehen. Obwohl sie nicht mal nominiert war.

 

 

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Ich mag aber auch sehr gerne Reese Witherspoons Kleid von 2006.

 

 

Aber mein absoluter Favorit ist natürlich Natalie Portmanns Kleid von 2011. Schon wieder eine schwangere Schönheit.

 

Ja die Kleider gehören zu den Oscars wie Popcorn zum Kino. Und ich freue mich. Es ist eine pompöse, unsinnige und royale Tradition.

 

Ritter
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Ritter

Ich habe mir mittlerweile eingestanden, dass der Anfang des 20. Jahrhundert eine Zeit ist, die mir sehr nahe liegt. Ich mag die Musik, die Filme, die Kleidung…
Doch kürzlich hat eine andere Zeit mich eingeholt. Der Beginn des 11. Jahrhunderts. Die Zeit der Ritter.

Lustigerweise kurz nachdem Amber ihren Prinzessinnen-Beitrag geschrieben hat, bin ich überall in zufälligen Kontakt mit Rittern gekommen.

Mehr aus einer Laune heraus habe ich mir von Uwe ‚Parzival‘ ausgeliehen. Das Ritterbuch schlechthin. Und es macht einen Heidenspaß (triple-pun-intended) es zu lesen, schon allein der Sprache wegen, und es verdient in naher Zukunft einen ganz eigenen Blogeintrag.

Zeitgleich habe ich dann, und wirklich komplett zufällig, angefangen Dark Souls zu spielen. Da ich ein absoluter Bloodborne-Fan bin, hat mich das Spiel, das quasi ein Vorgänger ist, einfach interessiert. Und ja, es spielt auch in einem Mittelalter-Setting. Hin und wieder liegen halbtote Ritter herum und weisen einem den Weg oder erzählen einem lax eine alte Rittersage.

Das ich jetzt mit der vierten Staffel von Homeland angefangen habe (übrigens sehr empfehlenswert), scheint erst einmal nicht ins Konzept zu passen. Aber wenn dann Bradley James auftaucht, der in der BBC Serie Merlin Arthur spielt, frage ich mich doch, warum mich diese Zeit so sehr verfolgt.

Naja, immerhin schneide ich gerade das neue From The Land Of Myth And Mist – Video. Die Serie in der ich (unterbewusst) die 20er mit dem Mittelalter gemixt habe. Und die neue Folge wird wahrlich sehr ritterlich.

Da ziehen meine Gedanken zurzeit wahrscheinlich einfach alles an, das in irgendeiner Weise inspirierend sein kann. Also freut euch auf die neue Folge. Sie wird gerade mit ritterlicher Energie gefüllt.

Das Foto ist übrigens von einem meiner ritterlichen Spaziergänge durch den Park Babelsberg. Denn wenn ich da so durch die Wäldlein streife und durch die Sichtschneisen auf den Flatowturm blicke, meine ich fast ein wahrlich ritterlich Gewand umschließe meine minnigliche Haut.

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Gossip Girl

Im Prozess des Erwachsenwerdens gibt es viele unschöne Überraschungen. Eine große Wendung im Leben eines Mädchens, die ebenfalls durch die Prinzessinnen Phase gegangen ist, war die Erkenntnis das echte Prinzessinnen oft ziemlich beschissene Leben geführt haben.

maxresdefaultMit 14 Jahren Heirat mit einem Unbekannten, um Allianz mit einem anderen Land zu schließen. Ohne Sprachkenntnisse, mitten in der Entwicklung, in ein fremdes Land gesteckt. Ab dem Tag der Hochzeit die nächsten Jahre nur mit Kinder gebären beschäftigt, von denen, wenn man Glück hatte, die Hälfte das Kindesalter überlebten. Zwischen Kinder kriegen und Kinder begraben hat man monatelang auf den nächsten Ball gewartet, einziger Kontakt mit seiner Familie durch Briefe. Die Bildung solcher Prinzessinnen war im Vergleich zu der des Volkes zwar um einiges besser, wurde aber bei Frauen gerne mal nach dem 12. Lebensjahr für beendet erklärt. Linke Heirat und Maitressen waren beim König völlig normal und wurden diskret übersehen, wohingegen eine Frau mit Liebhabern sich glücklich schätzen durfte, wenn sie danach noch im Land geduldet wurde.

Also … so hat man sich das nicht vorgestellt. Da hatte man schon eher Disney Prinzessinen im Kopf. Aber bei näherem Hinschauen meint man auch das nicht wirklich.

Was meint man also, wenn man sagt, ich will eine Prinzessin sein?

Reichtum, einen Prinzen, Verehrung von einem Volk, ein Erbe, einflussreiche Eltern … und da geht es vom Traum vom eigenen Schloss nahtlos über in die Welt von Gossip Girl.

