Simultane Veröffentlichung
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Simultaneous release

Am 16. Oktober 2015 kam  Cary Joji Fukanagas Film Beast of No Nation ins Kino. Natürlich war damit zu rechnen, dass die kontroverse Geschichte über einen Kindersoldaten viel Aufruhr bringen wird. Dass der Aufruhr dann aber gar nichts mit dem Thema selber zu tun hat, war eine Überraschung.

So hat zum Beispiel der Fakt, dass Idris Elba nicht für einen Academy Award nominiert wurde, maßgeblich zum Oscar-Boykott beigetragen. Dass dieser Mangel an Respekt aber wahrscheinlich gar nichts mit Idris’ Hautfarbe, sondern der Art und Weise wie der Film veröffentlicht wurde zu tun hat, ist die zweite Welle von Aufruhr, die dieser Film mit sich brachte.

,Beast of No Nation‘ wurde nämlich zeitgleich im Kino und online auf Netflix veröffentlicht. Ein Prinzip, das schon einige Filme vorher probiert haben und das als Simultaneous Release bezeichnet wird.

Aufgrund der Unterschreitung der 90-Tage Wartezeit bis zur DVD Veröffentlichung haben die vier größten amerikanischen Kinoketten den Film dann schlichtweg boykottiert, was dazu führte, dass man ,Beast of No Nation‘ nur in ausgewählten Sälen sehen konnte.

Sicherlich, während Netflix die Bedürfnisse des Konsumenten in den Vordergrund stellt, versuchen Kinobetreiber den spürbar sterbenden Trend des Kinos aufrecht zu erhalten. Doch ist die Verhinderung neuartiger Veröffentlichungsmethoden wirklich die richtige Art?

Mit der Diskussion um die Zeitfrist reduzieren Kinos ihren Wert einzig und allein auf die exklusive Frühausstrahlung. Doch ist das wirklich der Grund, warum wir ins Kino gehen? Ob geplant oder nicht, die meisten Filme kann man mittlerweile eh online schauen. Und das teilweise sogar vor Kinostart.

Wenn Kinobetreiber also darauf bestehen, den Film als erstes zeigen zu dürfen, degradieren sie meiner Meinung nach ihren eigenen Wert. Beim Kino geht es doch um was ganz anderes!

Die große Leinwand, die warmen Sitze, der hervorragende Sound und vor allem, dass man mit einem Haufen Menschen ein gemeinsames Erlebnis hat.

Wenn man sich Interviews der Hateful8 Darsteller anschaut, dann hört man eines von allen: es ist ein absoluter Genuss, den Film mit einem Publikum zu sehen. Eine Gruppe von Menschen, die zusammenfährt, lacht, erleichtert ist. Es ist eine Erfahrung, die über den Film hinausgeht.

Denn wenn man nun die Wahl hat, zeitgleich einen Film entweder im Kino oder zu Hause zu sehen, dann werden einem die Unterschiede doch ganz deutlich. Und das heißt nicht, das eins davon besser oder schlechter ist. Nur halt anders.

Und mit genau diesem Unterschied sollten Kinobetreiber werben. Billigere Tickets, damit die Säle voll sind, Cafés direkt im Kino, um danach über den Film reden zu können, auch mal Filme zeigen, die schon lange auf DVD erschienen sind.  Zwanghaft zu versuchen an seinen alten Prioritäten zu klammern, führt eh nur in den Abgrund. It’s a changing world. Und das Kino muss sich mit ändern. Und das nicht einmal zum Schlechteren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Wechsel im Marketing der Kinos, eine ganz neue Filmkultur initiieren könnte. Sehen und gesehen werden. Diskutieren. Zusammen sein. All die Dinge die Zuhause vielleicht zu kurz kommen.

Noch ist Reden während des Films nicht erwünscht, aber ist Kino nicht ein Gemeinschaftssport?

Die Filme habe ich auf Netflix, den Beamer im Wohnzimmer und fürs Popcorn gibt es den PopcornLoop.
Aber das Erlebnis, mit 20, 50, 100 fremden Menschen einen Film zu sehen, zu spüren wie meine eigene Stimmung in der Stimmung des Saals aufgeht, das bekomme ich doch nur im Kino.

Kino muss also nicht sterben. Es muss sich nur ändern.
Und ich freue mich drauf!

 

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