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Jericho

In aller Welt

Als Schauspieler bin ich durch meine Arbeit schon viel durch die Gegend gereist. Für kürzere oder längere Zeit habe ich schon in einigen deutschen Städten gewohnt und einige Male im Ausland gedreht.
Letztens hatte ich dann tatsächlich das Glück, eine Woche in Palästina drehen zu dürfen.
Genauer gesagt in Jericho.
Man sagt, dass Jericho die älteste Stadt der Welt ist. Und auch wenn das wissenschaftlich noch umstritten ist, konnte ich mir Mauern anschauen, die vor über 10 Tausend Jahren gebaut wurden.

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Warm

Mit 250 m unterm Meeresspiegel ist Jericho noch dazu die tiefstgelegenste Stadt der Welt und dementsprechend warm. Durchschnittliche 37°C bei wolkenlosem Himmel sind natürlich nichts im Vergleich zu den 45°C-50°C die es dort im Juli oder August hat, für uns allerdings trotzdem eine deutliche Umstellung. Grundlegender Zustand: Mir ist warm. Da Jericho nicht weit vom tatsächlich tiefsten Punkt der Erde entfernt ist, und zwar dem Toten Meer, habe ich mit einem Kollegen natürlich sofort einen Abstecher dahin gemacht. Und ja, man kann einfach auf dem Wasser schweben. Nächste Stufe: übers Wasser laufen.

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Long time ago in…

Und tatsächlich ist das nicht so weit hergeholt. Die gesamte Umgebung um Jericho ist im Grunde die Geburtsstädte des Christentums. Mit Bethlehem, Nazareth und Jerusalem gleich um die Ecke, stolpert man von einem Wegmarker Jesus‘ zum nächsten. So war ich unter anderem auf dem Mount of Temptation auf dem Jesus angeblich 40 Tage lang den Versuchungen des Teufels widerstanden hat. Darauf hin wurde in den Berg ein Kloster gehauen. Sehr beeindruckend.
Auch war ich in der Monastery of Saint Mark in Jerusalem unter der scheinbar das Last Supper stattgefunden haben soll, am Geburtsort von Virgin Mary und auf der Via Dolorosa auf der Jesus seinen Kreuzweg gegangen ist. Alles Orte, auf die ich mehr oder weniger zufällig gestoßen bin.
Doch nicht nur das Christentum hat hier sein Lager aufgeschlagen. Die Klagemauer ist nicht weit entfernt von der al-Aqsa-Mosche und so tummeln sich orthodoxe Juden und Muslime in den kleinen Straßen Jerusalems. Ein überwältigender Anblick, besonders, da ich am ersten Freitag des Ramadans in Jerusalem war und 250 Tausend Musilme zum Beten in die Stadt geströmt sind.

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People

Doch was ich am meisten daran liebe, an neuen Orten zu drehen, ist, dass ich die Städte und Länder auf ganz spezielle Weise kennenlernen kann. Ich muss nicht als Tourist durch die Straßen wandern, da ich zum arbeiten da bin. Meistens steige ich aus dem Zug, Flugzeug oder Auto und mache mir sofort Gedanken, wie ich hier am besten Leben kann. Das heißt dann im Grunde Augen aufhalten nach Supermarkt, Café, Restaurant. Sofort in den Alltag der Menschen hineingeworfen zu werden, gibt einem ein vollkommen neues Verständnis für die jeweilige Mentalität.
Wenn man dann noch die Möglichkeit bekommt, mit einem Team vor Ort zu arbeiten, ist es eigentlich immer eine wunderbare Erfahrung. Das Team aus Palästina, das uns geholfen hat unseren Film zu drehen, war da absolut zuvorkommend.

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Freiheit

Ich bin auf jeden Fall unheimlich dankbar über diese enorme Freiheit, die mein Beruf mir gibt.
Physische Beweglichkeit bringt meistens auch eine mentale Beweglichkeit mit sich. So kann ich mir Gedanken um Filme, Musik und Kunst machen. Zu sehen, dass sich aus politischen Gründen einzelne Gesellschaftsgruppen nicht frei bewegen können, war für mich sehr unangenehm. Dass unser Team dennoch eine enorme positive Energie hatte und diese dafür verwendet, Filme zu drehen, war für mich außerordentlich beeindruckend und schön!

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Artefakte – Tag am Meer

Artefakte

Wenn ich an den Beginn von Kultur denke, denke ich an den Strand. Vielleicht, weil das Meer mir oft das Gefühl gibt, eine kleine flüchtige Erscheinung zu sein, der es freundlich und doch leicht herablassend die Knöchel umspült. Ich war schon lange vor dir da.

Doch auch wenn der Anblick des weiten Ozeans oder der zarten Linie des Horizonts in vielen von uns philosophische Gefühle weckt, erkenne ich die Art und Weise, in der wir versuchen, die Welt zu begreifen, am Strand.

Wir wenden uns ab von den Unweiten und Tiefen des Meeres und beginnen, an seinen Rändern auf und ab zu spazieren. Die nackten Füße im Sand, den Blick auf den Boden gerichtet, in einer abgespreizten Hand zwei Muscheln, ein Schneckenhaus und einen Stock.

Jedes Mal frage ich mich, welcher eigentümliche Reflex von mir Besitz ergreift, wenn ich, andächtig langsam, mal kniend, mal stehend, den Strand hinauf pilgere. Wie ein Gläubiger auf den Straßen von Assisi.