Eine Serie, die 2007 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, basierend auf der gleichnamigen Buchreihe der Jugendbuchautorin Cecily von Ziegesar. Ich habe 2011 die erste Staffel zu Weihnachten geschenkt bekommen und mir, sobald die Geschäfte wieder offen hatten, die zweite Staffel gekauft. Brillante Handlung oder hervorragendes Schauspiel gibt es nicht. Die Schauspieler sind alle etwas zu hübsch, und ich gebe zu, dass ich, wenn ich Gossip Girl sage, nur die ersten drei Staffeln meine, weil man die letzten drei – meiner Meinung nach – nicht aushalten kann.
Was ist dann der Reiz an dieser Serie?

Sie verlängert unseren Aufenthalt in der Prinzessinnenwelt. Alle sind reich, werden bewundert, leben in Upper East Side Palästen, haben Bedienstete, sind immer gut gestylt, gehen nicht auf die Toilette … und bringen diesen gewissen Glamour mit. Die Klamotten sind so hinreißend, dass man sogar vergisst, dass sie völlig ungeeignet für die Schule sind. Sie frühstücken wie im Himmel und schlendern danach ganz entspannt zum Unterricht. So etwas wie Hausaufgaben gibt es in ihrer Welt nicht. Und wenn das alles noch nicht genug ist, kann man sie allein schon dafür beneiden, dass sie in New York wohnen.

Was für eine Erleichterung, endlich herauszufinden, warum mich diese Serie so fasziniert. Ich kann nichts dafür, es ist mein fünfjähriges Ich, das von Prinzessin direkt zu Blair Waldorf übergegangen ist. Und jetzt kann ich die Serie richtig genießen und sie offiziell als mein Guilty Pleasure ansehen.

In der Welt von Gossip Girl wohnen will ich trotzdem nicht. Aber ein bisschen träumen kann man ja …

 „My girlfriend said she wants me to treat her like a Princess … So I forced her on a marriage with an unknown guy just to make alliance with Poland.“ (9GAG.com)

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Royales Leben

Zugegeben, es war schon immer mein Traum, einmal in vollkommener Abgeschiedenheit – aber mit drei Mahlzeiten am Tag – schreiben zu können. Drei Monate auf Schloss Wiepersdorf. Dieses Arbeitsstipendium hat eingelöst, was ich mir die ganze Zeit so sehr gewünscht habe und dann noch ein Extra draufgepackt. Im Schloss!300x300royal94 Mit Bediensteten. Are you kidding me? Orangerie, Skulpturen, goldene Spiegel, Brokatvorhänge, eine Ausstattung, die – rein zufällig – noch perfekt zu meinem Schreibprojekt passt. Ersteinmal erschlagen von der Pracht der Schlossinszenierung gibt es keine weiteren Fragen, hier muss man sich wohlfühlen, oder?
Nach einem baumkahlen März und Kälte ist hier nun auch der Frühling angekommen, die Bäume explodieren auf dem Grundstück, alte knorrige Kastanien, die das alles schon vor hundert Jahren beobachtet haben. Moment mal – WAS beobachtet haben? Denn je länger ich hier bin, desto verwirrter frage ich mich, wieso man mitten in das öde Brandenburger Umland ein Schloss baut? Warum ein Saal mit goldenen Spiegeln, warum ein Garten im Mini-Versaille-Stil? Eine Orangerie mit exotischen Pflanzen, die hier den Winter nicht überleben würden, wenn man sie nicht wegsperrt. Was mich gleich zu den Künstlern bringt, die hier mit einem Stipendium sind und in der Mehrzahl überhaupt nur Kunst machen können, weil es diese und andere Möglichkeiten der Kunstförderung gibt.

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Die Skupturen werden von ihren grünen Kästen befreit, auch sie würden ohne Kiste den Winter nicht überstehen, alles ist auf den Sommer ausgerichtet. Der Garten, die Buchsbäume, langsam erwacht das royale Gartenambiente. Okay, Schlösser in ganz Europa sehen so aus, hier ist es eben alles en miniature. Nackte Männer und Frauen, nur lose mit einem Schal bekleidet, mit Obst in der Hand. Die vier Jahreszeiten, römisch und griechische Sagengestalten.  Ich recherchiere. Das alles hat Bettinas Enkel,  Achim von Arnim-Bärwalde, hierhergeschafft, als er nach dem Tod seines Vaters Schloss und Gut und überhaupt eine Menge geerbt hat und statt in den Verwaltungsdienst einzutreten oder in das Militär lieber Künstler wurde. Respekt. Nach seinem Studium in München und ersten Erfolgen, hat er sich dann nach Wiepersdorf zurückgezogen und dort einen eigenen Atelierflügel bauen lassen. Okay, mit dem entsprechenden Geld ist das kein Problem. Heute gehört das Atelier zum Bettina von Arnim Museum, ein Flügel steht in dem Raum, nur die großen Fenster erinnern noch an die ursprüngliche Bestimmung. Dann ließ er den Park ausbauen und stellte Figuren und Vasen hinein, die er von seinen Reisen nach Italien mitgebracht hat. Kitsch oder Kunst, fragt man sich, wenn man an dem knackigen Hintern der Figuren vorbeischlendert. Nun ja, eher Kitsch.

