Ruhe

Das Suchen und finden einer Leidenschaft

Als ich jünger war, hatte ich oft Angst, niemals eine Leidenschaft für etwas zu bekommen. Du siehst so viele Menschen um dich herum, die für etwas brennen. Die dich stundenlang über ihre Leidenschaft zuquatschen können. Die sich auskennen und weiter informieren. Warum? Einfach weil sie es lieben. ‚Na gut‘, denkt sich Klein-Amber, ‚jetzt such ich mir meine Leidenschaft.‘ Und probiert 1000 Sachen aus. Holländisch, Nähen, Taek-Won-Do, Ballett, Zeichnen etc. Natürlich hab ich spätestens nach einem Monat mein Interesse an der Sache verloren. Wenn ich nicht die Beste darin sein kann, will ich es gar nicht erst machen. Und wenn ich keinen Fortschritt sah, hab ich aufgegeben. Ich hab der Sache ihre Leichtigkeit genommen, mich dadurch selber unter Druck gesetzt und letztendlich verschreckt. Gleichzeitig hab ich Leute extrem beneidet, die an etwas dran geblieben sind, die ihr Talent genutzt haben und durch Übung immer besser geworden sind.

Bei einer Leidenschaft geht es nicht um das Ziel. Es geht um den Weg dahin. Um es noch poetischer auszudrücken: Der nie endende Weg! 

Yoga kam ganz schleichend in mein Leben. Durch meine Ballettjahre war ich sehr gedehnt und deswegen fielen mir viele Posen von Anfang an leicht. Doch das hab ich gar nicht erkannt, weil ich zu beschäftigt war, meiner verebbten Leidenschaft fürs Tanzen nachzutrauern. Vielleicht hab ich Ballett ja nur gemacht, um meinen Körper kennenzulernen, was mir hinterher im Yoga total geholfen hat.

Über drei Jahre lang hab ich Yoga gemacht, ohne viel Druck. Ich hab mich über Fortschritte gefreut, aber sie nicht vorausgesetzt. Keine große Sache. Ich hab mich mehr und mehr auf Social Media darüber informiert und ausgetauscht. Freundschaften haben sich auf der Basis des gemeinsamen Interesses für Yoga gebildet. Und irgendwann, ungefähr Anfang letzten Jahres, hat es Klick gemacht. Momentmal …  das ist meine Leidenschaft. Wenn mich andere Leute anschauen, denken sie vielleicht genauso: „Hey wie cool, sie hat was gefunden, in das sie ihre Energie reinsteckt und sogar mehr Energie rausbekommt. Toll, das hätte ich auch gerne.“

Und von einem Tag auf den anderen hab ich das Team gewechselt.

Es gibt aber nun mal nicht eine Definition für Leidenschaften und hundert Wege wie sie zu dir kommen. Genauso wie Freunde. Manche kommen wie ein Knall in dein Leben, eine Intensive Zeit und dann ist die Sache vorbei. Es gibt Monatsleidenschaften, Tagesleidenschaften, aber auch Stundenleidenschaften. Manchmal reicht ein Foto auf Pinterest und die Flamme ist entfacht. Manchmal lebt man Jahrelang Seite an Seite mit ihr, bis man es realisiert.

Wenn ich morgen aufwache sollte und das Feuer für Yoga ist weg, dann sag ich: Danke für die schönen gemeinsamen Jahre. Aber ich werde mich nicht dafür fertig machen und es so lange genießen, wie es anhält. Und wer weiß, vielleicht mach ich noch mit achtzig Sonnengrüße. Und inzwischen bin ich dankbar dafür, ungeduldig gewesen zu sein. Es war nicht falsch, irgendwann mit Holländisch aufzuhören. Denn sich zu etwas zwingen ist Kopfsache, aber die Leidenschaft für etwas kommt aus dem Herzen.

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2 Kommentare

  • Antworten Mariä 6. November 2016 zu 21:10

    Was für ein schöner Beitrag über Leidenschaften.
    Ich finde mich darin sehr wieder.
    Danke! :-)

    • Antworten Amber 7. November 2016 zu 11:26

      Danke! Du bist übrigens einer dieser Menschen, die ich für ihre Klarheit bei ihren Interessen sehr bewundere!

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