Beweise Sammeln

Jede Muschel, jeder Stein wird aufgehoben, in der Hand gewendet. Geprüft, bewundert und ins Licht gehalten. Alles erscheint bedeutungsvoll und bemerkenswert. Ein versteinerter Tintenfischtentakel, tausende von Jahren alt! Eine Muschelschale, in ihr habt mal ein Tier gelebt! Ein Stein, über Jahre hinweg fast rundgeschliffen! Ein verkrüppeltes Aststück, ganz weich von der Brandung!

Jedem den ich passiere, sehe ich es an, die Faszination teil zu haben, an einem kleinen Stück Erdgeschichte. Fossilien erzählen von längst ausgestorbenen Tierarten, Kiesel von einstigen Gebirgen. Alles was wir über die Geschichte wissen, wissen wir weil wir ihre Überreste studieren. Seien es Texte, Bilder oder Muscheln und Scherben.

Das Wasser spült Beweise an den Strand, denen wir uns gewissenhaft annehmen. Sind sie doch die einzigen Anhaltspunkte aus der Vergangenheit, die sich in unserem Kopf aus Hypothesen und Erklärungsversuchen zusammensetzt.

Doch woher kommt diese manische Ahnung, das drängende Bedürfnis, sich vor Augen zu führen, was und vor allem wer vor uns kam? Vielleicht ist es dasselbe Gefühl, dass wir, egal wie wir zu ihnen stehen, ja sogar egal, ob wir sie kennen oder nicht, unseren Eltern gegenüber haben.

Ob durch Ablehnung oder Anerkennung, wir studieren sie aufmerksam, wohl wissend, dass in dem familiären Gesicht Informationen schlummern, implantiertes Wissen um unsere eigene Herkunft. Irgendwo steht genetisch geschrieben, woher wir unsere Augenfarbe, den Hang zur Ordnung oder lange Arme haben.

Zukunft und Vergangenheit

Manche Indianerstämme schreiten rückwärts gewandt in die Zukunft, den Blick stets auf die Ahnenreihe gerichtet, aus der jeder einzelne entsprungen ist. Alltäglich lässt sich diese unendlich lange Reihe aus den Augen verlieren. Schon unsere Urgroßeltern wandeln in nebulöser Ferne längst vergangener Zeiten. Das Signal flackert, die Informationen sind verzerrt oder unvollständig. Schwarz-weiß und vergilbt, die Ränder abgestoßen und eingerissen.

Wir wenden uns ab, fixieren eine gleißende Zukunft. Blinzeln mit zusammengekniffenen Augen in die nahe Ferne, mit tastendem beschwörendem Blick. So als könnte unter der Intensität unseres Augenlichts etwas aus dem schwarzen Schleier heraus gefräst werden, der vor uns liegt. Der Umriss einer Form, ein Loch, durch das man hindurch spähen kann. Hinter dem sich in zarten Pastelltönen Wahrheiten abzeichnen, die es noch wahr zumachen gilt. Sich verfestigende Vorstellungen, die einem langsam aber sicher zu Leibe rücken und uns zuflüstern, dass sie möglich sind, wenn wir nur die Hand ausstrecken und sie zu uns in die Gegenwart ziehen.

Blind in die Leere greifend prickelt uns doch immer der Blick der Urgroßeltern im Nacken. Und dieses Prickeln, dieses atemlose Versprechen ist es womöglich, das uns in die Knie gehen und ergeben im Sand graben lässt.

Die Muscheln, die ich in den Händen halte sind Erinnerungen. An meinen Urlaub, den Tag am Meer. Ich war da. Erinnerungen an längst vergangene Augenblicke und Menschen die sie erlebten. Sie waren da.
Wir graben im Sand, wühlen im Geröll, tauchen durchs Wasser. Immer auf der Suche nach Verbindungen. Leere Seiten im Tagebuch des Menschen, die gefüllt werden sollen.

Verbindungen

Stolz auf meine Funde spaziere ich am Meer entlang, komme an ein paar Hockenden vorbei, sie haben ähnliche Entdeckungen gemacht. Einige haben ihre Schätze vor sich ausgebreitet und angefangen, Steine, Muscheln und Treibholz zu Formen zu legen. Fast sieht es aus, als würden sie versuchen einen Code zu knacken. Dem Meer Fragen zu stellen. Ist es so gewesen? Ist das Metall oder ein Stein? Was bedeutet diese kleine Kuhle hier? War das mal ein Tier?

Ein paar von Ihnen stapeln Steine zu kleinen wackeligen Türmen auf. Wie wird das aussehen, wenn der Strand verlassen ist, die Sonne unter und wir nach Hause gegangen sind und im Mondlicht kleine Steintürme herumstehen? Und wenn zehntausend Jahre später die Sonne wieder aufgeht und eine Gruppe Zukunftsmenschen sich am Kopf kratzend davor steht und sich fragt, was das sollte.

Nach dem wenigen, was wir unseren entfernten Verwandten an Wissen zugestehen, ist es nicht umso überraschender, dass uns dieses magische Gefühl mit ihnen verbindet? Die vage Idee, dass dieser oder jener Gegenstand mir etwas erzählen kann, eine Antwort geben kann, wenn ich nur lerne sie zu lesen.