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Und was hat Achim so gemalt? Nach dem Sieg Preußens gegen Frankreich im deutsch-französischen Krieg 1870/1871 und der Ausrufung des Deutschen Reichs in Versailles war die Historienmaleri in und feiert die nationale Einheit, Achim war dabei. Hm. Ab hier ist einem das, was man gerade noch ganz begeistert als Schlosstourist gefeiert hat, dann doch etwas fremd. Ich werde Künstler, um meinem Kaiser zu huldigen? Ich ziehe aufs Schloss, baue mir ein Atelier, eine Orangerie und einen Garten und lasse ihn so aussehen, wie all die anderen monarchischen Grünanlagen Europas?
Aber der Garten ist schön, zugegeben, und die Palmen mag ich auch. Zeiten ändern sich und erstaunlich ist, dass Achim einen künstlerischen Geist hierhergtragen hat, der immer noch lebt oder zumindest regelmäßig wiederbelebt wird. Kreativtransfusionen von Künstlern aus aller Welt sind herzlich willkommen. In der Orangerie wird geschrieben, im Garten gezeichnet, im Gartensaal über Literatur diskutiert, in den Ateliers und Stipendiatenräumen sowieso ständig gearbeitet. Die Zeiten ändern sich, aber das Schloss gehört immer noch der Kunst. Yeaho!

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Ausflug auf die Pfaueninsel

 

Alles läuft so wunderbar.

Und davor hab ich immer ein bisschen Schiss.

Es einfach mal aushalten, die Geschwindigkeit und Intensität des Lebens akzeptieren.

Wir haben das ganze noch gekrönt und haben die Pfauen auf der Pfaueninsel besucht.

Durchatmen, Zähne in die Sonne halten.

Wie die Pfauen, ganz locker und entspannt mit der Krone auf dem Kopf und im Herzen durch die Gärten spazieren.

Und natürlich Fotos machen.

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Royal

das neue palais

Jedes Jahr zwischen April und Oktober reiste alles, was Rang und Namen hatte, mit Bausch und Bogen an, um an den Festtagswochen von Friedrich dem Großen teilzunehmen.

Wenn man auf filzenen Riesenpantoffeln über das glänzende Parkett gleitet, ja, dann meint man schon fast die Röcke rascheln und Hacken klappern zu hören, dann sieht man die seidene Tapete von sanftem Kerzenlicht erhellt und die Räume voller fächerwedelnder Prinzessinnen und Streichquartettmusik.

Ich habe gehört die Königin gibt heut ein Ständchen zum Besten..

klimpernder Schmuck, der unter den Lüstern glitzert

Reichen sie mir noch ein Glas…ich hoffe sie singt nicht so schief..wie beim letzten Mal…

pudriges Kichern hinter ringbesteckten Fingern. Broschen und Orden, ölige Ahnen und von draußen weht ein laues Lüftchen hinein und lässt die Vorhänge bauschen.

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Es ist ein Prunkschloss wie es sich gehört, Friedrich der Große soll daran pleite gegangen sein. Wie es sich gehört.

Es hat ein kleines Theater, in dem noch schiefe Klänge eines sich einstimmenden Geigers durch die Ecken wabern, eine Kapelle in der das Licht sich ständig wechselt und Gänge zum Spazieren gehen. Durch schwere Vorhänge drängen sich staubige Lichtstrahlen und blitzen auf mattgoldenen Rahmen und halbblinden Spiegeln. Jedes kleinste Detail strotz von Kunstfertigkeit und blanker Investition. In den Schein. In das Gefühl in eine andere Welt eingetaucht zu sein. Eine Welt des rechtmäßigen Rausches, des rechtmäßigen Reichtums. Hier gewesen zu sein, hieß etwas Besonderes zu sein. Sich umzuwenden und in Gesichter zu blicken, die man von Gemälden kennt. Schnellklopfende Aufregung vor dem Tanz mit einem Edelmann.

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Und doch weht weht noch etwas anderes zwischen Damastüberwürfen und Samtpolstern. Eine träge, süße Langeweile. Ein dumpfes Puckern, das dir von Wäldern erzählt, die größer sind als der Schlossgarten, von Meeren, die kein Ende nehmen wollen, von einem Wind der ohne Erlaubnis weht.

Von echten, echten Dingen, die keine Etikette kennen.

Und wenn man die Filzpantoffeln in den Korb zurückwirft aus den großen, hohen Flügeltüren tritt, dann kann man nicht anders als seltsam berührt die frische Luft einzusaugen und in sich das gute Gefühl hochgluggern zu spüren, hier und jetzt zu sein. In dieser coolen Zeit.

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