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Kunst

Ruhe

Odysseus

Viel ist nicht geblieben.

Der Rucksack leer, die Taschen verstaut.

Geschenke geschenkt,

Fotos gezeigt.

Die Bräune verblasst synchron mit den Erinnerungen.

 

Die Kälte wieder in den Knochen,

kommt die Einsamkeit zurück.

Das Starren auf geschminkte Münder

mit leeren Worten.

 

Geflohen vorm neuen Jahr.

Rechtzeitig zurück, die Bäume noch kahl zu sehen.

Zurück zum Neustart,

aber die Zeit ist stehengeblieben.

Eine Runde gelebt.

 

In dem Moment rufst du an

und

ich seh die Knospen sich durchkämpfen, ich seh die Fenster sich öffnen.

Ich seh gespannte Augen …

gespannt auf meine Geschichten.

David Gebärde Pose
Roots

Pose, Gebärde und Literatur

In letzter Zeit fühle ich mich immer wieder an eine beeindruckende Vorlesung des unvergessenen Kunsthistorikers Max Imdahl erinnert. In seiner unnachahmlichen Eloquenz hat er damals äußerst kluge und originelle Gedanken zum Gegensatz zwischen Pose und Gebärde vorgestellt. Anhand dieser Überlegungen konnte er aus kunsthistorischer Sicht die grundlegenden Unterschiede zwischen Michelangelos ›David‹ und einer Plastik Arno Brekers verdeutlichen.

Imdahl hat diese Erkenntnisse zu Pose und Gebärde in zahlreichen Aufsätzen veröffentlicht. Einen guten Einblick gibt der Artikel in Zeit-Online vom 11. September 1987. Er hat damit große Wirkung erzielt. Immer wieder werden diese Gedanken in Arbeiten anderer Kunsthistoriker zitiert.

Jetzt könnte man meinen, dass mir Imdahl dann einfällt, wenn ich als Bildhauer, z.B. an den Mönchen arbeite. Wie ist dort das Verhältnis von Pose und Gebärde? Aber das wird ein anderer Blogbeitrag. Ich bin nämlich nicht als Bildhauer wieder auf Imdahl gestoßen, sondern als Lektor in unserem Label Red Bug Books. Denn hier kommt Imdahl überraschenderweise wieder ins Spiel. Er erläutert: 

Grundsätzlich läßt sich die Meinung vertreten, daß eine Pose nicht eine Gebärde ist. Eine Gebärde vollzieht man selbst, um etwas von sich selbst aus oder gar sich selbst auszudrücken. Gebärde ist körpersprachlicher Selbstausdruck, Pose dagegen Fremdausdruck: Pose ist auferlegt, sie entpersönlicht, sie entindividualisiert denjenigen, der sie vollzieht. Die Pose ist eine falsche, eigentlich unwirkliche Ausnahmesituation, sie ist Selbstmanipulation oder Manipulation durch einen anderen.

Eine posierende Autorin, zeigt nichts von ihrer Persönlichkeit. Glaubt offensichtlich nicht, dass sie etwas eigenes, originelles zu erzählen hat. Das ist schade. Oft unter Pseudonym entstehen so Bücher, die erfolgreiche  Geschichten nachahmen oder die bekannten Muster mit Millionären, Film- oder Rockstars variieren. Die Figuren posieren dann ebenfalls, bedienen und verfestigen die ihnen auferlegten Klischees.

Das kann sicher amüsant sein, wenn diejenige selbst es durchschaut und damit zu ihrem Vergnügen oder dem Vergnügen anderer spielt. Ich finde es aber fatal, wenn sie selbst anfängt, an die Pose zu glauben. Das ist leider um so eher der Fall, je erfolgreicher man für den Moment mit diesem Posieren, diesem So-ton-als-ob ist.

Für Bücher ist so eine Haltung immer uninteressant.

Meine Aufgabe als Lektor ist es also, — und dabei ist Imdahls scharfsinnige Unterscheidung sehr nützlich — die wahrhaftigen Geschichten zu finden, und die talentierten AutorInnen darin zu bestärken, an sich und an ihre wahrhaftigen Geschichten zu glauben und sie uns Lesern (unter ihrem eigenen Namen) zu erzählen. Das ist eine Freude.

