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Rise & Shine: Frühstück

Liebe Red-Bug-Fans,

heute gibt es den Food-Beitrag, und was wäre ein Rise & Shine Monat ohne ein paar Frühstücksrezepte.

Croissants und Kaffee, Haferbrei mit Obst, Pancakes oder großes Sonntagsfrühstück. Frühstück kommt in allen Formen und Größen und ich liebe sie alle!

Seit dem ich alleine wohne, habe ich angefangen, mit unterschiedlichen Morgenroutinen und eben auch unterschiedlichen Frühstücken zu experimentieren. Das Ding ist nur, dass sie alle so lecker sind, dass es einfach immer mehr werden. Was ich aber schon herausgefunden habe ist, dass ich, wenn ich alleine frühstücke, gerne nach dem Bowl-Prinzip esse. Und wie ihr gleich merken werdet, sind diese Rezepte simpel simpel simpel.


Ingwershots

Mit dem Frühstück bricht man ja bekanntlich das Fasten der Nacht. Break-fast. Der Körper hat seit, na sagen wir mal ca. acht Stunden nichts gegessen und hatte viel Zeit zu verdauen und entgiften. Um dann morgens alles wieder in Schwung zu bringen und auch den letzten Rest zu reinigen sind Ingwershots der absolute Oberhammer! Besonders gerne trinke ich sie, wenn ich mich etwas kränklich fühle oder gerade wieder gesund werde, um mein Immunsystem wieder fit zu bekommen.

Sie wirken entzündungshemmend.

Stärken das Immunsystem.

Unterstützen die Verdauung.

Entgiften den Körper

… und sie sind lecker!

Man braucht dafür einen Entsafter und alles andere ist super simpel. Ich mache meistens am Anfang der Woche gleich einen ganzen Vorrat und stelle ihn in einer Flasche in den Kühlschrank. Wer noch nicht sehr Cayennepfeffer erfahren ist: ACHTUNG der hat es in sich. Also ich würde eher mit weniger anfangen, ca. eine Messerspitze, und sich dann bei Bedarf langsam hocharbeiten. Weil der Magen ja noch leer ist, kann man richtig spüren, wie der Shot durch den Körper wandert.

 

-Ingwer waschen, in Stücke schneiden und entsaften

 

-Zitronen und Orangen auspressen.

 

-etwas Cayennepfeffer dazugeben und fertig ist :)


Hirsebrei mit Blaubeeren

Hirse ist superduper gesund und richtig lecker. Sie ist im Vergleich zu anderen Getreidearten glutenfrei, was auch wenn man keine Allergie hat, immer eine gute Idee ist. Manchmal, wenn ich lange Zeit viel Brot und Nudeln gegessen habe und mich wieder etwas frischer fühlen möchte, steige ich für eine Zeit auf Hirse um.

In der Zeit wo die Hirse köchelt, räume ich auf, mache den Abwasch vom Vortag, ein paar Sonnengrüße oder geh duschen. Wer morgens nicht so viel Zeit hat, kann die Hirse auch einfach über Nacht in der ‚Milch‘ einweichen lassen und dann morgens nur noch erhitzen.

Der Kurkuma macht die Hirse richtig strahlend Sonnengelb und das in Kombination mit dem Violett der Blaubeeren macht echt ne funky Mischung.

Ich mache all diese Rezepte nach Augenmaß, aber vielleicht als Orientierung:

3-4 EL Hirse zu 250ml ‚Milch‘

 

-Hirse mit der ‚Milch‘ in einem Topf kurz aufkochen und dann ca. 15 min köcheln lassen.

-zum Schluss etwas Kurkuma unterrühren. Die Blaubeeren drüber und vielleicht ein paar Walnüsse.

 


Milchreis mit Himbeeren

Uh yiss! Milchreis war schon als Kind mein absolutes Soulfood. Mit Ersatzmilch ist er auch völlig vegan, was die Sache natürlich umso besser macht. Wenn ich also morgens ganz viel Zeit habe, an einem Sonntag zum Beispiel, mache ich mir Milchreis mit Himbeeren und fühl mich wohl in meiner Haut.

 

-Milchreis ganz normal kochen mit ‚Milch‘ und dann Himbeeren und Zimt drüber.

-ich gebe in meinen Milchreis auch gerne beim Kochen noch etwas Ahornsirup oder Honig.

Fertig :)

   


Warmes Birnen Müsli

Fun Fact: bis vor ca. einem Monat habe ich Birnen gehasst. Aber mir hätte ja auch jemand sagen können, dass Birnen nicht nur diese weichen viel zu süßen Äpfel-möchtegern sind, sondern dass es sie auch in knackig und frisch und göttlich gibt. Holy Moly. Die haben selbst warm einen völlig anderen Geschmack.

-Birnen mit ganz, ganz bisschen Wasser im Topf andünsten, dann ‚Milch‘ und Müsli dazu und ein paar Minuten warm und weich werden lassen.

-ich mach dann gerne Sonnenblumenkerne und Walnüsse drüber. Leggerschmeggger!


Bircher-Chiasamen-Müsli

Wenn man einmal die Tatsache verkraftet hat, dass eine Packung Chiasamen gefühlt zwanzig Avocados kostet, erwartet einen das Tor zu endlosen Möglichkeiten.

Jetzt wo es wieder etwas wärmer wird, habe ich immer mehr Lust auf kalte Frühstücke. Wenn es richtig zackig gehen muss, lasse ich alles schon über Nacht einweichen. Sonst reichen auch die zehn Minuten im Kühlschrank.

-Chiasamen und das Birchermüsli mit der ‚Milch‘ verrühren und für ca. 10 Minuten abgedeckt in den Kühlschrank stellen.  Dann nach Belieben noch etwas mehr ‚Milch‘ dazugeben, falls es zu trocken geworden ist.

-dann Äpfel schneiden oder reiben, Nüsse und Kerne drüber, etwas Ahornsirup oder so und vielleicht ein paar Beeren. Also alles, worauf man Lust hat. Fertig!


So das sind meine momentanen Lieblingsfrühstücke. Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen inspirieren :)

Rise and Shine, Sunshine!

 

 

 

Morning routine
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Rise & Shine: Morning Routine

Liebe Red Bug Fans,

Rise and Shine. Das ist unser Monatsthema für April. Wie angekündigt wollen wir hier jeden Monat ein Thema umkreisen. Immer freitags – mit Gedanken, Assoziationen, Rezepten, Interviews.

Rise and Shine

Frühling, Wärme, Sonnenschein. Rise and Shine. Zu welcher Jahreszeit passt das besser als zum Frühling. Und dieser Frühling hat es ja wirklich in sich. Lag lange in den Federn. Schneeflockenfedern bis in den April. Dickes Eis auf Teichen und Seen.

Aber jetzt steigt die Sonne wieder höher, scheint kräftiger, wärmt. Oder nein, sie scheint einfach nur so vor sich hin und die Erde dreht sich schrägstehend um sie herum, lässt im Jahreszeitenwechsel die Sonne von Norden nach Süden über ihre Oberfläche streichen. Frühlingsanfang.

In den Frühlingsanfang gehört natürlich auch, die für mich spektakulärste Rise-and-Shine-Story überhaupt. Am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern hier ja viele Menschen Ostern. Mit bunten Eier, Schokolade, Spaziergang. Aber dazu gehört natürlich auch Karfreitag. Da lässt sich einer ans Kreuz nageln, stirbt, wird in eine dunkle Grabkammer gelegt und … steht am Sonntagmorgen wieder auf. What? Egal, ob und wieviel man davon glaubt, die Geschichte ist phänomenal. Steh auf und geh. Und lass dein Licht leuchten.

Wie jede gute Geschichte bringt auch diese den Hauptprotagonisten an den absoluten Tiefpunkt, vollkommen gescheitert, ausweglos. Und dann kommt der Wendepunkt, jedesmal – und trotzdem immer wieder überraschend, unerwartet und manchmal fast unglaublich. Nach dem Wendepunkt dann der Erfolg, die Erlösung, der Triumph. Ohne den Tiefpunkt würde der Triumph gar nicht bemerkt. Was will ich damit sagen? Es ist unmöglich die ganze Zeit in Topform zu sein, immer zu scheinen, immer zu strahlen. Nein, es muss einen Rhythmus geben.

