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Uwe

Roots

Freunde: You’ve got a friend

When you’re down and troubled.
And you need some loving care.
And nothing, nothing is going right.
Close your eyes and think of me.
And soon I will be there.
To brighten up even your darkest night.

You just call out my name
And you know wherever I am
I’ll come running to see you again
Winter, spring, summer or fall
All you have to do is call
And I’ll be there
You’ve got a friend

In diesem wunderbaren Song von Carole King geht es um Freundschaft, wie wir sie uns alle vorstellen, wünschen und vielleicht auch erleben. Wir wünschen uns alle, für jemanden da sein zu können, wenn es ihm mal schlecht geht. Oder dass jemand für uns da ist, wenn es mal nicht so läuft. Energie fließt von einem zum anderen. Und hoffentlich auch immer mal wieder in die andere Richtung.

Aber das ist nur eine Aspekt von Freundschaft. Ich glaube, es geht auch immer um die Erweiterung des Horizonts, das gemeinsame Wachsen. Nicht nur, dass man in schlechten Zeiten füreinander da ist, sondern auch in guten Zeiten. Sich in guten Zeiten gegenseitig herausfordert, voranbringt, aneinander wächst.

Freunde fürs Leben

Ich bewundere immer, oder vielleicht besser, ich bestaune – oft auch mit Befremden – dass einige meiner Freunde, oder sollte ich besser sagen Bekannten, noch immer mit ihren Freunden aus der Schule, und nicht etwa denen aus dem Gymnasium, nein mit denen aus der Grundschule oder vielleicht sogar aus dem Kindergarten befreundet sind. Sie haben einfach den Kontakt nie abgebrochen oder einschlafen lassen. Freunde, die auf der Hochzeit, der Einschulung der Kinder, der Silberhochzeit, der Beerdigung der Eltern und mittlerweile auf dem sechzigsten Geburtstag dabei sind.

Count my blessings

Das ist bei mir vollkommen anders. Ich bin sehr dankbar für die vielen tollen Menschen, die mir bisher begegnet sind, mit denen ich großartige Lebensabschnitte teilen konnte. Und viele von diesen Menschen sind oft auch sehr gute, manchmal beste Freunde geworden. Oft eben auch der eine beste Freund, zu dem das Vertrauen größer war, die Haltung zur Welt, die gemeinsamen Interessen und auch die Art sie anzugehen, mehr übereinstimmten. Mit dem das Zusammensein intensiv, ein echtes Bedürfnis, notwendig und erweiternd war. Aber sie haben gewechselt mit jeder neuen Lebensphase, in die ich eingetreten bin. Da Freundschaften meist informell beginnen und – außer bei Blutsbrüderschaften und dem Austauschen von Freundschaftsringen o.ä. – meist ohne zeremoniellen Aufwand geschlossen werden, können sie sich auch so wieder auflösen.

Leben ist ein ständiges Wachsen, ein Überschreiten von Schwellen von Grenzen. Und wenn Freunde an irgendeinem Punkt vielleicht zunächst unmerklich in unterschiedliche Richtungen wachsen, verliert eine Freundschaft an Intensität. Manchmal etwas ruckelig, manchmal ganz organisch. Bis sie sich vielleicht in eine schöne gemeinsame Erinnerung auflöst. Wenn ich dann nach Jahren oder Jahrzehnten einmal wieder einem alten Freund begegne, sind es dann auch meist die Erinnerungen, in denen wir schwelgen, die die alte Nähe und Vertrautheit wieder wach werden lässt. Und ich finde das auch gut so. Was machen Ron, Hermine und Harry jetzt, nachdem sie die Schule beendet haben und der, dessen Namen man nicht sagen soll, besiegt ist?

Frühe Schulzeit

In der Schulzeit, und da geht es schon los, war mein bester Freund gar kein Schulfreund. Er kam aus einer anderen Stadt, was im Ruhrgebiet nichts und doch viel heißt. Und er ging natürlich auf eine andere Schule. Er war meine erste Freundschaft. Wir waren beste Freunde, da waren wir einig. Wir haben Radtouren an die umliegenden Stauseen gemacht, sind jahrelang miteinander gesegelt und haben Ruby Tuesday gesungen. Es war eine sehr ausgeglichene Freundschaft, vielleicht habe ich sogar mehr daraus gezogen als er, weil er mehr durfte, sich mehr getraut hat, er hatte ein Moped, hatte ein Faltboot und Zugang zu Silvesterböllern, mit denen man kleine Modellboote versenken konnte. Er wusste, dass Uhu-Tuben, die damals noch aus Metall waren, explodieren und wie Raketen abgehen, wenn man sie ins Lagerfeuer wirft. Er war Messdiener, ich Fußballer. Und er hat mal aus einer Zigarrenschachtel eine Camera Obscura gebaut. Seitdem weiß ich, wie so ein Ding funktioniert. Er ist Professor für Fotografie geworden. Man kann ihn googeln. Er war etwas älter, war viel früher an Mädchen interessiert als ich und an der Stelle haben wir uns, wie man so sagt, aus den Augen verloren.

Fußball

Hatte ich Freunde beim Fußball? Elf Freunde sollt ihr sein? Nicht wirklich. Wir waren zwar ständig zusammen, haben uns Spielzüge ausgedacht und stundenlang eingeübt, viel gefeiert, aber nichts über den Fußball hinaus miteinander gemacht.

Späte Schulzeit

Aber es gab eine eingeschworene Vierertruppe von Freunden in den letzten paar Jahren der Schulzeit, wir waren alle sehr an der kompletten Umkrempelung der Welt zu ihrem Besseren interessiert, vornehmlich durch Kunst, Literatur und das farbige Markieren zahlreicher Textpassagen in den drei blauen Bänden des Kapitals. Wir wollten alle zusammen in einen Kotten aufs Land ziehen. Noch bevor es die Scherben dann gemacht haben. Haben uns dann aber nach dem Abitur und dem erfolgreichen Umschiffen der Bundeswehr, auf Düsseldorf, Köln, Münster und Kiel verteilt, so wie es die Studienplätze eben wollten. Das war’s. Aus den Augen verloren. Die Welt hat sich auch ohne uns verbessert.

Nach der Schule

Es entstanden neue enge Freundschaften. Es ging immer noch um die Umkrempelung der bestehenden Verhältnisse, jetzt aber auch schon durch Skilaufen, Roadtrips und zunehmenden Konsum von Alkohol. Als ich dann irgendwann vorschlug, uns an den Fabrikbesetzungen zu beteiligen, war ich dann doch der einzige, der mit dem Schlafsack loszog. Kurz darauf habe ich dann erstmals Polizeiknüppel gespürt, während sich die anderen allmählich ums Haus kaufen und einen sicheren Job kümmerten. Wir haben uns aus den Augen verloren.