Das schöne Foto vom David hat übrigens Katrin gemacht. Danke.

Ruhe

Mönche

Schon vor Jahren, als ich mich mit Zengärten beschäftigt habe, hatte ich das Gefühl, Mönche oder eine Gruppe von Mönchen modellieren zu müssen. Woher kommt sowas? Ich hatte mich nie wirklich mit buddhistischen Mönchen befasst. Egal, es schießt einem in den Kopf. Was willst du damit ausdrücken? Wird sich dann schon zeigen.

Immer mal wieder habe ich also Anläufe genommen, aber ich habe das Thema auch immer wieder schnell fallengelassen. Ich bin nie bis zu dem Punkt vorgedrungen, bei dem ich wirklich angefangen hätte, Material in die Hand zu nehmen. Alles spielte sich im Kopf ab.

Irgendwann dann die Idee, die Gärten wieder aufzugreifen, die ich für die Evolution-Ausstellung im Kunstwerk gemacht hatte. Dort hatte ich von Zengärten inspirierte Skulpturen ausgestellt. Die meditative Wirkung haben sie vor allem durch Katrins Farbkreise.

Derartige Gärten schienen sehr gut geeignet, um mit Mönchen bevölkert zu werden. War mir dann aber doch zu nah an Tabletop Geländespielen. Die Idee Miniaturen aus Greenstuff zu machen, war dann aber da.

Ausstellung Evolution mit Katrin Bongard, 2004   Greenstuff Mönche

Und für ein Ausstellungsprojekt in Miniaturgaragen entstand dann die erste Mönchsprozession. Sie trugen alle Perlen in den Händen. Warum? Weil sie etwas auf ihrer Prozession tragen sollten. Und Perlen waren zur Hand. Kurz danach war ich überrascht, als ich ein Foto von Mönchen sah, auf dem alle ein glänzendes kugelförmiges Gebilde trugen. Bettelschalen.

Menschen sitzen am Straßenrand und füllen die Schalen mit Almosen. Ein wunderbarer Energieaustausch.

Dann las ich in einem Manuskript, das wir im Sommer bei Red Bug Books herausbringen werden, über die Vorstellung in irischen Mythologien, dass man einem Wesen die Seele aus der Brust ziehen kann. Dort trägt der personifizierte Tod die Seele wie eine kleine Lichtkugel auf der Hand und bring sie in Sicherheit. In den Tod, das ewige Leben.

Einer der Mönche  Mönche in LAOS

Egal was man nun sehen will, meine Mönchswesen tragen Energie vor sich her. Oder das ganze Universum.

Ist es Zufall, dass ich jetzt die Energie habe, endlich das Thema Mönche umzusetzen. Jetzt wo ein Red Bug Homie durch Südostasien travelt und mit mir Mönchsfotos auf ein geheimes Pinterestboard pinnt? Wohl kaum.

 

Rituale
Roots

Oscars // Ritual

Es gibt ein paar Rituale unter den Red Bug Homies.

Das Weihnachtsfest mit großem Tannenbaum oder das traditionelle Hörnchenessen am Neujahrstag. Auch die gemeinsame Oscarnacht gehört seit Jahren zu den festen Terminen. Wieso eigentlich?

Ich kann mich nicht erinnern, mir vorher jemals, eine Nacht um die Ohren gehauen zu haben, um mir Promis auf der Bühne anzusehen, die sich gegenseitig beglückwünschen. Schon als die jungen Homies noch zur Grundschule gingen, lagen sie in ihre Bettdecken gekuschelt die ganze Nacht vor dem Fernseher. Meist wurde es schon hell, bevor sie dann für ein/zwei Stunden schlafen gingen und dann – auf eigenen Wunsch – trotzdem noch pünktlich zur Schule.

Die Kids haben es immer geliebt. Natürlich! Das lange Aufbleiben. Aber ehrlich gesagt, durften unsere Kids immer so lange aufbleiben, wie sie wollten. Ich erinnere mich, dass ich sie einmal zur Schule wecken wollte und sie waren noch wach, hatten die ganze Nacht durchgelesen. So what? Der Glamour vielleicht? Der rote Teppich, die Prinzessinnenkleider, die stattlichen Smokings? Die Musik. Der Glimmer und das Gold?

