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Transzendenz

Ruhe

Meditation

Am allerbesten schlafe ich in einem frisch aufgeräumten Zimmer mit frischer (vorzugsweise weißer) Bettwäsche nach einem aktiven, erlebnisreichen Tag.

Geht, denk ich, jedem so.

Wenn also mein Umfeld sauber und mein Körper erschöpft ist.

Aber die Gedanken, die ich den Tag über hatte, die Eindrücke, sind immer noch verwurschtelt und unsortiert in meinem Kopf, als ob ich zwar meine Klamotten aufgehoben, aber sie nur in den Schrank gestopft hätte.

Also Meditation. Um nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere zu reinigen. Macht ja Sinn.

Und die erste Meditation nach monatelanger Pause war wie das erste Mal Laufen gehen, nach Monaten ohne Sport und Tonnen von italienischer Pasta.

Aber genauso wie ich nach ein zwei Wochen wieder in meinem normalen Laufrhythmus war, hat sich auch mein Geist schneller beruhigt.

Und dann kann ich so richtig gut schlafen.

Für den, der sie noch nicht kennt … checkt doch mal die App „Headspace“ aus.

Ich weiß kommt ein wenig unromantisch rüber eine App zum Meditieren aber sie funktioniert wirklich gut. Ist total liebevoll gemacht und supergut für „Anfänger“

Rausch

Augenkontakt

„Die Welt“ berichtet am 19.08. in der Rubrik Wissen über den Rausch nach zehn Minuten direktem Augenkontakt.  Dort wird ein Experiment beschrieben, das italienische Forscher durchgeführt haben.

Ähnlich wie in der Installation von Marina Abramovic „The Artist is present“ saßen sich Probanden zehn Minuten gegenüber und schauten sich in die Augen. Fast alle gaben an, dass sie sich danach in einer Art Trance befunden hätten. Viele sahen Grimassen, das Zeitgefühl ging verloren etc. Die Forscher sprechen von einer Dissoziation also dem Verlust des Bezugs zur Realität. Ok, das scheint jetzt nicht so wahnsinnig aufregend zu sein, denn vermutlich langweilt sich das Gehirn einfach, wenn es immer nur die gleichen Infos bekommt und legt dann selbst los mit einem eigenen Unterhaltungsprogramm.

Aber was ist damit?

Ich sitze bei einem -nennen wir es mal „esoterischem“ Kurs- einer mir völlig unbekannten Frau gegenüber. Ich erfahre, dass sie Postzustellerin ist und schätze sie auf Mitte/Ende vierzig. Sie ist relativ schlank und hat mittellange dunkle Haare.

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Wir sollen uns ähnlich wie in dem beschriebenen Experiment, von dem ich damals noch nichts wusste, gegenübersetzen und uns reglos in die Augen schauen, mit der Variante, dass wir vorher entscheiden sollen, wer wem aktiv in die Augen schaut und wer es sozusagen eher passiv zulässt. Danach soll gewechselt werden.

Also ich schaue meiner Postzustellerin in die Augen. Nichts. Fünf Minuten. Ich habe Schwierigkeiten zu fokussieren. Versuche mal in ihr linkes Auge, dann ins rechte Auge zu schauen. Nichts. Verliere eher immer wieder den Fokus. Zehn Minuten auf die gleiche Stelle zu starren, ist nicht so einfach. (Wenn es nicht gerade ein Bildschirm ist.) Meine Augen tränen. Ich pralle an ihren Augen ab. Dann habe ich das Gefühl, über ihre Augen schiebt sich eine Art undurchdringlicher kupferner Schirm, der mich noch mehr abprallen läßt. Zehn Minuten. Ok ich kann das nicht, ich gebe auf und … Bäng! In dem Moment – ohne Scheiß- werde ich –schloooaahhhng- harrypottermäßig in ihre Augen reingesaugt. Wuuuuusch. Ich sitze immer noch da regungslos und gleichzeitig geht auf/in ihrem Oberkörper die volle Luzi los. Ich sehe sie, nein nicht sie, sondern einen alten Kung Fu Kämpfer. Der winkt mich ran. Und legt dann voll los. Fliegt durch die Luft, shaolinmäßig. Boah jetzt nicht aufhören. Ist das abgefahren. Ich sitze regungslos in meinem Stuhl und schaue immer noch in ihre Augen. Sehe aber gleichzeitig den Alten in seinen schwarzen Kung Fu Klamotten durch die Luft fliegen und ihr Gesicht schein länger, schmaler zu werden, ihre Augen schlitzförmig. Ist da nicht sogar eine Art Ho Chi Min Bart? (für diejenigen, die sich noch erinnern.)

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Irgendwann -bämm -ich weiß nicht wie lange es gedauert hat- ist es zu Ende.

Abgefahren oder?

Aber jetzt kommt’s. Wie gesagt, ich habe die Frau zum ersten Mal in meinem Leben gesehen.

Sie praktiziert seit ihrem dreizehnten Lebensjahr Kung Fu, trägt eine schwarze Schärpe und trainiert immer noch.

Hallo?

Ruhe

The Artist is present

Gerade erst „The Artist is Present“ gesehen.
Ein Film über eine Ausstellung von Performances von Marina Abramović. Die Ausstellung lief schon 2010 im MOMA. Ich muss zugeben, dass ich ihre Arbeit vollkommen aus den Augen verloren hatte. Das letzte, was ich von ihr wahrgenommen hatte, war die Arbeit auf der Chinesischen Mauer und die Trennung von Ulay Ende der 80er.

Der Film ist jetzt bei AMAZON Prime. Jep so kann’s gehen. Die Dinge kommen eben erst auf einen zu, wenn man das Level freigespielt hat. Gruß an Christel, die mir dabei geholfen hat.

Kernstück der Ausstellung ist eine ganz neue Arbeit, die in dieser Ausstellung entstanden ist. Eben „The Arist is Present“. Und das ist der Hammer. Die Arbeit sieht eigentlich so aus, wie einige frühere. Sie sitzt mehr oder weniger unbeweglich schweigend jemandem gegenüber. Manchmal mit einem Tisch zwischen sich und dem Gegenüber. Hier sitzt sie während der Öffnungszeiten für die Dauer der Ausstellung, also über drei Monate lang im Atrium des Moma für insgesamt 721 Stunden schweigend wechselnden Besuchern gegenüber und schaut ihnen in die Augen – oder lässt sich von ihnen in die Augen schauen.

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Damit hat Abramović einen Großteil ihrer Performances aus den 70er und 80er Jahren hinter sich gelassen, bei denen der Fokus eher auf Genderproblemen liegt. Jetzt hat sie m.E. einen Riesenschritt darüber hinaus ins Transzendente gemacht. Sie sitzt immer noch schweigend und unbeweglich auf einem Stuhl jemanden gegenüber, wie sie damals Ulay gegenüber saß, aber jetzt ist es in meinen Augen etwas ganz anderes geworden. Es passiert etwas anderes. Sie sieht ins Innere der Menschen, in deren Seelen oder lässt sich in die Seele schauen. Mit allumfassendem Mitleid zieht sie die Menschen aus dem Alltag in eine höhere Sphäre. Obwohl die gesamte Performance vollkommen ästhetisch durchgestaltet ist, durchbricht sie die Künstlerin in der Ausführung der Performance die ästhetische Grenze. Das Kunstwerk bekommt eine spirituelle Dimension und greift direkt in die Wirklichkeit der Betrachter ein. Die Künstlerin erscheint als Hohepriesterin, aber als eine Hohepriesterin nach der Zeit der mythischen Religionen.  Zumindest die Performance transzendiert sich selbst.