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Ruhe

Oscars // #OscarsSoWhite

#OscarsSoWhite

Es war das Thema, schon lange vor der Oscarnacht: Oscars So White – Keine Nominierung für einen afroamerikanischen Künstler – Schauspieler oder Regisseur. Wie geht das bei all den herausragenden Projekten, die in diesem Jahr von Afroamerikanern abgeliefert wurden? Spiegel Online: „Idris Elba etwa, Will Smith, Jason Mitchell und Michael B. Jordan, die in Filmen wie „Straight Outta Compton“, „Creed“, „Concussion“ oder „Beasts Of No Nation“ spielen, Produktionen also, an denen schwarze Schauspieler und Regisseure maßgeblich beteiligt waren.“ Schwarze zu sagen, ist das überhaupt noch politisch korrekt? Überhaupt -waren wir nicht schon einmal weiter? Wir sind Menschen, alle gleich – bis auf einen winzigen Abschnitt auf unserer DNA – so what! Also, was können wir, was kann ich in der Sache tun?

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Boykott

Für Jada Smith und Spike Lee war es ganz klar. Sie beschlossen, die ganze Veranstaltung zu boykottieren, wobei man schnippisch fragen kann: Waren sie überhaupt eingeladen?
Chris Rock, der die Veranstaltung souverän moderierte, antwortete mit schwarzem Humor und weitete das Thema so aus, dass man den Eindruck hatte, es ginge nur noch um #OscarsSoWhite. Bildschirmfoto 2016-02-21 um 14.24.52Sogar die (afroamerikanische) Präsidentin der Academy ließ es sich nicht nehmen, im Vorfeld der Oscars zu twittern und in ihrer Rede am Oscarabend darauf hinzuweisen: Es wird sich etwas ändern. Was, sagte sie allerdings nicht so genau …

Academy of Motion Pictures Arts and Science

Vielleicht ist es gut, ein wenig Ruhe in die Debatte zu bringen und sich zu fragen: Wie ist das überhaupt, mit dieser Academy of Motion Pictures Arts and Science? Was ist das für eine Organisation? WER ist in der Academy und wählt später die Künstler aus? WIE kommt man da hinein? Moment mal: Ich bin Drehbuchautorin. Kann ich nicht einfach mitmachen? #FrageSoNaiv

WER?

banner.ampas„Academy membership is limited to film artists working in the production of theatrically-released motion pictures.“ Okay, so weit klar, man muss schon irgendwie mit Film zu tun haben, um dazugehören zu können. Die Academy hat siebzehn Bereiche, „ranging from Actors to Writers“ (was hier tatsächlich alphabetisch gemeint ist) und zwei Kategorien: „Members-at-Large and Associates“, um auch Menschen würdigen zu können, die nicht direkt mit dem Filmgeschäft zu tun haben. Ich bin im Filmgeschäft. Sieht doch erstmal gut aus.

WIE?

„The Academy’s membership process is by sponsorship, not application.“ (Academy Website)
Genauer gesagt, ein Kandidat muss von mindestens zwei Membern vorgeschlagen werden. Tja, wer könnte mich vorschlagen? Mal im iPhone nachsehen. „Additionally, Academy Award nominees are automatically considered for membership and do not require sponsors.“ Oder, ich bekomme eine Nominierung. Wobei das noch nicht einen automatischen Eintritt in die Academy bedeutet. „Nominees and sponsored candidates are reviewed by branch committees and recommendations for membership are considered by the Academy’s Board of Governors.  (…) The current cycle deadline for candidates is Thursday, March 24, 2016.“ Also, alle, die ihr dieses Jahr für den Oscar nominiert wart, eure Deadline ist der 24. März. Ich muss mich vorschlagen lassen. Jedes Academy-Mitglied darf aber nur einen Kandidaten im Jahr vorschlagen und auch nur einen aus ihrem Bereich. Und jeder Bereich hat eigene Vorgaben. Gleich mal nachsehen: Als Schauspieler braucht man mindestens drei Rollen in bedeutenden Filmen oder Preise. Als Autor mindestens zwei Drehbücher für bedeutende Filme – wobei die Academy entscheidet, was bedeutend ist. Upsi. Ich beschließe also erst einmal zwei Drehbücher von hoher Relevanz für die Filmkunst zu schreiben, bevor ich mich vorschlagen lasse. #NotJustYet

Wer wählt die Oscarnominierten und Gewinner?

