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Ruhe

Die Königin der Dunkelheit
Ruhe

Königin der Dunkelheit – Jedes Ende ist ein neuer Anfang

Königin der Dunkelheit

Es gibt Tage, da schließt sich eine Tür. Tage, an denen dein Boot weit vom Ufer abgetrieben ist und eine rumpelnde Brise aufzieht. Tage an denen das Leben dir sagt: Lass die Hände los. Hör auf, dich festzuhalten.

Ich hatte immer ein besonderes Verhältnis zu Dingen. Zu meinen Dingen im besonderen. Mein Gürtel, den ich mir mutig, mutig in einem Wild-West-Laden gekauft habe und noch heute mein absoluter Lieblingsgürtel ist. Oder meine türkisblauen Ohrringe, bei denen mir einer beim Schwimmen verloren gegangen ist. Die habe ich eine Weile lang, selbst beim Schlafen, nicht abgenommen.

Gegenstände sind Talismane, Glücksbringer, Lebensretter, Erinnerungen. Sie spiegeln die Welt wieder, wie sie sich von innen anfühlt. Die Art und Weise wie die türkisblauen Ohrringe im Licht geblitzt haben. Wie zwei winzig kleine Augen, die einem von den Ohrläppchen baumeln. Wenn ich sie anhatte, wusste ich: heute kann ich alles wertschätzen. Das war, was mir die Ohrringe versprochen haben. Kleine Erinnerungen an innere Dinge. An das was das Leben ausmacht.

Denn so sehr ich Gegenstände mag, viel wichtiger als sie selbst, ist die Bedeutung, die ich ihnen gebe. Meine Stiefel, in denen ich mich stark fühle. Mein die-Saloon-Tür-schwingt-auf-und-ich-bin-der-schwarze-Cowboy-Mantel. Meine gepunktete Hose, die ein Orange hat, das ich noch nie gesehen habe. Als würde man eine Koralle tragen. Fröhlich und lebhaft, wie ein Riff in dem bunte Fische schwimmen.

Es gibt Tage da schließt sich eine Tür.

So ein Tag war auch der Tag, an dem mein Freund meine orangene Korallenhose entfärbte.

Wäsche war schon immer ein Thema in unserem Haushalt. Im Allgemeinen – wer sie in die Waschmaschine tut und wer sie aufhängt – im Speziellen – wie man sie sortiert. Ich gehöre zu der Sorte Menschen, die daran glauben, dass es Sinn macht, schwarz mit schwarz und weiß mit weiß zu waschen. Mein Freund hat da eine andere Meinung. Oder wie er es nennt, eine andere Art zu sortieren. Nachdem wir uns nach einigem Hin und Her darauf geeinigt hatten, er hängt die Wäsche ab, denn er kann super falten (perfekte kleine Stoffquadrate, die sich stapeln lassen, ohne dass der Wäscheberg kippt), ich hänge sie auf, (nach Farben sortiert, einfach weil … es schön aussieht). Blieb nur noch die Frage, was macht man mit der Sortierung. 

Eine Zeit lang ging das alles mehr oder weniger gut, wir einigten uns darauf uneinig zu sein (ein Prinzip, das bereits ausgesprochen drohende Gewitterwolken über einem aufziehen lässt) und die Wäsche machte mit.

Bis neulich. Als ich aus dem bunten Wäschestapel ein ehemals weißes Kleid hervorzog. Ein grünlicher Schimmer, zierte die sonst so reine Kragenpartie. Stirngerunzelt wedelte ich damit vor meinem Freud herum. Was soll denn dass hier sein?! Jetzt, dachte ich im Stillen, jetzt ist der Moment gekommen, an dem er lernen wird, was Wäsche sortieren heißt! Über mir strudelte ein dunkles Wolkenportal, und ich konnte förmlich spüren, wie ich mit meinem Zauberstab auf den Boden schlug. „Deswegen macht man da keine grünen Hosen mit rein!“

Ich fischte nach einem weiteren lädierten T-Shirt. „Was hast du dir dabei gedacht!“

„Wie kann ich das wieder gut machen?“ Am Saum des Berges, auf dem ich throne, steht mein Freund und blinzelt schuldig zu mir hoch. Ich pfeffere das Kleid zurück. „Kümmere dich darum, dass das wieder rausgeht! Und: Häng du die Wäsche auf!“

Und rausche aus dem Zimmer. Ja, rausche aus der Wohnung, rausche auf meinem Fahrrad (einem schwarzen Streitroß) kieselspritzend durch den Park. Das wird ihm noch leidtun. Die scheißgrüne Hose da mit reinzuschmeißen!

Eine Stunde und einige wütende Runden und existenzielle Gedankengänge später, kehre ich zum Tatort zurück. Schweigend. Im Recht.

Mein Freund sitzt auf der Couch, die Waschmaschine brummt. Ich ignoriere sie. Mein Freund ignoriert mich.

Wir ignorieren uns eine Weile. Bis mein Bauch zu knurren anfängt. „Wie wollen wir das denn heute machen mit Abendessen?“, frage ich barsch.

Er sieht auf. „Ich dachte, wir gehen noch mal raus.“
„Wann haben wir das denn abgemacht?“ „Hab ich vorhin vorgeschlagen du hast bloß nichts dazu gesagt.“ (Vor dem grünen Wäscheberg, fällt es mir wieder ein.) Ich ändere die Richtung. „Willst du jetzt einfach hier sitzen und vor dich hinschweigen? Was soll das für ne Taktik sein?“ Er funkelt mich an. „Du hast gesagt, ich soll mich drum kümmern, dass das wieder rausgeht. Und das hab ich ja auch gemacht. „Er nickt in Richtung Waschmaschine.

So leicht nicht, mein Freund. So leicht nicht. 

„Und woher soll ich das wissen? Wenn du mir das noch sagst?“ Er blickt zur offenen Packung Entfärbemittel die auf dem Counter liegt. (Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, doch ich verdänge es und wende mich ihm wieder zu.) „Und du denkst, das reicht? Hier einfach irgendwelche Beweise zu verstreuen, die mir irgendetwas sagen sollen und dann schweigend auf dem Sofa zu sitzen? Willst du dich nicht entschuldigen?“ „Ich hab mich doch entschuldigt.“ „Wann soll das gewesen sein?“ „Gerade eben.“  „Vorhin? Das kann doch wohl noch alles gewesen sein! Denkst du, du entschuldigst dich hier einmal und steigst dann auf dein hohes Ross zurück? Du bist doch derjenige, der die deine grüne Hose in die Wäsche geschmissen hat!“ „Ja aber ich hab doch schon gesagt, dass mir das leid tut!“ „ES IST JA AUCH NICHT SO SCHLIMM, DASS DAS JETZT PASSIERT IST! Aber… ABER DARUM SORTIERT MAN DIE WÄSCHE NUNMAL!“

Dieser Moment hatte sich in meiner Vorstellung so viel besser angefühlt.

„Okay. Es tut mir leid. Es tut mir leid, dass das jetzt so passiert ist.“

„Was heißt hier passiert, du hast es doch gemacht.“

Er knirscht mit den Zähnen. Ich balle die Fäuste. Die Waschmaschine hört zu waschen auf.