Ich klettere den schmalen Weg zur Steilküste hinauf und sehe noch einmal zurück. Kleine buntbeanorackte Punkte, die im Wind flatternd an der Küste entlang krabbeln. Schweigend, lauschend, suchend. Gestalten wandelnd oder in Grüppchen sitzend, spielen im Sand. Das Meer schmunzelt.

Neujahr
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Neujahrshörnchen

Irgendwann erinnerte ich mich, wie ich als kleiner Junge meinem Opa beim Backen von Neujahrshörnchen zugeschaut habe. Die Küche duftete himmlisch nach Anis. Aber nicht nur der Duft war faszinierend, sondern auch das schnelle Einrollen der Oblaten, wenn sie heiß aus dem Eisen kamen. Ich habe meinen Opa sehr bewundert, wie souverän er die heißen Dinger anfasste und zu perfekten Hörnchen rollte. Ich musste meinen ganzen Mut zusammennehmen, um mich zu trauen, es auch mal zu probieren. Ehrlich gesagt, tat es an den Fingerspitzen ganz schön weh. Und die Hörnchen wurden auch eher … naja, dafür konnte man sie gleich essen.

Das traditionelle Neujahrhshörnchenessen gehört bei den Red Bug Homies seit zig Jahren als festes Ritual zum Jahreswechsel. Am Nachmittag des ersten Januar sind alle Freunde eingeladen, die Anishörnchen mit Sahne und Kirschen zu füllen und das neue Jahr zu feiern.

Für mich beginnt die Vorbereitung immer schon ein paar Tage früher. Man solllte es nicht glauben, aber auch nach über zwanzig Jahren, brauche ich immer noch das Rezept.

rezept   Teigschüssel

Die Rezepte

Mein Grundrezept: 200 g Butter mit 200 g Zucker schaumig rühren, 4 Eier dazu, und mit 400 g Mehl und – ja – 2TL Backpulver glattrühren, doppelt soviel Anis zugeben, wie man eigentlich glaubt, und lauwarmes Wasser einrühren bis der Teig schön cremig ist, kann gut 1/4l sein. Der Teig sollte dann etwas ruhen. Das ergibt gut dreißig Hörnchen, wenn man beim Backen schon ein paar ißt.

Neujahrshörnchen – jetzt auch vegan

Da ja mittlerweile viele Menschen aus unterschiedlichen – oft guten – Gründen, auf eine vegane Lebensweise umgestiegen sind, habe ich in diesem Jahr zum erstemal eine vegane Varinate für Neujahshörnchen ausprobiert.

Sehr gut funktioniert hat folgende Version: 100 g Aslan (Biomargarine) mit 125 g braunem Zucker aufschlagen, 2 EL Sojamehl, 250g Mehl, ne Menge Anis abwechselnd mit 3/8l warmem Wasser und einer Prise Salz zu einem relativ flüssigen Teig glattrühren. Etwas stehen lassen. Aus diesen Zutaten konnte ich genau zwanzig Hörnchen rollen.

Ich war sehr überrascht, dass die Hörnchen ohne Eier fest wurden. Sie lassen sich etwas schwerer aus dem Eisen lösen, sind einige sekundenlang gummiartig zäh und kamen mir beim Rollen viel heißer vor. Nach wenigen Sekunden werden sie dann allerding superknusprig. Sehen toll aus und schmecken klasse.

Die Zubereitung

Neujahrshörnchen Anis   Neujahrshörnchen Wasser

Ich verdoppele, verdreifache, vervierfache die Menge natürlich, weil ich nie genau weiß, wieviele Freunde kommen werden. Manchmal sind es zwanzig, manchmal an die fünfzig. Die Zurückhaltenden essen nur ein Hörnchen und nehmen sich erst nach dem zweiten Kaffee und  intensiven Gesprächen ein zweites. Die Jugendlichen sind oft mit vier oder fünf Hörnchen dabei. Mit Hundert Hörnchen fühle ich mich aber auf der sicheren Seite. Wenn es zuviele sein sollten, ist das kein Problem. Die Hörnchen bleiben wochenlang knusprig und lassen sich übrigens auch sehr gut zu Trifle verarbeiten.

Einfüllen des Teigs   Neujahrshörnchen

Neujahrshörnchen im Eisen   Neujahrshörnchen rollen

Das Backen ist eine sehr meditative Angelegenheit. Jedes Hörnchen braucht etwa 2min51sec vom Einfüllen ins Eisen bis zum Rollen. Da mein Hörncheneisen sowohl ein optisches als auch ein akkustisches Signal gibt, wenn der richtige Bräunungsgrad erreicht ist, kann ich dabei sehr gut andere Dinge erledigen, z.B. Quittungen für die Steuer sortieren.

Das Fest

Neujahrshörnchen Gäste   Neujahrshörnchen, die Gäste kommen

Es ist immer eine Freude, wenn dann die ersten Gäste kommen. Für viele gehört es mittlerweile auch zum ersten festen Termin im Jahr. Manche kommen nur alle paar Jahre, weil sie in anderen Städten wohnen, und es kommen immer wieder neue Freunde dazu. Denen muss ich dann zeigen wie es geht. Hörnchen nehmen, Sahne hinein, Kirschen drauf und nochmal Sahne, oder umgekehrt, oder nur mit Sahne, oder nur mit Kirschen oder Hörnchen pur.