Seltsam nur, dass jetzt, wo alle drei selbst erfolgreich im Filmgeschäft sind, der Glamourpart des Business’, Premieren, Partys und rote Teppiche für sie gar nicht so interessant ist.

Was ist es also? Natürlich ist es eine Riesenshow. Ich glaube aber, es ist das, was unter dem Glitzer die ganze Zeit hervorscheint. Das, worum es eigentlich geht. Um Menschen, die mit all ihrer Kraft, ihre Leidenschaft leben. Ernsthaft künstlerisch arbeiten. Gute Geschichten erzählen. Menschen berühren. Die Welt besser machen.

In dieser Nacht hat es niemand besser gesagt als Pete Docter, einer der Macher von Inside out, in seiner Dankesrede: „Anyone out there who’s in junior high, high school, suffering, there are days you’re going to feel sad, you’re going to feel angry, you’re going to feel scared — that’s nothing you can choose. But you can make stuff. Make film, draw, write. It’ll make a world of difference.“

Genau das ist es, was die Kids gespürt haben, aufgesaugt haben, schon immer gewusst haben. Das ist Red Bug Home.

Weihnachten ist für die Familie.

Zu Neujahrshörnchen sind alle Freunde eingeladen.

Die Oscarnacht ist eine Red Bug Affair.

 

 

 

 

Rausch

Hearts of Darkness & andere kreative Apokalypsen

Heart of Darkness

Ist eine Novelle von Joseph Conrad über eine Bootsfahrt auf dem Kongo in das Herz von Afrika. Conrad zieht eine Parallele zwischen London und Afrika als Orte der Dunkelheit. Conrads Gedanke: Es gibt nur einen sehr kleinen Unterschied zwischen sogenannten zivilisierten Menschen und Wilden.

Apokalypse Now

Ist ein Antikriegsfilm von 1979, der während des Vietnamkrieges spielt und lose auf der Novelle von Conrad basiert. Regie führte Francis Ford Coppola. Der Film erhielt die Goldene Palme in Cannes, zwei Oscars, drei Golden Globe Awards sowie zahlreiche Nominierungen. apoka4Die Dreharbeiten im philippinischen Dschungel und der DomRep waren – ein Desaster. Stürme zerstörten das Set, die Drehbedingungen wurden durch Hitze und Locations erheblich erschwert, der Hauptdarsteller Martin Sheen erlitt einen Herzinfakt. Dazu dauerten die Dreharbeiten über 16 Monate und überschritten das geplante zeitliche und finanzielle Budget erheblich.

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  Hearts of Darkness – A Filmaker’s Apokalypse

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Ist ein Dokumentarfilm von 1991, der größtenteils aus dem während der Filmarbeiten gedrehten 16mm Material von Eleanor Coppola besteht.

Eleanor, die Ehefrau von Coppola, war mit den drei Kindern des Paares mit dem Filmteam in den Dschungel geflogen. Sie hat nicht nur die Dreharbeiten, sondern auch Rituale der Eingeborenen oder Gespräche mit Coppola aufgenommen, zum Teil ohne sein Wissen.

Künstlerische Apokalypsen

Ich weiß eigentlich gar nicht genau, warum ich mir den Dokumentarfilm auf einmal ansehen wollte. Vielleicht, weil ich feststeckte. Mitten in einem Buch, das mir über den Kopf gewachsen war, das ich schon so lange mit mir rumschleppte und das ich sowohl als Megadesaster als auch Meisterwerk bezeichnen konnte, je nachdem, wie meine Tagesverfassung gerade war. Irgendetwas stimmte nicht mit meinem Text, die Message hatte ich schon lange nicht mehr klar im Blick – wozu auch – das ganze lief aus dem Ruder. Je größer das Vorhaben, und je größer die Message, die man in die Welt bringen will, desto sicher erlebt man es: Das künstlerische Endzeiterlebnis. apokalypsen