Mein Freund sieht hinüber. Steht vom Sofa auf. Langsam. Sagt mit tiefer Stimme. Na, dann können wir doch mal gucken, ob das jetzt geklappt hat. (Das ungute Gefühl ist wieder da, ein dumpfes Pochen irgendwo in meinem Bauch). Er klappt die Waschmaschine auf.

Japst. Ich schließe instinktiv die Augen. Springe auf. Laufe aufgeregt ans andere Ende der Küche. Ich wills gar nicht sehen … Ich wills gar nicht sehen … „Was ist das denn für ne Sch-„, keucht mein Freund. Und ich nehme die Hände von den Augen. In seinen matten Händen hängt … meine orangen Korallenhose. Nur das sie nicht mehr orange ist. Ein dumpfes Grau ist alles, was von der besonderen Farbe meiner Lieblingshose übrig geblieben ist.

Der Teufelsberg unter meinen Füßen bricht. Macht einfach einen Spalt auf, in dem glühende Lava brodelt. Und ich falle, falle, ohne anzuhalten, mitten in den tiefen Sumpf aus kochend heißer Wut und abgrundtiefer Verzweiflung.

Wer jetzt denkt: es ist doch nur eine Hose.

Der denke nochmal.

Denn das ist auch, was mein Freund wimmert, hilflos an die Badezimmertür pochend. Meine Welt ist dunkel. Und schwarz. Oder besser grau. Ein hilfloses Inferno dreht sich um meinen glühenden Kopf. Alle apokalyptischen Horrorszenarien werden abwechselnd durchgespielt. Wir müssen uns trennen. So geht das nicht weiter. Wie kann ich mit jemandem zusammensein, der meine Sachen nicht wertschätzt.

Denn, das ist es schließlich. Es geht nicht um die Hose, es geht nicht um die Farbe, es geht nicht um die Wäsche und es geht nicht um hohe Rösser. Es geht um Wertschätzung. Um Aufmerksamkeit. Darum, dass ich meine Hosen liebe und trage bis sie mir in Festen an den Schenkeln schlackern. Das war schon immer so. Und das wird, so sage ich mir, eingerollt in Rotz und Wasser auf dem Badezimmerboden liegend, auch immer, immer, immer so bleiben.

Nein, das ist kein Ende, das ist ein Anfang.

Der Anfang meines Lebens, in dem ich für mich verantwortlich bin. In dem ich keinem Macht über mein Herz oder meine Hosen gebe!

Jetzt beginnt der Part an dem ich aufsteige zur Königin der Dunkelheit, die in ihrem hohen Turm aus schwarzer Jade, über ihre Untertanen herrscht und nie ein Wort darüber verliert, wie viel ihr ihre Hosen bedeutet haben, damals, damals … als es noch Gefühle gab. In der eisigen Stille meines gebrochenen Herzens.

Ich wackele ein bisschen mit den Zehen. Denke darüber nach, dass das ein echter Tiefpunkt ist. Rutsche auf dem Duschvorleger ein bisschen hin und her.

Soll ich mich davon unterkriegen lassen? Von dieser Hosensache mein ganzes Leben versauen lassen? Mein Freund hat sich zurückgezogen (hat sein Zimmer gewählt, um auf dem Boden zu liegen). Ob er wohl weint? Das werde ich wohl nie erfahren, denke ich grimmig. Denn ich bin nicht die erste, die ihre Stellung verlässt. Meine Hose fällt mir wieder ein. Das leuchtende orange, die fröhlichen Punkte. Das Korallenriff …für immer verloren. Ich weine noch ein bisschen.

Eine Tür schließt sich

Dann stehe ich auf. Verlust ist Verlust. Das hier ist hart. Aber es ist ein Abschied und so muss ich ihn auch nehmen. Ich gehe aus dem Badezimmer und ins Zimmer meines Freundes. Er liegt auf dem Boden, ich kann sein Gesicht nicht sehen. Nehme vorsichtig die nasse Hose von der Leine. Sie liegt geschmeidig in der Hand. Ziehe mich in mein Zimmer zurück.

Ich liebe dich, gepunktete Hose. Ich habe dich immer geliebt. Danke für die schönen Stunden, die ich in deinem leuchtenden orange verbringen durfte. Danke für die mühelose Form, die du mit der Zeit gewonnen hast. Danke dafür, wie gut es sich anfühlt, wenn du mich umarmst. Danke, dass ich dich gefunden habe. Du bist immer noch schön. Selbst wenn du nicht mehr perfekt bist.

Ich höre meinen Freund aus dem Nebenzimmer schniefen. Und muss wieder Erwarten grinsen.

So sitze ich noch eine Weile da, umarme meine graue Hose und denke: Eines Tages wird das lustig sein.

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Ruhe

Potsdam #2 Bornimer Feldflur

Der weite Himmel

Fünf Minuten mit dem Rad Richtung Norden und ich bin in einer anderen Welt. Auf dem Land. Plötzlich Big Sky, die Augen haben Weitsicht. Ruhe pur. Aber wir wären nicht in Potsdam, wenn das nicht trotzdem auch irgendwie royal wäre. (und ich meine jetzt mal nicht den Hund). Denn es handelt sich hier nicht einfach um eine einfache Ackerlandschaft, sondern um die Bornimer Feldflur. Und die ist im Zuge der Landesverschönerungsmaßnahmen Friedrich Wilhelm IV entstanden.

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Alleen so weit das Auge reicht

Ab 1844 gliedert Hermann Sello die Ackerflächen mit Hecken und Alleen. Eichen-, Linden-, Obst- und Maulbeeralleen durchziehen die Äcker. Sie schützen vor Winderosion und den typischen brandenburger Sandstürmen. Maulbeerplantagen sind zur Zeit der Friedrich Wilhelms sehr angesagt. Sie werden zur Seidenraupenzucht angelegt. In Bornim standen seinerzeit angeblich 60 000 Bäume.

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Erfrischungen

Sollte man Durst bekommen, kann man sich im Tyroler Graben erfrischen, sobald man die Frösche verscheucht hat. Schafft Chappi leicht. Der Graben fließt in den Sacrow-Paretzer-Kanal. Schönes Plätzchen für ein Picknick und ein kühles Bad.

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Unglückliche Steine

Der Graben ist natürlich auch nicht einfach irgendein Entwässerungskanal. Nein, als der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm sich in Bornim in den 1670er Jahren ein kleines Lustschlösschen bauen will, heben angeworbene Tiroler Bauarbeiter den Graben aus. Sie sollen ihn als Transportweg für Baumaterialien genutzt haben. Das Schlösschen wird kaum hundert Jahre später, wohl wegen Baufälligkeit, schon wieder abgetragen. Spricht das gegen die Tiroler? Die Steine werden  dann beim Bau des Gutshofes Bornim wiederverwendet. Von dem Bau, den Ludwig Persius im italienischen Stil gebaut hat, ist leider auch nur noch der Turm erhalten. Der Rest ist nach 1945 während der Nutzung durch die sowjetische Armee abgebrannt. Den von Sello hier Mitte des 19.Jhd angelegten italienischen Obst- und Gemüsegarten, kann man in seinen Grundrissen jetzt noch durchwandern.