Neujahrshörnchen   Neujahrshörnchen Kirschen

Riesendanke an die anderen Homies, die dafür sorgen, dass auf wundersame Weise immer wieder frischer Kaffee oder Tee auf dem Tisch steht, und frische Sahne geschlagen ist. Danke an Amber für die schönen Fotos. Wie man sieht, sind Neujahrshörnchen echtes royal root soul food.

 

 

 

 

 

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Übers Lehren

Ich hab letztes Mal über das Finden einer Leidenschaft geschrieben.

Nun ist es so, dass ich Yoga nicht in Kursen mache, sondern zuhause über YouTube. Das Üben, allein, zuhause, gibt einem natürlich enorme Freiheit. Ich kann so lange, so viel, machen wie ich will. Manchmal merke ich nach fünf Minuten, dass es heute nicht das Richtige ist. Manchmal vergesse ich die Zeit total und mache, ohne es zu merken, drei Stunden Yoga. Gleichzeitig spar ich natürlich Unmengen an Geld. Außerdem kann ich so zum Beispiel von Adriene lernen, die sonst nur in Amerika unterrichtet.

Das Internet überbrückt halt einfach Meilen.

Doch natürlich fehlt manchmal etwas. Man hat nicht jemanden, der einen ganz individuell daran erinnert, die Schultern zu lockern. Oder zeigt einem, wie man eine Pose verbessern kann. Man schaut halt immer nur mit seinen eigenen Augen und wird mitunter blind für seine Fehler.

Zum Glück habe ich in meinem Umfeld viele Leute, die ebenso Yogabegeistert sind, und so fiel es nicht schwer, sich zusammenzutun.

Im Stillen „Trainieren“ und dann in einer kleinen Gruppe voneinander lernen. Großartig! Ich war zufrieden. Doch wie so oft sollte das noch nicht alles sein. Denn diesen Urlaub hab ich noch einen neuen Aspekt kennengelernt, der mir bis dahin unbekannt war. Das Lehren.

Die anderen Redbugx hatten Interesse an einem Yoga-Kurs, den ich leiten soll.

„Klar kann ich machen“, dachte ich. „Eigentlich muss ich ja nur Yoga machen wie sonst auch und dabei kommentieren, was ich mache. Easy.“ Damit hatte ich natürlich die ganze Sache unterschätzt. Das Lehren bringt nochmal eine ganz eigene Philosophie mit sich und ähnelt im Kern daher mehr einer Performance.

Du machst dennoch nicht einfach Yoga mit Publikum, du machst Yoga mit individuellen Leuten, mit individuellen Körpern. Jeder bringt seine eigene Sport-Vergangenheit mit, seine Fragen und Wünsche, Verletzungen und Schwächen. Ich musste mich nie damit beschäftigen, wie bestimmte Übungen für Leute mit kaputten Knien funktionieren, weil meine in Ordnung waren. Und so hab ich den Spaß entdeckt, die Übungen in ihre Grundform hinunterzubrechen. „Okay, wobei geht es bei der Übung? „Sollte der Rücken gerade sein, oder geht es mehr um das Strecken der Beine?“ „Wie kommt es, dass jemand eine perfekte Krähe schafft, aber Probleme mit dem zweiten Krieger hat? „Haben Menschen unterschiedliche Schwerpunkte und daher eine unterschiedliche Balance?“

Vor mir hat sich ein riesiges Feld an neuen Möglichkeiten aufgetan. Mein Horizont wurde also wortwörtlich über meinen eigenen Körper hinaus erweitert.

Gleichzeitig hat das Beibringen mir selber gezeigt, wie weit ich schon gekommen war. „Stimmt, damit hat ich früher auch immer Probleme gehabt, und inzwischen denk ich da gar nicht mehr drüber nach“ Ähnlich wie man eigene Veränderungen oft nicht sieht und sie einem erst klar werden, wenn man von jemanden angesprochen wird, der einen Monate nicht gesehen hat.

Das Unterrichten gab meinem Individuellen Training ein ganz neues Selbstbewusstsein,

Und dann ist aber noch etwas Faszinierendes passiert. Ich habe angefangen, von meinen „Schülern“ zu lernen. Der Lehrer wird zum Schüler und alles findet seine Balance.

Manchmal lohnt es sich wirklich aus seiner Höhle hinauszuschauen. Egal ob man vorne steht oder in der Gruppe, der Lehrer lernt bei jeder Stunde so viel wie seine Schüler. Ich könnte mich daran gewöhnen.

Das Foto ist übrigens von dem Taekwondo Kurs den Lenny in Italien geleitet hat.

 

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Return

von Robinson Jeffers

A little too abstract, a little too wise,
It is time for us to kiss the earth again,
It is time to let the leaves rain from the skies,
Let the rich life run to the roots again.
I will go to the lovely Sur Rivers
And dip my arms in them up to the shoulders.
I will find my accounting where the alder leaf quivers
In the ocean wind over the river boulders.
I will touch things and things and no more thoughts,
That breed like mouthless May-flies darkening the sky,
The insect clouds that blind our passionate hawks
So that they cannot strike, hardly can fly.
Things are the hawk’s food and noble is the mountain, Oh noble
Pico Blanco, steep sea-wave of marble.

I liked. I like to share. 

„Let the rich life run to the roots again.“ 

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Zero Waste

Es geht ganz schnell, Zero Waste mit Glutenfrei, Paleo, Low Carb, No Carb in einem Satz wegzuhauchen. Aber es lohnt sich, ein bisschen genauer hinzuschauen.