Man muss ja nicht gleich sterben und wiederauferstehen. Aber sich ausruhen, auch mal down sein, traurig sein, müde. Erst wenn man sich auch mal hinlegt, ausruht, schläft kann man wieder aufstehen. Rise and Shine. Und genau, ursprünglich ist Rise and Shine ja ein Weckruf, der jemanden dazu bringen soll, aufzustehen, und zwar sofort. Manchmal kombiniert mit dem Wegziehen der Bettdecke. Auf deutsch wohl eher gleichzusetzen mit Raus aus den Federn. Schwingt da ein kleiner Vorwurf an den Langschläfer mit? Wieviel schöner klingt Rise and Shine.  Steh auf und strahle. Strahle, damit man dich in deiner ganzen Schönheit sehen kann, aber auch strahle, damit deine ganze Wärme auf deine Umgebung, über deine loved ones, deinen inner circle in die Welt hinaus strahlen kann.

Morning Routine

Mir hilft dabei eine Art Morning Routine, die immer mal wieder wechselt. Was gehört dazu? Für mich: Vielleicht überraschend, aber die Morning Routine, fängt schon vor dem Einschlafen an. Ich nehme mir kurz Zeit, mich auf den nächsten Tag zu freuen.

Einer meiner Lieblingsfilmzitate stammt aus Hitch: Begin each day as if it were on purpose. Früh aufwachen und … aufstehen. Dem Ruf der Natur folgen, ins Bad. Dann runter ins Wohnzimmer, kurz dem Hund zunicken, aber der schläft um diese Zeit noch und schlägt nur kurz müde mit dem Schwanz, ohne wirklich die Augen zu öffnen.

Meditation

Viertel Stunde, nicht länger als eine halbe. Manchmal ganz in Ruhe, meist mit Headspace und in letzter Zeit auch oft mit der angenehmen Stimme von Rakel Sosa. (THX an Amber, die mir eine Session bei Rakel geschenkt  … und Headspace entdeckt hat, als es noch wenige kannten.)

Morning Pages

Und dann Morning Pages. Was ist das denn? Den Begriff hat so weit ich weiß Julian Cameron geprägt. Ich kenne ihn jedenfalls aus ihrem Buch The Artist’s Way. (THX an Katrin, die mich darauf aufmerksam gemacht hat.)

Eigentlich ist es ganz einfach: Schreiben. Ich schreibe ein paar Seiten, stream of consciousness, einfach drauflos. Mit Hand, weil man da anders schreibt. Ich jedenfalls und weil es nicht darauf ankommt, dass jemand es lesen können muss. (Selbst ich kann meine Handschrift nur schwer bis gar nicht entziffern, aber wie gesagt, darauf kommt es auch nicht an).

Es ist für mich sehr aufschlussreich beim Schreiben zu bemerken, worüber ich schreibe. Vielleicht gibt es etwas, von dem ich glaube, das es mich sehr beschäftigt. Und ich nehme mit vor, es schreibend zu klären, schreibe dann über etwas ganz anderes, was mir entweder mehr auf der Seele liegt oder einfach nur mal erwähnt werden muss, um auf den Kern der Sache zu kommen. Es hat etwas sehr meditatives. Aha, da kommt ein Gedanke, ich schreibe ihn auf, nehme ihn wahr und lasse ihn gehen. Julian Cameron nennt es auch active meditation.

Aber Morning Pages lassen immer wieder Gedanken, Wünsche, Ängste an die Oberfläche, die ich mir nicht eingestehen möchte. Und sie erinnern immer wieder an wichtige Sachen, die ich gerne verdrängen würde, oder mittelmäßig gut verdrängt hatte.

Morning Pages sind wirklich ein gutes Tool, um Dinge aus einer eher unbewussten Schicht aufs Papier zu holen. Connecting to another source, wie ich es sonst nur vom Bildhauern kenne. Diese Seiten machen mir sehr deutlich klar, wo ich gerade stehe, was mich beschäftigt. Nicht, wenn ich sie nochmal lese (wie gesagt, das tue ich fast nie), sondern direkt beim Schreiben.

Jetzt könnte man denken, na warum denkst du dann nicht einfach nach, ohne zu schreiben, wenn es nicht zum Lesen gedacht ist? Einfach die Tätigkeit, die leichte Verlangsamung der Gedanken durch den Prozess des Schreibens, lässt einen Zustand entstehen, den ich durch hinsetzen und Nachdenken nicht so erreiche. Ich glaube sogar, dass es eine Rolle spielt, ob ich mit links oder rechts schreibe. (Ich bin Linkshänder und kann mit beiden Händen gleich schnell und gut und unleserlich schreiben)

Morning Pages sind eine Aufmerksamkeit, die ich mir selbst schenke. Bevor ich auf das iPhone schaue.

Das Glas Wasser

Und da ich immer wieder höre, dass man viel trinken soll, ist jetzt eine gute Gelegenheit ein großes Glas (warmes) Wasser zu trinken. Das Glas in beiden Händen, counting my blessings and hugging someone in my mind. Jemanden, der mir in dem Moment einfällt, und es fällt mir in dem Moment immer instantly jemand ein, der eine Umarmung gebrauchen kann. Und ich hoffe, bin mir fast sicher, dass der/diejenige es auch irgendwie spürt. Etwas Support, ein Trost, eine Aufmerksamkeit, eine Wärme. Ich spüre es auf jeden Fall.

Wenn Katrin dann herunterkommt und den Hund auf die Morgenrunde führt, mache ich Frühstück für uns. Der Tag kann beginnen, als wäre es mit Absicht.

Einsame Spitze. Joan Didion
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Einsame Spitze. Joan Didion.

Einsame Spitze. Joan Didion.

Wenn du ein Künstler bist, egal welcher Art, dann ist es wahrscheinlich, dass du groß sein möchtest. Die Art von Größe, die einen mit quietschenden Sohlen im Museum umdrehen lässt, leise zurück tappen, hhhnn ein echter….und dann eine Weile lang lippenkauend vor deiner Arbeit stehen und sich ganz schmälern fühlen, zusammengedrängt unter dem Blick deiner gewaltigen Leistung, deines künstlerischen Ausdrucks. Und wenn man nachher beim Wein in der Kneipe sitzt und Pistazien knackt, dann redet man rotwangig von deiner Kunst. Haareraufend, augenfunkelnd, händeringend. Welche Größe. Oh, welche Größe.

Paare verlieben sich vor deinen Bildern, so stark ist ihre Anziehungskraft, man tanzt cheek to cheek zu deinen Songs, wiegt sich im Takt deiner Worte, nach zwanzig Jahren Ehe. Du bist der Ausdruck deines Metiers, die Definitions deines Genres. Du bist der Größte von allen.

Joan Didion ist, mit großer Wahrscheinlichkeit eine der bedeutendsten amerikanischen Journalistinnen. Ihre Beobachtungen haben den Zeitgeist einer Era geprägt, ihre Überlegungen sind tief in die Psyche einer Generation eingegraben. Neulich ist eine Dokumentation herausgekommen, die von ihrem Leben erzählt. Aber irgendwie auch von ihrem Nichtleben. Denn, wenn man „Die Mitte wird nicht halten“ sieht, dann wird einem klar, aus wie vielen kleinen Toden jedes Leben besteht. Unzählige ausgeschlagene Möglichkeiten. Ungegangene Schritte auf unberührtem Schnee, der nie gefallen ist.

Work

Joan Didion wirkt wie die Art von Mensch, die früh wissen, wer sie sind. Eine fast schon kantige Klarheit poltert einem entgegen, wenn man diese winzige Person auf einen Korbstuhl sitzen sieht, die Sonnenbrille vor die hellen Augen geschoben. Sie war schon immer eine, die geschrieben hat. Und egal was sie tut, er ist immer da, der Drang sich nach außen zu kehren, die inneren Fäden zu einem funkelnden Netz zu spinnen, mit dem man Wespen fangen kann. Sie nimmt ernst, was sie tut. Mit der aberwitzigen Weise, wie jeder Künstler ernst nimmt, was er tut.