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 Kühe und Kraut

Je nach Bodengüte wechselt die Bewirtschaftung in der Feldflur von Ackerflächen über Weideland und Obstplantagen. Manchmal findet man auch ganz seltsame Plantagen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hat. Das Institut für Agrartechnik forscht hier an nachhaltiger Landwirtschaft und Agrartechnik. Chappi scheint’s zu genießen. Trotzdem werde ich den Beitrag hier nicht in unsere Kategorie Rausch einordnen.

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Happy dog, lucky man

Ein Glück, wenn man einen Hund hat, der einen immer wieder daran erinnert, in die Felder zu gehen, denn here is where the people from the city can relate to the slower things that the country brings.

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Kontrolle abgeben

Es gibt eine Sache, mit der ich mich momentan viel beschäftige. Und zwar: Kontrolle abgeben und Vertrauen in den Flow des Lebens haben.

Ich habe vor ein paar Tagen einen TEDx Talk gesehen namens „After Anorexia: Life’s too short to weigh your cornflakes“ gesehen. Er wurde mir die ganze letzte Woche immer auf Youtube angezeigt, aber ich dachte: Das interessiert mich nicht. Ich bin nicht magersüchtig.

Aber wie das Universum ja so ist, wenn es will, dass du etwas lernst, dann lässt es nicht locker.

Catherine Pawley, hat mit 18 eine Essstörung entwickelt. Jetzt nach fünf Jahren ist sie wieder gesund, obwohl, wie sie selber sagt, die Genesung von der Krankheit nicht linear verläuft, sondern immer mit Rückschlägen verbunden ist. Sie hat sich mit 18 total überfordert gefühlt, in ihrem Leben, mit ihrer Zukunft. Machtlos und ohne Kontrolle. Wer kennt das nicht? Und wie bekommt man Kontrolle? Indem man sich selber kontrolliert. Regeln aufstellt, die man befolgen muss. Sich selbst ein kleines Gefängnis baut, in dem es paradoxerweise sicher ist. Aus drei Regeln wurden schnell sechs und aus sechs schnell hunderte. ‚Nicht mehr essen als die Person, mit der man zusammen ist.‘ ‚Nicht zwischen den Mahlzeiten essen.‘ ‚Niemals essen genießen.‘ ‚Niemals Zucker trinken.‘ Natürlich wurde ihre Familie besorgt und Catherine wurde mit Anorexia diagnostiziert. Aber das führte nur dazu, dass sie mehr Regeln aufstellte.

„Rules that tell you how to live, what to do, what to say, what to eat. Rules take away chance and decision and they take away risk. They give you control.“ 

Und obwohl ich wirklich so fern von einer Essstörung bin (wofür ich sehr dankbar bin), kenne ich das Gefühl von Machtlosigkeit. Ich selbst überschütte mich, seitdem ich denken kann, mit Regeln. Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Kleine Regeln, die einem das Leben leichter machen. Oder?

Kopf und Bauch

Nun ist es nunmal so, dass ich mit einem kompletten Bauchmenschen zusammen bin. Und während ich schon den kompletten Tag in meinem Kopf durchgegangen bin, alle Umwege ausgekreuzt habe, um einen effizienten Tag zu haben, schon gegoogelt hab, wie das Wetter wird, und im Kopf alle meine Strumpfhosen nach Laufmaschen durchgegangen bin, dreimal gecheckt hab, ob Lukas sein Handy wirklich aufgeladen hat (meins ist sowieso immer aufgeladen), wacht Lukas gerade ganz entspannt zu einem schönen Frühlingstag auf.

Das Problem ist, dass ich sehr schlecht damit umgehen kann, wenn die Bilder im meinem Kopf, die ich mir vorher so kleinsäuberlich zurecht gelegt habe, nicht so klappen. „Wie, wir haben keine Eier? Aber heute ist mein Sonntagfrühstückeitag! “ Okay, dann macht der ganze Tag keinen Sinn mehr. Wir werden die Bahn verpassen, ich werde Kopfschmerzen kriegen, ich werde zwei Tage hintereinander Müsli essen und das auch noch ohne Hafermilch.

Das ist nämlich das Ding mit Regeln und Vorstellungen … man lernt nicht, spontan auf Situationen zu reagieren. Man weiß nichts mit sich anzufangen, wenn es eine kleine Variablen gibt. Alles kann dich aus der Bahn werfen.

Und deswegen sag ich hier laut und deutlich: Kopfmenschen haben es schwerer als Bauchmenschen! Logisch, würde ich ein paar mal im Monat mein Portemonnaie verlieren, um nicht immer diese Oberlehrerin im Kopf zu haben. Ich will auch mal aufwachen und feststellen, dass ich keine frische Wäsche mehr hab, weil ich nicht dran gedacht habe, sie zu waschen. Ich will auch mal eine ganze Bahnfahrt aus dem Fenster gucken, weil ich meine Kopfhörer vergessen oder meinen Ipod nicht aufgeladen habe. Oder will ich das?

Perfektion

In der Familie heißt es immer, die Welt für mich zusammengebrochen ist, wenn ich ein mal ein Glas im Restaurant umgestoßen habe. ‚Wie, ich habe einen Fehler gemacht?‘ ‚Was, ich bin nicht perfekt?‘ ‚Das kann nicht sein. Ich habe alles im Kopf schon durchgespielt. Wie konnte mir das passieren?‘

Lukas sagt gerne das ich clumsy bin. Dinge fallen lasse, mich stoße. Und er liebt diese Momente. Ich habe Angst vor ihnen. Aber sie fühlen sich auch wie ausatmen an. Denn was für ein Stress, die ganze Zeit alles im Kopf haben zu müssen. Kühlschrank auf, keine Eier da, dann gehen wir eben frühstücken. Akku alle, dann müssen wir halt Leute nach dem Weg fragen. Man muss sich mit dem wurschteligen, komplizierten chaotischen Leben konfrontieren. Aus seiner bubble rausgucken. Es riskieren.

Denn sein wir doch mal ehrlich. Ich bin nicht perfekt. Ich habe nicht immer alles im Kopf. Ich faile, ich falle.

Und das ist in Ordnung. Und es ist auch in Ordnung, wenn andere nicht alles im Kopf haben. Und genauso wie Catherine Pawley irgendwann verstanden hat, dass ihre Regeln sie langsam umbringen, merke ich, dass sie mich vom Leben abhalten. Das es so viele schöne Zufälle gibt.  Das Kontrolle abgeben, beängstigend ist und unsicher und ein großes Risiko, aber man einen Kampf mit sich selber kämpft, den man nicht gewinnen kann.

 

 

 

 

Blume des Lebens
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Die Blume des Lebens

Die Blume des LebensBlume des Lebens

Ich bilde mir eigentlich ein, so ziemlich jedes weltweit bekannte Symbol irgendwie und wann – und wenn auch nur am Rande – einmal gesehehen zu haben. Ich habe mit so vielen verschiedenen Menschen studiert, gelebt, gearbeitet, geredet, hätte mir da die Blume des Lebens nicht irgendwann einmal begegnen müssen? Nein. Oder ich habe sie unbewusst übersehen.