Jeder Künstler kennt das, den Moment, indem man sein eigenes Projekt gegen die Wand fährt, blind durch die Gegend tappt, in der Hoffnung, dass am Ende alles aufgeht und doch noch gut ausgeht. Es war also ein großer Teil an Verzweiflung mit im Spiel, als ich mir den Film vorholte oder auch Hoffnung: Schauen wir mal, wie Coppola das alles hinbekommen hat, denn das hat er ja offensichtlich und Preise noch dazu bekommen.apokalypsen

 

Die erste Erkenntnis: Es war bis zum Schluss ein Disaster. Der Punkt, an dem sich alles in einen Erfolg verwandelte, es gibt ihn nicht. Bis zum Ende der Dreharbeiten war unklar, ob Coppola diesen Film jemals beenden würde, es überhaupt ein Film werden würde. So ungefähr alles ist schiefgegangen, keine Szene lief nach Plan, kein Schauspieler gehorchte dem Drehbuch oder den Reigeanweisungen. Und auch Coppola selber war sich nicht sicher, was er eigentlich wollte und schrieb Szenen ständig um. In dieser brutalen Offenheit habe ich künstlerisches Scheitern noch nie gesehen.apokalypsen

In einem Interview zu Apokalypse Now sagt Coppola:

„We were in the jungle, there were too many of us, we had access to too much money, too much equipment, and little by little we went insane.“

Manchmal ist die größte Chance – die lange Zeit, das unbegrenzte Volumen, die besten Voraussetzungen – der sicherste Weg zu scheitern. So kam ich mir auch vor, gesegnet mit dem großen Vertrauen des Verlages, mit viel Zeit, mit besten Schreibmöglichkeiten und trotzdem verzweifelt. Meine Protagonisten machten, was sie wollten, niemand hielt sich an meine Outline, ich selber schon gar nicht. Ich schrieb und schrieb um, ich verlor den Überblick. Doch was ich auch in diesem Dokumentarfilm gesehen habe: Am besten macht man einfach weiter. Hofft, dass der Schaden an Psyche und Körper im Rahmen bleibt, hofft, dass am Ende wenigstens etwas entsteht, zu dem man stehen kann. Irgendwie. Das Meisterwerk hat man zu diesem Zeitpunkt sowieso schon aus den Augen verloren. Gut so.

apokalypsen

Also weiterschreiben, sortieren, sich an allem abarbeiten. Streichen, ständig ändern, immer wieder neu herausfinden, was man eigentlich sagen will, ob man es so sagen sollte, was das alles eigentlich bedeutet? Am Ende zählt vor allem der Versuch, der Prozess, die Metamorphose, die man durchlebt. Und man muss sie offenbar durchleben. Zivilisierte Menschen stehen daneben und behalten die hundertprozentige Kontrolle. Wilde legen einfach los, lassen es raus, drehen durch. Es ist nicht nur so, dass zwischen beiden Verhaltensweisen kein großer Unterschied besteht, es MUSS sogar beides zusammenkommen, wenn man künstlerisch arbeitet.

Danke, Eleanor und Francis, dass ihr mich wieder daran wieder erinnert habt. Ich schreibe also weiter. Und ihr solltet euch Hearts of Darkness ansehen.

Rausch

Augenkontakt

„Die Welt“ berichtet am 19.08. in der Rubrik Wissen über den Rausch nach zehn Minuten direktem Augenkontakt.  Dort wird ein Experiment beschrieben, das italienische Forscher durchgeführt haben.

Ähnlich wie in der Installation von Marina Abramovic „The Artist is present“ saßen sich Probanden zehn Minuten gegenüber und schauten sich in die Augen. Fast alle gaben an, dass sie sich danach in einer Art Trance befunden hätten. Viele sahen Grimassen, das Zeitgefühl ging verloren etc. Die Forscher sprechen von einer Dissoziation also dem Verlust des Bezugs zur Realität. Ok, das scheint jetzt nicht so wahnsinnig aufregend zu sein, denn vermutlich langweilt sich das Gehirn einfach, wenn es immer nur die gleichen Infos bekommt und legt dann selbst los mit einem eigenen Unterhaltungsprogramm.

Aber was ist damit?