Kunstakademie

Vielleicht habe ich einen meiner besten Freunde auf der Kunstakademie kennengelernt. Er war Maler, ich Bildhauer, er machte sich über meine ignorante Einstellung zu Farben lustig. Das hat mir imponiert. Wir arbeiteten Tag und Nacht. Mittags betranken wir uns im Ratinger Hof und zeichneten. Es war eine seltsame – ich glaube hier kann man das mal sagen – Seelenverwandtschaft. Ein sich auch im anderen erkennen, ein dem anderen in die Seele und vor allem hinter die Fassade schauen können. Wir haben – das glaube ich heute – beide in dieser Zeit die Traurigkeit im anderen gesehen. Bei ihm kam sogar ein großer Teil Hoffnungslosigkeit dazu, die ihm immer mal wieder einen aufflackernden Anflug von Zynismus bescherte und die er viel mehr noch als ich in Alkohol zu ertränken versuchte, und sie dadurch nur noch größer und realer machte. Dabei hat er den Mut zu unendlicher Sanftheit gehabt, den ich bewunderte und vor dem ich selbst Angst hatte. Obwohl ich deswegen nach außen, glaube ich, stärker wirkte, hat er doch auch irgendwie auf mich aufgepasst, wenn es bei mir ins Selbstzerstörerische ging. Nach einem seiner späteren Besuche in meinem Atelier in Berlin, bei dem ich energisch versuchte, weniger zu trinken und auch ihn davon überzeugen wollte, haben wir uns aus den Augen verloren. Das tut mir heute sehr leid. Als ich mich Jahre später stark genug fand, wieder Kontakt aufzunehmen, fand ich im Netz seine Todesanzeige. He called out my name, I wasn’t there.

Besetzte Häuser

Schon auf dem allerersten Plenum, zu dem ich eingeladen war, um mich der Gruppe der Besetzer vorzustellen, und in dem über meinen Einzug diskutiert und abgestimmt werden sollte, wusste ich, dass ich dort jemand gefunden hatte, der wichtig werden sollte. Nicht etwa, weil er sich, obwohl er mich gar nicht kannte, für meinen Einzug ausgesprochen hat. Es war die Klarheit und Entschiedenheit, mit der er sich gegen Verhandlungen mit der Wohnungsbaugesellschaft stellte. Er wusste, dass die Bewegung dadurch gespalten würde. Und er wusste, mit Verträgen kannst du den RocknRoll vergessen. Und deswegen waren wir doch hier. Es war vor allem die Ruhe und Gelassenheit, mit der er sich mit seiner Haltung gegen die Auffassung der gesamten Gruppe gestellt hat, die mir sehr imponiert hat. Es wurde eine sehr enge Freundschaft. Wir haben beide viel voneinander gelernt. Ich hauptsächlich in Bezug auf Yoga, gesundes Essen, und über das Vertrauen in riskanten Situationen. Nach der Räumung der Häuser ist er dann nach Chiapas gegangen. Ich habe versucht, mit vierzig Leuten in einer Fabriketage zu wohnen. Wir haben uns aus den Augen verloren.

Kunstgeschichte

Während ich mich dann in der Langsamkeit und Ruhe eines Kunsthistorischen Studiums von den Strapazen, Wunden und Nachwirkungen des »Häuserkampfes« erholte, und Katrin und ich vorsichtig unsere Beziehung wie ein kleines Pflänzchen aufzogen, habe ich andere Menschen nur soweit an mich heranlassen können, wie es zum Überleben nötig war. Ich hatte viel zu reflektieren, nachzuholen und aufzuarbeiten. Es war wirklich eine sehr, sehr erholsame Zeit. Der einzige Mensch, mit dem ich sehr selten mal einen Kaffee getrunken habe, war eine etwas ältere Studentin. Sie stand schon kurz vor dem Studienabschluss, sozusagen eine alte Häsin. Sie hat mir einen Job an der Uni besorgt. Wir haben viel über die Kunstgeschichte geredet und im Cafe gesessen. Auch sie hatte eine verletzte Seele und war die einzige, die ich ertragen konnte. Nachdem ich wieder zurück nach Berlin gegangen bin, hat sie noch einmal auf einer Ausstellungseröffnung von Katrin und mir gesprochen. Dann ist sie zu Sothebys gegangen und hat Karriere gemacht. Wir haben uns aus den Augen verloren.

Kinder

Danach kamen Freunde, die ein Netzwerk bildeten. Das Netzwerk, das man braucht, wenn man Kinder hat. Es waren oft sehr pragmatische Beziehungen. Aus den Paaren und Eltern, denen man zwangsläufig in Geburtsvorbereitungs- Krabbel- und Kindergartengruppen und später auf Klassenversammlungen und Elternabenden trifft, hat man sich die ausgesucht, die irgendwie am besten passten. Mit denen man einen einigermaßen aushaltbaren Nachmittag verbringen oder eine pragmatische Reise unternehmen konnte, während die Kinder miteinander spielten. Es waren wunderbare Menschen dabei, aber eine sehr enge Freundschaft hat sich daraus nicht entwickelt.

Neuer Orbit

Jetzt stehe ich, nachdem die Kinder längst ausgezogen sind, wieder vor einer neuen Transformation, vor einer neuen, aufregenden Lebensphase, auf die ich mich sehr freue. Und ich freue mich auch auf die kreativen, spirituellen, wachsenden Menschen, mit denen sich neue fruchtbare Freundschaften entwickeln werden.

Love

Der einzige Mensch, mit dem ich jetzt schon über fünfunddreißig Jahre befreundet bin und mit dem ich sicher bis in alle Ewigkeit befreundet sein werde, ist Katrin. Ohne sie wäre ich nicht halb so viel Mensch, wie ich jetzt sein kann und mit ihr geht das Wachsen immer weiter.

 

 

 

Radio

Freiheit: Easy Rider

Es gibt unzählige Filme, die auf irgendeine Weise das Thema Freiheit behandeln. Die beiden, die mir als erstes einfallen, haben viele Gemeinsamkeiten. Beide sind im Jahr 1969 erschienen, als der Krieg in Vietnam genauso eskalierte wie der Widerstand dagegen und die ersten Menschen auf dem Mond landeten. Beide sind Buddy Movies, beide Road Movies, mehr oder weniger. In beiden Filmen sind die Hauptprotagonisten kleine Kriminelle, im einen Fall hauptberuflich, im anderen eher amateurhaft. In beiden Filmen werden die Helden (bei Filmen aus dem Jahr 1969 ist die Spoilerverjährungsfrist abgelaufen) am Ende abgeschossen. Und genau wie Martin Luther King und Robert Kennedy, die im Produktionsjahr der Filme erschossen wurden, stehen Butch Cassidy und The Sundance Kid und Wyatt und Billy für Freiheit. Für Freiheit, die Angst macht. Es gibt vermutlich keine Filmszene, die das besser thematisiert als die berühmte Lagerfeuerszene in Easy Rider.