Denn irgendwie war sie die ganze Zeit da. Sogar ganz nah. Zum Beispiel auf dem Räucherstäbchen-Teller, den Uwe zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Also frage ich mich, wo ich dieses Ornament noch überall übersehen habe? Mein Kunstgeschichtsstudium fällt mir ein, der Judo-Dojo, der Thai Chi-Übungsraum, Kunstbände, Plattencover, Bücher, Plakate … war ich blind? Warum? Zeit, einmal genauer hinzusehen.

Simpel und gleichzeitig komplex

Blume des Lebens

Ich sehe einen gelangweilten Schüler im Geometrieunterricht sitzen und Kreise mit seinem Zirkel malen. Erst einen. Dann den nächsten vom Mittelpunkt dieses Kreises aus, den nächsten Kreise von einem der zwei Schnittpunkte, die weiteren Kreise von den neuen Schnittpunkten aus … Klingt irgendwie deprimierend, aber wenn man sich das Ergebnis ansieht. Wow. So entsteht die Blume des Lebens, eine gemometrische Form aus 19 Kreisen und 90 „Blütenblättern“.

Leonardo da Vinci
Leonardo_da_Vinci_-_Blume des Lebens

Leonardo um 1512

Seit dem Kunstgeschichtsstudium bin ich ein großer Fan des rebellischen, neugierigen, unkonventionellen, sensiblen Leonardo da Vinci. Vermutlich Sohn einer arabischen Sklavin, die beim Vater gearbeitet hat. Sehr wahrscheinlich homosexuell. Auf jeden Fall hochintelligent und extrem visionär. Der die erste Müllabfuhr von Mailand organisiert und mehr als 30 Menschen seziert hat, da er sich so sehr für das Innere des Menschen interessierte, also die Adern, Knochen, Organe und Muskeln. Um mal das flauschige Bild aus den heutigen Museums-Stores von Leonardo ein wenig aufzumischen. Leonardo sah sich als Wissenschaftler – Haltung zur Kirche und Glaube wohl eher freundlich distanziert.

Codex Atlantis

Der Codex Atlantis ist eine Sammlung von Zeichnungen von Leonardo, oder die Sammlung. Er hat seine Zeichnungen darin nicht nur gesammelt, sondern neu gruppiert, zusammengeklebt, sortiert, sodass manchmal sogar sechs Zeichnungen auf einem Blatt zu sehen waren. Oder in Passepartouts geklebt, damit man Vorher- und Rückseite ansehen konnte. Ich nenne das Collage und modern und extrem interessant für andere Künstler, an die er bei der Herstellung und Aufbewahrung sicher gedacht hat. Ab 1960 hat man diese Sammlung „restauriert“, die Blätter getrennt und auf Einzelbilder geklebt (ja, genau wie die Quittungen bei der Steuererklärung), wodurch ein 12-bändiges Werk mit 1119 Blättern entstanden ist. (Ich hoffe, irgendjemand hat das Original im Urzustand fotografiert, damit spätere Restauratoren das alles wieder rückgängig machen können.)

Leonardo da Vincis Darstellung des Ornaments (Codex Atlanticus, fol. 309v)

Codex Atlanticus, fol. 309v

Jedenfalls ist eine dieser Zeichnungen – genau, die Blume des Lebens, die man damals allerdings gar nicht so genannt hat. Jetzt wäre natürlich interessant zu erfahren, was Leonardo da unter dem Symbol notiert hat …

Türschwelle
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Zeichnung von Jules Bourgoin (1838-1907)

Der erste Fund, einer Darstellung des Blume des Lebens-Ornaments findet sich im Palast von König Aššur-bāni-apli in Dur Šarrukin. Zeit: 645 v. Chr.  und heute in der assyrischen Abteilung des Louvre oder  im British Museum zu finden. Da sieht es tatsächlich mehr wie ein nettes Teppichmuster aus und setzt sich weit über 19 Kreise fort. Zufall? Absicht?

In Ägpyten taucht die Blume des Lebens als Graffiti an Tempelanlagen auf (Tempel Sethos I.), und lässt die Wissenschafler rätseln, wer die dort wann hingekritzelt hat. Wobei – das sieht schon ziemlich exakt aus. Es gibt das Muster in China unter der Pranke eines Löwen, die Blume des Lebens in Pfarrkirchen in Europa, in Indien an Tempelsäulen. Sagen wir einfach: Sie wurde schon fast überall auf der Welt gesehen, vor allem an öffentlichen Gebäuden, Tempeln, Kirchen. Und weil man Mustern in der Kunstgeschichte oder Architektur keine große Bedeutung schenkt, findet man bisher leider nirgendwo eine anständige Antwort auf die Frage, wieso dieses Symbol da oder dort auftaucht.

Heilige Geometrie

Die Blume des Leben ist eben kein Fall für die reine Wissenschaft. In der Gnostik und Esotherik dagegen kennt man geometrische Formen, die als Symbol für den Bauplan der Schöpfung, des Lebens verstanden werden. Formen, in denen alles – vom Atomkern bis zur Spiralgalaxie – aufgehoben sein soll und dargestellt ist. Weil alles Leben aus einem winzigen Samen/Ei erschaffen wurde und mit allem zusammenhängt.

„Jeder Teil eines Dings enthält etwas von der Natur des Ganzen.“ (Leonardo da Vinci)

Leonardo da Vinci etwa 1492

Womit wir wieder bei Leonardo wären.

Esoterik

Und gleichzeitig langsam und stetig die wissenschaftliche Ebene verlassen. In esotherischen Kreisen ist die Blume des Lebens als Schutzsymbol bekannt. Mit einem Aufkleber der Blume des Lebens auf einer Wasserflasche soll man den Inhalt beleben können, also energetisieren, säubern. Mit einem Symbol an der Wand Wohn- und Schlafräume entstören, an Arbeitplätzen den Elektrosmog verringern, mit einem Schmuckstück den Träger schützen oder harmonisieren. Well, well.

Blume des Lebens

 

Ich verstehe gerne, woher Dinge kommen. Was es damit auf sich hat. Da bin ich wohl Leonardo ähnlich. Mich interessiert  – fast alles.

Brauche ich eine Erklärung für eine Sache, ein Symbol? Eigentlich nicht. Denn zum einen kann ich es ausprobieren, zum anderen sieht es einfach schön aus. So what.

Jetzt, wo ich Bescheid weiß – oder ein wenig mehr Bescheid weiß, denn da scheint es eine Menge Geheimnisse zu geben – fühle ich mich etwas erleuchteter. Das Symblol werde ich nicht mehr übersehen. Und ich will definitiv auch so einen kleinen Aufkleber auf meinem Handy haben!