OscarDas mit der Mitgliedschaft ist also kein schneller Weg. Ich muss mich auf die Mitglieder verlassen, die schon in der Academy sind. Aber wer sind die? Wer entscheidet, wer für die Oscars nominiert wird oder sie gewinnt? Ich sehe alte Filmstars mit zittriger Hand Stimmzettel ausfüllen: „Wo kann ich ein Kreuz für James Stuart machen?“ Tatsächlich hat sich etwas getan, die Regeln haben sich geändert. Die Academy hat alle inaktiven Mitglieder (also inaktive bezogen auf das Filmgeschäft) in eine Art Ruhestand verschoben und schließt sie von der Wahl aus. Das heißt nicht, das ältere Mitglieder ausgeschlossen werden, wie die Academy in den FAQ betont. Es sollte nur ganz deutlich gemacht werden, dass die Academy frische Meinungen von Leuten haben möchte, die konstant in hoher Qualität im Filmgeschäft arbeiten. Sollten also weniger Afroamerikaner vorgeschlagen werden, dann liegt es jedenfalls nicht an irgendwelchen reaktionären alten Säcken, die immer noch voten. #SovielDazu

Welche Farbe haben die Oscars?

Nach meinen Recherchen nur eine: Golden. Alles, was zählt, ist eine Menge Ruhm und die Ruhe, Kreativität und Geduld, sich diesen Ruhm zu verdienen. Und sonst?

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Academy-Gründung 1927

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Academy-Fest 1929

Erst seit den 1960er Jahren sind die Afroamerikaner in den USA gleichberechtigt und haben Wahlrecht. Die Academy ist 1927 gegründet worden. Noch Fragen? Wer die Ruhe hat, kann ja mal auf dem rechten oder linken Foto versuchen, einen Afroamerikaner zu entdecken. Genau. #OscarsSoGolden

*Bildquelle

Rituale
Roots

Oscars // Ritual

Es gibt ein paar Rituale unter den Red Bug Homies.

Das Weihnachtsfest mit großem Tannenbaum oder das traditionelle Hörnchenessen am Neujahrstag. Auch die gemeinsame Oscarnacht gehört seit Jahren zu den festen Terminen. Wieso eigentlich?

Ich kann mich nicht erinnern, mir vorher jemals, eine Nacht um die Ohren gehauen zu haben, um mir Promis auf der Bühne anzusehen, die sich gegenseitig beglückwünschen. Schon als die jungen Homies noch zur Grundschule gingen, lagen sie in ihre Bettdecken gekuschelt die ganze Nacht vor dem Fernseher. Meist wurde es schon hell, bevor sie dann für ein/zwei Stunden schlafen gingen und dann – auf eigenen Wunsch – trotzdem noch pünktlich zur Schule.

Die Kids haben es immer geliebt. Natürlich! Das lange Aufbleiben. Aber ehrlich gesagt, durften unsere Kids immer so lange aufbleiben, wie sie wollten. Ich erinnere mich, dass ich sie einmal zur Schule wecken wollte und sie waren noch wach, hatten die ganze Nacht durchgelesen. So what? Der Glamour vielleicht? Der rote Teppich, die Prinzessinnenkleider, die stattlichen Smokings? Die Musik. Der Glimmer und das Gold?

Seltsam nur, dass jetzt, wo alle drei selbst erfolgreich im Filmgeschäft sind, der Glamourpart des Business’, Premieren, Partys und rote Teppiche für sie gar nicht so interessant ist.

Was ist es also? Natürlich ist es eine Riesenshow. Ich glaube aber, es ist das, was unter dem Glitzer die ganze Zeit hervorscheint. Das, worum es eigentlich geht. Um Menschen, die mit all ihrer Kraft, ihre Leidenschaft leben. Ernsthaft künstlerisch arbeiten. Gute Geschichten erzählen. Menschen berühren. Die Welt besser machen.

In dieser Nacht hat es niemand besser gesagt als Pete Docter, einer der Macher von Inside out, in seiner Dankesrede: „Anyone out there who’s in junior high, high school, suffering, there are days you’re going to feel sad, you’re going to feel angry, you’re going to feel scared — that’s nothing you can choose. But you can make stuff. Make film, draw, write. It’ll make a world of difference.“

Genau das ist es, was die Kids gespürt haben, aufgesaugt haben, schon immer gewusst haben. Das ist Red Bug Home.

Weihnachten ist für die Familie.

Zu Neujahrshörnchen sind alle Freunde eingeladen.

Die Oscarnacht ist eine Red Bug Affair.