Denn es sind nicht nur ihre Gedanken, die sie interessieren, es sind auch die Gedanken anderer. Die heimlichen, schizophrenen Fragen, die man sich stellt, wenn der Wecker noch nicht geklingelt hat und das Zwielicht die Schatten an der Tapete verschmieren lässt. Sie kann Dinge ausdrücken, die sonst niemand sagen kann. Sie kann dem Geist auf den Zahn fühlen, der ihre Zeit durchzieht.

Sie ist einzigartig. Das wäre sie auch, wenn niemand davon wüsste. Sie würde stur auf dem knarzenden Korbstuhl sitzen, mit den überschlagenen Beinen baumeln und dann durch die lichten Vorhänge ins kühle Arbeitszimmer tappen und sich an die ratternde Schreibmaschine setzen. Das Licht golden, wie in einem Whiskeyglas.

Man bewundert sie, man ist irritiert und verzaubert von ihrem zögernden Stirnrunzeln und ihren langsamen, gewählten Worten. Sie ist ein Geheimnis und ein General. Man kauert sich in ihren Schatten und wundert sich, wie es dort so kühl sein kann, wenn sie doch nur ein Vögelchen ist. Eine schmale, intellektuelle Gestalt, in beige Gewänder gehüllt.

Love

Das Leben kann gut kombinieren. Deswegen kombiniert es Didion mit einem Schelm. Einem jähzornigen Füße-auf-den-Tisch-Leger. Einem warmen, runden, lauten Mann. Die beiden sind das perfekte Paar. Sie korrigieren ihre Aufsätze, lesen sich ihre Artikel vor. Sie sind so gut wie jeden Tag zusammen, auch wenn eine schweigende Ruhe von den beiden ausgeht. Als würde sich das Geräusch so vieler Gedanken einfach neutralisieren und ein tonloses Vakuum die beiden Liebenden umschließen.

Sie wollen ein Baby. Sie kriegen keins. Und dann an einem Morgen knackt die Schale von Didions Herz zum zweiten Mal und sie weint im Badezimmer. Weil sie ein Baby haben. Ein blondes, rundes Baby. Im Haus am Meer wächst eine kleine resolute Gestalt zwischen den beiden übergroßen Eltern auf. Sie hat das selbe Lachen wie ihr Vater und die selben Augen wie die Mutter. Joan beschützt sie, auf ihre eigene knochige Art.

Wenn du ein Künstler bist, egal welcher Art, dann ist es wahrscheinlich, dass du Angst hast. Für immer allein zu sein. Abgeschnitten von der Welt der Menschen, die sich gegenseitig in die Rippen boxen und mit Spaghettisoße kleckern. Ein Geist zwischen lauter Lebenden. Eine Legende zwischen lauter Liebenden. Da ist eine stille Lücke zwischen ihr und den beiden. Ein kleiner Spalt zugiger Luft, über den niemand nachzudenken scheint. It’s lonely at the top. Art is home. Writing is relief.

Als in rascher Folge ihr Partner und ihre Tochter sterben, klafft der Spalt groß und weit und unübersehbar. Sie sind gegangen und Joan ist noch da. Ein knorriger Kirschblütenzweig. Blaue Adern unter der dünnen Haut. War sie zu sehr Künstlerin und zu wenig Mensch? Kann man ein Lebender sein, wenn man auch eine Legende sein will? Ist die Arbeit ihr zu Kopf gestiegen? Hat sie sie rausgejagt? Sind sie vom Rand gefallen?

Legend

Der Schmerz mahlt noch immer in der knochigen Brust. Die Hände ringen nach Worten, die greifen können was geschehen ist. Ich habe geliebt. War es ein Traum?

Die Medaille um den Hals wiegt schwer, man drückt ihr sanft die Schulter, schiebt sie mal hierhin und mal dorthin. Eine lebende Legende. Hush hush. Rockabye baby.

Und Didion macht das, was sie am besten kann. Sie schreibt.

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Just don’t do it – Eine Ode ans Nichtstun

JUST DO IT

Just Do It. Das Motto einer Generation. Und wieso nicht? Es steht ja alles bereit. Man braucht nur die Hände auszustrecken und hat alle Mittel zur Verfügung.

Als ich nach Jericho gefahren bin, habe ich zum Beispiel ganz bewusst keine technischen Geräte mitgenommen. Ich wollte mich nicht ablenken lassen und am Ende nur Filme im Hotel gucken. Ich wollte rausgehen und Dinge sehen. Mit meinen eigenen Augen wahrnehmen. Das einzige, was ich also dabei hatte, war mein Handy. Und als mich nach vier Tagen doch der Drang nach kreativem Ausgleich überkam, habe ich einfach angefangen, kleine Filmchen mit dem Telefon zu drehen. In iMovie geschnitten, mit GarageBand die Musik gemacht, auf Instagram hochgeladen. Und klar, es geht. Also – ,Just do it‘?

SCHAUSPIELEN HEIßT WARTEN

Als Schauspieler sieht das etwas anders aus. Meist wird man als letztes ans Set geholt und als erstes zurück gebracht. Und was in der Zeit dazwischen passiert, ist nur zu einem wirklich kleinen Teil schauspielern. Während die Beleuchter leuchten und die Bühne baut wartet man als Schauspieler. Erst wenn alles eingerichtet, eingeleuchtet und verkabelt ist, kommt man zum spielen. Und da die meisten Szenen im deutschen Fernsehen eine Länge von maximal 2min haben, ist nach besagten zwei Minuten auch alles schon wieder vorbei. Dann heißt es erneut warten.

Somit habe ich mich recht früh daran gewöhnt, lange Zeit ,nichts‘ zu tun.
Und das ist enorm wichtig. Denn wenn man am Set nicht lernt abzuschalten, nervt man nicht nur die Teamkollegen, sondern verschwendet auch einen Haufen Energie, den man in späteren Szenen brauchen wird.

So schön ,Just Do It‘ also klingt, als Schauspieler tut man die meiste Zeit eigentlich gar nichts.

ÜBERWINDUNG

Natürlich ist mir bewusst, dass das Motto des „einfach-tuns“ einen dazu bringen soll, über den eigenen Schatten zu springen. Seine Grenzen zu erforschen und die Dinge nicht immer auf morgen zu verschieben. Und da bin ich auch voll im Einklang.
Als Kreativschaffender übt die ,Just Do It‘-Haltung allerdings auch einen Druck aus. Denn während ich sowieso die Tendenz habe, mir meine Pausen mit eigenen Projekten zu füllen, hämmert mir ,Just Do It‘ in jeder freien Sekunde ein schlechtes Gewissen ein. >>Einfach im Cafe sitzen und Menschen beobachten ist nicht. Du musst was tun, Lenny. Du musst jetzt anfangen.<<
Überhäuft von unendlich vielen Möglichkeiten. Egal was – Hauptsache was tun.

Dabei ist im Cafe sitzen meistens viel hilfreicher als alles andere.

LOSLASSEN

Im Grunde geht es darum, loszulassen. Sich nicht in den Strudel der Geschäftigkeit zu werfen. Auf die Frage ,Was machst du Samstag?‘ ganz entspannt ,Nichts!‘ antworten zu können und dabei nicht zu denken ,Fuck… ich hab kein Leben‘, sondern ,Fuck… hab ich ein Leben!‘

Also sage ich mir immer wieder – just don’t do it. Das wird sich sowieso von alleine lösen. Das wird schon gut gehen. Du hast keinen Bock darauf? Dann lass es. Mach etwas, das dich glücklich macht. Mach andere Menschen glücklich. Aber dreimal im Kreis rennen, nur um am Ende zu sagen, dass du was getan hast, ist Schwachsinn. Energieverschwendung. Und es verschleiert den Blick auf das Leben. Auf die Momente auf die es ankommt. Klar können wir diese Momente mittlerweile mit der Kamera in unserer Hosentasche festhalten. Aber ist das das Gleiche wie wirklich da zu sein?

Einfach nichts tun, Freiraum schaffen und beobachten, hat mich schon durch einige brenzlige Situationen gebracht. Denn wenn ich ehrlich bin, bin ich am besten wenn ich gar nichts tue.