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Divine Feminine

Vor ein paar Wochen saß ich mit Lukas im Café und zeigte ihm eins meiner Pinterest Boards. Frauen die auf dem Bett sitzen und lesen. Close ups von filigranen Ringen, Kaffeetassen, Sonnenschein. Warum werde ich so magisch von solchen Fotos angezogen und warum fühl ich mich ihnen total fern? „Ist doch ganz klar, die Fotos strahlen alle Weiblichkeit aus, und wahrscheinlich bist du mit deiner eigene Weiblichkeit nicht völlig im Reinen.“ Einfach so, zwischen zwei Schlücken Kaffee … Ich fing also an, in mir zu forschen und mich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das führte mich natürlich schnell zur Frage:

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Was ist Weiblichkeit überhaupt?

e1c7d2c2c5a9d22369c5e0f51d004585Weiblichkeit wird auch gern Divine Feminine genannt. Divine Feminine ist die Göttin in jedem Menschen. Weibliche Energie steht für Heilung, Balance, Kreativität, Kontakt, Offenheit, Pflege, Liebe, Verständnis, Intuition, Weisheit, Vergebung, Harmonie, Sinnlichkeit, Mitgefühl, Zugehörigkeit und Fürsorge. Sobald man etwas erschafft, wie z.B ein Bild malt, Musik komponiert, tanzt oder ein Baby in seinem Bauch wachsen lässt, nährt man seine weibliche Energie. Weiblichkeit ist stark verbunden mit dem Mond. Kontakt mit anderen Menschen, Einbeziehung, Aufnahme, Eingliederung. Schönheit und Sinnlichkeit sind weitere wichtige Aspekte. Die Schönheit in sich selbst und in der Welt.

     

Divine Feminine // Divine Masculine

Trotzdem ist männliche und weibliche Energie keinesfalls geschlechtsspezifisch. Weiblichkeit und Männlichkeit sind nicht dasselbe wie männlich und weiblich oder Mann und Frau.

Das Yin (weiblich) und das Yang (männlich) können nicht ohneeinander. Und hätte Eva, der kleine Rebell, nicht den Apfel gepflückt, würde Adam immer noch im Paradies rumdümpeln.

Um Weiblichkeit besser zu verstehen, habe ich auch angefangen mich mit Männlichkeit zu beschäftigen. Es gibt unzählige TED- Talks zu dem Thema. Michelle Millers Talk „We need to restore femininity“  hat mir  besonders gut gefallen:

„If I drink my coffee for the flavour and the taste and the ritual of it, thats for the experience of the coffee, thats a feminine way of drinking coffee. If I drink my coffee for the caffeine, thats for the result of the coffee, thats a masculine way of drinking coffee.“

Zielorientiert ist eine männliche Art zu denken. Prozessorientiert eine weibliche.

Machen ist Männlich, Sein ist weiblich.

Kreativität weiblich, Produktivität männlich.

Eine neue Ära!

Vor 50 Jahren wurden Frauen noch in eine starke Rolle gedrückt. Durch die Emanzipation und die Feminismus Bewegung haben sich Frauen den Männern angepasst. Der Gedanke, Frauen sollten stärker werden und dadurch Männer klein halten, ist genauso bescheuert, wie der Gedanke, dass Männer Frauen klein halten müssen. Ein gemeinsames Wachsen steht an. Männer müssen sich genauso in der Rolle der Männer wiederfinden. Diese ist heutzutage besonders mit viel Scham und Schuld verbunden. Es ist fast schon verpöhnt „zu“ männlich zu sein. Wir sind alle gleich wichtig aber nicht alle gleich! Natürlich gibt es Unterschiede. Und zwar nicht nur in unseren Körpern, sondern auch in unserer Weise zu denken. Was haben wir davon alle gleich zu sein, wenn wir auch unsere gegenseitigen Stärken ausleben könnten?

Was ist Weiblichkeit für mich?

Ich habe die Fotos also näher unter die Lupe genommen. Klar sie alle waren in hellen, luftigen Farben. Auf fast allen hat man eine Frau gesehen, sie hatten fast alle lange Haare. Aber da war noch mehr. Alle strahlten eine gewisse Ruhe aus. Ein im Moment sein. Sanft und klar. Wie gehe ich durch den Tag? Zelebriere ich den Moment, meinen Körper, das Sich-selbst-pflegen? Mir wurde schnell klar, dass es bei Weiblichkeit nicht um das WAS, sondern vielmehr um das WIE geht. Vergebung und Schwäche zeigen, ist mir noch nie leicht gefallen. Ein ständiges Gefühl von mehr machen, besser werden, um irgendwann perfekt zu sein, sorgt in mir für Unruhe.

Ich habe mir einen Raum zum tanzen gemietet – mit einer großen Spiegelwand. Und war geschockt, wie sehr ich mich zuerst vor mir selber geschämt habe. Ich konnte mich gar nicht erkennen unter der Scham und übermäßigem und fast schon vorgespieltem Selbstbewusstsein. Hab ich jemals meinen Körper, meine Stärke, meine Anmut zelebrieren können? Ich fühle mich oft unverstanden und wie ein Trampel, wenn ich in Mädchengruppen bin und ziehe mich in die Rolle des Jungs-Mädchens zurück. Da fühle ich mich aber gar nicht wohl. Genauso wie ich mich in hohen Schuhen nicht wohlfühle, aber es liebe Schmuck zu tragen. Ich liebe es zu putzen und merke wie ungewohnt, aber schön es sich anfühlt, andere zu pflegen, statt immer nur für sich zu kämpfen.

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Weiblichkeit in sich zelebrieren:

  • Um mit seiner Weiblichkeit wieder in Kontakt zu treten, sollte man sich erstmal klar machen, warum man den Kontakt wieder herstellen möchte. Wie ein alter Freund, den man nach Jahren anruft.
  • Sich klar machen, in welchem typisch weiblichen Verhaltensweisen man sich von Natur aus wohl fühlt, und in welchen nicht.
  • Selbstliebe und Vergebung sind wichtige Aspekte der Weiblichkeit und sollten zelebriert werden.
  • Und ganz besonders den Kontakt zu andern Frauen suchen. Reden, sich austauschen, sich gegenseitig stärken!

Frauen müssen wieder Frauen unterstützen!

  • Sich auch mal verletzlich zeigen, denn daraus wächst die wahre Stärke.

 

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LETS ALL EMBRACE OUR DIVINE FEMININE TOGETHER!

Alle Fotos von Pinterest!

TEDx-Talks zu dem Thema:

We need to restore femininity

Celebrating femininity on a global scale

Can the Feminine Save the World?

Webiste:

What is the Sacred Feminine?

 

Handlettering
Ruhe

Handlettering

Wie versprochen, kommt heute der zweite Beitrag zum Thema Bullet Journal nämlich Handlettering. Wobei, eigentlich ist das ein ganz eigenes Thema. Und dazu noch ein großes Thema und zurzeit sehr angesagt.

Handlettering

Schrift(arten) waren schon immer etwas, das mich fasziniert hat. Und Handschrift eher etwas, mit dem ich gerungen habe. Note 3 in der Schule. „Schönschreiben“ fand ich schwierig, besonders, wenn man einen interessanten Text schreibt, da zumindest meine Gedanken immer schneller als meine Hand waren. Ah, wie genial ist der Computer für das schnelle Denken/Schreiben. Handlettering heißt dann wohl eher zur Ruhe zu kommen. Es ist wie Zeichnen, wobei der handwerkliche Anteil sehr hoch ist und sehr viel Übung nötig ist, bis man seine eigene Handlettering-Handschrift entwickelt hat.