Ich sitze bei einem -nennen wir es mal „esoterischem“ Kurs- einer mir völlig unbekannten Frau gegenüber. Ich erfahre, dass sie Postzustellerin ist und schätze sie auf Mitte/Ende vierzig. Sie ist relativ schlank und hat mittellange dunkle Haare.

augen

Wir sollen uns ähnlich wie in dem beschriebenen Experiment, von dem ich damals noch nichts wusste, gegenübersetzen und uns reglos in die Augen schauen, mit der Variante, dass wir vorher entscheiden sollen, wer wem aktiv in die Augen schaut und wer es sozusagen eher passiv zulässt. Danach soll gewechselt werden.

Also ich schaue meiner Postzustellerin in die Augen. Nichts. Fünf Minuten. Ich habe Schwierigkeiten zu fokussieren. Versuche mal in ihr linkes Auge, dann ins rechte Auge zu schauen. Nichts. Verliere eher immer wieder den Fokus. Zehn Minuten auf die gleiche Stelle zu starren, ist nicht so einfach. (Wenn es nicht gerade ein Bildschirm ist.) Meine Augen tränen. Ich pralle an ihren Augen ab. Dann habe ich das Gefühl, über ihre Augen schiebt sich eine Art undurchdringlicher kupferner Schirm, der mich noch mehr abprallen läßt. Zehn Minuten. Ok ich kann das nicht, ich gebe auf und … Bäng! In dem Moment – ohne Scheiß- werde ich –schloooaahhhng- harrypottermäßig in ihre Augen reingesaugt. Wuuuuusch. Ich sitze immer noch da regungslos und gleichzeitig geht auf/in ihrem Oberkörper die volle Luzi los. Ich sehe sie, nein nicht sie, sondern einen alten Kung Fu Kämpfer. Der winkt mich ran. Und legt dann voll los. Fliegt durch die Luft, shaolinmäßig. Boah jetzt nicht aufhören. Ist das abgefahren. Ich sitze regungslos in meinem Stuhl und schaue immer noch in ihre Augen. Sehe aber gleichzeitig den Alten in seinen schwarzen Kung Fu Klamotten durch die Luft fliegen und ihr Gesicht schein länger, schmaler zu werden, ihre Augen schlitzförmig. Ist da nicht sogar eine Art Ho Chi Min Bart? (für diejenigen, die sich noch erinnern.)

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Irgendwann -bämm -ich weiß nicht wie lange es gedauert hat- ist es zu Ende.

Abgefahren oder?

Aber jetzt kommt’s. Wie gesagt, ich habe die Frau zum ersten Mal in meinem Leben gesehen.

Sie praktiziert seit ihrem dreizehnten Lebensjahr Kung Fu, trägt eine schwarze Schärpe und trainiert immer noch.

Hallo?

Messenger
Rausch

Messenger

Grrr.
Ihr kennt das bestimmt. Ich arbeite jetzt schon seit Ewigkeiten an einer Idee, denke darüber nach, feile sie aus, nur um dann festzustellen, dass jemand anderes die Idee bereits umgesetzt hat.
Mist. Wieso passiert so etwas. Habe ich die Idee irgendwo schon gesehen? Hat mein Unterbewusstsein etwas aufgeschnappt und so getan, als hätte es das selber erfunden? Aber selbst wenn ich komplett frei von fremden Einflüssen bin, kommt es vor, dass ich eine Idee kriege, die es schon gibt.
Bei der jemand schneller war.

Ideen haben eine sehr kurze Haltbarkeit. In den meisten Fällen kann man sie nur einmal benutzten. Dann sind sie draußen. In der Welt.
Aber sollte ich mich dann nicht eigentlich freuen? Denn darum geht es doch im Grunde. Die Idee nach Außen bringen. Die Welt mit einem Gedanken bereichern. Und wenn das jemand anderes macht, heißt im Grunde nur, dass ich weniger Arbeit habe.
Aber ich freue mich nicht. Nicht einmal bei Ideen, die ich eh nicht umsetzten kann. Die nur ganz zufällig zu mir gekommen sind. Aus versehen aus dem Universum aufgegriffen. Eigentlich für jemand anderen bestimmt. Aber jetzt ist sie bei mir. Diese Idee. Und anstatt sie einfach wieder freizulassen, falsche Adresse, probier es woanders noch mal, klammere ich. Ich weiß, dass ich nichts mit der Idee anfangen kann, aber dennoch denke ich darüber nach. Schmücke sie aus. Verwende Energie. Vielleicht gibt es ja doch einen Grund wieso die Idee bei mir gelandet ist. Vielleicht kann ich in ein paar Jahren etwas damit anfangen. Doch ein paar Jahre dauern einer Idee zu lange. Da sucht sie sich lieber jemand anderen. Jemand der schneller ist. Der etwas mit ihr anfangen kann. Und ich sitzet da und fühle mich schlecht.
Wieder einmal habe ich es nicht geschafft eine Idee in die Tat umzusetzen. Ich habe die Message nicht weitergeleitet. War zu langsam. Muss kündigen. Werde gefeuert. Denn ein Messenger der seine Nachrichten nicht überbringt ist nutzlos.