Was ist Zero Waste?

Eigentlich ist es total simpel, und der Name ist Programm. Zero Waste. Ein Lebensstil, in dem man keinen Müll produziert. Zuerst kam es mir lächerlich einfach vor, doch sobald ich etwas drüber nachgedacht hab, wurde es erschreckend unmöglich. Ich würde ja von mir behaupten, dass ich auf die Umwelt achte. Mir im Laden nur in absoluten Notfällen Plastiktüten geben lasse, meinen Müll definitiv immer wegräume und … ja, da hört es schon auf. Fast jede Creme, meine Zahnbürsten, das Brot, die Butter … alles hat Verpackung. Und ich als Einzelperson fülle alle zwei Wochen eine 10Liter-Mülltüte. Und das ist nur der Müll aus meinem Zimmer.

Ist Zero Waste in unserer Gesellschaft überhaupt möglich?

Es ist schwierig, aber nicht unmöglich. Das beweisen ein paar Vorreiter … und wer sagt, dass das mit Kindern unmöglich ist, der kann hier mal reinlesen. Die Frage ist, ob man dann sein ganzes Leben mit Nicht-Müll-Produzieren verbringt und sich A: überhaupt nicht mehr entspannen kann und B: auf alles verzichten muss. Aber um fair zu sein, wir haben ja auch kein Problem damit, unser ganzes Leben mit Müll-Produzieren zu verbringen, und sind trotzdem gestresst. Natürlich ist es gerade jetzt noch eine extreme Umstellung. Man kann nicht mehr in herkömmlichen Supermärkten einkaufen, denn verpackungsfreie Supermärkte sind einfach viel zu selten (immerhin schon 16 in Deutschland, mit 3 weiteren in Planung). Sollte das irgendwann die Norm sein, wird es natürlich einfacherer.

Also was gehört alles zu Zero Waste?

Angefangen von Verpackungsfrei-Einkaufen, über Secondhand-Shoppen hinzu striktem Ablehnen von Kassenbons, Einkaufstüten, Papierservietten, Plastikrührstäbchen, Zuckerverpackungen …

Zähne putzen mit einer Bambuszahnbürste und selbst gemachter Zahnpasta klingt ja noch ganz lustig, aber Klopapier? In Asien machen sie mit ihrer Butt-Gun (das Ding heißt wirklich so) vor, dass man auch ohne Klopapier sauber werden kann. Ungewohnt aber möglich. Tampons? Dafür gibt es die sogenannten Menstruationscups, die auswaschbar sind. Schon schwieriger? Aber Kondome verbrennen? Ernsthaft?

Wie fängt man an?

Schritt 1:

Laut Lauren Singer, die seit zwei Jahren ein Zero-Waste-Leben lebt, muss man zuallererst seinen Müll verstehen.

Wie viel Müll produziere ich? Aus welchen Teilen setzt sich mein Müll zusammen? Was benutze ich in meiner täglichen Routine, was Müll produziert?

Schritt 2:

Nachdem man seinen Müll verstanden hat, kann man anfangen, nach und nach kleine Veränderungen zu machen. Nur noch wiederverwendbare Wasserflaschen benutzen. Mit einem Mason Jar oder einem KeepCup in den Coffeeshop gehen, und sich seinen Cappuccino direkt darin To-Go machen lassen. Auf unnötige Plastiktüten z.b beim Obst- und Gemüsekaufen verzichten, und diese in wiederverwendbare Beutel packen. Mehr Secondhand einkaufen, Sachen tauschen, spenden, reparieren. Keine Bons mehr annehmen und überlegen, ob man für seine tägliche Beauty- und Hygieneroutine nicht Ersatz findet bzw. sie selber herstellt.

Also:

Zero Waste ist einer der „Trends“, die mir einleuchten. Seitdem ich in Kambodscha war, und dort die absurden Müllberge gesehen habe, auf denen Kühe fressen und Kinder spielen, geht mir das Thema besonders nah. In Deutschland, wo jede Woche die Müllabfuhr kommt und wir immerhin von uns behaupten können, dass wir Plastikflaschen recyceln, ist es mir leichtgefallen, das Problem als nicht so groß wahrzunehmen. Aber es ist ein Problem, und jeder kann was daran ändern. Natürlich ist es ein Prozess, und hoffentlich wird es immer leichter werden, auf Müll zu verzichten, bis man es gar nicht mehr anderes kennt.

 

 

 

 

 

David Gebärde Pose
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Pose, Gebärde und Literatur

In letzter Zeit fühle ich mich immer wieder an eine beeindruckende Vorlesung des unvergessenen Kunsthistorikers Max Imdahl erinnert. In seiner unnachahmlichen Eloquenz hat er damals äußerst kluge und originelle Gedanken zum Gegensatz zwischen Pose und Gebärde vorgestellt. Anhand dieser Überlegungen konnte er aus kunsthistorischer Sicht die grundlegenden Unterschiede zwischen Michelangelos ›David‹ und einer Plastik Arno Brekers verdeutlichen.

Imdahl hat diese Erkenntnisse zu Pose und Gebärde in zahlreichen Aufsätzen veröffentlicht. Einen guten Einblick gibt der Artikel in Zeit-Online vom 11. September 1987. Er hat damit große Wirkung erzielt. Immer wieder werden diese Gedanken in Arbeiten anderer Kunsthistoriker zitiert.