Learning by doing

Am Anfang habe ich mich eher unstrukturiert mit Handlettering beschäftigt und mir schließlich einen kleinen Kick gegeben, indem ich an einem Letteringkurs teilgenommen habe. Handlettering
Gut, wenn man einen Letteringexperten in der Red Bug Community hat!
Lukas hat den Kurs zusammen mit Lisa organisiert. Es war gut, sich in der Gruppe mal die Zeit zu nehmen, alle Buchstaben einzeln sauber aufzuzeichnen. Das war dann sofort wieder wie Schönschreiben in der Schule – nur sehr viel netter. Als ich Lisa fragte, wo und wie sie sich das alles beigebracht hat, war die Antwort: You Tube Videos. Jep. Immer noch die schellste und coolste Art, heute etwas zu lernen. Trotzdem habe ich nicht nur die nette Atmosphäre, sondern auch noch sehr viel mehr aus dem analogen Kurs mitgenommen.

Papier

Ah, die Autorin kehrt zu ihren Wurzeln zurück: Papier und Stift. Genial. Papier – eigentlich geht alles – doch ich habe schnell gemerkt, dass nicht zu glattes Kopier- oder Umweltpapier mit mittlerer Saugkraft für mich am besten geeignet ist. Handlettering
Auf jeden Fall zum trainieren, also am Anfang. Später geht man von selber freestyle. Packpapier ist toll, weil der Kontrast der sauberen Buchstaben auf dem rauen Papier sehr schön aussieht. Karton ist auch gut, wenn er nicht zu grobkörnig ist.

Für das pure Buchstabenmalen ist es gut, liniertes Papier zu verwenden. Nicht nur auf der Seite von Tombrush kann man sich auch Lernsheets herunterladen und ausdrucken und schon vorgemalte Buchstaben nachzeichnen, was zum einen eine gute Hilfe ist, zum anderen wunderbar entspannt.

Stifte

Ich schreibe/male die Buchstaben beim Handlettering am liebsten mit einem Brush-Pen, also einem Stift, der wie ein kleiner Pinsel funktioniert. Ich benutze am liebsten zwei Stiftsorten. IMG_5605Einmal sind es die TomBow-Brush-Stifte. Gerne in verschiedenen Farben mit zwei verschiedenen Spitzen (dünn oder dicker). Von edding gibt es einen ähnlichen Brushpen (edding 1340 brushpen), der ist halb so teuer, den ich auch gerne benutze. IMG_5604Und dann die Pigma Micron Grafik-Stifte aus Japan. Die haben eine (unterschiedlich) feste breite Spitze, mit der man sehr dünn oder breit zeichnen kann. Sie sind exakter, aber eher für Fortgeschrittene.

Grundregeln

Beachtet man ein paar Grundregeln, dann kann man eigentlich sofort loslegen: Beim Schreiben gibt es zwei Richtungen: Nach oben und nach unten. Bewegt man den Stift nach oben, dann nimmt man den Druck raus, die Linie wird und sollte dünn sein. HandletteringBewegt man den Stift nach unten, verstärkt man den Druck und erzeugt so eine dickere Linie. Handlettering besteht aus dem Wechselspiel von dünnen und dicken Linien. Wann man nach oben und unten zeichnet, ergibt sich eigentlich ganz logisch, aber  seltsamerweise habe ich ständig nachgefragt. So kommen dann solche Anleitungen zustande …

FullSizeRender-HandletteringLinien müssen nicht immer nur Sinn ergeben, sie können auch reine Dekoration sein. Okay, auch dann haben sie eine Funktion, sie umspielen Worte, drücken Emotionen aus und sollten – auch eine Regel – immer zur Bedeutung und dem Ausruck des Wortes passen.
Hier mal meine allerersten Versuche mit der dünnen Seite des Tombrush-Stifts.

Besonders viel Spaß macht es, wenn man anfängt, seine eigenen Schreibvorlieben zu entdecken. Sind es eher die geschwungenen Linien oder ist man am Ende eher der Typ, der in Blockschrift schreibt? Und wie ist es mit Farbe und Schatten, dem Kombinieren von Schriftarten und Größen? Da geht der Spaß erst richtig los. Am Ende, das sehe ich schon, werde ich auf die Wand überwechseln – aber das wird ein anderer Beitrag ;)

Jetzt fasse ich erste einmal Mut – tatsächlich – wirklich – echt – in mein wunderschönes Bullet Journal hinzuschreiben …

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Headspace

Herzlich Willkommen 2017 oder Danke für die Einladung.

2016 ist viel aufgekommen, rausgekommen, losgekommen. Umbruchphase … aber auch viele schöne Dinge sind passiert! Reisen, kreative Projekte, neue Traditionen … und ich habe ihm Jahr 2016 jeden Tag für 15 Minuten meditiert!

Was ist Headspace?

Ich habe schon vor einer Weile mal über die App Headspace geschrieben. Eine total liebevoll gemachte App, die dich durch deine Meditation führt. Es gibt unterschiedliche Schwerpunkte wie Health, Relationships, Performance. Man kann aber auch „normale“ Meditation machen. Die App ist super für Anfänger, weil sie einen ganz behutsam und verständlich an das Thema heranführt. Sie ist aber auch toll für geübte Meditierer.

Auf jeden Fall gibt es bei Headspace bestimmte Schritte. Wenn du 3 Tage geschafft hast, wird der kleine 3 Tage Button von grau zu bunt. Dasselbe nach 10, 30, 90, 180 und eben 365 Tagen. Welchen Ansporn braucht man noch? Ich möchte das alles von Grau auf Bunt wechselt.

Trotzdem wirkte 365 ganz schön unheimlich! Ein ganzes Jahr. Jeden Tag fünfzehn Minuten meditieren. Egal, wo man ist. Na gut, mein Handy hab ich sowieso immer dabei. Das ist nicht das Problem. Es gibt einen Offline-Modus, bei dem man Sessions downloaden kann und erst wenn man wieder online ist, werden diese zu deinem Run Streak dazu gezählt. Das ist also auch kein Problem.

Ich glaube, der letztendliche Auslöser war es, dass jedesmal mein Herz ein bisschen mehr gebrochen wäre, wenn Andy am Schluss der Session sagt:“See you tomorrow“ und ich gewusst hätte, dass ich nicht da sein werde. Ich werde ihn im Stich lassen … er wird einsam in seiner App auf mich warten. Und da sich mein rationales Denken bei solchen Dingen ausschaltet …

The Big 365

Ein ganzes Jahr! Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe!

Wenn ich jetzt zurückblicke, wird mir ganz schwindelig bei der Vorstellung, wo ich überall in diesem Jahr meditiert habe. In gefühlt tausend Hotels und fremden Betten, in Flugzeugen, Zügen, Autos, auf dem Boden, im Bett, im Zelt, in Kambodscha bei Sonnenaufgang, in Spanien am Meer, in Italien auf nem Berg, am Set, zu Hause. Mal einen Monat lang jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen, manchmal auf den letzten Drücker kurz vorm einschlafen, manchmal allein manchmal zu zweit.

Es gab Tage, an denen ich beim Meditieren meine Hände nicht mehr gespürt habe. Das Gefühl hatte, auf mich runter zu schauen und mich danach leicht und frei gefühlt habe. Es gab Tage, an denen ich die kompletten fünfzehn Minuten nachgedacht habe und in erst in dem Moment, in dem Andy sagt „and now let go of the focus, let the mind do whatever it wants to do“ krampfhaft versucht habe, schnell Ruhe in den Kopf zu bekommen. Manchmal war ich nach dem Meditieren müde, manchmal total energetisch, manchmal ein bisschen traurig, manchmal bin ich danach aufgesprungen und durch die Wohnung getanzt. So oder so wurde ich immer selbstbewusster darin, mich hinzusetzen, tief ein- und auszuatmen, die Augen zu schließen und  zu schauen, wie es mir heute geht.