Morganza

  

Wyatt, Billy und George hatten ihre Motorräder vor einem Diner im Süden geparkt. Werden aber in der feindseligen Stimmung, die ihnen entgegenschlägt, nicht bedient und verschwinden wieder.

Für diese Szene hatte Dennis Hopper ein Cafe in Morganza, Louisiana, ausfindig gemacht und wie so oft während der Dreharbeiten, vermischten sich Spiel und Realität auf erschreckende Weise. Hopper wollte auf keinen Fall Komparsen von ansässigen Laientheatergruppen anheuern, sondern genau die Locals, die wirklich in dem Cafe saßen, als er es zum erstenmal betrat und wusste, dass er den richtigen Ort für diese Szene gefunden hatte. Paul Lewis, der production manager war entsetzt: We’re gonna get in so much trouble. We’re never gonna leave this town. They’re gonna kill us.

Und DOP László Kovács erinnert sich: When I saw the faces, they loved to hate, and it was kind of scary. The only thing that toned down the real hatred was: We are in a movie.

De facto war Louisiana zu der Zeit immer noch ein Staat mit Rassentrennung. Es gab im Cafe eine white section und eine non white section. Und offensichtlich war die non white section die coolere. Bessere Musik, klasse Jukebox, lockere Atmosphäre. Also amüsierten sich einige Crew-Mitglieder dort, tanzten mit den Leuten.

Das schürte – zum Nutzen der anschließenden Szene – die feindselige Stimmung noch mehr. Paul Lewis erinnert sich, dass der Sheriff, der nachher wirklich (as deputy) im Film zu sehen ist, droht, die Crew ins Jail zu werfen, wenn sie sich nicht von der non white section fernhält.

Dennis Hopper hält seine Local-Laienschauspieler an, wirklich alles rauszuhauen, was sie von Hippies wie ihnen halten, und es entsteht eine der – wie ich finde – bedrückendsten Szenen des Films.

»What the hell is this? Troublemakers?«

»You name it, I’ll throw rocks at them, sheriff.«

Campfire

                                               

Mir ist nicht wirklich klar, auf welche Zeit sich George (Jack Nicholson) bezieht, wenn er den Dialog beginnt mit: »You know this used to be a hell of o good country.« Wilder Westen? Bürgerkrieg? Kampf gegen die deutschen Nazis? Es heißt vermutlich nur, es gibt viel, worauf Amerika stolz sein kann.

Aber die Analyse ist umso deutlicher: Menschen haben Angst vor Freiheit. Und Angst macht gefährlich. George wird die Nacht nicht überleben.

Der Film hat überlebt. Für unter 400K Dollar produziert, hatte Easy Rider einen überwältigenden kommerziellen Erfolg und begründete in den USA eine neue Art, Filme zu machen. Vor 1969 gab es dort kaum unabhängige Filmemacher. Easy Rider, ein Film über die Freiheit, hat dem Filmemachen eine neue Freiheit gegeben.

Alle Abbildungen sind aus dem Making of Born to Be Wild by Nicholas F. Jones, 1995.

 

Roots

Italien: Essen wie Gott in Umbrien

Endlich wieder in Italien.

   

Seid ’zig Jahren fahren die Homies immer wieder zur Erholung, zum kreativen Nichtstun, zum Barcamp, auf Workation, zum Rumlungern und natürlich zum Essen nach Italien. Auf Eduardos Landgut in Umbrien. Mittlerweile zu siebent plus Hund. In einem Auto. Yes. And it is fun.

In Mantova erster abendlicher Zwischenstopp für die erste Pizza in Italien. Dann – bevor es auf den Berg geht – Großeinkauf für die ersten Tage, passt noch alles in den überladenen Wagen, sind ja nur noch ein paar Kurven.

  

Traditionell gibt es am ersten Abend, weil es so superleicht zu machen ist, Gnocchi mit Salbeibutter. Diesmal ohne Salbei, da Rosas Salbeistrauch, an dem wir uns immer bedient haben, leider vertrocknet ist. Also dann mit viel Parmesan und Knoblauchbutter. Mindestens genauso lecker – bei der Aussicht.

  

Palatschinken mit Spinat/Ricotta Füllung

Ein fester Bestandteil unserer umbrischen Küche sind die überbackenen Palatschinken mit Spinat/Ricotta Füllung – und die gehen so:

 

Acht Eier mit einem Liter Milch und ungefähr 600 Gramm Mehl verrühren. Dann vieeeeel geschmolzene Butter dazu.

 

Eine kleine Kelle in die heiße, gebutterte Pfanne – und schwenken, damit sich eine hauchdünne Teigschicht auf dem Pfannenboden bildet. Ein paar Minuten — geht wirklich schnell – warten, bis der Teig auf der oberen Seite trocken wird. Er sieht dann stumpf aus. Dann wenden. Entweder mit dem Pfannenheber — oder schleudern, je nach Laune.

    

Dann die Palatschinken beiseite stellen und bewachen. Blattspinat — wir nehmen meist den gefrorenen aus der Kühlung, weil er dann während des Transports vom Supermarkt auf den Berg als Kühlmittel für die anderen empfindlichen Lebensmittel dient — in der gleichen Pfanne andünsten und abschmecken. Danach mit Ricotta vermischen.

    

Die Spinat/Ricottamasse auf die Palatschinken verteilen und einrollen und in eine gebutterte Auflaufform legen.

    

Parmesan darüberhobeln und mit der dicken italienischen Kochsahne bestreichen. Die übriggebliebenen Palatschinken eignen sich sehr gut für einen süßen Nachtisch.

           

In die Röhre, auf den Teller und lecker.

… und die Trüffel

Hier in Umbrien findet man überall die gelben Schilder mitten in der Landschaft, die darauf hinweisen, dass das Sammeln von Trüffeln riservata ist. Also versuchen wir es erst gar nicht.

   

Außerdem ist Chappi nicht wirklich ein ausgebildeter Trüffelhund, der uns an die richtigen Stellen führen könnte. Trüffelhund ist hier ein echter Beruf. Wir kaufen also unsere Trüffel im Dorf. Weil wir in diesem Jahr sehr früh sind, gibt es noch keine frischen Sommertrüffel und wir nehmen die aus dem Glas.