JUST DON’T DO IT

Zeit also für ein neues Motto. Während es für Spielberg und co. noch eine große Herausforderung war, einen Film ,einfach‘ zu drehen, haben wir mittlerweile alles was wir brauchen. Wir müssen nicht das letzte Taschengeld für einen neuen Super8 Film zusammenkratzen. Wir haben Handy, Computer und vor allem das Internet! Für uns besteht die Herausforderung darin, manche Filme einfach nicht zu drehen. Manche Dinge einfach nicht zu tun. Zu warten, zu beobachten. Effizient mit den Mitteln umzugehen, die uns die ,Just-Do-It‘-Generation gegeben hat. Um dann, wenn der Moment kommt, loszulegen.

Denn wenn man zu viel zu tut hat, verpasst man den Moment der das Leben für immer ändern wird…

 

 

Die Königin der Dunkelheit
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Königin der Dunkelheit – Jedes Ende ist ein neuer Anfang

Königin der Dunkelheit

Es gibt Tage, da schließt sich eine Tür. Tage, an denen dein Boot weit vom Ufer abgetrieben ist und eine rumpelnde Brise aufzieht. Tage an denen das Leben dir sagt: Lass die Hände los. Hör auf, dich festzuhalten.

Ich hatte immer ein besonderes Verhältnis zu Dingen. Zu meinen Dingen im Besonderen. Mein Gürtel, den ich mir mutig, mutig in einem Wild-West-Laden gekauft habe und noch heute mein absoluter Lieblingsgürtel ist. Oder meine türkisblauen Ohrringe, bei denen mir einer beim Schwimmen verloren gegangen ist. Die habe ich eine Weile lang selbst beim Schlafen nicht abgenommen.

Gegenstände sind Talismane, Glücksbringer, Lebensretter, Erinnerungen. Sie spiegeln die Welt wieder, wie sie sich von innen anfühlt. Die Art und Weise wie die türkisblauen Ohrringe im Licht geblitzt haben. Wie zwei winzig kleine Augen, die einem von den Ohrläppchen baumeln. Wenn ich sie anhatte, wusste ich: heute kann ich alles wertschätzen. Das war, was mir die Ohrringe versprochen haben. Kleine Erinnerungen an innere Dinge. An das was das Leben ausmacht.

Denn so sehr ich Gegenstände mag, viel wichtiger als sie selbst, ist die Bedeutung, die ich ihnen gebe. Meine Stiefel, in denen ich mich stark fühle. Mein die-Saloon-Tür-schwingt-auf-und-ich-bin-der-schwarze-Cowboy-Mantel. Meine gepunktete Hose, die ein Orange hat, das ich noch nie gesehen habe. Als würde man eine Koralle tragen. Fröhlich und lebhaft, wie ein Riff in dem bunte Fische schwimmen.

Es gibt Tage da schließt sich eine Tür.

So ein Tag war auch der Tag, an dem mein Freund meine orangene Korallenhose entfärbte.

Wäsche war schon immer ein Thema in unserem Haushalt. Im Allgemeinen – wer sie in die Waschmaschine tut und wer sie aufhängt – im Speziellen – wie man sie sortiert. Ich gehöre zu der Sorte Menschen, die daran glauben, dass es Sinn macht, schwarz mit schwarz und weiß mit weiß zu waschen. Mein Freund hat da eine andere Meinung. Oder wie er es nennt, eine andere Art zu sortieren. Nachdem wir uns nach einigem Hin und Her darauf geeinigt hatten, er hängt die Wäsche ab, denn er kann super falten (perfekte kleine Stoffquadrate, die sich stapeln lassen, ohne dass der Wäscheberg kippt), ich hänge sie auf, (nach Farben sortiert, einfach weil … es schön aussieht). Blieb nur noch die Frage, was macht man mit der Sortierung. 

Eine Zeit lang ging das alles mehr oder weniger gut, wir einigten uns darauf uneinig zu sein (ein Prinzip, das bereits ausgesprochen drohende Gewitterwolken über einem aufziehen lässt) und die Wäsche machte mit.

Bis neulich. Als ich aus dem bunten Wäschestapel ein ehemals weißes Kleid hervorzog. Ein grünlicher Schimmer zierte die sonst so reine Kragenpartie. Stirngerunzelt wedelte ich damit vor meinem Freud herum. Was soll denn dass hier sein?! Jetzt, dachte ich im Stillen, jetzt ist der Moment gekommen, an dem er lernen wird, was Wäsche sortieren heißt! Über mir strudelte ein dunkles Wolkenportal, und ich konnte förmlich spüren, wie ich mit meinem Zauberstab auf den Boden schlug. „Deswegen macht man da keine grünen Hosen mit rein!“

Ich fischte nach einem weiteren lädierten T-Shirt. „Was hast du dir dabei gedacht!“

„Wie kann ich das wieder gut machen?“ Am Saum des Berges, auf dem ich throne, steht mein Freund und blinzelt schuldig zu mir hoch. Ich pfeffere das Kleid zurück. „Kümmere dich darum, dass das wieder rausgeht! Und: Häng du die Wäsche auf!“

Und rausche aus dem Zimmer. Ja, rausche aus der Wohnung, rausche auf meinem Fahrrad (einem schwarzen Streitross) kieselspritzend durch den Park. Das wird ihm noch leidtun. Die scheißgrüne Hose da mit reinzuschmeißen!

Eine Stunde und einige wütende Runden und existenzielle Gedankengänge später, kehre ich zum Tatort zurück. Schweigend. Im Recht.Mein Freund sitzt auf der Couch, die Waschmaschine brummt. Ich ignoriere sie. Mein Freund ignoriert mich. Wir ignorieren uns eine Weile. Bis mein Bauch zu knurren anfängt. „Wie wollen wir das denn heute machen mit Abendessen?“, frage ich barsch.

Er sieht auf. „Ich dachte, wir gehen noch mal raus.“
„Wann haben wir das denn abgemacht?“ „Hab ich vorhin vorgeschlagen du hast bloß nichts dazu gesagt.“ (Vor dem grünen Wäscheberg, fällt es mir wieder ein.) Ich ändere die Richtung. „Willst du jetzt einfach hier sitzen und vor dich hinschweigen? Was soll das für ne Taktik sein?“ Er funkelt mich an. „Du hast gesagt, ich soll mich drum kümmern, dass das wieder rausgeht. Und das hab ich ja auch gemacht. „Er nickt in Richtung Waschmaschine.

So leicht nicht, mein Freund. So leicht nicht. 

„Und woher soll ich das wissen? Wenn du mir das nicht sagst?“ Er blickt zur offenen Packung Entfärbemittel die auf dem Counter liegt. (Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, doch ich verdänge es und wende mich ihm wieder zu.) „Und du denkst, das reicht? Hier einfach irgendwelche Beweise zu verstreuen, die mir irgendetwas sagen sollen und dann schweigend auf dem Sofa zu sitzen? Willst du dich nicht entschuldigen?“ „Ich hab mich doch entschuldigt.“ „Wann soll das gewesen sein?“ „Gerade eben.“  „Vorhin? Das kann doch wohl noch alles gewesen sein! Denkst du, du entschuldigst dich hier einmal und steigst dann auf dein hohes Ross zurück? Du bist doch derjenige, der die deine grüne Hose in die Wäsche geschmissen hat!“ „Ja aber ich hab doch schon gesagt, dass mir das leid tut!“ „ES IST JA AUCH NICHT SO SCHLIMM, DASS DAS JETZT PASSIERT IST! Aber… ABER DARUM SORTIERT MAN DIE WÄSCHE NUNMAL!“

Dieser Moment hatte sich in meiner Vorstellung so viel besser angefühlt.

„Okay. Es tut mir leid. Es tut mir leid, dass das jetzt so passiert ist.“

„Was heißt hier passiert, du hast es doch gemacht.“

Er knirscht mit den Zähnen. Ich balle die Fäuste. Die Waschmaschine hört zu waschen auf.

Mein Freund sieht hinüber. Steht vom Sofa auf. Langsam. Sagt mit tiefer Stimme. Na, dann können wir doch mal gucken, ob das jetzt geklappt hat. (Das ungute Gefühl ist wieder da, ein dumpfes Pochen irgendwo in meinem Bauch). Er klappt die Waschmaschine auf.