Ich muss gestehen, ich hatte, bevor ich diese Reise begonnen habe, ein wenig Angst, dass ich am Ende ganz taub sein würde. Dass mir nichts mehr etwas anhaben könnte. Ich total Zen und irgendwie leer durch die Gegend laufe. So ist es nicht! Alle Emotionen sind noch genau da, wo sie vor einem Jahr waren, Wut, Eifersucht, Trauer, Freude, Angst. Teilweise sogar stärker, hab ich das Gefühl. Nur bin ich jetzt viel besser darin, meine Emotionen zu erkennen, mich zu fragen, woher sie kommen. Ich kann eher entscheiden, ob ich mich ihnen hingebe oder mich von ihnen distanziere. Es gibt weniger grundlose Wutanfälle, Stress kann mir nicht mehr so viel anhaben.

Und ich bin sehr stolz auf mich! Ich hätte nicht gedacht, dass ich es durchziehe. Ich hätte nicht gedacht, dass man ein Jahr lang jeden Tag Andys Stimme hören kann. Und besonders hätte nicht gedacht, dass ich jeden tag fünfzehn Minute Zeit finde. Aber here we are. Und der letzte Button ist bunt geworden.

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Loslassen

Und jetzt kommt wahrscheinlich der allerschwierigste Teil, auf den ich überhaupt nicht vorbereitet war. Das alles loszulassen. Ich meine nicht, dass ich nicht mehr jeden Tag meditieren möchte, aber ich will nicht mehr müssen. Nach 365 dachte ich mir: na gut, ich mache noch das nächste Pack zu Ende. Und dann, na gut, noch eins und noch eins, und jetzt, nach 409 Tagen, lass ich es los.

Es fühlt sich im Endeffekt gut an, erleichternd.

Denn ich glaube, darin liegt die wahre Stärke, dir etwas aufzubauen und es loszulassen. Und dann wieder von vorne. Ich bin gespannt was 2017 bringt!

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Das Suchen und finden einer Leidenschaft

Als ich jünger war, hatte ich oft Angst, niemals eine Leidenschaft für etwas zu bekommen. Du siehst so viele Menschen um dich herum, die für etwas brennen. Die dich stundenlang über ihre Leidenschaft zuquatschen können. Die sich auskennen und weiter informieren. Warum? Einfach weil sie es lieben. ‚Na gut‘, denkt sich Klein-Amber, ‚jetzt such ich mir meine Leidenschaft.‘ Und probiert 1000 Sachen aus. Holländisch, Nähen, Taek-Won-Do, Ballett, Zeichnen etc. Natürlich hab ich spätestens nach einem Monat mein Interesse an der Sache verloren. Wenn ich nicht die Beste darin sein kann, will ich es gar nicht erst machen. Und wenn ich keinen Fortschritt sah, hab ich aufgegeben. Ich hab der Sache ihre Leichtigkeit genommen, mich dadurch selber unter Druck gesetzt und letztendlich verschreckt. Gleichzeitig hab ich Leute extrem beneidet, die an etwas dran geblieben sind, die ihr Talent genutzt haben und durch Übung immer besser geworden sind.

Bei einer Leidenschaft geht es nicht um das Ziel. Es geht um den Weg dahin. Um es noch poetischer auszudrücken: Der nie endende Weg! 

Yoga kam ganz schleichend in mein Leben. Durch meine Ballettjahre war ich sehr gedehnt und deswegen fielen mir viele Posen von Anfang an leicht. Doch das hab ich gar nicht erkannt, weil ich zu beschäftigt war, meiner verebbten Leidenschaft fürs Tanzen nachzutrauern. Vielleicht hab ich Ballett ja nur gemacht, um meinen Körper kennenzulernen, was mir hinterher im Yoga total geholfen hat.

Über drei Jahre lang hab ich Yoga gemacht, ohne viel Druck. Ich hab mich über Fortschritte gefreut, aber sie nicht vorausgesetzt. Keine große Sache. Ich hab mich mehr und mehr auf Social Media darüber informiert und ausgetauscht. Freundschaften haben sich auf der Basis des gemeinsamen Interesses für Yoga gebildet. Und irgendwann, ungefähr Anfang letzten Jahres, hat es Klick gemacht. Momentmal …  das ist meine Leidenschaft. Wenn mich andere Leute anschauen, denken sie vielleicht genauso: „Hey wie cool, sie hat was gefunden, in das sie ihre Energie reinsteckt und sogar mehr Energie rausbekommt. Toll, das hätte ich auch gerne.“

Und von einem Tag auf den anderen hab ich das Team gewechselt.

Es gibt aber nun mal nicht eine Definition für Leidenschaften und hundert Wege wie sie zu dir kommen. Genauso wie Freunde. Manche kommen wie ein Knall in dein Leben, eine Intensive Zeit und dann ist die Sache vorbei. Es gibt Monatsleidenschaften, Tagesleidenschaften, aber auch Stundenleidenschaften. Manchmal reicht ein Foto auf Pinterest und die Flamme ist entfacht. Manchmal lebt man Jahrelang Seite an Seite mit ihr, bis man es realisiert.

Wenn ich morgen aufwache sollte und das Feuer für Yoga ist weg, dann sag ich: Danke für die schönen gemeinsamen Jahre. Aber ich werde mich nicht dafür fertig machen und es so lange genießen, wie es anhält. Und wer weiß, vielleicht mach ich noch mit achtzig Sonnengrüße. Und inzwischen bin ich dankbar dafür, ungeduldig gewesen zu sein. Es war nicht falsch, irgendwann mit Holländisch aufzuhören. Denn sich zu etwas zwingen ist Kopfsache, aber die Leidenschaft für etwas kommt aus dem Herzen.

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Erdbeben

Wenn die Erde bebt

Zugegeben, es ist nicht unbedingt ein gutes Gefühl, in eine Region aufzubrechen, die gerade hart von einem Erdbeben getroffen wurde. Nur 4 Tage später aufzubrechen, um genau zu sein. Aber Zuhause zu bleiben, fühlte sich auch nicht gut an. Wir fahren schon seit 16 Jahren nach Italien, immer auf den gleichen Berg – das ist unser Ferienort! Wie gehen wir also damit um, dass nur 40 km Luftlinie entfernt, auf dem gegenüberliegenden Bergmassiv, die Erde gebebt hat?

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Natürlich waren wir nicht cool. Falls es ein Erdbeben gibt, rennen wir alle in den Garten. Nein, das große Feld! Nein, wir bleiben im Haus und stellen uns unter die Türen. Und hatten Bedenken: Dürfen wir dort in der Sonne sitzen, wenn gegenüber auf dem Berg gleichzeitig Menschen unter Häusern begraben sind? Manchmal wünscht man sich, man wüsste weniger. Die Website der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, von der auch die Infos oben stammen, öffnet einem schnell die Augen dafür, dass es an vielen Stellen auf der Welt, jeden Tag, schwere, mittelschwere und kleine Erdbeben gibt. Ups. Das soll keine Aufforderung zur Panik sein – im Gegenteil. Manchmal lässt man sich von einer diffusen Angst von Dingen abhalten, statt an den Ursprung dieser Angst zu gehen.