   

Einfach auf die Spaghetti hobeln oder reiben. Ein Genuss. Irgendwo zwischen Nuss und Schinken und Pilzen oder alles zusammen.

Bei so viel gutem Essen kann man sich dann natürlich gleich wieder auf die faule Haut legen.

PS: Das Eis der Weltmeister

Was in Italien natürlich auch nicht fehlen darf ist: Gelato. Wie gesagt, fahren wir seid zwanzig Jahren in den Ort und trotzdem erleben wir immer wieder Überraschungen. Erst vor zwei Jahren haben wir eine unscheinbare Eisdiele auf der Straße zum Bahnhof gefunden, in der es allerdings Eis gibt, das eine ganz neue Liga bespielt. Ist das überhaupt möglich, ja es ist. Und in diesem Jahr haben wir es erst an letzten Tag geschafft, dort mal wieder ein Eis zu essen – und entdeckt. Die sind tatsächlich die Weltmeister!!!

Alessandro Crispini von der Gelateria Crispini in Spoleto hat sich nach dreijährigem Wettbewerb gegen mehr als 1800 Eishersteller aus 19 Ländern durchsetzen und den Titel erringen können. Herzlichen Glückwunsch — an uns, dass wir ihn gefunden haben.

   

Roots

Zufall: Gibt’s das?

In diesem Monat beschäftigen die Red Bug Homies sich rein zufällig mit dem Thema Zufall.

Was soll das sein? Ein Zufall?

Ein Ereignis, von dem wir die Ursache nicht kennen?

Weil es keine Ursache gibt?

Das ist eine physikalische Frage. In der Quantenphysik scheint es nämlich so etwas zu geben. Radioaktive Teilchen zerfallen offensichtlich unvorhersehbar. Ließe sich fragen, ob diese Unvorhersehbarkeit nicht immer noch an unseren eingeschränkten Vorhersehbarkeitsmöglichkeiten liegen könnte.

Das wäre aber auch eine philosophische Frage. Kann es Ereignisse geben, die keine Ursache haben? Das wird in der Welt, wie wir sie wahrnehmen, kaum vorkommen. Das kann man dann gerne bis zum Urknall zurückverfolgen oder bis zum lieben Gott, der vielleicht vor aller Zeit, vor dem Urknall schon …

Oder ist vielleicht nur der Urknall zufällig und danach läuft alles folgerichtig ab? Wir sind aufgewachsen mit dieser Vorstellung vom großen Knall und den ersten ultraheißen Millisekunden und der rasend schnellen Ausdehnung des Universums und der rasend schnellen Abkühlung auf immer noch ultraheiße Temperaturen und dann die Entstehung der Materie, der Gaswolken, der Sterne, bis dann irgendwann nach 13 Milliarden und ein paar zerquetschten Jahren ein kleines Säugetier aus dem ostafrikanischen Graben krabbelt und sich in der afrikanischen Savanne aufrichtet, um über das hohe Gras zu schauen. Um ab dann aufrecht zu gehen und sich ein paar Jahrtausende später Gedanken über Zufälle zu machen. Über zufällige Mutationen, die diese ganze Evolution vorangetrieben haben. Oder doch alles vorherbestimmt durch den Knall damals. Und wir haben keinen Einfluss, sondern folgen willenlos einem gnadenlosen Mechanismus?

Da ist man schnell in einer wohlig, gruseligen Gedankenschleife. Denn das widerspricht irgendwie unserer Lebenserfahrung. Wir spüren schon so etwas wie einen Willen in uns. Wir haben schon den Eindruck, Entscheidungen zu treffen, die weder vorherbestimmt noch rein zufällig sind. Auch wenn diese Vorstellung durch die neuen Erkenntnisse über Big Data schon wieder einer heftigen Attacke ausgesetzt ist. Schließlich sind die Big Data längst algorithmisiert und nicht mehr nur Big, sondern eben auch Smart und wissen oft schon, wie wir uns in bestimmten Situationen entscheiden werden, während wir noch glauben darüber nachzudenken. Was wir für welchen Preis kaufen, ob wir klicken oder nicht, wen wir wählen, was wir über bestimmte Dinge denken.

Im echten Leben erleben wir immer wieder Zufälle.

Je näher man an ein Ereignis herantritt und je detaillierter der Blick wird, desto mehr Zufälle sehen wir.

Wenn wir z.B. in unser Ferienhaus nach Italien fahren, ist es kein Zufall, wenn wir dort auch ankommen. Wir haben Vorkehrungen getroffen, sind einer bestimmten Straße gefolgt und haben vielleicht sogar ungefähr die Ankunftszeit vorausgeplant. Die genaue Sekunde der Ankunft werden wir allerdings kaum vorhersagen können.

Nicht vorhersagbar heißt nicht, dass es keine Ursache hat. Es sind nur zu viele und zu komplexe. Wir nehmen es als Zufall. Wir können nicht alle Einzelheiten kennen.

Gehe ich noch näher heran, erscheint alles völlig zufällig. Ob ich ein paar Kilometer hinter einem roten Wagen fahre, oder welche Aufschrift der LKW neben mir hat. Wer im Autogrill vor mir in der Schlange steht, wann ein Schmetterling die Windschutzscheibe trifft, Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen …

Doch das nennen wir im Allgemeinen nicht Zufall. Warum nicht? Weil es uns gar nicht auffällt. Wir würden es auch nicht als Zufall empfinden, wenn der Mensch im Autogrill vor mir, wie ich auch, einen Cappucchino bestellt. Oh welch ein Zufall? Nein. Aber was wäre, wenn er die gleichen Schuhe und das gleiche T-Shirt wie ich trüge, na ja, schon eher: Zufall. Was wäre, wenn plötzlich drei, vier Autos unserer Marke und Farbe hintereinander führen? Zufall!?

Wir empfinden es erst dann als Zufall, wenn zwei Ereignisse zusammenkommen, die uns auffallen, die aber keinem ersichtlichen kausalen Zusammenhang haben  … und für uns auch in keinem offensichtlichen Sinnzusammenhang stehen.

Aber was ist, wenn der Schmetterling gerade die Scheibe hittet, während »When the music’s over« im Autoradio läuft, ? »I wanna hear, I wanna hear the scream of a butterfly«. Grüßt da Jim Morrisson direkt aus dem Jenseits?

Ist das noch Zufall oder schon Synchronizität, wie C.G. Jung es nannte. Ereignisse, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, deren Zusammentreffen von uns aber mit Bedeutung aufgeladen werden.