Japst. Ich schließe instinktiv die Augen. Springe auf. Laufe aufgeregt ans andere Ende der Küche. Ich wills gar nicht sehen … Ich wills gar nicht sehen … „Was ist das denn für ne Sch-„, keucht mein Freund. Und ich nehme die Hände von den Augen. In seinen matten Händen hängt … meine orangen Korallenhose. Nur das sie nicht mehr orange ist. Ein dumpfes Grau ist alles, was von der besonderen Farbe meiner Lieblingshose übrig geblieben ist.

Der Teufelsberg unter meinen Füßen bricht. Macht einfach einen Spalt auf, in dem glühende Lava brodelt. Und ich falle, falle, ohne anzuhalten, mitten in den tiefen Sumpf aus kochend heißer Wut und abgrundtiefer Verzweiflung.

Wer jetzt denkt: es ist doch nur eine Hose.

Der denke nochmal.

Denn das ist auch, was mein Freund wimmert, hilflos an die Badezimmertür pochend. Meine Welt ist dunkel. Und schwarz. Oder besser grau. Ein hilfloses Inferno dreht sich um meinen glühenden Kopf. Alle apokalyptischen Horrorszenarien werden abwechselnd durchgespielt. Wir müssen uns trennen. So geht das nicht weiter. Wie kann ich mit jemandem zusammensein, der meine Sachen nicht wertschätzt.

Denn, das ist es schließlich. Es geht nicht um die Hose, es geht nicht um die Farbe, es geht nicht um die Wäsche und es geht nicht um hohe Rösser. Es geht um Wertschätzung. Um Aufmerksamkeit. Darum, dass ich meine Hosen liebe und trage bis sie mir in Fetzen an den Schenkeln schlackern. Das war schon immer so. Und das wird, so sage ich mir, eingerollt in Rotz und Wasser auf dem Badezimmerboden liegend, auch immer, immer, immer so bleiben.

Nein, das ist kein Ende, das ist ein Anfang.

Der Anfang meines Lebens, in dem ich für mich verantwortlich bin. In dem ich keinem Macht über mein Herz oder meine Hosen gebe!

Jetzt beginnt der Part an dem ich aufsteige zur Königin der Dunkelheit, die in ihrem hohen Turm aus schwarzer Jade, über ihre Untertanen herrscht und nie ein Wort darüber verliert, wie viel ihr ihre Hosen bedeutet haben, damals, damals … als es noch Gefühle gab. In der eisigen Stille meines gebrochenen Herzens.

Ich wackele ein bisschen mit den Zehen. Denke darüber nach, dass das ein echter Tiefpunkt ist. Rutsche auf dem Duschvorleger ein bisschen hin und her.

Soll ich mich davon unterkriegen lassen? Von dieser Hosensache mein ganzes Leben versauen lassen? Mein Freund hat sich zurückgezogen (hat sein Zimmer gewählt, um auf dem Boden zu liegen). Ob er wohl weint? Das werde ich wohl nie erfahren, denke ich grimmig. Denn ich bin nicht die erste, die ihre Stellung verlässt. Meine Hose fällt mir wieder ein. Das leuchtende orange, die fröhlichen Punkte. Das Korallenriff …für immer verloren. Ich weine noch ein bisschen.

Eine Tür schließt sich

Dann stehe ich auf. Verlust ist Verlust. Das hier ist hart. Aber es ist ein Abschied und so muss ich ihn auch nehmen. Ich gehe aus dem Badezimmer und ins Zimmer meines Freundes. Er liegt auf dem Boden, ich kann sein Gesicht nicht sehen. Nehme vorsichtig die nasse Hose von der Leine. Sie liegt geschmeidig in der Hand. Ziehe mich in mein Zimmer zurück.

Ich liebe dich, gepunktete Hose. Ich habe dich immer geliebt. Danke für die schönen Stunden, die ich in deinem leuchtenden orange verbringen durfte. Danke für die mühelose Form, die du mit der Zeit gewonnen hast. Danke dafür, wie gut es sich anfühlt, wenn du mich umarmst. Danke, dass ich dich gefunden habe. Du bist immer noch schön. Selbst wenn du nicht mehr perfekt bist.

Ich höre meinen Freund aus dem Nebenzimmer schniefen. Und muss wieder Erwarten grinsen.

So sitze ich noch eine Weile da, umarme meine graue Hose und denke: Eines Tages wird das lustig sein.

Ruhe

Potsdam #2 Bornimer Feldflur

Der weite Himmel

Fünf Minuten mit dem Rad Richtung Norden und ich bin in einer anderen Welt. Auf dem Land. Plötzlich Big Sky, die Augen haben Weitsicht. Ruhe pur. Aber wir wären nicht in Potsdam, wenn das nicht trotzdem auch irgendwie royal wäre. (und ich meine jetzt mal nicht den Hund). Denn es handelt sich hier nicht einfach um eine einfache Ackerlandschaft, sondern um die Bornimer Feldflur. Und die ist im Zuge der Landesverschönerungsmaßnahmen Friedrich Wilhelm IV entstanden.

Sky  Blog_sky

Alleen so weit das Auge reicht

Ab 1844 gliedert Hermann Sello die Ackerflächen mit Hecken und Alleen. Eichen-, Linden-, Obst- und Maulbeeralleen durchziehen die Äcker. Sie schützen vor Winderosion und den typischen brandenburger Sandstürmen. Maulbeerplantagen sind zur Zeit der Friedrich Wilhelms sehr angesagt. Sie werden zur Seidenraupenzucht angelegt. In Bornim standen seinerzeit angeblich 60 000 Bäume.

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Erfrischungen

Sollte man Durst bekommen, kann man sich im Tyroler Graben erfrischen, sobald man die Frösche verscheucht hat. Schafft Chappi leicht. Der Graben fließt in den Sacrow-Paretzer-Kanal. Schönes Plätzchen für ein Picknick und ein kühles Bad.

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Unglückliche Steine

Der Graben ist natürlich auch nicht einfach irgendein Entwässerungskanal. Nein, als der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm sich in Bornim in den 1670er Jahren ein kleines Lustschlösschen bauen will, heben angeworbene Tiroler Bauarbeiter den Graben aus. Sie sollen ihn als Transportweg für Baumaterialien genutzt haben. Das Schlösschen wird kaum hundert Jahre später, wohl wegen Baufälligkeit, schon wieder abgetragen. Spricht das gegen die Tiroler? Die Steine werden  dann beim Bau des Gutshofes Bornim wiederverwendet. Von dem Bau, den Ludwig Persius im italienischen Stil gebaut hat, ist leider auch nur noch der Turm erhalten. Der Rest ist nach 1945 während der Nutzung durch die sowjetische Armee abgebrannt. Den von Sello hier Mitte des 19.Jhd angelegten italienischen Obst- und Gemüsegarten, kann man in seinen Grundrissen jetzt noch durchwandern.

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 Kühe und Kraut

Je nach Bodengüte wechselt die Bewirtschaftung in der Feldflur von Ackerflächen über Weideland und Obstplantagen. Manchmal findet man auch ganz seltsame Plantagen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hat. Das Institut für Agrartechnik forscht hier an nachhaltiger Landwirtschaft und Agrartechnik. Chappi scheint’s zu genießen. Trotzdem werde ich den Beitrag hier nicht in unsere Kategorie Rausch einordnen.

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Happy dog, lucky man

Ein Glück, wenn man einen Hund hat, der einen immer wieder daran erinnert, in die Felder zu gehen, denn here is where the people from the city can relate to the slower things that the country brings.

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Ruhe

Kontrolle abgeben

Es gibt eine Sache, mit der ich mich momentan viel beschäftige. Und zwar: Kontrolle abgeben und Vertrauen in den Flow des Lebens haben.

Ich habe vor ein paar Tagen einen TEDx Talk gesehen namens „After Anorexia: Life’s too short to weigh your cornflakes“ gesehen. Er wurde mir die ganze letzte Woche immer auf Youtube angezeigt, aber ich dachte: Das interessiert mich nicht. Ich bin nicht magersüchtig.

Aber wie das Universum ja so ist, wenn es will, dass du etwas lernst, dann lässt es nicht locker.