Vor Ort

Als wir im Tal ankommen, sehen wir die abgesperrte Straße, aber spüren auch die konzentrierte Ruhe. Nicht unbedingt etwas, was man von Italienern erwartet, wenn man sie in den Cafés über Fußball oder Politik diskutieren hört. Die Leute in der Gegend sind Erdbeben gewohnt, eigentlich gibt es jedes Jahr ein kleineres, und alle paar Jahrzehnte ein größeres Beben. Das Leben geht weiter, in den Bars, im Supermarkt, und oben in unserem Landhaus war auch alles wie immer. Nun, nicht ganz so wie immer. Auf dem Weg zum Tante Emma Laden im Nachbarort fielen sie mir als erstes auf.Erdbeben

erdbebenDie blauen Zelte, die auf dem Spielplatz standen. Ein gefüllter Wasserkanister daneben. Okay, da sollte man dann wohl hingehen, wenn es bebt. Erstaunlich sachlich und gleichzeitig beeindruckt, stelle ich fest, dass jedes noch so kleine Dorf, in diesem Jahr vorbereitet ist. Ein leichtes Erstaunen gab es dann kurz darauf auch bei den Cafébesitzern, die wir schon ewig kennen. Okay, dieses Jahr waren wir spät in den Urlaub gefahren, aber es lag wohl eher daran, dass wir überhaupt gekommen waren. Natürlich! Auf einmal war es mir ganz klar. Wie mies wäre das denn, diesen Ort in der Not allein zu lassen? Obwohl das keine Aufforderung sein soll in Krisengebiete zu reisen, hatte ich auf einmal das sehr starke Gefühl, das Richtiges zu tun. Dort zu sein. Zuversicht in eine Region zu tragen, die (auch) von den Ferienbesuchern lebt. Weil dieser Ort nicht einfach nur ein Ferienort für uns ist.

Das Beben

Wir hatten uns gerade daran gewöhnt, die Urlaubs-Helden zu sein, als wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit den (Nach)Beben machten. Nicht, dass es einen Tag ohne Beben in der Region gegeben hätte, wie wir auf einer Erdbeben-Website feststellen konnten, doch alles unter der Stärke 4 ist kaum wahrnehmbar. Oder nicht für alle. Egal wen man in den ersten Tagen im Dorf traf, die erste Frage war immer: Habt ihr es heute Nacht/Mittag gespürt? Nope. Wir fingen an, etwas nachzuspüren, etwas aufmerksamer aufzutreten, spürten nichts. Doch die Wahrheit ist, wenn es kommt, weißt man sofort Bescheid. Für mich war es faszinierend, dass die Beben so unterschiedlich sind. Mal wie ein Zittern und Nachvibrieren, dann nur ein kurzes Rumpeln. Hast du den Schrank umgeworfen? Nein, das muss ein Nachbeben gewesen sein. Und ich muss hier wohl nicht extra sagen, dass wir weder in den Garten gelaufen sind, noch uns unter die Tür gestellt haben. Wie auch, in wenigen Sekunden der Erstarrung? Des ungläubigen Wahrnehmens und der überraschten Erkenntnis: So ist das also!

Ich war gleichzeitig fasziniert und leicht geschockt. Was geht hier eigentlich ab? Ich meine: Auf der Erde? Und es gab ein weiteres Gefühl, das mich an verschiedenen Nachbeben-Morgen beschäftigt hat: Hey, es wäre gut, wenn wir die Erde ein wenig öfter spüren würden. Nicht unbedingt in ihrem verärgerten Zustand. Ihren Wut- und Vulkanausbrüchen oder Zorn-Zunamies. Aber doch bewusst wahrnehmen würden, dass es eine wunderschöne und sehr lebendige Erdkugel ist, auf der wir durch das Weltall fliegen. Und dass wir – und ja, das klingt jetzt kitschig – alle jeden Tag etwas dafür tun können, dass die Erde, das Klima, die Beziehungen hier etwas besser werden.

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Durchatmen

Einatmen, halten, ausatmen. 

Früher als Kind hatte ich oft das Gefühl zu ersticken, weil ich nie ganz einatmen konnte. Als es mir dann ein paar Monate lang psychisch sehr schlecht ging, hatte ich wieder das Gefühl, nicht richtig einatmen zu können. Ein Stein liegt auf der Brust, die Atmung ist flach und kurz. Das Herz rast. Ich glaube, jeder kennt dieses Gefühl.

Seitdem ich Yoga mache und täglich meditiere, hat sich mein Gefühl zur Atmung stark verändert. Wenn man es runterbricht, geht es im Yoga ja im Endeffekt nur darum, die Atmung und die Bewegung des Körpers zu synchronisieren, und sobald man seinen Atem beobachtet, meditiert man. Ganz simpel ausgedrückt. Ich hätte niemals gedacht, dass man atmen lernen kann. Aber inzwischen kann ich auf Knopfdruck einen tiefen Atemzug nehmen, sozusagen bis ganz ans Ende atmen, völlig einatmen. Und das ist für jemanden, der als Kind eben häufig in Panik geraten ist, weil er nicht atmen konnte, ein ganz schöner Erfolg.

Ich finde es unglaublich, was die Atmung für eine Auswirkung auf die Stimmung haben kann. Sie kann entkrampfen, Energie geben, entspannen.

  • Einmal gibt es natürlich das ganz klassische Zählen.

Einatmen „1“, Ausatmen „2“, Einatmen „3“, Ausatmen „4“, … bis man bei der „10“ ein letztes Mal ausatmet, dann geht es wieder von vorne los. In meinem Kopf male ich dann immer ein Bild einer Blume. Ein Atemzug ist ein Blatt. Und bei 10 ist die Blume komplett.

Blume Grundform

  • Dann hat Lukas neulich die 4-7-8 Atmung entdeckt. Die soll bei Schlafstörungen helfen, aber auch bei Angst oder Wutanfällen.

Erstmal kräftig durch den Mund ausatmen.

Dann durch die Nase einatmen und dabei im Kopf bis 4 zählen.

Dann den Atem halten und dabei im Kopf bis 7 zählen.

Und dann durch den Mund ausatmen und dabei im Kopf bis 8 zählen.

Das soll man 4 mal wiederholen.

Ich kann bestätigen, dass man sich danach wirklich sehr schläfrig und entspannt fühlt!

  • Dann gibt es noch die Löwenatmung. Die sieht richtig schön bekloppt aus, aber ich mache sie supergerne. Danach fühlt man sich schön gereinigt und entgiftet.

Man atmet wieder die komplette Luft erstmal aus.

Nimmt dann einen ganz tiefen Atemzug durch die Nase

und atmet alles mir rausgestreckter Zunge und nach oben gerollten Augen aus.

Yoga with Adriene hat dazu ein Video gemacht, wo das ganze sehr gut erklärt wird.

Das sind ein paar meiner liebsten Atemtechniken.

Nicht vergessen ab und zu richtig tief ein und auszuatmen! Durchatmen, das Leben genießen!