Obwohl diese Bedeutungen auf den ersten Blick oft plausibel erscheinen, können sie nur intuitiv, nicht logisch, nicht naturwissenschaftlich erkannt werden. Dort gäbe es noch viel zu erforschen. Aber das macht Angst. Angst vor Paranoia und Borderline. Die Gefahr überall, in jedes »zufällige« Ereignis, in jede Zahlenfolge, Bedeutungen, Zeichen, versteckte Informationen hineinzulesen, ist groß.

Zufall, Fügung oder Bestimmung?

Da nennen wir durchaus auch etwas Zufall, von dem wir die Ursache kennen, oder zumindest im Nachhinein weit zurückverfolgen können.

Seien es die Verkettung unglücklicher Ereignisse, die zu Katastrophen führen oder überraschend glückliche Begegnungen.

Wie in dem Beispiel von Aristoteles, in dem ein Pferd aus dem Stall entkommt und damit einer Katastrophe entgeht. Das Pferd ist nicht aus dem Stall entkommen, um der Katastrophe zu entgehen. Erst im Nachhinein erscheint dann ein glücklicher Zufall als schicksalhafte Fügung.

Fast jeder wird, wenn er sie denn findet, der Liebe seines Lebens zufällig begegnen. Irgendwann wird man zufällig aufeinander getroffen sein. Egal, ob man auf zwei verschiedenen Erdteilen oder im gleichen Haus aufgewachsen ist.

Es läßt sich natürlich zurückverfolgen, wie es dazu gekommen ist, dass ich in den 80ern nach Berlin gekommen bin und in ein besetztes Haus gezogen bin. Und es lassen sich dafür auch viele Gründe finden. Vielleicht war sogar einer der Gründe, dass ich gespürt habe, dass sich dort Menschen aufhalten, die ich interessant finde, die etwas neues probieren, die etwas wagen. Und dass die Wahrscheinlichkeit, dort die Liebe meines Lebens zu finden, höher ist als in anderen Umgebungen.

Ihr, von der ich bis dahin gar nicht wußte, dass es sie auf dem Planeten gibt, dann wirklich zu begegnen, das heißt mit ihr zur gleichen Zeit am selben Ort zu sein, war natürlich nicht geplant. War reiner Zufall.

War gar nicht planbar. Jedenfalls mit den Begrenzungen eines menschlichen Bewusstseins. Also muss es Zufall sein. Oder Bestimmung? Ich glaube gern an die Bestimmung und bin sehr dankbar dafür.

Der Zufall und The Flow.

Dankbarkeit, Achtsamkeit und Wertschätzung des Zufalls machen das Leben reicher. Damit uns etwas als Zufall auffällt, müssen wir ihn natürlich wahrnehmen. Und wenn wir ihn dann noch wertschätzen, kann er uns weiterbringen.

Als Bildhauer arbeite ich oft mit Zufällen.

Ich arbeite an einer Figur. In einem zufälligen Papierknick etwa sehe ich die Andeutung eines Knies, oder eine Drehung in der Hüfte. Ich sehe die Bewegung. Ein Grund erst einmal innezuhalten. Was war da gerade passiert? Etwas neues, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Obwohl ich das alles natürlich mit den Augen sehe, habe ich dennoch den Eindruck, dass ich jetzt mehr zuhöre als hinsehe.

Während des Arbeitsprozesses an der Figur ist nichts von vornherein festgelegt. Es gibt keine fertig geschweißte Armatur, die die Größe und Haltung festlegt. Keinen sachgemäßen Aufbau der Form in Ton oder Gips. Keine Vorzeichnungen, kein Modell. Alles ist im Fluß. Im Flow. Es kann alles passieren. Ab jetzt ist es eine spannende Konversation mit dem Material, mit der Figur, mit dem Zufall.

Bei dieser sensiblen fragilen Arbeit, ergeben sich andauernd Zufälle. Etwas fällt herunter, kippt um, löst sich. Und dann immer die Frage, was ergibt sich daraus neues, was soll so bleiben, wo soll etwas geändert werden?

So geht es dann weiter. Sehr vorsichtig, aber auch entschieden. Ich weiß, wenn ich in dem Dialogmodus mit dem Zufall bleibe, wird etwas Großartiges entstehen. No matter what. Ein meditativer Zustand, ein fokussierter Zustand, ein wacher Zustand. Alles ist gewollt und dem Zufall überlassen.

Wie im richtigen Leben.

 

 

Morning routine
Ruhe

Rise & Shine: Morning Routine

Liebe Red Bug Fans,

Rise and Shine. Das ist unser Monatsthema für April. Wie angekündigt wollen wir hier jeden Monat ein Thema umkreisen. Immer freitags – mit Gedanken, Assoziationen, Rezepten, Interviews.

Rise and Shine

Frühling, Wärme, Sonnenschein. Rise and Shine. Zu welcher Jahreszeit passt das besser als zum Frühling. Und dieser Frühling hat es ja wirklich in sich. Lag lange in den Federn. Schneeflockenfedern bis in den April. Dickes Eis auf Teichen und Seen.

Aber jetzt steigt die Sonne wieder höher, scheint kräftiger, wärmt. Oder nein, sie scheint einfach nur so vor sich hin und die Erde dreht sich schrägstehend um sie herum, lässt im Jahreszeitenwechsel die Sonne von Norden nach Süden über ihre Oberfläche streichen. Frühlingsanfang.

In den Frühlingsanfang gehört natürlich auch, die für mich spektakulärste Rise-and-Shine-Story überhaupt. Am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern hier ja viele Menschen Ostern. Mit bunten Eier, Schokolade, Spaziergang. Aber dazu gehört natürlich auch Karfreitag. Da lässt sich einer ans Kreuz nageln, stirbt, wird in eine dunkle Grabkammer gelegt und … steht am Sonntagmorgen wieder auf. What? Egal, ob und wieviel man davon glaubt, die Geschichte ist phänomenal. Steh auf und geh. Und lass dein Licht leuchten.

Wie jede gute Geschichte bringt auch diese den Hauptprotagonisten an den absoluten Tiefpunkt, vollkommen gescheitert, ausweglos. Und dann kommt der Wendepunkt, jedesmal – und trotzdem immer wieder überraschend, unerwartet und manchmal fast unglaublich. Nach dem Wendepunkt dann der Erfolg, die Erlösung, der Triumph. Ohne den Tiefpunkt würde der Triumph gar nicht bemerkt. Was will ich damit sagen? Es ist unmöglich die ganze Zeit in Topform zu sein, immer zu scheinen, immer zu strahlen. Nein, es muss einen Rhythmus geben.

