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Ausdauer: Pizzateig

Ausdauer ist nicht unbedingt meine Stärke. Was nicht auf Anhieb klappt, soll halt nicht sein. Viel lieber folge ich dem Moment, lasse mich inspirieren und lege sofort los, ohne viel zu zögern, ohne viel vorzubereiten.

Diese Haltung hab ich auch beim Kochen. Am Abend überlege ich mir, worauf ich Lust habe. Zutaten kommen zusammen, vielleicht noch etwas Kardamon. Wieso nicht. Rezepte habe ich also immer mit der größten kreativen Freiheit interpretiert und umgesetzt. In meinem Universum gibt es keinen Unterschied zwischen „281g Mehl“ und „Naja, so viel Mehl, wie sich eben richtig anfühlt“. Dass dieses Prinzip nicht immer von Erfolg gekrönt ist, ist mir durchaus bewusst. Und darum habe ich mir seit einiger Weile eine Aufgabe gestellt. Seit ich nämlich drei wunderbare Pizzaplatten besitze, bin ich auf einem Quest nach dem perfekten Pizzateig.

Denn Pizzateigmachen ist definitiv eine Frage der Ausdauer. Der Teig wird im besten Fall einen Tag vor dem Backen zubereitet. Und schon daran scheitert es bei mir meistens. Denn immer wenn ich Lust auf Pizza habe, ärgere ich mich natürlich, dass der Teig mindestens zwei Stunden gehen muss. Gehen was soll das denn sein? Kann man da nicht drauf verzichten? Und tatsächlich hat Isa ein wunderbares Rezept für einen Pizzateig, der nicht gehen muss. Absolut empfehlenswert!

Um nun aber einen richtig fluffigen Teig hinzubekommen, so wie ich ihn suche, muss man eben warten. Den Vorteig, zwanzig Minuten gehen lassen, zehn Minuten kneten, Hauptteig, zweieinhalb Stunden gehen lassen, wieder kneten, vorbacken, backen, kann man schon mal die Geduld verlieren.

Um nicht vollkommen alleine zu sein, bei dieser Aufgabe, habe ich mich an den Meister in Ausdauer gewendet und mir Brad’s Pizzarezept angeschaut. Brad ist einer der Köche von Bon Appetit und hat dort eine Sendung mit dem Namen: „It’s Alive“, in der er sich mit allen Rezepten beschäftigt, die fermentiert sind. Von Sauerkraut über Schokolade kennt er sich bestens damit aus, etwas zuzubereiten und dann lange zu warten, bevor man es verzehren kann. Während Sauerkraut gerne drei Wochen fermentiert, kann es bei Miso schon mal ein paar Jahre dauern. Wer wäre also besser, um mir Ausdauer beizubringen.

Da es in dem Video aber hauptsächlich um das Backen geht und nicht um den Teig selber, musste ich dabei also doch noch improvisieren. Auf das gehenlassen haben wir mehr oder weniger verzichtet und auch sonst waren wir etwas ungeduldig. Aber siehe da: der erste Versuch war nahezu perfekt. Meinem Instinkt zu folgen, funktioniert also doch mit großem Effekt. Beim zweiten Versuch sah es aber schon wieder anders aus. Ein grauenhafter Teig.

Instinkt ist eben nicht wiederholbar. Und dabei kommt es ja an — beim Pizzamachen. Oder zumindest bei meinem Ziel. Ich möchte mit klarer Sicherheit immer und immer wieder den perfekten Teig kreieren können.

Also wieder zurück in die Testkitchen und ausprobieren. Mal mehr Mehl mal weniger. Zwei Stunden gehen lassen oder über Nacht? Auf höchster Stufe backen oder eher sanft? Ganz oben im Ofen oder ganz unten? Fragen über Fragen. Ein Versuch nach dem andern. Und meine Ausdauer wird erneut auf die Probe gestellt. Denn während der Teig selber ein großes Maß an Ausdauer verlangt, ist es ebenso auch die Suche nach jenem, die mich einige Geduld kostet. Und auch ihr müsst noch eine Weile warten, bevor ich euch den ultimativen Pizzateig präsentieren kann. Noch bin ich nicht an meinem Zeil angekommen. Aber gelernt habe ich schon viel. Nicht nur was den Teig angeht, sondern auch mein Verhältnis zu Ausdauer.

So kann ich immer etwas Cooles aus dem Ärmel schütteln. Aber immer und immer wieder mit großer Verlässlichkeit abzuliefern braucht eben Ausdauer. Und vielleicht habe ich, wenn ich den perfekten Teig gefunden habe, auch meine eigene Ausdauer gefunden.

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