Jetzt könnte man meinen, dass mir Imdahl dann einfällt, wenn ich als Bildhauer, z.B. an den Mönchen arbeite. Wie ist dort das Verhältnis von Pose und Gebärde? Aber das wird ein anderer Blogbeitrag. Ich bin nämlich nicht als Bildhauer wieder auf Imdahl gestoßen, sondern als Lektor in unserem Label Red Bug Books. Denn hier kommt Imdahl überraschenderweise wieder ins Spiel. Er erläutert: 

Grundsätzlich läßt sich die Meinung vertreten, daß eine Pose nicht eine Gebärde ist. Eine Gebärde vollzieht man selbst, um etwas von sich selbst aus oder gar sich selbst auszudrücken. Gebärde ist körpersprachlicher Selbstausdruck, Pose dagegen Fremdausdruck: Pose ist auferlegt, sie entpersönlicht, sie entindividualisiert denjenigen, der sie vollzieht. Die Pose ist eine falsche, eigentlich unwirkliche Ausnahmesituation, sie ist Selbstmanipulation oder Manipulation durch einen anderen.

Eine posierende Autorin, zeigt nichts von ihrer Persönlichkeit. Glaubt offensichtlich nicht, dass sie etwas eigenes, originelles zu erzählen hat. Das ist schade. Oft unter Pseudonym entstehen so Bücher, die erfolgreiche  Geschichten nachahmen oder die bekannten Muster mit Millionären, Film- oder Rockstars variieren. Die Figuren posieren dann ebenfalls, bedienen und verfestigen die ihnen auferlegten Klischees.

Das kann sicher amüsant sein, wenn diejenige selbst es durchschaut und damit zu ihrem Vergnügen oder dem Vergnügen anderer spielt. Ich finde es aber fatal, wenn sie selbst anfängt, an die Pose zu glauben. Das ist leider um so eher der Fall, je erfolgreicher man für den Moment mit diesem Posieren, diesem So-ton-als-ob ist.

Für Bücher ist so eine Haltung immer uninteressant.

Meine Aufgabe als Lektor ist es also, — und dabei ist Imdahls scharfsinnige Unterscheidung sehr nützlich — die wahrhaftigen Geschichten zu finden, und die talentierten AutorInnen darin zu bestärken, an sich und an ihre wahrhaftigen Geschichten zu glauben und sie uns Lesern (unter ihrem eigenen Namen) zu erzählen. Das ist eine Freude.

Das schöne Foto vom David hat übrigens Katrin gemacht. Danke.

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Brandenburg Amazonen

Suche Abenteuer, finde Knochen

FullSizeRender-8Vor einem Jahr war ich um diese Zeit für ein Literaturstipendium in Wiepersdorf/Brandenburg. In der Rückschau kommt mir die Zeit seltsam vor. Was habe ich da eigentlich gemacht? Klar, ein Buch geschrieben, aber sonst? Dieses kleine Zimmer und immer nur schreiben! Noch ein bisschen malen, dann wieder schreiben. Als das Zimmer und der Essraum mir langsam auf den Kopf fielen, musste ich die Umgebung erkunden. Einfach mal raus, das tut doch gut, kurbelt die Fantasie an und so weiter. Allerdings – ganz ehrlich: Ich bin keine Mensch für die Landschaft – oder den Wald. Ohne Schilder: Hier zum See, da zur Gaststätte, dort zum Waldspielplatz. Ohne Menschen und Hunde.

Aber das ist hier nun mal die Umgebung. Und das ist ja auch der Sinn dieses Stipendiums. Die Ruhe und Konzentration, der Austausch mit den anderen Künstlern und der Umgebung. Also gehe ich los und begegne – dem Wahnsinn. Rechts vom Weg ein Krokodil, das gierig sein Maul aufsperrt. Ein hohler Baum, abgehackt, die Splitter verteilt. Amaz6Räumt denn hier keiner auf? Aber das ist ein echter, ein uriger, ein Urwald. Ich habe es entdeckt: Brandenburg Amazonien.

Lianen, die sich über zugemoste Bäume legen, die wachsen, als wüssten sie nicht wo oben ist. Ein See? So ähnlich. Amaz14FullSizeRender-7Vertrocknet, prähistorische Krähenspuren am Modderstrand, Grasbüschel, die mir aus Jurassic Park bekannt vorkommen. Prähistorisch, prämenschlich, denn der Mensch ist in dieser Umgebung überhaupt nicht vorgesehen. Geh doch! wispert hier jedes Blatt. Geh doch zurück in deine Stadt, wenn du das hier nicht aushältst, du Memme! Baumland.

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Ich wate durch Brennnesselfelder, wo spitze Äste darauf warten, einem die Augen auszustechen. Warum habe ich mich überhaupt in das Dickicht geschlagen? Gleichzeitig bin ich fasziniert: Wahnsinn, DAS ist mal ein Wald. So muss das sein.

Amazonas und Amazon

Andere Künstler finden das auch. Der Wald und seine Geheimnisse, also gehen wir am nächsten Tag gemeinsam los. Und wie wir Künstler so sind, finden wir auch gleich etwas. Juhu, Knochen!