Man muss ja nicht gleich sterben und wiederauferstehen. Aber sich ausruhen, auch mal down sein, traurig sein, müde. Erst wenn man sich auch mal hinlegt, ausruht, schläft kann man wieder aufstehen. Rise and Shine. Und genau, ursprünglich ist Rise and Shine ja ein Weckruf, der jemanden dazu bringen soll, aufzustehen, und zwar sofort. Manchmal kombiniert mit dem Wegziehen der Bettdecke. Auf deutsch wohl eher gleichzusetzen mit Raus aus den Federn. Schwingt da ein kleiner Vorwurf an den Langschläfer mit? Wieviel schöner klingt Rise and Shine.  Steh auf und strahle. Strahle, damit man dich in deiner ganzen Schönheit sehen kann, aber auch strahle, damit deine ganze Wärme auf deine Umgebung, über deine loved ones, deinen inner circle in die Welt hinaus strahlen kann.

Morning Routine

Mir hilft dabei eine Art Morning Routine, die immer mal wieder wechselt. Was gehört dazu? Für mich: Vielleicht überraschend, aber die Morning Routine, fängt schon vor dem Einschlafen an. Ich nehme mir kurz Zeit, mich auf den nächsten Tag zu freuen.

Einer meiner Lieblingsfilmzitate stammt aus Hitch: Begin each day as if it were on purpose. Früh aufwachen und … aufstehen. Dem Ruf der Natur folgen, ins Bad. Dann runter ins Wohnzimmer, kurz dem Hund zunicken, aber der schläft um diese Zeit noch und schlägt nur kurz müde mit dem Schwanz, ohne wirklich die Augen zu öffnen.

Meditation

Viertel Stunde, nicht länger als eine halbe. Manchmal ganz in Ruhe, meist mit Headspace und in letzter Zeit auch oft mit der angenehmen Stimme von Rakel Sosa. (THX an Amber, die mir eine Session bei Rakel geschenkt  … und Headspace entdeckt hat, als es noch wenige kannten.)

Morning Pages

Und dann Morning Pages. Was ist das denn? Den Begriff hat so weit ich weiß Julian Cameron geprägt. Ich kenne ihn jedenfalls aus ihrem Buch The Artist’s Way. (THX an Katrin, die mich darauf aufmerksam gemacht hat.)

Eigentlich ist es ganz einfach: Schreiben. Ich schreibe ein paar Seiten, stream of consciousness, einfach drauflos. Mit Hand, weil man da anders schreibt. Ich jedenfalls und weil es nicht darauf ankommt, dass jemand es lesen können muss. (Selbst ich kann meine Handschrift nur schwer bis gar nicht entziffern, aber wie gesagt, darauf kommt es auch nicht an).

Es ist für mich sehr aufschlussreich beim Schreiben zu bemerken, worüber ich schreibe. Vielleicht gibt es etwas, von dem ich glaube, das es mich sehr beschäftigt. Und ich nehme mit vor, es schreibend zu klären, schreibe dann über etwas ganz anderes, was mir entweder mehr auf der Seele liegt oder einfach nur mal erwähnt werden muss, um auf den Kern der Sache zu kommen. Es hat etwas sehr meditatives. Aha, da kommt ein Gedanke, ich schreibe ihn auf, nehme ihn wahr und lasse ihn gehen. Julian Cameron nennt es auch active meditation.

Aber Morning Pages lassen immer wieder Gedanken, Wünsche, Ängste an die Oberfläche, die ich mir nicht eingestehen möchte. Und sie erinnern immer wieder an wichtige Sachen, die ich gerne verdrängen würde, oder mittelmäßig gut verdrängt hatte.

Morning Pages sind wirklich ein gutes Tool, um Dinge aus einer eher unbewussten Schicht aufs Papier zu holen. Connecting to another source, wie ich es sonst nur vom Bildhauern kenne. Diese Seiten machen mir sehr deutlich klar, wo ich gerade stehe, was mich beschäftigt. Nicht, wenn ich sie nochmal lese (wie gesagt, das tue ich fast nie), sondern direkt beim Schreiben.

Jetzt könnte man denken, na warum denkst du dann nicht einfach nach, ohne zu schreiben, wenn es nicht zum Lesen gedacht ist? Einfach die Tätigkeit, die leichte Verlangsamung der Gedanken durch den Prozess des Schreibens, lässt einen Zustand entstehen, den ich durch hinsetzen und Nachdenken nicht so erreiche. Ich glaube sogar, dass es eine Rolle spielt, ob ich mit links oder rechts schreibe. (Ich bin Linkshänder und kann mit beiden Händen gleich schnell und gut und unleserlich schreiben)

Morning Pages sind eine Aufmerksamkeit, die ich mir selbst schenke. Bevor ich auf das iPhone schaue.

Das Glas Wasser

Und da ich immer wieder höre, dass man viel trinken soll, ist jetzt eine gute Gelegenheit ein großes Glas (warmes) Wasser zu trinken. Das Glas in beiden Händen, counting my blessings and hugging someone in my mind. Jemanden, der mir in dem Moment einfällt, und es fällt mir in dem Moment immer instantly jemand ein, der eine Umarmung gebrauchen kann. Und ich hoffe, bin mir fast sicher, dass der/diejenige es auch irgendwie spürt. Etwas Support, ein Trost, eine Aufmerksamkeit, eine Wärme. Ich spüre es auf jeden Fall.

Wenn Katrin dann herunterkommt und den Hund auf die Morgenrunde führt, mache ich Frühstück für uns. Der Tag kann beginnen, als wäre es mit Absicht.

Roots

Danke

 Liebe Red Bug Fans,

what a year. Danke.

Wir haben es doch tatsächlich geschafft, jede Woche einen Beitrag zu schreiben und dabei nicht nur euch, sondern oft auch uns selbst gegenseitig mit roots-, rausch-, radio-, ruhe- und royalen Beiträgen überrascht.

Es hat sich herausgestellt, dass dieses fünfzackige Gerüst ziemlich stabil und doch beweglich ist. Ein echter Stern eben.

Wie ihr schon gemerkt habt, macht der Red Bug Home Blog gerade eine klitzekurze Pause. Wir frühjahrsputzen. Und relaunchen dann im April mit neuen Rubriken und Monatsthemen.

Wir sind genauso gespannt wie ihr und hoffen, dass ihr weiter dabei seid.   

All the best

die Redbugx

Radio

Los Angeles

Coming in from Berlin, from over the pole

Welch ein Kontrast, wenn man über Oslo nach Los Angeles fliegt. Der Flughafen in Oslo ist nicht umsonst als einer der schönsten Flughäfen der Welt ausgezeichnet. Hell, geschwungen wie die Wege in einem englischen Garten. Freundliche Menschen. Viele ausgeklügelte architektonische Details … uuuund beste Hefeschnecken in vielen Varianten. Norwegen erscheint als ein erhebendes Land voller Möglichkeiten.