Catherine Pawley, hat mit 18 eine Essstörung entwickelt. Jetzt nach fünf Jahren ist sie wieder gesund, obwohl, wie sie selber sagt, die Genesung von der Krankheit nicht linear verläuft, sondern immer mit Rückschlägen verbunden ist. Sie hat sich mit 18 total überfordert gefühlt, in ihrem Leben, mit ihrer Zukunft. Machtlos und ohne Kontrolle. Wer kennt das nicht? Und wie bekommt man Kontrolle? Indem man sich selber kontrolliert. Regeln aufstellt, die man befolgen muss. Sich selbst ein kleines Gefängnis baut, in dem es paradoxerweise sicher ist. Aus drei Regeln wurden schnell sechs und aus sechs schnell hunderte. ‚Nicht mehr essen als die Person, mit der man zusammen ist.‘ ‚Nicht zwischen den Mahlzeiten essen.‘ ‚Niemals essen genießen.‘ ‚Niemals Zucker trinken.‘ Natürlich wurde ihre Familie besorgt und Catherine wurde mit Anorexia diagnostiziert. Aber das führte nur dazu, dass sie mehr Regeln aufstellte.

„Rules that tell you how to live, what to do, what to say, what to eat. Rules take away chance and decision and they take away risk. They give you control.“ 

Und obwohl ich wirklich so fern von einer Essstörung bin (wofür ich sehr dankbar bin), kenne ich das Gefühl von Machtlosigkeit. Ich selbst überschütte mich, seitdem ich denken kann, mit Regeln. Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Kleine Regeln, die einem das Leben leichter machen. Oder?

Kopf und Bauch

Nun ist es nunmal so, dass ich mit einem kompletten Bauchmenschen zusammen bin. Und während ich schon den kompletten Tag in meinem Kopf durchgegangen bin, alle Umwege ausgekreuzt habe, um einen effizienten Tag zu haben, schon gegoogelt hab, wie das Wetter wird, und im Kopf alle meine Strumpfhosen nach Laufmaschen durchgegangen bin, dreimal gecheckt hab, ob Lukas sein Handy wirklich aufgeladen hat (meins ist sowieso immer aufgeladen), wacht Lukas gerade ganz entspannt zu einem schönen Frühlingstag auf.

Das Problem ist, dass ich sehr schlecht damit umgehen kann, wenn die Bilder im meinem Kopf, die ich mir vorher so kleinsäuberlich zurecht gelegt habe, nicht so klappen. „Wie, wir haben keine Eier? Aber heute ist mein Sonntagfrühstückeitag! “ Okay, dann macht der ganze Tag keinen Sinn mehr. Wir werden die Bahn verpassen, ich werde Kopfschmerzen kriegen, ich werde zwei Tage hintereinander Müsli essen und das auch noch ohne Hafermilch.

Das ist nämlich das Ding mit Regeln und Vorstellungen … man lernt nicht, spontan auf Situationen zu reagieren. Man weiß nichts mit sich anzufangen, wenn es eine kleine Variablen gibt. Alles kann dich aus der Bahn werfen.

Und deswegen sag ich hier laut und deutlich: Kopfmenschen haben es schwerer als Bauchmenschen! Logisch, würde ich ein paar mal im Monat mein Portemonnaie verlieren, um nicht immer diese Oberlehrerin im Kopf zu haben. Ich will auch mal aufwachen und feststellen, dass ich keine frische Wäsche mehr hab, weil ich nicht dran gedacht habe, sie zu waschen. Ich will auch mal eine ganze Bahnfahrt aus dem Fenster gucken, weil ich meine Kopfhörer vergessen oder meinen Ipod nicht aufgeladen habe. Oder will ich das?

Perfektion

In der Familie heißt es immer, die Welt für mich zusammengebrochen ist, wenn ich ein mal ein Glas im Restaurant umgestoßen habe. ‚Wie, ich habe einen Fehler gemacht?‘ ‚Was, ich bin nicht perfekt?‘ ‚Das kann nicht sein. Ich habe alles im Kopf schon durchgespielt. Wie konnte mir das passieren?‘

Lukas sagt gerne das ich clumsy bin. Dinge fallen lasse, mich stoße. Und er liebt diese Momente. Ich habe Angst vor ihnen. Aber sie fühlen sich auch wie ausatmen an. Denn was für ein Stress, die ganze Zeit alles im Kopf haben zu müssen. Kühlschrank auf, keine Eier da, dann gehen wir eben frühstücken. Akku alle, dann müssen wir halt Leute nach dem Weg fragen. Man muss sich mit dem wurschteligen, komplizierten chaotischen Leben konfrontieren. Aus seiner bubble rausgucken. Es riskieren.

Denn sein wir doch mal ehrlich. Ich bin nicht perfekt. Ich habe nicht immer alles im Kopf. Ich faile, ich falle.

Und das ist in Ordnung. Und es ist auch in Ordnung, wenn andere nicht alles im Kopf haben. Und genauso wie Catherine Pawley irgendwann verstanden hat, dass ihre Regeln sie langsam umbringen, merke ich, dass sie mich vom Leben abhalten. Das es so viele schöne Zufälle gibt.  Das Kontrolle abgeben, beängstigend ist und unsicher und ein großes Risiko, aber man einen Kampf mit sich selber kämpft, den man nicht gewinnen kann.

 

 

 

 

Ruhe

Die Blume des Lebens

Die Blume des LebensBlume des Lebens

Ich bilde mir eigentlich ein, so ziemlich jedes weltweit bekannte Symbol irgendwie und wann – und wenn auch nur am Rande – einmal gesehehen zu haben. Ich habe mit so vielen verschiedenen Menschen studiert, gelebt, gearbeitet, geredet, hätte mir da die Blume des Lebens nicht irgendwann einmal begegnen müssen? Nein. Oder ich habe sie unbewusst übersehen.

Denn irgendwie war sie die ganze Zeit da. Sogar ganz nah. Zum Beispiel auf dem Räucherstäbchen-Teller, den Uwe zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Also frage ich mich, wo ich dieses Ornament noch überall übersehen habe? Mein Kunstgeschichtsstudium fällt mir ein, der Judo-Dojo, der Thai Chi-Übungsraum, Kunstbände, Plattencover, Bücher, Plakate … war ich blind? Warum? Zeit, einmal genauer hinzusehen.

Simpel und gleichzeitig komplex

Blume des Lebens

Ich sehe einen gelangweilten Schüler im Geometrieunterricht sitzen und Kreise mit seinem Zirkel malen. Erst einen. Dann den nächsten vom Mittelpunkt dieses Kreises aus, den nächsten Kreise von einem der zwei Schnittpunkte, die weiteren Kreise von den neuen Schnittpunkten aus … Klingt irgendwie deprimierend, aber wenn man sich das Ergebnis ansieht. Wow. So entsteht die Blume des Lebens, eine gemometrische Form aus 19 Kreisen und 90 „Blütenblättern“.

Leonardo da Vinci
Leonardo_da_Vinci_-_Blume des Lebens

Leonardo um 1512

Seit dem Kunstgeschichtsstudium bin ich ein großer Fan des rebellischen, neugierigen, unkonventionellen, sensiblen Leonardo da Vinci. Vermutlich Sohn einer arabischen Sklavin, die beim Vater gearbeitet hat. Sehr wahrscheinlich homosexuell. Auf jeden Fall hochintelligent und extrem visionär. Der die erste Müllabfuhr von Mailand organisiert und mehr als 30 Menschen seziert hat, da er sich so sehr für das Innere des Menschen interessierte, also die Adern, Knochen, Organe und Muskeln. Um mal das flauschige Bild aus den heutigen Museums-Stores von Leonardo ein wenig aufzumischen. Leonardo sah sich als Wissenschaftler – Haltung zur Kirche und Glaube wohl eher freundlich distanziert.