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Ich bin  lieber etwas weiter weg von den Knochen. Ich sehe am Abend immer heimlich Bones über Amazon Prime (die Hälfte der Künstler hier verabscheut Amazon) und da sieht die Sache irgendwie sauberer aus. Und nicht so echt. Ein Wildschwein? Elffriede ordnet mal alles, weil sie das immer so macht. Elffriede – Aufzeichnungssysteme. Oder ein Reh. Eigentlich ganz klar, was soll denn hier sonst so im Wald rumliegen? Höre ich mich panisch an? Ich bin etwas panisch. Ich weiß nicht mehr, wo wir die Fahrräder abgestellt haben, damals, als wir auf dem Weg nicht mehr weiterkamen -Verdammte Abenteuerlust.

„Wir können die Knochen doch mitnehmen!“

Nein, Elffriede, ganz gewiss nicht. Das hier ist nicht Bones – alles ins Lab – das hier ist Brandenburg, und die Tiere lassen wir liegen. knochenUnd falls es Menschenknochen sind, dann sollten wir wohl besser rennen. Ich fang schon mal an und haste durchs Unterholz. Der Wald?! Was habe ich mir  bloß dabei gedacht? Wir Menschen haben hier nichts zu suchen. Hier sind die Tiere und fressen sich gegenseitig. Hier traut sich nur Attenborough hin und filmt mit Super-Teleobjekt. Aber dann – ich bleibe stehen und sehe es ganz weit oben: Hier gibt es nicht nur Bäume. Nee, nee, sondern auch Menschen, die in kleinen Hütten wohnen.brandenburg Oder in Hütten unten am Boden.

So ist das also, mit dem angeblich so verwilderten Wald. Dem Amazonasgebiet. Ha! Natürlich sind hier schon Menschen, das ist wie mit den Fliegen, die sind überall. Von wegen Baumland, von wegen Ende der Zivilisation. Die Vorhut ist längst angekommen und hat die Bäume verarbeitet und Häuser gebaut. Doch wo sind die Bewohner?

Von Mensch zu Mensch

Ich habe einen Plan. Ich gehe zurück zum Krokodil und baue mir einen Einbaum. Dann fahre ich den Brandenburg Amazonas hinunter und treffe auf die Eingeborenen. Die echten, versteht sich. (Logisch, dass die Blaumann-Männer und Kopftuchfrauen hier eigentlich gar nicht hingehören.) Kneipe? Nope! Ich habe etwas Besseres vor. Mit der lässigen Handbewegung des Forschers – Malaria? Nicht mir! – fege ich die Fliegen, die Monsterlibellen, die Raubvögel beiseite. Ich finde die Amazonen. Hier wartet das echte Abenteuer – Brandenburg, ich komme.

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Als ich nassgeschwitzt hochschrecke, liegt der Kindle Fire dunkel neben mir. Die Amazonen finden? Oder vielleicht besser die Prime-Mitgliedschaft kündigen. Das Leben draußen und hier drinnen in meinem Studierzimmer – die Grenzen verschwimmen. Wie lange geht dieses verdammte Stipendium noch?

Wenn ich mir jetzt die Bilder ansehe, dass muss ich sagen – eine verrückte Zeit. Zum Glück habe ich das Buch fertig geschrieben und bin nicht durchgedreht. Ich umarme den Baum vor unserem Haus. Wir sind so gute Freunde! Mehr brauche ich nicht. Jedenfalls was die Natur angeht. Auf die Filme kann ich schon schlechter verzichten. Ein echtes Stadtkind eben.

#Kopf-Post it: Noch mal The Shinning ansehen.

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Kambodscha

Scannen 4Der erste Eindruck von Kambodscha war überwältigend. Es war heiß und staubig und es kam mir viel größer und unübersichtlicher vor als Laos. Hier wurden wir das erste Mal als „Ausländer“ angestarrt.

Wir sind mit dem Flugzeug in Phnom Phen gelandet und gleich in ein Tuk-Tuk gestiegen, um uns zu einer Busstation fahren zu lassen. Die Tuk-Tuk Fahrer hier sind viel aufdringlicher als in Laos und Thailand. Sie fassen einen richtig am Arm oder fahren, während man die Straße lang läuft, langsam neben einem her. Etwas beunruhigend, wenn man sein komplettes Hab und Gut auf dem Rücken trägt. Und in Sihanoukville haben wir zwei ganz entscheidende Sachen gelernt:

  1. Niemals in einer fremden Stadt nachts ankommen!
  2. Eine Nacht mit Bed-Bugs ist nicht so schlimm, wie man sich es vorstellt.

IMG_9280Auf Kambodscha war ich, glaub ich, am meisten gespannt. Es kam mir so exotisch vor. Und im Vergleich zu Laos wusste ich von dem Bürgerkrieg, der hier noch vor kurzem stattgefunden hat. Ich war, muss ich zugeben, geschockt von dem Müll, der auf den Straßen und eigentlich überall liegt. Auch hier laufen die Kühe frei über die Straße, wie es ihnen beliebt, und grasen gerne mal in riesigen Müllheiden. Uns wurde erklärt, dass vor fünfzig Jahren die Menschen hier noch alles aus Bananen- und Kokosnussschalen gegessen haben, die sie danach dann einfach auf den Boden geworfen haben. Das geht mit Plastik natürlich nicht. Und da es keine von der Regierung finanzierte Müllabfuhr gibt, sondern man ganz im Gegenteil dafür bezahlen muss, seinen Müll abtransportiert zu bekommen, liegt er überall rum. Für uns war es sehr ungewohnt und befremdlich zu sehen, wie die Menschen einfach alte Nudelbecher oder Plastikflaschen über Board ins türkise Meer werfen. Dazu kommt, dass an jeder Ecke kleine Feuer brennen, in die der Müll einfach reingekippt wird. IMG_9292IMG_9277