Oslo los Angeles   

Unerwartet dann eine Stunde vor dem Boarding in die Maschine nach L.A. noch einmal ein Random Security Check im geclearten Wartebereichs. Den Norwegern ist das offensichtlich unangenehm. Angeblich haben sie Listen von der U.S. Bordercontrol mit zufällig ausgesuchten Passagieren, die und deren Gepäck sie ausführlich checken sollen. Okay.

Angenehmer Flug in der Dunkelheit über Island, Grönland, Kanada. Stundenlang mit einem leuchtend roten Streifen am Horizont. Und dann taucht immer wieder die Sonne selbst als strahlendes rotes Licht auf, um Minuten später wieder abzutauchen. Oval wie ein exterrestrisches Raumschiff. Oder ein fremder Stern über einem fremden Planeten in einem SciFi Movie.

Irgendwann bliebt die Sonne dann oben, steigt höher, wird gelb, dann weiß, es ist wieder, immer noch der gleiche Tag. Unten die Rocky Mountains, schneebedeckt. Dann die Wüste, sepia, grau, staubigbraun.

Comin’ into Los Angeles

What is this. We exit the Norwegian Aircraft and step into pure ugliness. Ist das der Keller eines verrottenden Parkhauses? Wir ziehen unsere Rollkoffer über verschlissene unfarbig braune Auslegeware und klapprige Rolltreppen. Irgendwo dann Toiletten. Wo bin ich hier? Wieder Rolltreppen und dann eine Halle, überfüllt mit Menschen in sich umeinander windenden Schlangen. Custom Border Protection. Über eine Stunde.

Lenny und Benji warten am Ausgang. Sehr schön. Und dann –surprise– statt strahlender Sonne ist es schon wieder dunkel. Ja, auch in Los Angeles ist Winterzeit und um kurz vor 17:00 knallt die Sonne ins Meer. Eine Stunde Fahrt durch die häßlichste Stadt, die ich je gesehen habe. Oder bin ich nur müde?

Next morning. Oh, wir wohnen in einer coolen Gegend. Rechts oben prangt das Hollywood Sign, zwei, drei Straßen weiter links liegen die Sterne unspektakulär im Hollywood Blvd.

    

Aber am besten: nur ein Block weiter ist das Franklin Village mit Supermarkt, Plattenladen und … Coffeeshop! Gerettet.

    

Griffin Observatory

Völlig unerwartet dann aus dem Traffic der Stadt – ein Walk zum Griffin Observatory. Lenny kennt sich schon aus, schlägt es vor. Zehn Minuten entlang der Straße und dann Aufstieg. Zunächst durch eine Art verlassenen unwirklichen botanischen Garten, einem brackigen künstlichen Wasserlauf folgend.

   

Und dann windet sich ein knirschender gelber Sandweg den Berg hinauf. Oben leuchtet weiß die Kuppel des Observatoriums. Nicht wie ein technisches Bauwerk. Aus der Ferne eher wie ein maurischer Tempel.

  

What happened? Es ist für mich, als wäre ich in einer anderen Zeit. Einem anderen Raum-Zeit-Kontinuum. In einer anderen Realistätsebene. In einer Graphic Novel? Oder in einem uralten Schöpfungsmythos? Alles fühlt sich leicht an, durchlässig. Unkörperlich. Was ist das für eine Energie an diesem Ort?

Ist das der Sand? Oder die Wärme? Der Geschmack der Luft?

Oben angekommen scheint die Luft, die Atmosphäre wirklich reiner. Ein Blick über die Dunstglocke zeigt, dass das mit Sicherheit auch wirklich so ist.

   

Hier oben steht die berühmte Aussichtsbank, von der aus man ganz Los Angeles überblicken kann. Und die Stadt füllt mit ihren niedrigen Häusern und den beiden kleinen Hochhauszentren wirklich den gesamten Horizont bis zum Pazifik aus.

City of Movies

Und hier oben wurden unzählige Filmsequenzen gedreht. Unter anderem für Transformers, Yes Man, Star Trek, kürzlich für Lalaland, aber auch für Rebel Without a Cause. Und James Deans Büste steht wirklich auf dem Plateau des Planetariums mit dem Hollywood Sign im Hintergrund.

   

Aber das ist alles nicht das, was mich so fasziniert. Was uns allen auffällt. Es ist trotz der zahlreichen Besucher ein reiner Ort. Die Luft schmeckt wie sehr klares weiches Wasser. Oder bilde ich mir das nur ein.

Innen dann ein Foucaultsches Pendel. Und Kabinette mit anschaulichen Displays zu verschiedenen kosmischen Phänomenen. Sonnen- und Mondfinsternissen, Galaxien, intergalaktischem Staub, Roten Riesen, weißen Zwergen, Supernovä, den Elementen – , die sich im Laufe der Zeit in den Sternen aus Wasserstoff und Helium bilden und freigesetzt werden. Von uns schön gegliedert und aufgereiht im Periodensystem.

Aber was ist mit dem Bewusstsein? Woher kommt das? Eine Frage, die im Observatory nicht gestellt wird und dort ja auch nicht gestellt werden muss. Dort wird erklärt, was wir alle seit den Siebzigern, seit Crosby, Stills, Nash and Young und ihrem wunderbaren Joni Mitchell Song »Woodstock« wissen: We are stardust, we are golden. We are billion year old carbon …

Aber sind wir nicht vielleicht auch minddust?

City of Angels

Es war wieder dunkel geworden. Hier im Süden geht das wirklich schnell. Die Sonne fliegt fast senkrecht in den Horizont, schleicht sich nicht stundenlang an, wie bei uns hier in den nördlicheren Breiten. Der Blick über die Lichter der Stadt. Die Vorstellung, dass dort jetzt überall, hier und dann da, und dann da und da eine Seele aufsteigt, und da wieder. Und da kommt eine herab. Wie viele Menschen sterben stündlich in einer so riesigen ausgedehnten Stadt? Wie viele werden geboren? Ein ständiger Austausch. Ein Austausch von Bewusstsein. Eine Entwicklung von Erfahrung, von Wissen, von Verständnis – vielleicht von Erleuchtung?

  

Erst nachts wieder in unserer coolen airbnb-Unterkunft ist mir aufgefallen, dass dieser Sandweg der Weg ist, den ich immer mit Teer male. Der Weg, den meine Mönche hinabsteigen mit ihren Kugeln. Auf und ab. Was tragen die? Und was bringen die? Was halten die so preciously in ihren Armen?

Ich weiß es so wenig, wie die Betrachter der Mönche. Ich freue mich immer über die Gedanken, Überlegungen und Vorschläge, die sich die Menschen vor den Skulpturen machen, wie neulich bei unserer ersten Backstage#1 Ausstellung. Was denkst du, was könnte es sein, das uns diese Mönche bringen?

