Roots

Übers Lehren

Ich hab letztes Mal über das Finden einer Leidenschaft geschrieben.

Nun ist es so, dass ich Yoga nicht in Kursen mache, sondern zuhause über YouTube. Das Üben, allein, zuhause, gibt einem natürlich enorme Freiheit. Ich kann so lange, so viel, machen wie ich will. Manchmal merke ich nach fünf Minuten, dass es heute nicht das Richtige ist. Manchmal vergesse ich die Zeit total und mache, ohne es zu merken, drei Stunden Yoga. Gleichzeitig spar ich natürlich Unmengen an Geld. Außerdem kann ich so zum Beispiel von Adriene lernen, die sonst nur in Amerika unterrichtet.

Das Internet überbrückt halt einfach Meilen.

Doch natürlich fehlt manchmal etwas. Man hat nicht jemanden, der einen ganz individuell daran erinnert, die Schultern zu lockern. Oder zeigt einem, wie man eine Pose verbessern kann. Man schaut halt immer nur mit seinen eigenen Augen und wird mitunter blind für seine Fehler.

Zum Glück habe ich in meinem Umfeld viele Leute, die ebenso Yogabegeistert sind, und so fiel es nicht schwer, sich zusammenzutun.

Im Stillen „Trainieren“ und dann in einer kleinen Gruppe voneinander lernen. Großartig! Ich war zufrieden. Doch wie so oft sollte das noch nicht alles sein. Denn diesen Urlaub hab ich noch einen neuen Aspekt kennengelernt, der mir bis dahin unbekannt war. Das Lehren.

Die anderen Redbugx hatten Interesse an einem Yoga-Kurs, den ich leiten soll.

„Klar kann ich machen“, dachte ich. „Eigentlich muss ich ja nur Yoga machen wie sonst auch und dabei kommentieren, was ich mache. Easy.“ Damit hatte ich natürlich die ganze Sache unterschätzt. Das Lehren bringt nochmal eine ganz eigene Philosophie mit sich und ähnelt im Kern daher mehr einer Performance.

Du machst dennoch nicht einfach Yoga mit Publikum, du machst Yoga mit individuellen Leuten, mit individuellen Körpern. Jeder bringt seine eigene Sport-Vergangenheit mit, seine Fragen und Wünsche, Verletzungen und Schwächen. Ich musste mich nie damit beschäftigen, wie bestimmte Übungen für Leute mit kaputten Knien funktionieren, weil meine in Ordnung waren. Und so hab ich den Spaß entdeckt, die Übungen in ihre Grundform hinunterzubrechen. „Okay, wobei geht es bei der Übung? „Sollte der Rücken gerade sein, oder geht es mehr um das Strecken der Beine?“ „Wie kommt es, dass jemand eine perfekte Krähe schafft, aber Probleme mit dem zweiten Krieger hat? „Haben Menschen unterschiedliche Schwerpunkte und daher eine unterschiedliche Balance?“

Vor mir hat sich ein riesiges Feld an neuen Möglichkeiten aufgetan. Mein Horizont wurde also wortwörtlich über meinen eigenen Körper hinaus erweitert.

Gleichzeitig hat das Beibringen mir selber gezeigt, wie weit ich schon gekommen war. „Stimmt, damit hat ich früher auch immer Probleme gehabt, und inzwischen denk ich da gar nicht mehr drüber nach“ Ähnlich wie man eigene Veränderungen oft nicht sieht und sie einem erst klar werden, wenn man von jemanden angesprochen wird, der einen Monate nicht gesehen hat.

Das Unterrichten gab meinem Individuellen Training ein ganz neues Selbstbewusstsein,

Und dann ist aber noch etwas Faszinierendes passiert. Ich habe angefangen, von meinen „Schülern“ zu lernen. Der Lehrer wird zum Schüler und alles findet seine Balance.

Manchmal lohnt es sich wirklich aus seiner Höhle hinauszuschauen. Egal ob man vorne steht oder in der Gruppe, der Lehrer lernt bei jeder Stunde so viel wie seine Schüler. Ich könnte mich daran gewöhnen.

Das Foto ist übrigens von dem Taekwondo Kurs den Lenny in Italien geleitet hat.

 

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