Also gibt es nur ein Ziel. Ich will kein Geld. Ich will kein Ruhm. Aber ich will immer und überall die Mittel und Möglichkeiten haben meine Ideen umzusetzen. Denn das ist Erfolg.

Ruhe

The Artist is present

Gerade erst „The Artist is Present“ gesehen.
Ein Film über eine Ausstellung von Performances von Marina Abramović. Die Ausstellung lief schon 2010 im MOMA. Ich muss zugeben, dass ich ihre Arbeit vollkommen aus den Augen verloren hatte. Das letzte, was ich von ihr wahrgenommen hatte, war die Arbeit auf der Chinesischen Mauer und die Trennung von Ulay Ende der 80er.

Der Film ist jetzt bei AMAZON Prime. Jep so kann’s gehen. Die Dinge kommen eben erst auf einen zu, wenn man das Level freigespielt hat. Gruß an Christel, die mir dabei geholfen hat.

Kernstück der Ausstellung ist eine ganz neue Arbeit, die in dieser Ausstellung entstanden ist. Eben „The Arist is Present“. Und das ist der Hammer. Die Arbeit sieht eigentlich so aus, wie einige frühere. Sie sitzt mehr oder weniger unbeweglich schweigend jemandem gegenüber. Manchmal mit einem Tisch zwischen sich und dem Gegenüber. Hier sitzt sie während der Öffnungszeiten für die Dauer der Ausstellung, also über drei Monate lang im Atrium des Moma für insgesamt 721 Stunden schweigend wechselnden Besuchern gegenüber und schaut ihnen in die Augen – oder lässt sich von ihnen in die Augen schauen.

Abram_04  Abram_03

Damit hat Abramović einen Großteil ihrer Performances aus den 70er und 80er Jahren hinter sich gelassen, bei denen der Fokus eher auf Genderproblemen liegt. Jetzt hat sie m.E. einen Riesenschritt darüber hinaus ins Transzendente gemacht. Sie sitzt immer noch schweigend und unbeweglich auf einem Stuhl jemanden gegenüber, wie sie damals Ulay gegenüber saß, aber jetzt ist es in meinen Augen etwas ganz anderes geworden. Es passiert etwas anderes. Sie sieht ins Innere der Menschen, in deren Seelen oder lässt sich in die Seele schauen. Mit allumfassendem Mitleid zieht sie die Menschen aus dem Alltag in eine höhere Sphäre. Obwohl die gesamte Performance vollkommen ästhetisch durchgestaltet ist, durchbricht sie die Künstlerin in der Ausführung der Performance die ästhetische Grenze. Das Kunstwerk bekommt eine spirituelle Dimension und greift direkt in die Wirklichkeit der Betrachter ein. Die Künstlerin erscheint als Hohepriesterin, aber als eine Hohepriesterin nach der Zeit der mythischen Religionen.  Zumindest die Performance transzendiert sich selbst.

 

Roots

take a rest

Auf dem Weg zum Flughafen. Radio1. Live aus dem Admiralspalast. Frauke Oppenberg interviewt Buika zu ihrem aktuellen Album “La noche más larga”.

„You said an artist isn’t somebody who sings or paints pictures but somebody who’s whole life is art“

„hmhm“

„So can you explain that?“

„Well I understand that it’s just how you see the life, you know, how you feel the life“

„So don’t you ever take a rest of being an artist?“

Ein Künstler sieht die Welt immer als Künstler, auch auf dem Weg zum Flughafen.