   

Manchmal merke ich, dass ich still einen Song vor mich hin summe. Gestern war es: He’s got the whole world in his hands …

Wir sind dann in den nächsten Tagen noch zweimal hinaufgestiegen. Und wieder die klare, reine Energie dort oben.

Love actually, 2003
Radio

Love is all around

»Whenever I get gloomy with the state of the world, I think about the arrivals gate at Heathrow Airport.

General opinion’s starting to make out that we live in a world of hatred and greed, but I don’t see that.

Love actually, 2003Love actually, 2003

It seems to me that love is everywhere.

Often, it’s not particularly dignified or newsworthy, but it’s always there – fathers and sons,

Love actually, 2003Love actually, 2003

mothers and daughters,

Love actually, 2003Love actually, 2003

husbands and wives,

Love actually, 2003Love actually, 2003

boyfriends, girlfriends,

Love actually, 2003Love actually, 2003

old friends.

Love actually, 2003Love actually, 2003

When the planes hit the Twin Towers, as far as I know, none of the phone calls from the people on board were messages of hate or revenge – they were all messages of love.
If you look for it, I’ve got a sneaking suspicion… love actually is all around …«

(Intro: Love actually, 2003. Writer/Director: Richard Curtis)

Thx for the reminder Richard Curtis.

Roots

Hard working people

Back to the roots.

Als Mensch, der seine Semesterferien des öfteren an den Stahlöfen im Ruhrgebiet verbracht hat, bin ich immer wieder von flüssigem Metall fasziniert. Hier mal ein paar Eindrücke vom Guss meiner lebensgroßen Skulptur »Adam« in der Kunstgießerei Flierl.

    

Letzte Korrekturen am Modell, bevor es abgeformt wird. Dann letzte Retuschen am Wachs, bevor er einschamottiert wird.

  

Der Schamott wird angesetzt, die fertigen Schamottformen stehen bereit.

    

Der Ofen ist voll angeheizt, Rico wirft noch einen Bronzebarren nach.

     

Die Pfanne mit dem flüssigen Bronze wird aus dem Ofen gehoben.

  

Die Schlacke, die auf der Bronze schwimmt wird abgehoben und nochmal Temperatur gemessen.

Jetzt kann es losgehen. Nicht schlabbern und schön gleichmäßig gießen.

  

Millimeterarbeit bis auf den letzten Tropfen. Der Gießer, der Sammler und der Künstler freuen sich.

Dank an Peter Jaworskyj für die tollen Fotos.

Hafthorn
Roots

Potsdam #3 Hafthorn

Gute Kneipen

… sind comforting and inspiring. Ich rede nicht vom Alkohol, sondern von der Atmosphäre. Neben dem vielen Weltkulturerbe, das Potsdam zu bieten hat, gibt es eine für mich ganz besondere Location in dieser Stadt. Das Hafthorn. Das Hafthorn ist eine echte Kneipe. Sie tragen ihren Slogan zu recht auf dem T-Shirt: Wir sind Kneipe. Und — es ist einer der favorite places to go für die Red Bug Homies.

Der Ratinger Hof

In den späten Siebzigern, war es für mich der Ratinger Hof in Düsseldorf. Nur drei Minuten von der Kunstakademie entfernt, ging man nach dem Mensaessen auf ein Alt oder zwei … rüber. Der Punk probte im Keller. Wir flipperten unsere Fünfmarkstücke weg und zeichneten wie die Wilden. Andauernd Konzerte und was man sich hier gar nicht vorstellen kann — um ein Uhr morgens wurde dicht gemacht: Polizeistunde. Vor dem Hof wirklich oft eine echte Polizeistunde, weil die Party draußen weiterging. Des öfteren auch mit Handgemenge. Der Hof war das zu Hause, umgeben vom Klunker der Königsallee.

Das Megot

Dann Winter in den frühen Achtzigern. Wir waren aus den besetzten Häusern geräumt, bewohnten mit vierzig Leuten eine offene Fabriketage in der Pfuelstrasse 5. Über tausend qm, aber keine Heizung. Ich hab noch in einem Charlottenburger Kinderladen gearbeitet. Bin dann nachmittags mit der XT zurück die Skalitzer runter und, bevor ich in die Etage fuhr, in der Wrangelstrasse abgebogen: ab ins Megot. Riesenapfelkuchen mit Schlagsahne, (wie es ihn später nur noch bei Werner Heuser im Bikercafe an der Glienicker Brücke gab), und einen Milchkaffee. Das war Komfortdoppelplusmega bevor es ab in die gefrorene Etage ging. Malen. Mit heißem Teer.

Abends oft wieder ins Megot, jetzt Dortmunder Actien Bier und Salzstangen. Jetzt fällt mir sogar ein, dass ich damals dort ausgestellt habe im Megot. Zu Henry Miller. Weil mir sein Zitat über ätzende Kapitalisten: „Die kosmokokkischen Scheißer von Amerika“, aus Wendekreis des Steinbocks, so gut auf der Zunge gelegen hat. Und ich habe sogar vier Bilder verkauft — an den Kneipenbesitzer.

Das Hafthorn

Warum gehen wir da so gerne hin? Es ist immer voll. Im Sommer im Biergarten. Drinnen laufen Konzertvideos auf einem Screen über der Tür und zwar laut und deutlich. Led Zeppelin, Queen, Beatsticks, Peter Fox …

Wir essen da einfach nur und trinken das zweite Bier — manchmal. Wir feiern da, wenn es was zu feiern gibt — oft. Und wir brainstormen da, wenn es was auszudenken gibt — immer.  Es gibt Burger, Fritten, Salat oder sowas ähnliches. Ganz gutes Bier. Und Rosè für Katrin. Die Bedienung ist Top — ich meine Top. Total on point. Superschnell, supernett, superkonzentriert. Sie geben die Atmosphäre vor. Und die ist so inspiring, dass ich für die gesamte Tavernen Szene in unserer Graphic Novel Shadow das Hafthorn und die Leute dort als Quelle nutzen konnte. Zuerst in Teer gezeichnet, (dabei bin ich geblieben, s.o.) und dann gephotoshopt. Hier ein paar Beispiele:

Blog_Hafthorn_Teer_1   instagram_tavern_1

Blog_Hafthorn_Teer_2   instagram_tavern_2

instagram_tavern_4   instagram_tavern_3

Wer mehr Shadow lesen und schauen möchte. Gibt’s als E-Book bei Amazon und I-Tunes.

Wer sich gern mal das Hafthorn von innen ansehen möchte: Hier ist es.