 

 

 

 

 

 

 

Also wer nach Kambodscha fährt: Macht euch auf den Müll gefasst. Das krasse Gegenteil zu den Dörfern und kleineren Städten war Siem Reap. Nicht die Hauptstadt, aber große Anlaufstelle wegen der nahegelegenen Tempelanlage Angkor Wat. In Siem Reap fühlt man sich am ehesten wie in Europa. Es gibt zwar Nightmarkets und aufdringliche Tuk-Tuk Fahrer, aber hier scheint mehr Geld als im Rest von Kambodscha zu sein. Angkor Wat war unglaublich. Riesengroß und total beeindruckend. Wir waren um sieben Uhr morgens da, zusammen mit tausend anderen Touristen. Ich war von Angkor Wat sehr eingeschüchtert. Sowohl vorher, und als ich da war, und jetzt immer noch. Vorher hauptsächlich, weil es mir wie so ein großes kompliziertes Ding vorkam, in dem man, um es zu besichtigen zu können, diesen ganz ausgefeilten, individuellen Plan haben muss, ohne den man es eigentlich gleich sein lassen kann. Es gibt tausende Tempel und verschiedene Herangehensweisen diesen Komplex zu sehen. Wir haben es dann einfach gemacht und stellte sich raus, es ist gar nicht so kompliziert. Bei 40 Grad Hitze schafft man eh nicht viel mehr als vier Tempel. Und die Tuk-Tuk Fahrer wissen genau, was sie machen und wo sie dich hinfahren.

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Eine Sache, die mich auch sehr an Kambodscha überrascht hat, waren die Traumstrände. Keine Ahnung, das war einfach immer eine Sache, die ich mehr mit Thailand bzw. der Karibik verbunden hab. Aber ja, Kambodscha hat auch weißen Strand und türkisblaues Meer. Es ist wunderbar! In Kambodscha haben wir auf einer Insel namens „Koh Rong“ eine Woche ohne Internet, Strom nur von 18 bis 23 Uhr und ohne fließendes Wasser verbracht. Back to the Roots! Leider ist die eine Seite von „Koh Rong“ schon sehr touristisch, aber auf der anderen Seite, da wo unser AirBnB war, war es noch sehr ruhig.

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Kambodscha war wirklich toll! Obwohl ich hier, mehr als in den anderen Ländern, Deutschland und unsere Privilegien zu schätzen gelernt hab. Wer Interesse hat … an jeder Ecke kann man sich engagieren. Sei es als Englischlehrer, im Kultur- oder Naturbereich. Ich stelle mir ein freiwilliges Jahr in Kambodscha sehr spannend vor.

KnightTheArtist
Roots

Knight The Artist!

Warst du schon einmal in einer Live-Übertragung vom National Theater?
UCI, und Cinestar, und bestimmt auch einige andere Kinos, übertragen hin und wieder Live Mitschnitte aus den Theatern Londons. Und es ist genial!
Ich habe bereits Coriolanus mit Tom Hiddleston gesehen. Skylight mit Carey Mulligan und Bill Nighy. Hamlet mit Benedict Cumberbatch. A View From A Bridge mit Mark Strong.
Und jedes mal war es ein absoluter Genuss.
Die Ausstattung ist ein Traum. Hier werden keine Kosten gescheut. Die Inszenierungen sind schlau. Die Schauspieler sind grandios. Und es ist einfach ein tolles Erlebnis.

Die Engländer können so etwas.

Ich meine, die schiere Anzahl an genialen Schauspielerinnen und Schauspielern, die aus England kommen, die alle ununterbrochen in großen Blockbuster mitspielen könnten, spielen dann Shakespeare in einer alten Lagerhalle. Und das mit einer Liebe und Hingabe, die einem den Atem raubt.

Es ist ein liebenswürdiger, kraftvoller Umgang mit Kunst und Kultur.
Das Stück wird in den Vordergrund gestellt. Jeder nimmt sich zurück und gibt trotzdem alles.

In England sind alle Museen kostenlos. Und die Künstler werden geehrt.
Denn Sir Ben Kingsley, Dame Maggie Smith, Sir Ian McKellen, Dame Helen Mirren, Sir Kenneth Branagh, Dame Judi Dench…all diese Menschen sind mehr als gute Schauspieler, mehr als interessante Charakterdarsteller. Sie tragen enorm zur Verbesserung der Welt bei. Mit allem was sie haben.

Die Engländer wissen das. Deswegen werden dort auf ihre traditionelle Art und Weise kreative Menschen zum Ritter geschlagen. Ein Zeichen enormer Anerkennung.

Und den Effekt spürt man. Auch wenn man gut 1000km weit weg in einem fast leeren Kinosaal sitzt, überkommt einem die Welle. Die enorme und unerklärliche Bedeutung von Kunst, die hier so oft unterschätzt wird. Und einem wird klar, wie wichtig es ist die Künstler zu ehren.

So Knight Your Artists!