Codex Atlantis

Der Codex Atlantis ist eine Sammlung von Zeichnungen von Leonardo, oder die Sammlung. Er hat seine Zeichnungen darin nicht nur gesammelt, sondern neu gruppiert, zusammengeklebt, sortiert, sodass manchmal sogar sechs Zeichnungen auf einem Blatt zu sehen waren. Oder in Passepartouts geklebt, damit man Vorher- und Rückseite ansehen konnte. Ich nenne das Collage und modern und extrem interessant für andere Künstler, an die er bei der Herstellung und Aufbewahrung sicher gedacht hat. Ab 1960 hat man diese Sammlung „restauriert“, die Blätter getrennt und auf Einzelbilder geklebt (ja, genau wie die Quittungen bei der Steuererklärung), wodurch ein 12-bändiges Werk mit 1119 Blättern entstanden ist. (Ich hoffe, irgendjemand hat das Original im Urzustand fotografiert, damit spätere Restauratoren das alles wieder rückgängig machen können.)

Leonardo da Vincis Darstellung des Ornaments (Codex Atlanticus, fol. 309v)

Codex Atlanticus, fol. 309v

Jedenfalls ist eine dieser Zeichnungen – genau, die Blume des Lebens, die man damals allerdings gar nicht so genannt hat. Jetzt wäre natürlich interessant zu erfahren, was Leonardo da unter dem Symbol notiert hat …

Türschwelle
Perrot-Chipiez-1884_-_Sill_of_a_door,_from_Khorsabad_-_Louvre

Zeichnung von Jules Bourgoin (1838-1907)

Der erste Fund, einer Darstellung des Blume des Lebens-Ornaments findet sich im Palast von König Aššur-bāni-apli in Dur Šarrukin. Zeit: 645 v. Chr.  und heute in der assyrischen Abteilung des Louvre oder  im British Museum zu finden. Da sieht es tatsächlich mehr wie ein nettes Teppichmuster aus und setzt sich weit über 19 Kreise fort. Zufall? Absicht?

In Ägpyten taucht die Blume des Lebens als Graffiti an Tempelanlagen auf (Tempel Sethos I.), und lässt die Wissenschafler rätseln, wer die dort wann hingekritzelt hat. Wobei – das sieht schon ziemlich exakt aus. Es gibt das Muster in China unter der Pranke eines Löwen, die Blume des Lebens in Pfarrkirchen in Europa, in Indien an Tempelsäulen. Sagen wir einfach: Sie wurde schon fast überall auf der Welt gesehen, vor allem an öffentlichen Gebäuden, Tempeln, Kirchen. Und weil man Mustern in der Kunstgeschichte oder Architektur keine große Bedeutung schenkt, findet man bisher leider nirgendwo eine anständige Antwort auf die Frage, wieso dieses Symbol da oder dort auftaucht.

Heilige Geometrie

Die Blume des Leben ist eben kein Fall für die reine Wissenschaft. In der Gnostik und Esotherik dagegen kennt man geometrische Formen, die als Symbol für den Bauplan der Schöpfung, des Lebens verstanden werden. Formen, in denen alles – vom Atomkern bis zur Spiralgalaxie – aufgehoben sein soll und dargestellt ist. Weil alles Leben aus einem winzigen Samen/Ei erschaffen wurde und mit allem zusammenhängt.

„Jeder Teil eines Dings enthält etwas von der Natur des Ganzen.“ (Leonardo da Vinci)

Leonardo da Vinci etwa 1492

Womit wir wieder bei Leonardo wären.

Esoterik

Und gleichzeitig langsam und stetig die wissenschaftliche Ebene verlassen. In esotherischen Kreisen ist die Blume des Lebens als Schutzsymbol bekannt. Mit einem Aufkleber der Blume des Lebens auf einer Wasserflasche soll man den Inhalt beleben können, also energetisieren, säubern. Mit einem Symbol an der Wand Wohn- und Schlafräume entstören, an Arbeitplätzen den Elektrosmog verringern, mit einem Schmuckstück den Träger schützen oder harmonisieren. Well, well.

Blume des Lebens

 

Ich verstehe gerne, woher Dinge kommen. Was es damit auf sich hat. Da bin ich wohl Leonardo ähnlich. Mich interessiert  – fast alles.

Brauche ich eine Erklärung für eine Sache, ein Symbol? Eigentlich nicht. Denn zum einen kann ich es ausprobieren, zum anderen sieht es einfach schön aus. So what.

Jetzt, wo ich Bescheid weiß – oder ein wenig mehr Bescheid weiß, denn da scheint es eine Menge Geheimnisse zu geben – fühle ich mich etwas erleuchteter. Das Symblol werde ich nicht mehr übersehen. Und ich will definitiv auch so einen kleinen Aufkleber auf meinem Handy haben!

Ruhe

Divine Feminine

Vor ein paar Wochen saß ich mit Lukas im Café und zeigte ihm eins meiner Pinterest Boards. Frauen die auf dem Bett sitzen und lesen. Close ups von filigranen Ringen, Kaffeetassen, Sonnenschein. Warum werde ich so magisch von solchen Fotos angezogen und warum fühl ich mich ihnen total fern? „Ist doch ganz klar, die Fotos strahlen alle Weiblichkeit aus, und wahrscheinlich bist du mit deiner eigene Weiblichkeit nicht völlig im Reinen.“ Einfach so, zwischen zwei Schlücken Kaffee … Ich fing also an, in mir zu forschen und mich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das führte mich natürlich schnell zur Frage:

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Was ist Weiblichkeit überhaupt?

e1c7d2c2c5a9d22369c5e0f51d004585Weiblichkeit wird auch gern Divine Feminine genannt. Divine Feminine ist die Göttin in jedem Menschen. Weibliche Energie steht für Heilung, Balance, Kreativität, Kontakt, Offenheit, Pflege, Liebe, Verständnis, Intuition, Weisheit, Vergebung, Harmonie, Sinnlichkeit, Mitgefühl, Zugehörigkeit und Fürsorge. Sobald man etwas erschafft, wie z.B ein Bild malt, Musik komponiert, tanzt oder ein Baby in seinem Bauch wachsen lässt, nährt man seine weibliche Energie. Weiblichkeit ist stark verbunden mit dem Mond. Kontakt mit anderen Menschen, Einbeziehung, Aufnahme, Eingliederung. Schönheit und Sinnlichkeit sind weitere wichtige Aspekte. Die Schönheit in sich selbst und in der Welt.

     

Divine Feminine // Divine Masculine

Trotzdem ist männliche und weibliche Energie keinesfalls geschlechtsspezifisch. Weiblichkeit und Männlichkeit sind nicht dasselbe wie männlich und weiblich oder Mann und Frau.

Das Yin (weiblich) und das Yang (männlich) können nicht ohneeinander. Und hätte Eva, der kleine Rebell, nicht den Apfel gepflückt, würde Adam immer noch im Paradies rumdümpeln.

Um Weiblichkeit besser zu verstehen, habe ich auch angefangen mich mit Männlichkeit zu beschäftigen. Es gibt unzählige TED- Talks zu dem Thema. Michelle Millers Talk „We need to restore femininity“  hat mir  besonders gut gefallen:

„If I drink my coffee for the flavour and the taste and the ritual of it, thats for the experience of the coffee, thats a feminine way of drinking coffee. If I drink my coffee for the caffeine, thats for the result of the coffee, thats a masculine way of drinking coffee.“

Zielorientiert ist eine männliche Art zu denken. Prozessorientiert eine weibliche.

Machen ist Männlich, Sein ist weiblich.

Kreativität weiblich, Produktivität männlich.

Eine neue Ära!

Vor 50 Jahren wurden Frauen noch in eine starke Rolle gedrückt. Durch die Emanzipation und die Feminismus Bewegung haben sich Frauen den Männern angepasst. Der Gedanke, Frauen sollten stärker werden und dadurch Männer klein halten, ist genauso bescheuert, wie der Gedanke, dass Männer Frauen klein halten müssen. Ein gemeinsames Wachsen steht an. Männer müssen sich genauso in der Rolle der Männer wiederfinden. Diese ist heutzutage besonders mit viel Scham und Schuld verbunden. Es ist fast schon verpöhnt „zu“ männlich zu sein. Wir sind alle gleich wichtig aber nicht alle gleich! Natürlich gibt es Unterschiede. Und zwar nicht nur in unseren Körpern, sondern auch in unserer Weise zu denken. Was haben wir davon alle gleich zu sein, wenn wir auch unsere gegenseitigen Stärken ausleben könnten?

