1910
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Frankenstein // 1910

Heute habe ich die Freude, euch eine ganz besondere Frankensteinadaption vorstellen zu dürfen. Denn schon 1910 haben sich die Edison Studios an eine Verfilmung dieses berühmten Romanes getraut. Sie haben damit die erste filmische Version des Monsters erschaffen und somit den Grundstein für zahlreiche weitere Frankensteinfilme gelegt.

Wenn man sich heute das Kinoprogramm anschaut, sieht man einen Effekt-Blockbuster nach dem anderen. In Civil War clashen sich die Avengers, Batman vs. Superman ist der große DC Battle und auch Frankenstein hat eine actionreichen Neuverfilmung. Doch auch damals haben sich Filmemacher kräftig ins Zeug gelegt, um ihre Visionen auf die Leinwand zu bringen.
Und was man heute manchmal so schmerzlich vermisst, scheint 1910 noch Konsens zu sein: Ein Effekt ist immer nur so gut wie seine Story.

Wie schnell langweilt man sich nach der fünften Explosion, die zwar beeindruckend aussieht, aber überhaupt keinen Wert hat.

Die Edison Studios haben da natürlich alles richtig gemacht, denn mit Frankenstein haben sie sich eine geniale und aufregende Geschichte ausgesucht, die viel Spielraum für Effekte lässt. Doch wenn man die gesamte Handlung von Frankenstein und seinem Monster in nur zwölf Minuten erzählen will, muss man sich schon einige Tricks und Kniffe ausdenken.

Dass Frankenstein somit innerhalb der ersten 30 Sekunden the mystery of life entdeckt, ist natürlich eine enorme Verkürzung. Aber der geniale Erschaffungsprozess des Monsters, der dagegen fast ganze drei Minuten dauert, holt natürlich einiges wieder heraus.
Nicht nur ist es durchgehend eine super fortschrittliche Tricktechnik für 1910, es handelt sich zeitgleich auch um einer der wenigen Filme, in denen das Monster aus einer chemischen Reaktion, statt aus Leichenteilen, erschaffen wird.

Die Intensität muss man natürlich den Schauspielern Augustus PhillipsCharles Ogle und Mary Fuller anrechnen, die in unheimlich kurzer Zeit eine Vielzahl von Emotionen runterspielen. Der Konflikt des Monsters kann in Worten einfach nicht besser beschrieben werden, als es Ogles Blick in den Spiegel tut.

Und wer dachte, dass es sich um eine spannende, aber flache Nacherzählung der Geschichte handelt, hat sich schrecklich geirrt. Mit Victors letztem Blick in den Spiegel bringt James Searle Dawley eine Ebene ins Spiel, die so viele Frankensteinadaptionen einfach weglassen. Wie reddit so schön sagt:

knowledge-is-knowing

 

Doch ohne euch den Film jetzt weiter zu spoilern, lasse ich euch einfach selber gucken. Lange Zeit galt das Material als verschollen, doch seit ca. 2000 ist es wieder allgemein verfügbar.

Ich präsentiere stolz:

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