Ruhe

The Artist is present

Gerade erst „The Artist is Present“ gesehen.
Ein Film über eine Ausstellung von Performances von Marina Abramović. Die Ausstellung lief schon 2010 im MOMA. Ich muss zugeben, dass ich ihre Arbeit vollkommen aus den Augen verloren hatte. Das letzte, was ich von ihr wahrgenommen hatte, war die Arbeit auf der Chinesischen Mauer und die Trennung von Ulay Ende der 80er.

Der Film ist jetzt bei AMAZON Prime. Jep so kann’s gehen. Die Dinge kommen eben erst auf einen zu, wenn man das Level freigespielt hat. Gruß an Christel, die mir dabei geholfen hat.

Kernstück der Ausstellung ist eine ganz neue Arbeit, die in dieser Ausstellung entstanden ist. Eben „The Arist is Present“. Und das ist der Hammer. Die Arbeit sieht eigentlich so aus, wie einige frühere. Sie sitzt mehr oder weniger unbeweglich schweigend jemandem gegenüber. Manchmal mit einem Tisch zwischen sich und dem Gegenüber. Hier sitzt sie während der Öffnungszeiten für die Dauer der Ausstellung, also über drei Monate lang im Atrium des Moma für insgesamt 721 Stunden schweigend wechselnden Besuchern gegenüber und schaut ihnen in die Augen – oder lässt sich von ihnen in die Augen schauen.

Abram_04  Abram_03

Damit hat Abramović einen Großteil ihrer Performances aus den 70er und 80er Jahren hinter sich gelassen, bei denen der Fokus eher auf Genderproblemen liegt. Jetzt hat sie m.E. einen Riesenschritt darüber hinaus ins Transzendente gemacht. Sie sitzt immer noch schweigend und unbeweglich auf einem Stuhl jemanden gegenüber, wie sie damals Ulay gegenüber saß, aber jetzt ist es in meinen Augen etwas ganz anderes geworden. Es passiert etwas anderes. Sie sieht ins Innere der Menschen, in deren Seelen oder lässt sich in die Seele schauen. Mit allumfassendem Mitleid zieht sie die Menschen aus dem Alltag in eine höhere Sphäre. Obwohl die gesamte Performance vollkommen ästhetisch durchgestaltet ist, durchbricht sie die Künstlerin in der Ausführung der Performance die ästhetische Grenze. Das Kunstwerk bekommt eine spirituelle Dimension und greift direkt in die Wirklichkeit der Betrachter ein. Die Künstlerin erscheint als Hohepriesterin, aber als eine Hohepriesterin nach der Zeit der mythischen Religionen.  Zumindest die Performance transzendiert sich selbst.

 

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1 Kommentar

  • Antworten ulrike schlue 9. August 2015 zu 12:30

    ja, eine phantastische performance…vielleicht auch mehr als das…

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