Was ist Weiblichkeit für mich?

Ich habe die Fotos also näher unter die Lupe genommen. Klar sie alle waren in hellen, luftigen Farben. Auf fast allen hat man eine Frau gesehen, sie hatten fast alle lange Haare. Aber da war noch mehr. Alle strahlten eine gewisse Ruhe aus. Ein im Moment sein. Sanft und klar. Wie gehe ich durch den Tag? Zelebriere ich den Moment, meinen Körper, das Sich-selbst-pflegen? Mir wurde schnell klar, dass es bei Weiblichkeit nicht um das WAS, sondern vielmehr um das WIE geht. Vergebung und Schwäche zeigen, ist mir noch nie leicht gefallen. Ein ständiges Gefühl von mehr machen, besser werden, um irgendwann perfekt zu sein, sorgt in mir für Unruhe.

Ich habe mir einen Raum zum tanzen gemietet – mit einer großen Spiegelwand. Und war geschockt, wie sehr ich mich zuerst vor mir selber geschämt habe. Ich konnte mich gar nicht erkennen unter der Scham und übermäßigem und fast schon vorgespieltem Selbstbewusstsein. Hab ich jemals meinen Körper, meine Stärke, meine Anmut zelebrieren können? Ich fühle mich oft unverstanden und wie ein Trampel, wenn ich in Mädchengruppen bin und ziehe mich in die Rolle des Jungs-Mädchens zurück. Da fühle ich mich aber gar nicht wohl. Genauso wie ich mich in hohen Schuhen nicht wohlfühle, aber es liebe Schmuck zu tragen. Ich liebe es zu putzen und merke wie ungewohnt, aber schön es sich anfühlt, andere zu pflegen, statt immer nur für sich zu kämpfen.

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Weiblichkeit in sich zelebrieren:

  • Um mit seiner Weiblichkeit wieder in Kontakt zu treten, sollte man sich erstmal klar machen, warum man den Kontakt wieder herstellen möchte. Wie ein alter Freund, den man nach Jahren anruft.
  • Sich klar machen, in welchem typisch weiblichen Verhaltensweisen man sich von Natur aus wohl fühlt, und in welchen nicht.
  • Selbstliebe und Vergebung sind wichtige Aspekte der Weiblichkeit und sollten zelebriert werden.
  • Und ganz besonders den Kontakt zu andern Frauen suchen. Reden, sich austauschen, sich gegenseitig stärken!

Frauen müssen wieder Frauen unterstützen!

  • Sich auch mal verletzlich zeigen, denn daraus wächst die wahre Stärke.

 

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LETS ALL EMBRACE OUR DIVINE FEMININE TOGETHER!

Alle Fotos von Pinterest!

TEDx-Talks zu dem Thema:

We need to restore femininity

Celebrating femininity on a global scale

Can the Feminine Save the World?

Webiste:

What is the Sacred Feminine?

 

Ruhe

Handlettering

Wie versprochen, kommt heute der zweite Beitrag zum Thema Bullet Journal nämlich Handlettering. Wobei, eigentlich ist das ein ganz eigenes Thema. Und dazu noch ein großes Thema und zurzeit sehr angesagt.

Handlettering

Schrift(arten) waren schon immer etwas, das mich fasziniert hat. Und Handschrift eher etwas, mit dem ich gerungen habe. Note 3 in der Schule. „Schönschreiben“ fand ich schwierig, besonders, wenn man einen interessanten Text schreibt, da zumindest meine Gedanken immer schneller als meine Hand waren. Ah, wie genial ist der Computer für das schnelle Denken/Schreiben. Handlettering heißt dann wohl eher zur Ruhe zu kommen. Es ist wie Zeichnen, wobei der handwerkliche Anteil sehr hoch ist und sehr viel Übung nötig ist, bis man seine eigene Handlettering-Handschrift entwickelt hat.

Learning by doing

Am Anfang habe ich mich eher unstrukturiert mit Handlettering beschäftigt und mir schließlich einen kleinen Kick gegeben, indem ich an einem Letteringkurs teilgenommen habe. Handlettering
Gut, wenn man einen Letteringexperten in der Red Bug Community hat!
Lukas hat den Kurs zusammen mit Lisa organisiert. Es war gut, sich in der Gruppe mal die Zeit zu nehmen, alle Buchstaben einzeln sauber aufzuzeichnen. Das war dann sofort wieder wie Schönschreiben in der Schule – nur sehr viel netter. Als ich Lisa fragte, wo und wie sie sich das alles beigebracht hat, war die Antwort: You Tube Videos. Jep. Immer noch die schellste und coolste Art, heute etwas zu lernen. Trotzdem habe ich nicht nur die nette Atmosphäre, sondern auch noch sehr viel mehr aus dem analogen Kurs mitgenommen.

Papier

Ah, die Autorin kehrt zu ihren Wurzeln zurück: Papier und Stift. Genial. Papier – eigentlich geht alles – doch ich habe schnell gemerkt, dass nicht zu glattes Kopier- oder Umweltpapier mit mittlerer Saugkraft für mich am besten geeignet ist. Handlettering
Auf jeden Fall zum trainieren, also am Anfang. Später geht man von selber freestyle. Packpapier ist toll, weil der Kontrast der sauberen Buchstaben auf dem rauen Papier sehr schön aussieht. Karton ist auch gut, wenn er nicht zu grobkörnig ist.

Für das pure Buchstabenmalen ist es gut, liniertes Papier zu verwenden. Nicht nur auf der Seite von Tombrush kann man sich auch Lernsheets herunterladen und ausdrucken und schon vorgemalte Buchstaben nachzeichnen, was zum einen eine gute Hilfe ist, zum anderen wunderbar entspannt.

Stifte

Ich schreibe/male die Buchstaben beim Handlettering am liebsten mit einem Brush-Pen, also einem Stift, der wie ein kleiner Pinsel funktioniert. Ich benutze am liebsten zwei Stiftsorten. IMG_5605Einmal sind es die TomBow-Brush-Stifte. Gerne in verschiedenen Farben mit zwei verschiedenen Spitzen (dünn oder dicker). Von edding gibt es einen ähnlichen Brushpen (edding 1340 brushpen), der ist halb so teuer, den ich auch gerne benutze. IMG_5604Und dann die Pigma Micron Grafik-Stifte aus Japan. Die haben eine (unterschiedlich) feste breite Spitze, mit der man sehr dünn oder breit zeichnen kann. Sie sind exakter, aber eher für Fortgeschrittene.

Grundregeln

Beachtet man ein paar Grundregeln, dann kann man eigentlich sofort loslegen: Beim Schreiben gibt es zwei Richtungen: Nach oben und nach unten. Bewegt man den Stift nach oben, dann nimmt man den Druck raus, die Linie wird und sollte dünn sein. HandletteringBewegt man den Stift nach unten, verstärkt man den Druck und erzeugt so eine dickere Linie. Handlettering besteht aus dem Wechselspiel von dünnen und dicken Linien. Wann man nach oben und unten zeichnet, ergibt sich eigentlich ganz logisch, aber  seltsamerweise habe ich ständig nachgefragt. So kommen dann solche Anleitungen zustande …

FullSizeRender-HandletteringLinien müssen nicht immer nur Sinn ergeben, sie können auch reine Dekoration sein. Okay, auch dann haben sie eine Funktion, sie umspielen Worte, drücken Emotionen aus und sollten – auch eine Regel – immer zur Bedeutung und dem Ausruck des Wortes passen.
Hier mal meine allerersten Versuche mit der dünnen Seite des Tombrush-Stifts.

Besonders viel Spaß macht es, wenn man anfängt, seine eigenen Schreibvorlieben zu entdecken. Sind es eher die geschwungenen Linien oder ist man am Ende eher der Typ, der in Blockschrift schreibt? Und wie ist es mit Farbe und Schatten, dem Kombinieren von Schriftarten und Größen? Da geht der Spaß erst richtig los. Am Ende, das sehe ich schon, werde ich auf die Wand überwechseln – aber das wird ein anderer Beitrag ;)

Jetzt fasse ich erste einmal Mut – tatsächlich – wirklich – echt – in mein wunderschönes Bullet Journal hinzuschreiben …