Roots

Jericho

In aller Welt

Als Schauspieler bin ich durch meine Arbeit schon viel durch die Gegend gereist. Für kürzere oder längere Zeit habe ich schon in einigen deutschen Städten gewohnt und einige Male im Ausland gedreht.
Letztens hatte ich dann tatsächlich das Glück, eine Woche in Palästina drehen zu dürfen.
Genauer gesagt in Jericho.
Man sagt, dass Jericho die älteste Stadt der Welt ist. Und auch wenn das wissenschaftlich noch umstritten ist, konnte ich mir Mauern anschauen, die vor über 10 Tausend Jahren gebaut wurden.

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Warm

Mit 250 m unterm Meeresspiegel ist Jericho noch dazu die tiefstgelegenste Stadt der Welt und dementsprechend warm. Durchschnittliche 37°C bei wolkenlosem Himmel sind natürlich nichts im Vergleich zu den 45°C-50°C die es dort im Juli oder August hat, für uns allerdings trotzdem eine deutliche Umstellung. Grundlegender Zustand: Mir ist warm. Da Jericho nicht weit vom tatsächlich tiefsten Punkt der Erde entfernt ist, und zwar dem Toten Meer, habe ich mit einem Kollegen natürlich sofort einen Abstecher dahin gemacht. Und ja, man kann einfach auf dem Wasser schweben. Nächste Stufe: übers Wasser laufen.

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Long time ago in…

Und tatsächlich ist das nicht so weit hergeholt. Die gesamte Umgebung um Jericho ist im Grunde die Geburtsstädte des Christentums. Mit Bethlehem, Nazareth und Jerusalem gleich um die Ecke, stolpert man von einem Wegmarker Jesus‘ zum nächsten. So war ich unter anderem auf dem Mount of Temptation auf dem Jesus angeblich 40 Tage lang den Versuchungen des Teufels widerstanden hat. Darauf hin wurde in den Berg ein Kloster gehauen. Sehr beeindruckend.
Auch war ich in der Monastery of Saint Mark in Jerusalem unter der scheinbar das Last Supper stattgefunden haben soll, am Geburtsort von Virgin Mary und auf der Via Dolorosa auf der Jesus seinen Kreuzweg gegangen ist. Alles Orte, auf die ich mehr oder weniger zufällig gestoßen bin.
Doch nicht nur das Christentum hat hier sein Lager aufgeschlagen. Die Klagemauer ist nicht weit entfernt von der al-Aqsa-Mosche und so tummeln sich orthodoxe Juden und Muslime in den kleinen Straßen Jerusalems. Ein überwältigender Anblick, besonders, da ich am ersten Freitag des Ramadans in Jerusalem war und 250 Tausend Musilme zum Beten in die Stadt geströmt sind.

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People

Doch was ich am meisten daran liebe, an neuen Orten zu drehen, ist, dass ich die Städte und Länder auf ganz spezielle Weise kennenlernen kann. Ich muss nicht als Tourist durch die Straßen wandern, da ich zum arbeiten da bin. Meistens steige ich aus dem Zug, Flugzeug oder Auto und mache mir sofort Gedanken, wie ich hier am besten Leben kann. Das heißt dann im Grunde Augen aufhalten nach Supermarkt, Café, Restaurant. Sofort in den Alltag der Menschen hineingeworfen zu werden, gibt einem ein vollkommen neues Verständnis für die jeweilige Mentalität.
Wenn man dann noch die Möglichkeit bekommt, mit einem Team vor Ort zu arbeiten, ist es eigentlich immer eine wunderbare Erfahrung. Das Team aus Palästina, das uns geholfen hat unseren Film zu drehen, war da absolut zuvorkommend.

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Freiheit

Ich bin auf jeden Fall unheimlich dankbar über diese enorme Freiheit, die mein Beruf mir gibt.
Physische Beweglichkeit bringt meistens auch eine mentale Beweglichkeit mit sich. So kann ich mir Gedanken um Filme, Musik und Kunst machen. Zu sehen, dass sich aus politischen Gründen einzelne Gesellschaftsgruppen nicht frei bewegen können, war für mich sehr unangenehm. Dass unser Team dennoch eine enorme positive Energie hatte und diese dafür verwendet, Filme zu drehen, war für mich außerordentlich beeindruckend und schön!

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